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Im Zuge der Erweiterung des Lagers wurde der Mannschaftspark nördlich der Podbielski Straße von Teilen des 167 Mann starken Arbeitskommandos, das jedes Jahr nach den Übungen zum Arbeiten hierher befohlen wurde, angelegt. In der parkähnlichen Anlage waren drei Gedenksteine. Im Norden des Parks ein Kriegerdenkmal, in Form einer Pyramide, gewidmet dem ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck. Im Westen ein aus Feldsteinen gemauerter Gedenkstein, an dem eine Erinnerungstafel für den ehemaligen Generalfeldmarschall und Generalstabschef Helmut von Moltke angebracht war. Ein weiterer Gedenkstein stand im Osten des Parks, der trug eine Gedenktafel für den ehemaligen Kriegsminister und Heeresreformer Albrecht von Roon. Dreißig Meter links und rechts des Moltke-Steines waren je eine Döcker-Krankenbaracke plaziert worden.
Im Laufe des Jahres 1900 erreichte der Truppenübungsplatz Lockstedter Lager seine flächenmäßig größte Ausdehnung und die Kommandantur ist personell aufgefüllt. Die Stärkenachweisung hatte folgenden Stellenplan: 1 Kommandant - Dienstgrad General, 1 Platzmajor - Dienstgrad Major, 1 Ingenieuroffizier - Oberleutnant, 3 Wallmeister - Unteroffiziersdienstgrade, 1 Telegraphenoffizier - Leutnant, 2 Zeugoffiziere - Oberleutnant /Leutnant, 2 Feuerwerksoffiziere - Hauptmann / Oberleutnant, 8 Feuerwerker - Unteroffiziersdienstgrade, 1 Garnisonsarzt Oberstabsarzt (Major), 1 Apotheker Stabsapotheker (Hauptmann), 2 Proviantbeamte _ Inspektoren, 6 Unterbeamte (Magazinaufsicht, Proviantmeister, Magazinwächter, Bürodiener), 4 Garnisonsverwaltungsinspektoren, 3 Maschinisten, 1 Förster, 4 Kasernenwärter, 2 Bürodiener, Lazarettverwaltung: 1 Lazarett Oberinspektor, 1 Lazarett Unterinspektor, 2 Hausdiener, 4 Aufwärter, 2 Heizer, 12 Militärkrankenwärter, 2 Schirrmeister, 45 Handwerker (Schmiede, Waffenmeister, Maler, Tischler, Schreiner, Schlosser, Gärtner usw.) 1 Zahlmeisteraspirant, (Leefeld) 1 Schreiber, (Steffen, Vizefeldwebel) Auch auf dem Schießplatz änderte sich einiges. Die Artilleriestellungen auf der Frankenberg Heide wurde eingezogen, sie durften nicht mehr in die Schießplanungen aufgenommen werden. Mehrere neue Schießbahnen für Schießen mit Infanteriewaffen kamen hinzu oder wurden verändert. In diesem Jahre wurden Brücken über die Rantzau geschlagen. Bis Dato gab es nur drei Übergänge: der Mühlenteichdamm in Ridders, die Rehbrücken bei Bücken und ein Übergang in Schlotfeld. Soldaten des Pionierbataillons Nr. 9 arbeiteten wochenweise mit vom IX.Armeekorps abkommandierten Arbeitskommandos zusammen. Die Brücken zum Holsteiner Wald wurden als erste in Angriff genommen und fertiggebaut. Das Brot für die Angehörigen der Kommandantur wurde von der Militärbäckerei in Itzehoe gebacken, abgeholt wurde es alle zwei Tage von der Kommandantur in der Friedrichstraße in Itzehoe, beim Führer der Bäckerei Sergeant Blum. Mitten in der Woche, einem ungewöhnlichen Termin, am 17.Januar, fand ein Konzert des Trompeterkorps des Feldartillerieregiments Nr.9 unter Leitung des Königlichen Musikdirigenten Herrn Köpfe im Hotel Kaiserhof statt. Das angekündigte Programm versprach einen anspruchsvollen Abend, die Ausführung des Konzerts hatte die Erwartungen vollkommen erfüllt. Die Zusammenstellung der Musikstücke wurde als sehr gelungen bezeichnet. Bei der allgemeinen Zufriedenheit der Zuhörer war das Bedauern herauszuhören, daß nicht sehr viele Besucher die Gelegenheit sich zu erbauen wahrgenommen hatten. Der von der Garnisonsverwaltung errechnete Bedarf an Petroleum für das laufende Jahr belief sich auf 5.500 kg, daneben wurden 1.400 kg Soda und 1.100 kg grüne Seife benötigt. Avisiert wurde auch die Vergabe für den Kartoffelbedarf, der auf rund 4.000 Zentner für das laufende Jahr geschätzt wurde. Der Königliche Kronenorden vierter Klasse wurde dem Feuerwerkerhauptmann Köhn, bei der Truppenübungsplatz-Kommandantur Lockstedter Lager, verliehen. Der Geburtstag des Kaisers wurde mit einem militärischen Festakt der anwesenden Soldaten und eingeladenen Gäste eingeleitet. Das Kaiserhoch brachte, nach einer markigen Ansprache, der Kommandant des Lagers, Oberst Anton Ritter, aus. Nach dem Appell war für nicht eingeteiltes Personal dienstfrei. Im Bahnhofsrestaurant war beim Pächter Herrn Stubbe ein Festessen für 60 Personen, Zivilisten und Militär bestellt. Nach einer weiteren Feier am Nachmittag ebenfalls unter Beteiligung ziviler Gäste, fand am Abend ein Ball statt. Zur Feier des Tages wurden während der Veranstaltung von Seiten der "Militärischen Brüderschaft" einige ausdrucksvolle Aufführungen arrangiert, sowie lebende Bilder zur Darstellung gebracht. Die Häuser entlang der Kieler Landstraße hatten tagsüber prächtigen Fahnenschmuck angelegt, die Kinder bekamen nach der kleinen Feier in der Schule schulfrei. Auf dem Lohmühlenteich hatte sich drei Tage vor Ende des Monats Januar eine dicke, tragfähige Eisschicht gebildet. An diesem Montag begannen Soldaten des hierher kommandierten Arbeitskommandos damit, mit grobzahnigen Sägen, Eisblöcke aus der Eisschicht zu sägen, die dann gleich ins Eishaus transportiert wurden. Die Bevorratung dauerte drei volle Arbeitstage, danach wurde zivilen Personen vom Kommandanten gestattet sich mit Eis vom Lohmühlenteich zu versorgen. Der Bau eines zweiklassigen Schulhauses war vom Schulverband Winseldorf-Lockstedter Lager auf dem Ausschreibungswege dem Bauunternehmer Wrigg aus Itzehoe für die Summe von mehr als 24.000 Mark übertragen worden. Das Gebäude, nach einem Plan des Zimmermeisters Delfs aus Kellinghusen, war bis zum 01.August fertig zu stellen. Da die Schülerzahl, die in Hülsing's Hotel unterrichtet wurde, derzeit nur 70 betrug, hatte man im Einverständnis mit der militärischen Seite vorläufig von der Anstellung eines zweiten Lehrers Abstand genommen. Der Schulverband stand in Verhandlungen mit der Schule Lohbarbek, wegen Heranziehung einiger Lageranwohner auf Lohbarbeker Gebiet zum Schuldistrikt Lockstedter Lager. Dadurch würde die Schülerzahl um 15 wachsen und bald die Einrichtung einer zweiten Klasse erforderlich machen. Der Bedarf an Verpflegungsgegenständen (ausschließlich Fleisch) und Eis für das Garnisonslazarett für die Zeit vom 01.April bis Ende September sollte im Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Hierzu war ein Termin zur Abgabe der Angebote auf den 10.Februar im Geschäftszimmer des Lazaretts anberaumt. Die Lieferbedingungen, aus denen der annähernde Bedarf für das Rechnungsjahr zu ersehen war, lagen im Geschäftszimmer des Lazaretts zur Einsicht aus, sie konnten auch gegen eine Gebühr angefordert werden. Die Angebote waren einzureichen auf: 1.)Bier und Eis,♦ 2.)Backwaren, 3.)Kolonialwaren, Eier etc. 4.)Kartoffeln und grüne Gemüse, 5.)Milch und Butter. Gleichzeitig konnten Interessenten Angebote für die Abnahme der Küchenabfälle, Brotreste, altes Lagerstroh und Gras aus dem Lazarettgarten abgeben. ♦ Anmerkung:
Die Kombination von Bier und Kunsteis ergibt sich aus der Tatsache, daß die meisten Brauereien Kunsteisanlagen zur Produktion von Stangeneis hatten.
Der Bedarf an Roggenstroh zum Füllen der Strohsäcke war Anfang Februar für den nächsten Belegungszeitraum von der Garnisonsverwaltung auf 80.000 kg festgelegt worden. Der Bedarf sollte durch einen Unternehmer in mehreren Tranchen geliefert werden. Anfang Februar wurde in das Material- und Kurzwarengeschäft Reichert während der Abwesenheit des Eigentümers ein Einbruchsdiebstahl verübt. Es gelang dem Dieb, aus einer verschlossenen Kommode etwa 150 Mark zu entwenden. Im Herbste des vergangenen Jahres war in demselben Geschäft bereits dreimal die Ladenkasse geleert worden, indem diese mit einem Nachschlüssel geöffnet worden war, wobei jedesmal dem Dieb eine größere Summe Geldes in die Hände gefallen war. Weder die früheren Fälle, noch der Letzte konnten aufgeklärt werden, es war nie gelungen des Diebes habhaft zu werden. Mitte Februar erhielt Herr Rörig den Zuschlag für die Belieferung der Truppenküchen mit Fleischwaren für das Etatsjahr 1900/1901. Die Schlachterei stand im Westen des Lagers und war zirka 1888 gebaut worden. Zur Schlachterei gehörten neben dem Laden und den Lagerhallen auch eine größere Kühlhalle und 12 Morgen Weideland. Die II.Abteilung des Infanterieregiments Nr.84 rückte im März, im Fußmarsch aus Schleswig kommend, zum Regimentsexerzieren ein. Märsche bis 25 Kilometer, Geländeübungen sowie Schul- und Gefechtsschießen standen genauso auf dem Dienstplan wie Waffenreinigen und Putzen der Ausrüstung. Nach Abschluß des Aufenthaltes wurde die Einheit per Bahn mit einem Sonderzug in die Garnison transportiert. In der Kreistagssitzung vom 14.März wurde über ein Gutachten, die Änderung der Amtsbezirkeinteilungen betreffend, diskutiert. In dieser Aussprache wurde auch behandelt das Lockstedter Lager vom Amtsbezirk Winseldorf abzutrennen und zum selbständigen Amtsbezirk zu erheben, was für das stationierte Stammpersonal Vorteile gehabt hätte. Das stehende Personal des Lockstedter Lagers, solches mit schulpflichtigen Kindern, begrüßte eine von der Schulkommission getroffene Entscheidung. Die seit dem 01.Oktober 1896 im Lockstedter Lager bestehende kommissarische Lehrerstelle wurde zum 01.April in eine feste Lehrerstelle umgewandelt. Das pensionsfähige jährliche Diensteinkommen des Lehrers setzte sich zusammen aus 1.150 Mark Grundgehalt, 120 Mark Wohnungsgeld und 100 Mark für Feuerung und Garten. Obwohl das im Bau befindliche Schulhaus zwei Klassenzimmer bekam, war vorgesehen, daß die Schule noch einige Jahre einklassig bleiben sollte, da die Schülerzahl zurück ging. Wie in den vergangenen Jahren, so war auch für dieses Jahr von der Kommandantur die Abstellung eines Gendarmen für den zivilen Teil des Lagers beim Kreis Steinburg angefordert worden. Der Posten sollte, wie in der Vergangenheit, im monatlichen Wechsel besetzt werden. Die Amtsperson hatte während der Truppenübungen für Ruhe und Ordnung in den umliegenden Lokalen und Orten zu sorgen. Der Gendarm, der für den Monat April seinen Dienst am 02.April antrat, war Herr Bebensee aus Hohenaspe. Im April war im Lager eine militärische Sträflingsabteilung aus Spandau anwesend, die bis Ende April auf dem Schießplatz Arbeiten verrichtete. Die Sträflinge standen ständig unter scharfer Bewachung des Kommandoführers (Hauptmann), zwei weiteren Offizieren, 21 Unteroffizieren und 13 Gemeinen. Das Sträflingskommando hatte unter anderen den Auftrag die Latrinentröge und Sammeltanks im Barackenlager zu reinigen. Ein weiteres Arbeitskommando traf in Stärke von 200 Mann am 23.April ein. Sie bereiteten das Lager und den Schießplatz für die Aufnahme der Einheiten vor. Zwischen der Kommune Winseldorf und dem Militär fand Ende April eine Verhandlung statt wegen der Abtrennung des fiskalischen Gebietes von der politischen Gemeinde Winseldorf. Als Ablösesumme wurde von Winseldorf 6.000 Mark gefordert, während der Fiskus sein Gebot auf 5.500 Mark begrenzte. Die fragliche Summe betraf Grund- und Gewerbesteuer, während die jährliche Schulsteuer weiter durch das Militär zu zahlen war. Am 30.April trafen die ersten Truppen dieses Jahres im Lockstedter Lager zwecks Durchführung von infanteristischer Ausbildung und Übungen im Scharfschießen ein. Das schwere und sperrige Gerät der Einheit war an den Tagen vorher, begleitet von einem entsprechenden Vorkommando, bereits mit der Eisenbahn ins Lager transportiert worden. Zunächst wurde das Lager mit dem Grenadierregiment Nr.89 und dem Füsilierregiment Nr.90 belegt. Der Übungsplatz wurde deshalb ab sofort bis auf weiteres in der Zeit von 0500 Uhr morgens bis 2000 Uhr abends für jeglichen Durchgangsverkehr gesperrt. Die Schulschießbahnen im Holsteiner Wald waren täglich belegt. Auf dem Platz der nicht schießenden Abteilung wurden auf das Schießen vorbereitende Lockerungsübungen durchgeführt. Zu diesen Übungen zählten: Kopfrollen, Kopfdrehen, Rumpfbeugen, Rumpfrollen, Armstrecken und -schwingen, Handgelenke biegen, Finger spreizen und Zeigefinger krümmen. Zur Kräftigung der Muskeln fanden als Training abschließend statt: Gewehr vorwärts strecken, seitwärts führen und das Gewehr schwenken. Kurz vor dem Abmarsch zum Schießstand wurden die Gewehre auf Sauberkeit kontrolliert, dann wurde die Gruppe geschlossen zum Stand geführt. Der Anzug für die Übung war: Waffenrock (für die Mannschaften war auch die Litewka gestattet) Leibriemen, Patronentaschen, Helm, Kinnriemen aufgeschlagen, Mantel und Kochgeschirr. Der Tornister erhielt auf dem Schießstand zusätzliche Gewichte, so daß er 4 kg wog. Nach dem Schießen wurde die Gruppe wieder geschlossen zurückgeführt, beim Schreiber fand eine Kontrolle sämtlicher Taschen statt und die Waffen wurden überprüft. Beim Schreiber wurden auch die Schießergebnisse bekanntgegeben. Wegen vorgekommener Formfehler wurden die bisher durchgeführten Wahlen eines Gemeindevorstehers für die Gemeinde Winseldorf-Lockstedter Lager am 20.April für ungültig erklärt. Es hatte eine dritte Wahl stattgefunden. Auch diesmal wieder, wie bei den ersten Wahlen, Stimmengleichheit. Die Zahl der Gemeindevertreter für Winseldorf und Lockstedter Lager betrug je 4. Das Los mußte entscheiden. Während nach den ersten beiden Wahlen das Los jedesmal für den bisherigen Gemeindevorsteher Behrens entschied, fiel in diesem Wahlgang die Wahl auf den Tischlermeister Krehn aus Lockstedter Lager. Der abgelöste Herr Behrens war 25 Jahre im Amt. Nach dem Ausbau des am Süd- und Westrand an das Lagers angrenzenden, von der Landstraße Itzehoe-Nortorf abzweigenden Ersatzweges beendet war, wurde dieser, bis zur Endgültigen Fertigstellung der Restarbeiten, für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Die so genannte Lagerstraße, die zwischen der Garnisonsverwaltung und der Wache verlief, war danach durch Beschluß des Kreisausschusses vom 03.Mai 1899 für den öffentlichen Verkehr zu sperren. Trotz heftiger Gewitter entstand am Nachmittag des 03.Mai gegen 1500 Uhr auf den der Gemeinde Peissen gehörigen Moor- und Heideländereien ein Brand, der sich, begünstigt durch die Trockenheit und den südöstlichen, ziemlich scharfen Wind auf die Christinenthaler Flächen der Oberförsterei Drage ausdehnte, von denen fast dreiviertel der jungen und älteren Tannenanpflanzungen vernichtet wurden. Es verbrannte eine Fläche von 150 bis 200 ha. Die Löscharbeiten wurden wegen fehlender Löschmannschaften erschwert, da der größte Teil der Einwohner der Gegend den an diesem Tage stattgefundenen Schenefelder Markt besuchten. Zu den Löscharbeiten wurden sofort die Soldaten gerufen und eingesetzt, erst spät in der Nacht und nachdem sich auch die Feuerwehren aus Peissen, Christinenthal und Looft an den Löscharbeiten beteiligten, konnte man das Feuer unter Kontrolle bringen. Der Gesamtschaden war erheblich und dürfte sich ungefähr auf 50.000 Mark belaufen haben. Die Entstehungsursache hat sich nie ermitteln lassen, doch richtete sich bald der Verdacht gegen zwei Arbeiter aus Peissen, die auf Peissener Gebiet an der Grenze zum Übungsplatz gearbeitet hatten. In der ersten Woche des Mai traf das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.85 aus Kiel kommend ein. Das Bataillon erreichte nach einem Fußmarsch, unterbrochen durch ein Nachtquartier bei Nortorf, das Lockstedter Lager, um hier für 10 Tage zu exerzieren. Die Parademarschübungen auf den Lagerstraßen wurden immer von den regimentseigenen Musikkapellen begleitet. ♦ Anmerkung:
Als ich 1974 in Kiel-Holtenau beim Marineflieger Geschwader 5 einen Teil meiner Ausbildung absolvierte wurde mir, bei einer "Happy Hour" im Kasino, vom Kommodore, Kapitän zur See Schäfer, wegen meiner Heeresuniform der Spitzname, "85er", angedichtet. Er sollte mich für den Rest meines längeren Aufenthaltes in Kiel begleiten. Damals hatte ich keine Ahnung worauf sich die Bezeichnung bezog, dies konnte mir auch keiner meiner Kameraden von der Marine erklären. Jetzt kenne ich den Zusammenhang.
Im Monat Mai war im Lockstedter Lager ein Fußgendarm aus Wilster stationiert, er trat den Dienst in der Mitte des Monats an. Ihm waren auch wieder die umliegenden Ortschaften Winseldorf und Lohbarbek unterstellt. Das in der Nähe des Bahnhofs liegende Erdmannsche Gebäude, in welchem mehrere vermietete Arbeiterwohnungen waren, war im Monat April für 24.000 Mark verkauft worden. Käufer war ein Herr Meinz aus Hamburg, der die Absicht hatte, das Gebäude in ein Hotel ersten Ranges umzubauen. Am 12.Mai wurde die Lagerfeuerwehr durch den Ruf des Feuerhorns alarmiert. Die Heide brannte in der Ecke des Lagerterrains, das von Hohenaspe gekauft worden war. Dem energischen Eingreifen der Soldaten gelang es bald, das Feuer zu kontrollieren. Am nächsten Tag stiegen wieder Rauchwolken empor, der Brand hatte sich aufs Neue entfacht und war auf Hohenasper Gebiet übergesprungen, wo es Heideland des Hufners Eicke in Asche legte. Der Brand wütete weitere drei Tage. Die Remontekommission des Husarenregimentes Nr.15 war für die Dauer ihres Amtsgeschäftes im Bereich von Itzehoe im Lager untergebracht. Aus 200 vorgeführten Pferden in Krempe wurde sechs Tiere zum Gesamtpreis von 1.000 Mark ausgewählt und von den zur Kommission gehörenden Unteroffizieren/Husaren ins Lager gebracht und untergestellt. Von der Bevölkerung unbemerkt verließ das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.85 am 16.05. das Lager in Richtung Kiel. Diesmal stand jedoch für die Soldaten um 0530 Uhr ein Sonderzug auf dem Bahnhof bereit, der sie über Neumünster zur Garnison zurückbrachte. Nacheinander trafen am 19.Mai das Infanterieregiment Nr.162 aus Lübeck und Eutin, das Infanterieregiment Nr.163 aus Neumünster und Heide, das Infanterieregiment Nr.84 aus Schleswig und Hadersleben und das Füsilierregiment "Königin" Nr.86 aus Flensburg und Sonderburg ein. Die Regimenter Nr.84 und Nr.86 waren mit Sonderzügen eingetroffen. Sie sollten bis zum 02.Juni gemeinschaftlich als Brigade vereint üben. Die Verlegung der Landstraße, die vom Lockstedter Lager nach Lockstedt führte, war Thema der periodischen Sitzung des Kreistages. Infolge der Erweiterung des Artillerieschießplatzes Lockstedter Lager zu einem Truppenübungsplatz hatte der Regierungspräsident im Mai 1897 verfügt, daß die Landesteilstrecke Springhoe – Lockstedter Lager in die Linie Springhoe – Mühlenbarbek zu verlegen sei Von Seiten des Kreises war mit Rücksicht darauf, daß der Weg Springhoe – Mühlenbarbek hart an der bei Schießübungen gefährdeten Zone lag, der Wunsch geäußert worden, die Landstraße am Lockstedter Lager in die Linie Lockstedt – Kellinghusen zu verlegen, doch hatte der Regierungspräsident die geäußerten Bedenken für nicht begründet erachtet. Die Militärbehörde hatte vorausschauend beim Regierungspräsidenten den Antrag auf Enteignung der alten Landstraße gestellt. In diesem Verfahren wurde die Frage, in welche Linie die Ersatzstraße zu legen sei, nochmals erörtert. Der Kommandant des Lagers, Oberst Ritter, war Festredner bei der Feier aus Anlaß des Ereignisses, daß das Kriegerdenkmal (Bismarck-Denkmal im Mannschaftspark) am 25.Mai mit einem Bronzeadler gekrönt und die Gedenkstätte mit einer ansprechenden Einfriedung versehen worden war. Die Einfriedung wurde kenntlich gemacht durch eine Kette, welche von vier Granitpfeilern gehalten wurde. Der durch die Eisenkette umrandete Platz sollte durch Anlage eines Rasen geziert werden. Die Kosten der Ausschmückung, die der ehemalige Gemeindevorsteher Behrens übernommen hatte, beliefen sich auf etwa 50 Mark. Mit klingendem Spiel verabschiedeten sich die mecklenburgischen Regimenter am 27.Mai in Richtung der Heimatstandorte Wismar, Schwerin, Parchim und Ludwigslust. Reichlich Bevölkerung beobachtete und begleitete den Auszug der Soldaten, die hinter ihren Regimentskapellen zum Bahnhof marschierten, wo Sonderzüge für sie bereitstanden. Zu den hier übenden Infanterieregimentern stieß das Pionierbataillon Nr.9 aus Harburg. Mit der Eisenbahn waren etliche Pontons und Kähne herbeigeschafft worden. In den letzten Tagen ihres Aufenthaltes sollten die Infanteristen das Überwinden von Gewässern unter Anleitung der Pioniere lernen, dazu wurden der Lohmühlenteich aber auch die Stör genutzt. Am gleichen Tag traf das lauenburgische Jägerbataillon Nr.9 aus Ratzeburg ein, es sollte für die hier noch übende Truppe den Feind darstellen. Der Kreisausschuß gab auf seiner Sitzung Ende Mai dem Abkommen der Gemeinden Winseldorf, Lohbarbek und Lockstedt mit dem Reichsmilitärfiskus, betreffend der Regulierung des Steuerausfalles, entstanden bei der Umgemeindung von auf den Fiskus übergegangenen Grundstücken, seine Zustimmung. Das Barackenlager leerte sich in der ersten Woche des Juni innerhalb eines Tages (02.06.). Sämtliche Regimenter, auch die Pioniere aus Harburg, wurden im Eisenbahntransport zu den Standorten zurück befördert. Der erste Sonderzug verließ die Station bereits um 0233 Uhr in Richtung Harburg, der letzte Zug war um 1730 Uhr für das Jägerbataillon Nr.9 abfahrbereit. Das Husarenregiment Nr.15, am 09.Juni aus Wandsbek kommend, belegte im Lager die bereits vom Vorkommando