Das Lockstedter Lager zwischen
01.01.1919 und 31.12.1919


Für das Lockstedter Lager und die Gemeinde Winseldorf war als Wahllokal für die Wahlen zur Nationalversammlung Hülsings Hotel bestimmt worden. Die Aufsicht im Wahllokal führten der Garnisonsverwaltungsdirektor Stange und der Gemeindevorsteher Saß.

Die Zahl der Wahlversammlungen war in den vergangenen Monaten merklich stark angestiegen. Am 06.Januar fand im Soldatenheim eine gut besuchte politische Versammlung der Deutschen Demokratischen Partei statt. Den Vorsitz führte die Frau des hier stationierten Hauptmannes Wiemann. Hauptredner war ein Herr Bröcker aus Itzehoe, er schilderte in seiner den Parteigenossen bekannten Art die politischen, wirtschaftlichen und geistigen Notwendigkeiten des deutschen Volkes, für deren Förderung seine Partei eintrat. In der dem Vortrag folgenden kontroversen Aussprache setzte sich ein Herr aus Kellinghusen vehement für die Sozialdemokratische Partei ein, er unterbrach in unerhörter Weise immer wieder die Diskussionsbeiträge anderer Besucher. In seinem Schlußwort verurteilte der Referent unter großem Beifall scharf die durch den Kellinghusener offensichtlich gemachten Unterschiede zwischen beiden Parteien.

Der Weg von Lager nach Lohbarbek (nicht der an das Lager angrenzende Teil) wurde nun endlich als Nebenweg erster Klasse ausgebaut. Die Materiallieferungen und Arbeiten für den 1.670 Meter langen Weg waren vom Landesbauinspektor ausgeschrieben worden. Erhoffter Baubeginn war der Monat März.

Mitte Januar legten alle noch hier internierten russischen Kriegsgefangenen die Arbeit nieder, da ihnen ihre Lohnforderung in Höhe von 2,50 Mark täglich nicht bewilligt wurde. Als Reaktion darauf waren sie von ihren Arbeitsstellen in der Umgebung entfernt und wieder in ihre Quartiere gebracht worden, wo sie die ihnen zustehenden Lebensmittel jetzt selbst kochen und zubereiten mußten. Auch dies schien ihnen nicht zu behagen, denn in der momentanen, turbulenten Zeit waren schon mehrere Gefangene ausgerückt. Vom Soldatenrat des Lagers wurden keine Anstrengungen unternommen die Entwichenen wieder einzufangen.

In der im Hotel "Stadt Hamburg" von der Sozialdemokratischen Partei abgehaltenen öffentlichen Versammlung sprach vor einer wieder überaus zahlreich erschienenen Zuhörerschaft der Redakteur vom Hamburger Echo über das neue Deutschland. Der Redner begann mit einem Rückblick über die letzten Jahre vor und während des Krieges. Die frühere reaktionäre Regierung hätte, beeinflußt durch das Großkapital und die Schwerindustrie sich zu unsinnigen Rüstungen verleiten lassen. Was unsere Gegner zu einem Wettrüsten und zur Vermehrung der Streitkräfte in gleichem Maße ermuntert hätte. Um dieser Schwerindustrie neue Nahrung zu geben, sei sowohl von deutscher als auch von feindlicher Seite mit aller Macht auf den Weltkrieg hingearbeitet worden. Der Prinzenmord in Sarajewo wäre der willkommene Anlaß zur Eröffnung der Feindseligkeiten gewesen. Während des Krieges wäre unter dem Druck der alldeutschen Vaterlandspartei, welche in Ludendorff einen hervorragenden Beschirmer und Verfechter fand, die frühere Regierung immer mehr in jenes länder- und beutegierige Fahrwasser geraten, welches uns schließlich zum Verderben werden sollte. Als notwendige Folgeerscheinung hätten wir dann die Beseitigung des bisherigen Systems durch die Revolution gehabt, welche Friedrich Engels Prophezeiung von den auf das Pflaster gerollten Kronen wahr machen sollte. Der Redner sprach dann über die verschiedenen bürgerlichen Parteien und entwickelte zum Schluß eingehend das Programm der Sozialdemokratischen Partei. In der öffentlichen Aussprache wurden an den Referenten Fragen betreffend der Einheitsschule, Völkerbund und Stellung zur Unabhängigen Partei gestellt, die Herr Köpke zufriedenstellend beantwortete. Dispute mit Vertretern anderer Parteien, wodurch die Versammlungen einen interessanteren Verlauf bekommen hätte, waren nicht zugelassen worden.

Die Versorgungslage im Lager war immer noch prekär, die den Soldaten zustehenden Verpflegungssätze wurden nach deren Meinung nicht ausgegeben. Jede Verpflegungsausgabe gestaltete sich zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit dem Aufsichtspersonal. Am 17.Januar versuchten sogar Freiwillige, die sich zum Grenzschutz Ost gemeldet hatten, die Lebensmittelmagazine zu stürmen. Die sofort vom Arbeiter- und Soldatenrat ergriffenen Maßnahmen verhinderten dieses Vorhaben. Vom Soldatenrat Itzehoe wurde eine zusätzliche Aufsichts- und Ordnungsgruppe der Neuner ins Lager geschickt und blieb vorerst auch dort als Reserve für den örtlichen Rat.

In der Nacht vor diesem Vorfall waren fünf feldgrau gekleidete Männer auf einen Hof in Lohbarbek eingedrungen, um die Räucherkammer auszuplündern. Beim Aufbruch der Kornbodentür erwachten die Hofbewohner und bemerkten die Einbrecher durch die entstandenen Geräusche. Als die Einbrecher sich ertappt sahen, bedrohten sie den Hofbesitzer und dessen Sohn mit vorgehaltenem Revolver. Der Bauer forderte die Eindringlinge auf sofort den Hof zu verlassen. Weil die verhinderten Diebe der Forderung nicht nachkamen, ergriffen der Hofbesitzer und sein Sohn die in Reichweite stehende Schaufel und Mistgabel und gingen damit auf die Einbrecher los, die daraufhin die Flucht in Richtung Lager ergriffen.

Kriegsgräber von Angehörigen von Freikorps und russischen Kriegsgefangenen.

Das Feldartilleriebataillon Nr.9 wurde Ende Januar demobilisiert.

Nach der Meldung einer Berliner Zeitung mußten sich die Bewohner des LoLa darauf einstellen, noch mindestens bis zur neuen Ernte mit der Lebensmittelkarte zu leben. Der allmähliche Abbau der Zuteilungen könne erst ins Auge gefaßt werden, wenn sich übersehen ließe, welche Mengen an Gütern das Ausland liefern würde. In erster Linie sollte die Rationierung des Brotes fortfallen. Für die übrigen Lebensmittel, hauptsächlich Fleisch und Fett, würde es voraussichtlich auch nach der diesjährigen Ernte noch bei der Rationierung bleiben.

