Besichtigung des Holstein-Lauenburgischen Kontingents
vom 22.September bis 04.Oktober 1846 auf der Lockstedter Heide

Im April 1846 wurde in den Gazetten gemeldet, daß eine Besichtigung des Holstein-Lauenburgischen Kontingents, welches gemäß der Kriegsverfassung des Deutschen Bundes alle fünf Jahre durch den Bund inspiziert werden sollte, im Jahre 1846 wieder vorgenommen werden würde, da die erste Besichtigung im Jahre 1841 statt gefunden hätte. In diesem Jahr sollte die Überprüfung nicht nur in den Standorten geschehen, sondern es sollte im Herbst eine Zusammenziehung des ganzen Kontingents auf der Heide bei Lockstedt durchgeführt werden.

Dieser Ankündigung folgte im Mai der Befehl zur Durchführung der Besichtigung. Danach sollten die Truppen in den Herzogtümern, die dem Generalkommando unterstellt waren, ihre Reservisten einberufen, sie in den Standorten versammeln und durch Exerzieren auf die Übung vorbereiten. Der Abmarsch in die Gegend zwischen Itzehoe, Kellinghusen und Lockstedt hätte so rechtzeitig zu erfolgen, daß die Einheiten am 22.September im Übungsgebiet eingetroffen waren. Die Artillerie und Kavallerie in den zugewiesenen Quartieren in den umliegenden Orten und die Infanterie im vorbereiteten Lager auf der Heide. Die Manöverdauer war festgesetzt bis 04.Oktober, ab dem 05.Oktober war der Abmarsch zurück in die Standorte geplant. Nach Ankunft in den Heimatstandorten sollten dann die Reservisten entlassen und die Distriktspferde nach Hause geschickt werden. Die Truppe hatte für die Übung ihre volle Friedensstärke einzuberufen. Reservisten und Distriktspferde wurden vom 2.Artillerie Regiment und von der 3.Kavalleriebrigade zum 21.August einberufen.

Die Artillerie trifft zur Concentrierung bei Lockstedt mit 2 fahrenden sechspfündigen Batterien à 8 Piecen, 4 Amusetten, der Biragoschen Brücke (1) und dem nöthigen Train ein.

In den Herzogtümern wurden zwei Allerhöchste Parolebefehle veröffentlicht.

Parolebefehl vom 07.August:

1.) Captain v. Hennings vom 2ten Artillerie Regiment wird beordert, Adjutantendienste bei dem commandirenden General in den Herzogthümern, vom 16ten Septbr. d.J. an bis die Truppenversammlung bei Lockstedt zu Ende ist, zu verrichten.
2.) Zur Dienstverrichtung während der diesjährigen Exercirzeit bei den dem Generalcommando in den Herzogthümern untergeordneten Truppen werden beordert: die Secondelieutenants E.W. v.Neergaard und F.B. v.Brockdorff vom 6ten Dragoner Regiment beim 1ten Dragoner Regiment, der Secondelieutenant B.W. v.Bauditz vom 3ten Dragoner Regiment und A.S.H. v.Flindt vom 4ten Dragoner Regiment beim 2ten Dragoner Regiment; der Premierlieutenant D.E.F. v.Saabye vom 1ten und der Secondelieutenant H.F. v.Wedelfeldt vom 9ten Linieninfanteriebatillon beim 14ten Bataillon; der Secondelieutenant C.S. v.Husum vom 12ten Bataillon beim 15ten Bataillon; die Secondelieutenants S.J. v.Wedege vom 6ten Bataillon und S.R.U. v.Lundbye vom 13ten Bataillon beim 17ten Bataillon; die Secondelieutenants L. v.Lohse vom 1ten Jägercorps und C. v.Recke vom 2ten Jägercorps beim 4ten Jägercorps, sowie die Secondelieutenants J.P.W. v.Borck vom 2ten Jägercorps, J.N. v.Lund und P.G. v.Klein vom 3ten Jägercorps beim 5ten Jägercorps.

Parolebefehl vom 18.August:

Infolge deshalb von Sr. Durchlaucht dem Generallieutenant Prinzen Friedrich Emil August zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, commandirendem General in den Herzogthümern, eingegeben unterthänigsten Ansuchung bewilligen Wir hiermit gnädigst, daß er das bemeldete Generalcommando niederlege, und wird Se. Durchlaucht à la suite (2) in der Armee gesetzt. Wir wollen dabei, daß der Commandeur der 4ten Infanteriebrigade, Generalmajor Gotthard v. Lützow, bis weiter das Generalcommando in den Herzogthümern übernehme.

Christian R.


