Berichte aus dem Reservelazarett

25.08.1914
Seit Beginn der Kampfhandlungen waren kleinere Gruppen von leicht verwundeten Soldaten von der West- und Ostfront im Reservelazarett untergebracht worden, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug drei Wochen, danach wurden die Genesenen wieder als kriegsverwendungsfähig eingestuft und in den meisten Fällen in Ersatzeinheiten abkommandiert.

30.09.1914
Was macht das Reservelazarett mit den Waffen und der Munition, die bei den Verwundeten sichergestellt wurde? Diese Frage hatte die Kommandantur zu klären. Auf Anfrage beim Kriegsministerium wurde verfügt, daß die von den Verwundeten mitgebrachten Waffen und Patronen einzuziehen und an das Artillerie Nebendepot im Lager abzuliefern und bis auf weiteres zu lagern waren.

08.12.1914
Anfang Dezember waren die Lazaretteinrichtungen im Lager bereits mit 225 Verwundeten belegt, die durchweg vom östlichen Kriegsschauplatz kamen. Ein paar Tage später mußten neue Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden, am 07.Dezember waren weitere 200 meist schwer Verwundete im Lager eingetroffen und dort untergebracht worden. Die Schwerverwundeten waren Teil eines Transports von 450 Kriegern, die aus Lodz kamen. Beobachterinnen der Frauenvereine erkannten sehr schnell, daß sofortige Hilfe notwendig war, da die eingetroffenen Kämpfer fast alle ihre eigenen Sachen eingebüßt hatten. Auch die Ausstattung des Lazaretts ließ viele Wünsche offen. Die Frauenvereine organisierten die Hilfe, zu welcher der Staat nicht fähig war. In einer ersten Aktion sammelten sie Gesellschaftsspiele, Musikinstrumente, Obst, Gemüse, Eingemachtes, Süßigkeiten, Zigarren, Wild und Geflügel, dies waren Dinge, die im Lazarett willkommen geheißen wurden. Ebenso fehlten den Verwundeten Zahnbürsten, Zahnpasten, Hausschuhe, Schreibmaterialien, es fehlte auch an Geld. Wenige Tage darauf wurden den Verwundeten, die im Lager untergebracht waren 24 wollene Hemden, 24 wollene Unterhosen, 2 Dutzend Kniewärmer, 4 Dutzend Taschentücher, 18 Paar Strümpfe, 1 Wolljacke, 10 Brustschützer, 6 Paar Fußschlüpfer, 1 Paar Betthalter, 4 Paar Pantoffeln, 15 Handstöcke, 1.000 Stück Zigaretten, Rolltabak, 220 Pakete Shagtabak, 20 Pfeifen, 350 Zigarren, 7 Gläser Marmelade, 1 großer Glastopf mit Marmelade, 1 großer Topf mit Kirschen, 12 Flaschen Saft, 18 Pakete Kekse, 1 Akkordeon, 10 Mundharmonikas, 4 Kartenspiel, 1 Dominospiel, 1 Damebrett, 1 Halmaspiel, und 3 so genannte Geduldspiele, 5 Lesebücher und verschiedene Zeitschriften übergeben. Daneben hatte der Frauenverein eine Volksküche eingerichtet, wo zu dieser Zeit 22 Kinder mit Mittagessen versorgt wurden. Kurz vor Weihnachten erfolgte die nächste Lieferung. 30 Richtkissen, 1 Roßhaarkissen, 30 Gläser Eingemachtes, 50 Flaschen Saft, 82 Pfund Äpfel, 65 frische Eier, 6 gebratene Küken, 2 gebratene Tauben, 1 Fasan, 4 Suppenhühner, 30 Flaschen Rot- oder Fruchtweine, 1 Flasche Portwein, 6 Pfund Würste, 3 Gläser saure Gurken, 3 Pfund geräucherten Schinken, 3 Pfund Honig, 5 Pfund Pflaumen, 1/2 Pfund Kakao, 3 Pfund Butter, 4 Pfund Kekse, 3 Pfund Weintrauben, 10 Pfund Schokolade, 3 Pfund braune Kuchen, 1 Grammophon, 1 Konzertzitter, 2 Ziehharmonika, 7 Mundharmonikas, 2 Krankenstühle, 1 Schaukelschemel, 2 Bettdeckenstützen, 4 Betthalter, 9 elektrische Taschenlampen, 4 Zahnbürsten, 6 Haarbürsten, 10 Kämme, 9 Paar Filzpantoffeln, 10 Paar Filzschuhe, 27 Spiele, 15 Spiegel, 51 Handstöcke, 1 Aschbecher, 1 Paar Handschuhe, 7 Brieftaschen, 2 Zigarrentaschen, 16 Geldbörsen, 27 Taschenmesser, 31 Hosenträger, 1 Brille, 2 Rasiermesser mit Seife und Pinsel, 4 Feldgraue Extramützen, 2 Fieberthermometer, 24 Pfeifen mit Tabak, 4 Dutzend Stück Seife, 660 Zigaretten, 550 Zigarren, 2 Taschenuhren mit Kette, 45 Taschentücher, 76 Bleistifte, 60 Karten, 200 Blatt Briefpapier, 2 Paar Strümpfe, 15 Hemden, 3 Hosen, 1 Leibbinde, 60 Bücher und eine große Anzahl Zeitschriften und 3 Postpakete mit Geschenken für die Kinder des Lagers. Alles, was direkt verzehrt werden konnte, wurde ihnen persönlich überbracht. Die Küken wurden gebraten, in Viertel geteilt und kalt gegessen, die Eier wurde teils gekocht, teils roh übergeben und zwar an Verwundete, die es am nötigsten brauchten.

12.12.1914
Neben diesen Meldungen, gab es auch Trauernachrichten. Am 11.Dezember wurde der 37 Jährige Pionier der Landwehr Paul Schütz aus Beeskow, Kreis Storkow, mit militärischen Ehren in Kellinghusen zur Ruhe getragen. Mit dem letzten Verwundetentransport war er im Lager angekommen. Er hatte bei den Kämpfen auf dem östlichen Kriegsschauplatz den rechten Arm verloren und war nach eingetretenem Wundstarrkrampf verstorben. Drei Tage danach starb der 42-Jährige Landsturmmann Fabian Bozer. Auch er wurde in Kellinghusen mit militärischen Ehren beerdigt. Die Grabrede hielt der katholische Pfarrer aus Itzehoe.

29.12.1914
Eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier für die verwundeten Krieger fand am Heiligen Abend in den Baracken des Reservelazaretts statt. Es war eine Feier, wie man sie begreiflicherweise noch nicht erlebt hatte. Die Damen vom Vaterländischen Frauenverein Kellinghusen und vom Verband Norddeutscher Frauenvereine hatten den Verwundeten eine angenehme Feier bereitet. Die Verwundeten wurden mit Geschenken und Süßigkeiten bedacht. Der Kreisverein vom Roten Kreuz versah das Reservelazarett mit den erforderlichen Mitteln, um den Verwundeten eine Weihnachtsfreude zu bereiten.

09.02.1915
Unter Führung des Generals von Bonin besichtigte Prinzessin Marie von Schleswig-Holstein die örtlichen Lazaretteinrichtungen. Ende Januar waren in den 12 Baracken mehr als 360 Verwundete stationär untergebracht. Einer der diensthabenden Stabsärzte war Dr. Schellmann aus Elmshorn, der kurzfristig eingezogen und zum Reservelazarett kommandiert worden war. Während des Rundganges wollte die Prinzessin vom Kommandanten wissen, ob die Klagen, die sie in der Bevölkerung gehört habe zuträfen, im Lager wäre der Verbrauch an Brot und Kuchen ins unermeßliche gestiegen. General von Bonin entgegnete, er habe solche Klagen ebenfalls gehört und sei diesen nachgegangen, aber kein einziger Fall habe sich als richtig erwiesen.

19.02.1915
Zur großen Freude weiter Kreise der Provinz hat das Sanitätsamt des IX.Armeekorps nunmehr die Ausbildung und Beschäftigung von Helferinnen an sämtlichen Reservelazaretten der Provinz zugelassen. Damit wird sich vielen pflegebereiten Frauen und Mädchen die Möglichkeit bieten, sich im Pflegedienst zu vervollständigen, die Ernennung zur Hilfsschwester zu erreichen und schließlich vielleicht auch ihren Wunsch erfüllt zu sehen draußen in der Etappe beschäftigt zu werden. Verwendung können nur ausgebildete Helferinnen, die im Besitz des so genannten blauen Büchleins sind, finden. Wenn an einzelnen Orten, wo sich Reservelazarette befinden, Helferinnen nicht vorhanden sind, so überweist der Territorialdelegierte in Schleswig Helferinnen von auswärts dorthin, vorausgesetzt, daß man sich an dem Lazarett bereitfindet, freiwillig in Familien freie Wohnung und Beköstigung zu gewähren.

