![]() Wie in ganz Deutschland, so erhielten auch die hier übenden Truppen des X.Armeekorps, Infanterieregiment Nr.78 (Osnabrück und Aurich) und Infanterieregiment Nr.91 (Oldenburg), sowie Feldartillerieregiment Nr.26 (Verden) und Nr.62 (Oldenburg und Osnabrück) am Mittwoch, den 29.Juli den Befehl in die Garnisonen zurückzukehren. Die Feldartillerieregimenter Nr.26 und Nr.62 marschierten nach Herstellung der Marschbereitschaft nach Itzehoe, wo sie auf die Bahn verladen und in den Heimatstandorte transportiert wurden. Für die Infanterieregimenter wurden im Lockstedter Lager Sonderzüge bereitgestellt, die in großer Eile beladen und abgefertigt worden waren. Auf der Bahnstation herrschte während des gesamten Tages und der ganzen Nacht rege Geschäftigkeit. Zug auf Zug passierte den Bahnhof, leere und mit Truppen besetzte Züge. Natürlich erregten die Truppentransporte und der hastige Aufbruch der Einheiten großes Aufsehen und nervöse Unruhe; dachte man doch allgemein an die Mobilmachung. Wie der zivilen Bevölkerung vermittelt wurde, hatte diese allgemein angeordnete Maßregel mit einer Mobilmachung noch nichts zu tun, denn diese könne nur in den Garnisonen erfolgen. Der Rückruf der Truppen wäre eine notwendige Vorbereitung, damit die Mobilisierung gegebenenfalls erfolgen könnte. Von den in Lager in Umlauf gesetzten Gerüchten bewahrheiteten sich die wenigsten, meistens waren es Übertreibungen. So sollten die Bataillone des Infanterieregiments Nr.163 aus Neumünster und Lockstedter Lager bereits ausgerückt sein. In Wirklichkeit war aus Neumünster eine Kompanie und aus dem Lockstedter Lager eine halbe abgefahren, sie wurden zur Bewachung von Brücken und Schleusen eingesetzt. Diese Bewachung war in den Tagen vor dem Rückruf von Gendarmen und Beamten durchgeführt worden. Auch die Gerüchte von der Festnahme dänischer und russischer Offiziere in Rendsburg, die der Spionage bezichtigt worden seien erwiesen sich als falsch. Insgesamt waren 16 Züge zum Transport erforderlich; am Donnerstagmorgen um 04:00 Uhr war das Lager geräumt.
Mit der Bekanntgabe des Kriegszustandes wurde die Pressefreiheit stark eingeschränkt. In den Zeitungen wurden während des Krieges keine Berichte mehr über das Lockstedter Lager veröffentlicht. Mit Beginn der Maßnahme unterlag auch der Fernsprechverkehr der Reglementierung und die Bahn verkehrte erheblich reduziert. Auf der Strecke Itzehoe-Wrist fuhren für die Allgemeinheit nur zwei Züge, einer in der Nacht und einer am Tag, andere Züge waren dem Transport von Reservisten und Einberufenen vorbehalten. In den umliegenden Ortschaften begannen die Einquartierungen. An zentrale Punkte der Orte wurden mit Fuhrwerken und Lastautos Ausrüstungsgegenstände transportiert, die Kammerbaracken im Lager quollen über. Die Einquartierungskommission sprach wiederholt bei den Familien im Ort vor in der Hoffnung noch einige Plätze requirieren zu können. Im und um das Lager waren zirka 12.000 Mann durch die Aufstellung der Reserveeinheiten in Quartier. In diesem Durcheinander wurde in Bramstedt ein Deserteur, angeblich vom Colmarer Jägerbataillon (Elsaß) verhaftet. Er wurde ins Lager transportiert und die Gerüchteküche machte aus ihm einen russischen Flieger, der in Bramstedt abgeschossen worden war. Zwei Tage später wurde der Deserteur mit Bedeckung nach Spandau gebracht. Die zivilen Bewohner des Lockstedter Lagers ahnten, daß schwere Zeiten auf sie zukommen würden als sie die Bekanntmachung des Garnisonsältesten Oberst Stüve, die auch auf das Lager Auswirkungen hatte, zur Kenntnis bekamen, der Wortlaut: "Durch Kaiserliche Verordnung vom 31.07.1914 ist das Deutsche Reich in Kriegszustand erklärt. Die vollziehende Gewalt geht hierdurch an mich über. Die Zivilverwaltungs- und Gemeindebehörden verbleiben in ihren Funktionen, haben aber meinen Anordnungen und Aufträgen Folge zu leisten. Nähere Verordnungen werde ich bekanntmachen lassen. Alle Einwohner werden dringend davor gewarnt, den Anordnungen des Militärs Widerstand entgegenzusetzen. Gegenüber jeder Widersetzlichkeit wird ohne Schonung von der Waffe Gebrauch gemacht und mit der größten Strenge vorgegangen werden. Es wird ferner dringend davor gewarnt, sich bei Aufläufen als Zuschauer zu beteiligen, es ist sonst unvermeidlich, daß zuschauende Personen beim Einschreiten des Militärs in Mitleidenschaft gezogen werden." Im Bereich des Lagers wurden neu eingerichtet: ein Reservelazarett, untergebracht in vorerst drei Baracken, ein Pferdedepot (3 Offiziere und 50 Unteroffiziere und Mannschaften), ihm wurden vier Ställe zugewiesen und als erste Maßnahme nahezu 500 Pferde zugewiesen, das neu aufgestellte Pferdelazarett (2 Veterinär Offiziere und 75 Unteroffiziere und Mannschaften vom Train) erhielt einen Krankenstall. Die Veterinäre für das Pferdelazarett waren Reservisten im Rang Hauptmann (Stabsveterinär) und Oberleutnant (Veterinär), sie stammten alle aus der unmittelbaren Umgebung. Leiter des Pferdelazaretts wurde der Tierarzt Mannhardt aus Kellinghusen. Unter hohem Druck wurde das Reserve Feldartillerieregiment Nr.17 im Lager aufgestellt und am 12.August an die Westfront nach Flandern transportiert. Ende August hatte das Regiment die Feuertaufe schon hinter sich und kämpfte am 25.August in der Provinz Brabant bei Over de Vaart und am 27.August bei Rotselaar; an beiden Orten war der Blutzoll recht hoch. Von den in der Umgebung und im Lager zusammengestellten Truppenteilen, die in den umliegenden Ortschaften einquartiert waren, waren verschiedentlich Ausrüstungsgegenstände und leere Patronenkasten in den Quartieren zurückgelassen worden, Teile, die von der Truppe dringend an der Front gebraucht wurden. Die Bevölkerung wurde gebeten, Ausrüstungsgegenstände sowie Patronenkasten, die sie gefunden hatten, als Heeressache an das Nebenartilleriedepot im Lockstedter Lager zu schicken. Die Mannschaften des Landsturms, die das Arbeitskommando und die Wachmannschaften für das Lager stellen sollten waren vor dem Einrücken aufgefordert worden, derbe und brauchbare Kleidung mitzubringen, da sie vorläufig ihre eigene Kleidung tragen mußten. Die landsturmpflichtigen Bäcker aus dem Kreis Steinburg hatten sich am 9. Mobilmachungstag (10.August) beim Proviantamt in Itzehoe zu melden. Ein Teil der Bäcker wurde zu den Reserveregimentern kommandiert, der Rest auf "Brotfabriken" verteilt. Infolge des Krieges war ein erheblicher Brotbedarf für das Militär entstanden. Drei Fabriken hatten sich um einer amtlichen Maßnahme zuvor zu kommen der Militärbehörde zur Verfügung gestellt. Es waren dies die Brotfabrik von Hahn und Schütt hier im Lager, die Brotfabrik des Itzehoer Konsumvereins und die Itzehoer Brotfabrik GmbH. Die Itzehoer Brotfabrik konnte aufgrund ihrer modernen Einrichtungen bei durchgehendem Betrieb täglich etwa 300 Zentner Mehl verarbeiten und den täglichen Brotbedarf für rund 20.000 Mann decken. Bei Hahn und Schütt waren es dagegen zirka 75 Zentner, was für 5.000 Mann ausgereicht hätte. Die Brotfabriken wurden am 13.August von der Militärverwaltung übernommen. Die Bäckerei Hahn und Schütt hätte die im Lager untergebrachten Soldaten nicht allein versorgen können. Gerüchte schwirrten im Lager umher und irgendjemand hatte erzählt, es sei ein Spion in der Uniform eines fremden Offiziers gesehen worden. Das Gerücht verdichtete sich im Kopf eines Wachtpostens (ein Bürgers mit einer Armbinde, die ihn als Posten kenntlich machte) am Bahnhof zur Wahrheit. Als ein Feldwebelleutnant auf dem Bahnhof die durchfahrenden Truppen begrüßte und befragte, wurde dieser als jener Spion angesehen. Die feldgraue Uniform mit den neuen Achselklappen, die an beiden Längsseiten durch Goldtressen geziert waren und schließlich noch einige bunte Orden auf der Brust waren dem Wachtposten Anzeichen genug, daß da etwas nicht stimme. Und was tat er? Er forderte Soldaten, die auf dem Bahnhof standen auf, ihm beizustehen den Spion zu fangen. Diese Aktion hatte selbstverständlich neugieriges Publikum auf den Plan gerufen und schließlich bewegte sich ein Strom von Gaffern hinter dem "Spion" her, der just in dem Moment festgenommen wurde als er seine treten wollte. Man brachte den "Verräter" zur Wache und es stellte sich heraus, daß es ein kriegsfreiwilliger Feldwebelleutnant vom Feldartillerieregiment Nr.9 war! Das stellvertretende Generalkommando in Altona erklärte Ende August alle Tanklager mit Benzin und Benzol für beschlagnahmt, soweit die Beschlagnahme noch nicht von der Ortspolizeibehörde durchgeführt sein sollte. Einen Tag später wurde die Beschränkung im Fernsprechverkehr aus dem Bereich des IX.Armeekorps und innerhalb desselben mit Einschränkungen aufgehoben. Ferngespräche waren somit aus dem Unterstellungsbereich in das Reichsgebiet zulässig, mit Ausnahme von Gesprächen aus und in die Befehlsbereiche des Gouvernements des Reichskriegshafens Kiel und der Kommandantur Cuxhaven. Die Genehmigung zu derartigen Gesprächen war bei den betreffenden Marinebehörden zu beantragen. Gespräche ins Ausland blieben nach wie vor untersagt. Durch ein Telegramm des Kommandierenden Generals des IX.Armeekorps v. Quast an die Kommandantur und den Hamburger Senat, das er aus Rebais schickte, wurde zum ersten Mal amtlich bekannt, daß das Korps östlich von Paris, zwischen dem Großen und Kleinen Morin, das sind Nebenflüsse der Marne, nordöstlich von Coulommiers, etwa 30 Kilometer östlich von Paris eingesetzt war. Der Garnisonsälteste erließ aufgrund von wiederholten Ausschreitungen und Schlägereien zwischen Soldaten und Soldaten oder Soldaten und Zivilisten einen Garnisonsbefehl und hat darin sämtlichen Wirten und Geschäften verboten, den Mannschaften einschließlich der Gefreiten Spirituosen in irgendwelcher Form zu verabreichen. Im Falle der Zuwiderhandlung würde er sich gezwungen sehen, den Mannschaften den Besuch solcher Gaststätten und Geschäfte zu verbieten. Im Lager konnten keine Soldaten mehr untergebracht werden, deshalb wich man erneut in die umliegenden Ortschaften aus. Am 17.September wurden in der Gegend Einquartierungen vorgenommen. In Kellinghusen waren 1.700 Mann und 400 Pferde unterzubringen. Nach einem ersten Überblick über die Benzinerzeugung während des Krieges im eigenen Land, wurde Benzin in geringen Mengen für den Privatgebrauch wieder zur Verfügung gestellt. Die Beschlagnahme der gelagerten Fertigprodukte und der zu erzeugenden Ölprodukte wurde aufgehoben. Dennoch blieb die Veröffentlichung den Benzinverbrauch betreffend in ihrem vollen Umfang in Kraft. Auf Anfragen einiger Unternehmer bei der Kommandantur wurde diesen mitgeteilt, daß die Freigabe von größeren Kontingenten Benzin nur dann beim Generalkommando beantragt werden dürfe, wenn das Gesuch detailliert begründet werde. Wie in anderen Orten auch, so sollte hier eine Jugendwehr gegründet werden. Die Anregung dazu ging vom stellvertretenden Kommandierenden General des IX.Armeekorps aus. Alle Jugendlichen, die das 15. Lebensjahr vollendet hätten und noch in keinem militärischen Verhältnis stünden, wären zum Eintritt aufgefordert. Die Ausbildung erfolge ohne Waffe und ohne Uniform. Im Ort selbst bestand nicht die Absicht eine solche Wehr zu gründen, Jugendliche des Ortes konnten sich der im Aufbau begriffenen Jugendwehr in Kellinghusen anschließen. Aufgrund der Einberufungen zum Militärdienst war der Mannschaftsbestand bei der Freiwilligen Feuerwehr zurückgegangen. Es wurde daher angeordnet, daß bei etwaigem Feueralarm sich sämtliche verfügbaren Kräfte zur Hilfeleistung unverzüglich zur Brandstelle zu begeben hätten. Der Brauch in der Feldmark und an den Waldrändern Beeren zu sammeln wurde von Besitzern der Wälder und Äcker nicht gern gesehen, sie setzten ein gemarkungsweites Verbot für alle auswärtigen Beerensammler durch, mit der Warnung, daß Zuwiderhandlung eine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen würde. Erst spät im September wurde im Ort bekannt, daß auf dem Schlachtfeld bei Mons, am 23.August der Kantinenwirt Hermann Scheele schwer verwundet wurde und am 27.August an den Folgen der Verwundung gestorben war. Er wurde auf dem dortigen Friedhof beerdigt. Weil im Lockstedter Lager nicht alle einberufenen Reservisten untergebracht werden konnten waren in der Gegend alle Orte belegt. Allein Kellinghusen beherbergte zur dieser Zeit mehr als 1.000 Soldaten die zur Infanterie und auch zur Artillerie gehörten. Zeitungsnotiz "Kameradschaft": "Ein schönes Beispiel edler Kameradschaft gab am letzten Sonntag Oberst von Oertzen, Kommandeur des teilweise in Kellinghusen einquartierten Infanterieregimentes Nr.215. Als das Gefährt des Obersten auf der Chaussee Lockstedter Lager - Kellinghusen fünf Landwehrleute und