des Regiments übernommene größere Anzahl Baracken und Ställe. Kurze Zeit später ritt das Husarenregiment Nr.16 aus Schleswig in das Lager ein. Die Regimenter waren für die nächste Zeit allein auf dem Übungsplatz und konnten ohne Einschränkungen ihre geplanten Felddienstübungen durchführen, dazu gehörten auch Schwimmübungen im Lohmühlenteich mit Pferd und Husar. Die Kapellen des Husarenregiments Nr.15 gaben in den umliegenden Ortschaften bis einschließlich Hohenwestedt Konzerte. Das vom 1.Großherzoglich Mecklenburgischen Dragonerregiment Nr.17 auf den Monat Juni 1900 angesetzte Regiments- und Brigadeexerzieren mußte, wegen des Ausbruchs eines Hustenkatarrhs (infektiöser Kehlkopfkatarrh) unter den Pferden in der Garnison, auf den Monat August verschoben werden. Am 16.August begann der Marsch in der Garnison. Auf dem Marsch wurden, wie von den Soldaten erwartet, Aufklärungsaufgaben durchgeführt. Das Regiment rückte am 24.August in das Lockstedter Lager ein. Unter dem Kommando des Generalmajors Freiherrn von Vietinghoff, genannt Scheel, fand das Brigadeexerzieren statt. Der Rücktransport des Regimentes erfolgte mit einem Sonderzug in den Standort am 04.September. Da durch die Belegung des Lagers mit Infanterieregimentern und den beiden Husarenregimentern eine höhere Anforderung an die hiesigen Post- und Eisenbahnabfertigungsstellen gestellt wurde, waren zur Arbeitsbewältigung bei der Post außer dem Verwalter einige Gehilfen und am Bahnhof außer dem Vorsteher zwei Assistenten tätig. Für den Monat Juni war ein Gendarm aus Wewelsfleth zur Dienstleistung hierher kommandiert. Die Arbeit an dem zu errichtenden Schulgebäude machten nach einer längeren Zwangspause gute Fortschritte, so daß zu erwarten war, daß dasselbe am 01.August fertiggestellt sein würde. Nach der Fütterung der Pferde und Übergabe der Baracken und Ställe bereiteten sich beide Husarenregimenter auf den Abzug im Landmarsch vor. Am 02.Juli gegen 1000 Uhr verließen die Teten in entgegengesetzter Richtung das Lockstedter Lager. Die Husarenregimenter machten Platz für vier Artillerieregimenter, die in den nächsten beiden Tagen das Lager erreichen sollten. Im Hinblick auf die in diesen Tagen beginnenden Schießübungen der Artillerie mit scharfer Munition wurden die Bewohner der in der Nähe des Truppenübungsplatzes belegenen Ortschaften erneut darauf aufmerksam gemacht, daß der Zünder mit Zündladungen, einzelne Zündladungen oder blindgegangene Geschosse unter keinen Umständen berührt werden durften. Dabei sei es gleichgültig, ob das Geschoß eine Granate oder Schrapnell sei, ob es mit Zünder versehen wäre oder nicht, ob der Finder von der Ungefährlichkeit überzeugt wäre oder nicht. Der Finder hätte nichts weiter zu tun, als den Fund dem Führer des Arbeitskommandos im Lockstedter Lager zu melden und nötigenfalls die Stelle kenntlich zu machen. Jegliches Anfassen und Bewegen der gefundenen Geschosse wäre mit Lebensgefahr verbunden. Am Morgen des 05.Juli rückte das Feldartillerieregiment Nr.9 im Lager ein, wo bis zum Monatsende Schießübungen mit scharfer Munition abgehalten werden sollten. Am 04.07. trafen bereits im Lager das Artillerieregiment Nr.45 aus Bahrenfeld und Rendsburg und die beiden Regimenter Nr.24 und 60 aus Mecklenburg ein. Sämtliche Regimenter hatten den Weg zum Lager im Landmarsch zurückgelegt. Das Schießen mit dem scharfen Schuß wurde geübt, daneben alle weiteren Tätigkeiten die mit den Vorbereitungen zum Artillerieschießen in Verbindung standen. Die Schulschießübungen mit dem Gewehr sowie Fahr- und Protzübungen rundeten die Ausbildung ab. Die Kommandantur und Garnisonsverwaltung wurden informiert, daß kurzfristig mehrere hundert Soldaten aus allen Heeresformationen im Lager eintreffen würden, die für den Einsatz bei der internationalen Interventionstruppe in China vorgesehen seien, es sei entsprechender Unterkunftsraum für mindestens ein verstärktes Regiment vorzuhalten. Weitere Anweisungen gemäß A.K.O. würden folgen. Neben dem Lockstedter Lager waren noch andere Truppenübungsplätze und Truppenschulen für die Aufstellung der Truppe vorgesehen, jedoch wurden dort vorrangig Kommandos gebildet, die zur sofortigen Verstärkung der deutschen Truppen in China dienten und Vorkommandos, die dann über Genua oder Bremerhaven im Seetransport nach China gingen um u.a. die Pferdedepots einzurichten. Die vom Expeditionskorps benötigten Pferde wurden aus Amerika und Australien nach China transportiert. Der Kanonier Fritz Rebschläger von der 5.Fahrenden Batterie des Feldartillerieregiments Nr.24 war von seinem im Lockstedter Lager liegenden Truppenteil desertiert. Rebschläger war in Stettin geboren, wo ihn die Polizei auch vermutete und nach ihm suchen ließ. Am Freitag, dem 12.Juli. trafen die ersten Eisenbahnwaggons mit Bekleidung, Handfeuerwaffen darunter auch das Gewehr 98 und anderer Ausrüstung für die Interventionstruppe auf dem Bahnhof ein. Die Waggons wurden zügig entladen und die Ausrüstung in die Magazine verbracht. Die ersten Soldaten des künftigen China Expeditionskorps kamen am 14.Juli, ohne Waffen und waffengattungseigentümliche Zusatzausrüstung, im Lager an. Sie wurden am Bahnhof empfangen und geschlossen ins Lager geführt, anschließend erfolgte auf der Lagerstraße für die zusammengewürfelte Truppe eine Grobeinweisung in die Einrichtungen des Lagers sowie Zuweisung der Quartiere. Die Vervollständigung der Ausrüstung und Umkleidung erfolgte in den folgenden Tagen. Die für verschiedene Tätigkeiten bei den Kommandos vorgesehenen Mannschaften, unter denen sich zwei Unteroffiziere befanden, waren nach ihrer freiwilligen Meldung für diesen Dienst sofort nach Jüterbog kommandiert worden. Nach einem im Lager eingegangenen Telegramm hatte jedes der hier übenden Artillerieregimenter an das nach China abgehende ostasiatische Feldartillerieregiment (Kommandeur war Major Hoffmann vom Feldartillerieregiment Nr.5) 18 Mann, darunter einen Unteroffizier, zu stellen. Es meldeten sich aus allen Regimentern genügend Mannschaften freiwillig, die bereits am 14.Juli zur Schießschule nach Jüterbog abfuhren. Vom Feldartillerieregiment Nr.9 ging von der 5.Batterie Sergeant Ritter als Wachtmeister mit. Insgesamt wurden mit der Bahn 70 Freiwillige (darunter auch der Sohn des ortsansässigen Herrn Pabst) nach Jüterbog befördert. Hier wurden sie ausgerüstet und auf dem kürzesten Weg nach Neapel geführt, von wo aus die Reise nach China erfolgte. Im Offizierskasino fand am 14.07. abends für den nach China gehenden, nach seiner freiwilligen Meldung zum Major beförderten, Major Thieming eine Abschiedsfeier statt, während die Kapelle des Feldartillerieregiments Nr.9 in den Anlagen ein Platzkonzert gab. Major Thiemig war bis zu seiner Abordnung nach China als Kommandeur der Munitions Kolonnenabteilung Hauptmann beim Stab des Feldartillerieregiments Nr.9. Zum 01.Oktober 1900 sollte die Bahnhofswirtschaft neu verpachtet werden. Der bisherige Pächter Herr Stubbe, der die Wirtschaft seit 1898 führte, hatte gekündigt, er übernahm zu dem genannten Termin in Kellinghusen ein Hotel. Am 15. Juli wurde der Vorsteher am Bahnhof Lockstedter Lager, Herr Haß, in gleicher Eigenschaft nach Heide versetzt, der Eisenbahnassistent, Herr Scharnberg, sollte zum 01.Oktober seinen hiesigen Posten verlassen. Statt des für den Monat Juli angekündigte Gendarm aus Kollmar war der Gendarm aus Neuenbrok für diese Zeit im Lager stationiert. Die hiesige Gegend wurde am 14.Juli von zwei schweren Gewittern heimgesucht, wovon besonders das erste mehrfachen Schaden anrichtete. In Winseldorf schlugen vier Blitze ein, einer wurde durch einen Blitzableiter aufgefangen, zwei schlugen in einem Feuchtgebiet ein und einer setzte das Wohnhaus des Landwirts Böthern in Brand. Da der Besitzer mit den Dienstboten noch nicht vom Felde zurückgekehrt war, konnte durch Frau und Kinder außer den Wertsachen nichts gerettet werden. Später wurden aus einem Zimmer noch einige Möbel herausgeholt. Mit knapper Not konnten durch die Hilfe aus der Nachbarschaft die Schweine gerettet werden, während ein Zuchtstier im Werte von 600 Mark verbrannte, da, wie man annahm, dieser durch den Blitzschlag getötet worden war. Auch die Scheune wurde ein Raub der Flammen. Verbrannt waren 16 Fuder Heu, welche kurz vorher eingefahren worden waren. Während der Knecht seine Sachen versichert hatte, hatte die Dienstmagd dies leider versäumt und so ihre ganze Habe verloren. Der Besitzer war versichert bei der Landesbrandkasse. Hilfe wurde auch angeboten von der Kommandantur im Lockstedter Lager. Da aber keine Gefahr für Nachbarhäuser vorhanden war, wurde sie nicht in Anspruch genommen. Der zur Sondierung abgesandte Adjutant des Generals überwies 10 Mark für die Magd. Die erschienenen Spritzen aus Lohbarbek, Schlotfeld und Oelixdorf konnten wegen Wassermangels nicht verwendet werden. In einem Zeitraum von 15 Jahren war dies das dritte Gehöft, welches in Winseldorf durch Blitzschlag eingeäschert wurde. Alle drei lagen in unmittelbarer Nähe des Wiesentales, das von der Winseldorfer Au durchflossen wird. In der Nähe des Lagers waren durch Blitzschlag 5 Telegraphenpfähle beschädigt, auch auf dem Bahnhof wurden Zerstörungen angerichtet. Von einer Württembergischen Remontekommission (4 Offiziere und 12 Gemeine) wurden in Wilster wieder 36 Pferde gekauft, die einen Ankaufswert von 32.600 Mark ausmachen. Die Pferde blieben noch bis zum 17. Juli im Lager, während die Kommission weitere Ankäufe in der Umgegend vornahm. Nach Beendigung der Einkäufe wurden die Tiere nach Württemberg transportiert. Die beiden vom IX.Armeekorps zusammengestellten Kompanien für das Expeditionskorps nach China (34 Unteroffiziere und 416 Gemeine) waren am 18.Juli im Lockstedter Lager zusammengezogen worden, um dort bis zum Abmarsch Schieß- und Exerzierübungen vorzunehmen. Am Mittag des gleichen Tages traf per Sonderzug das I.Bataillon des 3.Ostasiatischen Infanterieregiments ein. Das Bataillon war in einer Stärke von 800 Mann - jede Kompanie 200 Mann - ohne die Offiziere, formiert worden. Die einzelnen Kompanien waren in Hamburg-Altona, Schwerin und Hannover zusammengestellt worden. Sämtliche Mannschaften hatten Sonderausrüstung erhalten. Das Bataillon blieb hier 10 Tage, um mit dem allerneuesten Gewehr, Modell 98, ausgebildet zu werden. Regimentskommandeur war Oberst Freiherr von Ledebur, der Bataillonskommandeur Major von Mülmann. Mit Datum 19.Juli begann das Training der Einheiten. Beginnend mit dem I.Bataillon des 3.Ostasiatischen Infanterieregiments. Das Ostasiatische Trainbataillon sowie Feldbäckerei Kolonnen wurden umgekleidet, aufgestellt und etwa nach zehn Tagen nach Bremerhaven in Marsch gesetzt. Insgesamt sollen 4.000 Soldaten für den Ersteinsatz durch das Lager geschleust worden sein. (Später kamen Ablösungskommandos hinzu). Man versuchte im Lager innerhalb der kurzen, bis zum Abmarsch verbleibenden Zeit, eine gemeinsame militärische Grundlage für den Einsatz in China zu schaffen. Vorrang hatte die Ausbildung mit dem neuen Gewehr/Karabiner 98. Nach Erreichen der vorläufigen Feldverwendungsfähigkeit der Einheiten wurden diese zeitlich gestaffelt nach Bremerhaven transportiert, wo die zweite Welle, das 3. und 4.Ostasiatische Infanterieregiment und das 1.Ostasiatische Feldartillerieregiment mit entsprechenden Munitionskolonnen zwischen dem 27.Juli und 07.August auf Truppentransportern (Schiffe des Norddeutschen-Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie), eingeschifft und nach Tientsin/Taku transportiert wurden. An Bord der Schiffe wurden, wenn es Seegang und Hitze zuließen, "Griffe geklopft, Freiübungen und Klimmzüge etc." gemacht. Schießübungen mit Gewehr wurden auf eine an einer Rahe aufgehängte, selbstgefertigte "Chinesenkopfscheibe" durchgeführt. Für Schießen mit Faustfeuerwaffen war auf dem Achterdeck ein Schießstand aufgebaut. Am 13.09. trafen Teile der zweiten Welle des Expeditionskorps auf der Reede vor Taku ein. Das I. und II.Seebataillon waren bereits am 15.08. vor Taku gelandet. Teile der dritten Welle, die ab dem 22.08. im Lager zusammengestellt worden waren und weitere Unterstützungseinheiten, wie: 9 Kompanien als Personalersatz und für den Etappendienst, 1 Jägerkompanie, eine 4.Eskadron für das Ostasiatische Reiterregiment, der Stab für eine dritte Abteilung, zwei fahrende Batterien und eine Gebirgsbatterie für das Ostasiatische Feldartillerieregiment mit den Munitionskolonnen, einen Bataillonsstab, schwere Feldhaubitzen mit einer 2.Kompanie, eine 3.Kompanie für das Ostasiatische Pionierbataillon, den Stab eines Eisenbahnbataillons mit einer 2. und 3.Kompanie, eine Infanterie-, Artillerie- und eine schwere Feldhaubitz-Munitionskolonne, eine 3.Proviantkolonne und zwei weitere Feldlazarette, mit insgesamt 7.699 Mann stachen zwischen dem 31.August und 07.September von Bremerhaven aus in See. Das II.See-Ersatzbataillon und weiterer Personalersatz für die Ostasien Regimenter durchliefen das Lager und wurden im Oktober in Bremerhaven eingeschifft und nach China transportiert. Teile der Ostasiatischen Feldartillerieregimenter und anderer Einheiten blieben nach Beendigung der Expedition beim am 13.06.1898 in Fernost aufgestellten III.Seebataillon. Zur Behandlung von Soldatenbriefen in die deutschen Kolonien wurde anläßlich der Entsendung zahlreicher Soldaten nach China im Lager bekanntgegeben, daß eine Verfügung der Postbehörde besage, daß Briefe, welche an in den deutschen Kolonien stationierte Militärpersonen vom Feldwebel abwärts gerichtet seien und die Aufschrift "Soldatenbrief! Eigene Angelegenheit des Empfängers" trügen, als "Soldatenbriefe" mit 10 Pfennig freigemacht zur Beförderung gelangen würden, falls sie ein Gewicht von 60 Gramm nicht überstiegen. Hätten Briefe aber auch nur das geringste Übergewicht, so würden sie trotz des angeführten Vermerks als gewöhnliche Briefe behandelt, d.h. sie müßten als Auslandsbrief für je 20 Gramm mit 20 Pfennig bei frankierten und 40 Pfennig bei unfrankierten Briefen bezahlt werden. Wäre ein Brief schwerer als 60 Gramm, so mache man aus dem einen Brief zwei oder mehrere. Jeder koste dann den erwähnten Betrag und ein Meistgewicht von 60 Gramm vorausgesetzt, 10 Pfennig Porto, während sie vereint ein Porto von mindestens 80 Pfg erfordern würden. Generalmajor von Haehnel, Kommandeur der 18.Artilleriebrigade, war eingetroffen und wollte längere Zeit im Lager bleiben. Für das I.Bataillon des 3.Ostasiatischen Infanterieregiments wurde an der Orleansstraße ein Feldgottesdienst durch einen Militärgeistlichen aus Rendsburg abgehalten. Im Anschluß daran erhielten zwei Kompanien das heilige Abendmahl. Die Truppen erhielten bereits Kriegslöhnung, nämlich für 10 Tage 6,80 Mark. Das Bataillon sollte in der Nacht zum 01.August mittels Sonderzug das Lager verlassen, um nach Bremerhaven befördert zu werden, wo die Einschiffung auf den Transportdampfer "Rhein" erfolgen würde. Da die Zeit zur einheitlichen Ausbildung der Truppe und zur Handhabung des neuen Gewehrs nur kurz war, so mußte der Dienst recht stramm sein. Viele Soldaten nutzten am 21.07., einem Sonntag, die letzte Gelegenheit, die Orte Itzehoe und Kellinghusen aufzusuchen. Das Infanterieregiment Nr.31 traf am 24.07. gegen Mittag, mit einem Sonderzug aus Altona kommend ein und rückte nach Verlassen des Bahnhofes mit klingendem Spiel, zur Freude der Zivilisten, in das Barackenlager. Das Lager war damit so stark mit Truppen belegt wie noch nie. Es waren anwesend 4 Artillerieregimenter, das Infanterieregiment Nr.31 und das I.Bataillon des 3.Ostasiatischen Infanterieregiments, im ganzen also gegen 5.000 Mann. Eine recht starke Belegung der Baracken war die Folge davon. Rechnerisch betrachtet war zu diesem Zeitpunkt in den festen Baracken nur Platz für etwa 2.300 Mannschaften, dazu konnten in den unlängst errichteten Wellblechbaracken weitere 640 Mann untergebracht werden. Wenn noch die Ställe 21 und 22, die auch für die Unterbringung von Mannschaften genutzt werden konnten mit je 63 und 66 Mann belegt wurden, dann erreichte man eine Belegungsstärke, Offiziere in deren Baracken mit eingerechnet, von 3.500 Soldaten. Es mußte also sehr eng zusammengerückt werden. Es herrschte Hochbetrieb bei der Abfuhr der Fäkalien und anderer verwertbarer Abfälle. Die auf Veranlassung des Verbandes der Vaterländischen Frauenvereine der Provinz Schleswig-Holstein von dem Verein in Winseldorf und Lockstedter Lager zur Fürsorge und Pflege der in China verwundeten und erkrankten Soldaten veranstaltete Geldsammlung hatte die Summe von 182 Mark erbracht. Das Geld wurde an die Zentralstelle in Schleswig überwiesen. Der Kommandeur der 18.Division aus Flensburg, Generalleutnant von Fischer, traf am 25.07. abends ein und bezog mit Adjutant und Burschen eine Offiziersbaracke für Stabsoffiziere, er blieb mehrere Tage. Am Sonntag, dem 26.Juli, kam der Kommandierende General, der General der Kavallerie von Massow, um am 27.07. dem Prüfungsschießen der Artillerie beizuwohnen. Am Dienstag, 28.07., nach erfolgter Besichtigung wurden die Regimenter entlassen, die daraufhin bald das Lager verließen. Mit Rücksicht auf die Ausbildung der nach China bestimmten Truppen, sowie in Anbetracht der hohen Tagestemperaturen, die Ende Juli herrschten, übte ein Teil der hier anwesenden Truppen seit einigen Tagen in den frühen Morgenstunden, mitunter bereits von 0300 Uhr an, während ein anderer Teil die Übungen in den Abendstunden bis in die Nacht hinein machte. Am Vormittag des 29.Juli fand wieder ein Feldgottesdienst für die nach China gehenden Soldaten, aber auch für andere Truppenteile statt. Für die evangelischen Mannschaften war dazu der große schattige Platz innerhalb des Barackenlagers gewählt, während für die katholischen Mannschaften der Gottesdienst im Saal einer Gastwirtschaft gehalten wurde. Nach Beendigung des Gottesdienstes erhielten zwei Kompanien des nach China gehenden Bataillons das heilige Abendmahl. Der Zustrom an Fremden ins Lager war enorm, besonders von Angehörigen der nach China gehenden Truppen, die sich von ihren Lieben verabschiedeten. Zum Schluß wurden sieben Paare durch den Divisionspfarrer getraut. Die Hochzeitsfeierlichkeiten, wozu sich Verwandte eingefunden hatten, wurden in den hiesigen Hotels in stiller Weise begangen, da in Kürze die Abreise des jungen Ehemannes nach China erfolgte, von wo er vielleicht nicht wiederkehren würde. Die Chinesen, wie diese Truppen im Volksmund allgemein genannt wurden, trugen die vollständige Tropenausrüstung. Der breitrandige, an der rechten Seite in die Höhe gebogene Strohhut, an der eine Kokarde angeheftet war, gab im Verein mit dem von der Sonne braun gebrannten Gesicht, den Leuten ein fremdartiges, verwegenes Aussehen. Die Besichtigung des Bataillons durch den Kommandeur Major von Mülmann fand am 30.Juli statt, für den 01.08. war eine größere Abschiedsfeier in Aussicht genommen. Bücher und Schriften für die Mannschaften, die wegen der langen Seefahrt sehr erwünscht waren, konnten bis zum 01.August an die Adresse des Herrn Major von Mülmann nach Bremerhaven, postlagernd, geschickt werden. Die Feldartillerieregimenter verließen in verminderter Stärke das Lager. Ihnen war mitgegeben worden, sich auf weitere Abgaben zur Verstärkung der Interventionstruppe vorzubereiten. Zu der Abfahrt des I.Bataillons des 3.Ostasiatischen Infanterieregiments nach China mitten in der Nacht zum 03.August hatte sich trotz des niedergehenden Gewitters von nah und fern zahlreiches Publikum eingefunden. In strömendem Regen setzte sich kurz nach 0100 Uhr das Bataillon in Stärke von 842 Mann und 22 Offizieren vom Barackenlager hinter der Musikkapelle des Infanterieregiments Nr.31 zum Bahnhof in Bewegung. Der ganze Weg war mit Fackeln und bengalischen Feuer magisch beleuchtet. Auf dem Bahnhof angelangt, wurden die Truppen in den bereitstehenden Sonderzug befohlen. Dem Publikum wurde der Zutritt zum Bahnhof gestattet und es war den zahlreichen Verwandten und Bekannten der chinesischen Truppe damit die letzte Gelegenheit gegeben, nochmal von ihren Angehörigen Abschied zu nehmen. Während die Truppen den Zug bestiegen, wurde in der Nähe des Bahnhofs ein prächtiges, abwechslungsreiches Feuerwerk abgebrannt. Nachdem das Musikkorps "Heil Dir dem Siegerkranz" gespielt hatte, setzte sich der Zug um 0200 Uhr in Bewegung, begleitet von Hurrarufen des Publikums. Das Vorkommando des Infanterieregiments Nr.85 aus Kiel übernahm von der Kommandantur die Schlüssel für die zugewiesenen Baracken und machte einen Übergaberundgang mit den Kaserneninspektoren durch die Gebäude. Gegen Abend flossen die Bataillone aus Kiel und Rendsburg in den Lagerbereich ein. Nach Beziehen und Einrichten der Stuben wurden bei der anschließenden Befehlsausgabe die zu verrichtenden Dienste befohlen. Noch während der Parole zog das Munitionswachkommando bei den Abstellplätzen für Fremdmunition auf, um die mitgebrachte Munition zu bewachen. Fast gleichzeitig mit dem Regiment erreichte das Infanterieregiment Nr.163 aus Neumünster, nach anstrengendem Fußmarsch über Kellinghusen das Lager. Auch die 163er brachten die Munition sofort hinter den