Am 10.September begann die 2.Ingenieurcompanie unter Captain v.Ernst das Lager bei Springhoe aufzubauen und einen Teil der notwendigen Arbeiten auszuführen. Während dieser Zeit waren die Soldaten der Kompanie in Lockstedt einquartiert.

In Itzehoe traf am 23.September ein Kommando, bestehend aus einem Offizier, zwei Unteroffizieren, zehn Dragonern und 23 Pferden von den in Jütland und Fünen stationierten Dragoner Regimentern ein. Die Pferde waren zum Gebrauch für fremde Offiziere bestimmt, welche die Manöver bei Lockstedt beobachten wollten.

Die Truppenversammlung begann am 22.September. In das Lager bei Springhoe, rückte die Infanterie mit 6 Bataillonen ein, nämlich:

4.Jägercorps unter Oberstleutnant v.Renouard
11.Infanteriebataillon unter Major v.Zeska
15.Infanteriebataillon unter Major v.Schröder
16.Infanteriebataillon unter Oberstleutnant Graf v.Baudissin
17.Infanteriebataillon unter Oberst v.Lobedanz
5.Jägercorps unter Oberst v.Högh


Die Bataillone lagerten in der angeführten Ordnung; die 4 letztgenannten gehörten zum Holstein-Lauenburgischen Kontingent.
Das 4.Jägercorps war als Holsteinisches Corps zur Übung befohlen.

Auf dem rechten Flügel der Infanterie lagerte die 2.Ingenieurcompagnie unter Captain v.Ernst, welche das Lager aufgeschlagen und vorher schon einen Teil der nötigen Arbeiten ausgeführt hatte.

Lagerkommandant war Oberst v.Lobedanz, Lagermajor Captain v.Abercrom.

In den Quartieren Kellinghusen, Mühlenbarbek, Lohbarbek, Winseldorf, Rade, Rensing und Oeschebüttel lag die Artillerie, nämlich:

2 sechspfündige(3) fahrende Batterien, à 8 Piecen, unter den Captains v.Schuß und v.Schultz, und 4 Amusetten unter Premierleutnant v.Feldmann. Die ganze Artillerie unter Major v.Brechwoldt und die aus 5 Escadrons bestehende Kavallerie.

Das 2.Dragoner Regiment unter Oberstleutnant v.Flindt war in Itzehoe stationiert, eine Escadron vom 1.Dragonerregiment, unter Premierleutnant v.Matheson, war in Kellinghusen untergebracht, wozu noch eine Escadron vom 1.Dragonerregiment, unter Rittmeister v.Harbord kam, die am 29.September ins Quartier in Ridders, Peißen und Silzen einrückte.




Stab und 2 Escadrons vom 1.Dragoner Regiment nahmen nicht an der Truppenversammlung teil, da sie in Kiel und Schleswig bleiben mußten.

Der Kommandierende General, Generalmajor v.Lützow, hatte sein Hauptquartier in Lockstedt. Chef des Generalkommandostabs war Oberst v.Römeling, dazu gehörten, zum Generalstab befohlen, Major v.Baggesen, Rittmeister du Plat und Captain Diedrichsen. Ferner waren in Lockstedt der Infanteriebrigadestab unter Oberst v.Högh und der Kavalleriebrigadestab unter Generalmajor v.Castenschjold untergebracht.

In Itzehoe trafen am 27.September die von Seiten des Deutschen Bundes zur Besichtigung des Holstein-Lauenburgischen Militär-Kontingents gemäß Bundesbeschluß vom 25.Juni 1846 bestimmten drei Generalstabsoffiziere ein. Von der Kavallerie der preußische Generalleutnant v.Wrangel, von der Artillerie der württembergische Generalleutnant v.Brandt und der nassauische Generalmajor v.Preen von der Infanterie. Die Stabsoffiziere inspizierten am 28.September die Infanterie und die Artillerie, am 29. die Kavallerie des Kontingents. Die drei Stabsoffiziere hatten zuvor bei Schwerin das vom 17. bis 19.September andauernde Manöver des 1.Großherzoglich Mecklenburgischen Dragoner Regiments Nr.17 beobachtet.