eine Frau überholte, forderte der Oberst alle freundlich auf, mit nach dem gemeinsamen Reiseziel Kellinghusen zu fahren, obgleich der Wagen nur für vier Personen ausreichte. Der Oberst begnügte sich jedoch mit einer kleinen Ecke, so daß schließlich alle Platz fanden. Während der Fahrt unterhielt sich der hohe Offizier in freundlichster Weise mit seinen überraschten Fahrtgenossen, so daß man wider erwarten schnell in Kellinghusen anlangte. Diese Vorkommnis beweist aufs Neue, welch herzliches Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften besteht." Am 10.Oktober fand auf dem Platz beim Wasserturm ein Feldgottesdienst für alle Soldaten statt. Die Predigt hielt Felddivisionspfarrer Richter. Der Feldgottesdienst begann um 09:00 Uhr - Abmarsch zum Wasserturm um 08:30 Uhr. An den Gottesdienst schloß sich die Gelegenheit zur Beichte und Kommunion sowie zum Abendmahl an. Der Gottesdienst war stark besucht, das Angebot des Abendmahls, der Beichte und Kommunion wurde von sehr vielen Soldaten, deren Transport an die Front unmittelbar bevorstand, angenommen. Am gleichen Abend marschierten 2 Kompanien des Reserve Infanterieregiments Nr.215 (46.Reserve Division) gegen 21:00 Uhr von Kellinghusen aus zum Lockstedter Lager. Auch die in Schlotfeld einquartierte 3.Kompanie des I.Bataillons machte sich auf den Marsch zum Sammelplatz in der Nähe des Bahnhofs. Nachdem alle Einheiten eingetroffen waren, wurde das gesamte Regiment ab 23:00 Uhr in zwei Sonderzügen zum Abtransport an die Westfront verladen. Um ein weiteres Beispiel von der mangelhaften Ausrüstung aufzuzeigen, sei die Übergabe der "Liebesgaben" an die vor dem Abtransport stehenden Soldaten eingefügt. "An unsere Truppen, welche in den nächsten Tagen ins Feld rücken wurden heute, soweit als dies notwendig war, vom Roten Kreuz und vom Vaterländischen Frauenverein wollene Unterkleidung verteilt und zwar 187 Hemden, 181 Unterhosen, 156 Paar Strümpfe, 20 Leibbinden, 6 Paar Handschuhe, 17 Paar Pulswärmer, 96 Paar Fußlappen und außerdem 13 Pfund Tabak, 12 Pakete Zigaretten und 2 Taschentücher." (Dies erinnert mich an den Einsatz der Bundeswehr Luftwaffe in Diyarbakir in der Türkei, zu diesem Einsatz wurde der Einsatzverband, mangels eigener Masse, mit Winterbekleidung der ehemaligen NVA ausgestattet.) Im Lager war das Reserve Jäger Bataillon Nr.18, das aus dem Jäger Bataillon Nr.9 aufgestellt worden war, vom 26. September bis 13. Oktober in Wellblechbaracken und Pferdeställen untergebracht. Sie gehörten zur 46. Reservedivision und übten während des kurzen Aufenthaltes mit den Reserve-Infanterie-Regimentern 214 und 216 und den Regimenter 213 und 215. Bei einer der letzten mit großen Märschen verbundenen Übungen wurde das Bataillon vom Kommandierenden General des XXIII. R.K.,General v. Kleist, besichtigt. Erwähnt sei, daß während des Aufenthaltes auf dem Übungsplatz nur Bewegungskrieg, d. h. Angriff geübt wurde. Ganz nebenbei wurde eine von Pionieren gebaute Infanteriestellung gezeigt und anschließend mit dem kurzen Spaten zwischen Gras und Heidekraut ein dürftiger Graben ausgehoben. Keiner zweifelte daran, daß es im Felde zu solch unwürdiger Maulwurfsarbeit, zumal für Jäger, doch nie kommen würde. Der Mangel an Petroleum machte sich gegen Ende des Oktober bemerkbar. Die Geschäftsleute klagten allgemein darüber, daß die Verbraucher sehr verärgert waren wenn sie sich mit ungewohnt kleinen Menge begnügen mußten oder wenn der Vorrat an Petroleum ausverkauft war und sie deshalb nichts bekommen konnten. Die Händler argumentierten, daß Kunden, die sich in den Geschäften unmöglich benähmen, sich einmal selbst vor Augen führen sollten, daß auch die Verkäufer außerstande waren größere Vorräte dieses Brennstoffes zu beschaffen, auch die Händler müßten sich mit den amtlichen Zuteilungen begnügen und den Verkauf so handhaben, daß nach Möglichkeit jeder Einwohner wenigstens etwas Petroleum bekäme. Der nächste Schlag der Reglementierung folgte zum 01.November. Der Verkauf von Reifen für Kraftfahrzeuge an private Autobesitzer wurde im ganzen Korpsbezirk bis auf weiteres verboten. (Die im Besitz der Händler befindlichen Reifen waren für die Heeresverwaltung verfügbar zu halten.) Privatleute, die Reifen kaufen wollten, hätten sich an die Bereifungsstelle der Inspektion des Militär-, Luft- und Kraftfahrwesens in Berlin-Schöneberg zu wenden. Die im Einverständnis mit der Verkehrsabteilung des Kriegsministeriums entscheiden würde, ob und in welchem Maße der Privatbedarf aus wieder instandgesetzten Reifen befriedigt werden könne. In den Viehbeständen der Schlachtermeister Roerig und Böge sowie des Hoteliers Steffen war die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, daraufhin wurden beide Gehöfte gesperrt. Nachdem der gesamte Klauenviehbestand der betroffenen Gehöfte gekeult und die vorschriftsmäßige Desinfektion durchgeführt worden war, wurde die Sperre wieder aufgehoben. Das Eiserne Kreuz wurde dem Unteroffizier Hans Schack, Besitzer des Hotels "Zum Hohenzollern" verliehen. Die Vorbereitungen für die Aufstellung des Infanterie Reserveregiments Nr.266 waren angelaufen. Weil der Platz im Lager nicht ausreichen würde, müßten in den umliegenden Ortschaften Einquartierungen vorgenommen werden. Allein Kellinghusen mußte 1.200 Mann untergebracht werden. Ende des Jahres ließ das Garnisonsbauamt Altona auf dem Gelände des Mannschaftsparks, in Richtung Westen, 25 Baracken zur Aufnahme von als feindlich angesehenen ausländischen Staatsbürgern (Internierung) bauen. Die Baracken wurden ab Mai 1915 zur Unterbringung von russischen Kriegsgefangenen benutzt. Drei Gebäude waren als Küchen vorgesehen, drei als Lazarett und eine als administrative Baracke. Bald nach der Fertigstellung begann die Unterbringung der im Bereich des IX.Armeekorps verhafteten Personen und internierte sie hier, wobei man besonders ab Februar 1915 darauf achtete, daß die Bewohner der Enklave keine Möglichkeiten hatten das Pfadfinderlager auszuspähen. 