vorgesehenen Schutzwall. In Absprache mit dem Regiment Nr.85 wurde die Munitionswache auf beide Regimenter verteilt. Weil das von der Kapelle des Infanterieregiments Nr.31 angekündigte Konzert, wegen der befohlenen Armeetrauer, ausfallen mußte, wurde das Konzert unter Leitung des Dirigenten Herrn Mohrbutter am Donnerstag, dem 09.August, im Hotel Kaiserhof gegeben. Von Generalfeldmarschall Graf von Waldersee ging am Nachmittag des 08.August beim Feldartillerieregiment Nr.9 und der Kommandantur des Truppenübungsplatzes ein Telegramm ein, in welchem er mitteilte, daß er zum Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen in China ernannt worden sei. In gleichem Telegramm verabschiedete er sich von den Offizieren und Mannschaften der benannten Einheiten. Die im Kreis Steinburg unter den Schweinen ausgebrochene Rotlaufseuche wurde auch im Schweinebestand des Hoteliers Theurich im Lockstedter Lager festgestellt. Über das Gehöft wurde eine Sperre verhängt. Anfang August vernahm man auf der zivilen Seite des Lagers, daß sich einige Herren dafür einsetzten, daß im Lager eine freiwillige Feuerwehr gegründet werden sollte, obwohl die Kommandantur ihre Feuerspritzen immer zur Verfügung stellte, so wünschten sich die Herren doch für Übungs- und Einsatzzwecke eine eigene Spritze. Am 10.August fand vor dem Kommandierenden General von Massow, sowie dem Divisionskommandeur von Fischer die Regimentsvorstellung statt. Trotz des strömenden Regens wurden alle Übungen exakt ausgeführt und fanden verdiente Anerkennung. Das Brigadeexerzieren des Infanterieregiments Nr.31 und Nr.85 am nächsten Tag war vom schönsten Wetter begünstigt. Die Kommandantur des Truppenübungsplatzes machte bekannt, daß die Chaussee nach Kiel beim Lockstedter Lager und beim Dorf Lockstedt gesperrt sein würde vom 11. bis 28.August von 0500 Uhr morgens bis 2100 Uhr abends. Kurzfristig könnten geänderte Zeiten angekündigt werden. Oberleutnant Wachs, der längere Zeit als Adjutant beim Feldartillerieregiment Nr.9 gewesen war, hatte sich freiwillig zur Expedition nach China für den Stab des Generalfeldmarschall von Waldersee gemeldet. Nachdem sein Gesuch genehmigt worden war, bereitete sich Oberleutnant Wachs, mit dem Stab des Oberbefehlshabers, auf die baldige Einschiffung nach China vor. ♦ ♦ Eingefügt weil Herr Wachs bei der Umbenennung der Steuben-Kaserne in Waldersee-Kaserne auf dem Hungrigen Wolf anwesend war. Am 15.08. traf das II.Hanseatische Infanterieregiment Nr.76 aus Hamburg ein, so daß dann die Infanterieregimenter Nr.31, 85 und das II.Hanseatische Infanterieregiment Nr.76 hier zusammen waren. Es waren mehrere zweitägige Übungen geplant, wobei jeweils Teile der Einheiten den Feind darstellen mußten. Eine halbe Woche lang wurde ein Vergleichsschießen zwischen den Einheiten der Regimenter Nr.75 und Nr.85 ausgetragen. Die beste Einheit, in diesem Fall die 5.Kompanie der 85er, wurde mit einem Tag Sonderurlaub belohnt. Das Infanterieregiment Nr.31 hatte seinen Übungsplatzaufenthalt abgeschlossen und sich auf den Abmarsch vorbereitet. Im Sonderzug fuhr das Regiment nach Altona zurück. Das Nachkommando des Regimentes folgte einen Tag später am 19.August, nachdem die genutzten Facilitäten an die Kommandantur übergeben worden waren. Wieder einmal hieß es am 22.August zusammenrücken im Lager. Das Infanterieregiment Nr.75 war angekommen. Während die Einheiten aus Bremen mit einem Sonderzug das Lager erreichten, mußten das in Stade stationierte Bataillon in Glückstadt übersetzen und dann zu Fuß zum Lockstedter Lager marschieren. Die Soldaten und Reservisten des Infanterieregiments Nr.85 waren froh das Barackenlager wieder zu verlassen. Sie hatten 24 Tage im Lager verbracht. Der Dienst war anstrengend und die Freizeit knapp bemessen. Gleiche Freude war auch bei den 163ern aus Neumünster festzustellen obwohl deren Angehörige eine kürzere Anreise hatten, wenn sie ihre Angehörigen am dienstfreien Sonntag besuchten. Auf dem Standesamt in Kellinghusen wurden in den letzten Tagen mehrere Eheschließungen mit Mannschaften der Chinatruppen vorgenommen. Zum zweiten Male innerhalb weniger Wochen verließ am 30.08. abends eine größere Truppenabteilung das Lager, um nach China zur Verstärkung der dortigen deutschen Streitkräfte zu gehen. Mußte der Ausmarsch der ersten Kämpfer unter Donner und Blitz und schwerem Gewitterregen erfolgen, so gestaltete sich der Abschied der Truppen bei herrlicher Witterung zu einem imposanten Schauspiel. Nicht allein zahlreiche Angehörige der ostasiatischen Truppen waren ins Lager gekommen, um ihren Angehörigen noch einmal Lebewohl zu sagen, sondern von nah und fern hatte sich auch eine große Zuschauermenge eingefunden. Nachdem die einzelnen Kompanien sich bei den von ihnen bisher bewohnten Baracken in der Nähe des Franzosenfriedhofs gesammelt hatten, erfolgte danach vor dem Offizierskasino, wo die Kapelle des Infanterieregiments Nr.75 spielte, die Aufstellung des ganzen Bataillons. Hier wurden die Soldaten vom Kommandeur, Major Freyhold, begrüßt. Die Soldaten trugen die blaue Litewka, den Helm mit Helmüberzügen und waren vollständig feldmarschmäßig ausgerüstet. Punkt 2130 Uhr setzte sich das Bataillon hinter der Kapelle des hanseatischen Infanterieregiments Nr.75 zum Bahnhof in Bewegung. Zu beiden Seiten des Weges hatte viel Publikum Position bezogen, das die vorbeimarschierende Truppe mit Hurrarufen und Tücherschwenken begrüßte. Der ganze Ort hatte zu Ehren der Scheidenden Flaggenschmuck angelegt. An der Lagerstraße hatte man zu beiden Seiten des Weges hunderte von kleinen Lampions angebracht. Ganz besonderen Eindruck machte die Chaussee vom Lagereingang bei der Hauptwache bis zum Bahnhof. Die Strecke war auf beiden Seiten mit bunten Lampions, Ölflämmchen in verschiedenen Farben versehen. Bei jedem Haus wurde die scheidende Truppe durch bengalisches Feuer und Fackelschein begrüßt und alle Häuser, selbst solche, die außerhalb lagen, waren illuminiert. Beim Bahnhof wurde vom Feuerwerker der Kommandantur ein Feuerwerk abgebrannt, das bei dem herrlichen Wetter doppelt gut zur Geltung kam. Während die Kapelle auf dem Bahnhof spielte, wurde, nachdem ein anderer Zug nach Itzehoe abgefertigt worden war, das Bataillon in kurzer Zeit in den bereitstehenden, 73 Achsen zählenden Sonderzug verladen. Den Angehörigen wurde wieder das Betreten des Bahnhofs gestattet, um mit ihren Angehörigen noch einige letzte Worte zu wechseln. Um 2244 Uhr setzte sich der Zug unter brausenden Hurrarufen unter den Klängen der Musik in Bewegung. Das scheidende Bataillon, das erste des 5.Ostasiatischen Infanterieregiments, bestand aus 24 Offizieren und 828 Mann. Die Ankunft in Bremerhaven erfolgte am 31.August gegen 0600 Uhr. Das Bataillon wurde auf die "Palatia" welche 1.900 Mann aufnahm, verladen. Hier im Lager zurückgeblieben war noch die 9.Kompanie des 5.Ostasiatischen Infanterieregiments, welche erst am 06.September das Lager verlassen sollte. Im Lager sollte eine Entwässerungsanlage hergestellt werden, deren Kosten auf 50.800 Mark veranschlagt wurden. Veranschlagt waren die Rohrleitungen zu 33.000 Mark, die Revisionsschächte zu 7.000 Mark, das Rieselfeld zu 5.800 Mark und die Eisenarbeiten zu 5.000 Mark. Die Herstellung dieser Arbeiten war vom Garnisonsbauinspektor in Altona öffentlich zur Bewerbung ausgeschrieben worden. Der Divisionskommandeur Generalleutnant von Fischer traf am 04.September nachmittags im Lockstedter Lager ein und nahm mit seinem Adjutanten und den Burschen Quartier in der Generalsbaracke. In den nächsten Tagen war die Besichtigung seiner Truppen vorgesehen. Nach der erfolgreichen Besichtigung durch Generalleutnant von Fischer verließen die beiden Infanterieregimenter Nr.75 und 76 das Lager, um mit Sonderzügen zu dem Manövergebiet der 17.Division, nach Mecklenburg, befördert zu werden. Das II.See-Ersatzbataillon aus Kiel rückte ins Lager ein, um an acht Tagen, im Hinblick auf den kommenden China-Einsatz, Schießübungen abzuhalten. Die 9.Kompanie des 5.Ostasiatischen Infanterieregiments verließ in geschlossener Formation am Morgen des 07.September nach kurzer Verabschiedung durch den Kommandanten in Stärke von 5 Offizieren und 204 Mann das Lager, um nach Bremerhaven befördert und dort eingeschifft zu werden. Im Lockstedter Lager wurde das dort errichtete zweiklassige Schulhaus durch den Schulinspektor Pastor Reimers aus Kellinghusen eingeweiht. An der Feier nahmen die Mitglieder des Schulkollegiums, Probst Lilie aus Horst, Regierungsassessor Dr.Maiweg, Kreissekretär Hansen und Bauunternehmer Wrigg aus Itzehoe, Architekt Wiggmann aus Kellinghusen und die beiden Lehrer der Gemeinde Winseldorf-Lockstedter Lager teil. Die Ausstattung der Schule mit Möbeln entsprach dem üblichen Standard. Als Hilfsmittel waren vorhanden: eine schwarze Wandtafel ohne Linien, zum Zeichnen ein Lineal, Dreieck und Zirkel. Mehrere Anschauungstafeln mit Pflanzen, eine Buchstabenübersicht, ein großer Abakus und Globus, und nicht belegt, eine Landkarte des Deutschen Reiches. Der Aufbau einer sicheren Wasserversorgung für das Lockstedter Lager stand auf der Wunschliste der Garnisonsverwaltung ganz oben. Die erforderlichen Arbeiten sollten noch im Oktober in 3 Losen vergeben werden und zwar waren an aufzuwendenden Mitteln veranschlagt für die Brunnen 9.000 Mark, Rohrleitungen 100.000 Mark, Maschinen und Wasserturm 17.000 Mark. Bewerber für diese Arbeiten hatten sich bis zum 25.Oktober beim Garnisonsbau-Inspektor Hagemann in Plön zu bewerben. Bei der Anlage von neuen Dungstätten (Misthaufen und Jauchegruben) bei den Pferdeställen waren folgende Grundsätze zur Anwendung zu bringen. Der Zufluß von Wasser zur Dungstätte aus der Umgebung derselben, von Dächern u.s.w. war unter allen Umständen zu vermeiden. Wünschenswert wäre eine schattige Lage des Mistplatzes. Die Größe der Dungstätte mußte im richtigen Verhältnis zur Pferdehaltung stehen. Der Untergrund mußte undurchlässig sein. Am zweckmäßigsten wäre Steinpflaster mit Asphaltdichtung. Die Auspflasterung mit Steinen wäre durchaus anzustreben. Die Lagerstätte müßte mit einer bequemen Ein- und Ausfahrt versehen sein. Die größte Tiefe der Dungstätte sei 1 bis 1,5 Meter, das Gefälle sei mäßig, nicht zu stark. An der tiefsten Stelle der Dungstätte, wo möglich an der Seite derselben, sei die Jauchegrube anzulegen. Dem Hauptpastor Reimers aus Kellinghusen war am 29.10. von der Königlichen Regierung in Schleswig die Ortsschulaufsicht über die Schulen zu Mühlenbarbek, Lohbarbek, Winseldorf, Lockstedter Lager und Quarnstedt übertragen worden. In Hülsing's Hotel hatte sich ein russischer Zuchttieraufkäufer einquartiert. Er sollte im Auftrag der russischen Regierung Zuchttiere aus dem hiesigen Bereich beschaffen. In Begleitung eines Instrukteurs aus Kiel und des Amtsvorstehers von Lohbarbek Herrn Rusch wurden für das Zuchtprogramm zwei Stiere, eine Kuh und drei Färsen gekauft. Das Vieh wurde vom Lockstedter Lager aus mit der Bahn nach Rußland transportiert. Ohne Mengenangabe hatte die Garnisonsverwaltung den Bedarf an Fleisch für das erste Halbjahr 1901 auf der Grundlage von bis Dato angemeldeten Einheiten ausgeschrieben. Die Bewerber konnten sich Unterlagen auf dem Geschäftszimmer der Verwaltung für 1 Mark abholen und danach das Angebot erstellen. In der Zeitung wurde der Bevölkerung von der Kommandantur bekanntgemacht, daß am 26., 27., 28. und 29.November auf dem Platz mit scharfer Munition geschossen würde. An den betreffenden Tagen seien sämtliche Wege von 0700 Uhr bis 1900 Uhr gesperrt. In Mühlenbarbek fand am 02.Dezember ein Termin statt, in welchem über die Enteignung der Chaussee nach Springhoe verhandelt wurde. Als Vertreter der Regierung war der Enteignungskommissar Dr.Schotelius aus Schleswig anwesend. Es wurde verhandelt mit den in Betracht kommenden Besitzern aus Lockstedt, Lohbarbek, Mühlenbarbek und Winseldorf. Über die Entschädigungssumme wurde Einigung erzielt, so daß die Chaussee, welche bisher mitten durch den Übungsplatz führte, nun in den Besitz des Militärfiskus überging. Ein Ersatzweg von Mühlenbarbek sollte in der Nähe der Grenze zu dem Übungsplatz nach Springhoe angelegt werden. Das Ergebnis einer Volkszählung in der politischen Gemeinde Winseldorf war folgendes: Winseldorf 255 Einwohner (126 männlich und 129 weiblich) in 50 Haushaltungen. Lockstedter Lager: 335 Einwohner (182 m und 195 w) gegenüber 183 Einwohnern im Jahre 1895 in 64 Haushaltungen. Im Lockstedter Lager gab es außerdem 29 Pferde, 48 Stück Rindvieh, 3 Schafe, 418 Schweine, 17 Ziegen, 567 Stück Federvieh, 10 Bienenstöcke und 403 Obstbäume. Im Lockstedter Lager war ein neues Gebäude für die Postverwaltung geplant, zu welchem die Militärverwaltung kostenlos einen Bauplatz zur Verfügung stellte. Die Bauausführung war dem Bauunternehmer Wrigge aus Itzehoe für 35.000 Mark übertragen worden. 19011901 begann, gleichzeitig mit den Bauarbeiten im Lager und dem geplanten Bau der neuen Mannschaftsbaracken, die Elektrifizierung des Lagers. Beim Scheibenzug I erzeugte ein Doppelzylinder Stirlingmotor den Strom. Der Heißgasmotor♦ der Dresdner Gasmotorenfabrik trieb den Generator mit Kompensationswicklung direkt an, die abgegebene Leistung betrug 10 Kw. Ein für diese Leistung gängiger Generatortyp wurde von der Karlsruher Gesellschaft für elektrische Industrie geliefert. Es wurde dem Wechselstrom mit 220 Volt der damals verbreiteten Spannung von 110 Volt Gleichstrom der Vorzug gegeben. Die Spannung wurde, soweit dies um sichtbare Lichtschwankungen auszugleichen erforderlich war, durch einen zusätzlichen Konstanthalter im Maschinenhaus geregelt. Tagsüber fand das Aufladen der Batterien für die spärliche Nachtbeleuchtung statt. Üblicherweise wurde der Motor nach dem Zapfenstreich abgeschaltet. Der Strom wurde ins Lager gebracht über Stromleitungen, die 50 bis 70 Zentimeter tief in der Erde verlegt waren. Die neuen Gebäude sollten mit Leitungen, Schaltern und Außenbeleuchtungen versehen werden. Die Munitionsmagazine wurden in einer ersten Aktion an die Beleuchtung angeschlossen. Die verwendeten Glühlampen hatten eine Leuchtstärke bis zu 80 Hefner-Kerzen. ♦ Anmerkung: Die Installation des Heißgasmotors beim Scheibenzug war, aufgrund der von anderen Orten in der Gegend z.B. Hohenaspe und Itzehoe beim Betrieb der Maschine gemachten Erfahrungen, vorgenommen worden. Der maschinenbedingte Lärmpegel war sehr hoch und die Vibrationen sehr stark.
Beim Bau des Wasserturmes sollte auf dem Dach des Behälterhauses ein Signalmast errichtet werden, er war Teil eines visuellen Warnsystems. Wenn auf dem Übungsplatz geschossen wurde, mußten der Signalball am Signalmast auf dem Wasserturm und die Korbzeichen 1 (nordwestlich von Gut Springhoe) und 2 (nordwestlich vom Grenadierwald) aufgezogen werden, die entsprechenden Schranken waren zu schließen und von Soldaten zu kontrollieren. Gleichzeitig mit dem Bau des Wasserturmes und dem Verlegen der Wasserrohre begann die Installation von Hydranten in der Kaserne. Sie dienten zur Feuerbekämpfung und als Wasseranschluß zur Gerätereinigung, es wurden auch neue Waschkoben aufgestellt. In die geplanten Baracken sollte fließendes Wasser eingelegt werden. Parallel zu diesen Maßnahmen wurde an einer Kanalisation gearbeitet. Durch den Bau der Kanalisation sollten alle Versorgungseinrichtungen an das Abwassernetz angeschlossen und die Zahl der Latrinen nicht weiter erhöht werden. Ein repräsentativeres, größeres Offizierskasino war in Planung, beim Wasserturm wurde eine ortsfeste Telefon-Hauptstelle eingerichtet. Von dieser Hauptstelle aus zogen Angehörige der Telegraphietruppe 25 km Feldkabel im Hochbau über 440 Telephonmasten an den Grenzen des Übungsplatzes entlang. Sie verbanden die Beobachtungstürme mit den Feuerstellungen aber auch die einzelnen Absperrposten mit der Zentrale im Wachgebäude. In den Feuchtgebieten im Südosten des Platzes waren 6 km mit Guttapercha ummantelte Kabel in die Erde eingegraben. Zu den Türmen V und IV via Erdpilz 4 und 3 lag ebenfalls Erdkabel. Anschlußpunkt für diese Leitung war am Riddersschen Weg bei der Hasenheide. Zum Laden der für die Feldtelefone benötigten Batterien war ein 5 PS Benzolmotor mit einem Siemens und Halske Generator angeschafft worden. Nachdem der Frost so ziemlich aus den für die Kanalisation hergestellten Ausschachtungen verschwunden war, wurden am 04.März die Arbeiten in beschränktem Maße wieder aufgenommen. Sobald aber der Boden frostfrei sein würde, könnten die letzten Ausschachtungen in vollem Umfang aufgenommen werden, so daß das Verlegen der Rohre noch bis zum 01.April abgeschlossen sein dürfte. Die Herstellung der Wasserleitung war vor dem Frost schon so weit fortgeschritten, daß sie in kurzer Zeit fertiggestellt sein könnte. Das Proviantamt hatte den Ankauf von Roggen für das kommende Jahr beendet. Die für die Versorgung der Pferde ausreichende Menge an Hafer, Heu und Stroh war noch nicht in ausreichender Menge beschafft worden. Neben dem Ankauf neuer Ware versteigerte das Amt Weizenkleie, Roggenkleie, Fußmehl, Körnerspreu und Heuabfälle aus dem Vorjahr in einer öffentlichen Auktion beim Magazin. Unter Leitung ihres Dirigenten gab die Kapelle des Artillerieregiments Nr.9 ein Sonntagskonzert im Offizierskasino. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, ein Zeichen wie gerne die Konzerte besucht wurden und es wurde wirklich vorzügliches geboten. Aus dem reichhaltigen Programm war besonders hervorzuheben, die von der Kapelle schneidig gespielte Jubelouvertüre von Weber, das vom Trompeter Leu gut ausgeführte 9.Konzert für Violine von Beriot, das Wiegenlied von Mozart (Schlafe mein Prinzchen) wurde vom Trompeter Jaenecke auf dem Waldhorn so vorzüglich geblasen, daß es da capo gespielt werden mußte. Ebenso fanden beim Publikum lebhaften Beifall der bekannte "Großmütterchen"-Ländler für zwei Violinen und das von Herrn Köpke sehr geschickt zusammengestellte Potpourri "Pikante Weisen". Auch dieses Konzert bestätigte in allen Teilen den guten Ruf der Artilleriekapelle. Die seinerzeit vom Kreistag angenommene Änderung von Amtsbezirken im Kreis Steinburg waren höheren Ortes bestätigt worden. Vom 01.April dieses Jahres an sollten Teile des Gutsbezirks Lockstedter Lager nicht mehr zum Bezirk Oelixdorf gehören, er sollte einen besonderen Amtsbezirk bilden. Die Eisernte, zur Bevorratung des Eishauses, auf dem Lohmühlenteich mußte am 23.Januar vorerst eingestellt werden. Das seit einigen Tagen herrschende starke Tauwetter hatte das Betreten des Eises zu einer nicht kalkulierbaren Gefahr gemacht. Die Kommandantur hatte entsprechende Warnschilder am Ufer des Teiches aufstellen lassen. Die Garnisonsverwaltung des Lockstedter Lagers annoncierte in der Zeitung, daß sie beabsichtige auf dem Truppenübungsplatz geschlagenes Eichen-, Kiefern- und Fichtenholz (Stämme und Reisig) am Dienstag, dem 12.Februar, meistbietend gegen Barzahlung zu verkaufen. Zusammenkunft der Interessenten wäre um 0900 Uhr vormittags, am Südeingang von Ridders. In einer öffentlichen Auktion wurden vor dem Kommandanturstall zwei auszurangierende Pferde, die bei der Kommandantur längere Jahre als Zugpferde eingesetzt waren, an den Meistbietenden versteigert. Der Bedarf an Kartoffeln und grünem Gemüse für die Zeit vom 01.Mai bis 31.August dieses Jahres sollte öffentlich verdungen werden. Die Garnisonsverwaltung hatte den Bedarf auf 5.000 Zentner Kartoffeln für die vier Monate geschätzt, für das zu einem späteren Zeitpunkt zu liefernde grüne Gemüse wurde auf dem Termin bereits ein Festpreis ausgehandelt. Der örtliche Wetterdienst meldete, daß das Wetter im vergangenen Februar feucht war aber im Vergleich zum Vorjahr nicht zu naß. An 14 Tagen fiel mehr als 2 Millimeter Niederschlag und an 12 Tagen fiel Schnee. Hagel und Graupelschauer wurden nicht gemeldet. Im Hinblick auf die kommende Belegung des Übungsplatzes mit Pferden wurde vorsorglich schon der bis zum Sommer anfallende Pferdemist versteigert. Der Meistbietende mußte auch für die Abfuhr der Jauche Sorge tragen. Bei der Abgabe des Gebotes mußte der Bieter die Menge, die er abnehmen wollte berechnet haben. Grundlage war der Durchschnitt des täglich anfallenden Mistes und Jauche pro Pferd. Die Anlage von vier Brunnen für die im Bau begriffene Wasserleitung war dem Unternehmer Wilhelm Wessel aus Itzehoe im März übertragen worden. Nachdem Herr Wessel bereits einige Wochen vorher einen Probebrunnen hatte bauen lassen, fand 14 Tage lang am Tag und in der Nacht ein Probepumpen statt, welches zur vollen Zufriedenheit ausfiel. Die stündliche Förderleistung lag bei 25 Kubikmetern also insgesamt 600 Kubikmeter in 24 Stunden. Aufgrund dieses Ergebnisses wurde unverzüglich mit dem Bau der restlichen drei Brunnen begonnen. Für die diesjährigen Schießübungen der Feldartillerie wurden Bretter zur Fertigung der Schießscheiben benötigt. Spezifikation über Länge, Dicke und Menge konnten nur bei der Lagerkommandantur in Erfahrung gebracht werden. Die Angebote für die Lieferung mußten so zeitig abgegeben werden, daß die Lieferung des Materials bis Mitte April erfolgt sein mußte, weil die Vorkommandos der angemeldeten