Am Donnerstag, den 01.Oktober, erwarteten die unter dem Kommando von Generalmajor v.Lützow auf der Lockstedter Heide zusammengezogenen Truppen auf dem Exerzierplatz vor dem Lager in Paradeaufstellung, den König und die Königin mit deren Gefolge, um eine Musterung über sich ergehen zu lassen. Der König, welcher zuerst die Front der in zwei Linien in Parade aufgestellten Truppen abschritt, ließ darauf folgend, die Truppen an sich vorbeimarschieren. Die Infanterie marschierte im Paradeschritt vorbei, die Kavallerie und Artillerie im Schritt, Trab oder Galopp. Nach der Parade fand ein Linienmanöver statt. (Linienmanöver war die übliche Kampfformation der Infanterie. Die Soldaten stellten sich in Reih und Glied auf und feuerten als sogenannte Schützenlinie auf Kommando. Der Offizier stand mit der Pistole hinter den Soldaten. Im Kriegsfall resultierte diese Aufstellung in einer grässlichen Schlachterei...) Für das befohlene Manöver stellte sich Major v.Baggesen mit seiner Escadron und 4 Amusetten 1.000 Meter südlich von Lehmkuhl und Hohenfiert, ungefähr in der Mitte zwischen diesen beiden Gehölzen auf, um die Feuerlinie des Feindes zu bilden, während sich die Division zu einer Gefechtskolonne formierte. "Nach einer Reihe hübscher Evolutionen, während welcher der Sieg auf beiden Seiten zu schwanken schien, ward der fingierte Feind durch lebhaftes Artilleriefeuer und Kavallerieattacken zum Weichen gebracht, worauf das Manöver in einer Paradestellung endete". Nachdem die Infanterie wieder in das Lager eingerückt war, fuhren der König und die Königin durch dasselbe und kehrten dann nach Louisenberg zurück, von wo aus König und Königin später weiter reisten.




Am 02.Oktober begannen die Feldmanöver. (Unter dem Kommando des Oberst v.Högh wurde ein Feindkommando eingesetzt. 4 Amusetten, 1 Escadron Dragoner und 1 Jägerbataillon. Das Kommando sollte 16 Geschütze, 4 Escadrons Kavallerie und 4 Bataillone Infanterie darstellen.)

Oberst v.Högh erwartete mit seiner Division in einer Stellung östlich von Winseldorf den Angriff, während die Division des Generalmajors v.Lützow sich dicht an der Kreuzung, gebildet durch die Wege von Ridders nach Mühlenbarbek und von Itzehoe über Oesau nach Lockstedt, aufstellte. Die Lützowsche Division hatte den Befehl, die Enge von Oesau zu gewinnen. Um diese Absicht zu verschleiern, wurde zeitgleich mit dem Vormarsch ein Scheinangriff auf Winseldorf unternommen. Das Ziel, die Enge, wurde genommen, darauf­hin Winseldorf vom Feind geräumt. Die Sieger postierten sich hinter Winseldorf. Ein Teil der Kavallerie wurde über die Enge von Oesau vorgeschoben. Durch einen geschickt von Oberst v.Högh befohlenen Gegenangriff mußte die Lützowsche Division das zuvor besetzte Gebiet wieder räumen. Der Rückzug von Lützow geschah nicht in wilder Flucht, langsam sich zurückziehend näherte sich seine Division, schachbrettartig formiert, wieder der Enge. Schneller überwanden Kavallerie und Artillerie den Durchgang, letztere deckte den Rückzug der eigenen Infanterie durch lebhaftes Feuer auf die Verfolger. Nachdem die Enge passiert war, stellte die Division sich in einer Auffangstellung auf und erreichte, daß der feindliche Vormarsch gestoppt wurde. Damit endete das Geschehen des ersten Tages.