Die neuen Rangabzeichen im Heer.
"Ein blauer Streifen war das neue Zeichen für die Rangunterschiede im Heer. Achselstücke, Sterne, Schulterklappen,Tressen und Adlerknöpfe waren weggefallen. Blaue Streifen (Binden) am Oberarm kennzeichneten Unteroffiziere, am Unterarm Offiziere und obere Beamte. Und zwar trug der Unteroffizier einen Streifen, Sergeanten und Fähnriche zwei,der Vizefeldwebel drei, Feldwebel und Offiziersstellvertreter vier je 1,5 Zentimeter breite Streifen mit je einem Zentimeter Abstand. Feldwebelleutnante und Leutnante trugen einen 2,5 Zentimeter breiten Streifen, Oberleutnante einen 2,5 Zentimeter und einen 1 Zentimeter breiten Streifen mit einem Zentimeter Abstand darüber, Hauptleute einen 2,5 Zentimeter und je zwei 1 Zentimeter breite Streifen."

Nach der Demobilisierung traten das Offizierskorps, Ärzte, Beamte, Unteroffiziere sowie das Bäckerpersonal des Feldartillerieregiments Nr.9 am Nachmittag des 01.Februar in den Streik, weil der Arbeiter- und Soldatenrat in der Frage der Kommandogewalt nicht mit der momentanen Regierung einverstanden war und die Absicht hatte, von Itzehoe und aus dem Lockstedter Lager Soldaten gegen die Regierungstruppen nach Bremen zu schicken. In einer Versammlung von Mannschaften und Unteroffizieren wurde beschlossen, einen neuen Soldatenrat zu wählen, der nur aus Angehörigen des Regiments Nr.9 bestehen sollte.

Drei Tage dauerten die Vorbereitungen für die Wahl des Rates. Die von den Mannschaften des Feldartillerieregiments Nr.9 beschlossene Wahl eines neuen Soldatenrats wurde von dem amtierenden Soldatenrat mit Unterstützung aus dem Lockstedter Lager gewaltsam verhindert. Am 02.Februar hatte der Itzehoer Soldatenrat den Rat im Lager aufgefordert Soldaten und Waffen zu schicken, was diese auch taten. Das von den Artilleristen benannte Wahllokal wurde von bewaffneten, teils von den von auswärts herangezogenen Soldaten umstellt und Maschinengewehre herangefahren, so daß die Artilleristen sich ergeben mußten. In einer Versammlung rechtfertigte der Vorsitzende des Soldatenrats Itzehoe das Vorgehen gegen die Artilleristen damit, daß der Soldatenrat mit zehntägiger Kündigung angestellt sei und die Artilleristen kein Recht zu ihrem Vorgehen gehabt hätten. Zudem sollte durch die Anordnungen des Reichswehrministers Gustav Noske den Offizieren die Macht wieder in die Hände gegeben werden. Hiergegen wurde eine Protestresolution angenommen.

Über Unruhen, die im Lockstedter Lager entstanden waren gab es in der Gegend viele unterschiedliche Gerüchte. Tatsache war, im Lager hatte ein neuer Soldatenrat das Sagen. Den "Chargierten" (Dienstgraden) hatten Revolutionäre die Abzeichen abgerissen und auf die Straße geworfen. Überall im Lager lagen Waffen, Munition und Sprengstoff. Am Bahnhof standen unbewacht Kanonen herum. Der Anführer der Revolutionäre, ein Matrose namens Tesch versuchte ständig neue Versammlungen zu organisieren. Er veranlaßte auch das Sammeln der Freiwilligen des so genannten Absendestabes Lockstedter Lager, um ihnen den Bericht des Delegierten der Korpskonferenz zu unterbreiten. Nachdem die verkündeten Beschlüsse der Korpskonferenz gutgeheißen waren, wurde aus der Versammlung folgende Resolution zum Antrag gebracht und gelangte zur einstimmigen Annahme: "Die hier versammelten zirka 2.000 Angehörigen des Grenzschutzes Ost stellen sich einheitlich auf den Boden der gewählten Soldatenräte und geloben den Soldatenräten unverbrüchliche Treue, solange diese die Interessen des Soldatenstandes vertreten."

Nachdem am 04.Februar vom Soldatenrat des IX.Armeekorps Telegramme bezüglich der Entsendung von Freiwilligen nach Bremen angekommen waren, berief der Soldatenrat sämtliche Vertrauensleute der Kompanien zu einer Sitzung im Kasino ein. Es wurde beschlossen, den Mannschaften am nächsten Morgen den Inhalt der erhaltenen Telegramme bekanntzugegeben in der Hoffnung, daß sich Freiwillige für den Einsatz melden würden. Ein Feldwebel einer demobilisierten Infanterieeinheit brachte im Lager das Gerücht in Umlauf, daß am 5. sämtliche Mannschaften nach Bremen befördert würden, um dies zu verhindern müsse der Soldatenrat in Arrest genommen werden. Da besonders bei den älteren Kameraden Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Erklärung bestanden, erklärte der Feldwebel auf Nachfrage, daß die örtliche Sicherheitstruppe auf seiner Seite stände, er hätte auch gehört, daß der Soldatenrat beabsichtige,um sein Vorhaben auszuführen, die im Lager befindlichen 1.200 Russen zu bewaffnen. Der Feldwebel bewaffnete seine Leute und wollte den Soldatenrat, der im Kasino eine Sitzung abhielt, festnehmen. Die Sitzung war aber schon beendet, einige Kameraden die an der Sitzung teilgenommen hatten und hinaus wollten mußten zurück ins Gebäude und gelangten durch die Fenster ins Freie. Sie alarmierten sofort die Sicherheitstruppe. Die im Kasino verbliebenen Ratsmitglieder hatten sich durch die Behauptung, nicht zum Soldatenrat zu gehören, zu entziehen gewußt. Da die Eindringlinge kein Ratsmitglied gefunden hatten, wollten sie die Baracke, in welcher der Soldatenrat wohnte, besetzen. Der dort aufgestellte MG-Posten forderte die sich nähernden Leute auf stehen zu bleiben. Da keiner der Aufforderung folgte und die anrückende Gruppe die Gewehre schußbereit machte und durch die Anführer zu weiterem Vormarsch angefeuert wurde, gab der Posten auf kurze Entfernung Warnschüsse ab. Einige Leute mußten den Versuch, die Baracke zu besetzen, mit dem Leben bezahlen. Als die Situation eskalierte hatten sich die Aufrührer klammheimlich entfernt. Nachdem sich die Lage einigermaßen normalisiert hatte, wurde festgestellt, daß außer mehreren Verwundeten 2 Kameraden den Tod gefunden hatten. Ob dem Vorfall andere Ursachen als die im Gerücht verbreiteten zugrunde lagen, sollte eine Untersuchung ergeben. Ein Ergebnis wurde nie veröffentlicht.

Reisende wurden am frühen Morgen des 06.Februar durch die Einstellung jeglichen Zugverkehrs überrascht. Auf allen Linien in Schleswig-Holstein ruhte der Eisenbahnverkehr. Der Grund konnte den Wartenden am Bahnhof nicht mitgeteilt werdend, da er auch dem Bahnpersonal unbekannt war, jedoch vermuteten die von der Bahn, daß die Arbeiter- und Soldatenräte den Eisenbahnverkehr stillgelegt hatten, um eine Verstärkung der gegen Bremen kämpfenden Regierungstruppen zu verhindern.