Einheiten, die zum Bau der Scheiben abgestellt wurden, bereits um diese Zeit im Lager eintrafen. Das Lockstedter Lager war seit dem Datum, 01.April, nach Loslösung vom Bezirk Oelixdorf, ein besonderer Amtsbezirk. Seit dem 01.April hatte der zivile Teil des Lockstedter Lagers eine freiwillige Feuerwehr. Die Gründungsversammlung wurde im Hotel Kaiserhof abgehalten. Die freiwillige Feuerwehr bestand neben der allgemein üblichen Zwangsfeuerwehr, in welcher jeder männliche Einwohner zwischen 18 und 60 Jahren im Falle eines Feuers zu dienen hatte. Obwohl das Militär die eigenen Feuerspritzen in Notfällen den Einwohnern und auch den umliegenden Ortschaften zur Verfügung stellte, glaubte man doch, der größeren Sicherheit wegen im Besitz einer eigenen Spritze sein zu müssen. Die Gemeinde Winseldorf hatte ihre bisherige Feuerspritze dem Lockstedter Lager überlassen und für den eigenen Bedarf aus einer sächsischen Fabrik eine neue angeschafft zum Preis von 1.200 Mark. Dazu kamen einige hundert Meter Schläuche sowie ein Erweiterungsbau des Spritzenhauses, so daß die Gesamtkosten sich auf zirka 2.000 Mark beliefen. Der Kaserneninspektor Johann Josè wurde zum stellvertretenden Gutsvorsteher des Gutsbezirks Lockstedter Lager gewählt und bestimmt. Die Remontenkommission, die den Markt in Kellinghusen besuchte, übernachtete im Lager. Angekauft wurden nur dreijährige Remonten, die von Kellinghusen aus direkt mit der Bahn zu den Regimentern verfrachtet wurden. Nachdem in der letzten Zeit schon einige Arbeitsabteilungen auf dem Schießplatz beschäftigt waren, sollten gegen Ende des Monats größere Truppenabteilungen das Lager zwecks Abhaltung von Schießübungen beziehen. Den Anfang sollten die hanseatischen Infanterieregimenter machen, denen alsdann sämtliche Truppengattungen des IX.Armeekorps folgen würden. Man ging davon aus, daß das Lager sehr stark belegt werden würde, bis zu vier Regimenter gleichzeitig. Aus diesem Grund sollte die Zahl des Personals am Bahnhof und auf dem Postamt erhöht werden. Am 25.April war das bereits anwesende Arbeitskommando verstärkt worden durch Soldaten aller Einheiten des IX.Armeekorps. Jetzt kurz vor Beginn der Schießübungen mußten die Vorbereitungen für die Aufnahme der Regimenter forciert werden. In zwei Sonderzügen traf das Infanterieregiment Nr.75 aus Bremen und Stade auf dem Bahnhof ein. Nach dem Einrücken in das Lager hatten Teile der Truppe zwei Stunden Zeit sich auf das Scharfschießen am Wiesenweg vorzubereiten. Aufgrund der guten Vorarbeit des Vorkommandos verlief das Schießen reibungslos und wurde gegen 1900 Uhr abgeschlossen. Während der diesjährigen Schießübungen wurde hier wieder ein Gendarm stationiert. Für den Monat Mai war dazu ein Gendarm aus Glückstadt bestimmt. Die Maurerarbeiten an dem im Bau befindlichen neuen Postgebäude gingen nur langsam vorwärts, da die Maurergesellen die Arbeit niedergelegt hatten. Der Lehrerverein für Lockstedter Lager und Umgegend hielt im "Landhause" eine Konferenz ab, auf welcher Lehrer Seismann aus Lohbarbek einen Vortrag hielt über "Dörpsfeld's Reformen auf dem Gebiet des Religionsunterrichts", welcher eine lebhafte Debatte hervorrief. Dem hier am 15.Mai abgehaltenen Remontemarkt waren recht viele Pferde zugeführt worden. Die Kommission erstand von Landleuten 24 Tiere. Der Preis pro Pferd pendelte sich nach Berichten auf durchschnittlich 900 Mark ein. Das dem Kaufmann Meinz im Lockstedter Lager gehörende Haus wurde im Zwangsversteigerungsverfahren dem Kantinenwirt Pohl aus Altona für 10.500 Mark zugeschlagen. Der Nutzungswert wurde mit 650 Mark bewertet. Die Küche im Offizierskasino bot den Offizieren wieder einmal Spitzenkost. Die Störfangsaison hatte begonnen und einige kleinere Exemplare waren für die Küche beschafft worden. Einen großen Fang gleich zu Saisonbeginn machte der Fischer Lau aus Kollmar, indem er einen 280 Pfund schweren Rogner fing. Die Kommandantur machte bekannt, daß die Chaussee nach Kiel am Lockstedter Lager und vor dem Dorf Lockstedt gesperrt war am: 29., 30., 31.Mai und 01.Juni von morgens 0600 Uhr bis abends 2100 Uhr, am 03., 04., 05., 06. und 07.Juni von morgens 1100 Uhr bis abends 2100 Uhr. In den letzten Tagen fanden auf dem Truppenübungsplatz Felddienstübungen gemischter Waffen statt. An denselben nahmen mehrere Batterien des Feldartillerieregiments Nr.9, durch das auch feindliche Kavallerieabteilungen dargestellt wurden, sowie die beiden Infanterieregimenter Nr.75 und 76 teil. Die beiden Infanterieregimenter verließen nach erfolgter Besichtigung, in mehreren Extrazügen das Lager, um in ihre Garnisonen Hamburg, Bremen und Stade zurück befördert zu werden. Für die Pfingstfeiertage sollte das Lager von Truppen unbelegt bleiben. Am 28.Mai trafen das Infanterieregiment Nr.31 aus Altona und das Infanterieregiment Nr.85 aus Rendsburg und Kiel ein, welche bis zum 15.Juni das gefechtsmäßige Schießen und das Regiments- und Brigadeexerzieren abhielten. Bei der 6.Batterie des in Itzehoe stationierten Artillerieregiments Nr.9 war ein Pferd an Brustseuche erkrankt. Deswegen war über den Pferdebestand der II.Abteilung eine Sperre verhängt worden. Ob die betroffene Abteilung an den vom 05. bis 26.Juli im Lockstedter Lager stattfindenden Schießübungen teilnehmen würde, stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Nachdem die Enteignung der innerhalb des erweiterten Truppenübungsplatzes liegenden Landstraßen Teilstrecke vorgenommen worden war, hatte der Regierungspräsident verfügt, die Ersatzstrecke in die Linie Springhoe - Mühlenbarbek zu verlegen. Die 4,2 km lange Strecke war in Mühlenbarbek bis zum Anschluß an die Landstraße Itzehoe - Wrist auf 180 m als Pflasterbahn in 5 m Breite projektiert. Die Baukosten waren auf 87,500 Mark veranschlagt. Das von der Landesbauinspektion Itzehoe aufgestellte Projekt hat wegen etwaiger Einsprüche von Einwendungen öffentlich ausgelegen. Eltern und Verwandte bekamen Gelegenheit, ihren Söhnen oder ihren Angehörigen, soweit diese den Garnisonen des IX.Armeekorps angehörten, im Lager einen Besuch abzustatten. Es war aber in der Öffentlichkeit vielfach die Meinung verbreitet, daß das Betreten bzw. die Besichtigung des Militärlagers absolut verboten sei. Das war aber keineswegs der Fall, sondern die Militärbehörde erlaubte den Angehörigen eines Soldaten unter Führung desselben die Besichtigung des Lagers. Ein Verbot mußte seinerzeit freilich erlassen werden, damit nicht durch übermäßigen Andrang eines gemischten Publikums sowie durch aufdringliche Hausierer eine Belästigung des Militärs stattfinde. Jedem anständigen Besucher dagegen war es gestattet, nach Lösung eines Erlaubnisscheines, der ihm auf seine Bitte unentgeltlich in der Schreibstube der Kommandantur (rechts vom Haupteingang ins Lager) ausgestellt wurde, das Lager zu besichtigen. Wie sehr Post und Eisenbahn während der Übungszeit des Militärs in Anspruch genommen waren, geht daraus hervor, daß seit Anfang Mai bei der Post außer dem Verwalter zwei Assistenten und ein Gehilfe tätig waren. Auf dem Bahnhof wurde die Arbeit, welche die Militärbeförderung mit sich brachte, durch den Bahnhofsvorsteher und zwei Bahnassistenten erledigt. Nachdem in der vergangenen Zeit neuen am Postgebäude wieder mit aller Kraft gearbeitet wurde, stand der Rohbau Anfang Juni vor seiner Fertigstellung. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung war für den Monat Mai der Gendarm Schwarz aus Glückstadt hier anwesend, während für den Monat Juni der Neuenbroker Gendarm hier stationiert war. Die "Militärische Brüderschaft für Lockstedter Lager und Umgegend", welche seit dem Herbst 1897 bestand, hatte, nachdem derselben die Erlaubnis zur Führung einer Fahne im Juni erteilt worden war, vor kurzem eine solche in der Bonner Fahnenfabrik zum Preise von 450 Mark anfertigen lassen. Ein Termin für die Einweihung stand zum Zeitpunkt der Genehmigung noch nicht fest. Mitte des Monats verließ das Husarenregiment Königin Wilhelmina der Niederlande Nr.15 das Lager, um in seine Garnison Wandsbek zurückzukehren. Wie kurzfristig vom Stab des IX.Armeekorps entschieden wurde, mußten die beiden mecklenburgischen Dragonerregimenter Nr.17 und 18, die am 18.Juni im Lager eintreffen sollten, in ihren Garnisonen Parchim und Ludwigslust, wegen der Erkrankung von Pferden, verbleiben. Die beiden Infanterieregimenter Nr.85 und 31 verließen am Wochenende das Lager in mehreren Extrazügen. Das Infanterieregiment Nr.163 aus Neumünster und Heide erreichte das Lager im Landmarsch. Das Bataillon aus Neumünster legte 35 Kilometer, das Bataillon aus Heide 45 Kilometer zurück. Die zu einer 12tägigen Übung beim Feldartillerieregiment Nr.9 eingezogenen Reservisten und Landwehrleute, die zu besonderen Übungsbatterien vereinigt waren und auf dem Truppenübungsplatz an zwei Tagen geschossen hatten, wurden am Nachmittag entlassen. Die Entlassenen veranstalteten am vorausgegangenen Abend in verschiedenen Lokalitäten Abschiedsfeste. Am 12.Juni wurden dieselben durch die Regimentsmusik zum Bahnhof gebracht, um in die Heimat befördert zu werden. Auf Befehl des Generalkommandos hatten die berittenen Einheiten im unterstellten Bereich Soldaten für die Heuernte abzustellen. Beginnend mit dem 15.Juni waren im Wechsel bis in den September hinein zu diesem Zweck Arbeitskommandos ins Lager kommandiert. Seit der letzten Vergrößerung des Lagers konnte die Rantzau-Niederung vom Bahndamm im Süden bis nach Peißen und an der nördlichen Übungsplatzgrenze bis Silzen zum Heumachen genutzt werden. Das Heu wurde in den Scheunen am Bückener Weg gelagert und war für die im Winter hier anwesenden Armeepferde vorgesehen. Das Lager um 1901 mit zivilen GeschäftenDie Arbeiten an der Wasserleitung für das Barackenlager machten Fortschritte, doch sollte diese in diesem Sommer nicht mehr in Betrieb genommen werden. Der Wasserturm ging ebenfalls seiner Vollendung entgegen, auch die Zuleitungsrohre, welche die in Richtung Springhoe gebauten Brunnen mit dem Wasserturm verbinden sollten, waren schon zum großen Teil verlegt.Nachdem das Infanterieregiment Nr.163 aus Neumünster schon seit mehreren Tagen Schießübungen abgehalten hatte, traf das Infanterieregiment Nr.162 mit einem Sonderzug aus Lübeck und Eutin ein, dem am 21.Juni das Infanterieregiment Nr.76 aus Hamburg folgte. Die beiden mecklenburgischen Dragonerregimenter Nr.17 und 18, die wegen Ausbruchs der Brustseuche unter den Pferdebeständen in Ludwigslust zur festgesetzten Zeit das Lager nicht beziehen durften, sollten erst nach den Schießübungen der vier Artillerieregimenter hier eintreffen. Die Chaussee nach Kiel wurde am Lockstedter Lager und vor dem Dorf Lockstedt laut Bekanntmachung der Kommandantur des Truppenübungsplatzes Lockstedt gesperrt vom 22. bis 29.Juni von 1100 Uhr vormittags bis 2100 Uhr abends, vom 04. bis 30.Juli von 0600 Uhr vormittags bis 1500 Uhr nachmittags, ausgenommen Sonn- und Feiertage. Seit dem 26.Juni war der neue Verbindungsweg zwischen dem Lockstedter Lager und Hohenaspe endgültig dem Verkehr übergeben, nachdem auch die seitlichen Entwässerungsgräben fertiggestellt und die ganze Strecke mit Kies beschüttet worden war. Für die Zeit vom 01.Juli bis 01.August war der Gendarm Brandt aus Wewelsfleth hierher kommandiert. Das Infanterieregiment Nr.76 verließ am Samstag, dem 29.Juni, mit einem Sonderzug gegen 1530 Uhr das Lager, um nach Hamburg zurückzufahren. Die zuständige Wetterstation für dieses Gebiet stellte für den verflossenen Monat Juni fest, daß der Monat relativ trocken war, es wären nur vereinzelt Gewitter zu beobachten gewesen. Die beiden Infanterieregimenter Nr.162 und 163, sowie das lauenburgische Jägerbataillon Nr.9 verließen das Lager. Das Regiment 163 marschierte nach Neumünster und Heide, wogegen die beiden anderen Einheiten mit dem Zug abtransportiert wurden. Tagesgespräch war eine Meldung in der Zeitung, daß ein Freiballon mit Insassen den südlichen Teil des Kreises Steinburg passiert hätte. Der Ballon wäre in mäßiger Höhe in der Gegend von Kollmar über die Elbe getrieben und wahrscheinlich im hannoverschen gelandet. Eine Trennung zwischen Winseldorf und Lockstedter Lager in kommunaler Beziehung war seit einigen Jahren angestrebt worden. Jetzt war die Bildung einer neuen politischen Gemeinde Lockstedter Lager von der Gemeindevertretung mit 5 gegen 1 Stimme beschlossen werden. Der Grundbesitz der Gemeinde umfaßte eine Fläche von 856 Hektar. Davon sollten dem Lockstedter Lager 150 Hektar abgabepflichtig zugeschlagen werden, jedoch müßten dazu die betreffenden Grundstückseigentümer ihre Einwilligung geben. Eine definitive Entscheidung müßte eventuell der Kreisausschuß herbeiführen. Für die aus Winseldorf übernommene Feuerspritze wurde ein geeignetes Gebäude gebaut. Der Bauplatz war vom Gastwirt Sibbert für 1,20 Mark je Quadratmeter erworben worden. Eine Remontekommission des württembergischen Ulanenregiments kaufte 40 Pferde auf einem Remontemarkt der Gegend. Der Transport der Pferde erfolgte ab dem Lockstedter Lager mit der Eisenbahn nach Ludwigsburg. Die Brustseuche, die bei einem Pferde der 6.Batterie des Itzehoer Artillerieregiments Nr.9 zum Ausbruch gekommen war, hatte sich nicht weiter verbreitet und die über die II.Abteilung verfügte Sperre wurde aufgehoben. Beide Abteilungen rückten zum Lockstedter Lager zu den Schießübungen aus und zwar traf die I.Abteilung am 04., die II.Abteilung am 05.Juli ein. Die Artillerieregimenter Nr.24 aus Güstrow, Nr.45 aus Bahrenfeldt und Nr.60 aus Schwerin trafen hier am 04. und 05.Juli per Landmarsch und Sonderzug ein, um Schießübungen mit scharfer Munition abzuhalten. Die Schießübungen dauerten bis zum 26.Juli. Vom Artillerieregiment Nr.45 waren am frühen Morgen die ersten drei Batterien mit einem Sonderzug im Lager eingetroffen. Das Regiment hatte seinen Aufenthalt verlängert und geplant seine Übungsvorhaben bis zum 04.August abzuschließen. Der Kreisausschuß hatte die Einziehung von Wegeparzellen im fiskalischen Gutsbezirk Lockstedter Lager, Wege die im Bereich der Gemeinde Silzen lagen, beschlossen. Infolge vorzeitigen Lösens eines Geschützes während einer Schießübung der Artillerie kam durch die Rückwärtsbewegung desselben ein Kanonier zu Fall, wobei ihm ein Rad über die Brust rollte, die erlittenen Verletzungen waren nicht lebensgefährlich. Am gleichen Tag hatte der Seltersfabrikant Stange das Pech sich durch das Zerbrechen einer Seltersflasche eine Verletzung am Handgelenk zuzuziehen. Infolge einer bedeutenden Anschwellung des Unterarmes mußte Herr Stange von einem Arzt behandelt werden. Ende Juli wurde das Gebiet, der zur Vergrößerung des militärischen Übungsplatzes angekauften und aufgelösten Ortschaft Ridders, dem Schuldistrikt Winseldorf zugelegt. Anfang August hatte dann die Königliche Regierung angeordnet, daß ebenfalls die 1060 Hektar, welche zur Vergrößerung des Übungsplatzes von den Ortschaften Hohenaspe, Lohbarbek, Mühlenbarbek und Lockstedt gekauft worden waren, von den bisherigen Schuldistrikten abgetrennt und dem Schuldistrikt Winseldorf zugefügt werden mußten. Die Abgabepflicht hatte rückwirkend mit dem 01.Juli zu beginnen. Nachdem die in Frage kommenden Landbesitzer ihre Zustimmung zur Trennung des Lockstedter Lagers von der Gemeinde Winseldorf bereits gegeben hatten, war dieselbe auch wenig später von der Intendantur des IX.Armeekorps für das in Betracht kommende Lagergebiet erteilt worden. In der Nacht zum 23.Juli und am folgenden Tag gingen schwere Gewitter über das Lager hinweg. Alle Schießvorhaben mußten aufgrund der Wetterlage an diesem Tag eingestellt werden. Soweit dies aufgrund der Räumlichkeiten möglich war, wurden die Soldaten über unterschiedliche militärische Themen unterrichtet. Teile des Artillerieregiments Nr.45 hatten "Ausfalldienst". In verschiedenen, auch überregionalen Zeitungen war am 24.Juli berichtet worden, daß unter den Truppen die den Übungsplatz bezogen hätten, Typhusfälle vorgekommen seien. Weil diese Meldungen dazu führen konnten, daß die zivilen Geschäftsleute Mindereinnahmen hinnehmen mußten, erließ der Gemeindevorstand folgende Bekanntmachung: "Der gesundheitliche Zustand des Militärs ist zur Zeit der denkbar günstigste. Auch die andere Behauptung, daß aus obigen Grunde die Flensburger Garnison nicht ausrücken werde, wird damit hinfällig. Die Regimenter "Königin" (Nr.86) und von Manstein (Nr.84) treffen bestimmungsgemäß mit dem Ende des Monats hier ein um hieselbst ihre Regiments- und Brigadeexerzitien vorzunehmen." Ein vagabundierender Schneidergeselle suchte auf der hiesigen Feldmark kleinere Kinder an sich zu locken. Er hielt sich in den Gehölzen und Kornfeldern der Gegend versteckt. Obgleich sofort polizeiliche Nachforschungen nach ihm angestellt wurden, konnte der wegen eines Stelzfußes humpelnde Geselle nicht festgenommen werden. Gleichzeitig wurde von einer Patrouille in der Gegend ein vom Feldartillerieregiment Nr.60 desertierter Kanonier gesucht. Für die Monate Juni und Juli war der Neuenbroker Gendarm hier stationiert. Wie bekanntgemacht wurde, übernahm während des Monats August der Kellinghusener Gendarm die Sorge für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Es war eine augenfällige Tatsache, daß sich in vielen Haferfeldern der Getreiderostpilz stark bemerkbar machte. Auf einzelnen Äckern war zirka 1/20 des Bestandes davon befallen. Die anhaltend trockene Luft hatte der Entwicklung des Pilzes entgegengewirkt, sonst wären die Verluste noch stärker sichtbar gewesen. Ende Juli durchzogen Zigeuner mit drei Wagen das Lockstedter Lager in Richtung Itzehoe. Männer, Frauen und Kinder liefen barfuß nebenher. Soldaten und Zivilisten bildeten ein neugieriges Spalier entlang der Chaussee. Während einer Tanzbelustigung in Lohbarbek entstand zwischen einem Knecht und einigen Soldaten eine Schlägerei, wobei der Knecht derartig verletzt wurde, daß er vom Arzt verbunden werden mußte. Am Sonntag, den 29.Juli, fiel nachmittags in der Gegend des Lockstedter Lagers Regen in großen Mengen. Teilweise war der Regen wolkenbruchartig. Einigen Landwirten wurden seit einiger Zeit von unbefugten Händen auf der Weide die Kühe gemolken. Schließlich war es der Polizei gelungen, den Übeltäter festzunehmen. Es war ein junger Mann aus Schlotfeld, der sich in Itzehoe in der Lehre befand. Jeden Morgen hatte er sich von zu Hause entfernt, anstatt sich zum Meister zu begeben, trieb er sich den ganzen Tag in der Gegend umher und wenn er Durst bekam, hatte er eine Kuh gemolken. Abends kehrt er wieder zu den Eltern zurück, diese in dem Glauben lassend, er käme vom Meister. Zufolge der Bekanntmachung der Kommandantur war die Chaussee nach Kiel am Lockstedter Lager und vor dem Dorf Lockstedt gesperrt: vom 30.Juli bis 20.August von 0600 Uhr vormittags bis 2100 Uhr abends, nicht aber an Sonn- und Feiertagen. Von der zuständigen Wetterstation wurde im Monat Juli notiert: Niederschläge 38,1 mm (im Vorjahr 108,5 mm). Die größte Höhe der Niederschläge an einem Tage war 10,6 mm (im Vorjahre 33,7 mm), gemessen am 24.Juli. Die Zahl der Tage mit mehr als 0,2 mm Niederschläge betrug 8 (im Vorjahre 13). Gewitter wurden beobachtet an 6 Tagen. 