Der Ehrenhain im Lockstedter Lager / Hohenlockstedt


Der Gedenkstein für die Soldaten des
Königlich Preußischen Jägerbataillons Nr.27


Der finnische Selbständigkeitsverband beschloß 1935 bei den deutschen Reichsbehörden einen Antrag auf Errichtung eines Ehrenmals, zum Gedenken an die Ausbildung der finnischen Freiwilligen, im Lockstedter Lager zu stellen. Bei der Begründung der Anfrage wurde besonders auf die Bedeutung der Waffenbrüderschaft zwischen den beiden Völkern im Ersten Weltkrieg und den gemeinsamen Kampf gegen die Russen hingewiesen, was seinen Zweck bei den deutschen Behörden nicht verfehlte. Nach lange dau­erndem Weg durch das Behördenwirrwar und die Nichtzuständigkeiten erhielt der Verband im Herbst 1937 die Genehmigung, im ehemaligen Mannschaftspark zwischen den Gedenksteinen von Bismarck und Moltke, ein Denkmal zu errichten. Daraufhin begann in Finnland die Suche nach einem Bildhauer, der auch einen ent­sprechenden Entwurf liefern sollte. Die Wahl fiel auf Lauri Leppänen, der seinerzeit im Lockstedter Lager ausgebildet worden war, das Jägerbataillon als Hauptmann verließ und später Professor für Kunst und Architektur wurde.

Der Entwurf Leppänens wurde vom Auswahlgremium einstimmig angenommen und die Arbeit in Auftrag gegeben. Gegen Ende des Jahres 1938 war das Denkmal so weit angefertigt, daß es an der Zeit war, die Einzelheiten der Aufstellung und der späteren Einweihungszeremonie zu besprechen, die für den 31.Mai 1939 vorgesehen war.

Im Januar 1939 besichtigten der finnische Generalstabschef General von Oesch und der deutsche Gesandte von Blücher in Helsinki das vier Meter hohe Monument. Im gleichen Monat wurde an die Firma Kolbe Natur­steinwerk in Itzehoe, der Auftrag erteilt die für das Steinsetzen notwendigen Arbeiten auszuführen.

Die SA-Berufsschule erhielt den Befehl eine Zuwegung zum künftigen Denkmalstandort zu schaffen und das Gelände bis zum 20.April zu säubern. Dieser Auftrag paßte gut in die Planung der Berufsschule, da sie im ehemaligen Mann­schaftspark eine größere Maifeier abhalten wollte und den Park ohnehin "auf Vordermann gebracht" hätte.

Arbeiter der Firma Kolbe stellten das Betonfundament für den Gedenkstein vom 25. bis 27.April her.

Im April wurde das Denkmal in Helsinki (Helsingfors), in einer Kiste verpackt auf das Fähr- und Postschiff "Arcturus" als Stückgutfracht mit Zielhafen Holtenau verladen. Ehe die Fracht Holtenau erreichte, wurde erst Hull in England angelaufen. Entladung des Frachtstückes 02.Mai in Kiel. Am Nachmittag des 04.Mai wurde das Monument auf einem Lastwagen im Lockstedter Lager angeliefert. Tags darauf bauten die Facharbeiter der Firma Kolbe die erforderliche Hebevorrichtung, ein großes dreibeiniges Gestell mit einem Flaschenzug. Unter persönlicher Aufsicht des Firmeninhabers und Chefs setzten die Steinmetzen das Denkmal für das Jägerbataillon Nr.27. Es gestaltete sich recht schwierig den vier Meter hohen Quader zu heben und zu schichten, dazu war es sehr zeitaufwendig. Es mußte mit äußerster Vorsicht zu Werk gegangen werden, um Unfälle zu vermeiden. Zur Hilfeleistung waren der Firma Kolbe 6 Hilfsarbeiter der SA-Berufsschule zur Seite gestellt worden.

Mitte Mai ergeht ein neuer Befehl an die SA-Berufsschule, am Festplatz sechs Flaggenmasten von gleicher Höhe zu errichten. "Wehrkreis X weist die Anzahl der zusätzlichen deutschen und benötigten finnischen Fahnen zu und beschafft zwei Traditionsfahnen des Jägerbataillons Nr.27. Ein Rednerpult ist vorzubereiten, zu schmücken mit der Nationalflagge des Deutschen Reiches. Die Berufsschule hat sich auf die Bewirtung von 300 Personen einzustellen. Das notwendige Mobiliar, Tische, Schemel und Stühle, ist aus den Unterkünften und Schulgebäuden zu nehmen und auf der Lagerstraße aufzubauen. Die Küchen stellen Eßgeschirr und Besteck. Am 30.Mai erreichen vier Feldküchen das Lockstedter Lager und werden der SA-Berufsschule un­terstellt. Die für die Versorgung notwendigen Lebensmittel werden rechtzeitig zugewiesen. Am 30.Mai ist das Festgelände erneut zu säubern, jeglicher Unrat ist zu entfernen. An den kritischen Punkten im Ort sind Ein­weiser zu postieren. Die Sanitären Anlagen in den Gebäuden sind laufend auf Sauberkeit zu kontrollieren."

Ein Gärtnertrupp der SA-Berufsschule ist seit dem 22.Mai damit beschäftigt, durch eine kleine gärtnerische Anlage, dem Denkmal einen würdigen Rahmen zu geben. Abschließend wurde eine Umfassung gesetzt. Nach Abschluß der Arbeiten am 23.Mai wurde das Monument verhüllt.

74 finnische Frontkämpfer, die über Kiel anreisten wurden am 29.Mai in Holtenau durch den Beauftragten der NSKOV (Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung), dem Gauamtsleiter und Parteigenossen Bur­mester, begrüßt. Nach kurzem Aufenthalt fuhren sie dann nach Hamburg weiter.