Um die große Menge der im Umlauf befindlichen Infanteriewaffen zu reduzieren, wurde die Bevölkerung aufgerufen sich an der freiwilligen Ablieferung von Waffen zu beteiligen. In amtlichem Ton wurde darauf hingewiesen, daß jede Person, in deren Besitz sich unbefugterweise Heereswaffen und Heeresmunition befände, diese bei einer der nachstehenden Sammelstellen abzugeben hätten: Annahmestellen waren eingerichtet beim Garnisonskommando: Toftlund, Hadersleben, Schleswig, Flensburg, Heide, Kiel, Rendsburg, Ratzeburg, Sonderburg, Itzehoe, Neumünster, Wandsbek, Plön, Lockstedter Lager.

Eine weitere ärgerliche Störung des Eisenbahnverkehrs wurde gemeldet. Der montags fällige 05:00 Uhr Zug traf nicht ein. Kohlemangel soll die Ursache gewesen sein. Infolge dessen konnte der 07:00 Uhr Zug auch nicht verkehren. Der Kohlemangel war am Folgetag augenscheinlich behoben.

Mitte Februar wurde im Kreis Steinburg bekannt gemacht, daß die staatlichen Zahlungsmittel wieder in ausreichender Menge vorhanden wären und das vom Kreis Steinburg herausgegebenen Notgeld zum 15.März eingezogen würde. Die Einziehung des vom Lockstedter Lager herausgegebenen Notgeldes sollte bald darauf erfolgen.

Die Regierung in Berlin hatte beschlossen, die Sommerzeit in diesem Jahr wieder einzuführen. Der Beginn war für Montag, den 14.April, 02:00 Uhr früh, das Ende für Montag, den 15.September, früh 03:00 Uhr festgelegt.

Ein Freikorps mit der Bezeichnung Schleswig-Holstein wurde in Rendsburg aufgebaut. Das Freikorps Schleswig-Holstein sollte eine mobile Regierungstruppe aller Waffen in mindestens Brigadestärke werden, unterstellt der Garde Kavallerie Schützendivision für den Heimat- und Grenzschutz. Angehörige des Freikorps trugen auf dem Uniformkragen das Landeswappen als Abzeichen. Im Lockstedter Lager wurde Personal für das Freikorps geworben.

Bei dem vom Lazarettpersonal im Lager abgehaltenen Wohltätigkeitsfest wurde die Summe von 978,30 Mark als Überschuß erzielt, der Betrag kam den Verwundeten und Kranken zugute.

Gegen Endes des Monats März hatte eine aus 4 Personen bestehende Erpresserbande erfahren, daß ein Bauer aus Reher an einen im Lager wohnenden Händler 675 Eier, 43 Pfund Schinken, 12 Pfund Talg und eine Gans verkauft hatte und diese Lebensmittel persönlich beim Käufer abliefern wollte. Die 4 Ganoven beschlossen, sich als Mitglieder des Soldatenrates auszugeben, dem Lieferanten aufzulauern und ihm die Waren abzunehmen. In der Nähe des Hungrigen Wolf hatten sie ihr Fuhrwerk in einem Waldweg versteckt. Zwei Männer der Bande erwarteten den Ahnungslosen auf der Chaussee und erklärten ihm, die Waren seien beschlagnahmt. Der Bauer versuchte die Männer zu bestechen und zahlte noch 50 Mark dafür, daß die "Räte" dafür sorgen wollten, daß er die Hälfte der Waren wieder bekäme. Mit leerem Wagen mußte der Bauer wieder nach Hause fahren. Nach der Anzeige des Bauern gegen die Verbrecher war es der örtlichen Polizei in kurzer Zeit gelungen, die Bande dingfest zu machen und den größten Teil der Ware zu beschlagnahmen.

In der Gerüchteküche wurde weiter gekocht, so wurde aus dem Lager heraus die Nachricht in Richtung und nach Dänemark verbreitet, die nordschleswigschen Kriegsgefangenen würden hierher ins Lager gebracht, um dann nach dem Willen der Regierung in Berlin gegen die Spartakisten eingesetzt zu werden. Daß nichts an dem Gerücht stimmte, bewies die Tatsache, daß die gefangenen Nordschleswiger nach und nach aus den Lagern nach Hause entlassen wurden.

Der amtliche Kartoffelpreis, der im Herbst des vergangenen Jahres auf höchstens 6,50 Mark festgesetzt worden war, wurde für die kommende Ernte auf 10 Mark erhöht. Begründungen waren eine schlechte Ernte, erhöhter Bedarf und zu geringer Anbau. Die Bevölkerung hoffte, daß die gegenwärtige Preiserhöhung zum vermehrten Kartoffelanbau beitragen werde und somit die Preise wieder fallen könnten.

Kein Aprilscherz war der Einbruch bei Schuhmacher H.Thiessen. Gestohlen wurden 8 Paar neue Stiefel, sowie der gesamte Vorrat an Leder und ein großer Teil der Schäfte.

Die Gemüter der Mieter im Ort waren erhitzt wegen eines Beschlusses des Haus- und Grundbesitzervereins, wonach dieser eine Erhöhung der Miete um bis zu 25 Prozent für notwendig hielt. Die Mieter schlugen Alarm und kündigten die Gründung eines Mietervereins an. In beschwichtigenden Erklärungen aus dem Haus- und Grundbesitzerverein hieß es, daß als höchste zulässige Grenze eine Steigerung von 25 Prozent angesehen werde und daß diese Steigerung nicht generell angewandt werden solle.

Nach einer im Armee-Verordnungsblatt veröffentlichten Verfügung sollten die Garnisonen in Schleswig-Holstein aufgelöst werden. Die Reste der Infanterie Formationen würden in Schleswig und die der Artillerie in Rendsburg garnisoniert. Der Itzehoer Bürgermeister Salomon hatte sich sofort nach Bekanntwerden der Ankündigung zum Generalkommando nach Schwerin begeben, um mit diesem die Angelegenheit zu besprechen. Bestätigt wurde ihm, daß das Feldartillerieregiment Nr.9 aufgelöst werde, der Rest des Regiments - 2 Batterien - träten zur Reichswehr über und kämen nach Rendsburg. Itzehoe erhielte eine Nachrichten Ersatzformation, Funker, Blinker, Brieftaubenabteilung usw. insgesamt 150 Mann, die später auf 5 Kompanien gebracht werden sollte. Das Lockstedter Lager sollte voraussichtlich als Truppenübungsplatz erhalten bleiben.

Der Zeugoberleutnant Arendt war zum Artilleriedepot Schwerin versetzt worden. An seine Stelle trat der Zeugoberleutnant Wiemann vom Artilleriedepot Thorn.

Die Namen der Konfirmanden, die am Sonntag, dem 13.April konfirmiert wurden, waren: Walter Kock, Gustav Musfeldt, Hans Göttsche, Heinrich Hinsch, Hans Kleppel, Willy Mohr, Wilhelm Dietrich, Ottilie Hülsing, Elfriede Soth, Bertha Schmidt, Frieda Holtorf, Wolda Mertschat, Anna Hauschildt.