(Vergleiche die Anweisung mit dem Ansinnen der Baronin Munck am 16.01.1916 unter "Ausbildung der Finnen im Lockstedter Lager")

25.02.1915
Im Bezirk des IX.Armeekorps hat Schleswig-Holstein über 1.000 freiwillige Pflegekräfte in den Dienst des Vaterlandes gestellt. (Der Vaterländische Frauenverein Kellinghusen konnte 6 ausgebildete Helferinnen dem Lazarett in Lockstedter Lager zur Verfügung stellen und zwar Fräulein Delfs, Fräulein G.Schwerdtfeger, Fräulein Hingst, Fräulein Körding, Fräulein Richter und Fräulein Wilhelm.) Die Helferinnen haben keinen Anspruch auf feste Bezüge.


20.03.1915
Ein Verwundetentransport aus dem Osten war eingetroffen. Es waren 56 Verwundete, die an der am 7.Februar begonnenen, groß angelegten Offensive teilgenommen und gegen die im Osten von Ostpreußen stehenden Russen gekämpft hatten. Die Soldaten hatten unterschiedlich schwere Verwundungen erlitten.

22.03.1915
Am Mittwoch werden wieder zwei Soldaten beerdigt, die im Lazarett gestorben sind. Erst vor zwei Tagen wurden sie ins Lazarett eingeliefert. Sie hatten an der Winterschlacht in Masuren mit dem Infanterieregiment Nr. 151 teilgenommen und waren durch russischen Artilleriebeschuß schwer verwundet worden. Bis jetzt sind bereits 8 Soldaten mit militärischen Ehren in Kellinghusen bestattet worden.

22.03.1915
Ein Lazarettzug der Rheinisch-Westfälischen Malteser Ritter erreichte am Sonnabend den Ort. Die Verwundeten hatten die Kämpfe in der Gegend Augustow vom 11. - 14.März mitgemacht. Nach 70 stündiger Fahrt langten sie in Schleswig-Holstein an und wurden in verschiedenen Lazaretten untergebracht.

26.03.1915
Liebesgaben für die Verwundeten.
Trotz der Dauer des Krieges dürfen die Liebesgaben nicht spärlicher werden. Es ist erneut Gelegenheit gegeben dem Reservelazarett Liebesgaben zu spenden. Vor einigen Tagen sind 200 Verwundete von dem Augustower Schlachtfeld im Lager angekommen. Die tapferen Krieger haben unbeschreibliche Strapazen und Entbehrungen erlitten. Gerade diesen Vaterlandsverteidigern muß der Aufenthalt im Lazarett angenehm gestaltet werden. Den Schwestern ist hier ein reiches Arbeitsfeld gegeben. Die Bewohner der Umgegend müssen aber zur Hauptsache mithelfen, daß viele Liebesgaben dorthin fließen. Jegliche Art von Liebesgaben sind erwünscht, wie Federkissen, Obst, Saft, Eier, Geflügel, Wild, Rauchmaterialien, Wein, Handstöcke, Kräftigungsmittel aller Art und noch vieles Andere mehr. Hier im Ort werden noch viele Kuchen gegessen, unsere tapferen Krieger würden sich freuen, wenn sie am Sonntagnachmittag zum Kaffee einige Leckerbissen bekämen. Den hiesigen Frauenvereinen müssen solche Liebesgaben überwiesen werden, damit die Verwundeten eine Freude haben. Darum Hände auf!

26.03.1915
Nach Rücksprache mit der Lazarettverwaltung ist es erwünscht, für die im Lager untergebrachten Verwundeten Kissen für Arm- und Beinverwundungen zu erhalten. Ferner Tabak, Zigarren, Zigaretten, Wein, Handstöcke, Fruchtsaft und dergleichen. Im Vertrauen auf den Wohltätigkeitssinn unserer Mitbürger bitten wir, uns möglichst bald durch Überweisung von Liebesgaben unterstützen zu wollen. Jede Gabe ist willkommen.

05.04.1915
Vom Roten Kreuz wurden dem Reservelazarett folgende freiwillige Gaben überwiesen: 24 Federkissen, 4 Strohkissen, 1 ganzes Bett, 30 Kissenbezüge, 4 Deckenbezüge, 13 Krankenhemden, 3 Handtücher, 6 Vorsteckbettlaken, 1 Schlummerrolle, 24 Gläser mit Gelee, 2 Gläser mit Spargel und Erbsen, 2 Korbflaschen mit Saft, 4 Töpfe mit Eingemachtem, Eier, Zwieback, Zigarren und Zigaretten.

05.05.1915
Heute Abend um 1930 Uhr hält der Lehrer Schmidt einen Vortrag über das Thema "Blicke in das Lockstedter Verwundetenlager

10.05.1915
Auf dem Kellinghusener Friedhof läßt die dortige Kirchenverwaltung die im hiesigen Lazarett verstorbenen Krieger auf einem für diese reservierten Platz beisetzen, so daß später dort ein gemeinsames Denkmal errichtet werden kann. Damit schon jetzt eine Zierde die Gräber schmückt, hat Baumschulenbesitzer Wilh. Behnke auf seine Kosten dort eine Rosenanlage geschaffen. Für dieses patriotische Gedenken der fürs Vaterland Gefallenen gebührt demselben allgemeiner Dank.

04.06.1915
Blumenschmuck für die Lazarette.
Die Gärten prangen in schönstem Blumenschmuck, es ist eine Lust, jeden einzelnen Garten zu betrachten, überall Blütenpracht in bunter Fülle. Da ist sicher die dringende Bitte am Platz: Gebt von eurem Überfluß den verwundeten Kriegern in den Lazaretten. Die Bedauernswerten, die jetzt nur einen Blick durchs Fenster auf all die Lenzespracht da draußen werfen können, entbehren Blumen aufs schmerzlichste. Darum: Tragt Blumen in das Lazarett.



07.06.1915
Ein neuer Verwundetentransport ist heute Mittag eingetroffen. Wie wir hören, sollen es über 140 Soldaten sein. Da hier sofortige Hilfe nötig ist, werden die Bewohner des Gutes und die der Umgegend gebeten, reichlich Gaben zu spenden, die bei den Frauenvereinen entgegen genommen werden.

07.06.1915
Sammlung für erblindete Krieger.
Bis heute sind bei uns 308 Mark eingegangen. Weitere Spenden werden entgegengenommen.

09.06.1915
Vom Westen sind gestern wieder in eine Anzahl Orte unserer Provinz Verwundete transportiert worden. Auch im hiesigen Lazarett wurde ein Teil der Verwundeten untergebracht.

10.06.1915
Eine große Freude hat Ihre Hoheit Prinzeß Marie zu Schleswig-Holstein-Glücksburg den Verwundeten bereitet, die augenblicklich im hiesigen Lazarett untergebracht sind. Prinzeß Marie hat alle diese Verwundeten, soweit es deren Zustand erlaubte, zur Teilnahme an einer schlichten kleinen Gartenfestlichkeit am gestrigen Nachmittag in den Garten des Kasinos einladen lassen. Nur sehr wenig Verwundete mußten es sich versagen, dieser würdigen Einladung zu folgen. Von jungen Damen wurde ihnen Kaffee und Kuchen gereicht und später wurden sie mit Bier und Zigarren erfreut.

10.06.1915
Wagenfahrt der im Lazarett weilenden Verwundeten.
Eine besondere Ehre und Freude wird heute den Verwundeten und krank gewesenen Kriegern des hiesigen Lazaretts bereitet. Auf Einladung von zwei Besitzern aus Willenscharen machen sie auf 8 Wagen, unter Begleitung der Einladenden und Besitzern aus Kellinghusen und Mühlenbarbek, sowie in Begleitung ihrer Pflegeschwestern einen Ausflug nach Willenscharen. Dem größten Teil dieser Krieger, die in Ost und Süd unseres Vaterlandes beheimatet sind, unsere schöne ländliche Gegend kennen zu lernen.

