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Vom 05. bis 10.Januar kamen nacheinander die Bataillone des Infanterieregiments Nr.31 aus Altona ins Lager, um in konzentrierter Form Übungen nach dem Reglement im Schul- und Gefechtsschießen durchzuführen. Jedes Bataillon blieb zwei Tage.
Am 09.01. war wieder ein Schauspiel am Bahnhof zu bestaunen. Über die Laderampe wurden beinahe 300 Schweine in die Viehwagen getrieben. Der Schweinetransport war für die Hansestadt Hamburg bestimmt. Dies war ein weiterer Beweis dafür, daß die hiesige Schweineindustrie in hoher Blüte stand. Im Kalenderjahr 1902 wurde annähernd 3.000 Schweine verladen. Der Tanzlehrer und Musiker Wehrhagen aus Itzehoe hatte im Hotel "Kaiserhof" einen Tanzkurs für Kinder eingerichtet. Am Kurs nahmen 27 Jungen und 16 Mädchen teil. Der Kurs ging über mehrere Wochen. Direkt aus den Magazinen des Proviantamtes versteigerte Ende Januar das Militär gegen Barzahlung öffentlich und meistbietend, aus den eingelagerten Übervorräten eine größere Menge Roggenkleie in verschieden großen Posten. Unter zahlreicher Beteiligung der Ortsbewohner sowie Bewohnern des Umlandes feierte die "Militärische Brüderschaft" im Vereinslokal "Hülsing's" Hotel den Geburtstag des Kaisers. Nachdem zu Beginn der Feier vom Kameraden Ahrens eine Rede gehalten worden war, kam ein kleines Lustspiel zur Aufführung, ausgeführt durch junge Leute aus Winseldorf. Die Darsteller ernteten reichen Beifall. Auf dem sich anschließenden Ball ging es recht vergnügt bis in die frühen Morgenstunden zu. Das Arbeits- und Wachkommando hatte seine Feier in Rath's Hotel veranstaltet. Deren Feier wurde eingeleitet durch Darstellung lebender Bilder (Stummfilm). Hieran schloß sich eine theatralische Aufführung und den Schluß machte auch hier ein Ball. Für das Wachkommando fand um 1600 Uhr im Bahnhofsrestaurant ein Festessen statt, an welchem sich zirka 40 Personen beteiligen konnten. In den ersten Tagen des Februar wurden auf dem Truppenübungsplatz durch die Garnisonsverwaltung, 88 Raummeter Kloben, 217 Raummeter Knüppel und 144 Raummeter Reisig von Eichen-, Birken-, Kiefern- und Fichtenbrennholz meistbietend gegen Barzahlung verkauft. Die Interessenten sammelten sich vormittags um 0930 Uhr auf dem Weg Lockstedter Lager - Silzen in Höhe des Beobachtungsturmes am Hohenfiert. Das Holz fand reichlich Abnehmer, die das Holz innerhalb von zwei Tagen abfahren mußten. Anfang Februar beschloß die Schulvertretung der Gemeinschaftsschule, die Königliche Regierung zu bitten, sie möge vom 01.April bis zum Antritt eines gewählten Lehrers die zweite Lehrerstelle kommissarisch verwalten lassen. Die Schülerzahl würde bei Beginn des neuen Schuljahres nämlich derartig zunehmen, daß die Kinder nicht mehr in einem Klassenzimmer untergebracht werden könnten und eine Halbtagsschule möchte man nicht gern haben. Die normale Schulzeit war von 0800-1100 Uhr und von 1300-1600 Uhr, eine ungeteilte Schulzeit sollte erst 1906 eingeführt werden. Ein Unteroffizier der Kommandantur wurde Opfer eines Trickbetrügers. Der Betrüger trug als Kopfbedeckung eine Bahnmütze und gab gegenüber dem Unteroffizier an, er sei Kassenrevisor bei der Bahn und hätte hier mehrere Tage zu tun, sich auch schon ein Zimmer gemietet. Dann fügte er ein, daß er augenblicklich in Geldverlegenheit sei, da sein Gepäck erst am nächsten Tag ankomme. Der Unteroffizier bot der "Amtsperson" an und lieh ihm drei Mark. Als der Unteroffizier am nächsten Morgen mit dem Bahnhofsvorsteher über den kontaktfreudigen Revisor sprach, flog der Schwindel auf. Am Donnerstag, 12.Februar, traf das Artillerieregiment Nr.45 aus Bahrenfeld ohne Kanonen ein. Der Aufenthalt war geplant um Schießübungen mit Infanteriewaffen durchzuführen. Das Regiment nutzte für