Der erste Kanonenschuß, der beide Parteien am Morgen des 03.Oktobers zum kriegerischen Spiel einlud, fand die Stellungen derselben verändert. Es war angenommen worden, daß die Lützowsche Division, im Begriff ihren Rückzug bis über die Stör fortzusetzen, in der Nacht eine Absetzbewegung bis hinter den von Lohbarbek nach Ridders führenden Weg gemacht hatte, um einen Vorsprung vor der Höghschen Division, die am vorhergehenden Tag ihre Stellung behauptet und ausgeweitet hatte, zu gewinnen. Die Höghsche Division hatte den Rückzug von Lützow aufgeklärt und war gefolgt, um zum Gegner Fühlung zu halten. Die Lützowsche Division nahm dann eine Stellung ein, deren vorderste Linie durch den östlichen Weg von Lohbarbek nach Ridders bezeichnet wurde. Eine vorgeschobene Abteilung stand zwischen Lohbarbek und Mühlenbarbek um, nachdem die sich zurückziehende Division den dortigen Engpaß passiert hatte, nach Mühlenbarbek zu verlegen und alle westlichen Zugänge dieses Dorfes zu besetzen bis die Division dasselbe passiert hatte. Zirka 1.000 Meter westlich stand die Höghsche Division und sowie der Signalschuß gefallen war, begannen Angriff und weiterer Rückzug. Das Terrain, welches den Schauplatz bildete, war mit Ausnahme der Mühlenbarbeker Enge nur durch leichte Erdwälle geschützt, die, so vorteilhaft sie für Schützen waren, doch der Masse der Division keinen ausreichenden Schutz bieten konnten. Es lag daher in der Natur der Sache, daß die Truppen auf ihrem Rückzug ihren Schutz hauptsächlich in der gegenseitigen Unterstützung finden konnten. Der Rückzug erfolgte geordnet, indem die weichende Linie von der zu ihrem Schutz hinter ihr aufgestellten Linie aufgenommen wurde. Wo das Gelände es erlaubte, deckten Kavalleristen den Rückzug und die dem Feinde am nächsten stehende Linie hatte noch Schützen vor sich, die von der Artillerie unterstützt wurden. Wo in der Nähe der Mühlenbarbeker Enge, durch den der Rückzug gehen sollte, sich die Wege, die als Rückzugswege dienten, einander näherten, mußten die Kräfte sich konzentrieren. Die Division fühlte sich stark genug ein Verzögerungsgefecht zu führen, ehe sie die Enge passierte. Wichtig waren örtlich begrenzt vorgetragene Gegenangriffe, um den Feind zu verunsichern und um Zeit zu gewinnen, den Engpaß zu überwinden, ehe der Feind einen Angriff unternehmen könnte, der im kritischen Moment des Durchzuges alle Chancen des Erfolges für sich gehabt haben würde. Daher eröffnete die Artillerie ein Sperrfeuer, das 300 bis 500 Meter vor Mühlenbarbek lag. Die zweite Linie der Infanterie zog durch die Lücken der ersten zurück. Die Kavallerie wurde, aus verschiedenen Richtungen, in rascher Folge zum Gegenangriff befohlen. Durch diese Maßnahmen gewann die Artilleriereserve der Division Zeit, hinter dem Dorf eine Position einzunehmen, von wo aus sie den weiteren Rückzug decken konnte. Ihr folgte die sich zurückziehende Kavallerie gemeinsam mit einem weiteren Teil der Artillerie. Darauf folgten die langsam zurückgehenden Fußvölker, die durch das Feuer der begleitenden Kanonen und eigenen Schützen vor der Linie geschützt, auf das Dorf zurückwichen und hielten danach die Eingänge des Dorfes besetzt, bis die Enge passiert war.

Der Rückzug durch die Mühlenbarbeker Enge bildete ohne Frage den Glanzpunkt der Manöver. Das heftige Feuer, die raschen Angriffe und Rückzüge der sich aufnehmenden Kompaniekolonnen bildeten mit den raschen Vorstößen der Kavallerie, dem ununterbrochenen stören der Tiralleure und den wechselnden Signalen ein anschauliches Bild eines möglichen ernsten Waffenspiels, während zugleich die hin- und hersprengenden Ordonanzen und die geschäftige Wirksamkeit der Pioniere, die überall, wo es nötig war, die Erdwälle befestigten, daran erinnerten, daß das vereinte Wirken der verschiedenartigen Tätigkeiten nötig ist.

Der Rückzug endete 1.200 Meter östlich von Mühlenbarbek, und damit auch das Manöver. Anschließend vereinigten sich Freund und Feind in Paradeaufstellung zur Abschlußbesprechung und Wertung. Die Manöver waren ohne nennenswerte Unglücksfälle abgelaufen, auch der Gesundheitszustand der Truppen im Lager und in den Quartieren wurde als gut bezeichnet.




Von den Bundesgenerälen war Generalleutnant v.Brandt durch die Folgen eines Sturzes an mehreren Tagen verhindert der Besichtigung und den taktischen Übungen beizuwohnen. Alle Inspektionsgeneräle hatten sich zufrieden über die Leistungen des Kontingents und den Zustand des Materials ausgesprochen.

Die Marsch- und Cantonementszulagen, (Bundeswehr-Sprachgebrauch "Buschgeld") welche den Offizieren zu­stand, hatte der König für die bei Lockstedt im Lager und Cantonement gewesenen Offiziere und Mittelstabspersonen, (Unteroffiziere) in Anbetracht des hohen Lebensmittelpreises, nachträglich verdoppelt.

In nachfolgendem Zeitungsartikel wird zum erstenmal der militärgeographische Begriff "Lockstedter Lager" gebraucht.