14.06.1915
Wagenfahrt der Verwundeten.
Große Freude hat den Verwundeten die Ausfahrt nach Willenscharen gemacht. Sie wissen nicht genug zu erzählen von dem Reichtum und der Schönheit des Landes, von dem sauberen, stattlichen Aussehen der einzelnen Dörfer und Gehöfte und ganz besonders von der Liebenswürdigkeit ihrer freundlichen Gastgeber. Das ist wirklich das Beste, was man den Verwundeten antun kann, daß sie einmal herauskommen aus dem Lazarett und daß sie freundliche Eindrücke von Land und Leuten mit zurücknehmen. Es wäre zu wünschen, daß auch andere diesem Beispiel folgen würden. Es braucht ja nicht immer eine so große Zahl Geladener zu sein. Ein Wagen mit glücklichen Menschen ist besser als keiner. Die Verwundeten des neuen Transports sind fast alle leicht verwundet, so daß sie eine Ausfahrt machen können. Sie haben seit Oktober im Schützengraben gestanden und die schweren Kämpfe bei Arras, im Priesterwalde, Lorettohöhe und Souchez mitgemacht. Sie sehnen sich ebenfalls danach nach Heimatfrieden und die Freundlichkeit der Menschen zu schmecken.

18.06.1915
"Blicke in das Lockstedter Verwundetenlager" betitelt sich ein kleines Büchlein, dessen Verfasser Lehrer Schmidt aus Kellinghusen ist. Über dieses Thema hat der Verfasser kürzlich in den umliegenden Ortschaften unter guter Beteiligung der Einwohner Vorträge gehalten. Das Buch enthält 10 kleine Skizzen. Einen Teil der ersten Skizze geben wir hier wieder; betitelt:
Echte deutsche Frauen.
Am 6.Dezember 1914 kam der erste Verwundetentransport auf dem Lockstedter Lager an. Heimgekehrt waren unsere Krieger aus blutiger Schlacht, von Wunden ganz bedeckt. Im Lager sollten sie nun ihrer Genesung harren. In mehreren Baracken werden sie zu je 20 - 25 untergebracht. Öde und kahl blicken die Wände auf sie herab, laut tönt der Klageton des Schmerzes oft durch den Raum. In Gedanken versunken liegen unsere Krieger da und denken an Weib und Kind. Wie sehnen sie sich nach der Hand eines Weibes! O, eine Frauenhand bettet so ganz anders wie die Hand eines Sanitäters! Ein Frauenauge sieht viel schärfer, viel tiefer, erkennt viel eher, was das Herz oft wünscht, aber der Mund nicht aussprechen mag. Da plötzlich, war's ein Traum oder war's Wirklichkeit; huschte da nicht von Bett zu Bett ein Engel der Liebe im weißen Häubchen? Jungfrauen hatten sich um eine brave, deutsche Hausfrau und Mutter, die in der schweren Kunst des Pflegens wohl erfahren, gesammelt. Sie hatte ihnen allen zugerufen: "Ich bin ein deutsches Mädchen! Mein gutes, edles, stolzes Herz schlägt laut empor beim süßen Namen Vaterland!" Und nun kamen sie mit dem fröhlichen Herzen, um denen, die da in Schmerzen sich wälzten, mit lindernder Hand zu helfen, so gut sie es konnten. "Wie wohl mir ist, von dieser Schwester gepflegt zu werden, glaube Sie gar nicht. Keiner kann so fein verbinden wie sie. Und wie weiß sie uns Mut einzuflößen, wenn uns traurig ums Herz ist. Ich habe schon oft über meine Schmerzen klagen wollen, aber wenn unsere Schwester kommt, dann schäme ich mich. Den ganzen Tag ist sie fröhlich, ist unermüdlich bestrebt, jedem zu helfen. Wie oft muß die von einem Bett zum anderen gehen, wie oft kommen wir mit einem Wunsch, wenn sie uns erst eben einen erfüllt hat. Nie hört man ein Wort des Unmutes über ihre Lippen kommen, allzeit ist ihr Auge hell und freudig zu uns gewandt. O wohl dem Haus, wo ein solches Weib, eine solche Mutter drinnen wohnt!" So äußerte sich einst ein einfacher Soldat über seine Schwester. Wie schön harmonierte das alles, wo eine Schwester waltete. Zur festgesetzten Zeit bekamen die Kranken ihre Arznei, zur bestimmten Stunde machte sie ihnen die Umschläge. Wie eine treue Mutter sorgten sie für ihre Pfleglinge. Bald sieht man außer diesen Häubchendamen noch andere. Auch ihr Blick ist freundlich und ihr Mund macht den Betrübten bald so fröhlich, daß er bittet: "Kommen Sie bitte bald wieder."

04.07.1915
Folgender Garnisonsbefehl ist vom hiesigen Garnisonskommando gestern ergangen: "Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, daß weibliche Personen sich zahlreich an das hintere Gitter des Reservelazaretts drängen, um mit den dort in Pflege befindlichen erkrankten russischen Gefangenen Verbindungen anzuknüpfen und ihnen Geschenke zu machen. Diese Benehmen ist deutscher Frauen im höchsten Maße unwürdig und außerdem strengstens verboten. Ich werde in Zukunft die Namen derjenigen Personen feststellen lassen, die sich derart unwürdig benehmen und sie durch Bekanntgabe in den Zeitungen der öffentlichen Verachtung preisgeben. Außerdem wird, soweit möglich, mit strengsten Strafen vorgegangen werden.
(gez.) Hoppe, Hauptmann und Garnisonsältester.



05.07.1915
Verwundetenausfahrt nach Poyenberg.
Große Freude hatten die Verwundeten Anfang Juni die Ausfahrt nach Willenscharen gemacht. Das ist das Beste, was man den Verwundeten antun kann, daß sie einmal herauskommen aus dem Lazarett und daß sie freundliche Eindrücke von Land und Leuten mit zurückbringen. Die Verwundeten sind gerade in letzter Zeit von hiesigen Einwohnern häufig eingeladen worden. Am gestrigen Sonntagnachmittag machten bei schönstem Wetter 37 Verwundete auf 10 Wagen eine Ausfahrt zur Joachimsquelle. Die Einladung war von Besitzern aus Poyenberg und Meezen erfolgt. Nach Ankunft daselbst wurde der Kaffee eingenommen und ein Spaziergang im Gehölz gemacht. Bei der nun folgenden gemütlichen Unterhaltung wurden die Gäste von dem Vorsitzenden des Militärvereins, Herrn Gemeindevorsteher Bock, begrüßt und Sr. Majestät dem Kaiser ein soldatisches Hoch gebracht. Vizefeldwebel Lang stattete als dann den Gastgebern den Dank der Verwundeten für die bereitete Ausfahrt und freundliche Bewirtung ab. In vergnügter Stimmung wurde um 20:00 Uhr die Heimfahrt angetreten.

09.07.1915
Ich hatt'einen Kameraden!
Schwer wälzt er sich auf seinem Lager umher, er kann das Bild nicht los werden, wie sein liebster Kamerad starb. Sie lagen im schweren Geschützfeuer, da wird plötzlich der Hauptmann verwundet. Schnell kriecht ein Gefreiter heran und trägt ihn aus dem Schacht. Wie der Gefreite zurückkehrt, reißt ihm ein Granatsplitter den Daumen der linken Hand fort. Er schreitet mutig weiter, eine Kugel durchlöchert seinen Helm. Da plötzlich bekommt er von rechts einen Querschläger, der sein Notizbuch durchlöchert und seine Rocktasche, ihn sonst aber nicht verwundet. Da sieht er, wie ein Kamerad einen schweren Kopfschuß erhält. Will der Gefreite ihm helfen, dann muß er sich großer Gefahr aussetzen. Mutig kniet er neben dem Verwundeten. Da reißt eine Kugel ihm den Helm ab und streift leicht seine Stirn. Weiter geht der Sanitäter und sucht das Verwundetenfeld ab. Da liegt einer in Todesängsten bang. Er gibt ihm die letzte Labung und drückt ihm sanft die Augen zu. Forttragen kann er ihn nicht mehr. Da wühlt er mit seinen Händen ein Grab und legt ihn dort hinein. Dann pflanzt er ein Zweiglein drauf. Nun kriecht er zurück. Da heißt es: "Freiwillige vor, unser Leutnant ist in Not." Schon hat der Gefreite den Ruf gehört, die Sachlage schnell überschaut, da wird er der rettende Engel. Er zielt auf den französischen Offizier und trifft ihn gut. Dann knallt er auch noch zwei andere zu Boden, die drei nehmen die Flucht. Der Leutnant ist gerettet. Wie er weiter schreitet, sinkt er plötzlich zu Boden. Man findet ihn später von 13 Kugeln durchbohrt. Sterbend ruft er aus: "Grüßt meine Kameraden." - Diese Skizze entnehmen wir der Broschüre: Kriegsvortrag: Blicke in das Lockstedter Verwundetenlager von Lehrer Schmidt aus Kellinghusen. Diese Schrift enthält 13 kleinere Skizzen und kann allen nur empfohlen werden, da man dadurch wirkliche Einblicke in das Verwundetenlager erhält. Der Reinertrag ist zum Besten der Verwundeten bestimmt.