sich zum erstenmal die Möglichkeit die Schießbahnen im Holsteiner Wald um 100 Meter nach Süden zu verlängern. Der angebliche Kassenrevisor, der am 09.Februar im Lockstedter Lager mehrere Betrügereien verübt hatte, war in Heide festgenommen worden. Die Garnisonsverwaltung des Lockstedter Lagers schrieb die Beschaffung von 6.000 kg Petroleum aus. An einem Lastkraftwagen, der regelmäßig Versorgungsgüter ins Lockstedter Lager brachte, stellten einige aufmerksame Beobachter fest, daß an dem Fahrzeug ein Kennzeichen angebracht worden war. Auf einer quadratischen Tafel war über der polizeilichen Erkennungsnummer der Buchstabe "P" für die Provinz Schleswig-Holstein zu lesen. Am Nachmittag des 15.02. gegen 1430 Uhr hatte auf dem Weg zwischen Lockstedter Lager und Mühlenbarbek ein Sittenstrolch versucht die Ehefrau eines Soldaten aus dem Lockstedter Lager zu vergewaltigen. Infolge der Hilfeschreie der Überfallenen hatte der Unhold die Flucht ergriffen. Zwei Stunden nach diesem Vorfall wurde dann auf dem Weg zwischen dem Lager und Winseldorf ein Dienstmädchen aus Winseldorf überfallen und zwar von demselben Mann mit der gleichen Absicht. Die Frau hatte Glück, denn ihr zur Hilfe kam der Mühlenbesitzer Sollberg aus Winseldorf, der mit seinem Fahrrad auf dem Weg ins Lager war. Er packte den Täter am Kragen und es entwickelte sich ein regelrechter Zweikampf, bei dem der Übeltäter leider die Oberhand bekam und fliehen konnte. Der Täter flüchtete in die angrenzende Feldmark. Eine durch den Gendarmen Wind und einige hinzugekommene Personen aufgenommene Verfolgung, mußte später wegen eintretender Dunkelheit abgebrochen werden. Der Täter wurde beschrieben als kleiner, schmächtiger, etwa 30 Jahre alter Mensch mit blassem, abgelebtem Gesicht, großen, dunklen,stechenden Augen, dunklem Schnurrbart und seit längerer Zeit nicht rasiertem Kinn. Bekleidet war er mit: weichem, schwarzem Filzhut, einer kurzen, grauen Joppe, blau und weiß gestreiftem Hemd, grau gestreifter Hose und braunen Schuhen. Die Polizei bat die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach dem Täter. Die örtliche Regenstation meldete für den Monat Februar eine Niederschlagsmenge von 64,4 mm gegenüber 7,6 mm im vergangenen Jahr. An 5 Tagen fiel Schnee. Die größte Niederschlagsmenge wurde am 09.Februar mit 12,6 mm gemessen. Reif wurde an einem Tag, Nebel an 3 Tagen, stürmischer Wind an 8 Tagen und Gewitter an einem Tag beobachtet. Laut Verfügung des Kriegsministeriums wurde beim außerdienstlichen Spielen der Militärmusiker das Tragen der Uniformen eingeschränkt und durfte allgemein nur dann erfolgen, wenn das Musikkorps geschlossen oder mit einem namhaften Teil unter Leitung des Dirigenten auftrat. Unter einem namhaften Teil war dabei mindestens die halbe Stärke des Musikkorps zu verstehen. Für die freie zweite Lehrerstelle an der Gemeinschaftsschule hatten sich folgende Herren beworben und waren vom Gremium zur Begutachtung vorgeschlagen worden. Lehrer Brodersen aus Beidenfleth, Lehrer Schlobohm aus Schlotfeld und Lehrer Behrens aus Silzen. Die Wahl war auf Donnerstag, den 19.März, im Schulhaus in der Südstraße festgesetzt. Vom 11. bis 13.März war das Infanterieregiment Nr.85 einquartiert, um Übungen im Schießen abzuhalten. Danach kamen vom 16. bis 21.März die Infanterieregimenter Nr.76 und Nr.86. Sie schossen die gleichen Gefechtsübungen wie die Vorgänger. Geschossen wurde bereits vom Tag der Ankunft bis zum letzten Tag. In der Regel von morgens 0530 Uhr bis 2000 Uhr abends. Der östliche Teil des Platzes war während dieser Zeit ganz gesperrt. Am 19.03. fand im Schulhaus, wie geplant, die Wahl des zweiten Lehrers statt. Von 88 stimmberechtigten Wählern gaben 67 ihre Stimme ab. Herr Schlobohm aus Schlotfeld wurde zum zweiten Lehrer