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Christian war zur Musterung im Juni 1915 und wurde im November zum deutschen Militärdienst eingezogen.
Einberufen wurde er zur II.Rekrutenabteilung beim I.Infanterie Ersatz Regiment Nr.85 5.Korporalschaft in Rendsburg.
Rendsburg, 02.12.1915 (Postkarte) Liebe Eltern. Danke für die Pakete, welche ich gestern und heute bekommen habe. Ich habe vor Sonntag keine Zeit einen Brief zu schreiben. Wir sind gerade dabei unsere Sachen zu packen. Morgen um 06:00 Uhr brechen wir zu einem 45 Kilometer Marsch auf. Ich glaube nicht, daß ich das aushalte. Und am Montag morgen sollen wir mit vollem Gepäck zu Fuß 70 Kilometer nach Lockstedterlager marschieren. Es regnet jeden Tag bei uns. In den letzten Tagen haben wir einen nassen Pelz bekommen. Ich habe heute einen Brief von Lorenz bekommen, er hat es gut. Rendsburg, 05.12.1915 (Brief) Liebe Eltern und Geschwister. Sonntagnachmittag. Endlich habe ich soviel Zeit, daß ich einen Brief schreiben kann. Morgen früh geht es zu Fuß zum Lockstedterlager. Zurück kommen wir am Sonntag abend den 13. mit der Eisenbahn. Es sind nicht wie ich geschrieben habe 70 Kilometer aber doch 45 und weil wir heute einiges von unserem Gepäck mit der Bahn zum Lager geschickt haben, so kommen wir wohl leichter dort hin. Das Schlimmste ist, es liegt noch überall etwas Schnee auf der Erde. Während wir dort sind, schickt bitte keine Pakete. Wenn ich in Rendsburg zurück bin werde ich noch ein Paket haben. Ich habe von Lorenz einen Brief bekommen, er hat es gut. Vielleicht können wir beide zu Weihnachten auf Urlaub nach Hause kommen. Nun bin ich wieder gesund und kann den scharfen Dienst aushalten. Beinahe jeden Tag sind wir naß, aber trotzdem habe ich es warm, könnt ihr glauben. Wir haben jetzt auch gelernt wie man Schützengräben gräbt und wenn wir nach Lockstedt kommen, sind wir bestimmt schon gut ausgebildet. M.Hellesøe hat 14 Tage Urlaub bekommen, P.Madsen wurde aus meiner Stube herausgenommen, ebenso wie Bruhn und Gammelgaard aus Varnæs, alle waren im Herzen dänisch. C.Jessen kam neu zu uns, er ist ein merkwürdiger Kerl. Wie geht es wohl in Frankreich, da alle Soldaten dorthin kommen. Wir bekamen einen Gefreiten von der Front. Er hatte eine Gruppe Freiwillige, diese heulten und wollten nicht stürmen, da bekam er den Befehl sie zu erschießen. Es ist noch einer auf der Stube, er kommt aus Rinkenæs, er bekam gestern eine traurige Nachricht, sein vierter Bruder ist gefallen. Das Essen, das wir jeden Mittag bekommen ist reichlich und gut. Nur das Brot ist sehr knapp. Ich glaube ich bin hier fetter geworden, es ist eine gesunde Arbeit, die wir hier machen. Wir wurden gefragt ob wir in der Nähe des Wassers wohnen. Es ist beunruhigend, daß man uns auf Urlaub nach Hause fahren läßt. Sie haben meine Schlafdecke gesehen aber weil es ja Kriegszeit ist darf ich sie benutzen. Nun viele freundliche Grüße zu Euch allen von Christian. Auf Wiedersehen zu Weihnachten. Lockstedterlager, 06.12.1915 (Brief) Liebe Familie. Jetzt sind wir im Lockstedterlager angekommen aber so müde wie jetzt war ich noch nie und auch noch nicht so durchgeblutet. (hier sind wohl offene Blasen und der Wolf gemeint.) Einmal haben wir unterwegs die Stiefel geleert. Jetzt aber haben wir es trocken und es geht in ein paar