12.07.1915
Verwundetenausfahrt nach Breitenberg.
Am Sonnabendnachmittag machten Verwundete des Lazaretts auf acht von Besitzern aus Lohbarbek gestellten Wagen eine Ausfahrt über Itzehoe, Breitenburg, Breitenberg, Kellinghusen und Mühlenbarbek. Bei Ankunft in Itzehoe mußte wegen eines Regenschauers eine einstündige Einkehr gehalten werden. Nach Aufklärung des Wetters ging die Fahrt zum Schloß Breitenburg, wo Park und Kapelle besichtigt wurden. Auf der Weiterfahrt durch die in der Störniederung belegenen Dörfer Breitenbergs erweckten das zahlreiche auf den Weiden befindliche Rassevieh das lebhafteste Interesse der Verwundeten. Für die späteren Nachmittagsstunden waren die Ausflügler Gäste des Herrn Runge von der Kaisermühle. Nach Einnahme des Kaffees besichtigten sie die große Mühlen- Silo- und Hafenanlage sowie die Gärten, unterhielten sich im Garten bei Gesang und machten Ruderfahrten im Hafen. Mit Speise und Trank wohl versorgt, wurde in vergnügtester Stimmung um 20:00 Uhr die Heimfahrt angetreten.

14.07.1915
Wagenfahrt der Verwundeten nach Quarnstedt.
Heute Mittag machten Verwundete auf 12 Wagen eine Ausfahrt nach Quarnstedt. In Kellinghusen mußten die Wagen häufig halten, da den Verwundeten Zigarren usw. zugereicht wurden. Auf Einladung der Besitzer von Quarnstedt unternahmen die Verwundeten eine Wagenfahrt dorthin. Die Bewirtung erfolgte dort. Heute Abend wird auf dem Rückwege wieder Kellinghusen berührt, wo also wieder Gelegenheit gegeben ist den Verwundeten Liebesgaben zuzustecken.

16.07.1915
Wagenfahrt der Verwundeten nach Hingstheide.
Auf Einladung der Besitzer von Hingstheide unternehmen heute 27 Verwundete vom Reservelazarett auf 9 Wagen eine Wagenfahrt dahin. Die Bereitstellung der Wagen sowie die Bewirtung der Verwundeten haben die Besitzer aus Hingstheide übernommen.

23.07.1915
Ungefähr 140 Verwundete trafen heute Mittag im Reservelazarett ein. Es sind zum größten Teil Leichtverwundete, die jedoch vom östlichen Schlachtfeld kommen. Die verwundeten Krieger empfinden die Aufnahme im Reservelazarett sehr wohltuend. Gerade in den ersten Tagen müssen dorthin Liebesgaben in großen Mengen fließen. Die hiesigen Frauenvereine werden Liebesgaben jeder Art gewiß gerne übermitteln.

26.07.1915
Bitte um Liebesgaben.
Allmählich finden sich die im Reservelazarett neu angekommenen Verwundeten ins friedliche Kulturleben zurück. Die meisten von ihnen sind mindestens 6 - 8 Monate im Felde und haben seitdem kein Bett gesehen. Marsch, Hunger, Kampf und Anstrengung war ihr Soldatenlos. In den schweren Kämpfen bei Lomza, Ostrolenka, und Pryasnysy haben sie ihre Verwundungen bekommen. Es ist zu wünschen, daß auch diese Krieger, die fern von der eigenen Heimat - es sind meistens Süddeutsche - bei uns eingekehrt sind mit reichlichen Liebesgaben und Freundlichkeiten bedacht werden. Besonders nach frischem Obst und Kuchen steht ihr Verlangen. Die Liebe und Dankbarkeit, die wir ihnen erweisen, werden ihnen Mut und Kraft zu späteren Siegen geben und das Reservelazarett und die Umgebung wird in der späteren Erinnerung dieser Soldaten, wie eine freundliche Oase in der grauenvollen Kriegswüste weiterleben.

30.07.1915
Vom Norddeutschen Frauenverein waren gestern 40 Verwundete im Garten Clausthal eingeladen. Es machte den Verwundeten offenbar große Freude, einmal an blumengeschmückter Tafel, im Kreise fröhlicher Menschen sitzen zu können. Sie waren unermüdlich im Singen und Vortragen und die Freude am Genießen lachte allen aus den Augen. Sie werden den Tag als freundliches Andenken an den Ausflug mit ins Feld nehmen.

30.07.1915
Heute Nacht sind wieder 65 neue Verwundete aus dem Osten im Reservelazarett aufgenommen worden, deshalb mußte von dem in der vorigen Woche angekommenen Transport wieder ein Teil weitergeschoben werden.

02.08.1915
Etwa 40 Verwundete aus dem Reservelazarett machten am Nachmittag einen Ausflug nach Kellinghusen. Sie waren von Bürgern aus Vorbrügge eingeladen worden einen Nachmittag bei ihnen zu verbringen.

09.08.1915
Ein Verwundetenzug mit 125 meist leicht Verwundeten für das Reservelazarett traf am Freitagnachmittag 17:45 Uhr auf dem Bahnhof ein. Die Feldgrauen hatten eine viertägige Reise von Rußland hinter sich, so daß sie allein von der Bahnfahrt sehr ermüdet waren. Die meisten waren am 02.August bei Ostrolenka verwundet, einige jedoch schon am 30. und 31.Juli. Die Feldgrauen befanden sich in einem trostlosen, geradezu jammervollen Zustand, so daß unbedingt Hilfe notwendig ist. Gerade die erste Hilfe ist in diesem Fall die beste, denn wer zuerst gibt, gibt doppelt.

