Die Bekleidung und Ausrüstung moderner Heere

Das ewige Übel des Militärs,
kommentiert von einer namentlich nicht bekannten Institution.

Wenn in früheren Zeiten, vor Einführung des rauchschwachen Pulvers, der Pulverdampf es war, der die Truppen verriet und das feindliche Feuer anzog, so ist es heute die Sichtbarkeit. Also es gilt, um Verluste zu vermeiden, die letztere nach Möglichkeit auszuschalten.

Augenzeugen der letzten mandschurischen Kämpfe und aus dem Burenkrieg berichten von der "unheimlichen Leere des Schlachtfeldes". Die Japaner waren vor Beginn der Feindseligkeiten nicht modern gekleidet und ausgerüstet. Aber im Laufe des Feldzuges haben sie es wohl verstanden, sich die Vorteile jener Leere des Schlachtfeldes zu nutze zu machen, indem sie sich eingruben, hinter Sandsäcke verbargen und über ihre Uniformen, wenn es ins Gefecht ging, kakifarbenes Zeug zogen. Außerdem entfernten sie gleich nach Beginn des Feldzuges alles Leuchtende von ihrer Bekleidung und Ausrüstung.

Gleich nach Einführung des rauchschwachen Pulvers in der Armee trat in Deutschland eine Kommission behufs Vorschläge für Änderung der Bekleidung und Ausrüstung den neuen Verhältnissen entsprechend zusammen.

Sie verlief damals fast resultatlos. Die Tradition siegte über das reelle Bedürfnis. Der Überzug über die Helme war ihr einziges, fragwürdiges Resultat. Nunmehr, nach den unabweisbaren Erfahrungen aus dem Buren- und mandschurischen Kriege, ist die Bekleidungs- und Ausrüstungsfrage wieder ins Rollen gekommen.

Sämtliche Armeen beschäftigen sich zurzeit mit bezüglichen Versuchen. Abgeschlossen sind dies Versuche nirgends; weder in Deutschland noch in Frankreich, wo es streitbare Vorkämpfer gegen Abschaffung der roten Hosen ebenso zahlreich gibt, wie bei uns gegenüber der Abschaffung der Deutschen traditionellen Kopfbedeckung. Es scheint indessen bereits festzustehen, daß sich die Änderung der Farbe der Bekleidung überall nur auf die Infanterie beschränken wird, während bei allen Waffengattungen alles weithin Leuchtende von der Ausrüstung und auch von der Bekleidung entfernt werden soll.

Und in der Tat, die Infanterie bedarf allein der Farbenänderung der Uniform.

Der Feldartillerist bedient heutzutage sein Geschütz hinter den der Sichtbarkeit kaum entziehenden Schildern kniend, oder außerhalb deren Schutz gehend oder stehend. Völlig verdeckte Stellungen der Batterien mehren sich aus taktischen Gründen und solchen des Schießverfahrens. Bei dem Artilleristen kommt es nur darauf an, von ihm alles weithin Leuchtende zu entfernen, damit er auf dem Marsch und beim Auffahren möglichst wenig sichtbar sei. Während des Gefechts selbst ist es ja beim Aufblitzen des Feuers, nach dem das feindliche Feuer sich einrichtet.

Wir denken uns also den Feldartilleristen der Zukunft mit schwarzem Lederzeug und bronzierten Schuppenketten und sonstigen Helmteilen; im übrigen aber unverändert.

Ebensowenig, wie der Artillerist, bedarf der Reiter einer Änderung der Uniformfarbe. Überall da, wo die Reiterei hoch zu Pferde marschiert und manövriert, ist sie ebensowenig dem Auge zu entziehen, wie die Artillerie, falls das Gelände dem ungünstig ist. Zudem verraten Staubwolken die Kavallerie. Ihre Sicherheit beruht vielmehr auf der Schnelligkeit ihrer Pferde.

Nach der anderen Seite hin erleichtert aber die Verschiedenheit der Uniformen der Reiterei nach Reitergefechten das Sammeln ihrer Mannschaft, die sich nach diesen Verschiedenheiten schneller wieder zusammen findet, als wäre nur eine Uniform vorhanden. Solange das Pferd und die Lanze die Hauptwaffen der Reiterei bleiben, und das Fußgefecht ihnen gegenüber in den Hintergrund tritt, bedarf es bei der Kavallerie keiner prinzipiellen Uniformänderung. Sie kann sich auf das Ausschalten des weithin sichtbaren, ähnlich wie bei der Artillerie, beschränken. Hierzu gehört aber auch die Entfernung des weißen Kollers der Kürassiere und des roten Attillas der Husaren aus ihren Kriegsbeständen.