Am 30.Mai gegen 0900 Uhr trafen 20 finnische Frontkämpfer auf ihrer Anreise mit dem Dampfer "Bore 5" in Lübeck ein, wo sie von dem Kameradschaftsführer der NSKOV, Lübeck, Parteigenosse Lotzow, begrüßt wurden. Die Gäste fuhren anschließend im bereitgestellten Autobus nach Hamburg, wo sie sich mit 218 finnischen Frontkämpfern, die in den Reihen des Preußischen Jägerbataillons Nr.27 für die Freiheit ihres Vaterlandes gekämpft hatten und zur Weihe des Denkmals im Lockstedter Lager nach Deutschland gekom­men waren, trafen. Die bereits versammelten Jäger waren über Stettin, Lübeck, Kiel und zum Teil von Kopenhagen mit der Eisenbahn kommend, in die Hansestadt Hamburg gelangt. Hier blieben sie einen Tag, um die Stadt, den Hafen und die sonstigen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Eine Besichtigung des ehemaligen Arbeits­lagers, in dem einige ihrer Kameraden untergebracht worden waren fand aus Zeitgründen nicht statt. Staatssekretär Ahrens von der Hamburger Bürgerschaft entbot den Gästen die herzlichen Grüße des Reichsstatthalters und sagte in seiner Rede: "Hamburg hat die große Zeit getreulich in Erinnerung, da im gewaltigen Erleben des Krieges die finnisch-deutsche Freund­schaft erwachsen ist. Deutschlands Sympathie hat immer auf Seiten der Finnländer gestanden, deren schönes Land mit Gewalt an Rußland gefesselt ge­wesen war. Der Traum der finnischen Idealisten "Los von Rußland" sei wohl im Deutschen Reich verstanden worden. Aus den nach Deutschland strömenden Studenten und Arbei­tern und den infolge der Mobilmachung im Reich gebliebenen Finnen sei ein Stoßtrupp gebildet worden, der, durch preußische Offiziere ausge­bildet, von 200 auf 2000 Mann angewachsen war und der zur Bildung des preußischen Jägerbataillons Nummer 27 im Lockstedter Lager führte. Dieses Bataillon von finnischen Idealisten und Freiheitskämpfern hat dann in der weißen Bauernarmee des Feldmarschalls Mannerheim, die zusammen mit deutschen Truppen unter General von der Goltz das Land von der roten Herrschaft befreite, das Führer­korps gestellt. Deutschland hat in dem Kampf um die gleiche Kultur mit reinem Herzen auf Seiten der finnischen Kämpfer gestanden und es stehe auch heute noch in herzlicher Freundschaft zu dem Land, dessen Prä­sidenten und Volk wie auch zum ruhmreichen ehemaligen Jägerbataillon mein Gruß und der Gruß der deutschen Teil­nehmer gilt".

General Valve, der Chef der finnischen Marine und Küstenverteidigung dankte in deutscher Sprache, ge­dachte der vergangenen Zeiten und pries die Liebe der finnischen Jäger zu Hamburg und Holstein.

Am 31.Mai 0800 Uhr war Antreten für Teile der SA-Berufsschule zur Flaggenparade am Festplatz, ein wei­terer Trupp hißte die Flaggen am Ortseingang. Rechts neben der deutschen Nationalflagge war die Finnische Nationalflagge, links von der deutschen Fahne war die Traditionsfahne des Jägerbataillons Nr.27 gehißt. Die Bevölkerung war aufgefordert worden Fahnen auszubringen, eine Anweisung, die zahlreich be­folgt worden war, die öffentlichen Gebäude zeigten einheitlich die Hakenkreuzfahne. Schon während der Flaggenparade wurde der Bewirtungsplatz zwischen dem Massivblock 4 und der Mannschaftsbaracke 48 hergerichtet, beim Massivblock 1 standen die Feldküchen und bereiteten das Essen: Gullasch, Salzkartoffel und Sauerkraut vor. Die Brauerei zur Eiche aus Kiel hatte für jeden Gast zwei Flaschen Bier gespendet, die von der Niederlassung in Itzehoe angeliefert wurden. Gegen 0930 Uhr trafen die Traditionskompanie und der Regimentsmusikzug des Infanterieregiments Nr.92 (Standort Greifswald) aus den Unterkünften in Itzehoe kommend im Lager ein. Kurz danach die Offiziersabordnung des 3.Bataillons IR 92. Während die Gäste ankamen, ließen sich ein finnisches und ein deutsches Wochenschaufilmteam und mehrere Presse­vertreter in den Ablauf am Denkmal einweisen und bauten dort ihre Geräte auf.

NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrer­korps) Obergruppenführer General der Infanterie Herzog von Coburg war am 31.Mai rechtzeitig in Hamburg ein­getroffen, um mit nach Lockstedter Lager zu fahren. Unter den finnischen Gästen befanden sich der Chef der Marine- und Küstenverteidigung, General Valve, der Chef der Intendanturabteilung des Wehrministeri­ums, Oberst Gustafsson, Dr.Mustakallio von der Selbständigkeitsvereinigung, Oberst Laurila vom Kriegs­opferverband, Oberst Schaumann vom Frontkämpferbund, Oberst Makinen vom Finnischen Offiziersverein, Ingenieur Backberg von den Gitterjägern, Hauptmann Huchtala vom Kadettenkorps und die Kranken­schwestern Ba­ronin Ruth Munk und Sara Rampanen, die den Freiheitskampf vom Anfang bis zum Ende mitgemacht hatten. Gegen 0900 Uhr war Abfahrt der Reisebusse und Privatwagen aus Hamburg. Die Fahrt führte über Bad Bramstedt und Kellinghusen zum Lockstedter Lager, das gegen 1045 Uhr erreicht wurde. Die Fahnen Deutschlands, Finnlands und der finnischen Jäger grüßten die Gäste bei ihrer Einfahrt in das Lager, mit tiefer Bewegung sahen sie jenen Ort wieder, der ihnen einst fast zur zweiten Heimat geworden war.

Insgesamt 238 finnische Frontkämpfer, darunter 80 aktive und inaktive Offiziere und ehemalige Unteroffiziere, waren zur Einweihung des Denkmals nach Lockstedter Lager gekommen. Zahlreiche deutsche Ehrengäste waren erschienen, um mit den finnischen Kameraden zu feiern: Der Vertreter des Oberbefehlshabers des Heeres, Generalleutnant von Falkenhorst, der Präsident der Vereinigung deutscher Frontkämpferverbände, NSKK-Obergruppenführer General der Infanterie Herzog von Coburg, der Reichs­kriegerführer, SS-Gruppenführer General der Infanterie Reinhard, der letzte Kommandeur des Jägerbatail­lons, Oberst a.D. Oberregierungsrat Ausfeld, zugleich im Namen des Reichsarbeitsministers, Legationsrat Hügel vom Auswärtigen Amt, Reichshauptstellenleiter Liebel für den verhinderten Reichskriegsopferführer Oberlindober, Generalleutnant von Wedderkop für den Kommandierenden General des X.Armeekorps, SA-Obergruppenführer Meyer-Quade, Gauamtsleiter und Oberpräsidenten Lohse, Gauhauptstellenleiter Zech­mann für den Bundesführer des Reichstreubundes. Gauleiter Schwede aus Coburg, Oberbürgermeister Dr.Markmann aus Brandenburg, Konteradmiral a.D. Clausen aus Hamburg für die Nordische Gesellschaft, eine Offiziersabordnung des Traditionstruppenteils, des 3.Bataillons Infanterie Regiment 92 usw. Das Traditionsbataillon stellte eine Ehrenkompanie, außerdem waren ein Ehrensturm der SA-Berufsschule Lockstedter Lager und Ehrenabordnung des NS-Reichskriegerbundes und der NSKOV angetreten. Auch die SA-Standarte Jäger 27 in Plön, die seit 10 Jahren die Jägertradition bewahrte, war vertreten.