11.08.1915
Der neue Verwundetentransport im Reservelazarett Lockstedter Lager.
"Da gab es in den Lazarettbaracken viel Arbeit. Alle Betten blitzsauber bezogen und saubere Leibwäsche oben drauf gelegt. Auf dem Nachttischchen stehen Blumen und ein Glas mit kühler Saftlimonade und stellenweise schöner Kuchen, die als Liebesgabe gespendet waren. Der General nebst Gemahlin, die Ärzte und andere Offiziere warten schon auf dem Bahnsteig. Da kam sie angepustet, die Lokomotive, wie mir schien, recht mühsam, nach der langen Fahrt, mit stoßweise schwarzem Atem, ein kurzer Pfiff und sie stand. Die Wagen wurden aufgerissen und dann quoll es hervor, Feldgrau an Feldgrau. Aber was für ein Feldgrau! Ein Feldgrau, dem die Strapazen eines monatelangen Feldzuges in Rußland aufgeheftet waren. Schmutzig, zerschlissen, zerschossen, verfärbt! Und unsere lieben tapferen Feldgrauen selber? O, Jammer! Herz sei stark, daß Du sie strahlenden Auges in der alten deutschen, heißersehnten Heimat empfangen kannst! Sie kamen direkt aus den Feldlazaretten. Ihre Verwundungen hatten sie in den letzten heißen Kämpfen am Narew und bei Ostrolenka bekommen, waren dann mit dem notwendigsten Verband versehen worden, um die Reise in die Heimat anzutreten. Von den Kämpfen und Märschen schon aufs äußerste mitgenommen, kamen die Verwundungen, der Blutverlust und eine vier Tage lange Bahnfahrt in einem einfachen Personenwagen hinzu. Was Wunder, wenn sie abgespannt, schlaff und leidend ankamen. Der eine mit verbundenem Kopf, aus welchem kaum die Augen noch sichtbar waren und wo das durchgedrungene Blut einen harten Klebestoff hergegeben hatte. Andere mit notdürftig verbundenen Armen, Händen, Füßen und Beinen. Von mancher Uniform waren einfach die Ärmel und Beine abgerissen worden, um den Verband um die Wunden legen zu können. O, du stolzes, deutsches Heer, was mußt du gekämpft und gelitten haben, bis du deine Helden so gebrochen und zerschossen an die Heimat zurückgibst! "Darf ich Ihr Bündel tragen?" frage ich einen müde aussehenden Mann, der den Helm in den Nacken gesetzt hat, um freier atmen zu können. "Ach nein lassen Sie nur, alles was zu uns gehört, ist voller Läuse, die Biester haben uns fast aufgefressen und sind schlimmer als der Krieg." "Geben Sie nur her, mit solchen "Überläufern" werde ich auch schon fertig werden." Er lächelt und gibt mir seine Sachen, die in eine russische Zeltbahn eingewickelt sind. Neben mir geht ein Elender, dem der Schweiß vor Anstrengung vom Kinn tropft. Sein Arm, der durchschossen und gebrochen ist, hängt lose in der Binde. "Kommen Sie, Lieber und nehmen Sie meinen Arm, ich stütze Sie." "Ach nein, es geht schon, ich komme wohl noch ans Ziel. Wir sind alle so dreckig!" Vor dem Lazarett heißt es noch einmal "Kehrt!", weil die Leute erst ins Revier müssen, damit ihre sämtlichen Sachen entlaust werden und sie selber ein ordentliches Bad bekommen. Schweigsam gehorcht man dem Befehl und marschiert ins Revier. Die sauberen Lazarettkleider und die Leibwäsche werden herbeigeholt und nun kann die alte Kriegshülle und mit ihr die Kriegsnot für eine Zeit lang fallen. Für die ganz Hinfälligen werden Bänke herbeigetragen; die anderen legen sich auf die Erde nieder. Auf die alte Mutter Erde, die ihnen durch so viele Monate hindurch Bett, Tisch und Stuhl gewesen ist. Ach und so manchen Tapferen hat sie für immer in ihrem stillen, dunklen Schoß hineingebettet, damit er nimmermehr leide. "So Leute, jetzt legt ab! Wer Wertsachen hat, versehe sie mit Namen, weil wir sonst nicht dafür aufkommen können." Wertsachen? hier ein schmutziges, gefülltes Tüchlein oder ein Säckchen voll unbestimmbarer, unansehnlicher Sachen. Aber für den Betreffenden bilden sie sicher ein Wertobjekt. Alle Schwestern und Helferinnen sind beschäftigt, die Verbände von den Wunden abzulösen, weil sie das Bad hindern und weil sie erneuert werden müssen, da sie teilweise 4-6 Tage aufliegen. Das ist eine schmerzensreiche Stunde, bei der manchem die Sinne schwinden und Tränen von der hageren, gebräunten Wange fließen. Der Krieg ist grauenvoll! Alle Liebe, deren unser Herz fähig ist, muß zusammenfließen, um seine entsetzlichen Spuren zu verwischen. Es hat einmal ein deutscher Offizier seine Leute an der Front mit den Worten getröstet: "Leute seid tapfer und unverzagt, fallt Ihr, so sterbt Ihr den ehrenvollsten Tod und werdet Ihr verwundet, so kommt Ihr in die Heimat und deutsche Frauen erquicken und pflegen Euch!" Deutsche Frauen helft, daß das Wort eingelöst werde!"

12.08.1915
Eine zweite Absendung von 121 Flaschen Brombeersaft und 17 Gläsern und Kruken Brombeergelee und Marmelade kam gestern von Bad Bramstedt an. Im ganzen sind 206 Flaschen an das Reservelazarett gestiftet.

06.09.1915
Löhnung der kranken und verwundeten Soldaten.
In diesen Tagen ist laut "Frankfurter Zeitung" eine kaiserliche Kabinettsordre zu erwarten, durch die die Löhnung der kranken und verwundeten Soldaten von 10 Pfennig pro Tag, wie es bisher der Fall war, auf 33 Pfennig erhöht wird. Damit erhalten die Kranken und Verwundeten die volle Löhnung der immobilen Truppen.

13.09.1915
Der Verband norddeutscher Frauenvereine bittet wieder um Liebesgaben für die Verwundeten im Lazarett Lockstedter Lager. Am Sonnabend ist wieder ein neuer Transport Verwundeter aus Rußland angekommen. Erwünscht ist außer Zigarren usw. frisches und gekochtes Obst, Gemüse, das zu wohlschmeckenden Salaten verarbeitet werden kann, Kuchen Eier, Saft, Wild und Geflügel. Aus Fallobst läßt sich mit geringen Kosten Apfelmus bereiten, das zweckmäßig in braunen Töpfen, die mit Anhängeadressen versehen sind, damit sie wieder zurückgeliefert werden können, abgegeben wird.

16.09.1915
Am Nachmittag durchfuhren einige Wagen mit Verwundeten aus dem Reservelazarett Kellinghusen. Die Wagen waren von Kommerzienrat de Voß aus Itzehoe gestellt worden, der die Verwundeten in Rostorf in "Waidmannsruh" auf seine Kosten mit Kaffee, Kuchen und anderen Attributen (Zigarren und Bier) versorgte.

27.10.1915
Prüfung in der Krankenpflege.
Die im Reservelazarett beschäftigten Hilfsschwestern vom Roten Kreuz Frl. M.Delfs, Frl. E.Richter, Frl. G.Körding und Frl. Schwerdtfeger bestanden im Julienstift in Itzehoe unter Vorsitz des Herrn Geheimen Regierungs- und Medizinalrates Prof. Dr. Bertheau aus Schleswig die staatliche Prüfung in der Krankenpflege.

09.11.1915
Vom westlichen Kriegsschauplatz sind 34 Verwundete im Lager eingetroffen. In diesem Transport sind alle Dienstgrade vertreten, vom Gemeinen bis zum Hauptmann. Es sind auffallend viele Soldaten vom Infanterie Regiment Nr.91 dabei.

08.12.1915
An das Reservelazarett sind vom Norddeutschen Frauenverein seit dem 1.Mai Liebesgaben im Wert von 3.510 Mark übergeben worden.

22.12.1915
Weihnachtsfeier.
Im Reservelazarett fand heute Nachmittag eine Weihnachtsfeier statt. Man sah zum 16:00 Uhr Zug eine große Zahl Beteiligter im Lockstedter Lager ankommen. Ein Knabenchor half die Feier zu verschönen.

21.01.1916
Gestern Nachmittag wurde der im Reservelazarett an seinen Wunden verstorbene Unteroffizier der Reserve Hagelocher auf dem Kellinghusener Friedhof mit militärischen Ehren begraben. Eine Marinekapelle und eine starke Infanterieabteilung nahm an der Beerdigung teil.

28.02.1916
Gestern verstarb im Reservelazarett der Matrose Heinrich von der Grün, Angehöriger der Flandern Ersatz Abteilung der 2.Matrosendivision. Die Beerdigung fand auf dem Friedhof in Kellinghusen unter Beteiligung der militärischen Bruderschaft statt.

23.03.1916
Am Donnerstag wurde der im Lazarett verstorbene Kriegsteilnehmer Christian Grupp in Kellinghusen mit militärischen Ehren begraben. Grupp war mit einem Verwundetentransport aus Rußland angekommen und an Wundbrand verstorben.

31.03.1916
Ein besonderer Zweig der Verwundetenfürsorge ist die Beschäftigung. Man betrachtet eine anregende leichte Arbeit als Heilmittel. Wie überall ist auch im Reservelazarett eine Arbeitsstube eingerichtet worden, wo Holzschnitzerei, Korbflechten, Buchbinderei, Spielsachen Anfertigung, Tarso, Laubsägen, Knüpfen, Sticken, Filzperlenarbeit, Tischlerei gelehrt und ausgeführt wird. Es ist eine Freude zu sehen, mit welchem Eifer und Geschick dort gearbeitet wird und manches kleine Meisterwerk ist aus der Arbeitsstube der Verwundeten hervorgegangen. Besonders erfreut es die verwundeten, daß alle angefertigten Sachen in ihren eigenen Besitz übergehen. Es ist nicht selten, daß von einem fleißigen Verwundeten mehr als ein Dutzend verschiedener Sachen, die einen ganzen Wert ausmachen, angefertigt worden sind. Den jungen Damen aus Kellinghusen, die sich der Mühe des Unterrichtens und Anschaffens unterziehen, gebührt der wärmste Dank.

05.05.1916
Mit dem Hamburger Lazarettzug traf gestern ein Transport Verwundeter im Lockstedter Lager ein. In Elmshorn hatte dieser Zug schon 35 Schwer- und 40 Leichtverwundete abgegeben.

28.12.1916
Aus dem Stall des Garnisonslazaretts wurde ein Schwein im Gewicht von 80 bis 100 Pfund entwendet. Die Täter, anscheinend zwei Personen, haben das Tier im Stall abgeschlachtet und in einem Sack weggeschafft. Aus dem Hühnerstall des Gastwirts H.Wieckhorsts wurden vier Hühner im Wert von 30 Mark entwendet. Der Täter hat die Tiere im Stall getötet. Die abgehackten Köpfe fand man am nächsten Morgen vor der Stalltür liegen.