1915Gleich im Januar wurden die Einheiten des Infanterie Reserveregiments Nr.265 im Lockstedter Lager aufgestellt. Die Führung hatte sich den Zulauf an Kriegsfreiwilligen größer vorgestellt und mußte den Fehlbedarf durch Versetzungen aus anderen Einheiten decken. Eine dieser leeren Kompanien war die 9.Kompanie des Regiments. Die Soldaten des Regimentes klagten in Briefen an ihre Angehörigen, daß das Lager einen schlimmen Eindruck mache, es sei kalt und das Gelände wäre eine einzige Schlammwüste, später wurde berichtet, daß durch Frost zumindest der Schlamm fest wurde. Es wurde weiter hieß es, daß die Verpflegung im Lager besser sei als in den Ausbildungseinheiten. Ansonsten wurde das Lager als ein einsames Nest beschrieben, in dem nur ein paar Häuser an der Straße ständen. Dem Knecht des Hotelbesitzers Schack wurden aus seinem Zimmer verschiedene Kleidungsstücke und ein Paar Stiefel gestohlen. Der Tatverdacht richtete sich gegen einen Gelegenheitsarbeiter, welcher ebenfalls beim Hotel Hohenzollern beschäftigt war, der aber plötzlich und ohne Angabe von Gründen aus dem Ort verschwand. Das Kasernement in Heide, welches für das im Lager aufgestellte III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.163 vorgesehen, zum Ende des Jahres 1914 fertiggestellt und an den Militärfiskus übergeben worden war, wurde am 07.Januar zum erstenmal belegt, aber keine Soldaten bezogen die Gebäude, sondern 200 elsässische internierte Zivilpersonen, die bis dahin im Lockstedter Lager untergebracht waren. Die Elsässer wurden aufgrund einer Verfügung des stellvertretenden Generalkommandos des IX.Armeekorps, wonach der ganze Kreis Steinburg als Ausweisungsgebiet für feindliche Ausländer galt, nach Heide geschafft. ![]() Das Reserve Feldartillerieregiment Nr.46 schulte eigene Offiziere, Offiziersaspiranten und Unteroffiziere, betrieb Ausbildung mit Gewehr, Karabiner, Pistole, Handgranate und Gasmaske. Schießübungen und Aufklärungsübungen waren Bestandteil der Ausbildung. Den Heldentod für das Vaterland starb im Alter von 22 Jahren beim Sturm der 4.Kompanie des Infanterieregiments Nr.84 auf Soissons, am 12.Januar der im Lockstedter Lager beheimatete Hermann Stamminger. Er wurde auf einem Soldatenfriedhof beigesetzt. Zur Bewältigung des gestiegenen Bahnverkehrs von und zum Lockstedter Lager wurden zunächst bis Ende Januar, zwischen Wrist und Itzehoe Sonderzüge eingeschoben, die Anschluß an die fahrplanmäßigen Züge nach und von Hamburg hatten und zwar waren es zwei Zugpaare, die auf der Strecke zusätzlich verkehrten. Am 23.Januar brach im Lichtspieltheater Schumann an der Nortorfer Chaussee ein Feuer aus, das viele auf Vorrat gelagerte Filme und den großen Vorführraum mit dem Vorführgerät zerstörte. Die Lagerwache und herbeieilende Passanten löschten das Feuer. Die Brandursache ist unbekannt, es kann jedoch davon ausgegangen werden, daß durch die Unachtsamkeit des Filmvorführers der Brand entstand. Bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden Lichtbogen in Vorführgeräten verwendet, die den Celluloidfilm, wenn er nicht transportiert wurde sehr schnell zum Schmelzen und Brennen brachten. Als Zuschauer sah man sofort wenn der Film am Schmelzen war. Der Schaden, der damals entstand soll erheblich gewesen sein. Das Filmtheater wurde nicht mehr eröffnet. Das Postamt konnte in den eigenen Räumlichkeiten die täglich ankommende Paketflut nicht mehr bewältigen, waggonweise kamen die Pakete auf dem Bahnhof an. Nach einer Vereinbarung mit Herrn Hülsing stellte dieser der Reichspost einen Saal zur Verfügung. In diesem Saal wurden die ankommenden Pakete sortiert und zur Ausgabe vorbereitet. Am 26. Januar war große Divisionsübung. Der Geburtstag des Kaisers wurde in diesem Jahr ruhig und still gefeiert. Morgens war Feldgottesdienst, nachmittags gab`s warmes Essen, 2 Zigarren und Freibier, das konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die hier anwesenden Soldaten möglicherweise zum erstenmal merkten, was es hieß Entbehrungen zu ertragen und viele ahnten, es werde noch schlimmer kommen. In den letzten Tagen des Januar empfingen die Soldaten des Reserve Infanterieregiments Nr.265 die noch fehlenden Ausrüstungsgegenstände. Am Nachmittag des 31.Januar: Appell in feldmarschmäßiger Ausrüstung. Der Abmarsch des Regiments war für den 01.Februar befohlen. Wecken um 04:00 Uhr. Danach ein dürftiges Frühstück, Stuben- und Revierreinigen, Marschbereitschaft bis 09:30 Uhr herstellen. Abmarsch der Kompanien ab 09:45 Uhr mit einem Abstand von fünf Minuten zum Bahnhof nach Itzehoe. Es war ein beschwerlicher Weg dorthin, weil die Wege und Straßen zum Teil spiegelglatt waren. Um 12:00 Uhr verließ der erste Transport Itzehoe. Im Lager wurden Verhaltensregeln für den Fall von Fliegerangriffen befohlen und der zivilen Bevölkerung deren Beachtung angeraten. Bei der Meldung eines Fliegerangriffes seien sofort alle Straßen und Wege zu verlassen, die übende Truppe hätte sofort Deckung aufzusuchen. Die Warnung einen bevorstehenden Fliegerangriff betreffend würde mittels Sirenensignal bekannt gemacht. Es wurde aber darauf hingewiesen, daß zu militärischen Ausbildungszwecken ab Februar, vorzugweise an Sonntagen, von einigen der bei Berlin gelegenen Aufstiegsplätze, Freiballons aufgelassen werden würden, deren Landungsort vorher nicht zu bestimmen wäre. Um die Bewohner zu beruhigen und die Korbinsassen vor Gefahren zu bewahren, wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Ballons an der unteren Hälfte zwischen Ballonstoff und Netz durch drei Eiserne Kreuze gekennzeichnet sind. Ein Gast, der über eine Woche in einem Privatquartier im Winseldorfer Teil des Lockstedter Lagers logierte, war ohne seine Wirtsleute zu bezahlen ausgerückt. Der Logierer hatte seinen Koffer im Zimmer vor das offene Fenster gestellt, war dann durch die Hintertür aus dem Haus gegangen, hob seinen Koffer aus dem Fenster und war verschwunden. Dazu paßt die zwei Tage später vorgefallene Geschichte. Ein hiesiger Händler erhielt einen Waggon Kartoffeln, die er durch zwei Fuhrleute abfahren ließ. Als er nach Beendigung der Arbeit die leeren Säcke nachzählte, stellte er das Fehlen dreier Säcke fest und da Verdacht auf Entwendung der Kartoffeln bestand, erstattete er bei der Polizei Anzeige. Als Täter konnten nur die beiden Fuhrleute in Frage kommen, bei denen sofort eine Wohnungsdurchsuchung vorgenommen wurde, die Erfolg hatte. Bei dem einen Fuhrmann fand man zwei Sack von den gestohlenen Kartoffeln im Keller, bei dem anderen den dritten Sack in dessen Stall. Die Beschuldigten hatten die drei Sack Kartoffeln im Eisenbahnwaggon liegen lassen und später abgeholt. Zeitungsmeldung: "Die Schweinefleischpreise