Schleswig, im Octbr.
Militairisches


Am 6ten d. M. kehrte das 1ste Dragoner Regiment und das 4te Jägerbataillon vom Lockstedter Lager in ihre Garnison zurück; das erstere unter Trompetenschall, in ordnungsmäßig geschlossenen Reihen, das letztere hingegen, als hätte es in irgend einer Bataille eine Niederlage erlitten; Einzelne zu Fuß, ermüdet, Andere in Wagen verpackt, auf Stroh und Säcken gelagert, als wären es Kranke und Blessirte; selbst Fahnen flatterten von den Wagen herab, worauf die Träger derselben, gleich verwundeten Kämpfern, placirt waren. Wem fielen nicht bei diesem Anblick alte Heldengeschichten ein, welche uns erzählen von tapferen Kriegern, die sterbend noch die mit ihrem Herzblut vertheidigte Fahne an ihre bleichen Lippen drückten. Da unsere Krieger indeß bei dem Allen ein sehr frisches, gesundes Aussehen hatten, ward schnell diese tragische Illusion wieder aufgehoben. Vom Lockstedter Lager selbst erzählt man hier unter Anderem auch, daß Se. Majestät an dem Morgen, nachdem Derselbe die Kirche in Kellinghusen besucht, sich nach dem Lager begeben, um das Treiben in demselben anzusehen, dort zu Fuß zwischen den Zeltreihen umhergegangen sei und das Innere der Zelte in Augenschein genommen habe. Die sämmtlichen Unterofficiere, heißt es ferner, beabsichtigten, den König bei seiner Ankunft auf Louisenberg mit einem eigends dazu gedichteten und vom Musikdirector Wagner componirten Liede zu begrüßen, welches ihnen indeß vereitelt worden. An jenem Morgen nun, bei der Anwesenheit Sr. Majestät im Lager, fanden sich die Unterofficiere bewogen, dem Herrscher ihre Huldigung in dem erwähnten Liede, von dem wir folgende Strophe anführen wollen, darzubringen.


Wie jüngst im Geist der Zeit durch Deine Milde
Auch uns`res Standes Sclavensessel sank,
So lebt mit Deinem theuren Herrscherbilde
Im Herzen ewig uns`rer Liebe dank.
Es hat Deine Huld, wir verkünden es laut.
Ein Denkmal des Dankes für ewig gebaut.


Die Sänger, einen Halbkreis bildend, in deren Mitte der König sich befand, erfreuten sich nach Beendigung des Liedes eines huldvollen Dankes und sprach der König sich in freundlichen Worten dahin aus, daß er die Classe der Unterofficiere von je her hochgeschätzt habe, und sie die volle Ueberzeugung mit sich nehmen dürften, er werde auch in der Folge für ihren Stand Alles thun, was er könne. Daß diese Worte mit einem jubelnden einstimmigen Hoch beantwortet wurden, bedarf wohl keiner Erwähnung.


1847

26.August 1847
Auf der Lockstedter Heide zwischen Kellinghusen und Lockstedt war vor einiger Zeit ein Heide- und Moorbrand ausgebrochen. Obgleich bedeutende Kräfte zur Brandbekämpfung aufgeboten worden waren, war es bis zum o.a. Zeitpunkt nicht gelungen den Brand einzudämmen. Die für die Brandbekämpfung eingesetzten Kräfte hofften, daß es bald stark regnen und der Regen dann den Brand löschen würde.

Itzehoe, den 27.September 1847
Der commandierende General in den Herzogthümern, Herr Generalmajor v.Lützow, traf gestern Abend von Glückstadt hieselbst ein, hielt heute Morgen auf dem Exerzierplatze bei Schlotfeld Revue über die beiden hieselbst garnisonirenden Escadrons des 2ten Dragoner Regiments, und ist bald darauf vom Platze weiter nach Rendsburg gefahren.

02.Dezember 1847
Gesetzgebung und Verwaltung
Bekanntmachung aus der Königl. Schlesw.-Holst. Regierung auf Gottorf vom 18ten Novbr. 1847
Unter Bezugnahme auf die diesseitigen Bekanntmachungen vom 22sten Juli 1844, vom 21sten Jan., 24sten Octbr. und 22sten Decbr. 1845, betreffen die Eröffnung der Chaussee von Itzehoe bis Rendsburg, von Rendsburg nach Schleswig und von Helligbeck nach Flensburg, wird hierdurch zur öffentlichen Kunde gebracht, daß die bisher gestattete Benutzung dieser Chausseen mit Frachtwagen, welche einen nicht völlig 4 Zoll breiten Radfelgenbeschlag haben, vom 1sten Jan. 1848 an nicht länger zulässig ist, also von diesem Tage an die im §.92 der Wegeverordnung vom 1ten März 1842 gegebenen Vorschriften für die Benutzung der Kunststraßen durch Frachtfuhrwerk in jeder Hinsicht zur Anwendung kommen.