Nachdem der Chef der finnischen Marine und Küstenverteidigung, General Valve, und der Herzog von Co­burg die Fronten abgeschritten hatten, nahm als erster Dr.Mustakallio vom finnischen Selbständigkeitsver­band das Wort. Man stehe - so führte er aus - im Lockstedter Lager auf historischem Boden. Das finnische Volk, das in jahrhundertelangen Entwicklungen seine völkische Eigenart bewahrt habe, habe 1914, da sein Unter­drücker Rußland einen Kampf auf Leben und Tod führen mußte, die Befreiungs­stunde kommen sehen. Aber ein kleines Land, dem die Wehrmacht genommen gewesen sei, habe Anschluß an einen mächtigen Freund gebraucht - und da sei der Blick nach Deutschland gegangen, mit dem schon alte wirtschaftliche und kulturelle Bande bestanden. Eine kleine ausgewählte Schar von Finnen habe militärische Ausbildung in Deutschland erhalten und sei als Königlich Preußisches Jägerbatail­lon 27 mit 1894 Mann zu jener Kampf­truppe angewachsen, die Schulter an Schulter mit den deutschen Soldaten an der Ostfront gekämpft habe, um dann von Februar 1918 an im finnischen Befreiungskampf den Kern der finnischen Armee zu bilden. Sei­en schon an der deutschen Ostfront 50 Jäger gefallen oder verwundet worden, so fielen im finnischen Frei­heitsringen 129 Jäger und 220 wurden verwundet. An der Schaffung und Ausbildung der finnischen Wehr­macht hätten die Jäger entscheidenden Anteil, fast alle hohen und höchsten Offiziere seien ehemalige Jäger. Das Denkmal im Lockstedter Lager sei nicht nur ein Ehrenmal der Erinnerung, sondern auch ein Mal der großen vorbildlichen soldatischen Haltung und Kameradschaft. Unter den Klängen des Finnischen Jä­germarsches - gespielt vom Musikkorps des Infanterieregiment 92 - fiel dann die Hülle des von dem ehema­ligen Jäger Lauri Leppänen aus dunklem finnischen Granit geschaffenen schlichten und schö­nen Denkmals. Es zeigt auf der einen Seite einen im Winter aus seinem Vaterland ziehenden Finnen und darunter in deutsch und finnisch die Worte: "Zur Befreiung des Vaterlandes erhob sich Finnlands Jugend und ging in die Fremde, um dort das Waffenhandwerk zu erlernen". Auf der anderen Seite sieht man die Figur eines Jägers und darunter die Worte: "Das mächtige Deutschland nahm Finnlands junge Männer auf und er­zog sie in sei­nem ruhmreichen Heer zu Soldaten". Auf der einen Schmalseite des Monumets ist Finnlands Wappen, dar­unter in finnischer und schwedischer Sprache zu lesen: "Zur Erinnerung an das finnische Jägerbataillon wurde dieses Monument von dem Selbständigkeitsverband errichtet". Die andere Schmalseite zeigt das Abzeichen der finnischen Jäger, das Eiserne Kreuz mit der charakteristischen 27 und die Inschriften: "Zum Andenken an das Königl. Preußische Jägerbataillon Nr.27, das 1915-1916 im Lockstedter Lager aufgestellt und ausgebildet und 1916-1917 an der Ostfront Schulter an Schulter mit deutschen Truppen kämpfte, um dann entscheidend an dem finnischen Befreiungskrieg teilzunehmen".

Als zweiter Redner überbrachte der Kommandeur der 32.Division, Generalleutnant von Falkenhorst, die Grü­ße des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch. Er sagte, das Treffen auf dem Boden des Lockstedter Lagers, das die Herzen der deutschen Soldaten mit stolzer Freude erfülle, zeige, daß das Herz der finnischen Jäger warm für ihre alte Ausbildungsstätte schlage. Aber darüber hinaus sei das Mahnmal ewiges Zeichen eines unbändigen Freiheitswillens und höchster Opfer- und Einsatzbereitschaft. 55 finnische Männer seien im Februar 1915 als erste in das Lockstedter Lager gekommen und hätten sich in harter Arbeit die Tugenden angeeignet, die seit 1902 durch die Entmilitarisierung von Seiten Rußlands in ih­rem Vaterland verboten gewesen seien. Aber der Wille zur Freiheit schuf Tat, die im Lockstedter Lager be­gann. Im Osten, bei Mitau und in der großen Winterschlacht an der Aa hätten die finnischen Jäger auf deut­scher Seite unvergängliche Lorbeeren an ihr stolzes Feldzeichen geheftet. Als dann die Morgenröte der Frei­heit aufstieg über ihrem Lande, da bildeten sie den Kern der weißen Armee des großen Feldmarschalls Mannerheim, an dessen Seite auch ein deutsches Expeditionskorps unter General von der Goltz kämpfte. So sei die Waffenbrüderschaft für alle Zeiten besiegelt und das Denkmal werde von der Wehrmacht in treue Obhut genommen. Generalleutnant von Falkenhorst übergab das Denkmal dann dem Kommandeur des In­fanterieregiment 92, Oberst Rossum. Ein begeistertes "Hurra", wie es auch einst von den finnischen Jä­gern über die Schlachtfelder geklungen haben könnte, beendete die von allen Teilnehmern begeistert aufgenom­mene Rede. Das Hoch auf Deutschland brachte, nach nochmaligen Dankesworten, der finnische Gesandte in Berlin, Exzellenz Wuorimaa aus, und, nachdem die beiden Nationalhymnen verklungen waren, sprach als letzter Redner der Chef der Intendanturabteilung des finnischen Wehrministeriums, Oberst Gustafsson. Er dankte dem Selbständigkeitsbund für den Gedanken und allen deutschen und finnischen Behörden und Privatpersonen für die Ausführung des Denkmals an dieser so historischen Stätte. Nicht häufig sei die Errich­tung eines nationalen Denkmals eines fremden Volkes auf fremdem Boden möglich. Aber die Entwicklung des finnischen Schicksals und des Kampfes Seite an Seite mit Deutschland rechtfertige diese Errichtung, die für Finn­lands Befreiung ein Symbol sei und die deutsch-finnische Waffenbrüderschaft gleichsam erneue­re. Unter den Klängen des Liedes vom Guten Kameraden wurden dann zahllose Kränze von deutschen und finnischen Behörden und Frontkämpferverbänden niedergelegt. Nach einem Vorbeimarsch fand man sich zum Feldküchenessen zusammen. Zu der eindrucksvollen und unvergeßlichen Feier trafen Glückwunsch­telegramme des finnischen Armeechefs, Generalmajor Oestermann und des Feldmarschalls Mannerheim, des Befreiers seines Landes, im Lockstedter Lager ein.