steigen ins Ungeheure. Nachdem sie um die Mitte der vorigen Woche auf 105 Mark für den Doppelzentner emporgeschnellt waren, stellt sich jetzt der Preis auf dem Schlachtviehmarkt am letzten Sonnabend auf 113 Mark. Der Zwischenhandel, der infolge seiner zügellosen Preistreiberei Riesengewinne einstreicht, suchte die unerhörte Schrauberei mit der Erklärung zu rechtfertigen, daß infolge der durch Truppentransporte verursachten Bahnsperre der Auftrieb den Ansprüchen nicht genüge, die starke Nachfrage und das geringe Angebot keineswegs aber übertriebener Händlergewinn sei die Ursache der beispiellosen Preise. Die Bahnsperre ist eine vorübergehende Erscheinung, die Preistreiberei wird dagegen schon seit Wochen systematisch fortgesetzt. Die in Aussicht gestellte Festsetzung von Höchstpreisen für Schweine wird den Unzuträglichkeiten schnell ein Ende machen. Angesichts der starken Abschlachtungen ist das Publikum auf Vorratseinkäufe angewiesen, die unter normalen Preisen stattfinden müssen, wenn sie überhaupt Zweck haben sollen." Mitte Februar kam das I.Ersatzbataillon des Infanterieregiments Nr.31 aus Altona und betrieb kriegsmäßige Ausbildung auf dem Übungsplatz. Einen hohen Stellenwert hatte das Schanzen bekommen, weil sich nicht nur an der Westfront in trauriger Weise gezeigt hatte: "Schanzen spart Blut". Im Lager begannen am 15.Februar die Vorbereitungen der Kommandantur und Garnisonsverwaltung für die Aufnahme des Feldmeister Lehrgangs. Es wurde eine feste Mannschaftsbaracken mit Stacheldraht eingezäunt und Warnschilder angebracht. Der Kriegerverein von 1870/71 und der Militärverein aus Kellinghusen gaben dem im Reservelazarett verstorbenen Soldaten Wittmaack am 17.Februar auf dem Kellinghusener Friedhof das letzte Geleit. Die Einwohnerschaft war total aus dem Häuschen, als am 17.Februar die Erfolge bekannt wurden, im Kampf gegen die Russen errungen wurden. War schon die vorhergegangene Meldung, nach welcher von den Kämpfern an der deutsch-russischen Grenze ein wuchtiger Schlag ausgeführt worden war und 26.000 Russen gefangen, 20 Geschütze und 30 Maschinengewehre erbeutet worden waren, erfreulich, so erhöhte sich angesichts der neuen Meldung, daß in der neuntägigen Winterschlacht weit über 50.000 Russen gefangen und eine unübersehbare Menge an Kriegsmaterial erbeutet worden war, beträchtlich. Alle Häuser brachten die Fahnen heraus. Die Schule beendete zur Feier des großen Ereignisses den Unterricht. Die staatliche Kontingentierung der Biererzeugung stand bevor. Der Malzverbrauch sollte um 40 Prozent gesenkt werden. Es würde folglich eine Einschränkung der Biererzeugung um nahezu 40 Prozent stattfinden. Die so freiwerdende Gerste müsse ohne Verluste zu Nahrungsmitteln für Mensch und Tier verarbeitet werden. Aus Gerste wurden u. a. Graupen als Ersatz für Reis hergestellt. Wegen mangelnder Gerste- bzw. Malzvorräte hatten einzelne Brauereien ihre Erzeugung zum Teil eingestellt oder wesentlich einschränken müssen. Das Infanterie Ersatzregiment Nr.86 lag am 17.Februar mit acht Kompanien im Lager. Besonderen Wert legte die Führung auf die gestraffte Ausbildung der Korporalschaften. In ersten Ansätzen wurden Stoßtruppunternehmen und vermehrt Sturmangriffe geprobt. An den Übungstagen waren die Schützengräben auf dem Hungrigen Wolf ständig belegt. Sie dienten den Verteidigungsübungen bei Tag und in der Nacht. Das Aufrollen von Schützengräben und Sappen wurde nur am Tage geübt. Als weiteres Lebensmittel wurde nun die Kartoffel in die Propagandaschlacht geworfen. Es wurde behauptet, daß die Kartoffeln von manchen Personen bisher nur wenig oder gar nicht verzehrt wurden. Die seit 1915 vorgeschriebene Verwendung der Knollenfrucht in Brot und Kuchen zwinge diese Leute nun, die Kartoffeln zu genießen. Die veränderte Ernährungsweise hätte sich vielfach als ein Segen erwiesen. Der dänische Nahrungsphysiologe Hindhede hätte nachgewiesen, daß der reichliche Genuß von Kartoffeln viele Arten von Magen- und Darmleiden erkennen ließe. Diese Krankheiten würden bei reichlichem Genuß von Kartoffeln wie Butter an der Sonne schmelzen sage er. Viele kränkliche und leidende Personen sähen sich in diesen Tagen von ihren Beschwerden befreit und nur deshalb, weil sie genötigt wären, Kartoffeln zu essen. 25.Februar, der Pfadfinder Kurs (Feldmeister) begann. Der Kaiser genehmigte in einem Erlaß die Anlegung eines besonderen Abzeichens für Angehörige der Marine, die als Flugzeugführer von Landflugzeugen eingesetzt waren. An diesem Samstag, dem 03.April war nur am Vormittag Dienst für alle im Lager. Im gesamten Lager und an den Häusern der Zivilisten waren Fahnen ausgebracht worden. Der "Eiserne Kanzler" wäre heute hundert Jahre alt geworden. Nach kurzem Exerzieren hieß es für die Soldaten antreten zur Befehlsausgabe und Parade. In einem Tagesbefehl würdigte der Kaiser den verstorbenen ehemaligen Reichskanzler. Der Dienst endete für alle gegen 1200 Uhr. Am 05.April begann der erste von drei aufeinanderfolgenden Offizier-Aspiranten Lehrgängen. Der erste Lehrgang endete am 20.April, alle Teilnehmer diese Kursus wurden direkt im Anschluß zum Leutnant befördert. Der Folgekursus begann am 17.Mai und endete am 30.Juni ebenfalls mit der Beförderung zum Leutnant. Ab Mai kam eine kleine Gruppe von russischen Kriegsgefangenen ins Lager, sie sollten nur hier bleiben, bis Platz in den Lagern Nutteln, Hennstedt, Innien, Bramstedt und Lentföhrden geschaffen worden war. Es sollte eine Dauereinrichtung werden. Ende Juni waren es bereits zirka 800 Gefangene. Die Kriegsgefangenen verrichteten Arbeiten für die Kommandantur und konnten von Bauern als Helfer angefordert werden. Bis 1919 starben im Lager russische Kriegsgefangene. Sie wurden mit deutschen Soldaten, die ebenfalls als gefallen auf den Grabsteinen bezeichnet werden auf dem Friedhof beigesetzt. Weil die drei 1900 mit Feldsteinen im Mannschaftspark errichteten Gedenksteine (Roon, Moltke und Bismarck) beim weiteren Aufbau der Baracken störten, hatte man sie abgebrochen und in der Nähe des Scheibendepots wieder aufgebaut. Die Kriegsgefangenen blieben bis zum 21.November im Lager, dann wurden sie auf andere Lager verteilt, in die freigewordenen Unterkünfte wurde Reservisten einquartiert. Das Infanterieregiment Nr.9 kam am 17.Juni mit 12 Landsturmkompanien aus Stargard an, gleichzeitig erreichte