Aus militärischen Kreisen war zu hören, daß man beabsichtige im Lockstedter Lager eine Kriegsschule für das IX.Armeekorps einzurichten, die zunächst von ungefähr 30 jungen Offizieren besucht werden würde. Als Kommandeur der Kriegsschule sei Major Bitter, früher im Füsilierregiment Nr.86 in die engere Wahl genommen. Major Hedicke, früher im Feldartillerieregiment Nr.9 war seit dem 01.April zum Kommandanten des Durchgangs- und Gefangenenlagers bestimmt worden.

Das Kurhaus in Laboe, das bis Dato der dortigen Gemeinde gehörte, wurde mit allem Inventar für 85.000 Mark an den bisherigen Geschäftsführer des hiesigen Offizierskasinos, Bech, verkauft. Der am Strand gelegene Garten, der gleichfalls Eigentum der Gemeinde war, wurde nicht verkauft, sondern lediglich an Herrn Bech verpachtet.

Der Kommandant der Kommandantur des Truppenübungsplatzes, Oberst von Rogister, richtet an die Gemeinden in der Umgegend die Bitte, bei der Bekämpfung der Diebstähle im Bereich des Übungsplatzes mitzuwirken. Der Oberst schrieb: "Alle Diebstähle, auch die an Holz, teils von den Knicks, teils aus den Wäldern nehmen so überhand, daß sie nicht nur auf Not an Brenn- und Baustoffen zurückgeführt werden können. Es wurde viel mehr gestohlen, als selbst ein strenger Winter oder eine große Bautätigkeit erklären könnten. Nach den gültigen Vorschriften müssen Kommandanturen und Garnisonsverwaltungen der Truppenübungsplätze durch die Intendantur dem Kriegsministerium über jeden zu fällenden Baum Rechenschaft ablegen. Trotzdem hat, in Anbetracht der, auch für manche Landleute harten Zeit, zuerst der Soldatenrat und seit dem 26.Februar 1919 auch die Kommandantur im Verein mit der Garnisonsverwaltung, auf eigene Verantwortung, viel Holz zu billigsten Preisen abzugeben. Anstatt Dankbarkeit zu erzeugen, hat dies die Begehrlichkeit leider noch mehr geweckt. Sogar ganze Fernsprechhütten und wertvolle hölzerne Sicherheitswände wurden gestohlen, Türen auch der Steintürme eingeschlagen und vielerlei entwendet. Mehrere Spuren führen in die benachbarten Ortschaften, so daß die beliebte Entschuldigung, Soldaten seien die alleinigen Diebe, nicht aufrecht erhalten werden kann. Obwohl Kommandantur und Garnisonsverwaltung immer wieder den Gesuchstellern antworten, wir dürften nichts mehr abgeben, kommen täglich schriftliche und mündliche Anträge, Holz zu erhalten. Beispiel: Ein Landmann sagte am 11.April folgendes: "Ich bitte, Holz im Schierenwald schlagen zu dürfen. Alle Anderen holen sich Holz. Nur ich bekomme keins, weil ich es nicht ohne Erlaubnis nehmen will." Es ist also so weit gekommen, daß der ehrliche Mann durch seine Redlichkeit sich gegen andere zurückgesetzt fühlt. Am 12.April meldete ein Gendarm, in den benachbarten Ortschaften lägen für Tausende Mark Holz, das vom Truppenübungsplatz stamme. Bei der Garnisonsverwaltung gingen aber bisher nur wenig mehr als eintausend Mark ein. Nach Angabe des Gendarmen handelt es sich nicht nur um Brennholz, sondern das Holz wurde zum Teil auch zu Brettern verarbeitet. Zum Teil sollen die Leute das vom Truppenübungsplatz stammende billige Holz gar nicht selbst verbraucht, sondern zu sehr hohen Preisen wieder verkauft haben. Am Montag, 14.April 1919, sagte mir ein Landwirt in Mühlenbarbek, daß am Sonntag 13.April, wieder mehrere Wagen voll gestohlenem Holz aus dem Schierenwald nach Kellinghusen gefahren worden waren."

Am 30.April wurde der Vizefeldwebel Heinrich S. dabei erwischt, als er in der Bekleidungskammer des Durchgangslagers einen gut erhaltenen Dienstmantel zu entwenden versuchte. Das Verfahren wegen dieses Vergehens fand Ende November 1923 statt, hier wurde ihm auch zur Last gelegt, daß er nach seiner Entlassung, in Celle zwei Sack Hafer, dem Militärfiskus gehörend, sowie seine Dienststiefel und seinen Dienstmantel verkauft zu haben. Das Gericht erkannte auf 3 Monate Gefängnis. Am gleichen Tag im Jahre 1923 wurde gegen den früheren Kanonier Hans M. verhandelt. Er war im September 1919 nicht aus dem Urlaub zurückgekehrt. Bei Urlaubsantritt hatte er bei Karstadt zwei Krawatten weggenommen und im Durchgangslager Dienstgegenstände beiseite geschafft, nämlich einen Dienstrock, ein Koppel und ein Seitengewehr. Wegen Diebstahls und unerlaubter Entfernung von der Truppe wurde der Angeklagte unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft zu 9 Monaten und 1 Woche Gefängnis verurteilt.

Genau in der Nacht zum 01.Mai wurde das Proviantamt im Lager wieder von Einbrechern heimgesucht. Diesmal gelang es den Dieben 21 Behälter mit Kognak, die zusammen etwa 500 Liter enthielten, zu erbeuten. Der Kognak war erst vor kurzem an das Proviantamt überwiesen worden. Die Polizei ging davon aus, daß die Täter gute Ortskenntnis besaßen, denn es waren nur die Zugänge zum Schnapslager aufgebrochen. Es ist unverständlich, daß sich Einbrüche durchführen lassen ohne daß es jemand gemerkt haben will, es waren ja viele Leute auf den Straßen.

In der ersten Woche des Monats Mai wurde ein kleiner Junge aus Kellinghusen durch einen scharfen Zünder, den ein Mann vom Gelände des Truppenübungsplatzes mitgebracht und dem Jungen gegeben hatte, schwer verletzt. Der Junge wollte wisse wie es in dem Metallstück aussieht und zerschlug den Zünder mit einem Beil, wobei der Zünder explodierte. Der Junge erlitt schwere Verletzungen an der Hand, im Gesicht und am Bein, so daß er im Krankenhaus verbunden werden mußte. Es wurde von der Kommandantur erneut davor gewarnt, derartige lebensgefährliche Gegenstände mitzunehmen und sie leichtsinnigerweise Kindern zu übergeben.

Der Rentner Wilhelm Saß wurde als Gemeindevorsteher der Landgemeinde Winseldorf bestätigt.

Ein auf dem Bahnhof stehender Waggon mit Weizenmehl und Schrot war gewaltsam geöffnet worden. Der Dieb hatte zwei Säcke mit je 150 Pfund Weizenmehl mitgenommen.