Nach dieser eindrucksvollen Feier und dem Essen gab es zwischen den finnischen Frontkämpfern und der Bevölkerung von Lockstedter Lager und Kellinghusen ein freudiges Wiedersehen. Die Jäger wünschten mehr oder minder, ihre alten Stätten wieder aufzusuchen. Der eine suchte sich in den Kasernen seine Stube und die Stelle wieder, wo sein Bett und sein Spind gestanden hatte. Der andere wollte noch schnell einen Abstecher zur Lohmühle machen, wohin sie damals so manchesmal die gute Bewirtung der Familie Sievers gezogen hatte. Andere wiederum suchten das Kaffee Schütt auf, wo sie in der schweren Zeit ihren Hunger gestillt hatten. Andere wollten den Wasserturm begrüßen, das Wahrzeichen des alten Truppenübungsplatzes, und so sah man Gruppen von finnischen Kämpfern und deutscher Zivilbevölkerung in inniger Eintracht bei­einander ihre Erinnerungen austauschen. So blieb man, wie die Finnen sagten - leider - nur 1 Stunde im ge­mütlichen Bei­sammensein im Lockstedter Lager, um dann nach Kellinghusen zu fahren, wo eine würdige Kranzniederle­gung am Ehrenmal auf dem Friedhof stattfinden sollte. Hier auf dem Friedhof ruhen 4 Frontsoldaten des Jä­gerbataillons 27, und zwar:

1. der Jäger Simon Ilola (Maler)
2. der Jäger Kustaa Kataj aus der Pionierkompanie (Arbeiter)
3. der Jäger Kunsta Kampaien aus der 1.Kompanie (Landwirt)
4. der Jäger Thure Strøm (Apotheker)

Sämtliche finnischen Gäste nahmen Aufstellung rund um die Ehrenanlage und es wurden von Abordnungen Kränze an den Gedenksteinen niedergelegt. Anschließend sangen die finnischen Gäste zu Ehren ihrer gefallenen Kameraden einen Psalm, die anwesende deutsche Bevölkerung zeigte während des Liedes mit dem Deutschen Gruß seine Ehrerbietung. Wie die finnischen Gäste aufs äußerste bedauerten, wurde ihnen nur eine Stunde Zeit für Kellinghusen ge­lassen. Man sah manche Familie mit ihren ehemaligen Freunden die Stadt besichtigen.

Nach dem feierlichen Akt der Gedenksteinweihe im Lockstedter Lager und der Kranzniederlegung in Kelling­husen trafen die zahlreichen Teilnehmer in Autobussen und Privatwagen um 1530 Uhr im Freudenthal in Itzehoe ein, wo sie in den schönen schattigen Garten Platz nahmen. Am Eingang zum Lokal grüßten die Flaggen Finnlands und des Deutschen Reiches. Die finnischen Gäste, die sich zum Teil in Begleitung ihrer Frauen befanden, kannten Itzehoe von ihrer Ausbildungszeit in LoLa her und haben sich bei ihrem Besuch und im Erinnerungsaustausch mit den deutschen Kameraden sicher mancher interessanter Begebenheit aus dieser Zeit erinnert. Nachdem in Freudenthal Erfrischungen eingenommen worden waren, dankte ein finnischer Teilnehmer für die im LoLa und Itzehoe bewiesene Gastfreundschaft und betonte, daß sie die besten Ein­drücke erhalten hätten. Nach dem Imbiß in Freudenthal gingen verschiedene Gäste in die Stadt. Gegen 1830 Uhr bestiegen alle Teilnehmer die in der Talstraße aufgestellten Autobusse und setzten die Fahrt nach Hamburg fort, wo in der Elbschloßbrauerei ein gemeinsames Abendessen einge­nommen wurde.

Noch im Juni wurde eine Umfassung gesetzt. Als Einfassung dienten 9 weiße Beton­pfähle, an denen Ketten befestigt waren.
Bilder der Einweihungsfeier

Herr Herrman Struve, der als Kind die Vorbereitungen zur Einweihungsfeier miterlebte, weil er in unmittelbarer Nähe des Geschehens wohnte, erzählte mir von den aufgeregten Tagen vor der Zeremonie. Er und seine Spielkumpane fühlten sich während der Zeit als überall störend. Sie wurden von ihren üblichen Spielplätzen an der heutigen Schule von SA-Männern vertrieben und sollten sich dort auch in nächster Zeit nicht mehr blicken lassen, ebenso wurden sie von den Flaggenmasten weggejagt, sie hielten sich an den Befehl. Als beeindruckend beschreibt er die Uniformenvielfalt, die am Tag der Einweihung versammelt war. Den Tischen, die vor dem Block vier aufgestellt waren, durften sich die Kinder nicht nähern, auch den Eltern war nur aus gebührender Entfernung das Zuschauen gestattet.

Während des Krieges und auch längere Zeit danach wird nichts über Feierlichkeiten am Ehrenmal berichtet, ist keine Erinnerung daran in der Bevölkerung vorhanden. Erst im Jahre 1955 kam die Wende.

Am 25. Februar, als sich in der finnischen Stadt Turku 140 ehemalige Angehörige des "Königlich Preußischen Jägerbataillon Nr.27" zu einer Ge­denkstunde zusammenfanden, legten am Finnen Ehrenmal der Bürgermeister Niemann für den Ort, sowie Dr.Hein im Namen der Freunde der Jäger in Holstein, Kränze nieder.

