Bekleidungswirtschaft im Lager


In Friedenszeiten, zur Zeit der blauen Uniform, wurden jedem Soldaten vier Uniformen zur Verfügung gestellt. Man sprach in diesem Zusammenhang von Garnituren, und zwar in der Reihenfolge von der ersten bis zur letzten Garnitur. Die erste Garnitur (daher leiten sich Sprüche ab) wurde nur zu besonderen Anlässen empfangen, Feiertage wie Kaisers Geburtstag, Paraden zu Jahrestagen etc. Die zweite Garnitur wurde zu weniger wichtigen Ereignissen an denen das Militär teilnahm ausgegeben. (Paraden, hohe Fest- und Feiertage) Wenn eine Einheit an solchen Tagen auf dem Übungsplatz war, dann hatte der Kammerunteroffizier der Einheit für die Mannschaften, die zum Antreten befohlen wurden, die erste oder zweite Garnitur auf der Garnisonskammer zu empfangen. Es ist an dem Begriff "ausgegeben" zu erkennen, daß die Uniform nicht ständig beim Soldaten aufbewahrt wurde und es auch nicht sicher war, daß ihm auf der Kammer immer die gleiche Uniform ausgehändigt wurde. Beim Soldaten selbst wurde die dritte und vierte Garnitur aufbewahrt. Die dritte Garnitur trug der Soldat wenn er Ausgang hatte oder zu anderen wichtigen Gelegenheiten. Die vierte Garnitur wurde zu anderen Diensten getragen.

Unteroffiziere und Mannschaften trugen beim Kasernendienst und im Lager einen leinenen Drillichanzug aus gebleichtem Stoff, im Sommer wurde meist nur die Hose desselben getragen. Nach der Ausbildung mußten die Drillichs oder die Garnitur gesäubert, meist gewaschen oder geschrubbt werden, weil das Zeug am nächsten Morgen wieder sauber sein mußte. Zum Trocknen hatte die Bekleidung selten Gelegenheit und oft mußte sie am nächsten Morgen noch feucht angezogen werden. Das Waschen der Montur wurde von allen Betroffenen in Putz- und Flickstunden durchgeführt. Ehe die Waschkoben im Lager fertig gebaut waren, wurde in Zubern gewaschen, wobei in den wenigsten Fällen warmes Wasser zur Verfügung stand. War der Drillich oder die Dienstgarnitur besonders verschmutzt, so waren die Sachen vorher einzuweichen und wenn möglich mit mäßig warmem Wasser zu waschen. Unterzeug war nur in kaltem, höchstens lauwarmem Wasser zu waschen. In heißem Wasser lief die Wäsche stark ein, wurde hart, gelb und filzig. Es wurde angeraten, eine Seifenlauge herzustellen, anstatt die Seife direkt auf die Wolle zu reiben. Der Gebrauch der Wurzelbürste war bei Unterzeug untersagt. Pro Tag und Mann erhielten die Soldaten unentgeltlich 20g Seife und Soda zur Reinigung. Nach dem Waschen war das Zeug sorgfältig mit reinem Wasser auszuspülen und gut auszuwringen. Die Wäsche wurde zum Trocknen in den Trockenraum gehängt.

Wenn kein Geländedienst versehen wurde, fand das Waschen des Zeugs gewöhnlich zweimal in der Woche zu im Dienstplan angegebenen Zeiten an vorgegebenen Waschplätzen statt. Es durfte nicht zu anderen Zeiten gewaschen werden. Soldaten, die während der Waschzeit Dienst hatten wurde eine andere Waschzeit gegeben. Das Zeug Kranker wurde von anderen der Korporalschaft gewaschen.

Die Bekleidungsstücke durften nur gereinigt und trocken aufbewahrt werden. Dem Zusammenlegen hatte stets das Reinigen und Trocknen vorauszugehen, da nasses Zeug Stockflecken bekommt und sehr schnell verrottet, wenn es zusammengepackt wird. Jeder Mann, dessen Zeug naß geworden war, hatte daher beim Umziehen sogleich um die Erlaubnis nachzusuchen, sein Zeug zum Trocknen aufzuhängen. Wer es unterließ, machte sich strafbar und schädigte sich, weil er das Zeug bezahlen mußte. Sämtliche übrigen Bekleidungsstücke waren vierkant zusammenzulegen. Schuhzeug mußte stets gereinigt in den Stiefelbeuteln verstaut werden. Es waren nur gereinigte Sachen im Spind aufzubewahren.

Vor dem Abrücken in die Garnison fand im Lager ein Bekleidungsappell statt, bei der die Korporalschaftsführer die Vollzähligkeit der Ausrüstung prüften und der Einheitsführer sich vom Zustand der Bekleidung seiner Leute überzeugte und bestimmte, welche Sachen in der Garnisonskammer durch neue ersetzt werden sollten. Jeder Soldat hatte sich vorschriftsmäßig zu kleiden. Er mußte den befohlenen Anzug in der vorgeschriebenen Weise tragen. Die Bekleidung mußte sauber und unbeschädigt sein und dem Soldaten passen. Einmal im Monat konnte in der Kammer für zerschlissene oder beschädigte Stücke Ersatz erbeten werden oder es wurde vom Einheitsführer befohlen, welche Bekleidung von der Kammer zu empfangen war. Der Korporalschaftsführer sorgte dafür, daß seine Untergebenen nur gut sitzendes Zeug erhielten. Selbst beschaffte Unterhosen und Strümpfe durften von den Unteroffizieren und Mannschaften in und außer Dienst getragen werden.

Die Uniformen wurden sorgsam behandelt. Vom ständigen exerzieren mit dem Gewehr (Griffe klopfen) zeigte die Uniform durch das Scheuern des Gewehrriemens auf der linken Achsel Abnutzungserscheinigung, der Stoff wurde dünn, manchmal war er sogar durchgescheuert. In diesen Fällen konnten für die Dienstgarnitur vom Kammerverwalter Schulterschoner empfangen werden, ein Stück Stoff von einer ausgesonderten Garnitur mit Bändern. Vor dem Exerzieren mit dem Gewehr wurde der Lappen auf der linken Schulter befestigt.

Um 1907/08 fanden Versuche mit einer neuen Uniform statt, deren Farbe eine Schutzfunktion erfüllen sollte. Die neue feldgraue Uniform 1907/10 wird 1910 als Felduniform eingeführt.

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