Der Aufruf zum "Schutz für unsere Kriegs- und Zivilgefangenen" war Anlaß einer sehr gut besuchten öffentlichen Versammlung im Hotel "Stadt Hamburg", die von allen politischen Parteien ohne Ausnahme einberufen worden war. Für den kurzfristig nach Berlin befohlenen Kapitänleutnant Christiansen war ein Redner aus Itzehoe eingesprungen, der in seinem Vortrag eine Darstellung von den Leiden der gefangenen Landsleute gab. Die grausame Behandlung seitens der siegreichen Nationen, besonders der französischen, sei unserer gegenwärtigen Kultur im höchsten Grade unwürdig. Es sei unerhört, daß die ganze zivilisierte Welt gelassen zusehe, wie annähernd eine Million wehrloser deutscher Kriegs- und Zivilgefangenen bestialischen Behandlungen eines in Revanchelust nimmersatten Feindes noch immer ausgesetzt wäre. Der Redner malte den Zuhörern durch Verlesung verschiedener Berichte aus französischen Gefangenenlagern ein erschütterndes Bild von den unerträglichen Qualen der Gefangenen. Schlechte und völlig ungenügende Ernährung, schwere Arbeit, mangelhafte Kleidung, durch erzwungene Unreinlichkeit massenhaft auftretendes Ungeziefer, roheste Behandlung und Prügelstrafe seien die Hauptfaktoren, die zum körperlichen und seelischen Zusammenbruch der Gefangenen führen müßten. Er wies auch auf verschiedene unsinnige Anordnungen hin, die von den Franzosen getroffen würden, um die Qualen ihrer gefangenen Opfer in unmenschlicher Weise zu steigern. In Belgien sollen in einem Gefangenenlager die Sicherheitsmannschaften ganz offen erklärt haben, nur die Hälfte der deutschen Gefangenen dürfe die Heimat wiedersehen. Mit großer Entschlossenheit trat der Sprecher für die sofortige Entlassung aller Gefangenen ein und forderte, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den zurückkehrenden Landsleuten einen würdigen und herzlichen Empfang zu bereiten. - Danach schilderte der Kommandant des Durchgangslagers, Major Hedicke, die Organisation und Aufgaben des Dulags, welches etwa 20.000 heimkehrende Gefangene für die erste Zeit nach der Rückkehr aufnehmen sollte. Er wies darauf hin, daß weite Kreise der Zivilbevölkerung an der großen Aufgabe mithelfen müßten, um den körperlich wie seelisch erschöpften Landsleuten durch einen herzlichen Empfang und durch Unterhaltungsdarbietungen über die letzten Tage der Trennung von den Angehörigen hinwegzuhelfen. Ganz besonders richtete der Vortragende das Wort an diejenigen, die Verwandte in der Gefangenschaft hatten. Wie sein Vorredner, so forderte auch er die sofortige Rückkehr Kriegsgefangenen. Beiden Herren wurde für ihre Ausführungen Beifall gespendet. Im Anschluß an die Vorträge wurde die Gründung einer Ortsgruppe des Volksbundes zum Schutze der Gefangenen angeregt und von der Versammlung beschlossen.

Artikel in der Tageszeitung vom 27.Mai
"Der Spezialarzt für Geschlechtskrankheiten, Dr. med Sommer aus Altona, wies im Kaiserhof seine Zuhörer mit eindringlichen Worten auf die Geschlechtskrankheiten und ihre sozialen Folgen hin, den schlimmsten und heimtückischsten unserer Volksfeinde und er wies an Hand von selbst gesammeltem, statistischem Zahlenmaterial nach, in welch erschreckendem Maß die Geschlechtskrankheiten am Werk wären, unsere Volksgesundheit und damit die Zukunft des Volkes und Vaterlandes zu untergraben. Alle Pläne zur Sozialisierung und Demokratisierung würden unausführbar; aus den harten Fesseln, die uns die äußeren Feinde auferlegten, könnten wir uns wirtschaftlich und kulturell niemals wieder heraus und zu einem freien Volk entwickeln, wenn es uns nicht gelänge, unsere Volksgesundheit, die notwendigste Grundlage der Zukunft, zu erhalten und den schlimmsten Feind unserer Volksgesundheit, die Geschlechtskrankheiten, wirksam zu bekämpfen. Darum fort mit aller falscher Scham und veralteten engherzigen Moral. Mit offenem Visier und allen zu Gebote stehenden Mitteln müßte dieser Volksfeind bekämpft werden. Die Frage der Geschlechtskrankheiten, ihrer Bekämpfung und Verhütung sei die brennendste Tagesfrage, eine Frage, die über Sein und Nichtsein des deutschen Volkes entscheide."

Anfang Juni ermordete der Soldat Schönbohm seinen 19 jährigen Kameraden, den Soldaten Wilke im Mannschaftsraum. Wie berichtet wurde handelte es sich um die Tat eines homosexuell veranlagten Menschen. Nähere Personalien der beiden zum Durchgangslager gehörenden Soldaten waren noch nicht zu recherchieren.

Der Wohltätigkeitsabend am 05.Juni, veranstaltet von der hiesigen Ortsgruppe des Volksbundes zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen, hatte erfreulicherweise viele Zuschauer ins "Stadt Hamburg" gelockt. Zu Beginn berichtete ein Referent aus Itzehoe in groben Zügen über seine 50 monatige Gefangenschaft, teils in Nordafrika, teils in Frankreich. Der Redner gab ein anschauliches Bild von den Leiden, denen die in Gefangenschaft geratenen Soldaten ausgesetzt waren. Er bat die Anwesenden, die Forderung nach restloser Auslieferung unserer Kriegs- und Zivilgefangenen zu unterstützen und vor allem den jetzt schon heimkehrenden Kameraden einen herzlichen und Empfang zu bereiten.

"Ortskrankenkasse für den Kreis Steinburg.
Von dem Ausschuß wurde der vom Vorstand vorgelegte Entwurf einer Familienversicherung, d.h. teilweise Ausdehnung der Versicherung auf die Angehörigen der Kassenmitglieder angenommen. Diese Familienversicherung wird mit dem 01.Januar 1920 in Kraft treten. Ein früherer Termin war nicht möglich, weil die ganze Buchführung darauf eingerichtet werden mußte."

Der Garnisonsverwaltungsinspektor August Hartmann war als Schiedsmannsstellvertreter für den Bezirk Lockstedter Lager verpflichtet worden.

Drei junge Leute, Gülk, Siems und Kreutz aus Hennstedt, wollten mit Handgranaten, die sie auf dem Truppenübungsplatz gefunden hatten, Fische fangen. Die Handhabung einer Handgranate kannten sie nur aus Erzählungen, fühlten sich aber in der Lage mit den Geräten zu hantieren. Am Teich zögerten sie zu lange um die abgezogenen Handgranaten ins Wasser zu werfen, die Handgranaten krepierten in ihren Händen. Siems wurde am Halse schwer verletzt und war verblutet als ärztliche Hilfe erschien. Gülk wurde die linke Hand abgerissen und Kreutz am Gesicht, Körper und Beinen schwer verletzt. Nach Anlegen eines Notverbandes wurden sie in das Itzehoer Krankenhaus gebracht.