08.August: Aufmacher in verschiedenen Zeitungen. "Nach einer soeben bekannt gewordenen Allerhöchsten Verordnung vom 30.Juli d.J. gegeben in Molde, an Bord S.M.J. "Hohenzollern", hat das schleswigsche Feldartillerieregiment Nr.9 fortan den Namen "Feldartillerie Regiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schleswigsches) Nr.9 zu führen." Vom Militärfiskus war der Bau der Chaussee von Mühlenbarbek nach Springhoe dem Bauunternehmer Caspersen aus Neumünster für die Summe von 78.000 Mark übertragen worden mit der Auflage, daß die Arbeiten möglichst bald in Angriff genommen werden mußten. Die Chaussee sollte an der Ostgrenze des Übungsplatzes entlang führen. Nach Fertigstellung der Chaussee würde die über die Mitte des Schießplatzes führende Chausseestrecke Lockstedter Lager bis Springhoe dem öffentlichen Verkehr entzogen werden. Am Morgen des 13.August, in aller Frühe, hatte sich ein Soldat des Infanterieregiments Nr.86, dem Arbeitskommando angehörend, in der Nähe des Lagers erhängt. Da der Soldat bei Vorgesetzten und Kameraden beliebt war, war es nicht erklärlich, was ihn zum Selbstmord getrieben hatte. Vor zwei Jahren hätte der Mann an einer Hirnkrankheit gelitten und vielleicht war jetzt ein Rückfall eingetreten. Er stand 5 Wochen vor seiner Entlassung. Ein anderer Soldat desselben Regiments war seit dem 11.August verschwunden. Mitte August fand im Lockstedter Lager eine Übung der Sanitätskolonnen der Provinz Schleswig-Holstein statt. An der Übung beteiligten sich 10 Kolonnen. Oberpräsident von Köller, sowie mehrere Herren vom Roten Kreuz aus Berlin wohnten den Übungen bei. Das Itzehoer Feldartillerieregiment Nr.9 rückte gleich zu Beginn der zweiten Augustwoche am frühen Morgen zum Lockstedter Lager aus, um dort an einer Felddienstübung mit dem Infanterieregiment Nr.84 teilzunehmen. Bei dieser Übung mußten 3 Batterien des Artillerieregiments für die Infanteristen feindliche Kavallerie darstellen. Aus berechtigtem Anlaß und im Hinblick auf die bevorstehenden militärischen Herbstübungen wurde in einem Rundschreiben auf die Wichtigkeit richtiger und deutlicher Aufschriften bei den Manöverpostsendungen hingewiesen. Zur genauen Aufschrift gehörten: Familienname (möglichst auch Vornamen), Dienstgrad und Truppenteil (Regiment, Bataillon, Schwadron, Batterie u.s.w.) und für gewöhnlich der ständige Garnisonsort, wenn erforderlich auch mit dem Zusatz "oder nachzusenden". Die Angabe eines Marschquartiers empfehle sich nur dann, wenn dasselbe genau bekannt und vorauszusehen wäre, daß die Sendung so zeitig an dem angegebenen Bestimmungsorte einträfe, um vor dem Weitermarsch in Empfang genommen werden zu können. Da der Stab des Regiments und die einzelnen Bataillone u.s.w. ihre Postsachen häufig bei verschiedenen Postanstalten in Empfang nähmen, wäre eine genaue und richtige Aufschrift sowohl bei den an die Offiziere gerichteten, als auch bei den für die Mannschaften bestimmten Manöver-Postsendungen unentbehrlich. Nach einem Regimentsexerzieren in Ludwigslust am 15.August trat das Dragonerregiment Nr.17 am 17.August den Marsch ins Lockstedter Lager an, das am 25.August erreicht wurde. Ein neuerliches Regimentsexerzieren im Lockstedter Lager wurde am 28. und 29.August durchgeführt, daran schloß sich vom 29.August bis 05.September das Brigadeexerzieren unter dem Kommando des Generalmajors Freiherrn von Vietinghoff, genannt Scheel, an. Eingeschoben in diese Übungen waren das gefechtsmäßige Schießen mit dem Gewehr am 27. und 28. und das Prüfungsschießen am 31.August, ein gefechtsmäßiges Schießen mit Gewehr im Zugrahmen am 29.August und eine Regimentsbesichtigung durch den Kommandeur mit seinen Stabsoffizieren am 31.August. Die Verlegung der Dragoner erfolgte per Eisenbahntransport am 07.September vom Lockstedter Lager nach Lauenburg zu den Brigademanövern. Nach erfolgter Wahl war der Tischlermeister Friedrich Krehn aus Lockstedter Lager als Gemeindevorsteher der Gemeinde Winseldorf bestätigt und verpflichtet worden. Das Itzehoer Feldartillerieregiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schleswigsches) Nr.9 hatte von der Kriegsbeute des Grafen Waldersee in Gestalt von vier Geschützen eins zugewiesen bekommen. Das Geschütz ruhte in blau angestrichener Lafette. Auf dem ungefähr 1 Meter langen Lauf waren chinesische Schriftzeichen angebracht. Mit weißer Farbe waren auf den Lauf die Worte gemalt: "Für den Feldmarschall Grafen v.Waldersee-Hannover." Dieses Geschütz war Ende August für zwei Tage beim Wachlokal am Eingang zum Lockstedter Lager zu bestaunen. Der starke Weststurm, der seit dem 26.August, zwei Tage mit orkanartigen Geschwindigkeiten über das Lager fegte, legte beinahe alle Aktivitäten lahm. Die Kommandantur ließ die abgeknickten Bäume absägen und mit Pferden ausrücken. Anfang September wurde eine Diskussion um die Errichtung eines Denkmals entfacht. Wie in Zeitungen berichtet und gerüchteweise unter der Bevölkerung verbreitet wurde, wollte man an der Stelle auf dem Truppenübungsplatz,wo während des im Jahre 1881 abgehaltenen Kaisermanövers das Zelt des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm gestanden haben soll, ein Kaiser Friedrich Denkmal errichten. Das Zelt hätte seinerzeit an der östlichen Seite des Übungsplatzes in der Nähe von Springhoe gestanden. Ein Intendanturbeamter, welcher 1881 das Kaisermanöver mitgemacht hätte, habe die betreffende Stelle bereits aufgesucht und markiert. Dazu erschien am 11.09.1901 in den Itzehoer Nachrichten folgender Beitrag. Wir berichteten kürzlich, daß man beabsichtigt, zwischen Springhoe und Neumühlen an der Stelle, wo während des Kaisermanövers 1881 Kronprinz Friedrich Wilhelm in einem Zelt mehrere Tage gewohnt, ein Kaiser Friedrich Denkmal zu errichten. Dazu schreibt Herr Koch, Oberzahlmeister im mecklenburgischen Infanterieregiment Nr.90, folgendes: "Gelegentlich eines dienstlichen Aufenthaltes im Lager vom 15.August bis 04.September d.J. fuhr ich mit Herrn Caspersen, Mühlenbarbek, in die Gegend zwischen Springhoe und Neumühlen, um die Stelle wieder aufzusuchen, wo während des Monats August 1865 das damalige Besatzungkorps in den Elbeherzogtümern ein Zeltlager aufgeschlagen hatte. Darunter befand sich auch das schlesische Grenadierregiment Nr.11, dem ich damals angehörte. In jener Zeit und nicht während des Kaisermanövers wohnte seine Königliche Hoheit der Kronprinz Friedrich Wilhelm 8 Tage lang in einem Zelt inmitten der Zeltgasse des II.Bataillons des 11.Regiments, dessen Chef er war und das jetzt seinen Namen führt. Der Platz ist für mich noch jetzt untrüglich erkennbar. Alle hierüber hinaus gehenden Angaben entbehren bis heute jeder Grundlage." Wie in früheren Jahren, so auch in diesem Herbst, bezog während der Manöver des IX.Armeekorps, das I. und II.Seebataillon das Lockstedter Lager, um dort Schießübungen abzuhalten. Die Schießübungen dauerten vom 05. bis 15.September. In dieser Übungszeit wurden auch Gewaltmärsche und formale Ausbildung wie Exerzieren mit dem Gewehr und Leibesübungen durchgeführt. Der Inspekteur der Marineinfanterie, Generalmajor von Höpfner, war zur Besichtigung der augenblicklich hier übenden beiden Seebataillone eingetroffen. Der Besitzer von "Sörensen's Hotel" Herr Rath, hatte den "Apollo Saal" in Rendsburg gepachtet und übernahm vom 01.Oktober ab den Betrieb dort, während die Verwaltung des hiesigen Hotels bis auf weiteres einem Vertreter übertragen worden war. Der Lehrerverein für Lockstedter Lager und Umgegend hielt am 14.September im "Landhause" eine Versammlung ab. Lehrer Löptin aus Hohenaspe hielt einen Vortrag über "Rangordnung in der Schule". Die sehr lebhafte Besprechung führte zu dem Resultat, daß eine gerechte Durchführung der Rangordnung hinsichtlich der Fähigkeiten und des Betragens der Schüler sehr schwer sei und vorsichtig gehandhabt werden müsse. Wie man im Ort erzählte, hatte Herr Adolf Böge sein Anwesen im Lockstedter Lager, in dem sich eine große Schweinemästerei befand, an Herrn Schaller aus Rostorf verkauft. Herr Böge übernahm die Villa des Herrn Schaller als Gegenwert. Beim Röhrenlegen im Lockstedter Lager verunglückte ein Mann dadurch, daß die Absteifung durch Bretter zusammenstürzte. Der Mann wurde vollständig verschüttet, konnte jedoch durch die energisch betriebenen Rettungsarbeiten befreit werden. Der Verunglückte, verheiratet und Vater von 6 Kindern, hatte außer einigen Quetschungen keinen Schaden genommen. Ein Glück für ihn war es, daß er zwischen den Brettern eingeklemmt gewesen und dadurch noch genügend Luft zum atmen vorhanden war, bis er gerettet wurde. Die Garnisonsverwaltung im Lockstedter Lager wurde vom Kriegsminister telegraphisch angewiesen, mit der Bahn 2.200 Betten und ebenso viele Tische und Schemel zu dem militärischen Lager bei Munster in der Lüneburger Heide abzusenden, da dort die an Thyphus erkrankten Soldaten verschiedener Truppenteile untergebracht werden sollten. Nachdem im Lockstedter Lager das neue Postgebäude und die Wohnung für den Lagerkommandanten fertiggestellt waren, war die diesjährige Bauperiode hier beendet. Beide Gebäude sollten im nächsten Frühjahr ihrer Bestimmung übergeben werden. Es seien schöne, dem Lager zur Zierde gereichende Gebäude, von denen das für den Kommandanten etwa 80 Meter von der Chaussee zurückläge, damit ein schöner Garten angelegt werden könne, schwärmte ein Zeitzeuge. Begünstigt vom schönen Herbstwetter fand am 22.September die Fahnenweihe der "Militärischen Brüderschaft für Lockstedter Lager und Umgebung" statt. Aus diesem Anlaß hatte der Ort vielfältigen Festschmuck angelegt. Die Hauptstraße war von einem Ende bis zum anderen mit unzähligen Girlanden geschmückt, während man beim Bahnhof mehrere Ehrenpforten errichtet hatte. Ohne Ausnahme hatten sämtliche Häuser, sowohl die militärischen Gebäude, als auch die Privathäuser, Flaggen herausgehängt. Die mit den Mittagszügen eintreffenden auswärtigen Vereine wurden, von der Semlerschen Kapelle aus Itzehoe, auf dem Bahnhof mit Musik empfangen und dann zu Hülsing's Hotel geleitet. Hier ordnete sich auch um 1500 Uhr der Festzug. Angeführt durch sechs Reiter, bewegte sich Zug entlang der Kieler Landstraße und durch die Lagerstraßen zu dem mitten im Barackenlager gelegenen Platz an der Orleans Straße, auf dem sonst Feldgottesdienste abgehalten wurden. Im Festzug waren 12 Fahnen von anderen Militärvereinen vertreten. Auf dem Festplatz war unter den schattigen Bäumen, geschmückt durch eine gewaltige Kaiserbüste und verschiedene Militärembleme, eine Rednertribüne aufgebaut. Von hier aus hielt der Kommandant des Lagers, Oberst Ritter, die Weiherede. In kernigen Worten gab er einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwicklung des Kriegsvereinswesens, dabei hervorhebend, daß der festgebende Verein, der erst im Jahre 1897 gegründet worden war und bereits eine Mitgliederzahl von über 70 zähle. An die Pflichten der Kriegervereine in Krieg und Frieden erinnernd, ging er auf die Bedeutung der Fahne für die Vereine ein und weihte die neue Fahne mit dem Wunsche, daß der Verein stets treu zu Kaiser und Reich stehen möge. Während die Hülle der Fahne fiel, schloß der Redner mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. Über den Platz klang die Nationalhymne, während auf dem nahen Schießplatz Böllerschüsse abgefeuert wurden. Die enthüllte Fahne begeisterte allgemein. Auf der Vorderseite zeigte dieselbe die Farben schwarz-weiß-rot. Der in die Mitte gestickte Adler wurde von der Inschrift "Militärische Brüderschaft für Lockstedter Lager und Umgebung" umrahmt. Die andere Seite enthielt auf weißem Grund das Motto des Vereins. Der Fahnenstock wurde von einem auf einer Kugel thronenden Adler geschmückt. Der Vorsitzende des Verbandes der Militärvereine für das südwestliche Holstein, Herr Weyl aus Elmshorn, nahm darauf die Fahne in den genannten Verband und damit zugleich in den preußischen Landeskriegerverband auf, gleichzeitig überbrachte er dem feiernden Verein die besten Grüße des Verbandes. Namens des Verbandes der Militärvereine für das südwestliche Holstein überreichte er alsdann unter den Worten: "Mit Gott für König und Vaterland in treuer Kameradschaft" einen Fahnennagel und schloß seine Ausführungen mit einem Hoch auf Deutschland. Der Vertreter des Militärvereins Brokstedt überreichte unter den Worten Bismarcks: "Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts in der Welt!" ebenfalls einen Fahnennagel. Nach Beendigung der Feier wurde zu einem Umzug durch den Ort angetreten. Am Abend fanden in mehreren Lokalitäten Festbälle statt, an welchem viele Kameraden aus Itzehoe und Kellinghusen mit ihren Damen teilnahmen. Am Sonnabend, dem 21.September, wurde das neue Postamt seiner Bestimmung übergeben und nahm am gleichen Tag die Arbeit auf. Die Räume des bisherigen Postamtes wurden vorläufig für den Amtsvorsteher eingerichtet. 1901 war mit dem Bau der Rieselfelder begonnen worden. Die Rieselfelder zur Verrieselung der fäkalen Flüssigkeiten waren nordwestlich des Lohmühlenteiches geplant. Sie waren eine größere Kopie der Rieselfelder, die in Groß-Lichterfelde für die Kadettenhäuser vom Königlich Preußischen Kriegsministerium gebaut worden waren. Auf den späteren Rieselfeldern sollten die Abwässer der Einrichtungen des Lagers verrieselt werden. Der Bau der Felder war im Juli schon sehr weit fortgeschritten. Ende dieses Monats verlegte man die notwendigen Röhren in den Feldern. Der Spatenstich für den Baubeginn der Kanalisation in Richtung der Rieselfelder erfolgte am 16.10. Bis die Rieselfelder an die Kanalisation angeschlossen waren, wurden die fäkalen Flüssigkeiten in der Zeit von Mai bis Oktober in Absetzgruben bei der Lohmühle gefahren. In der anderen Zeit war das Lager nicht nennenswert belegt, so daß der anfallende Urin und Latrinendung gleich auf die Felder verbracht wurde. Den Absetzgruben wurde nach einem bestimmten Füllstand Gelegenheit gegeben die Feststoffe abzusetzen, danach wurde der vorhandene Schieber geöffnet damit die überschüssige Flüssigkeit in die Rantzau abfließen konnte, später pumpte eine Pumpe, die vom Wasser des Lohmühlenteichs angetrieben wurde, die Flüssigkeit auf ein Filterfeld. Während der Absetzzeit der einen Grube, wurde eine zweite Grube gefüllt. Der abgesetzte Latrinendung wurde, nach einer kurzen Trockenzeit und Verfestigung in Feldloren verladen und mittels dieser an einen Lagerplatz in der Nähe transportiert und dort bis zur Abfuhr auf die Felder gelagert. Um sich eine Vorstellung über die anfallenden Mengen zu machen, füge ich eine um 1896 durchgeführte, für die Größe dieses Lagers maßgebende Untersuchung ein, danach produziert eine Person pro Tag 400 Gramm Fäkalien, das ergab bei großer Auslastung des Lagers, z.B. im Jahre 1900 bei 5.000 Mann, eine Menge von 2,0 Tonnen Fäkalabfall täglich. Die Faeces wurde in Gruben neben den zum Teil zweistöckigen Latrinengebäuden aufgefangen und mittels Schwengelpumpen in Tonnenwagen gepumpt. Die Fäkalabfuhr für Nachtstühle und Trofmullklosetts wurde zweimal täglich durchgeführt. Die nachfolgenden Gebäude waren mit mindestens einem Torfmullklosett (ersetzte den Nachtstuhl) ausgestattet. Generalsbaracke, die Offiziersbaracken 2, 20, 27, 42, 43 und 44, das Kommandantengebäude, Lazarett, Kasino, Proviantamt, Post und Wohngebäude für Offiziere des Neben Artilleriedepots. Der anfallende Pferdemist wurde auf Dungstätten (Misthaufen) neben den Ställen gesammelt und reifte dort, die Abfuhr erfolgte durch die Bauern der Gegend nachdem diese den Pferdedung ersteigert hatten. Die Pferdegülle wurde in Jauchegruben aufgefangen und bei Bedarf direkt auf die Felder ausgebracht. Die beiden Seebataillone, die Marinepioniere, die Marinefeldartillerie und ein Marinelazarett, die mit den Dampfern "Tucuman" und "Pisa" aus Ostasien in Kiel eintreffen sollten, wurden auf Befehl des Kaisers am 24.September nach Bremerhaven umgeleitet und aus gesundheitlichen Gründen zum Truppenübungsplatz Lockstedt transportiert und dort untergebracht. Leiter des Transportunternehmens war Major Pappritz. Eine äußerst rege Tätigkeit hatte sich in den letzten drei Tagen seit dem 26.September entfaltet, es herrschte hier jetzt ein Verkehr, der größer war als zur Spitzenzeit der Truppenübungen. Es handelte sich nämlich darum, in sehr kurzer Zeit einen Teil des Barackenlagers zu einem Quarantäne- und Isolierlager umzuwandeln, für welches dieselben Anordnungen galten, wie für die Quarantäne auf dem Truppenübungsplatz Munster. Der südliche Teil des Barackenlagers wurde vom übrigen Teil durch einen hohen Drahtzaun vollständig abgetrennt. Die innerhalb des abgetrennten Gebietes belegenen Baracken und Pferdeställe wurden, nachdem eine gründliche Desinfektion erfolgt war, nach Ankunft der Chinakrieger mit diesen belegt. Außerdem wurden auf dem Platz, wo sonst die Geschütze untergebracht waren, große Zelte errichtet. Zur Fertigstellung dieser Arbeiten war ein ganzes Heer von Zimmerleuten und anderen Handwerkern aufgeboten. In einzelnen Baracken wurden vollständige Badeeinrichtungen aufgestellt. Hinter dem Militärlazarett waren in kurzer Zeit 5 weitere Lazarettbaracken errichtet worden. Das Material hierfür war mit der Bahn herbeigeschafft worden. Die Baracken sollten zur Aufnahme von erkrankten Soldaten dienen. Daß eine längere Nutzung dieser Baracken geplant war, dürfte daraus hervorgehen, daß in den Baracken Öfen aufgestellt wurden. Diese Sonderbaracken waren bereits am 29.September fertiggestellt. Auch dieser Barackenkomplex wurde mit einem 2 Meter hohen Drahtzaun umgeben. Mehrere Güterzüge hatten Bettstellen, Matratzen, Strohsäcke und andere Utensilien gebracht und Fuhrwerk auf Fuhrwerk brachte diese Sachen in das Barackenlager. Der erste Transport der Chinakrieger, welcher mit dem Dampfer "Pisa" eintreffen und etwa 2.000 Mann stark sein sollte, hätte sofort hierher überführt werden können. Ein zweiter Transport mit dem Dampfer "Tucuman" sollte unwesentlich später eintreffen. Die Zahl der hier unterzubringenden Truppen wurde auf 3.000 bis 4.000 geschätzt. Wieviele Kranke sich unter den Ankömmlingen befanden war/ist nicht bekannt. Außerdem sollten hier in den nächsten Tagen von Bremerhaven aus auch ein erster Transport mit 460 Pferden der Chinatruppen eintreffen. Dieselben sollten bestimmungsgemäß in abgesonderten Baracken bis zum 24.November in gesundheitlicher Beziehung beobachtet werden. Für die kranken Pferde war eine besondere Baracke errichtet worden, während die gesunden in den vorhandenen, desinfizierten Pferdeställen untergebracht werden würden. Jeder deutsche Staat hatte entsprechend seiner Mannschaftsstärke im Expeditionskorps für diese Zeit eine Anzahl Pferdepfleger hierher zu entsenden und man hatte in den folgenden Tagen Gelegenheit, die verschiedensten Uniformen zu betrachten. Zu erwähnen sei noch, daß die hier vorhandenen Baracken in gesundheitlicher Beziehung von einer vom Kriegsministerium entsandten Kommission geprüft worden waren. Am 26.September trafen aus Bremerhaven 460 Dienstpferde der Chinatruppen hier ein. Der größte Teil war gesund, sollte aber in den hier vorhandenen Pferdeställen unter Beobachtung gehalten werden, während für die mitfolgenden kranken Pferde eine eigene Baracke errichtet worden war. Wie vorher erwähnt, mußte jeder deutsche Staat eine Anzahl Pferdepfleger hierher entsenden. Für diesen Posten waren zirka 200 Mann einschließlich der Chargierten bestimmt worden. Aus Bayern waren am 24. September schon 20 Mann Chevauxlegers (leichte Kavallerie) hier eingetroffen. Der Transport der in China verwendeten Reit- und Zugtiere war vom ostasiatischen Oberkommando deshalb angeordnet gewesen, um Erfahrungen im Transport von Pferden auf See zu sammeln. Die 400 australischen Pferde und 100 chinesischen Maultiere standen unter Leitung des Transporteurs Graf Zech, dieser allgemein als Pferdezüchter bekannte Artillerie Hauptmann lehnte sich in der Hauptsache an das französische Transportverfahren an, verbesserte es jedoch durch eigene Anordnungen. So ließ er z.B. die Tiere jeden Tag bewegen und schaffte sie bei großer Hitze aus dem Raum an Deck. Der Transport hat alle Erwartungen übertreffende Resultate gezeitigt, da kein einziges Tier verloren gegangen war. Dieser Erfolg war bis Dato von keiner Nation aufzuweisen. Die Tiere standen bis Ende November im Lockstedter Lager in Quarantäne und wurden dann von einer besonderen Kommission abgeschätzt. Jedem rationsberechtigten Offizier des Expeditionskorps wurde dann auf Verlangen ein Pferd zu dem festgesetzten Preise geliefert. Der Rest wurde an sämtliche Trainbataillone der Armee verteilt, die Maultiere wurden den Maschinengewehrabteilungen und den Gebirgs Batterien überwiesen. Eine vom Kriegsministerium in Berlin entsandte Kommission war ins Lager gekommen, um die hier vorhandenen Baracken in gesundheitlicher Beziehung erneut einer Prüfung zu unterziehen. Auf Grund des nach der Prüfung abgegebenen Gutachtens hatte das Kriegsministerium angeordnet, daß die mit der "Batavia" in Bremerhaven eingetroffenen 2.000 Chinakrieger, von denen etwa 400 Mann erkrankt waren, am 29. hierher befördert werden sollten. Die gesunden Leute wurden in den vorhandenen Baracken untergebracht, während die erkrankten Mannschaften in den fünf Lazarettbaracken untergebracht wurden. Herrn Adolf Böge wurde am Vorabend seines Scheidens von Lockstedter Lager von der gesamten Bewohnerschaft des Ortes ein Fackelzug, sowie von dem Gesangsverein ein Ständchen gebracht. Herr Böge lud anschließend alle Teilnehmer zu einem Glas Bier in das "Landhaus" ein. Hier wurden verschiedene Ansprachen um die Verdienste des Herrn Böge um das Lockstedter Lager zum Ausdruck gebracht. Um allen militärischen Gebäuden des Lagers einwandfreies, gutes Trinkwasser zuzuführen, wurden die einzelnen Häuser an die bereits fertiggestellte Wasserleitung angeschlossen und man war bemüht die Anschlüsse in kürzester Zeit fertigzustellen. Der bisherige Plan, die Wasserleitung erst im kommenden Frühjahr in Betrieb zu nehmen, wurde damit aufgegeben. Am 29.September lief der Dampfer "Pisa" aus Tsingtau kommend mit Soldaten des II.Seebataillons und Unterstützungstruppen an Bord im Bremerhaven ein. Dort erfuhren die Soldaten, daß sie wegen der Gefahr ansteckender Krankheiten zunächst in das Lockstedter Lager in Quarantäne kämen. Betroffen waren 20 Offiziere, 19 Portepeeunteroffiziere und weitere 801 Mann, die sich zusammensetzten aus dem II.Seebataillon, einer Marinefeldbatterie, einer Feldbäckereikolonne, 20 Mann vom Marinefeldlazarett, 39 Mann vom III.Seebataillon und 12 Mann vom Ostasien Geschwader. Mit der Eisenbahn wurden sie über Hamburg zum Lockstedter Lager transportiert, wo sie am 30.September morgens gegen 0715 Uhr ankamen. Noch auf dem Bahnhof wurden ihnen eingehende Instruktionen über das Verhalten im Lager vor und nach der Desinfektion bekanntgegeben. Dann wurden die wirklich Kranken von der allgemeinen Truppe getrennt und in gesonderte Abteilungen des Barackenlazaretts gebracht, das durch die Aufstellung hölzerner Baracken eine wesentliche Erweiterung erfahren hatte. Der Rest, sowohl Offiziere als