gewählt. Den Infanteristen der beiden hier übenden Infanterieregimenter wurde erstmals eine Vorführung geboten, die zum Thema hatte, welche Auswirkung der Uniformstoff der Felduniform auf die Tarnung des Soldaten hatte. Vor der Vorführung wurden die Soldaten über einen bei der ostasiatischen Besatzungsbrigade abgehaltenen Versuch mit neuen, für den Feldgebrauch geeigneten Uniformen, der Mitte Januar stattgefunden hatte, unterrichtet. Es war bei Felddienstübungen aufgefallen, daß die grauen Uniformen der deutschen Soldaten sich von den blauen Anzügen der Chinesen, die sich immer als Zuschauer einfanden, auf größere Entfernungen nicht unterschieden werden konnten. Um nun hier auf dem Truppenübungsplatz einen ähnlichen Versuch zu machen, welche Farbe von den im Gebrauch befindlichen Sachen sich am wenigsten vom Gelände abhebt, wurde ein kriegsstarker Zug (etwa 80 Mann) gebildet, von dem die erste Gruppe die grauen Winteranzüge trug, die zweite die alten blauen Litewken und schwarze Tuchhosen (also ganz dunkel), die dritte Khaki, die vierte Mäntel und die fünfte Drillichanzüge (Hausanzüge). Auf eine Entfernung von etwa 1.300 m ergab sich folgendes Bild. Der Zug stand geschlossen hinter fast entlaubten Sträuchern. Grau, blau und Mäntel hoben sich als gleichmäßig dunkle Flecke ab, während Khaki und Drillich sich wenig vom Erdboden und Hintergrund unterschieden. Ein Zielen auf die beiden letzteren Gruppen wäre erschwert, da das Ziel zu undeutlich in der Kimme erschien. Beim späteren Vorgehen des Zuges als Schützen, sahen grau und blau gleichmäßig dunkel aus. Erst auf Entfernungen von 500 m erschien das grau etwas heller als das dunkelblau. Die grauen Mäntel boten sehr gute Ziele, da die Schützen als lange dunkle Streifen erschienen. Khaki und Drillich dagegen waren, gleichmäßig auf alle Entfernungen, ein schweres Ziel. Erleichtert wurde das Zielen auf Schützen, die ohne besondere Deckung am Boden lagen und wenn sie das Kampfgepäck trugen. Der Tornister und das schwarze Kochgeschirr hoben sich als dunkle Punkte im Gelände ab und boten ein sehr gutes Ziel. Die Hoffnungen, die sich an diese Erfahrungen knüpften, nämlich, daß feldgraue Uniformen beschafft werden würden, erfüllten sich nicht. In einer Verlautbarung vom 09.September hieß es, es werde andere Uniformen höchstens im Mobilmachungsfall geben aber in erster Linie würden dann alle auffälligen Teile der derzeitigen Uniform (Knöpfe etc.) vor dem Einsatz entfernt. Anmerkung: Mit der Beschaffung einer feldgrauen Uniform wurde ab 1907 gerechnet. Über einen Zeitraum von drei Jahren, 1907 - 1909, sollten die Infanterie, Jäger und Pioniere, über einen Zeitraum von sieben Jahren, 1908 - 1914, die Feldartillerie, Fußartillerie, Verkehrstruppen und Train mit den neuen Uniformen und Abzeichen ausgerüstet werden. Dieser Zeitplan wurde nicht eingehalten, erst 1913 fanden breit angelegte Trageversuche mit der neuen Uniform statt. Kommentar eines namentlich nicht bekannten GeneralsIm Monat April lagen die Pläne für die Errichtung einer Telephonleitung von Winseldorf zur Straße Itzehoe - Lockstedter Lager, wo an die Überlandleitung angeschlossen werden konnte, auf dem Postamt im Lockstedter Lager zur Einsicht aus. Bürger, die an einem Anschluß interessiert waren, sollten sich in einer beigefügten Liste eintragen.In der Zeitung vom 10.April wurde wieder einmal vor den Gefahren von Blindgängern gewarnt. "Bei den wieder beginnenden Schießübungen warnen wir ganz besonders vor dem Aufnehmen von blind gegangenen Geschossen, gleichgültig ob Granate oder Schrapnell und verfeuerten Zünderteilen, wegen der damit verbundenen Lebensgefahr. Finder von derartigen Geschossen tun gut daran den Fund beim Führer des Arbeitskommandos im Lager zu melden." Da sich die wilden