Seit dem 04.Juli trafen in mehreren Zügen die in Brunsbüttel gelandeten Truppen aus Saloniki im Lager ein, um von hier aus in die Heimat entlassen zu werden. Es waren zum größten Teil Rheinländer, Bayern und Württemberger, Truppen, die in der Ukraine gekämpft hatten und von den Franzosen in Saloniki interniert wurden. Die Züge waren mit Tannengrün geschmückt. Mit den Klängen des Liedes "In der Heimat, in der Heimat, da gibt's ein Wiedersehn" wurden die Heimkehrer empfangen und von der harrenden Menge aufs freundlichste begrüßt. Im Dulag wurden die frisch aussehenden Truppen vom Lagerkommandanten Hedicke mit einer herzlichen Ansprache begrüßt. Reinigung, Einkleidung und Verpflegung vollzogen sich so geordnet, wie sie nur durch sorgfältigste Vorbereitung möglich sein konnte. Die Stimmung der Heimgekehrten war ausgezeichnet und die Freude über die endliche Heimkehr groß. Die 2.Landwehr-Pionier-Kompagnie des Württembergischen Pionier-Bataillons Nr.407 war in der Zeit vom 05. bis 09.Juli zur Demobilisierung im Lager untergebracht, mit einem Sonderzug wurden die ehemaligen Soldaten am 09.Juli zu ihrem einstigen Heimatstandort gebracht.

"Hausfrauen, jetzt ist die beste Zeit, Euch ein billiges, gesundes und wohlschmeckendes Wintergetränk vorzubereiten. Bald blühen die Linden; laßt keine Blüte, die Ihr erreichen könnt, ungepflückt. Ebenso sammelt das an vielen sumpfigen Bächen üppig wachsende Pfefferminzkraut, dessen Tee besonders gesund ist bei Magenverstimmung,desgleichen die grünen Blätter vom Apfelbaum. Diese Sorten vermischt geben den wohlschmeckendsten Tee, jedem gekauften vorzuziehen. Alle zu trocknenden Blätter und Blüten sollen nicht direkt der Sonne ausgesetzt, sondern mehr im Schatten getrocknet werden. Auch Brombeer- und Erdbeerblätter sollen jetzt gepflückt werden, bevor sie zu hart sind. Das Selbstsammeln und Bereiten macht wenig Mühe, viel Freude und spart unnötige Ausgaben."

Zu Gunsten der heimkehrenden Kriegsgefangenen veranstaltete das Durchgangslager am 19.Juli einen Theaterabend im "Stadt Hamburg". Zur Aufführung gelangte "Hans Huckebein", ein Schwank in drei Akten. Die Leitung der Aufführung lag in Händen des Schauspielers W.Brede (früher Leiter eines Kriegstheaters im Westen). Im Theaterstück wirkten auch vier Damen aus dem Ort mit, die schon häufiger ihre Talente mit Erfolg in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt hatten. Die 15 Mann starke Musikkapelle des Durchgangslagers spielte in den Pausen. Die gleiche Kapelle spielte auch zum anschließenden Tanzkränzchen auf, an dem aber nur die Besucher der Veranstaltung teilnehmen durften.

Nachdem das Durchgangslager zu Anfang des Monats 4.000 Mann der Schwarzmeertruppen aufgenommen hatte, kam jetzt ein weiterer Transport, der 45 Mann aus lettischer bzw. russischer Gefangenschaft zurück brachte, dazu. Die Heimkehrenden kamen mit dem Dampfer "Hannover" aus Riga. Sie klagten sehr über die Behandlung, die sie durch die Letten erfahren hatten und äußerten sich lobend über die Verpflegung und Aufnahme auf dem Schiff, über den Empfang in Lübeck und freuten sich auch über die Aufnahme im Lockstedter Lager. Sie blieben nur wenige Tage und wurden von hier aus in die Heimatorte entlassen.

Kürzlich wurden bei einem Bauern 7 Hühner gestohlen. Der Dieb wurde beim Einsteigen in einen Zug auf dem Bahnhof beobachtet und konnte wieder aus dem Zug herausgeholt werden. Da der Dieb die Hühner in Lohbarbek gekauft haben wollte, den Verkäufer aber nicht nachweisen konnte, wurden die Hühner beschlagnahmt und dem Lazarett übergeben, wo sich die Kranken an einer Hühnersuppe laben konnten. Der rechtmäßige Besitzer meldete sich zu spät bei der örtlichen Polizei, erst nachdem die Verwertung des gestohlenen Guts stattgefunden hatte.

Am 27.August wurden von 8-12 Uhr vormittags auf dem Truppenübungsplatz Handgasbomben vernichtet. Während dieser Zeit waren alle über den Truppenübungsplatz führenden öffentlichen Wege gesperrt.

Vernichtet wurden Kugelhandgranaten in drei Kategorien:
a) ohne Kennzeichen gefüllt mit Bromaceton
b) ohne Kennzeichen gefüllt mit Chlorsulfonsäure (zur Raucherzeugung)
c) Markierung ein rotes "B" gefüllt mit Brommethylethylketon
d) Markierung ein rotes "C" gefüllt mit 95% Methylschwefelsäurechlorid und 5% Dimethylsulfat.

Außerdem wurden einige Stielhandgranaten, markiert mit einem blauen "C" gefüllt mit 40% Diphenylarsinchlorid und 50% TNT vernichtet.

Bromaceton:
Es handelt sich um eine stark stechend riechende farblose Flüssigkeit. Sie ist gut in organischen Lösungsmitteln zu lösen.

Aufnahme:
Der Stoff wird über die Schleimhäute, die Augen und die Atmung auf den Körper einwirken.

Symptome:
Schon sehr starke Verdünnungen von Bromaceton lösen eine Reizung der Augenschleimhäute aus. Bei höheren Konzentrationen kommt es zu Verätzungen der Schleimhäute und der Atemwege bis hin zum toxischen Lungenödem. Es ist ein starkes Brennen der Augen, verstärkter Tränenfluss, Lidkrämpfe und Atemnot mit Zyanose zu erkennen.

Clark I:
Ein farbloses Kristall erinnert vom Geruch an Schuhcreme. Es ist leicht in Benzol und Ethanol zu lösen. Bei einer feinen Verteilung verläuft die Hydrolyse sehr schnell. Das Produkt ist ein weißer oder grauer Rauch.

Aufnahme:
Der Stoff kann über die Haut, Schleimhaut und die Atemwege aufgenommen werden.

Allgemeines:
Es wurde im ersten Weltkrieg von den Deutschen als Maskenbrecher eingesetzt. Die damaligen Schutzmasken konnten Clark I nicht abhalten. So waren die Soldaten gezwungen die Masken abzunehmen oder dort hineinzubrechen und zu ersticken. Bei abgesetzten Schutzmasken konnten die anderen chemischen Kampfmittel nun ihre Wirkung tun.


Der nordschleswigsche Kriegsgefangene Carl Christ, welcher im Dulag untergebracht war, flüchtete aus unbekannten Gründen. Vor der Flucht hatte er einem Mitbewohner die Brieftasche mit 300 Mark Inhalt sowie dessen Uniform gestohlen. Obwohl ein Fahndungsersuchen gestellt wurde blieb die Suche erfolglos.