Mannschaften, wurden in das zu diesem Zweck besonders eingezäunte und abgetrennte Lager gebracht. Die zur Aufnahme der rückkehrenden Chinakrieger bestimmten Lagerteile waren in drei Abteilungen (a), (b), (c), eingeteilt. In die Abteilung (a) kamen zunächst sämtliche Offiziere und Mannschaften und je nach Feststellung ihres Gesundheitszustandes, wurden diese dann in Abteilung (b) und (c) untergebracht. Aus letzterer erfolgte später die Entlassung. Alle Kleidungsstücke und Gepäckstücke wurden einer eingehenden Desinfektion unterzogen. Die Bekleidung wurde in besonderen, für die Desinfektion hergerichteten Baracken desinfiziert. Dann mußten die Chinakrieger in die für sie vorbereiteten Waschbaracken gehen und auch die Unterwäsche abgeben. Danach war eine Badeanstalt zu durchlaufen, wo erst nach gründlicher Reinigung mit Kernseife und Wurzelbürste der Weg zum Umkleideraum freigegeben wurde. Da nicht genügend Marine Bekleidung vorhanden war, wurden ohne Rücksicht auf den Dienstgrad Uniformteile für Mannschaften des hanseatischen Infanterieregiments ausgegeben. Zur Unterscheidung von der Infanterie wurde von den Marineinfanteristen eine weiße Armbinde getragen. Nach fünf Tagen wurden die Angehörigen des II.Seebataillons und die unterstellter Einheiten für seuchenfrei erklärt und im Bahntransport zu den entsprechenden Standorten transportiert. Im Lager trafen Anfang Oktober weitere Chinakrieger ein, die nach dem gleichen Muster behandelt wurden wie die Marinesoldaten, sie waren mit den Dampfern "Alesia", Silvia" und "König Albert" transportiert worden. Jetzt handelte es sich aber vorwiegend um Soldaten des Heeres. Für diese Soldaten war die Beschaffung von Uniformen kein Problem. Auch dieses Kontingent wurde nach sieben Tagen Aufenthalt, mit den notwendigen Papieren, in die jeweiligen Garnisonen entlassen. Die Auflösung des ostasiatischen Expeditionskorps erfolgte im hiesigen Barackenlager vormittags. Die noch in Stärke von 876 Mann hier in "Quarantäne" befindlichen Chinatruppen wurden in zwei Sonderzügen abtransportiert. Der eine Zug brachte 421 Mann über Hamburg nach Bremen, Hannover, Magdeburg und München, während der zweite Zug 455 Mann über Neumünster und Lübeck nach Berlin beförderte. Die Lazarettbaracken waren insgesamt nur gering belegt. Besuche von Verwandten wurden nicht gestattet, wie überhaupt der Zutritt zum Lager streng verboten war. Beim Haupteingang war ein Gendarm postiert. Infolge der Truppentransporte waren Post und Eisenbahn sehr stark belastet durch Arbeit. Die Post hatte für diese Zeit 4 Assistenten und 2 Gehilfen einstellen müssen, während die Eisenbahn, wegen Mangel an Hilfskräften nur drei Beamte an den Abfertigungsstellen beschäftigen konnte, so daß teilweise Nachtarbeit erforderlich wurde. Die von Gespannen zu leistenden Fuhren wurden pro Stunde mit 3 Mark bezahlt, so daß der Wochenverdienst über 100 Mark betrug, während die dabei benötigten Arbeiter pro Stunde 45 Pfennig und für Nachtarbeit 90 Pfennig erhielten, so daß ein Arbeiter äußerte: "So viel Geld wie hier, habe er noch nie in einer Woche verdient!" Die mit dem Dampfer "Alesia" in Bremerhaven gelandeten 25 Maulesel trafen am 04.Oktober hier ein, störrische Tiere, welche ihren Transporteuren viel Arbeit machten und denselben teilweise entliefen. Ein buntes Bild brachten die entlassenen Chinatruppen auf den Bahnhof. In den verschiedenartigsten Uniformen und teilweise auch schon in Zivil mit Soldatenmütze und Reitpeitsche eilten die Entlassenen der Heimat oder der zukünftigen Garnison zu. In den Zivilstand traten wohl meist nur die Gemeinen, während die Unteroffiziere, Beamten und Offiziere zum Stammtruppenteil kommandiert wurden. Von den im Lockstedter Lager untergebracht gewesenen Chinatruppen war die 3.Kompanie des ostasiatischen Pionierbataillons nicht entlassen worden, weil ein Erkrankungsfall an Typhus vorgekommen war. Diese Kompanie, 75 Mann, war in einer Baracke isoliert, die dreifach durch Drahtzäune abgesperrt war und mußte bis zum 19.Oktober in Quarantäne liegen. Daß den von der Welt Abgeschlossenen der Humor nicht fehlte, bewiesen die an den Drähten angebrachten Zettel, auf welchen: "Fütterung der Raubtiere um 1200 Uhr" oder "Nicht necken" oder andere Inschriften, die denen der zoologischen Gärten entlehnt waren. Der Gesundheitszustand im Lockstedter Lager ist während der Belegung mit Chinatruppen ausgezeichnet gewesen, so daß bis auf obige Kompanie alle Truppen nach kurzer Quarantäne entlassen werden konnten. Bei den in Munster untergebrachten Chinatruppen war dies leider nicht der Fall. Bei der am 30.Oktober vom Offizierskorps des Standortes veranstalteten Hubertusjagd, die bei Bücken abgehalten wurde, erhielt Major von Buddenbrock beim Jagdrennen den ersten Preis. Beim Hürdenrennen erhielten den ersten Preis die Leutnante Hensel und Linski, den zweiten Preis die Leutnante Luther und Jonas. Da das Wetter sehr gut war, hatte sich eine größere Zahl von Zuschauern, welche die Rennen beobachteten, eingefunden. Musikalisch wurde die Veranstaltung durch das Trompeterkorps des Feldartillerieregiments Nr.9 ausgestaltet. Am Abend, nach der Preisverleihung im Kasino, berichtete Leutnant Isenbart über seine Erlebnisse als Führer einer Feldhaubitz Kolonne während des Chinafeldzuges. Innerhalb der verflossenen Woche waren von Bremerhaven aus in drei Transportzügen 800, 700, und 600 Mann Chinatruppen hier eingetroffen. Da der Gesundheitszustand bis auf wenige Ausnahmen gut war, konnte der erste Transport schon nach 5tägiger Quarantäne in die Heimat entlassen werden, der Rest folgte in gleichen Zwischenräumen. Zwei Transporte von je 200 Mann trafen am 03. und 04.November hier ein. Die auf dem zweiten Transport in Suez gelandeten Kranken waren größtenteils sofort in die Heimat befördert worden. Darunter befand sich auch der Sohn des Herrn Pabst. Die hier eingetroffenen Geschäftsleute sollen diesmal nicht so glänzende Geschäfte gemacht haben, wie bei den ersten Chinatruppen. Die für die zurückkehrenden ostasiatischen Transporte geschaffenen Dienststellen wurden aufgelöst. Es wurde bereits am 31.Oktober das Auflösungskommando Munster und am 02.November das Ausschiffungskommando Bremen aufgelöst; das Auflösungskommando Lockstedter Lager wurde zwischen dem 10. und 12.November, die Barackenlazarette Bremerhaven, Munster und Lockstedter Lager, sowie die Bahnhofskommandantur und Sammelstelle Bremen bald nach dem 12.November aufgelöst. Die noch zu erledigenden Dienstgeschäfte des Ausschiffungskommandos waren dem dortigen Barackenlazarett, das Auflösungskommando Munster und Lockstedter Lager den Kommandanturen dieser Truppenübungsplätze bzw. den dortigen Lazaretten und Bekleidungsstellen übertragen worden. Als Zentralstelle für die ostasiatische Besatzungsbrigade blieb die ostasiatische Abteilung im Kriegsministerium in Berlin bestehen. Das Lockstedter Lager war am 13.November gänzlich von den Chinakriegern geräumt worden und die Bewachungsmannschaften, sowie das Pferdedepot wurden in den folgenden Tagen entlassen. Durch Kommissionen erfolgte auch die Auflösung und Einschätzung des Pferdedepots. Das Pferdedepot des ehemaligen Ostasiatischen Expeditionskorps war aufgelöst. Die noch diensttauglichen Pferde (450) sowie 20 Maultiere kamen auf dem hiesigen Bahnhof zur Verladung und wurden verteilt auf die Garnisonen Posen, Züllichau, Militsch, Breslau, Löbschütz und Königsberg. Am 21.November wurden 10 nicht mehr dienstfähige Pferde hier in öffentlicher Auktion verkauft. Die erzielten Preise waren nur mäßig. Ebenfalls kamen die von dem Ostasiatischen Expeditionskorps getragenen Kleidungsstücke, wie Mäntel, Reithosen, Unterhosen, Stiefel, nachdem dieselben gründlich gereinigt und desinfiziert waren, in großen Posten zu Versteigerung. Die meisten Sachen wurden von Käufern aus Berlin und Hannover für einen mäßigen Preis erstanden. Der Pächter der Lohmühle mit zugehörigem Lohmühlenteich informierte die Besitzer von Fischhandlungen im Kreis Steinburg mittels Postkarte darüber, daß er am 16.November den Lohmühlenteich abfischen werde und daß der Verkauf der Fische nicht vor 11 Uhr beginnen würde, es wäre mit einem guten Angebot an Karpfen und anderen beliebten Fischen zu rechnen. Am 30.November gab der Theaterdirektor Leonhardt in dem Lokal eines örtlichen Gastwirts eine Vorstellung für Kinder, die recht gut besucht war. Es kam das Märchen "Schneewittchen" gut zur Vorstellung. Die Kinder verfolgten dies mit gespannter Aufmerksamkeit. Als der Neubau eines Schulhauses beschlossen worden war, wurde auf Veranlassung der Behörde außer dem für zwei Lehrer benötigten Gartenareal auch eine genügend große Fläche für einen Schülergarten angekauft. Dieser war im Herbst in der Anlage fertiggestellt worden. Die zur Bepflanzung benötigten Bäume und Sträucher waren aus der Späth'schen Baumschule bei Berlin bezogen worden. Die Kosten für Rigolen und Bepflanzung beliefen sich auf zirka 400 Mark, wovon die Kommune 3/4 zu tragen hatte. Noch vor Weihnachten wurde das 100 Mann starke Arbeitskommando aufgelöst und die Mannschaften von ihrem Truppenteil aus zum größten Teil in die Heimat beurlaubt. Vor Eintritt des Frostes waren von denselben auf dem Übungsgelände verschiedene Planierungs- und andere Erdarbeiten ausgeführt worden. Ein Wachkommando von 50 Mann bleibt zurück. Mit Eintritt der Frostperiode mußten die Arbeiten zur Herstellung des Röhrennetzes zur Versorgung der Baracken mit Wasser vom neuerbauten Wasserturm aus, unterbrochen werden. Die Hauptrohre waren bis ins innere Lager verlegt und mit Hydranten verbunden, um vorläufig das nötige Wasser zu zapfen zu können, da die bisher benutzten Pumpen aus Gesundheitsgründen außer Gebrauch genommen wurden. Ein gerichtliches Nachspiel vor der Strafkammer in Itzehoe hatte die am 13.November im Lockstedter Lager abgehaltene Auktion über ausrangierte Ausrüstungsgegenstände zurückgekehrter Chinakrieger. 13 Händler aus Berlin und Hannover waren angeklagt, sich gegen den §270 des Strafgesetzbuches vergangen zu haben, indem sie das Mitbieten anderer durch Versprechungen und Geldzahlungen zu verhindern suchten. Die Händler selbst kauften für gemeinschaftliche Rechnung und teilten die Sachen unter sich. Der Verdienst soll für jeden 140 Mark betragen haben. Der Hauptbeteiligte wurde zu 300 Mark Geldstrafe ersatzweise 30 Tage Gefängnis und die Genossen wegen Begünstigung zu 150 Mark Geldstrafe ersatzweise 15 Tage Haft verurteilt. Außerdem hatten die Angeklagten die Kosten zu tragen. Ein Händler aus Itzehoe wurde wegen Einbruchsdiebstahl in der so genannten Försterei Ratzeburg auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes zu 2 Jahren Zuchthaus und Nebenstrafen verurteilt. Das neue Kommandanturgebäude am Eingang zum Lager war ganz und gar fertiggestellt. Die Schlüsselübergabe fand am 15.Dezember statt. Die Inneneinrichtung fehlte noch, sollte aber bis zum Februar 1902 komplettiert sein. Bis dahin sollte auch die umgebende Fläche des Hauses ein parkähnliches Aussehen bekommen. Der Stall für das Pferd des Kommandanten war bereits im November bezugsfertig gewesen. Erster Bewohner des Hauses wurde der Kommandant des Truppenübungsplatzes Oberst Ritter mit Familie. Familie Ritter wohnte bis zu ihrem Umzug in das Lager in Itzehoe, Am Sandberg 48. Oberst Ritter, der Kommandant des Lockstedter Lagers, war laut Kabinettsordre vom 18.12., mit sofortiger Wirkung zum Generalmajor befördert worden. Im Laufe des Jahres war die Bautätigkeit im Lager sehr rege gewesen. Da die für die verschiedenen militärischen Zwecke anfänglich aufgeführten Baulichkeiten sich in Anbetracht der jetzigen Bedeutung des Lagers nicht mehr als zweckmäßig erwiesen, sind durch die fiskalische Bauverwaltung mehrere Neu- und Reparaturbauten ausgeführt und zwar drei Leutnantsbaracken, zwei Kochküchen für Unteroffiziere und Mannschaften, fünf Schuppen zur Aufbewahrung der Scheiben, ein Wagenhaus für das Artilleriedepot, ein Kommandantur-, Wach- und Arrestgebäude, sowie ein Materialschuppen. Außerdem sind am Lager mehrere Privatgebäude errichtet worden. Das innere Lager war zum Teil durch ein Stackett, zum Teil durch einen Stacheldraht eingezäunt. Die Gemeindevertretung Winseldorf hatte beschlossen, die Chaussee durchs Lager mit einer Beleuchtung zu versehen. Die Aufstellung der Laternen sollte noch in jenem Winter erfolgen. Der Reichsmilitärfiskus änderte am 28.Dezember den Pachtvertrag mit dem Pächter der Lohmühle, Herrn Hans Sievers, ab. Im Jahre 1900 waren beide Parteien übereingekommen, daß aus dem Pachtvertrag die Parzellen 21 und 22 mit einer Gesamtgröße von 1 ha, 22 a, 96 qm für die Anlage eines Filterfeldes zur Entwässerung des Lagers aus dem Pachtvertrag herausgenommen werden würden. In der Zwischenzeit hieß es, daß die beiden benannten Parzellen zu klein wären, deshalb würden die Parzellen 21 und 22 herausgenommen und dafür die Parzellen 27 und 28 in einer Größe von 2 ha, 67 a, 64 qm eingefügt. Dieser Vertrag hatte jedoch nur Bestand bis zum März 1902, dann wurde der Parzellentausch wieder rückgängig gemacht. 1902Vom 14. bis 17.Januar wurde auf dem Truppenübungsplatz ein Scharfschießen des Feldartillerieregiments Generalfeldmarschall Graf Waldersee (Schleswigsches) Nr.9 abgehalten und der Platz deshalb an diesen Tagen von 0700 Uhr vormittags bis 1600 Uhr nachmittags gesperrt. Das Regiment hatte kurzfristig mehrere Schießbahnen belegt, weil der Kommandeur, Oberstleutnant Blauel, diese Schießen zur Überprüfung der Einheiten und einer generellen Besichtigung befohlen hatte. Die Kanonen blieben nach der Reinigung im Geschützpark, die Munition im Munitionslager. Wachen und weiteres Personal waren im Lager kaserniert, der Rest des Regimentes marschierte morgens ins Lockstedter Lager und abends nach Itzehoe zurück. Der Rentner Hans Lohmann aus Winseldorf verkaufte in diesen Tagen sein Wohnhaus an den Depotarbeiter Klaus Voß für 4.600 Mark. Der Depotarbeiter Lowsen kaufte Wohnhaus und Garten des Kätners Peimann in Winseldorf für 4.800 Mark. Das bisher im Besitz des Herrn A.Böge befindliche Sierksche landwirtschaftliche Wohnhaus in Schlotfeld war für 4.500 Mark in den Besitz des Landwirts Sommer übergegangen. Herr Sommer beabsichtigte, das Gebäude für eine größere Schweinezüchterei einzurichten. Die Planstelle des von hier nach Straßburg im Elsaß versetzten Feuerwerkerhauptmannes Köhn war vom Feuerwerkerhauptmann Schulz besetzt worden. Im Laufe der dritten Woche des Januar sollten hier von Bremerhaven aus 525 Pferde und Maulesel der Chinatruppen - der zweite und letzte Transport - eintreffen. Die Tiere sollten hier 6 Wochen interniert und nach Ablauf dieser Zeit, die sich für den Militärdienst eignenden Tiere auf mehrere Regimenter verteilt werden, während die übrigen im Lager meistbietend verkauft werden würden. Wie beim ersten Transport wurden auch jetzt die Pferdepfleger aus allen deutschen Staaten hierher entsandt. Am 24.Januar wurde angeordnet, daß die hier eintreffenden Chinapferde diesmal nicht von Bremerhaven, sondern von Brunsbüttel aus per Bahn hierher befördert werden sollen, da der Transport auf diese Weise billiger würde. Der Lehrerverein für Lockstedter Lager und Umgegend hielt die erste Versammlung im neuen Vereinsjahr ab. Lehrer Bötel aus Looft zeigte in einer Lehrprobe mit Kindern der Unterstufe, wie sich die Einführung in das Einmaleins zu gestalten habe. Die anwesenden Mitglieder erklärten sich mit den Ausführungen im ganzen einverstanden. Auf einer im April stattfindenden Konferenz würde Lehrer Butenschön aus Winseldorf die Resultate eines Vergleichs zwischen einigen neu erschienen Lesebüchern vorführen. Der Geburtstag des Kaisers wurde von der Militärischen Brüderschaft in "Hülsings Hotel" durch Prolog, Ansprache, theatralische Aufführungen und Ball gefeiert, während das Wachkommando in Stärke von 100 Mann im "Landhaus" eine Feier veranstaltete durch Vorführung lebender Bilder, Aufführungen und Ball. Da am Tage vorher die Pferdepfleger eingetroffen waren in Stärke von 219 Mann, so wurde diesen für die Feier "Rath's Hotel" zur Verfügung gestellt. Im Bahnhofsrestaurant fand am Nachmittage ein Festessen statt. Unter dem Vorsitz von Major Zeiß (Feldartillerieregiment Nr.9) vom fand am 29.01. in der Kaserne in Itzehoe ein Kriegsgerichtsverfahren statt. Zu verantworten hatten sich fünf Soldaten vom I.Seebataillon aus Kiel und ein Kanonier vom Feldartillerieregiment Nr.9 wegen Verübung groben Unfugs, Widerstands gegen die Staatsgewalt, Mißhandlung, Gefangenenbefreiung und Beamtenbeleidigung. Die Seesoldaten hatten am 23.Oktober 1901 unberechtigt das Lockstedter Lager, in welchem sie interniert waren, verlassen und sich nach Itzehoe begeben. Hier verübten sie am Abend des betreffenden Tages, nachdem sie eine Bierreise durch die verschiedenen Lokale gemacht hatten, in der Breiten Straße allerlei Unfug, so daß schließlich zwei Polizeibeamte, nachdem die wiederholten Ermahnungen unbeachtet geblieben waren, sich gezwungen sahen, gegen die Soldaten einzuschreiten, um sie der Militärwache zu übergeben. Dem widersetzten sich aber die Soldaten, indem sie die Beamten tätlich angriffen, sie beleidigten und sich gegenseitig aus den Händen der Beamten befreiten. Ihnen zur Hilfe kam der Kanonier M. vom Feldartillerieregiment Nr.9, der ebenfalls auf die Polizeibeamten einschlug und dadurch die Seesoldaten befreite. Die Seesoldaten hatten alsdann, ohne daß ihre Personalien festgestellt werden konnten die Flucht ergriffen, während der Kanonier in Haft genommen wurde. Die Polizei hatte sofort die Kommandantur des Lockstedter Lagers von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt, die Übeltäter wurden beim Eintreffen von der vorsorglich aufgestellten Wache in Empfang genommen, ihre Namen und Einheit festgestellt und arrestiert. Sie wurden am Verhandlungstag der ihnen zur Last gelegten Straftaten als überführt angesehen und unter Berücksichtigung, der an den Tag gelegte Brutalität, mit recht hohen Strafen belegt. Von den Seesoldaten wurde W., der zur Zeit in der Arbeiterabteilung zu Magdeburg untergebracht war, zu 6 Monaten Gefängnis und 3 Tagen Haft, C. mit 5 Monaten Gefängnis und 3 Tagen Haft, Sch. und B. mit 3 Wochen Gefängnis und 3 Tagen Haft bestraft, während der fünfte Beschuldigte nur wegen groben Unfugs 3 Tage Haft erhielt. Gegen den Kanonier M., der durch Hauptmann Freiherr von Brockdorff verteidigt wurde, wurde wegen Mißhandlung, Beamtenbeleidigung und vollendeter Gefangenenbefreiung mit 3 Monaten Gefängnis verhängt. Der Dampfer "Cassius", der die Pferde des ostasiatischen Expeditionskorps in Ostasien an Bord genommen hatte, galt für einige Tage als vermißt. Nachdem der Transportdampfer "Cassius" Gibraltar verlassen hatte wurde die Seereise sehr stürmisch, so daß diesem Umstand die verspätete Ankunft zuzuschreiben war. Man hatte seinen Untergang in dem in der Biskaya herrschenden schweren Wetter befürchtet. Erleichtert waren alle Beteiligten, als am 06.Februar über den Leuchtturm Portland Bill gemeldet wurde, daß die "Cassius" gesichtet worden war und sie signalisiert habe, daß sie wie geplant den Hafen von Brunsbüttel anlaufen würde. Endlich war der schon seit drei Wochen erwartete Pferdetransport aus Ostasien im Brunsbütteler Hafen eingetroffen. Die Mannschaften des Pferdetransports wurden am Abend vorher telegraphisch beordert, die Pferde in Empfang zu nehmen und per Bahn zu überführen. Bald darauf trafen im Brunsbütteler Hafen 7 Offiziere, 3 Wachtmeister, 17 Unteroffiziere und 173 Mannschaften verschiedener Truppengattungen aus dem Lockstedter Lager ein, um die von China hierher transportierten Pferde in Empfang zu nehmen. Da der Dampfer "Cassius" noch auf sich warten ließ, mußten die Mannschaften bei den Bürgern einquartiert werden. Das Schiff lag wegen Nebels mehrere Stunden vor Cuxhaven. Der Dampfer lief am 07.02. gegen 2000 Uhr in den Kanal ein. Das Schiff war mit 368 Pferden von China abgegangen, von denen trotz der vielen Stürme auf der Reise nur 20 Tiere nicht überlebten. Die Pferde haben infolge der langen und stürmischen Fahrt sehr gelitten, zumal die Futterrationen zuletzt auf ein Minimum beschränkt werden mußten. Das Löschen der Pferde rief viele Schaulustige auf den Plan. Besonders viele Landwirte aus der näheren und weiteren Umgebung hatten sich eingefunden, um die Tiere zu begutachten. Trotz der beschwerlichen Reise sahen die Pferde verhältnismäßig gut aus. Das Löschen der Tiere ging schnell von statten und dauerte nur von 0800 bis 1500 Uhr. In zwei langen Zügen wurden die Tiere zum Lockstedter Lager befördert. Wahrscheinlich durch arbeitslose Personen wurden bei dem Bäckermeister Saß in der Mitte des Monats mehrere Scheiben des Ladenfensters zertrümmert, wobei die Täter die Frechheit besessen hatten, einen Kloben Holz durch das Fenster in den Laden zu werfen, wodurch weitere Beschädigungen im Laden verursacht worden sind. Es war Anzeige erstattet worden. Anfang März meldete die hiesige Regenstation, nicht zum erstenmal, an das meteorologische Institut in Berlin für den Monat Februar 5 Tage mit mehr als 0,1 mm Niederschläge. Die Monatssumme der