Kaninchen auf dem Truppenübungsplatz sehr stark vermehrt hatten und besonders den neuen Anpflanzungen großen Schaden zufügten, begann man in diesem Monat damit, den "Vernichtungskampf" gegen sie zu führen. Die Garnisonsverwaltung ließ durch Soldaten in den Bau der Tiere Gift legen. Dies geschah nach allgemein vorherrschender Meinung am besten bei Regenwetter, da sich die Tiere dann in ihrem Bau aufhalten würden. Seit dem 15. befand sich eine Abteilung Soldaten zweiter Klasse in Stärke von 150 Mann auf dem Übungsplatz. Diese wurden 14 Tage lang unter direkter Aufsicht zu verschiedenen Arbeiten auf dem Truppenübungsplatz verwendet. Vom Norden her, aus Rendsburg kommend, passierten vier Zigeunerwagen den Ort und machten knapp außerhalb desselben Rast. Die Frauen der Sippschaft begaben sich in die nahen Dörfer, um die Mittel für den nötigen Unterhalt zu erbetteln, worin dieselben ja bekanntlich nach Meinung der Bürger eine besondere Dreistigkeit besaßen. Im Anschluß an die schleswig-holsteinische Lehrerversammlung, die in Itzehoe stattfand, wurde am 24.April ein Ausflug mit zirka 120 Lehrern zum Lockstedter Lager durchgeführt. Der Lagerkommandant Generalmajor Ritter hatte erlaubt, daß die Lehrer das Lagergebiet zwecks Besichtigung betreten durften. Der Besuch des Lagers sollte sich für die Lehrer recht interessant gestalten, weil hier Truppen anwesend waren, nämlich das Reserve Infanterieregiment und die ganze 19.Feldartilleriebrigade aus Hannover mit den Feldartillerieregimentern Nr.10 und Nr.46. Am 27.April war der große Abtanzball des Tanzkurses im Hotel "Kaiserhof". Beinahe 90 Personen besuchten den Ball und feierten mit den Tanzschülern einige vergnügte Stunden. Offiziere und höhere Beamte, die sich im Lockstedter Lager aufhielten, versammelten sich am Abend des 30.April im Kasino, wohin der Kommandant anläßlich einer Roonfeier zu einem Festmahl geladen hatte. Er hielt selbst die Gedenkrede auf Roon und brachte das Hoch auf den Kaiser aus. Roon hätte den 100. Geburtstag feiern können. Anfang Mai kündigte die Garnisonsverwaltung die Versteigerung des im Laufe des Jahres 1903 anfallenden Pferdedüngers an. Auf Tag und Pferd berechnete Angebote waren, weil Eile geboten war, von den Interessenten bis 08.Mai bei der Garnisonsverwaltung einzureichen. Der Meistbietende sollte den Zuschlag erhalten. Bereits am 04.05. kamen 2 Kompanien des Füsilierregiments Nr.90 im Landmarsch aus Wismar, um als Vorkommando zu fungieren und die vom Regiment geplanten Schießen vorzubereiten. Das Infanterieregiment Nr.75 kam mit Sonderzügen. Der Aufenthalt dauerte bis zum 13.Mai. Einen Tag später kam das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.89 aus Wismar, diese Einheit kam zu Fuß. Um den von der Bahn und Post erwarteten, im Umfang ständig zunehmenden Zug- und Postverkehr während des Sommers bewältigen zu können, war das Personal auf dem Bahnhof und Postamt verstärkt worden. Auf dem Bahnhof war ein Assistent zusätzlich und auf dem Postamt zwei Assistenten und vier Unterbeamte mehr angestellt worden. Der Truppenübungsplatz war gesperrt vom 02. bis 13.Mai von 0700 Uhr morgens bis 2100 Uhr abends. Ausgenommen waren die Sonntage. Sollte an einem Sonntag geschossen werden, würde dies an den Anschlagtafeln bekanntgemacht. Das Reichsgericht in Leipzig beschäftigte sich im Mai mit der so genannten Chinaauktion im Lockstedter Lager. Der Sachverhalt war folgender: Als im Jahre 1901 die Teilnehmer der China-Expedition zurückgekehrt waren, wurden auf dem Lockstedter Lager die ausrangierten Bekleidungsstücke etc. versteigert. Eine größere Zahl Händler tat sich zusammen und sorgte dafür, daß die Preise nicht "unnötig" in die Höhe getrieben wurden. Später wurde festgestellt, daß der Händler Ottenhausen seine