das II.Ersatzbataillon des Infanterieregiments Nr.85 den Truppenübungsplatz. Ende Juni trafen Soldaten Vorbereitungen für ein besonderes Ereignis. Überall, vor allem im Bereich der Rantzau, waren Angehörige der Pionier- und Eisenbahntruppen aktiv. Die Kommandantur stellte Artillerieschießscheiben zur Verfügung und ließ diese auf dem Übungsgelände aufbauen, die ersten Scheiben standen zwischen dem Rieselfeld, der Pionier- und der Düppelbrücke. Am 01.Juli müßte es gewesen sein, so wird erzählt, fuhr ein Eisenbahngeschütz auf die Rantzaubrücke und begann nach kurzer Vorbereitung mit dem Feuern auf die Scheiben. Nach einigen Stunden rollte das Geschütz wieder auf den Bahnhof zurück, wo es erneut aufmunitioniert und fürs nächste Schießen vorbereitet wurde. Danach fuhr das Geschütz wieder in die Feuerstellung auf der Rantzaubrücke. Das Schießen dauerte mehrere Tage, auch in einigen Nächten wurde geschossen. Das Infanterie Ersatzregiment Nr.357 der Garde Ersatz Division war auf dem Übungsplatz zum Exerzieren, derweil hatte das II.Ersatzbataillon des Infanterieregiments Nr.85 seine Übungen abgeschlossen. Ebenfalls hatte die 3.Kompanie II.Ersatz Seebataillon aus Wilhelmshaven zum Lockstedter Lager verlegt. Die 3.Kompanie I.Ersatzbataillon Infanterieregiment Nr.31 exerzierte schon seit einer Woche auf dem Platz. Das Eiserne Kreuz unter gleichzeitiger Beförderung zum Unteroffizier erwarb sich Julius Meschkat, geboren in Lockstedter Lager, der bis zum Ausbruch des Krieges bei der Firma H. u. W.Rehmke (Elektrizitätswerk Kellinghusen) gearbeitet hatte. Meschkat war Pilot bei einer einer Fliegerabteilung. Der jüngere Bruder des Ausgezeichneten, Friedrich, starb am 07.01.1915 im Lazarett in Swinemünde an den Folgen von Verwundungen, bekommen in Kampfhandlungen an der Ostfront. Der ältere Bruder Adolf, verstarb am 17.10.1918 in englischer Gefangenschaft an Verwundungen, die er im, als mörderichste Schlacht des Ersten Weltkrieges bezeichneten, unvorstellbaren Gemetzel bei Passchendaele (Passendale)in Belgien erhalten hatte. Die beiden Jungen Bodislaus Klette und Max König, die eine Gewehrpatrone gefunden hatten, schlugen unbesonnenerweise mit einem Hammer solange darauf herum, bis sie explodierte. Klette wurde schwer und König leichter verletzt. Klette soll nach Berichten das Geschoß in die Brust eingedrungen zu sein, die linke Hand wurde ebenfalls verletzt, eine Überführung in das Itzehoer Julienstift wurde notwendig. Sein Zustand war während des Transports sehr bedenklich. Am 08.Juli waren aus dem Gefangenenlager zwei russische Feldwebel im Alter von 25 bis 35 Jahren entwichen. Sie trugen die graue russische Uniform mit grauer Schirmmütze. Es liegen keine Informationen darüber vor, ob die beiden wieder eingefangen wurden. Mitte Juli war das II.Ersatzbataillon des Infanterieregiments Nr.86 aus Hadersleben auf dem Schießplatz. Seit Beginn des Stellungskrieges in Frankreich wurde mehr Wert auf Schanzen und Eingraben gelegt. Hier wurde zum erstenmal versucht Tunnel in Richtung des Feindes zu graben, um den Feind in seinem Stellungssystem zu überraschen. Was auf dem Übungsplatz funktionierte, hatte an der Westfront keinen Erfolg. Eine örtliche Kartenlegerin, die mit ihren Prophezeiungen nach Meinung der Obrigkeit ein gemeingefährliches Treiben übte, wurde von der Strafkammer des Landgerichts Itzehoe zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Infolge einer Anordnung des preußischen Kriegsministers durften seit Juli kriegsunbrauchbare Pferde nicht mehr versteigert werden. Die Landwirtschaftskammern waren angewiesen eine geeignete Verteilung auf die Kreise zu erarbeiten. Verschiedentlich stellten die Landräte durch die Gemeindebehörden die Namen der Landwirte fest, bei denen dringende wirtschaftliche Bedürfnisse den schleunigen Pferdeankauf nötig machten. Überall in der Gegend wurde von Ersatzeinheiten geschanzt, es wurden Laufgräben und Unterstände und Sappen angelegt, es war beinahe kein Fleckchen Erde, das nicht umgegraben war. Den Ersatzabteilungen des Feldartillerieregiments Nr.9 hatte die Gemeinde Winseldorf ein Stück Land hart an der Grenze zum Übungsplatz für Schanzarbeiten überlassen. Nach der Besichtigung der Anlagen durch den stellvertretenden Kommandierenden General war von der II.Ersatzabteilung ein Schreiben an die Gemeinde Winseldorf gerichtet worden, worin für die Bereitschaft gedankt wurde, mit welcher die Gemeindemitglieder Gelände zum Bau von Unterständen zur Verfügung gestellt hatten. Vizewachtmeister der Reserve Hans Schack, aus Lockstedter Lager, der bei einer Kavallerieabteilung im Osten Dienst tat und bereits das Eiserne Kreuz erhalten hatte, war im Juli die österreichische Tapferkeitsmedaille verliehen worden. Während des Offiziersaspiranten Kurses war als Leistungsspiegel ein größeres Sportfest geplant. Neben den sportlichen Leistungen spielten auch infanteristische Leistungen eine Rolle. Hierzu gehörte auch ein Übungsgepäckmarsch, der vom Lager nach Itzehoe zum Zentralhotel führte. An dem Marsch beteiligten sich 37 Offiziersaspiranten, von denen der zuerst eingetroffene 62 Minuten gebraucht hatte. Die übrigen Teilnehmer trafen in Abständen von einer halben und einer Minute ein. Die erbrachten Leistungen in den einzelnen Sportwettbewerben wurden von den Ausbildern lobend anerkannt. In eine Filiale des Friseurs H.Hintsch war ein Einbruchsdiebstahl verübt worden, bei welchem der Täter rund 150 Mark an Bargeld und einen großen Teil Zigarren und Zigaretten erbeuteten. Frau Hintsch, welche die Filiale ihres Mannes leitete, war auf ein alarmierendes Telegramm zu ihrem schwerkranken Vater gereist. Dieses mußte der Dieb ausgekundschaftet haben. Der Einbrecher hatte über dem Ladenfenster eine Scheibe in der Luftklappe zertrümmert, durch welche er dann mit unter Zuhilfenahme einer Leiter in das Geschäftslokal eingedrungen war. Hier hatte er eine 50 Zentimeter große Metallkassette, die mit Schrauben und Nägeln am Ladentisch befestigt war abgehebelt und mit dem Inhalt entwendet. Eine Woche nach dem Einbruch bei Hintsch wurde aus dem Laden des Uhrmachers Haberbier bei einem Einbruch drei Remontoiruhren, zwei Zigarettenetuis, zwei Taschenmesser, sowie einige in Reparatur befindliche Uhren gestohlen. Der Dieb hatte das an der Hintertür angebrachte Vorhängeschloß erbrochen. Drei Tage später