Niederschläge betrug nur 7,6 mm gegen 29,3 mm im Vorjahre. Wenn auch der Februar durchschnittlich zu den nierderschlagsärmsten Monaten gehörte, so war doch seit dem Bestehen der hiesigen Regenstation (1891) eine so geringe Niederschlagsmenge in diesem Monat nie beobachtet worden. Die größte Höhe der Niederschläge wurde am 28.Februar mit 2,8 mm gemessen. Schnee fiel an 5 Tagen, aber nur an 3 Tagen betrug die Menge des Schmelzwassers mindestens 0,1 mm. Rauhreif wurde an 3, Nebel an 3, Reif an 3 und Glatteis an einem Tage beobachtet. Bevor noch der Frühling seinen Einzug hielt, begegnete man hier und da den Hausierern mit Gemüsesamen. Besonders in ländlichen Bezirken wurde oft der Bedarf an Samen bei ihnen gedeckt, obgleich man nicht immer gute Erfahrungen mit der Zucht gemacht hatte. Entweder keimte der Same schlecht oder die Pflanzen blieben in der Entwicklung zurück. Das hatte seinen Grund darin, daß die Samen in den meisten Fällen von den Händlern selbst gezüchtet wurden und zwar aus selbst angebauter Ware, so daß ein Rückgang in der Güte - eine Degeneration - unausbleiblich war. Das hier Ende Februar eingetroffene Pferdedepot hatte vorläufig Befehl, bis zum 15.Mai des Jahres 1902 im Lager zu bleiben. Es war geplant, daß vielleicht noch im Laufe des Sommers eine Telephonverbindung zwischen Winseldorf und Itzehoe hergestellt wird. Die durch den westlichen Teil des Schießplatzes Lockstedter Lager führende Chaussee von Hohenwestedt nach Itzehoe, sollte ebenso wie die vom Lager nach Hennstedt laufende, verlegt werden. Dem Gerüchten zufolge wäre von der Schießplatzverwaltung geplant, die neue Chaussee vom Peißener Pohl durch die fiskalische Tannenkoppel über Halloh und Hohenaspe in den Burendahl einmünden zu lassen. Die für das laufende Rechnungsjahr 1902/03 bei der Kommandantur eingegangenen Angebote für Reparaturarbeiten an den militärischen Bauten zeigten am Eröffnungstag große Unterschiede bei der Berechnung gleicher Positionen. Nur wenige Angebote waren höher als die Kostenanschläge für die einzelnen Positionen, die meisten waren darunter geblieben, einzelne sogar 40 bis 50 Prozent. Es wurden nur normale Angebote berücksichtigt. Die meisten Arbeiten wurden Handwerkern aus Itzehoe und Kellinghusen übertragen, einzelne jedoch auch Handwerkern aus Lockstedter Lager. Für den am 01.April beginnenden Versorgungszeitraum für Güter des Lazarettbedarfs (ausschließlich Fleisch) sollten Angebote gemacht werden. Neben den üblichen Lieferungen waren gesonderte Angebote abzugeben für: Bier und Eis (zum Kühlen), Backwaren, Kolonialwaren und Eier etc., Kartoffeln und grünes Gemüse, Wein, Milch und Butter. Für den Abtransport von Küchenabfällen und Brotresten sowie von altem Lagerstroh nebst Gras aus dem Lazarettgarten konnten Interessenten ebenfalls ein Gebot abgeben. In diesem Jahre sollte beim IX.Armeekorps ein Reserve Feldartillerieregiment in Kriegsstärke möglichst in den für den Mobilmachungsfall vorgesehenen Zusammensetzungen gebildet werden. Die Aufstellung eines Reserveregiments bei der Feldartillerie und zwar in voller Kriegsstärke würde damit zum erstenmal stattfinden. Vorsorglich wurde die Garnisonsverwaltung gebeten die kurzfristige Unterbringung der Reservisten zu ermöglichen. Das Personal des hier wegen der Chinapferde aufgestellten Pferdedepots war in der letzten Woche des Februar eingetroffen und hatte vorläufige Order erhalten, bis zum 15.Mai im Lager zu bleiben. Auflistung aus welchen Truppenteilen das hierher beorderte Pferdedepot zusammengesetzt war. Es waren hier vertreten: die Kürassiere durch 17 Mann und 6 Unteroffiziere, diese gehörten zu dem kombinierten Jägerregiment zu Pferde, dem Garde Kürassierregiment, dem Leib Kürassierregiment (Schlesien), dem Kürassierregiment Nr.2 (Pommern), dem Kürassierregiment Nr.3 (Ostpreußen), dem Kürassierregiment Nr.4 (Westfalen), dem Kürassierregiment Nr.5 (Westpreußen), dem Kürassierregiment Nr.6 (Brandenburg), dem Kürassierregiment Nr.7 (Magdeburg), dem Kürassierregiment Nr.8 (Rheinisches). Die Dragoner waren vertreten durch 43 Mann und 3 Unteroffiziere und zwar verteilten sich dieselben auf das 1. und 2.Garde Dragonerregiment, sowie auf die Dragonerregimenter Nr.1 bis 5, Nr.7, Nr.11 und 12, Nr.14 bis 17 und Nr.19 bis 24. Die Husaren schickten 25 Mann und 4 Unteroffiziere. Diese kamen von den Husarenregimentern Nr.1 bis 3, Nr.5, Nr.7 bis 14, und Nr.16 und 17. Die Ulanen waren vertreten durch 31 Mann und 6 Unteroffiziere. Dieselben gehörten an dem 2.Garde Ulanenregiment, dem Ulanenregiment Nr.1 und 3, Nr.5 bis 13 und Nr.15 und 16. Die Artillerie beteiligte sich mit 37 Mann und 2 Unteroffiziere. Diese gehörten zu den Artillerieregimentern Nr.2 bis 4, Nr.6, Nr.9, Nr.14, Nr.16 und 17, Nr.22, 24, 30, 31, 35, 38, 39, 40, 43, 45, 53, 58, 63, 66, 67, 71, 73, 74, 75, 76. Der Train hatte 30 Mann und 3 Unteroffiziere geschickt, welche den Trainbataillonen Nr.2, 5, 6, 7, 8, 9, 11 und 16 angehörten. Von der Infanterie zum Pferdedepot kommandiert 1 Mann und 2 Unteroffiziere von den Regimentern Nr.76, 89 und 163. Zu diesen 187 Mann und 26 Unteroffizieren kamen hinzu 1 Rittmeister, 1 Oberleutnant, 2 Leutnante, 1 Oberroßarzt, 1 Roßarzt, 1 Unterroßarzt, 1 Assistenzarzt und 1 Zahlmeister. Bis Mitte Mai hatte die Bevölkerung Gelegenheit das farbenprächtige Bild, welches die verschiedenen Uniformen boten, anzuschauen. Die Schießübungen auf dem Truppenübungsplatz begannen am 29.März. Damit trat auch die zeitweilige Sperrung der Chausseestrecke nach Lockstedt ein. Die im Bau begriffene Ersatzstrecke Springhoe - Mühlenbarbek war noch nicht ganz fertig, doch machten die Arbeiten gute Fortschritte. Die Hälfte der Wegstrecke von Springhoe aus war fertig geschüttet und wurde zur Zeit gewalzt. Auf der ganzen Strecke wird ein Fußsteig angelegt und mit einer Kieslage versehen Der Kommandant, Generalmajor Ritter, wurde mit Wirkung vom 01.Mai zur Disposition gestellt, was bedeutete, daß er um seinen Abschied nachsuchen konnte. Seit einigen Tagen entwickelte sich wieder ein lebhaftes militärisches Leben. Ein größeres Vorkommando war damit beschäftigt, die für die Aufnahme der übenden Truppenabteilungen notwendigen Vorarbeiten zu vollenden. Am 28.04. traf das Infanterieregiment Nr.163 als erste Truppenabteilung zur Schießübung ein. Um den durch die Truppenansammlungen gesteigerten Bahnverkehr zu bewältigen, wurde auch in diesem Jahre die Zahl der Bahn- und Eisenbahnbeamten wieder erhöht. Das Infanterieregiment Nr.75, welches in Bremen und Stade in Garnison lag, traf zur Abhaltung von Übungen mit Extrazügen in Wrist ein, von wo aus das Regiment im Fußmarsch das Lager erreichte, es folgte am 05.Mai das Infanterieregiment Nr.31 aus Altona. Das Infanterieregiment Nr.163 verließ am 03.Mai wieder das Lager, um im Landmarsch nach Neumünster zurückzukehren. Am 16.05. verließen die beiden Infanterieregimenter Nr.75 und 31, die hier Regimentsexerzieren und Schießübungen abgehalten hatten, das Lager und kehrten in ihre Standorte zurück. Während der Pfingstfeiertage blieb das Lager unbelegt, gleich nach Pfingsten trafen das Infanterieregiment Nr.86 aus Flensburg und Sonderburg und das Infanterieregiment Nr.84 aus Schleswig und Hadersleben ein. Am 16.Mai ist das Pferdedepot aufgelöst worden. Von den 342 hier in Pflege gewesenen Chinapferden sind gleich zu Anfang 2 eingegangen und während des Aufenthalts 9 weitere - weil krankheitsverdächtig - getötet worden und 23 waren in den zehn Tagen vor der Auflösung öffentlich verkauft worden, weil als Dienstpferde untauglich. Diese wurden meistens zu mäßigen Preisen verkauft. Zum Verkauf hatte sich zahlreiches interessiertes Publikum eingefunden. Die dienstbrauchbaren Pferde des zuletzt hier eingetroffenen Chinatransports wurden den einzelnen Truppenteilen zugeteilt, besonders viele Pferde waren süddeutschen Regimentern überwiesen worden. Mit dem Morgenzug trafen der Kommandierende General des IX.Armeekorps, von Massow, der Kommandeur der 18.Infanteriedivision, Generalleutnant von Oppen und die Adjutanten Major Schönherr und Oberleutnant von Le Fort sowie der Kommandeur der 18.Artilleriebrigade in Begleitung mehrerer Adjutanten am 22.Mai ein. Sie kamen zur Besichtigung des Feldartillerieregiments Generalfeldmarschall Graf Waldersee (Schleswigsches) Nr.9. Die Aufstellung der im Februar angekündigten Reserveformation war durchgeführt worden. Die neuformierte kriegsstarke Abteilung rückte am 31.Mai gegen 0830 Uhr in das Lockstedter Lager ein, wo sie etwa eine Woche in den Baracken untergebracht wurden. Die Abteilung bestand aus drei Batterien zu je 6 Geschützen nebst den erforderlichen Munitionswagen. Die Batterien wurden geführt von Hauptmann Gudewill, Oberleutnant Thimey und Oberleutnant der Reserve Granzow. Das Exerzieren der Abteilung war kriegsmäßig. Außer bei dem IX.Armeekorps wurden noch bei dem Gardekorps und dem VI.Armeekorps ähnliche Probemobilmachungen von Artillerieabteilungen vorgenommen. Mit dieser Reserveformation traf eine Anzahl Reserve Offiziersaspiranten ein, welche beim Feldartillerieregiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee (Schleswigsches) Nr.9 eine achtwöchige Übung durchzumachen hatten. An diesem Sonntagabend, dem 01.Juni veranstaltete die Artilleriekapelle ihr erstes diesjährige Konzert im Kaiserhof. Die Konzerte der Artilleriekapelle zeichneten sich neben ihren bekannten vorzüglichen Darbietungen durch günstige Eintrittspreise aus. Für den Preis von 2 Mark konnte man alle ihre im Lager gegebenen Konzerte besuchen, für Familienmitglieder betrug der Preis 1,50 Mark. Das Programm war wie gewohnt gut zusammengestellt und die Darbietungen der Solisten boten einmal mehr einen besonderen Ohrenschmaus. Die Kapelle des Infanterieregiments Nr.84 gab am Mittwochabend vor dem Kasino ein Platzkonzert. Dieses Konzert konnte nicht nur von den im Lager anwesenden Offizieren und Offiziersaspiranten sowie deren Angehörigen besucht werden. Die Kommandantur gab in der Zeitung und an den Anschlagbrettern bekannt, daß im Juni an folgenden Tagen scharf geschossen werden würde: vom 09. bis 17.Juni von 0530 Uhr bis 2000 Uhr. Der Platz wäre während dieser Zeit für jeglichen Durchgangsverkehr gesperrt. Nachdem am Samstag, dem 07.Juni, die Infanterieregimenter Nr.84 und 86 ihre Übungen beendet hatten und mit Sonderzügen in ihre Garnisonsstandorte befördert worden waren, traf am gleichen Vormittag das Hanseatische Infanterieregiment Nr.76 mit einem Extrazug aus Hamburg ein. Diesem folgte am 14.Juni das Infanterieregiment Nr.75 aus Bremen und Stade. Beide Regimenter blieben bis zum 28.Juni. Die kriegsstarke Abteilung des Feldartillerieregiments Generalfeldmarschall Graf Waldersee (Schleswigsches) Nr.9 wurde am 07.06. vom Kommandierenden General des IX.Armeekorps General von Massow, der von Generalleutnant von Oppen, dem Kommandeur der 18.Division und Generalmajor Schönherr, dem Kommandeur der 18.Artilleriebrigade, begleitet wurde, besichtigt. Nach verschiedenen artilleristischen Übungen fand ein Parademarsch statt, dem sich ein Scharfschießen anschloß. Die kriegsstarke Abteilung rückte am Sonntag, dem 08.Juni, wieder nach Itzehoe ab, wo die Entlassung der Reservisten erfolgte. Zur Besichtigung der 33.Infanteriebrigade, bestehend aus den beiden hanseatischen Infanterieregimentern Nr.75 und 76, waren der Brigadekommandeur, der Kommandeur der 17.Division und der Kommandierende General des IX.Armeekorps, am 26.06. anwesend. Die beiden Regimenter sollten am 28.06. in drei Extrazügen das Lager wieder verlassen, um in ihre Garnisonen zurückbefördert zu werden. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung wurden in den vergangenen Jahren die Gendarmen des Kreises Steinburg zur monatlichen Dienstleistung hierher beordert. Im Juni trat eine Änderung ein, indem für den Monat Juli der Gendarm aus Suchsdorf bei Kiel stationiert wurde und für die folgenden Monate Gendarmen des Kreises Pinneberg in Aussicht genommen waren. Bereits im Jahre 1900 hatte der Landrat in den Zeitungen vor dem Aufnehmen von Munitionsteilen gewarnt. Aufgrund einiger Vorkommnisse ließ er Ende Juni eine gleichlautende Warnung veröffentlichen. "In den Verwaltungsvorschriften für die Militärschießplätze ist bezüglich des Aufnehmens verfeuerter Zünderteile und blindgegangener Geschosse bestimmt: Zünder mit Zündladungen, einzelne Zündladungen oder blindgegangene Geschosse dürfen unter keinen Umständen berührt werden. Dabei ist es gleichgültig, ob das Geschoß eine Granate oder Schrapnell, ob es mit Zünder versehen ist oder nicht, ob der Finder von der Ungefährlichkeit überzeugt ist oder nicht. Der Finder hat zunächst weiter nichts zu tun, als den Fund bei dem Führer des Arbeitskommandos im Lockstedter Lager zu melden und nötigenfalls die Stelle kenntlich zu machen. Die Bewohner der in der Nähe des Truppenübungsplatzes Lockstedter Lager belegenen Ortschaften werden auf diese Vorschrift besonders aufmerksam gemacht und wegen der damit verbundenen Lebensgefahr dringend vor dem Aufnehmen irgend welcher Geschoßteile gewarnt." Das Feldartillerieregiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee (Schleswigsches) Nr.9 rückte am Morgen (30.06.) zum Lockstedter Lager zur Abhaltung von Schießübungen aus. Im Laufe des vormittags trafen im Lager ferner ein das Artillerieregiment Nr.45 aus Bahrenfeld und Rendsburg, das Artillerieregiment Nr.24 aus Schwerin und das Artillerieregiment Nr.60 aus Güstrow. Sämtliche Regimenter hatten den Weg zum Lockstedter Lager per Landmarsch zurückgelegt. Die Schießübungen, die noch am Tage des Einmarsches der Einheiten begannen, sollten bis zum 24.Juli dauern. Für die erste Hälfte des Monats Juli war der Gendarm Maaß aus Hörnerkirchen ins Lockstedter Lager kommandiert. Auf dem Bahnhof wurden von dem Schäfereibesitzer Laudin aus Altona, der hier einen Bestand von 1.200 Schafen hatte, 600 dieser Tiere nach Braunschweig verladen. Die Schafe waren von einem dortigen Besitzer nach Gewicht gekauft worden. Ein großes Militär Konzert fand am 16.Juli statt, das von der Kapelle des mecklenburgischen Feldartillerieregiments Nr.60 ausgeführt wurde. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gegen Mittag des 17.Juli. Beim Exerzieren der 2.Batterie des Feldartillerieregiments Nr.60 (Schwerin) stürzte plötzlich ein Geschütz um und schleifte die Mannschaft mit. Dabei erlitt der Kanonier Haase so schwere Verletzungen, an denen er bald darauf verstarb, einem anderen Kanonier wurde der Oberschenkel gebrochen und drei weitere wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Auf dem Truppenübungsplatz hatte sich am 19.Juli abermals ein bedauerlicher Unfall während des Regimentsexerzierens zugetragen. Ein Oberleutnant hat infolge eines Sturzes mit dem Pferd einen Armbruch erlitten und ein Kanonier war vom Geschütz gestürzt, wobei er sich ein Bein gebrochen hatte. Unter großer Anteilnahme des Offizierskorps und der Mannschaften des Feldartillerieregiments Nr.60 wurde der verunglückte Kanonier Haase von der 2.Batterie des bezeichneten Regiments auf dem Friedhof von Kellinghusen beerdigt. Zahlreiche Kränze schmückten den Sarg des aus Berlin stammenden jungen Mannes. Leider war im Lazarett im Lockstedter Lager noch ein zweiter Soldat seinen schweren Verletzungen erlegen. Die anderen drei Verunglückten hoffte man dagegen am Leben erhalten zu können. Die Feldartillerieregimenter Nr.9, 45, 24, und 60 verließen am frühen Morgen den Übungsplatz, um in ihre Garnisonsorte zurückzukehren. Eine Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.9 rückte in die Gegend um Heinkenborstel ab, um zwischen Heinkenborstel und Gnutz ein Geländeschießen abzuhalten. Am Tag des Auszuges der Artilleristen traf das Infanterieregiment Nr.85 aus Kiel und Rendsburg ein, dem am Sonnabend, dem 26.Juli, das Infanterieregiment Nr.31 aus Altona folgte. Beide Regimenter hatten den Aufenthalt bis zum 07.August geplant. Während des Aufenthaltes der Artillerieregimenter wurde zu deren Anschauung ein veränderter Zielaufbau verwendet. Es waren 4 Zielgruppen aufgebaut. Ziel 1, 2, 3 bildete eine halbverdeckte Batterie je 6 Geschütze, 3 Munitionswagen, 50 Mann Bedienung. Ziel 4 = 300 liegende Schützen. Die Ziele 1, 2, 3 waren schwierig zu beschießen, weil ein Höhenzug das Ziel 1 fast verdeckte, das Ziel 2 von Ziel 1 vollständig trennte und das Ziel 3 sich vollständig den Augen des Beobachters, von der schießenden Batterie aus entzog. Ziel 4 dagegen bot sich dem Beobachter von der Batterie aus als ein recht günstiges Zielobjekt. Alle Ziele waren mit Zielfeuer versehen, d.h. durch Anwendung von neben den Zielen zur Entzündung gebrachten Feuerwerkskörpern wurde die Lage der Ziele angegeben und nach Erkennen der vermeintlichen Ziele von den Batterien das Schießen begonnen. Jede Batterie war zu diesem Zweck mit je 100 Feldschrapnells C/96 ausgerüstet. Dem Schießen wohnten als direkte Vorgesetzte der Divisionskommandeur aus Flensburg und der Kommandeur der 18.Feldartilleriebrigade aus Altona bei. Infolge der Vergrößerung des Lockstedter Lagers waren die hindurchführenden Chausseen der Militärverwaltung sehr hinderlich geworden. Diese Hindernisse wurden auch nicht durch Warnsignale und Absperrungen beseitigt. Die öffentlichen Wege durch das Lager mußten beseitigt werden. Die östlich durchs Lager führende Chaussee war bereits verlegt auf Mühlenbarbek zu. Jetzt sollte die westlich durchs Lager führende Chaussee, von Hohenwestedt - Jahrsdorf - Lager - Itzehoe verlegt werden. Dem Vernehmen nach war von der Schießplatzverwaltung geplant, die neue Chaussee vom Peißener Pohl durch die fiskalischen Tannenkoppeln über Halloh und Hohenaspe in den Burendahl einmünden zu lassen. Diesbezügliche Anträge waren von der Militärverwaltung bei der Provinzverwaltung schon gestellt worden. Hohenaspe wünschte und hoffte, daß die Chaussee dort vorbei geführt werden würde. Seit der Geradelegung der Winseldorfer Aue war eine bedeutende Abnahme des Fischreichtums zu bemerken. Es fehlte jetzt den Fischen an geeigneten Brutplätzen und Schlupfwinkeln. Es war aber seit der Regulierung der Au möglich gewesen Fischen leichter beizukommen. Der in dem Gewässer noch ziemlich stark vertretene Fisch ist der Aal, dessen Fang allerdings nicht jedermanns Sache war, da geeignete Netze ziemlich teuer waren und die Witterung beim Fang eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte. Für den Monat Juli wurde eine Niederschlagsmenge von 109,3 mm gegen 38,1 mm im Juli vorigen Jahres gemeldet. Die größte Menge der in 24 Stunden gefallenen Niederschläge betrug 28,1 mm und wurde am 10.Juli gemessen. Oberleutnant Thomas, der seit 4 Jahren bei der Kommandantur war und sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, war zum 01.August nach Thorn versetzt worden. Das Dragonerregiment Nr.17 marschierte am 25.Juli aus Ludwigslust ab und erreichte das Lockstedter Lager nach 190 Kilometern Landmarsch am 05.August. Auch diesmal wurde der Marsch wieder zur Ausbildung im Aufklärungsdienst genutzt. Der 06.August war Ruhetag, dann aber folgten drei Tage Regimentsexerzieren vom 07. bis 09.August. Der folgende Tag, der 10. wurde mit gefechtsmäßigem Schießen im Zugrahmen ausgefüllt. An den Tagen vom 11. bis 17.August waren die Dragoner am Brigadeexerzieren beteiligt. Danach nahm das Regiment an der Parade des IX.Armeekorps in Groß-Flottbek teil. Die 12.Kompanie des Infanterieregiments Nr.84 war zur Ausbildung in das Lager gekommen. Das ganze Repertoire des Exerzierreglements kam zur Anwendung. Am Abend des 09.08. trafen in mehreren Extrazügen die beiden mecklenburgischen Infanterieregimenter Nr.89 und 90 ein, während schon vor einigen Tagen das Husarenregiment Nr.15 aus Wandsbek hier eingetroffen war. Außerdem hielt hier noch das in Kiel stationierte Bataillon des Infanterieregiments Nr.85 Schießübungen ab. Heute rückten hier die Schleswiger Husaren ein, um mit den Husaren aus Wandsbek ihre Brigadeexerzierübungen abzuhalten. Beide Regimenter sollten am 29.08. von hier aus direkt ins Manöver gehen. Die Regimentsvorstellung der Wandsbeker Husaren vor dem Kommandierenden General von Massow sollte am 18.August stattfinden. Der Lloyd Dampfer "Prinz Heinrich" lief mit 10 Offizieren und 311 Mannschaften der ostasiatischen Besatzungsbrigade am 19.08. in Bremerhaven ein. Die Soldaten wurden mit der Bahn zum Lockstedter Lager transportiert um hier untersucht und entlassen zu werden. Die Rampe am Bahnhof hatte in den vergangenen Tagen des Monats August ein undurchlässiges Pflaster bekommen, dadurch wurde die Ab- und Anfuhr der großen Lastgüter erleichtert. Besonders großen Wert hätte aber dieses Pflaster in gesundheitlicher Beziehung, weil stets eine gründliche Reinigung möglich wäre, so äußerte sich ein Artillerieoffizier. Am Montag, dem 17.August fand durch den Kommandierenden General des IX.Armeekorps, von Massow, eine Vorstellung der Infanterieregimenter Nr.89 und Nr.90 sowie der Husarenregimenter Nr.15 und Nr.16 statt. Am Sonnabendvormittag dieser Woche war der Besuch des Prinzen Albrecht von Preußen geplant, um dem Regiments- und Brigadeexerzieren der genannten Regimenter beizuwohnen. Die