1848

Der Feldzug gegen Dänemark.

Am 18.April 1848 war im Bereich Itzehoe-Schlotfeld-Winseldorf-Kellinghusen die Konzentrierung der Hannover-Braunschweig-Oldenburgischen Truppen so gut wie abgeschlossen. Die Truppe setzte sich zusammen aus:

Avantgarde = 2 Braunschweigische Infanteriebataillone, dem Hannoverschen III.leichten Bataillon, dem Hannoverschen Königin-Husaren-Regiment, 1 Braunschweigische Batterie und 1 Detachement des Königlich Preußischen Pionier Bataillons von Rauch (1.Brandenburgisches) Nr.3, bestehend aus 1 Hauptmann, 1 Leutnant, 5 Unteroffiziere, 1 Spielmann, 47 Pioniere, 1 Oberarzt und 2 Wagen.

Das Gros bildete die:

1.Hannoversche Infanterie Brigade in der Stärke von 6 Bataillonen und 1 9pfündigen Batterie unter dem Befehl von Oberst v.Marschalk. Die 2.Infanterie Brigade unter dem oldenburgischen Oberst Graf Rantzau mit zwei Bataillonen und 1 Batterie sowie der Oldenburgischen Halbbrigade.

Dazu kam die Reserve Kavallerie mit 2 Hannoverschen Kavallerie Regimentern, das 1.Dragoner Regiment König und das 4.Dragoner Regiment Kronprinz mit 1 Hannoverschen reitenden Batterie. Insgesamt waren es 13 Infanterie Bataillone, 11 Escadrons, 5 Batterien zu 8, 6 und 4 Geschützen, insgesamt 28 Geschütze inklusive der nachfolgenden Hanseatischen und Strelitzschen Bataillone. Total etwa 10.000 Kombattanten.

Am 06.Juli 1849 fiel der Infanterist Asmus-Hinrich Lahann aus Bücken in der Herrschaft Breitenburg. Bei dem Kampf um Fredericia wurde er durch einen Kopfschuß getötet.

Im Oktober 1850 wurde die Familie Eicke in Ridders benachrichtigt, daß ihr Sohn, der Kanonier Hans-Friedrich, der bei der 5.Festungsbatterie im Dienst stand, am 04.Oktober in der Schlacht um Friedrichstadt, gefallen war.


1855

Dörferbeschreibung

Bücken,

Meierhof in der Herrschaft Breitenburg, Kspv. Itzehoe.
Dieser Hof hat ein Areal von 525 Morgen (à 360 Q.R.) 6 7/15 Sch., worunter Acker 114 M. 7 Sch., Wiesen 38 M. 4 2/15 Sch., Hölzungen 32 M. 3 7/15 Sch., Moorgründe und Haide 349 M. 4 1/15 Sch., Wasser 24 M. 1 3/15 Sch., und Gartenland 3 M., 2 9/15 Sch. (210 Steuert.) Der Boden ist sandigt, aber gut; die Wiesen sind sumpfigt; auf dem Hoffelde sind 6 Teiche. - Durch das Bückener Gebiet fließt die von Peissen und Ridders kommende Peissenerau (Mühlenau, auch neue Au genannt), in welcher die Fischerei dem Pächter von Bücken und dem Mühlenpächter von Winseldorf gehört.
Bücken erhielt Johann Rantzau von dem Könige Christian III. tauschweise für ein Gut in Westedt. - Das Wohnhaus ist von Fachwerk und mit Stroh gedeckt.