Die Mitglieder des Gemeinderates Lockstedter Lager beschlossen Ende Februar 1955 die Errichtung eines großen und repräsentativen Ehrenmals für die Toten des letzten Weltkrieges, gewidmet den Toten aus Lockstedter Lager und den Dorf­schaften. Das Ehrenmal sollte im Ortskern gebaut werden, das Areal die Bezeich­nung "Ehrenhain" erhalten. Die Arbeiten wurden an die Baufirma Köllner aus dem Ort vergeben. Erweitert wurde der Bauvertrag durch zwei weitere Aufträge, näm­lich das Denkmal für die Gefallenen des Weltkrieges 1914-1918, das an der Ecke zur Bahn­hofstraße stand und das Ehrenmal der finnischen Jäger, das im Mann­schaftspark stand, neben dem neuen Monument aufzustellen. Für die geplante Um­setzung des finnischen Ehren­mals, wurde der Tierarzt Dr.Hein aus Kellinghusen gebeten das Einver­ständnis der Finnen einzuholen. Dr.Hein, dessen Frau Käthe eine geborene Schütt war, hatte als Einziger den Kontakt zu den Finnen nie ab­reißen lassen, wenn Finnen die Gedenkstätten besuchten, war immer ein Besuch bei der Familie Hein in Kellinghusen einge­plant.

Ende März waren die Arbeiten der Baufirma beendet und die Anlage an die Gemeinde übergeben worden. In Absprache mit den ehemaligen Jägern wurde das Datum für die Einwei­hung des Ehrenhains auf den 22. Mai festgelegt. Bis dahin waren die gärt­nerischen Arbeiten durch die Gemeinde fertigzustellen.

Für das Ereignis war ein Arbeitsaussschuß gebildet worden, dessen Vorsitz der Landrat Dr. Matt­hiessen übernommen hatte. Weitere Mitglieder waren: Generalleut­nat a.D. Lindig aus Itze­hoe, Graf zu Rantzau aus Breitenburg, Bürgervorsteher Kroll und Bürgermeister Niemann aus Lockstedter Lager, der Vorsitzende des Sol­datenbundes Lockstedter Lager, Krüger, Tierarzt Dr.Hein, Bürgermeister Jeske und Major a.D. Rickers alle drei aus Kellinghusen. Den wahrscheinlich größten Anteil am reibungslosen Ablauf der Festivität, hatte das Mitglied der Ortsgruppe des Sol­datenbundes Herr Pauch, dem von deutscher und finnischer Seite nach den Feierlichkeiten höchste An­erkennung gezollt wurde. Ersten Informationen aus Finnland zufolge hatten sich Anfang April bereits 60 ehe­malige Jäger zur Teilnahme an der Einweihung ge­meldet.

Der Festtag am 22.Mai, wurde in Kellinghusen um 0930 Uhr mit einem festlichen Gottesdienst in der Kirche eröffnet. Es predigte der finnische Probst Antila aus Helsinki in deutscher Sprache. Die Feier umrahmte der Kellinghusener Kir­chenchor. Gegen 1300 Uhr sollten die ehemaligen Jäger, unter Führung des Gene­rals Vainio, mit dem Dampfer "Arcturus" in Kiel-Holtenau (Schleuse) eintreffen, aufgrund eines Stur­mes verspätete sich das Einlaufen. Nach dem Eintreffen be­grüßte sie der Bundes­vorsitzende des Deutschen Soldatenbundes Admiral a.D. Hansen und der Landesvor­sitzende Oberst a.D. Gnoth. Nach kurzem Aufenthalt wurde die Fahrt unter Füh­rung Dr.Heins zum Lockstedter Lager fortgesetzt. Während dessen hatten sich gegen 1600 Uhr zahlreiche Mitglieder der Steinburger Solda­tenverbände, unter ih­nen viele aus Itzehoe und zahlreiche Finnen mit ihren Ange­hörigen im Gast­haus "Zum Landhaus" zu einer gemeinsamen Kaffeetafel eingefunden. Gegen 1930 Uhr traf dann der Bus der Finnen aus Holtenau ein. Mit Musik und den Abordnungen ging es dann im geschlossenen Zug zur neuen Ehrenmal Anlage für die Gefallenen der beiden Weltkriege, wo jetzt auch das Finnen Ehrenmal stand. Die Weihe der Denkmäler fand mit einer Reihung von Ansprachen und Kranzniederle­gungen statt. Die Weihe­rede für das finnische Ehrenmal hielt der finnische Probst Lauri Kurki­alla, der ebenfalls ein alter Jäger war. Der Tag klang aus mit einem Kamerad­schaftsabend der Finnen mit Freunden im Kasino. Während des Abends gab es viele Ehrungen. Ma­jor a.D. Hillmann von der Jägerkameradschaft ehrte den finnischen General Vainio mit der Überreichung einer goldbetreßten Jä­ger-Armbinde und er­nannte ihn zum Ehrenmitglied. Für viele Anwesende standen die Veteranen im Mit­telpunkt, zu ihnen gehörte auch Frau (Mutter) Böge und Herr (Opa) Schütt und nicht zuletzt der 78 Jährige Herr Brandt aus Beidenfleth, der einst Ausbilder der Finnen war. Ihm wurde besonders hoch angerechnet, daß er die 25 Kilome­ter zum Lockstedter Lager mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte, um bei den Feier­lichkeiten dabei zu sein.

Am nächsten Tag trafen sich die finnischen Jäger mit deutschen Abordnungen am Rathaus in Kellinghusen, wo sie vom Bürgermeister begrüßt wurden. Danach ging es im Schweigemarsch zu den Gräbern der finnischen Soldaten auf dem Friedhof. Mit dem Glockenschlag 1200 Uhr begann die Feier für die Gefallenen und Toten, Probst Antila hielt die Totenandacht, diesmal umrahmte ein Schülerchor die Feier mit Gesang. Es sprachen auf der Feier ein finnischer und ein ehemaliger deutscher Offizier und zum Schluß Pastor Kröben aus Stellau.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im "Altdeutschen Haus" fuhren die Teilnehmer, in vom ADAC organisierten Pkws zu den alten Ausbildungsstätten, darunter auch zum Störabschnitt bei an der Breitenburger Fähre. Von dort aus fuhr man zum Tee Emp­fang bei Otto Graf zu Rantzau auf Schloß Breitenburg. Rückfahrt zu den Quar­tieren gegen 1900 Uhr.