02.01.1917
Vom Norddeutschen Frauenverein wurde am Sonnabend, den 30.Dezember im Reservelazarett eine Silvesterfeier abgehalten. In der mit frischen Blumen festlich geschmückten Baracke versammelt sich alles, was zum Lazarett gehörte. Herr Dr.Paulsen eröffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache und einem Kaiserhoch. Dann erteilte er Herrn Rektor Wischmann das Wort zu einem längeren Vortrage. Herr Rektor Wischmann machte einen Ausblick in das kommende Jahr 1917, welches uns hoffentlich den ersehnten Frieden bringen wird. Aber nicht einen Frieden auf jeden Fall, sondern einen siegreichen Frieden, wie wir ihn auf Grund unserer Eroberungen behaupten müssen. Er gedachte mit Begeisterung und Wärme der unvergleichlichen Tapferkeit unseres Heeres und er sprach die Hoffnung aus, daß jeder deutsche Soldat, vertrauend auf die Heeres- und Staatsleitung, durchhalten wird bis zum siegreichen Frieden. Der Lazarett Frauenchor erfreute durch ernste und heitere Lieder. Mit fröhlichen Soldatenliedern und abwechselnden Hochs endete die Feier, die sicher als angenehme Erinnerung in den Herzen der Verwundeten und Kranken fortleben wird.

06.01.1917
Unterhaltungsabend.
Der Norddeutsche Frauenverein veranstaltete am Sonnabend einen Unterhaltungsabend bei freiem Eintritt für die Verwundeten des Lockstedter Reservelazaretts und die hiesigen Kriegerfrauen, welcher sehr zahlreich besucht war. Die Vortragsfolge des kürzlich gegebenen Wohtätigkeitsabends füllte die Abendstunden aus.

25.01.1917
An den Vaterländischen Frauenverein.

Obwohl ich ziemlich rundlich bin, war ich doch ziemlich platt.
Als ich mit höchst vergnügtem Sinn, heut' Post empfangen hatt'!
Sie brachte nämlich ein Paket, höchst achtbaren Formats.
"He, Freunde", rief ich "kommt und seht", und jeder hört's und tat's.
Aus Lohbarbek! Sieh mal guck! Das gibt mir einen Freudenruck.
"Süh, Korl"! sag' ich, "das ist doch fein", vom Vaterländ'schen Frau'nverein,
Der, als ich damals fuhr zur Front, das gute Rauchwerk nicht geschont,
Wo zarte, schlanke Damenhände, uns reichten die Zigarrenspende,
Die uns willkommenes Vergnügen, das man genoß in "vollen Zügen."
Nun bin ich doch mal sehr gespannt, was uns die lieben Frau'n gesandt.
Und mit erwartungsfrohen Händen, entknoten wir die Bindegarnenden.
Ha, wie sie alle staunend blicken! Auf den Gesichtern rings Entzücken!
Schaut her, und bleibt der Sinne Meister! Da liegen wie die Broncebarren,
Die allerschönsten Rauchzigarren und noch dazu steht - siehste,
Der Hindenburg auf jeder Kiste! Und in den Schächtelchen, den netten,
Ruh'n goldberingt die Zigaretten - na, Kinder, streicht Euch mal den Bauch,
Hier gibt's noch alleweil gut Rauch! Nun ruft die Anderen, munter, munter!
Und nehmt mal Eure Mützen runter, in die dann, einer nach dem andern,
Zigarr'n und Zigaretten wandern. "Süh Korl, nu hab'n sie doch alle was,
Das macht ein'm doch ord'ntlich Spaß."
Doch nun, mein lieber Frau'nverein, soll'n herzlichst Sie bedanket sein!
Wir wissen's ja, die deutschen Frau'n, das ist heut' eine Lust, zu schauen.
Wie sie drauf sinnen und drauf denken, uns schlichte Krieger zu beschenken,
Wie sie bestrebt sind, stets zu lindern, das harte Kriegslos uns zu mindern,
Wie sie verstehen unser Sehnen und stets bereit sind, zu verschönen
Das rauhe Kriegerleben hier - das ist der Frauen schönste Zier,
Daß sie Gesunde sorgend hegen und Kranke trost - und liebvoll pflegen,
Daß sie das Gute stets erneuen, uns Rosen in den Alltag streuen,
Mit Lieb und Frohsinn uns umgeben und dem so liebeleeren Lebensmitteln
Die richt'ge Weihe geben, nu eben!

Was ich möcht' sagen verselang: Nehmt, liebe Frauen, unsern Dank!
Doch nicht die Frauen nur allein, vom Vaterländ'schen Fraun'nverein,
Nein, auch die holden Mägdelein! Ihr alle habt es ja verdient,
Daß man im Liede froh Euch rühmt. Die deutschen Frau'n und Mägdelein,
Sie sollen uns gepriesen sein; vor ihnen ziehen unser rotes Blut,
Für sie fließt unser rotes Blut, für sie steh'n wir in kalter Nacht
Mit warmen Herzen treue Wacht und raucht man dann Tabak dazu,
Dann hat die liebe Seele Ruh'.

Im Namen der dankbaren Empfänger der freundlich gespendeten Liebesgaben
Vizefeldwebel Tümmel
Reserveinfanterieregiment Nr.266
im Erdheim "Erica"


21.02.1917
An diesem Tag wurde auf dem Friedhof in Kellinghusen der Träger des Eisernen Kreuzes II.Klase, der aus Krummendiek stammende Soldat R.Hamann beerdigt. Hamann war im Reservelazarett an den Folgen seiner schweren Verwundung gestorben. Angehörige der Militärischen Bruderschaft gaben ihm das letzte Geleit.

24.02.1917
Wieder war ein Krieger im Reservelazarett verstorben. Der Soldat Emil Dietrich wurde am heutigen Tag um 14:15 Uhr in Kellinghusen beerdigt, auch er wurde von der Militärischen Bruderschaft zu Grabe getragen.

Am Samstag, dem 03.März wurde um 14:15 Uhr der im Reservelazarett verstorbene Musketier Behrens mit militärischen Ehren beerdigt.

07.03.1917
Am Donnerstag, dem 08.März nachmittags um 14:15 Uhr wird der im Reservelazarett des Lockstedter Lagers verstorbene Musketier Gerhard Düdden beerdigt. Zum Leichenbegängnis traten die Mitglieder der Militärischen Bruderschaft im Vereinslokal an.

31.07.1917
Der Krieger- und Militärverein Kellinghusen trat am 31.Juli 14:15 Uhr zum Leichenbegängnis an. Beerdigt wurde der Musketier Saffrin, der im Reservelazarett gestorben war.


Ausflug der Genesungskompanie, dabei Soldaten des Infanterie Ersatzregiment Nr.86 "Königin"


29.10.1917
Vaterländischer Frauenverein.
Die Hilfsschwestern vom Roten Kreuz des Vaterländischen Frauenvereins Gertrud Schwerdtfeger, Magdalena Delfs, Greta Körding, Erna Richter, Carla Schulze und Erna Böge wurde als Anerkennung für treue Mitarbeit im jetzigen Kriege das Erinnerungszeichen des Vaterländischen Frauenvereins für seine Hilfsschwestern vom Vorstand verliehen. Die Schwestern Gertrud Schwerdtfeger und Magdalena Delfs sind zur Zeit im Kriegslazarett I Givet (im Westen) Schwester Gerda Körding war längere Zeit in einem Kriegslazarett im Osten und die Schwestern Erna Richter, Carla Schulze und Erna Böge sind bisher im Reservelazarett Lockstedter Lager tätig.

19.11.1917
Gestern, wie auch am vorigen Sonntag, war eine Anzahl Verwundeter vom Reservelazarett von Einwohnern aus der Umgegend eingeladen und wurden von diesen wieder in bester Weise bewirtet. Wie man hört, werden solche Einladungen auch fernerhin an Sonntagen ergehen.

03.01.1918
Bekanntmachung.
Von dem Königl. stellvertretenden Generalkommando des IX.Armeekorps ist angeordnet, daß das Reservelazarett Lockstedter Lager Maßnahmen zu treffen hat, daß eine Abgabe an Liebesgaben seitens der Spender unmittelbar an die Kranken vermieden wird. Die den Kranken zugedachten Liebesgaben sind der Lazarettverwaltung zur Verteilung nach ärztlichem Ermessen zu übergeben.
Vorstehendes wird unsern Vereinsmitgliedern hierdurch zur Kenntnis gebracht.
Kellinghusen, 3.Januar 1918
Namens des Ortsvereins vom Roten Kreuz und des Vaterländischen Frauenvereins,
Wendland, Bürgermeister.