versuchte ein vorübergehend hier im Ort wohnender Mann, in Itzehoe an Lehrlinge eine Taschenuhr und ein Zigarettenetui zu verkaufen, er bot die Teile zu einem sehr günstigen Preis an. Den Lehrlingen war das nicht geheuer; sie benachrichtigten die Polizei, welche den Verdächtigen in der Feldschmiede ermittelte und festnahm. Bei der Vernehmung räumte er ein, daß die Gegenstände bei dem Uhrmacher Haberbier im Lockstedter Lager am 04.August, gestohlen worden seien. Zwei andere Personen hätten bei Haberbier einen Einbruchsdiebstahl verübt, indem sie die Hintertür des Ladens aufgebrochen und mehrere neue und zwei dort in Reparatur befindliche Uhren, einige Zigarettenetuis und andere Gegenstände sich angeeignet hätten. Das Infanterieregiment Nr.357 der Garde Ersatz Division war Mitte August auf dem Übungsplatz zum Exerzieren, derweil hatte das II.Ersatzbataillon des Infanterieregiments Nr.84 seine Übungen abgeschlossen und war abmarschiert. 25.08.1915 In einer schriftlichen Warnung wurde darauf hingewiesen, daß in letzter Zeit verschiedentlich feindliche Agenten versucht hatten, die Stellung von Truppenteilen dadurch zu erfahren, daß sie sich telefonisch, angeblich im Auftrag höher stehender Persönlichkeiten bei Familien nach deren im Felde stehenden Angehörigen sowie nach deren Truppenteilen und Aufenthaltsorten erkundigten. Es wurde dringend davor gewarnt, in solchen Fällen irgendwelche Auskünfte zu erteilen, vielmehr müsse versucht werden, durch sofortige Anfrage beim betreffenden Fernsprechamt festzustellen, von welcher Stelle aus die Anfrage erfolgt sei. Alle die Spionage betreffenden Wahrnehmungen müßten in Zukunft sofort den Polizeibehörden mitgeteilt werden. In der Verlustliste Nr.318 wurde Adolf Hamann aus Lockstedter Lager benannt. Er war Angehöriger der 11.Kompanie Infanterieregiment Nr.187. Bei einem Artillerieangriff hatte er schwere Verwundungen erlitten, ein Bein mußte amputiert werden. Er ist an den Folgen seiner Verwundungen gestorben. (Ist nicht auf dem Gedenkstein von 1914-1918 verewigt.) Anfang September wurden 10 kriegsgefangene Russen zu Arbeitsmaßnahmen auf den Luisenberg bei Kellinghusen abgeordnet, wo sie zu Erntearbeiten und zur Kultivierung von Land herangezogen wurden. Ein Begleitmann als Aufsicht war als ausreichend erachtet worden. Nach den ersten Eindrücken beurteilte man die Gefangenen als arbeitsam und reinlich. Die österreichische Tapferkeitsmedaille 2.Klasse erwarb sich Gefreiter Walter Krohne im Husarenregiment Nr.16, der bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes war. (Walter Krohne war nach dem Krieg einer der Soldatensiedler, der ein Kolonat in Bücken erhielt.) Zum Unterveterinär wurde Tierarzt Manhardt aus Kellinghusen befördert, er war beim Pferdedepot im Lockstedter Lager eingesetzt. Das Eiserne Kreuz erhielt im September der Pächter des Soldatenheims, Unteroffizier Rachow, der im Reserve Infanterieregiment Nr.84 Dienst tat. Das Strafgefängnis in Glückstadt war zum größten Teil von den Zivilgefangenen geräumt worden, um Militärgefangenen Platz zu machen. Der erste Transport, etwa 100 Mann, traf am 24.September aus Spandau ein; die Militärgefangenen wurden unter starker Bewachung ins Gefängnis gebracht. Ein für das Gefängnis aus dem Lockstedter Lager abgeordnetes Wachkommando wurde in Glückstadt einquartiert. Die Leitung des Militärgefängnisses wurde Hauptmann Hoppe übertragen. Es sollen 300 Gefangene untergebracht werden. Zur 3.Kriegsanleihe wurden der Schule Lockstedter Lager von den Schülern 2.705 Mark gegeben. Die Verlustliste Nr.341 vom September vermerkt, daß Otto Horns, Angehöriger der 8.Batterie Reserve Feldartillerieregiment Nr.46, aus dem Lockstedter Lager stammend, am 14.August an der Somme gefallen ist. Zu Beginn des Oktober hielt sich die I.Ersatzabteilung des Feldartillerieregiments Nr.45 aus Bahrenfeld zur Ausbildung im Lager auf. Auf ihrer Inspektionsreise besuchten am 05.Oktober russische Schwestern des Roten Kreuzes unter Führung der Schwester des Zaren und des stellvertretenden Kommandierenden Generals des IX.Armeekorps auch das Lockstedter Gefangenenlager, das als vorzüglich befunden wurde. Die internierten Gefangenen, zirka 1.200 Russen waren mit ihrem Los ganz zufrieden. Unter den Gefangenen befanden sich auch zirka 150 Männer, die ursprünglich im Lager in Wiedenborstel untergebracht werden sollten, aber wegen baulicher Mängel der Anlage kurzfristig hier einquartiert wurden. 40 kriegsunbrauchbare Pferde und 35 Fohlen, die durch das Pferdelazarett ausgesondert worden waren, wurden am 19.Oktober in Neumünster verkauft, weil in der näheren Umgebung des Lagers kein Bedarf ermittelt werden konnte. Am Samstag, den 16.Oktober, hielt die Kellinghusener Jugendwehr eine kleine Nachtübung im Lockstedter Lager ab. Am 24.Oktober wurden in der Gegend Itzehoe - Lockstedter Lager die Jugendkompanien der Kreise Husum, Norderdithmarschen, Süderdithmarschen, Steinburg und Pinneberg zu einer großen Geländeübung zusammengezogen. Eine Batterie des Feldartillerieregiments Nr.9 beteiligte sich daran, die Führung der Parteien wurde durch Offiziere übernommen. Da die Kompanien am Übungstag schon um 09:00 Uhr eintreffen mußten, bat der Vorstand der Itzehoer Jugendwehr die Eltern und Arbeitgeber um großzügiges Entgegenkommen, damit möglichst allen Jungwehrmannen die Beteiligung möglich sei. - Mit Rücksicht auf wirtschaftliche Verhältnisse sollte in Zukunft der Dienst in den Jugendwehren nur an jedem zweiten Sonntag abgehalten werden. 