Ridders,
Dorf an der Ridderser Au (Peissener Au), 1 ¼ M. nordwestlich von Kellinghusen, Ksp. Kellinghusen. - Von diesem Dorfe gehören die in Zeitpacht gegebene Wassermühle, 4 Vollh. 2 Halbh. 2 Viertelh. und 10 Kathen, worunter die Schäferkathe, zum Gute Drage (vor dem Jahre 1631 zur Herrschaft Breitenburg) und 1 Vollh. und 1 Kathe ohne Land zum Kloster Itzehoe Vogtei Hohenwestedt, welche im Jahre 1341 von Gerhard Hoeck demselben geschenkt wurden. - Schule (30 K.) - Armenhaus. - Vz.: 150. Wirtshaus, Schmiede, 1 Zimmermann, 1 Maurer und einige andere Handwerker. - Von dem Areale gehören zum Gute Drage: 382 Steuert., zum Kloster Itzehoe: 53 Steuert. Der Boden ist sandigt; Wiesen und Hölzungen sind für den Bedarf kaum ausreichend; die Privathölzungen heißen Hochholz, Wulfsbrook und Hochfierth. Einzelne Ländereien heißen Osterlohe, Höltenborn, Barbekerlohe, Schwarzerberg, Laatberg, Aspermoor, Rickert, Appelkrog und Wulfswiese (ein ehemaliger Teich). Moor ist nicht vorhanden; hingegen hat die Ortschaft 940 Ton. Haideland, welches Spuren früherer Bewaldung trägt; einzelne Strecken desselben heißen Jägersberg, Adebahrslohe und Barbekerlohe. Die Fischerei in der Au wird von dem Gute Drage verpachtet. Neben der Wassermühle führen zwei Brücken über die Au.
Der Sage nach soll das jetzt wohlhabende Dorf vormals so arm gewesen sein, daß das Kirchspiel Hohenaspe es nicht habe aufnehmen wollen und es daher zum Kirchspiele Kellinghusen gelegt worden sei. Auf der Feldmark sind einige Grabhügel, worin altertümliche Waffen und ein ganzes Skelett eines Menschen gefunden sind. 1590 wird Emeke Pogwisch "Erfgeseten to Ridders" genannt.

Schlotfeld, (vorm. Slotfeld),
Dorf ¾ Meile nordöstlich von Itzehoe in der Herrschaft Breitenburg, Kspv. Überstör, Ksp. Itzehoe; enthält 5 Vollh., 1 Dreiviertelh., 1 Halbh., 3 Viertelh., 2 Achtelh. und 14 Kathen; außerdem gehört zum Dorfe die südlich von demselben bei Winseldorf belegene Kornwassermühle (Schlotfelder Mühle, Winseldorfer Mühle), welche ebenfalls eine Vollhufe ist. Von den obigen Stellen sind außer einer Vollhufe und 2 Kathen ausgebaut: nördlich Lochten (Luchten, Neuenkrug, vorm Hungrigen Wolf, Lochtenhusen, Luddenhusen), eine Vollhufe (Wirthsh.) an derselben Chaussee nach Rendsburg; westlich Amönenwarte, eine Viertelhufe (Wirthsh.) an derselben Chaussee; ebenfalls westlich Rothenmühlen, eine Viertelhufe, bei der ehemals eine Wasserstampfmühle war, und eine Kathe, Klotzenkathe genannt; südlich die Schmiede und eine Viertelhufe (Wirthsh.) an der Nebenlandstraße von Itzehoe nach Kiel, Oesau genannt.
Schule (30 K.) Unter den Einwohnern sind einige Handwerker. Ar.: 221 Steuert. außer sehr bedeutenden Haideländereien, von denen jetzt manche unter Cultur gebracht sind.

Winseldorf,
Dorf ¾ Meile östlich von Itzehoe in der Herrschaft Breitenburg. Kspv. Überstör, Ksp. Kellinghusen. Dieses Dorf, welches im Jahre 1528 von dem König Friedrich I. an Johann Rantzau geschenkt ward, enthält 9 Vollh., 6 Viertelh., 11 Kathen ohne Land und 12 Abschiedskathen. Eine der Viertelh. ist eine etwas westlich gelegene Papierwassermühle, eine andere liegt neben derselben und wird Zollbaum genannt. Schule (64 K.)
Vz.: 279, worunter 2 Höker, 1 Tischler, 2 Zimmerleute, 1 Rademacher und mehrere andere Handwerker. Die Viertelhufe Zollbaum ist ein Wirthshaus, wo Brückengeld entrichtet wird. - Armenhaus mit 3 Wohnungen. - Nördlich vom Dorfe liegt die zu Schlotfeld gehörige Korn Wassermühle. 1570 legte Heinrich Rantzau die Papiermühle (Erbpachst.) an, welche aber wegen Mangel an Wasser nicht stark betrieben werden kann. - Ar.: 569 Steuert. außer den Haideländereien; der Boden ist sandigt und das Moor vergraben; in der Winseldorfermarsch an der Stör sind die Ländereien jedoch gut. Einzelne Ländereien heißen Kronenkamp, Wißsahlenkamp, Hinstmoor und Viertkoppel. Ein gutsherrlicher Teich heißt Harrhoop (150 Q.R.). Westlich vom Dorfe fließt die von Ridders kommende Au; ein kleiner Bach an der Lohbarbeker Scheide heißt Segensbach. Zwei Dorfshölzungen heißen Harrhoop und Radewiesenbruch (zus. 4 ½ Ton.). Unweit des Dorfes liegt die gutsherrliche Winseldorfer Tannenkoppel, ca. 20 Ton. groß, welche nach einer auf einem neben demselben stehenden Stein befindlichen, jetzt aber unleserlichen Inschrift Heinrich Rantzau 1580 hier und zwar durch Saat angelegt hat. Ein Theil der Koppel ist jetzt unbeholzt. 2 Hufner in Winseldorf müssen jährlich eine Kornlieferung an das Rectorat in Itzehoe leisten. Im Jahre 1502 gehörten einige Zehnten diese Dorfes dem Bordesholmer Kloster, welche zur Zeit der Reformation dem König zufielen.
Eine Käthnerstelle zu Winseldorf war laut Concession aus dem Jahre 1692 zu Wolfsjagden pflichtig, wenn in der Herrschaft eine allgemeine Wolfsjagd angestellt werden sollte, von den übrigen Jagden aber frei.