Augenblicken ins Bett, wir können bis morgen um 08:00 Uhr schlafen. Wir waren insgesamt 1.300 Mann aus Rendsburg, ein sehr langer Zug. Das Papier ist auch naß geworden. Die Baracken in denen wir liegen ist ein Gefangenenlager und die Russen sind eben woanders hingekommen. Von den alten 40 jährigen Männern, die mit waren, haben viele schlapp gemacht. Jetzt viele freundliche Grüße. Christian Rendsburg, 01.01.1916 (Brief) Lieber Vater. Ein herzlicher Glückwunsch zu deinem Geburtstag und ein richtiges gutes neues Jahr wünsche ich Euch allen. Jetzt ist Lorenz zu Hause, mein Antrag wurde heute abgelehnt. So lange wir keine Besichtigung durch den General hatten bekommt niemand Urlaub und die haben wir wohl erst gegen Ende Januar. Wenn es nicht geregnet hätte, so würde ich Jens Nissen besucht haben, er kam vor ein paar Tagen und hat mich und einige Kameraden eingeladen. Heute abend habe ich Urlaub bis um 23:30 Uhr. Am Mittwoch sollen wir wieder zum Lockstedterlager gehen aber diesmal nur drei Tage, wenn es so kalt bleibt, dann ist es nicht so schlimm. Am Neujahrsabend war etwas Leben in der Kaserne. Wir bekamen einen guten Braten und ein paar Stiefel Bier. Heute vormittag war ich zur Kirche. Nun weiß ich nichts Neues mehr zu erzählen. Jetzt viele freundliche Grüße und Frieden im neuen Jahr. Christian Hohenwestedt, 05.01.1916 (Postkarte) Liebe Familie. Ich sende einen Gruß von hier. Wir machen eine Stunde Pause. Da das Wetter gut ist, war die Tour nicht so schlimm wie beim letzten mal. Wir haben noch 20 Kilometer vor uns, das meiste ist Heidelandschaft. Hier in der Stube in der ich sitze wird gesungen und Klavier gespielt und die Bevölkerung ist freundlich. Freundliche Grüße. Christian Lockstedterlager, 06.01.1916 (Brief) Liebe Eltern und Geschwister. Gestern Nachmittag sind wir im Lockstedterlager angekommen. Das war wirklich nicht leicht. In der letzten halben Stunde sind mehrere zusammengebrochen, hätte es noch eine viertel Stunde länger gedauert, dann wäre ich auch fertig gewesen. Heute Vormittag mußten wir zum Parademarsch und am Nachmittag waren wir in einem Bach und haben gebadet (übersetzt Infanterie-Gefechtsausbildung) und der bedauernswerte Chr.Jensen mußte mehrfach in einen Graben und wieder heraus klettern. Am Vormittag mußte er sich auf einem Weg kriechend fortbewegen obwohl viele der hier anwesenden Soldaten vorbei gingen. Das hätte der Gruppenführer weitergemacht, wenn nicht der Feldwebel Leutnant eingegriffen und ihn befreit hätte. Diesmal wohnen wir in Blechbaracken, in Gemeinschaft mit Ratten und Mäusen und viele klagen über die kleinen Grauen (Flöhe). Bis jetzt habe ich noch nichts gemerkt. Es regnet beinahe die gesamte Zeit, es ist gut, daß ich eine Lederweste bekommen habe. Lorenz hat bestimmt erzählt, daß ich dafür 38 Mark bezahlt habe. Hier in Lockstedt ist es voll von Marinesoldaten, die werden zu Infanteristen ausgebildet. Am Sonntag geht es zurück nach Rendsburg. Lorenz bleibt wohl jetzt längere Zeit zu Hause. Ich habe noch von Allem, ihr braucht mir also nichts zu schicken in der nächsten Zeit. Nun gute Nacht. Christian Lockstedter Lager, 08.01.1916 (Postkarte mit Gruppenfoto) Liebe Familie. Einen Augenblick aus unserem Leben sende ich Euch mit dieser Karte. Die beiden vorne sind unsere Schreiber. Hinten mit dem Helm das