Am ersten Samstag des September fand im Hotel "Stadt Hamburg" ein Wohltätigkeitsball und Sportabend mit turnerischen und sportlichen Einlagen zugunsten der Kriegsblinden statt. Die Musik stellte das Dulag, von dem auch der Abend veranstaltet wurde. Das Auftreten des Dulag-Chors, der an diesem Abend vor dem Publikum auftrat, hatte bereits in Itzehoe großen Erfolg und die Chorleitung versprach, auch hier Erstklassiges zu bieten. Da der Reinertrag für die heimkehrenden Kriegs- und Zivilgefangenen bestimmt war, war die Werbetrommel entsprechend gerührt worden. Anschließend an das Konzert sollte das obligatorische Kränzchen stattfinden. Ein paar Tage später fand im Garten Clausthal in Kellinghusen ein großes Gartenkonzert statt, das ebenfalls von der Kapelle des Dulags unter Leitung des Dirigenten Unteroffizier H.Lange ausgeführt wurde.

Der Männerchor "Dulag" gab im Hotel "Stadt Hamburg" mit Unterstützung der Kapelle des Dulags ein Instrumental- und Vokalkonzert vor voll besetztem Hause. Was an musikalischen und gesanglichen Darbietungen vorgetragen wurde, war hier am Ort lange nicht geboten worden. Wenn man berücksichtigte, daß der Männerchor sich erst vor einiger Zeit zusammengetan hatte, nur um zu Gunsten der heimkehrenden Kriegs- und Zivilgefangenen zu wirken, so mußte man deren Leistungen lobend anerkennen. Der wohlverdiente Beifall hierfür blieb demgemäß nicht aus. Auch die Lagerkapelle unter der Leitung des Unteroffiziers H.Lange erwies sich als ein gut zusammengesetztes Orchester, das unter einer festen Leitung schöne Konzertstücke zu Gehör brachte. Diese wie auch die Solies für Geige und Flöte fanden größten Beifall. Es waren anregende Stunden. Ein gemütliches Tanzkränzchen beschloß den gelungenen Abend.

Am 21.September liefen hier zwei Züge mit 1.500 ehemaligen Kriegsgefangenen ein. Es hatten sich viele Schaulustige eingefunden. Truppen und Publikum begrüßten sich herzlich. Der Bahnhof war geschmückt, eine Militärkapelle spielte und eine ganze Anzahl von Krankenschwestern und jungen Mädchen boten den Heimkehrenden durch Blumen, Obst und Zigaretten ein herzliches Willkommen. Die Heimkehrenden, die nach dreitägiger Fahrt endlich den Fuß auf heimatlichen Boden setzen konnten, kamen alle aus englischer Gefangenschaft in Frankreich. Alle sahen stark gebräunt aus und befanden sich durchweg in einem sehr guten Zustand. Während sie vor dem Waffenstillstand meistens in Steinbrüchen schwer gearbeitet hatten, wurden sie nach Abschluß desselben mit leichten Arbeiten (Blei sammeln usw.) in englischem Interesse verwendet. Beim Wiederaufbau der Orte wurden nur Soldaten verwendet, die in französischer Gefangenschaft waren. In Begleitung der Musik marschierten die Angekommenen dann ins Barackenlager, wo sie von Major Becker begrüßt wurden. In den Baracken wartete dann Essen auf sie. Nachdem die Heimgekehrten neu eingekleidet waren, wurden sie in die Heimat abtransportiert.

Festgenommen wurde ein Mann wegen des Diebstahls von 25 Militäranzügen, welche er sich durch Einbruch ins Kleidermagazin des Lagers angeeignet hatte. Der Festgenommene war in vollem Umfange geständig und hatte erklärt, die gestohlenen Anzüge im Gehölz bei Fölster versteckt zu haben. Ein im Ort wohnender Arbeiter war als Hehler ermittelt worden.

Ende September wurden 800 ehemalige Kriegsgefangene aus dem Lager nach Berlin transportiert, dafür trafen hier kurz darauf 1.200 ehemalige Kriegsgefangene hier ein.

Für das Betreten der Bahnsteige mußten Nichtreisende bis jetzt 10 Pfennig zahlen. Vom Beginn des Monats Oktober ab war der doppelte Betrag zu zahlen. Es mußten bis zur Neuanfertigung der Bahnsteigkarten von den jetzigen zwei gelöst werden, um einmal die Sperre zu passieren.

Um den 20.Oktober trafen hier zwei Sonderzüge mit 1.971 heimkehrenden Gefangenen aus Brunsbüttel ein. Am 22.Oktober folgten weitere 1.580 ehemalige Kriegsgefangene.

Der Knecht des Bauern Sievers von der Lohmühle, fuhr zur Stadt, um im Auftrage seines Arbeitgebers Besorgungen zu machen. Als er sich auf der Rückfahrt befand, wurde er gegen 13:00 Uhr, kurz vor dem Gut Schmabek, von zwei unbekannten Männern angerufen und gebeten, mitfahren zu dürfen. Der Ahnungslose hielt an und nahm die beiden Unbekannten auf seinen Wagen. Zwischen der Wirtschaft Oesau und der Lohmühle wurde er von den Beiden plötzlich gepackt, niedergedrückt, mit einem Strick gefesselt und ihm ein Sack über den Kopf gebunden. Alsdann raubten ihm die Wegelagerer seine Taschenuhr und sein Portemonnaie mit 30 Mark Inhalt, rissen ihn vom Wagen, warfen ihn in den Chausseegraben und jagten mit dem Fuhrwerk davon. Da der räuberische Überfall in der Nähe des Gehöftes des Bauern Sievers erfolgte, hörte Sievers das Schreien seines Knechtes, worauf er hinzueilte und den Beraubten aus seiner schlimmen Lage befreite. Alsdann schwang er sich auf ein Pferd und nahm die Verfolgung der Räuber, welche versuchten, auf der alten Landstraße Itzehoe-Ottenbüttel zu entkommen, über Blauer Lappen und Pünstorf auf. Dem Sievers gelang es, die Banditen einzuholen, worauf sie vom Wagen sprangen und querfeldein liefen und leider obwohl sich zwei Radfahrer an der Verfolgung beteiligten, im Gehölz entkamen. Der Überfallene war 67 Jahre alt und außerstande, sich wehren zu können. Trotz umfangreicher, sofort aufgenommener Ermittlungen von Polizei und Gendarmerie konnten die Räuber nicht gefaßt werden.

Eine neue Busverbindung wurde zwischen Bad Bramstedt-Kellinghusen-Lockstedter Lager und Itzehoe Ende Oktober eingerichtet, der Fahrplan wurde in der Tageszeitung veröffentlicht.

Infolge der Aufhebung des Zugverkehrs an Sonntagen fiel die Montagspost mager aus. Die Sonntagszeitungen waren ganz ausgeblieben, erst recht die Montagszeitungen. Aus Berlin war überhaupt nichts eingetroffen.