15.02.1918
Fast 100 Verwundete sind heute im Reservelazarett eingetroffen. Die Verwundeten kommen aus Flandern. Liebesgaben werden von dem hiesigen Frauenverein mit Dank angenommen. Gerade Kellinghusen als größter Ort der Nachbarschaft muß das Reservelazarett mit Liebesgaben versorgen, liefert daher schnell Liebesgaben.

23.04.1918
Viele Verwundete weilten am gestrigen Sonntag wieder in Kellinghusen, die bei hiesigen Bürgern bereitwilligst aufgenommen wurden. Jede Familie, die den Verwundeten vom Reservelazarett eine Freude bereiten will, sollte Sonntagsnachmittags Verwundete aufnehmen. Die Ortsgruppe des Norddeutschen Frauenvereins ist immer bemüht, recht vielen Verwundeten einen angenehmen und abwechslungsvollen Nachmittag zu bereiten. Auf Hermannshöhe waren am Freitag Verwundete geladen. Musikmeister Westermann, ein häufiger Gast in Kellinghusen, war ebenfalls dort, um die Verwundeten zu unterhalten

09.05.1918
Gestern wurden in Hennstedt zirka 70 Verwundete vom Lockstedter Lager von den Ortseinwohnern bewirtet.

17.05.1918
Über 120 Verwundete vom Reservelazarett werden heute in Rostorf bewirtet. Einzelheiten in der nächsten Ausgabe.

23.05.1918
Das Pfingstfest der Verwundeten, das am Freitag in Rostorf und am Samstag im Reservelazarett von dem hiesigen Lazarettfrauenchor unter gütiger Mithilfe der Dörfer Öschebüttel, Rostorf, Störkaten, Rensing, Mühlenbarbek und Kellinghusener Bürger und Bürgerinnen veranstaltet wurde, wird allen Teilnehmern eine freundliche Erinnerung zurücklassen. Im Schmucke der herrlichen Frühlingsnatur in sorgloser Freude, bei Gesang und Tafelfreuden eilten die Stunden. Auch in die Lazarettbaracken wurde Pfingstfreude zu den Schwerverwundeten und Kranken gebracht. Hoffentlich haben die 260 Feldgrauen, die augenblicklich das Lazarett bevölkern, für einige Zeit den Krieg vergessen und empfunden, daß die Heimat dankbar anerkennt, was sie draußen im Feld für uns geleistet haben.

31.07.1918
Gestern Nachmittag hielten elf Wagen am Bahnhof in Kellinghusen, um eine Anzahl Verwundeter des Lazaretts Lockstedter Lager zu dem lieblich gelegenen Öschebüttel zu fahren. An den malerischen Fischteichen fanden sie eine reichgedeckte, mit Blumen geschmückte Kaffeetafel vor. Wie herrlich haben die Kuchen geschmeckt unter Eichen und Buchen! Den Willkommensgruß brachte Fräulein Marga Gripp mit folgenden Worten: Willkommen, Ihr Braven im lauschigen Grunde! Hier grüßt Euch der Friede, die Liebe, die Ruh'. Für uns schlug der Krieg Euch die schmerzende Wunde, drum ruf ein "Habt Dank!" ich Euch Treuen zu. Ist hier nicht ein reizend Naturlazarett? Und wir sind die Ärzte. - Wir sind so frei, verschreiben Euch allen als Ruhstatt ein Brett und Öschebütteler Seelenarznei. In Kuchenform reichlich einzunehmen, zum Spülen ein Schlückchen Korntrank dazu. Das mildert die Schmerzen, vertreibt das Grämen. "Zum Angriff, Ihr Tapferen! Langt tüchtig zu!" Fröhlicher Gesang der Öschebütteler Damen, sowie launige und ernste Vorträge anwesender Herren erhöhten die Festfreude. Die in Pension Waldfrieden als Kurgast weilende Sängerin S.Paulsen aus Kiel erfreute durch schönen Einzelgesang. Unsere lieben Feldgrauen erwiderten mit kräftigem Gesang und anerkennenden Worten, ausklingend in einem Hoch auf die Damen. Nachdem in den einzelnen Familien das Abendbrot eingenommen war, fuhren die Gäste wieder zum Bahnhof und zurück ins Lazarett. Der Tag wird unseren Verwundeten ein Sonntag in der langen Reihe dunkler Kriegstage bleiben. Aus Öschebüttel wird uns noch dazu geschrieben: Kennst du die Öschebütteler Fischteiche? Da war gestern Feiertagsleben. Die Gemeinde hatte Verwundete vom Lockstedter Lager zur Bewirtung eingeladen und reichlich dreißig brachten blumengeschmückte Wagen von Kellinghusen herbei. Ein junges Mädchen empfing sie mit oben angeführtem Gedicht. Deklamationen, Vorlesungen und Liedervorträge fügten der leiblichen Bewirtung die seelische hinzu. Nach dreistündiger Kaffeetafel nahm jeder Ortseingesessene einige Soldatengäste mit in sein Haus und stärkte sie für die Rückfahrt, die gegen 08:00 Uhr erfolgte. Waren das aber fröhliche Gesichter, die vom Wagen ihren Wirten noch den letzten Abschiedsdank herunterstrahlten. Wer hat sich mehr gefreut, die Wirte oder die Gäste? Ich glaube beide gleich sehr.

11.09.1918
Verwundeten Bewirtung.
Der Norddeutsche Frauenverein Kellinghusen hatte eine Einladung an Verwundete des Lazaretts im Lockstedter Lager zu gestern Nachmittag ergehen lassen. 210 Verwundete hatten der Einladung Folge geleistet. Im Saales des Hotels "Stadt Hamburg" waren schön geschmückte und mit Kuchen und Torten reichlich versehene Kaffeetafeln gedeckt und gemeinsam mit den zahlreich erschienenen Damen und jungen Mädchen aus den umliegenden Orten wurde der Kaffee eingenommen. Während der Kaffeetafel wurden von hiesigen Damen Lieder zur Laute vorgetragen und sonstige Unterhaltungen geboten. Voll befriedigt kehrten die Verwundeten nach Einnahme belegten Butterbrotes mit dem Abendzug heim.

15.09.1918
Heute trafen wieder 80 Verwundete im Reservelazarett in einem Lazarettzug ein.

16.09.1918
60 Verwundete waren gestern im Dorf Lockstedt zu Gaste geladen. Begünstigt von dem schönsten Wetter, im goldenen Sonnenschein, wurde in der Gastwirtschaft Fink im festlich geschmückten Raum ein gemeinschaftlicher Kaffee eingenommen. Bei Gesang und Vorträgen eilten die Stunden. Zum Abendessen nahm jeder Gastgeber seine Gäste mit in sein Haus. Dankerfüllt werden die Verwundeten an diesen schönen Septembertag im Lockstedter Lager zurückdenken!

Sterbeliste des Reservelazaretts Lockstedter Lager

Name, Vorname Geb.Tag, Geb.Ort Dienstgrad, Truppenteil Todestag

Schulz, Paul 37 Jahre Wehrmann / ? 11.12.1914
Bozer, Fabian 42 Jahre Landsturmmann / ? 14.12.1914
Hägener, Gustav 32 Jahre Reservist / ? 22.12.1914
Pehrson, Andreas
 
17.05.1889
Glückstadt
Reservist, 6. Kp. Reserve Infanterie Regiment Nr. 266
 
21.02.1915
 
Warnholz, Johann
 
11.09.1894
Lohe-Heide
Musketier, 7. Kp. Reserve Infanterie Regiment Nr. 265
 
23.02.19115
 
Wittmach, Hermann Johann
 
18.02.1895,
Bordesholm
10. Kp. Reserve Infanterie Regiment Nr. 265
 
13.03.1915
 
Käsler, August
 
25.09.1888
Guren Kr. Preuß. Holland
Reservist / ?
 
21.03.1915
 
Lehder, Paul
 
11.04.1892
Küstrin
Reservist, 5. Kp. Infanterie Regiment Nr. 151
 
25.03.1915
 
Mrofka, Karl
 
20.10.1890
Gr. Szimecken Ostpr.
Reservist, 12. Kp. Infanterie Regiment Nr. 151
 
25.03.1915
 
Stangenberger, Fritz 29 Jahre Wehrmann / ? 30.03.1915
Börl, Wilhelm
 
01.12.1890
Gröppenstedt
Gefreiter, 1. Kp. Reserve Infanterie Regiment Nr. 27
 
30.08.1915
 
Hagenlocher, Karl 26 Jahre Unteroffizier, 10. Kp. Grenadier Regiment Nr. 10 16.01.1916
von der Grün, Heinrich
 