ist der Gefreite, der mit mir zusammen auf der Stube in Rendsburg ist. Freundliche Grüße. Christian ![]() Das Gebäude im Vordergrund ist Massiv Block III, im Hintergrund war das Neben-Artillerie-Depot Lockstedter Lager, 03.02.1916 (Brief) Liebe Familie. Jetzt sind ein paar Tage hier im Lockstedterlager vergangen. Das Essen ist genau so schlecht wie in Rendsburg. Hier bekommen wir Kaffee. In Rendsburg bekamen wir keinen Kaffee, seit ich aus dem Urlaub zurück bin. Gekochtes Wasser mit Teegeschmack war unser morgendliches Getränk. Das Schlimmste hier ist, daß neben unserer Baracke das Pferdelazarett ist, dort sind mehrere Hundert Pferde, kranke und verletzte. Es ist häßlich anzusehen, alle sind sehr mager. Gestern starb ein Pferd, das hatte einen Lanzenstich im Kiefer. In diesen Tagen kommt ein Teil der 18 jährigen nach Rendsburg. Ich wünsche, daß diese Zeilen Euch bei bester Gesundheit erreichen. Freundliche Grüße. Chr. Rendsburg, 12.03.1916 (Brief) Liebe Familie. Jetzt sind wir wieder in Rendsburg angekommen, es ist hier besser als im Lockstedterlager. Ich war am Nachmittag zu Lorenz. Wir gingen ins Kino, wo wir ein hübsches Stück sahen, das hieß: Die Macht der Liebe. Dort...... Gute Nacht. Christian
Lockstedterlager, 28.04.1916 (Brief) Liebe Eltern und Geschwister. Ihr habt wohl lange darauf gewartet etwas von mir zu hören. Mir geht es gut und das gleiche wünsche ich Euch. Das ist sehr warm gewesen in diesen Tagen, aber wir haben nicht viel Dienst hier und reisen morgen wieder nach Rendsburg. Wenn wir dort sind sollen wir in die Ersatzkompanie. Gestern abend hatten wir von 1800-1900 Uhr singen, da wir nicht richtig gesungen haben, mußten wir Nachexerzieren. Danach bekam jeder 15 Patronen, insgesamt 60 Mann, von denen trafen nur 54. Es ist uns egal, da wir sowieso von der Abteilung weg kommen. Die Eier, die im Paket waren, waren alle verdorben als sie ankamen, das hatte ich im letzten Brief vergessen zu erwähnen. Freundliche Grüße an Euch alle. Christian Rendsburg, 01.05.1916 (Brief) Liebe Familie. Jetzt sind wir wieder zurück in Rendsburg und brauchen nicht in die Ersatzkompanie, das II.Rekrutendepot muß die Ersatzkompanie auffüllen. Heute wurde bekanntgegeben, daß wir wieder vom 15. bis 20.Mai nach Lockstedterlager sollen. Wir freuen uns darüber, daß wir in diesem Monat hierbleiben können. Das Schlimmste ist, daß 20 Mann in den Arbeitsurlaub gefahren sind, es ist jetzt alles so trist, schade daß ich nicht mit durfte. Chr.Mathiesen reiste ebenfalls. Er gab seinen Antrag ab als wir zu Ostern nach Hause fuhren. C.Jessen und ich wir blieben uns einig, daß wir nach Hause schreiben und wir es noch einmal mit einem neuen Antrag probieren sollten, aber weil wir ja jetzt zum Lockstedterlager sollen, sollte ein Datum auf dem Antrag von Euch stehen. Beantragt, daß wir 14 Tage nachdem wir im Lockstedterlager waren zur Rübenbearbeitung gebraucht werden. Lieber Vater du weißt ja besser wie man das macht. Wenn du nach Nordborg kommst, so bitte ich probier es, es ist nicht zu früh. Alle die zum Sonderurlaub gefahren sind kommen am 14.Mai zurück. Ihr braucht mir nichts zu schicken ehe ich euch das schreibe. Ansonsten geht alles wie sonst. Freundliche Grüße. Christian Die Adresse wo ihr den Antrag hin schickt ist: An das Erste Ersatz Bataillon, Inf.Reg.85 