In der Nacht zum 02.November wurden hier aus einer Militärkasse 11.000 Mark gestohlen.

Auf einige wichtige Regeln für Autofahrer wurde in der Presse mehrfach hingewiesen, so war es verboten Pfeifen, Klaxenhörner oder Trompeten zu benutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. In Ortschaften war lediglich die tieftönende Hupe erlaubt. Das Fahren mit offenen Auspuffklappen war streng verboten. Eine Entschuldigung, die starke Rauchentwicklung würde durch die schlechten Betriebsstoffe verursacht, könne nicht anerkannt werden. Auch für das Fahren ohne Licht sei der Mangel an Brennstoff kein Grund zur Übertretung der Vorschriften. Schlimmstenfalls müsse das Fahren unterbleiben.

Mitte November trafen ständig Züge mit freigelassenen Gefangenen ein. Im Laufe der Woche wurden hier zahlreiche Heimkehrer aus der Türkei und Ostafrika erwartet. Auch die Besatzung der "Breslau" war für diese Tage zur Rückkehr angemeldet. Diese Rückkehrer kamen in eine Kälteperiode, mehrfach sank das Thermometer auf 12,5° unter Null, eine Kälte, wie sie Mitte November hier wohl noch niemals verzeichnet wurde. Man glaubte sich in die Mitte des Januar versetzt, wo selbst solche Kältegrade eine Seltenheit sind. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Frost in dieser Stärke enormen Schaden angerichtet hatte, denn trotz der Schneedecke hatten die noch nicht geernteten Kartoffeln, Rüben und dergleichen gelitten. Was auf dem Eisenbahntransport war, war größtenteils vernichtet. Die Knappheit an Feuerungsmaterial machte sich bei dieser Kälte im ganzen Lager empfindlich bemerkbar. Besonders schlimm war die Kälte für die unpassend gekleideten Soldaten der ehemaligen Schutztruppen aus Ostafrika, die hier bei arktischen Temperaturen eintrafen. Daß sie in eine solche Kälte kommen würden, daran haben sie in Ägypten und Algerien, wo sie interniert waren, nicht gedacht.

Für das in Kellinghusen zu errichtende Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Weltkrieges hat der Männerchor "Dulag" die Einnahme der letzten Veranstaltung in Höhe von 120,70 Mark an die Stadt überwiesen.

Das Tauwetter setzte früher ein als vorausgesagt. Bei vorherrschendem Südwestwind und 4° Wärme schmolz der Schnee rasch. Auf den Straßen war naturgemäß ein entsetzlicher Matsch entstanden, der den Verkehr behinderte. Vor Lastwagen wurden manchmal bis zu 4 Pferde gespannt, um sie aus dem Schlamm zu ziehen. Die Menschen hofften, daß die Tauwetterperiode anhalte und der Rest der diesjährigen, für die Jahreszeit recht lang anhaltende und strenge Kälteperiode bald verschwinde.


Afrikanerdank

Zur Erinnerung an den herzlichen Empfang, den wir deutsch-ostafrikanischen Kriegsgefangenen auf deutschem Heimatboden fanden.

Den deutschen Frauen, welche in Brunsbüttelkoog und Lockstedter Lager sich unserer in der freundlichsten Weise annahmen, welche durch ihr Beispiel zeigten, daß Opferfreudigkeit und treue Pflichterfüllung im deutschen Volke nicht erloschen sind und uns dadurch Hoffnung auf eine glückliche Zukunft unseres Vaterlandes gaben, sind diese Verse in höchster Verehrung und Dankbarkeit gewidmet.

Wir kehrten heim vom afrikanischen Strande, Voll frohen Muts. Doch Weh! Auf weitem Meer Das stolze Zeichen von dem Heimatlande - die deutsche Flagge - grüßte uns nicht mehr. Sie, die von tausend Masten hoch sonst wehte, In stolzem Flug von Land zu Land, Nicht eine unser suchend Aug' erspähte, Von allen Meeren sie verschwand. Weh, Deutschland liegt am Boden, ist zerschlagen, Kann man von Hoffnung noch zu sprechen wagen?

Gottlob, wir können's! Seht die frohe Menge, Die dort am Hafen Kopf an Kopf sich drängt. Es grüßen uns die lieben Heimatklänge, Und jubelnd uns die Heimat neu empfängt. Welch frohes Rufen! Alles singt und freuet. Ihr Volksgenossen, habet tausend Dank, Daß Ihr von schwerem Druck die Brust befreiet, Durch den begeisterten Empfang. Kein Schicksal kann ein Volk zum Tod verdammen, Bei dem noch lodern der Begeisterung Flammen.

Und deutsche Frauen, Euch den Dank zu sagen, Ist mir Bedürfnis, allerhöchste Pflicht, Wer Euch gesehen, kennt nicht mehr Verzagen, Dess' Herz erfüllt nur frohe Zuversicht. Der Frohsinn, der aus Euren Augen leuchtet, Die Opferfreudigkeit ohn' Maß und Ziel, Die Freundlichkeit, mit der Ihr Gaben reichtet. Ihr lieben Frauen, fast war es zuviel, Wie Ihr in später Nacht, am frühen Morgen, Für uns, die Heimgekehrten, mußtet sorgen.

Ihr tatet's gern, wir fühlten's. Nie und nimmer, Vergessen wir, was Ihr für uns getan, Und wenn das Vaterland im Strahlenschimmer Aufwandelt wieder seine Ruhmesbahn, Dann wird man lauter Euer Lob noch singen: "Sie gaben uns ein Beispiel treu zu sein, Sie lehrten uns ein fröhlich Opfer bringen, Sie zeigten uns sich an der Arbeit freu'n." Ihr Männer, folgt dem Beispiel solcher Frauen, Dann wird gelingen, neu das Reich zu bauen.

Die Pflicht getan! Es ist noch nichts verloren, Solange wir uns selber nur vertrau'n. Wir Afrikaner alle haben es geschworen: Wir wollen helfen wieder aufzubau'n, Wir wollen wirken, daß das Reich erstehe, So stolz und Herrlich, wie es jemals war, Daß Deutschlands Fahne neu entfaltet wehe. Dem Licht entgegen steig' der deutsche Aar Für solch' ein Ziel, kein schön'res kann es geben, Gilt's deutsche Männer, freudig nun zu streben.

Dann bringet Frucht der treugehegte Samen, Dann wird das Vaterland aufs neu erblüh'n. Wir alle aber, die wir fernerher kamen, Wir können fröhlich wieder südwärts zieh'n. Nach Deutsch-Ostafrika - O, wie so gerne Betreten wieder wir dies Sonnenland. - Umschlingt uns dann zu Haus und in der Ferne, Ein einig unzerreißbar festes Band, Dann werden wachsen und gedeihen, herrlich blühen, Das deutsche Vaterland und seine Kolonien.

Albert Peperkorn,
Kellinghusen
Schutztruppe Deutsch-Ostafrika


Abgesehen von den Fliegern und den an der Versenkung der deutschen Flotte bei Scapa Flow beteiligten deutschen Seeleuten haben jetzt alle deutschen Kriegsgefangenen England verlassen.



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1900 - 1921