13.09.1889
Röthenbach bei Lauf
Matrose, 1. Kp. II. Flandern Ers. Abt. Matrosen Division
 
27.02.1916
 
Grupp, Christian
 
28 Jahre, 9 Monate
Königsbronn
Reservist, Ers. Btl. Grenadier Regiment Nr. 123
 
20.03.1916
 
Conczorowski, Johannes 35 Jahre, 9 Monate Obermatrose der Seewehr, 11. Kp. 3. Matrosen Regiment 07.04.1916
Fiebig, Karl
 
21 Jahre, 3 Monate
Sieburg
Musketier, R.O.A.A. Kurs Lockstedter Lager
während des Lehrganges im LoLa
09.06.1916
 
Hamann, Ernst Jakob
 
21 Jahre
 Krummendiek
1. Kp. Infanterie Regiment Nr. 464
während der Aufstellung der Einheit im LoLa
17.02.1917
 
Koslowski, Fritz
 
24 Jahre
Kalmischken, Kr. Goldap
Gefreiter 5. Kp. Reserve Infanterie Regiment Nr. 11
 
17.02.1917
 
Dietrich, Emil
 
20 Jahre, 11 Monate
Ballau, Kr. Sensburg
Musketier, Infanterie Regiment Nr. 463
 
21.02.1917
 
Behrens, Walter
 
19 Jahre
Ellerbeck, Kr. Kiel
Musketier, 3. MG-Kp. Infanterie Regiment Nr. 464
 
01.03.1917
Düdden, Eduard Marin
 
19 Jahre
Rüstringen, Kr. Oldenburg
Musketier, 3. MG-Kp. Infanterie Regiment Nr. 464,
 
06.03.1917
 
Öllerich, Claus
 
18 Jahre
Hollen, Kr. Neuhaus
Musketier, 4. Kp. Infanterie Regiment Nr. 464
 
16.03.1917
 
Ratjen, Friedrich 42 Jahre Rekruten Depot Reserve Infanterie Regiment Nr. 31, 22.05.1917
Saffrian, Wilhem
 
18 Jahre, 7 Monate
Klein Nordsee, Kr. Kiel
Musketier, 1. Kp. Ers. Btl. Infanterie Regiment Nr. 85
 
28.07.1917
 
Werner, Wilhelm Adolf 47 Jahre, 2 Monate Unteroffizier, 2. Kp. Landsturm Ersatz Bataillon II/29 14.05.1918
Rönck, Heinrich
 
17 Jahre, 10 Monate
Rütingssteinfurt
Kanonier, 4. Ers. Batterie Feld Artillerie Regiment Nr. 60
 
02.10.1918
 
Plieth, Albert 40 Jahre, 11 Monate Landwehrmann, 7. Kp. Landwehr Regiment Nr. 6 07.10.1918
Riegel, Johann Gustav 44 Jahre, 7 Monate Landsturm Ersatz Bataillon Nr. 75 12.10.1918
Przybyl, Lorenz 26 Jahre, 5 Monate Sergeant / ? 13.10.1918
Bunge, Ernst
 
23 Jahre
Poomoisel, Kr. Rügen
Gefreiter, 2. Kp. Garde Regiment Nr. 2
 
14.10.1918
 
Lith, Julius 29 Jahre, 3 Monate Gefreiter, 1. Kp. Ers. Btl. Infanterie Regiment Nr. 84 14.10.1918
Weber, Anton 43 Jahre, 10 Monate Soldat, 4. Kp. Armierungs Bataillon Nr.55 28.10.1918
Steinmetz, Karl 23.03.1881 3. Kp. II. Landsturm Ersatz Bataillon IX/47 01.11.1918
Böttner, Bernd 31.08.1883 Vizefeldwebel / 1. Kp. II. Landsturm Ersatz Bataillon IX/47 04.11.1918
Hartleb, Ludwig 01.09.1894 2. Kp. II. Landsturm Bataillon Glogau V/16 27.11.1918
Tholl, Edmund 23.03.1898 2. MG-Kp. Jäger Regiment Nr. 10 07.12.1918
Podlach, Max 04.10.1888 ? / ? 04.02.1919
Kollath, Clemens 23.11.1894 Gefreiter, Freiwilligen Bataillon Schneider 14.02.1919
Wilke, Herman 25.12.1897 Freiwilliger, ? / ? 03.06.1919
von Walter, Magnus 19.04.1870 S.A. Freiw. Westarmee Gruppe Keller 12.01.1920


Ström, Thure
 
23 Jahre, 1 Monat
Ranmo / Finnland
Jäger, Pionier Kp. Jäger Bataillon Nr. 27 06.06.1916
 
Ilola, Simon
 
31 Jahre, 1 Monat
? / Finland
Jäger, 2. Kp. Jäger Bataillon Nr. 27
 
01.02.1917
 
Kataja, Justaa
 
32 Jahre, 7 Monate
Härmä / Finnland
Jäger, Pionier Kp. Jäger Bataillon Nr. 27 23.08.1917
 
Kemppaisen, Junsta
 
28 Jahre, 8 Monate
Paltame / Finnland
Jäger, 1. Kp. Jäger Bataillon Nr. 27
 
28.08.1917


Angwin, Viktor 34 Jahre, 1 Monat englischer Kriegsgefangener 29.10.1918

Surakow, Andry ? russischer Kriegsgefangener 23.11.1915
Nikifa, Scherrika ? russischer Kriegsgefangener 06.06.1916
Okuloki, Matwei 26 Jahre russischer Kriegsgefangener 23.06.1916
Gorschkow, Grigory 34 Jahre russischer Kriegsgefangener 16.01.1917
Soltarew, Ismael Tsetscheri, Libjeean russischer Kriegsgefangener 23.03.1917
Golowin, Kosma
 
35 Jahre
Archangelsk
russischer Kriegsgefangener
 
18.10.1918
 
Lementowitsch, Terrentin 28 Jahre russischer Kriegsgefangener 25.10.1918
Papowitsch, Joan 20 Jahre, 8 Monate russischer Kriegsgefangener 29.10.1918
Schumakow, Aleksander --.--.1876 russischer Kriegsgefangener 03.11.1918
Jwandtschumakuw, Igor 28.11.1878 Unteroffizier, 1. Kp. russ. Jäger Regiment Nr. 185 04.11.1918
Zamarkin, Peter 25.07.1892 Soldat, 2. Kp. russ. Jäger Regiment Nr. 248 05.11.1918
Samakin, ? --.--.1892 russischer Kriegsgefangener 05.11.1918
Ezenko, Fjodor
 
--.--.1876
Gouv. Jekat.Bach. U.
russicher Kriegsgefangener
 
08.11.1918
 
Susiow, Simon 03.02.1879 Soldat, russ. Jäger Regiment Nr. 229 19.11.1918
Markewitsch, Wladimir 15.09.1891 Soldat russ. Infanterie Regiment Nr. 107 08.02.1919
Smirnow, Wladimir 22.03.1891 Sergeant, russ. Infanterie Regiment Nr. 413 15.02.1919
Sinonow, Michail --.--.1895 Soldat, russ. Infanterie Regiment Nr. 86 18.02.1919
Sagabitwinow, Muhammet
 
--.--.1884
Teschly-Scharipon
? / ?
 
21.02.1919





19.04.1920
Das Ehrengrab für die aus dem Lazarett des Lockstedter Lagers auf dem Friedhof Kellinghusen bestatteten Kämpfer im Weltkrieg ist jetzt endlich fertig gestellt. Lange Zeit konnte der künstlerisch eigenartige Schmuck des Steins und der Halbkugel an den Ecken wegen Mangel an Material nicht beschafft werden, und auch als dieser Schmuck - eine Verbindung von Kreuz und Schwert - angebracht war, wirkte das kostbare Denkmal noch nicht recht, da ihm der Abschluß durch die Umrahmung fehlte. Durch eine geschickt und sorgfältig bedachte und schön ausgeführte gärtnerische Anlage, die den an sich zu kleinen Platz gut ausnutzt, ist in den letzten Tagen ein stimmungsvoller Rahmen für das Ganze geschaffen. Hohe, dunkle Koniferen bilden den ernsten Hintergrund, freundlich helle Blumenrabatten die äußere Umgrenzung. Die Gräber selbst sind unter Rosen geborgen, so daß der Ernst des Todes gleichsam durch anmutigen Blumenschmuck gemildert wird.




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