15.10.1915 - Zwangsversteigerung. "Im heutigen Zwangsversteigerungsverfahren über die dem Unternehmer Adolf Böge in Lockstedter Lager gehörende Villa nebst 3 Hektar Ländereien in Rosdorf wurde das Höchstgebot mit 20.000 Mark vom Grundstückshändler Theodor Junge in Itzehoe abgegeben. Der Hypothekenausfall beträgt etwa 22.000 Mark." Ein weiterer Bewohner des Lockstedter Lagers wurde in einer Verlustliste namentlich erwähnt. Gemäß Verlustliste Nr.358 wurde Herman Hinrichsen, der in der 1.Kompanie Landwehr Infanterieregiment Nr.31 Dienst tat leicht verwundet. Eine Einigung des Milchpreises konnte bis Ende Oktober scheinbar nicht erzielt werden. Die Milch kostete pro Liter jetzt 20 Pfennig. An einigen Stellen wurde noch der alte Preis (18 Pfennig) bezahlt. Der 4.OAAK, der mit der enormen Zahl von mit 13 Kompanien in der Kaserne seit dem 04.September durchgeführt wurde, ging seinem Abschluß entgegen. Die Offiziersanwärter wurden in Mehrheit zu ihren Stammkompanien zurück kommandiert, nur die 10.Kompanie verlegte am 01.November geschlossen an die Westfront, wo sie dem X.Armeekorps unterstellt wurde. Eine Woche vorher fanden noch leichtathletische Kriegswettspiele des 4.Lehrkursus statt. Viele Aspiranten marschierten bei dem Gepäckmarsch (20 Kilometer feldmarschmäßig) auch durch schweres Gelände. Die 20 Kilometer wurden von Unteroffizier Gäbel, 15.Kompanie, in 2 Stunden und 26 Minuten zurückgelegt, die nächsten folgten mit einigen Minuten Abstand. Neu im Katalog der Kriegswettspiele waren das Sicherheitswerfen und Weitwurf mit Handgranaten. Am 29.Oktober fanden zwei Marinestreichkonzerte im "Stadt Hamburg" von dem zur Zeit ins Lockstedter Lager abkommandierten Musikkorps der 2.Matrosen Division aus Wilhemshaven statt. Zum Nachmittagskonzert war viel Militär anwesend. Abends war besonders der Einwohnerschaft Gelegenheit geboten, gute Streichmusik zu hören. Die Leitung der Konzerte lag in den Händen des Musikfeldwebels H. du Mesnil. Die Verlustliste Nr.370 weist aus, daß Otto Hahn aus Lockstedter Lager, eingezogen zum Garde Schützen Bataillon 4.Kompanie, am 15.Oktober im Kampf um den Hartmannsweiler Kopf gefallen war. Einen schweren Unfall erlitt der Gastwirt Friedrich Steffen, Inhaber des Hotel Kaiserhof, Mitte November beim Rübenfahren auf seinem Ackerland. Steffen führte sein Fuhrwerk selbst, während Soldaten das Aufladen besorgten. Als das Fuhrwerk bei einem Rübenberg hielt, um beladen zu werden, entglitt Steffen plötzlich die Leine. Während er sich, auf dem Wagen stehend, nach dieser bückte, scheuten die Pferde durch das Geräusch, das beim Werfen der Rüben auf den Wagen entstand und liefen davon. Steffen fiel kopfüber vom Wagen, wurde überfahren und eine Strecke mit fortgeschleift. Er hatte eine gefährliche Kopfverletzung erlitten, da ihm ein Rad quer über die Gesichtshälfte ging. Man brachte den Bewußtlosen in seine Wohnung, wo Ärzte sich um ihn kümmerten. Die für eine Übergangszeit im Lager untergebrachten russischen Kriegsgefangenen, deren eigentliches Bestimmungslager Wiedenborstel war, waren im November alle dorthin verbracht, weil die Baracken vom Militär benötigt wurden. Die seinerzeit in den Wiedenborsteler Baracken fehlenden Heizanlagen waren nachgerüstet worden. In Wiedenborstel waren bis zur Auflösung des Lagers annähernd 600 Kriegsgefangene durchgehend untergebracht. Hauptpastor Möller war zum Vorsteher der Gesamtschulverbände Winseldorf und Lockstedter Lager ernannt worden. Am 03.Dezember, kurz nach 2200 Uhr machten 3-4 Seesoldaten, die vom Lager einen alkoholischen Abstecher nach Kellinghusen unternommen hatten, die dortige obere Hauptstraße unsicher. Ein größeres eisernes Gitter für Kellerfenster hatten sie mitten auf die Straße geworfen. Bei der schwachen Beleuchtung der Straßen (es herrschte auch starker Nebel) hätte leicht ein Unfall geschehen können. Passanten, die das Gitter von der Straße beseitigen wollten, wurden von den Matrosen angerempelt. Eine Gartenpforte wurde von den Betrunkenen ebenfalls verschleppt, eine Einfriedung stark beschädigt und eine Fensterscheibe zertrümmert. Wegen unbefugten Weidens von Schafen auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes verurteilte das Gericht in Itzehoe den Schäfer Jakob M. aus Lockstedter Lager zu 30 Mark Geldstrafe oder ersatzweise 5 Tage Haftstrafe. Dem Angeklagten war das Betreten des Lagers nicht allein durch ein rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Altona, sondern auch durch ein Schreiben des Lagerkommandanten verboten worden. Am Montag, dem 06.Dezember machte sich morgens um 05:00 Uhr in Rendsburg ein langer Soldatenzug auf den Weg zum Lockstedter Lager. Das I.Ersatz Bataillon Infanterieregiment Nr.85 mit Rekrutendepot, insgesamt beinahe 1.300 Mann, legte die Strecke bis 18:30 Uhr zurück. Feldpostbriefe Zum Weihnachten fuhren, wie in früheren Jahren, außer den fahrplanmäßigen Zügen in der Regel zusätzliche Züge. Es lag im Interesse des Reisenden, diese Züge zu nutzen, da eventuelle Anschlüsse dadurch sicherer erreicht werden konnten. Die auf der Strecke Itzehoe - Wrist seit einiger Zeit eingesetzten Sonntagsabendzüge (Lumpensammler) verkehrten auch an den Weihnachtstagen. Kurz vor Jahresende wurde der Sanitätsunteroffizier Karl Zierau vom Reservelazarett fahnenflüchtig. Sofort nach Bekanntwerden seiner eigenmächtigen Abwesenheit beantragte die Kommandantur gegen den Flüchtling einen Haftbefehl und ließen auf allen Bahnhöfen einen Steckbrief aushängen. Das Eiserne Kreuz erhielt Oberfahnenschmied Hermann Kray im Feldartillerieregiment Nr.9. Der Ausgezeichnete war Sohn des Schmiedemeisters Kray aus dem Lockstedter Lager. Ein Bahnreisender aus dem Lager, heute würde man sagen ein Pendler, beschwerte sich bei der Eisenbahnverwaltung in Altona, daß es in den Abteilen der Züge ungemütlich kalt sei und daß die Eisenbahnverwaltung Abhilfe schaffen solle. Dem Briefeschreiber wurde von der Verwaltung geantwortet: "Bei starker Kälte stößt in diesem Winter die Erwärmung längerer Züge auf besondere Schwierigkeiten, da die sonst zur Unterstützung der Heizung von der Lokomotive verwandten Heizkesselwagen infolge ihrer Einbindung in Lazarettzüge fehlen. Es mußten deshalb Anordnungen getroffen werden, den Heizdampf der Lokomotiven möglichst gleichmäßig über den ganzen Zug zu verteilen. Das hat allerdings zur Folge, daß in allen Abteilungen bei strengerer Kälte eine geringere Wärme vorhanden ist, als die Reisenden es sonst auf deutschen Bahnen gewohnt sind. Um eine dauernde Erwärmung der Abteile überhaupt zu ermöglichen, ist es unter Umständen durchaus notwendig, ein längeres Offenhalten von Fenstern und Türen zu vermeiden. Das Zugbegleitpersonal ist hierauf aufmerksam gemacht worden. Dringend erwünscht ist es, daß die Reisenden auch ohne besondere Aufforderung, auf ihre Mitreisenden Rücksicht nehmen und die Eisenbahnverwaltung in ihrem Bestreben unterstützen, die Heizung der Züge auch unter den jetzt erschwerten Verhältnissen so gut wie irgend möglich durchzuführen. Dringend empfohlen wird ferner, sich für die Reisen während der kalten Jahreszeit mit wärmere Kleidung oder Schutzmitteln gegen die Kälte (Reisedecken) versehen." |