Am 24.Mai empfingen die Finnen im Bahnhofshotel in Itzehoe zahlreiche Deutsche, die sich um die Vertiefung der deutsch-finnischen Freundschaft und die Jä­gertradition von Lockstedter Lager verdient gemacht hatten. Auf diesem Empfang kündigte der Vorsitzende des Kyffhäuserbundes, Herr Stammerjohann aus Horst an, daß von diesem Jahr an in jedem Jahr eine Gedenkstunde am Jäger-Ehrenmal statt­finden werde. An diesem Empfang nahmen auch die beiden ehemaligen Kranken­schwestern Saara Rampanen und Baronin Ruth Munk teil.

General Vainio ließ eine Dankadresse veröffentlichen: "Für die unvergeßlichen Tage im Lockstedter Lager, Kellinghusen und Itzehoe, danke ich im Namen sämtlicher Jäger herzlichst allen, die sich an den Vorbe­reitungsarbeiten beteiligt haben. Es ist mir unmöglich alle namentlich zu nennen, doch niemand soll vergessen sein.
Im festen Vertrauen auf Deutschlands und Finnlands glückliche Zukunft.
Vainö Vainio

1956 fand eine Feier am finnischen Ehrenmal ohne Beteiligung einer finnischen Delegation statt. Der starke Eisgang auf der Ostsee behinderte die Schiffahrt in einem Ausmaß, daß die finnischen Gäste ihre Teilnahme absagen mußten. An der Feier nahmen Vertreter der Kellinghusener Kameradschaft ehemaliger Jäger und Schützen mit der alten Fahne der Steinburger Jäger teil. Der Vorsitzende der Kamerad­schaft Kellinghusen Major a.D. Hillmann hielt die Ansprache, in der er auch die Geschichte Finnlands streifte. Dr.Hein legte einen Jägerbruch am Ehrenmal nie­der.

Am 25.02.1958 waren zur Feierstunde im Ehrenhain von der Bundeswehr eine Abteilung des Grenadier­bataillons 11 und des Musikkorps Ib, beide aus Hamburg, abgeordnet. Oberst von Tümpling vom Wehrbereichskommando I, Kiel, schritt die Front ab und gedachte der Geschichte des Jägerbataillons Nr.27. Unter den Klängen des Liedes guten Kameraden legte der Leiter der Handelsvertretung der Republik Finnland, Konsul Haahtel den ersten Kranz am finnischen Ehrenmal nieder. Offiziere der Bundeswehr schlossen sich mit dem Kranz des Bundesministers der Verteidigung an. Kreispräsident Dohrn trug den Kranz des Kreises Steinburg, gefolgt von den Abordnungen der Gemeinde Hohenlockstedt und des Verbandes deutscher Soldaten Kreisverband Steinburg und Ortsverband Hohenlockstedt, des Kyffhäuserbundes, Kreis Steinburg, und des deut­schen Jägerbundes und der Jägerkameradschaft Kellinghusen. Am gleichen Tag wurde in Vaskiluoto, einem Ortsteil von Vaasa ein zweites Jägerdenkmal, nach dem Lockstedter Lager, unter Teilnahme von 300 Jägern und großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht.



Der Gedenkstein für die 238. Infanterie Division

"Die Geschichte unseres Gedenksteins im Lockstedter Lager.

   Es wird schwer oder unmöglich festzustellen sein, wann zum ersten Male der Gedanke eines Gedenksteins der Division auftauchte und wer ihn hatte! Aber immer wenn die Taten der Division zur Sprache kamen, waren unsere Gedanken weit draußen auf den Schlachtfeldern und bei den Gräbern unserer Kameraden. In der Heimat hatten wir keinen Platz, wir hatten keine Garnison, die uns militärisch die Heimat bedeutete. Wo also sollten wir ein Denkmal oder einen Stein aufstellen? Als unser Kamerad Pinn dann meinte, ein Fenster seiner neuen Kirche wäre ein guter Ort für ein Gedenken an unser Regiment, waren viele der Ansicht, daß für ein wirkliches Ehrenmal der Division das Lockstedter Lager allein der geeignete Platz sei, dort waren wir einmal aufgestellt worden, von dort waren wir einmal hinausgezogen, dort war die Geburtsstätte unserer immer noch lebendigen Kameradschaft. Dort mußte ein Stein stehen, der einmal von uns künden würde, wenn wir alle nicht mehr unter den lebenden weilen würden.

   Kamerad Brüning hat dann das Gelände erkundet und den Ehrenhain ausfindig gemacht, in dem schon die beiden Ehrenmale für die Toten beider Kriege und das Mal der Finnen standen. Hier in dem Naturgarten war auch der Platz für das Gedenken an unsere Division und unsere Toten. Sogar ein Stein war vorhanden, der unseren Zwecken hätte dienen können, der "Waldersee-Stein" war von den Polen nach dem letzten Krieg zerstört worden und lag nun ungenutzt herum. Bürgermeister Niemann war unseren Wünschen zugänglich, aber die Gemeindevertretung lehnte sowohl den Stein wie den Platz ab. Aber wir blieben hartnäckig und waren der Meinung, was den Finnen gewährt worden sei, müßte auch uns genehmigt werden. Dazu kam, daß wieder durch Brüning ein Stein in einer Kiesgrube am Wardersee gefunden wurde, der unsere helle Begeisterung hervorrief. Der Eigentümer war bereit ihn für ein geringes herzugeben, da er selber an seine Soldatenzeit gute Erinnerungen hatte. Nun hatten wir einen Stein aber noch keinen Platz! Endlich waren die Verantwortlichen in Lockstedt so weit, unseren Wünschen nachzukommen. Da kam eine neue Schwierigkeit: der Transport des ca 6 Tonnen schweren Findlings war mit gewöhnlichen Mitteln nicht zu bewerkstelligen! Da sprang durch die Vermittlung des Steinmetzen die Bundeswehr ein und durch Herrn Major Wittwer, den Standortkommandanten von Itzehoe, bekamen wir Verbindung mit Hauptmann Reitz von der Transportkompanie, der sich sogar freute, einmal eine gute Aufgabe für einen militärischen Zweck zu finden. Die Wagen haben dann gleich in der 6 ha großen Kiesgrube Fahrübungen machen können, wie sie sonst keine Gelegenheit hatten. So kam unser Stein am 2. Februar an seinen Platz. Herr Kolbe aus Itzehoe übernahm die Beschriftung nach unseren Wünschen. Inzwischen hatte ich alle die vielen Vorbereitungen getroffen, die für den Tag der Einweihung notwendig waren. Ich habe in meinem Verzeichnis noch beinahe 500 Namen ehemaliger Angehöriger der Division, habe allen Rundschreiben geschickt, zu Spenden und Teilnahme aufgerufen, wie viele Post ich beantwortet habe, weiß ich nicht, nur daß ich für über 150 DM Porto gebraucht habe! Was hat das allein für Laufereien und Schreibereien gekostet, die Musik nach Lockstedt zu bekommen! Aber dann war doch alles soweit vorbereitet, daß der 29.April kommen konnte.