Die Kopfbedeckung des Kavalleristen soll ihn vor Hieb und Stich schützen, diejenige des Infanteristen dagegen ihn nur gegen Regen und Sonnenbrand. Daher gebe man den Dragonern den Stahlhelm der Kürassiere, den Husaren eine wirkliche Bärenmütze; dem Fußgänger dagegen, um ihn im Felde zu erleichtern, eine Mütze mit Schirm und Nackendeckung gegen Regen. Der bisherige Helm des Infanteristen ist zu schwer, besitzt leuchtende Teile und behindert auch noch beim Schießen.

Der Infanterist, der im modernen Gefecht stundenlang, ja oft tagelang in der Feuerlinie ununterbrochen liegt, sich nur in kurzen Sprüngen oder Kriechen innerhalb der feindlichen Feuerzone bewegen kann, bedarf, wie bereits hervorgehoben wurde, zum Unterschied von seinem Kameraden von der Artillerie und der Reiterei einer grundsätzlichen Änderung der Bekleidung und Ausrüstung, nicht nur nach der Seite der Ausschaltung des weithin Leuchtenden hin. Bei ihm kommt es hauptsächlich darauf an, ihn durch die Farbe seiner Uniform so wenig als möglich vom Erdboden unterscheidbar zu machen.

Da letzterer indessen nicht überall gleichfarbig ist, es außerdem Heide, Wald und Wiesen, wie auch bestellte Felder gibt, so erhellt, daß die Frage der Uniformfarbe recht kompliziert ist. Zudem kommt noch eine weitere Erschwerung in Betracht, die darin liegt, daß sich die verschiedenen Farbe auf verschiedenen Entfernungen verschieden von verschiedenen Böden abstechen.

Eine überall passende Uniformfarbe also gibt es nicht. Es kommt lediglich darauf an, einen Kompromiß zu schließen, welcher sich in Deutschland der grüngrauen Farbe zuzuneigen scheint, wie wir sie bereits bei Mannschaften der Maschinengewehrabteilung eingeführt sehen.

Aber nicht allein die Farbe der Bekleidung des Infanteristen bedarf der Änderung. Sie ist außerdem noch der Erhaltung der Gesundheit und der Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Truppe dienlicher zu machen. Hierzu gehört der Ersatz des bisherigen, den Hals einschnürenden Stehkragens durch einen Klappkragen, ähnlich, wie die Husaren ihn tragen. Die Verurteilung des bisherigen Stehkragens liegt bereits in dem Befehl "Kragen auf", den man überall dort ertönen hört, wo der Infanterist gezwungen ist, durch Staub und in der Hitze zu marschieren.

Ein weiteres Erfordernis ist eine kleine Verlängerung und mäßige Erweiterung des Waffenrocks, sowie die Verlängerung des Beinkleids nach oben, wodurch der Magen des Mannes erwärmt werden soll. Als Unterzeug ist bereits überall baumwollne Wäsche eingeführt worden.

Wie bekannt, werden die Schlachten und Gefechte durch die Schnelligkeit der Marschbewegungen der Truppen mitgewonnen. Es kommt viel darauf an, auf dem entscheidenden Punkte der Stärkste zu sein, und diesen Vorteil kann man sich nur durch Ausdauer und Schnelligkeit im Marschieren der Truppenkörper zu eigen machen, die ihrerseits von der Leichtigkeit, mit welcher das Fußvolk marschiert, abhängen.

Auch in dieser Beziehung sind die Armeen der verschiedenen Nationen neuerdings in den Wettkampf getreten. In Frankreich steht die Frage der Gepäckerleichterung für den Infanteristen behufs Erhöhung seiner Marschleistung auf der Tagesordnung. Der schwer bepackte russische Infanterist hat dem leichtfüßigen Japaner gegenüber den kürzeren ziehen müssen.

Mit der Gepäckerleichterung steht aber sie Frage der Möglichkeit einer Vermehrung der Munitionsmenge in engem Zusammenhange, welche der Infanterist bei sich führen kann. Eine hochwichtige Frage, um so wichtiger, als die modernen Gefechte eine längere Zeitdauer, als früher, umspannen, die feindliche Feuerkraft den Munitionsersatz in der Feuerlinie erschwert, und die Schnellfeuerkleingewehre, trotz aller Feuerdisziplin, eine höhere Munitionsmenge verbrauchen.

Die Gepäckerleichterung und die mit ihr zusammenhängende Erhöhung der vom Manne mitzuführenden Munitionsmenge wird sich nur durch eine Vermehrung des Armeetrosses erreichen lassen. Diese Zugabe ist keine angenehme, wird aber mit in den Kauf genommen werden müssen. Die beste Lösung scheint in der Formel zu liegen, ein Gepäck für den Infanteristen zu erfinden, welches teilbar ist; welches einmal in seiner Gesamtheit von ihm getragen während, wenn es auf besondere Marschleistungen ankommt der weniger nötige Teil desselben, in einem Rucksack verpackt, auf einem Wagen fortgeführt wird, welcher der Truppe mit der großen Bagage folgt. Ein Wagen für jede Kompanie würde für diesen Zweck genügen.



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