Rendsburg. Lockstedter Lager, 15.05.1916 (Brief mit Regimentsstempel) Liebe Familie. Das war vielleicht ein Durcheinander als wir nach Lockstedterlager kamen. Wir fuhren um 03:00 Uhr ab Rendsburg. Jetzt gehen wir hier herum und haben den ganzen Tag keinen Dienst. Von unserem Regiment wurden drei Transporte an die Front gefordert, darunter die Ersatzkompanie, an deren Stelle wir jetzt hier im Lager sind. Frederik Sturk hatte Glück, er mußte nicht mit an die Front, weil nur der 3. und 4.Zug seiner Kompanie mit mußte. Die Transporte bestehen vorwiegend aus älteren Männern, die erst im März eingezogen worden sind. Wir werden wohl nicht eher an die Front kommen ehe das aktive Regiment Ersatz fordert, deshalb werden wir so gut ausgebildet. Gestern erhielt ich Bescheid, daß mein Arbeitsurlaub nicht genehmigt wurde. Dann hast du lieber Vater die Arbeit für mich umsonst gemacht. Diesmal haben wir ziemlich gute Baracken. Es ist das erste Mal, daß wir in Steinbaracken sind. Wir hatten am Samstag einen Vortrag durch unseren Hauptmann. Auch waren dort einige vom II.Zug. Als sie auf Wache waren unterhielten sie sich auf dänisch obwohl dies der Wachhabende verboten hatte. Der Leutnant sagte, daß sie in Arrest kämen, aber dann hat er doch davon abgesehen, Er meinte, daß die Leute sich nichts dabei gedacht hätten, er wäre einige Jahre in Sonderburg gewesen und er würde die Bevölkerung kennen. Meine Speisekammer ist jetzt bald leer und ich erwarte ein Paket, das ihr bestimmt geschickt habt. Das Essen war in der letzten Zeit etwas besser, da die Unteroffiziere jetzt das gleiche bekommen wie wir. Gestern hörte ich von Thomsen aus Kegnæs, daß sein Vater nach Düsseldorf zum Militär mußte. Heute hat es wieder den ganzen Tag geregnet. Ich habe von Chr.Matthiesen, der gestern aus dem Urlaub kam gehört, daß die Felder zu Hause gut aussehen. Jetzt will ich schließen mit vielen Grüßen von Christian. Rendsburg, 18.05.1916 (Brief) Liebe Eltern. Vielen Dank für das Brot und das gute Paket, welches ich am Dienstag bekam. Von den Eiern war nichts als die Schale übrig. Heute Nachmittag haben wir frei, da wir eine Nachtübung haben ab 20:00 Uhr. Im Brief sende ich eine Aufnahme vom Lockstedterlager als wir vom Bahnhof kommend einmarschierten. Mich könnt ihr nicht sehen, das ist nicht gut. Ansonsten ist die Nr.1 Hauptmann Mühle, Nr.2 Leutnant Loff, Nr.3 Leutnant Norman, ein Priester aus der Umgebung von Rendsburg, Nr.4 ist unser Leutnant Dorn, unser Zugführer und Nr.5 ist Feldwebel Schmidt. Er soll der beste Feldwebel in Rendsburg sein. Er ist erst kurz bei uns, überall wird er weggeschickt von der einen Stelle zur anderen, weil er zu gutmütig ist. Karl Hansen, der neben mir steht sagt, ich soll euch erzählen, daß er am Laternenmast steht. Wir schießen jeden Tag scharf, beinahe 100 Patronen. Jetzt will ich schließen mit freundlichen Grüßen an Euch alle. Chr. Lockstedterlager, 18.05.1916 (Postkarte an Elise Frederiksen) (Christian Nr.2 von links). Liebe Kusine. Es ist lange her, daß ich dir geschrieben habe, jetzt schicke ich dir ein Bild von unserer Luftschiffahrt. An Bord sind alle von Als. Wir fahren Pfingsten nach Als, wenn du willst, kannst du mitkommen. Freundliche Grüße an die gesamte Molkerei. Chr. Jacobsen
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