   Darüber schreibt der Kamerad Dr. Hahn:

   "Als wir am 29. April morgens nach Lockstedter Lager fuhren, beherrschte uns Neugier, um nicht zu sagen Spannung. Wie würde das alte Lager aussehen und, wer von den Kameraden würde zu dem Festtag der Division kommen? Nun, je näher der Zug sich dem Bahnhof "Hohenlockstedt" - so heißt die Gemeinde heute - näherte, umso mehr konnten wir eine deutliche Veränderung im Ortsbild feststellen. Zwar standen die alten Kommandanturbauten, im preußischen Sparsamkeitsstil erbaut, noch am alten Platz. Aber sie wurden verschönt und überhöht durch nette und geschmackvolle Wohnhäuser. Breite asphaltierte Straßen führten durch den lebendigen Ort. Das "Lager" hatte sich verändert. Nach dem Aufhören des Truppenübungsplatzes hatten sich Erwerbssinn und das Streben der Gemeindeverwaltung dafür gesorgt, daß sich ein reges wirtschaftliches Leben entwickeln konnte.

   Und die Kameraden von einst? Auch sie hatten sich verändert, natürlich, denn die Zeit war weiter geschritten, und aus den "Konfirmanden" von 1917 waren Veteranen von 1962 geworden. Das tat aber der Liebe zu den alten Regimentern und Kompanien keinen Abbruch. Sonst hätten wir wohl kaum damit rechnen können, daß über 300 Angehörige der 238. Division mit ihren Familienmitgliedern zu dem Tag gekommen waren. Sie werden es nicht bereut haben, auch wenn sie von weit hergekommen sind.

   Als sie einzeln oder in kleinen Trupps, zu Fuß oder per Wagen, sich beim Sammelplatz vor dem "Kasino" einfanden, gab es schon ein fröhliches Wiedersehen und ein herzliches Begrüßen, aber auch ein neues Kennenlernen, besonders unter den Familienangehörigen. Und schon fielen die Namen von einst: "Arras", "Vitry", "Paschendaele" und all die anderen, wo die Division 1917 und 1918 eingesetzt gewesen ist. Mehr und mehr Teilnehmer fanden sich ein, und die Gasträume des "Kasinos" waren schon gut gefüllt, eine kleine Stärkung nach der Fahrt und vor dem, was sich jetzt abspielen sollte, war eine willkommene Einfühlung. Es muß mit Dankbarkeit anerkannt werden, daß die junge Bundeswehr sich große Mühe gegeben hat, der Veranstaltung einen der Bedeutung des Tages angepaßten Rahmen zu geben. Unter der Stabführung eines jungen Oberleutnants eröffnete der Musikzug der Bundeswehr den festlichen Tag mit einem Konzert auf dem Marktplatz an der Hauptstraße, ehe sich die Teilnehmer, nach Regimentern geordnet, zum Ehrenhain der Gemeinde bewegten, wo der von dem Kiesgrubenbesitzer Lass gestiftete Findling noch verhüllt stand und in kurzem seiner Bestimmung übergeben werden sollte. Kamerad Kurt Treu (Kiel) führte in seiner Ansprache die Gedanken zurück in die Zeit, als wir Jungen in Lockstedt ausgebildet wurden und als sich unter dem ersten Einsatz in Frankreich eine Kameradschaft bildete, die sich damals bewährte und die bis heute - 45 Jahre später - angehalten hat. Den Toten die Treue, den Lebenden die Kameradschaft, bis der Letzte von uns heimgerufen wird, davon soll der Stein Zeugnis geben, der hier im Ehrenhain der Gemeinde Hohenlockstedt zu einer Heimstätte für die Division werden soll.

   Als unter den Klängen des Liedes vom "guten Kameraden" die Hülle des Steines fiel und die schönen Kränze niedergelegt wurden, als die alten Männer für ihre gefallenen Kameraden den Dank für die Treue nur noch in einem Blumengruß ausdrücken konnten, da wurde manches Auge feucht, und dessen brauchte sich keiner zu schämen......

   Nun steht unser Stein zusammen mit dem Ehrenmal der finnischen Kämpfer, die "die deutsche Armee zu Soldaten erzog", mit den Gedenkstätten der Gefallenen aus den beiden Weltkriegen an einer schönen und würdevollen Stätte und kündet den Lebenden und den kommenden Geschlechtern davon, daß Treue und Opferbereitschaft auch heute nicht ausgestorben sind.

   Natürlich gab es nach der Feier ein gemeinsames Essen - die Erbsensuppe war hervorragend - natürlich gab es noch manche Rede des Grußes und der Freude, wie sie auch schon Kamerad Möhlmann für die 465er - Hannover gehalten hatte, natürlich gab es einen Erinnerungsaustausch. Das schöne war, daß bei alledem die jungen Soldaten der Bundeswehr unter uns alten Leuten saßen. Sie hörten nicht nur die Reden, sie lauschten auch den Gesprächen, die nach rechts und nach links und über den Tisch geführt wurden von Männern, die sich 45 Jahre lang nicht gesehen hatten. Ob diese jungen Soldaten wohl etwas davon gespürt haben, daß es über Dienst und Wache und Kaserne im Soldatsein noch etwas anderes gibt, das über Jahre hinaus andauert? Wir jedenfalls wissen das und haben es in Hohenlockstedt neu erfahren und sagen es denen weiter, die nicht unter uns sein konnten. Vielleicht erleben sie dann doch etwas mit!"

   Soweit Kamerad Dr. Hahn.

   Und nun steht der Stein dort, von wo wir einmal hinauszogen, um unsere vaterländische Pflicht zu tun. Die einstimmige Meinung aller die dabei waren, ist, daß wir keinen besseren Platz und keinen schöneren Stein finden konnten. Nun haben wir auch in der Heimat eine Stätte des Gedenkens, sie ist unserer Division und unserer Toten würdig!