Erklärungen:
Kspv.: Kirchspielverwaltung
Ksp.: Kirchspiel
Vz.: Volkszählung
K.: Kinder
M = Morgen: die mit einem Ochsengespann an einem Vormittag (Morgen) pflügbare Fläche
Sch. = Scheffel: ca. 2.767,10 m2
Q.R. = Quadratrute: ca. 18,67 m2
Ton. = Tonne: 0,55 ha



1864

Nach siegreicher Beendigung des zweiten Dänischen Krieges wurde das Magdeburgische Dragoner Regiment Nr.6 im November 1864 zur Mitbesetzung der Elbherzogtümer bestimmt. Es folgte im Jahre 1866 der Krieg gegen Österreich. In der Vorhut der Schleswig-Holsteinischen Division unter Freiherr von Manteuffel, später Generalfeldmarschall, rückten die 6.Dragoner auf Hamburg vor, überschritten auf Fähren die Elbe und setzten den Marsch ins Kriegsgebiet fort.


1  Amusetten, einpfündige Geschütze von 2,75 cm Kaliber, welche Eisen- oder Bleikugeln feuerten und von 2-3 Mann bedient, von diesen oder einem Pferd gezogen wurden. Angeblich vom Grafen Moritz von Sachsen um 1740 erfunden, kamen die Amusette als Regiments- oder Bataillonsgeschütz bei der Infanterie und den Dragonern in Gebrauch.

Bei der Biragoschen Brücke handelt es sich um die erste zerlegbare und tranportable Kriegsbrücke, die 1839 zunächst in der k.u.k. österreichischen Armee, später auch in anderen Armeen eingeführt wurde.
Karl Freiherr von Birago war k.u.k. Pionier-Oberst.

2  À la suite eines Truppenteils oder einer Behörde (Kriegsministerium, Generalstab) wurden früher in Deutschland Offiziere geführt, für die keine besondere Uniform vorgeschrieben war, z.B. höhere Adjutanten, Lehrer an den Militärlehranstalten usw. Sie trugen die Uniform des betreffenden Truppenteils, bezogen ihre Gebührnisse aber aus ihrer Dienststelle. Später wurden diese Offiziere nur bei ihren Dienststellen nachgewiesen (mit Angabe der betreffenden Uniform). Außerdem wurden auf längere Zeit ohne Gehalt beurlaubte Offiziere als à la suite bezeichnet. Es wurden eine Zeit lang nur fürstliche Personen und Generale ehrenhalber à la suite von Truppen- und Marineteilen geführt; sie standen den Regimentschefs (Inhabern) gleich. Außerdem gab es Generale à la suite Sr.M. des Kaisers u. Königs (im Hauptquartier zur Person Sr.M. kommandiert) und à la suite Sr.M. des Königs von Württemberg. Endlich gab es eine größere Zahl von Offizieren à la suite der Armee und Marine, Fürsten, Standesherren und hohe Würdenträger, die dadurch ehrenhalber in eine Verbindung zur Armee und Marine gebracht wurden. Dazu kamen einzelne Offiziere, für die in der Rangliste der Einzelstaaten und im Reichsmilitäretat kein Platz war (Reichsmilitärgericht und Zeughausverwaltung in Berlin). À la suite des Sanitätskorps standen hervorragende Chirurgen. Das Recht der deutschen Bundesfürsten zur Ernennung von Offizieren à la suite wurde durch die mit Preußen abgeschlossenen Militärkonventionen nicht beschränkt.
(Verfasser nicht bekannt)

3  Die Kaliberangabe bezog sich auf das Gewicht der Kugel in Pfund, wobei das Pfundgewicht unterschiedlich war, es schwankte zwischen 450
  und 530 Gramm.



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