für den Prinzen und dessen Begleitung erforderlichen Pferde waren bereits am 20.August hier eingetroffen. Prinz Albrecht von Preußen und der Kommandierende General des IX.Armeekorps von Massow nahmen die Besichtigung der Infanterieregimenter Nr.89 und 90 am 22.August vor. Beide Herren wurden morgens um 0700 Uhr aus Wrist mit dem Wagen abgeholt und trafen hier um 0800 Uhr ein. Die Husarenregimenter mußten um diese Zeit bereits den Übungsplatz geräumt haben. Die genannten Infanterieregimenter wurden zuerst in Paradeaufstellung besichtigt, dann fand eine Gefechtsübung statt. Mit einem Parademarsch nahm die Besichtigung ein Ende. Die Parade wurde immer westlich der Kieler Chaussee in Höhe des Wasserturms und nördlich des Armeekorpssteines aufgestellt. Der Besuch des Prinzen hatte eine Anzahl Neugieriger ins Lager geführt, die gleichzeitig dem zackigen Ausmarsch der 89er und 90er beiwohnten. Der Prinz fuhr in seinem Salonwagen um 1200 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zuge über Kiel nach Grünholz weiter, von wo aus er am Dienstag, den 26.08. zur Besichtigung der beiden Husarenregimenter Nr.15 und Nr.16 wieder hier eintreffen sollte. Wie es weiter hieß, würden die am folgenden Tag hier eintreffenden Infanterieregimenter Nr.162 und Nr.163 ebenfalls vom Prinzen inspiziert werden. Ein großer "Frachtmotorwagen" der Brauerei Harms aus Neumünster kam mit einer Ladung Bier für die beiden Kantinen♦ des am 25.08. eintreffenden Infanterieregiments Nr.163, über Bad Bramstedt, am Vortag im Lager an und erregte Aufsehen bei Soldaten und Zivilisten. Es war dies der erste Lastwagen, der hier als "Frachtgutbeförderer" gesehen wurde. Für die 37 Kilometer lange Strecke von Neumünster via Bramstedt mit mehreren Ausladestellen brauchte der Wagen 5 Stunden. ♦ Anmerkung: Den hier übenden Bataillonen und Regimentern wurde bis zur Neuordnung des Kantinenwesens, was nach Abschluß der Kanalisationsarbeiten und Entwidmung bzw. Umbau der großen Latrinen der Fall war, eine Kantine in Verbindung mit einem Tresen- und Verkaufsraum für Marketenderwaren in der Größe von 20 bis 25 qm zur Verfügung gestellt. Die Kantinen waren zweckmäßigerweise im selben Gebäude wie die Küchen. Diese Gebäude waren halb unterkellert. Die vollen Bierfässer wurden durch einen Schacht, an der zur Straße abgewandten Hausfront, mit Hilfe eines vom Keller zu betätigenden Drahtseilaufzuges in den Kellerraum gefiert, das Stangeneis wurde über einen Treppenaufgang in die Kellerräume gebracht. Ein junger Mann aus Hohenaspe, welcher als Lehrling in einem hiesigen Geschäft tätig war, besuchte an einem Sonntag seine Eltern. Ein von ihm mitgebrachter Revolver geriet in die Hände seines 15jährigen Bruders, welcher unvorsichtig mit demselben umging und einen kleineren Bruder durch einen Schuß aus der Waffe lebensgefährlich verletzte. Wie kam er im Lager an den Revolver, so fragten sich die Leute in Hohenaspe. Prinz Albrecht von Preußen und der Kommandierende General des IX.Armeekorps waren am 26.August wieder im Lager anwesend, diesmal um die Husarenregimenter Nr.15 und 16 zu besichtigen. Die Regimenter hatten um 0945 Uhr Paradeaufstellung genommen. Danach fand eine Gefechtsübung statt, an welche sich eine Abschlußbesprechung anschloß. Am Morgen des 27.August gegen 0900 Uhr wurde Prinz Albrecht von Preußen aus Wrist abgeholt. Der Kommandierende General von Massow, der noch im Lockstedter Lager anwesend war, besichtigte mit dem Prinzen im Laufe des vormittags die beiden Infanterieregimenter Nr.162 und 163. Am Nachmittag fuhren die beiden Herren mit dem 1500 Uhr Zug nach Hamburg. Das Infanterieregiment Nr.163 hatte bei der Besichtigung durch den Generalinspekteur Prinz Albrecht von Preußen so vorzüglich abgeschnitten, daß der hohe Herr mit seinem Lob nicht zurückhielt und erklärte, dem Kaiser über die vorzügliche Haltung des Regiments besonderen Bericht erstatten zu wollen. Die Ausrüstung des Heeres mit dem Gewehr Modell 98 und dem Seitengewehr 98/02 ging jetzt mit größerer Schnelligkeit vor sich. Im Laufe des Jahres sollten alle Armeekorps mit der neuen Waffe ausgerüstet sein. Die beiden Husarenregimenter Nr.15 und 16 verließen das Lockstedter Lager, um an dem diesjährigen Manöver teilzunehmen. Am nächsten Tag, dem 30.August, trafen mit der Eisenbahn das Jägerbataillon Nr.9 aus Ratzeburg und das Pionierbataillon Nr.9 aus Harburg ein. Diese Truppen blieben bis zum 06.September. Der Lloyd Dampfer "Sachsen" landete am 01.09. in Bremerhaven mit 9 Offizieren und 241 Mann der ostasiatischen Besatzungsbrigade, die umgehend zum Lockstedter Lager transportiert wurden. Aus der vergangenen Woche waren zwei Vorfälle zu melden. Ein Unglück, bei dem ein Soldat des Arbeitskommandos bei Arbeiten im Dorf Ridders unter den Trümmern eines zusammenstürzenden Hauses verschüttet wurde. Glücklicherweise stellten sich die Verletzungen des Soldaten nach seiner Bergung als nicht so schwer heraus. Nach eingehender Untersuchung durch den Stabsarzt konnte er als leicht verletzt entlassen werden. Am Dienstagabend, dem 25.08. gerieten zwei Unteroffiziere der 5.Schwadron des Husarenregiments Nr.16, angeblich wegen eines Mädchens, miteinander in Streit. Die beiden Unteroffiziere verließen gleichzeitig das Lokal. Außerhalb des Gasthofes versetzte der Unteroffizier Martens dem Unteroffizier Thomsen mehrere tiefe Messerstiche, so daß Thomsen blutüberströmt niedersank. Ein Gefreiter, der kurz darauf das Lokal verließ, fand den Überfallenen und machte sofort Meldung beim betreffenden Rittmeister, der die sofortige Überführung des schwer Verwundeten ins Lazarett anordnete. M. wurde noch am gleichen Abend einem Verhör unterzogen, während dem er anfänglich die Tat leugnete, aber durch sein blutiges Messer überführt wurde und die Tat eingestand. Am Freitagmorgen, dem 28.08. wurde M., der im sechsten Dienstjahr stand, begleitet von einer Eskorte, nach Schleswig überführt, wo er abgeurteilt wurde. Thomsen wurde nach kurzem Aufenthalt aus dem Lazarett entlassen. Am 04. und 05.September war der Kommandierende General von Massow anwesend zwecks Besichtigung der hier übenden Regimenter. Am Abend des 04.09. fand ein herrlicher Fackelzug statt. Sämtliche Musikkapellen der Regimenter waren eingesetzt. Beim herrschenden schönen Wetter waren viele Zuschauer an den Straßen und genossen den faszinierenden Anblick. Reserve hat Ruh! Wie so oft klangen in den vergangenen Tagen und Wochen diese Worte aus dem Munde so manches Reservisten. Das Ende der Herbstübungen und damit die Entlassung der Reservisten war herangekommen. Dann passierten die strammen Jungen mit gerollten Achselklappen, "geklappter" Mütze, den Reservestock mit der Kompanietroddel in der Hand, zum letzten Mal das Tor des Lagers. Von Herzen war ihnen die goldene Freiheit nach dem zweijährigen, anstrengenden "Kommißleben" vergönnt! Ihnen aufgegeben zu bedenken aber war dies: Was sie während der oft gewiß schweren Zeit des Soldatenlebens gewonnen hatten an freiwilliger Unterordnung und unbedingtem Gehorsam, an Selbstbeherrschung und gestählter Willenskraft, an Ordnung und tatkräftigem Zugreifen, konnten sie ihr ganzes Leben gebrauchen! An diesem Montag, dem 08.09., trafen das I.Seebataillon aus Kiel und das II.Seebataillon aus Wilhelmshaven ein, beide übten bis zum 20.09. In dieser Zeit waren Einzel-, Gruppen- und Kompanieschießen, sowie Schießen in Bataillonsfront vorgesehen. Außerdem wurde im Bataillonsrahmen exerziert und Felddienstübungen durchgeführt. Dienstags traf eine Anzahl Soldaten der Arbeiterabteilung ein, um eine Reservisten Übung durchzumachen. Es wurde besonders die Herstellung von Schanzen und Schanzgräben geübt. Diese Soldaten blieben bis zum 23.09.. Vom 17.September bis zum 27.Oktober übte auf dem Platz eine Übungskompanie der Unteroffiziersschießschule aus Spandau-Ruhleben. Zu der Kompanie gehörten ungefähr 200 Unteroffiziere der verschiedenen Truppenteile des Deutschen Reiches. Am 23.09. übernahm die Provinzial-Chausseeverwaltung die neu gebaute Chaussee von Mühlenbarbek nach Springhoe. Diese wurde gleich dem Verkehr übergeben. Für diese Chaussee wurde der ehemalige Weg, der über den Übungsplatz vom Lockstedter Lager nach Springhoe führte am 01.Oktober gesperrt. Nachdem das von einem herrlichen Park umgebene neue Generalsgebäude fertiggestellt war, war mit Datum 01.Oktober die Bauperiode für dieses Jahr vorläufig beendet, das Baubüro mit gleichem Tag geschlossen, der Bauführer Herr Tügel, der hier über 5 Jahre gewirkt hatte, wurde ins Hauptbauamt II in Altona versetzt. In den fünf Jahren des Bauens hatte das Lockstedter Lager ein ganz anderes Aussehen bekommen. Im Lager selbst waren viele Gebäude erstellt worden: 4 Häuser à 28 Offizierswohnungen, Baracken, Küchen, Schuppen, Ställe und das große Offizierskasino. Die Kieler Chaussee säumten vier große Gebäude, die im altdeutschen Stil gebaut waren. Dazwischen lag auch das neuerbaute Posthaus, welches im vergangenen Jahr fertig gestellt wurde. Etwas außerhalb des Lagers stand der weithin sichtbare Wasserturm, von dort aus wurden jetzt alle militärischen Gebäude mit Wasser versorgt. Generalmajor Ritter, Kommandant des Truppenübungsplatzes, hatte die Räume im neuen Kommandanturgebäude noch nicht bezogen, obwohl sie bezugsfertig waren, er hatte sich geäußert, er würde voraussichtlich erst im nächsten Frühjahr seinen Wohnsitz verlegen. Auf einer Inspektionsreise begriffen, unterzog am 05.Oktober der Generalstabsarzt der Armee (höchster Militärarzt) die Räume des Lagerlazaretts einer Besichtigung. Seine Kritik fiel sehr positiv aus. Bemängelt wurde jedoch, daß das Sanitätspersonal bereits Ende September ausgedünnt würde und nur eine Notmannschaft für die übende Truppe anwesend wäre. Das hier anwesende Arbeitskommando wurde bedeutend verstärkt. Am 12.10. trafen zusätzlich 120 Pioniere ein. Da sich herausgestellt hatte, daß die meisten Häuser des vom Fiskus angekauften Dorfes Ridders sehr baufällig wurden, war von der zuständigen Behörde beabsichtigt, die Gebäude zu entfernen, um die durch Einsturz von Häusern möglichen Unglücksfälle zu verhüten. Der kürzlich durch herabstürzendes Gebälk schwer verletzte Soldat lag lange Zeit im Lazarett. Das Dorf bot einen recht trostlosen Anblick. Fenster und Türen waren in den Häusern kaum mehr vorhanden, viele Dächer waren eingestürzt und in den Straßen und den Gärten wucherte das Unkraut. Der Dampfer "Pisa" mit dem diesjährigen letzten Transport der ostasiatischen Truppen und Ablösungsmannschaften in Stärke von 24 Offizieren und 855 Unteroffizieren, war am 10.10. in Bremerhaven eingetroffen. Der Gesundheitszustand der Truppen war gut, es war kein längerer Aufenthalt im Lockstedter Lager geplant. Der drittälteste Sohn des Kaisers Seine Kaiserliche Hoheit Prinz Adalbert traf am 15.Oktober gegen 1320 Uhr im Kasino ein. Anschließend wurde eine Besichtigung der Unteroffiziersschüler, die hier ihre Gelände- und Schießübungen durchführten, unternommen. Damit ein Gefechtsschießen stattfinden konnte, war der Schießplatz von 1100 Uhr bis 2000 Uhr gesperrt. Um 1700 Uhr verließ der Prinz das Lager wieder, um nach Kiel, wo er zur dieser Zeit auf der Marineakademie war, zurückzukehren. Der Prinz war in Begleitung von 2 Offizieren und 17 Kadetten. Ein offizieller Empfang war nicht gewünscht worden und fand auch nicht statt. Es wurde zur Kenntnis gebracht, daß vom 16.10. bis 25.10. von 0600 Uhr morgens bis 2000 Uhr abends geschossen wurde. Der Platz war während dieser Zeit gesperrt. Der Kaiser hatte Oberleutnant Bagge, Regiments Adjutant im Schleswig-Holsteinischen Infanterieregiment Nr.163 aus Neumünster, für hervorragende persönliche Schießleistungen einen Ehrendegen verliehen. Der zur Lohmühle gehörende große Mühlenteich wurde von dem Pächter der Wirtschaft, Herrn Sievers, abgefischt. Der Ertrag an Karpfen war nicht überragend, waren die meisten auch nur von mittlerer Größe, dagegen wurde eine Menge Aale, zum Teil von ansehnlicher Größe gefischt. Das Arbeitskommando hatte begonnen, einen Fahrweg durch die Sumpfniederung, die sich zwischen der Lohmühle und dem "Hungrigen Wolf" befand, auszubauen. Der Weg hatte eine Länge von 180 Metern und 7 Metern Breite. Zur Herstellung des Weges waren ungefähr 1500 cbm Erde und 1.200-1.500 Faschinen erforderlich. Das Generalkommando hatte vor einigen Tagen bekanntgemacht, daß, entgegen mehrerer Zeitungsmeldungen, in diesem Herbst noch nicht mit dem Abbrechen der Häuser in Ridders begonnen werden würde. Heute am Geburtstag der Kaiserin (22.10.), wurden die Soldaten des Arbeitskommandos nach ihrer Arbeit mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Die in diesem Jahr gegründete freiwillige Feuerwehr des Lockstedter Lagers hielt unter ihrem Hauptmann, dem Bäckermeister Hahn, am Sonntag, dem 26.Oktober, ihre erste größere Übung ab. Die Zwangsfeuerwehr mußte an derselben teilnehmen. Die freiwillige Feuerwehr war zu diesem Einsatz bereits vollständig uniformiert. Das neue Spritzenhaus mit dem Steigerturm standen am Marktplatz. Das Personal der Militärfeuerwehr nahm mit zwei Spritzen an der Übung teil. Während die Feuerwehrleute beim Bier saßen, trug sich auf dem Bahnhof eine wenig erfreuliche Geschichte zu. Ein Unteroffizier der Schießschule kam mit dem 2030 Uhr Zug in angetrunkenem Zustande an. Er konnte dem Kontrolleur an der Ausgangssperre keine Fahrkarte vorzeigen und mußte deshalb mit zum Stationsvorsteher. Im Büro des Stationsleiters wurde er aufgefordert, seine Eisenbahnfahrt zu bezahlen. Anstatt aber nach dem Geld zu greifen, zog er sein Seitengewehr und bedrängte den Bahnhofsvorsteher und den Bahnsteigschaffner. Es gelang den Beiden aber ihn zu bändigen. Nachdem er dann gezahlt hatte, ließ man ihn laufen. Anstatt nun ruhig zur Unterkunft zu gehen, ging er ins Wartezimmer und bat den Bahnhofswirt, ihm doch den Weg ins Lager zu zeigen, da er sich nicht zurechtfinden könne. Der Wirt, der von dem vorangegangenen Handgemenge nichts wußte, kam seinem Wunsch nach. Kaum waren sie draußen, zog der Unteroffizier wieder seine Waffe und wollte nun dem Wirt ans Leder. Glücklicherweise entging dieser den Hieben. Erst als die Wache gerufen wurde, ergriff der Held die Flucht. Die Unteroffiziersschießschule Spandau-Ruhleben hatte die Schießübungen abgeschlossen und das Lager am 28.10. verlassen. Damit war die Militärsaison für dieses Jahr gänzlich beendet. Bis zum April des nächsten Jahres blieb hier nur das Wach- und Arbeitskommando. Die beiden großen Karpfenteiche, die an der Straße zwischen Bücken und dem Lockstedter Lager lagen wurden durch die Soldaten der Kommandantur abgefischt. Das Resultat war befriedigend. Bei der am 03.November auf dem Bückener Feld abgehaltenen Hubertusjagd erhielt den Fuchsschwanz Leutnant Raecke. Bei den darauf folgenden zwei Rennen erhielten im ersten Leutnant Häseler den ersten, Leutnant Schultz den zweiten und Oberleutnant Brüggemann den dritten Preis. Im zweiten Rennen Hauptmann Wachs den ersten und Oberleutnant Beyer den zweiten Preis. Mit der Regimentsmusik traf die Jagdgesellschaft beim Kasino ein. Der 0830 Uhr Zug hatte am 04.11. kurz hinter dem Bahnhof Lockstedter Lager einen unfreiwilligen Aufenthalt. Es wurde nämlich ein Pferd, das ein Pferdemetzger aus Kellinghusen gekauft hatte, überfahren. Das Pferd war aus einer Durchfahrt im Lockstedter Lager, wo der Schlachter das Pferd angebunden hatte, weggelaufen und dann beim überqueren des Bahndammes gerammt worden. Erst nachdem das tote Tier von den Schienen entfernt war, konnte der Zug weiterfahren. Aus Altona wurde der Kommandantur mitgeteilt, daß der Kaiser eine neue evangelische und katholische militärkirchliche Dienstordnung erlassen hätte. Danach gehörten die evangelischen Militär Oberpfarrer in Zukunft zum Stabe des Generalkommandos. Sie wären nicht mehr den Divisionen oder Gouvernements zugeteilt. Die meisten der nicht öffentlichen Wege des Kreises, so genannte Feldwege, wurden seit Anfang des Monats durch Wegweiser gekennzeichnet. Die Beschilderung sollte besonders in Manöverzeiten dazu dienen, um im Gelände irrtümliche Marschrichtungen zu verhüten. Am 16. dieses Monats traf vom Infanterieregiment Nr.163 aus Neumünster ein ungefähr 40 Mann starkes Vorkommando ein, um die geplanten Schießvorhaben vorzubereiten. Am 17. folgten mehr als 200 Mann des gleichen Regiments, um hier Schießübungen und Übungen im Entfernungsschätzen vorzunehmen. Diese Abteilung blieb bis zum 19.November dann folgten in den nächsten Tagen andere Abteilungen. Und am 20.November kam wieder eine Abteilung Militär in Stärke von ungefähr 200 Mann von dem Infanterieregiment Nr.163 aus Heide und blieb bis zum 21.November. Vom 25. bis 28.November waren Abteilungen des Infanterieregiments Nr.85 aus Rendsburg anwesend. Alle Abteilungen hatten Gefechtsschießen, daher war der Truppenübungsplatz am 20. bis 27.November von 0530 Uhr bis 2000 Uhr abends gesperrt. In der Gemeinschaftsschule war eine Schulbücherei eingerichtet worden. Die momentan vorhandenen 30 Bände waren ein Geschenk des Kreis Steinburger Gemeinnützigen Vereins. Zur weiteren Vervollständigung der Bücherei hatte die örtliche Schulgemeinde jährlich 10 Mark bewilligt. Die Königliche Regierung hatte endlich ihre Zustimmung zur Anstellung eines zweiten Lehrers an der Gemeinschaftsschule gegeben. Sie gewährte dazu eine Beihilfe von 700 Mark. Die Gemeinde brauchte nicht erst bauliche Veränderungen vorzunehmen, da bereits ein zweites Klassenzimmer wie auch eine zweite Lehrerwohnung, bestehend aus fünf Zimmern, Küche, Speisekammer und Keller, vorhanden waren. Der Wunsch der Eltern mit schulpflichtigen Kindern war daher der, daß die Stelle so bald wie möglich besetzt werde. Am 04.Dezember wurden auf dem hiesigen Bahnhof ungefähr 4.000 Weihnachtsbäume verladen. Dieselben waren von Herrn Möller aus Schlotfeld und Voß aus Oelixdorf vom Militärfiskus gekauft worden und zwar das Stück durchschnittlich 0,20 M. Sie waren für Berlin bestimmt. Die Gemeinschaftsschule bekam vom Kreis Steinburger Gemeinnützigen Verein zwei recht wertvolle Geschenke, nämlich zwei Bücher "Geschichtsabriß der deutschen Schiffahrt im 19. Jahrhundert" und "Unter der Flagge der Hamburg-Amerika-Linie", sowie zwei große Bilder; das eine stellte die Entwicklung der Hamburg-Amerika-Linie von 1847-1901 dar und das andere zeigte einen Längsschnitt des Doppelschraubendampfers "Deutschland". Um freies Gelände zu bekommen, ließ die Garnisonsverwaltung auf der Walderseehöhe eine größere Anzahl von Bäumen und Sträuchern entfernen. Diese Arbeit hatten die Herren Böge aus Rostorf und Caspersen aus Neumünster übernommen. Am 15.Dezember hatten die Männer damit begonnen, am nächsten Tag schickten sie schon ungefähr 2.000 Tannenbäume nach Hamburg, die dort als Weihnachtsbäume in den Handel kamen. Die Arbeiten wurden noch vor dem Weihnachtsfest abgeschlossen. Ebenfalls kurz vor den Feiertagen konnte man hektische Aktivitäten im Bereich der Laderampen beobachten. Viehhändler der Gegend waren damit beschäftigt mehrere hundert Schweine in die Viehwagen zu pferchen, sie sollten Hamburg noch rechtzeitig zum großen Geschäft erreichen. Vier Tage vor Weihnachten verließ das Verstärkungskommando das Lager mit dem ersten Zug. Dasselbe bestand aus 115 Mann und hatte hier 10 Wochen dem Arbeitskommando zur Seite gestanden. In dieser Zeit hatte es zunächst einen breiten Fahrdamm zwischen Bücken und dem Hungrigen Wolf angelegt, darauf vier von den so genannten Rehbrücken in der Nähe der Försterei Rantzau abgebrochen und dafür Tonröhren gelegt und schließlich einige Erdwälle eingeebnet und verschiedene Wege des Übungsplatzes ausgebessert. Gleich nach Neujahr sollte ein neues Verstärkungskommando eintreffen. Seit Jahren war die Gemeinde bemüht, die öffentlichen Wege durch Anpflanzungen von Allee- und Obstbäumen zu verschönern und aus letzteren Nutzen zu ziehen. Doch es gab auch seinerzeit Menschen, die sich nicht scheuten, aus bloßem Mutwillen einen jungen Obstbaum oder Waldbaum zu vernichten. Das waren die Erfahrungen, so lange die Anpflanzungen bestanden. Besonders im Sommer und Herbst hatten die Bäume viel zu leiden. Entweder lag die Krone abgebrochen daneben oder einzelne Äste hingen geknickt am Baum. Leider gelang es nie, einen Baumfrevler auf frischer Tat zu ertappen. Er hätte natürlich eine exemplarische Strafe zu gewärtigen gehabt. Es war endgültig beschlossen, daß die Gebäude des Dorfes Ridders abgebrochen werden. Einige Mauern sollten in einer Höhe von 1,5 Metern stehen bleiben, dieselben sollten als Deckung für die Infanterie dienen. Das Abbrechen würde aber nicht wie seiner Zeit erwähnt, von dem Arbeitskommando vorgenommen, sondern durch einen Zivilbauunternehmer. Der orkanartige Sturmwind, der in der Nacht vom 25. zum 26.12. wütete, verursachte bei der Seltersfabrik großen Schaden. Er riß das ganze Dach des Hauses weg. Das Dach wurde vom Sturm auf dem Schulhof getragen und knickte dort zwei Bäume und die eiserne Pumpe um. Auch im militärischen Teil und auf dem Übungsplatz wurde erheblicher Schaden durch beschädigte Dächer, zerbrochene Fensterscheiben und umgestürzte Bäume angerichtet. |