   Für alle, die nicht dabei sein konnten, den Tag mit uns zu begehen, soll diese kleine Geschichte geschrieben sein, alle alten Kameraden sollen sie wissen und das Bild vor Augen haben. Die Spendenfreudigkeit hat uns die Möglichkeit gegeben, dies alles zusätzlich zu tun, auch alle diejenigen, die unserem Kreis nicht so eng verbunden sind, sollen nicht ausgeschlossen sein. Außer einer Reihe von Fotos aus der Geschichte des Steins und des 29. April, die jeder bestellen kann, (die Kameradengruppen erhalten alle ein kleines Album) werden wir noch eine Serie Dias machen lassen, die dann gelegentlich auf Kameradschaftsabenden gezeigt werden können. Postkarten vom Stein sind in Arbeit, wer davon welche haben will, kann Bestellungen an mich schicken oder durch seine Gruppe eine Sammelbestellung aufgeben. Alles in allem soll unser Gedenkstein ein weiteres Bindeglied sein unsere Kameradschaft, wenn es möglich wäre, noch fester zusammenschließen und das Gedenken an unsre Division und unsere Toten aufrecht zu erhalten.

         K.Treu"

Bilder der Einweihungsfeier


Der 50. Jahrestag, Anbringung einer Gedenktafel

Gern gesehene Gäste waren alle Finnen, als die Gemeinde am 25.02.1965 der 50. Wiederkehr des Tages gedachten, als finnische Freiwillige nach Lockstedter Lager kamen. Die Bundeswehr ordnete für den Festakt den Spielmannszug des Heeresmusikkorps ab, von den Heeresfliegern am Hungrigen Wolf wurde eine Ehrenkompanie und die Posten am Ehrenmal gestellt. An den Feierlichkeiten nahmen die finnischen Obersten a.D. D.Horn und Koskimies teil. Die Feier begann am Gedenkstein der deutschen Teilung an der Amtsverwaltung. (heute Pflegeheim)

Aus Anlaß des 50.Jahrestages hatte der Gemeinderat beschlossen eine Gedenktafel in Auftrag zu geben, auf welcher des Ereignisses in schriftlicher Form gedacht wurde. Bürgermeister Köthe begründete den Gästen während der Feier den Beschluß, warum die Gedenktafel an der Amtsverwaltung angebracht werde: "So wie der Gedenkstein der deutschen Teilung für uns Ansporn ist nach der Freiheit für alle Deutschen zu streben, so soll uns die Gedenktafel daran erinnern, daß beharrliches Streben nach Freiheit zum Erfolg führt." Nach diesen Worten wurde die Tafel an den Bürgermeister übergeben, der sie den finnischen Gästen zeigte und sie dann am Gebäude anbringen ließ. Nach dieser Zeremonie ergriff Oberst a.D. Horn das Wort und sagte, in seiner kurzen Ansprache, daß diese Gedenktafel das Symbol der Freiheit sei. "Wenn 50 Jahre in der Geschichte nur eine kurze Zeit ist, so sind doch 50 Jahre für ein Menschenleben sehr viel. Ich bin dankbar, daß ich den 25. Februar 1965 unter Freunden in Hohenlockstedt verbringen darf."

Der Festakt an der Amtsverwaltung war damit beendet, die Festgemeinde begab sich zum Ehrenhain. Das Heeresmusikkorps I spielte während des Marsches, als die Ehrengäste und Abordnungen der Freiwilligen Feuerwehr, der Bundeswehr, des Schützenvereins, des Roten Kreuzes und viele andere durch die Straßen zogen, um am finnischen Ehrenmal Kränze niederzulegen.

In seiner Rede blickte Oberst a.D. Horn zurück auf seine Ausbildungzeit und bemerkte: "Das waren damals genau solche Tage - blauer Himmel, Sonne, fast schon Frühlingstage. Wir haben uns jetzt wieder mit alten Kameraden und Ausbildern getroffen und wir sind einem Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung begegnet, dem wir Finnen das Zählen Eins bis Hundert auf finnisch beibrachten als er noch ein kleiner Junge war." Er ging noch auf eine Episode ein, die sich 1964 während der Feier zugetragen hatte und seitdem in Finnland die Runde machte. Ein deutsch sprechender aktiver Offizier der finnischen Armee wurde von einem Hohenlockstedter gefragt ob er ein "roter" Hauptmann sei, die Finnen wären doch jetzt mit den Russen verbündet. Mit einem kleinen Seitenhieb bemerkte Oberst a.D. Horn, daß viele deutsche Bürger und wohl auch Hohenlockstedter nur wenig von der Situation und den Problemen der finnischen Republik wüßten.

Anschließend dankte Bürgermeister Köthe allen, die gekommen waren, - darunter mehrere hundert Einheimische und auswärtige Gäste - um der Feierstunde beizuwohnen. Vor 50 Jahren wären die ersten finnischen Freiwilligen nach Lockstedter Lager gekommen, um sich militärisch ausbilden zu lassen. Sie hätten die Schwere der Ausbildung auf sich genommen, um für ihr Vaterland die Freiheit wieder zu erkämpfen.

Oberst a.D. Kosimies erwiderte die Grüße des Bürgermeisters. Er dankte ihm für die Einladung nach Hohenlockstedt zu kommen. Der Oberst überbrachte die Grüße seiner noch 27 lebenden Kameraden aus der damaligen Zeit, die sich zur gleichen Zeit in Helsinki zum Gedenken an das Lockstedter versammelt hatten.

Bürgermeister a.D. Niemann erinnerte an die langsam wieder auflebenden Kontakte nach dem 1.Weltkrieg als es für die Lockstedter galt, die Kontakte zu den Finnen wieder herzustellen. Niemann dankte den Finnen, daß sie den Freiheitskampf vorlebten, auch wenn es den Deutschen schwer fiele, das nachzuleben.

Nach dem Erklingen der finnischen und deutschen Nationalhymne trafen sich die finnischen Gäste mit Bekannten und Bundeswehrangehörigen in Hülsings Hotel, um Erinnerungen auszutauschen. Dr.Voß überreichte im Auftrage von Landrat Matthiessen den finnischen Gästen einen Wappenteller des Kreises Steinburg, der in der Heimat einen Ehrenplatz erhalten soll, wie der Oberst a.D. Horn sagte.

Bundesverteidigungsminister von Hassel ließ ein Telegramm verlesen, das er aus Bonn an die finnischen Jäger nach Helsinki schickte. Im Telegramm drückte Minister von Hassel seine Verbundenheit mit den freiwilligen aus und bezeugte seine tiefe Hochachtung vor den Toten.

Bilder des Gedenktages

Der Ehrenhain 2008



zurück zum Text