Kollegen gewissermaßen organisiert und zweien von ihnen, die zunächst nicht bereit waren, das Mitbieten zu unterlassen, aus einer gemeinsamen Kasse Schweigegelder gezahlt hat. Aufgrund des noch in Kraft gebliebenen § 270 des alten preußischen Strafgesetzbuches vom 14.April 1851, der den mit Strafe bedroht, der andere vom Bieten bei öffentlichen Auktionen abhält, wurde gegen die Händler Anklage erhoben und die Strafkammer in Itzehoe verurteilte sie am 17.Dezember 1902 zu Geldstrafen. Es wurde festgestellt, daß die Angeklagten später die erstandenen Sachen unter sich auktioniert hatten. Die eine Hälfte der Angeklagten, der Händler Süßmann in Berlin und zehn Genossen, die wegen Begünstigung zu je 150 Mark Geldstrafe verurteilt wurden, hatten gegen das Urteil Revision eingelegt. Das Reichsgericht erachtete sie für begründet, hob das Urteil auf und verwies die Sache an die Strafkammer zurück. Es wurde angenommen, daß der Tatbestand der Begünstigung (§ 257 STGB) nicht ausreichend festgestellt sei. Dazu würde notwendig sein ein aktives Verhalten der, der Begünstigung beschuldigten Angeklagten. Festgestellt sei nur, daß sie geschwiegen und sich sonstwie passiv verhalten haben. Näher liege es, den Tatbestand der Mittäterschaft anzunehmen. Am 07.Mai traf das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.85 aus Kiel ein. Am 13.Mai folgten das I. und II.Bataillon des selben Regiments aus Rendsburg. Das ganze Regiment blieb bis zum 29.Mai. Bei einer in Winseldorf vorgenommenen Musterung von Pferden für Militärzwecke wurde ein zwölfjähriger "Dienstknabe", der die Pferde halten mußte, von einem Pferd an den Kopf geschlagen. Er war sofort bewußtlos und stürzte zu Boden, die notwendige ärztliche Hilfe, die in Anspruch genommen werden mußte, erhielt der Junge im Militärlazarett. Das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.89 verließ am 09.Mai das Lager, um wieder in die Garnisonsstadt Wismar zurückzukehren. Am Montag, dem 11.Mai, traf das Husarenregiment Nr.15 aus Wandsbek ein und blieb bis zum 01.Juni. Der Auftakt der Schießsaison im Lockstedter Lager hatte auch Auswirkungen auf die Militärbäckerei in Itzehoe, die sämtliches Brot für die im Lager übenden Truppen lieferte. Die Anforderungen erhöhten sich jedesmal. Ein paar Tage vor der Hochsaison waren deshalb 12 Militärbäcker aus verschiedenen Garnisonsstädten zur Itzehoer Militärbäckerei kommandiert worden. Die Einrichtungen der Bäckerei gestatteten es, daß in einem Zeitraum von 24 Stunden 1.200 sechspfündige Brote fertiggestellt werden konnten, unter besonderen Umständen war es möglich die Zahl der Brote auf 2.000 zu erhöhen. Nachdem das Infanterieregiment Nr.75 vom Divisionskommandeur der 17.Division, Generalmajor von Ingolffstein besichtigt worden war, verließ es am 13.Mai mit zwei Sonderzügen das Lager, um nach Bremen und Stade zurückzukehren. Am Freitag, 15.Mai, traf das Infanterieregiment Nr.31 aus Altona ein und blieb bis zum 29.Mai. Der Schießplatz war für den öffentlichen Verkehr gesperrt vom 16. bis 29.Mai von 1000 Uhr morgens bis 2100 Uhr abends. Ein chilenischer Oberst besuchte das Lager vom 14.Mai bis 20.Mai. Er war gekommen, um die militärischen Übungen der hier anwesenden Truppen zu beobachten. Der Oberst war Deutscher von Geburt und hieß Freiherr von Bischofshausen. Vom Bahnhof des Lagers wurden wieder einmal ungefähr 120 Schweine verschickt, diesmal nach Neustadt in der Pfalz. Der Preis, den der Händler erzielen konnte, betrug bis 37 Mark für 50 Kilogramm. Die 3.Escadron des Husarenregiments Nr.16 exerzierte bereits seit einer Woche im Lager, als der Rest des Husarenregiments Nr.16 aus Schleswig, am 22.Mai, im Lager ankam und bis zum 03.Juni blieb. Der Einzug ins Lager wurde durch die Regimentskapelle, die vorausritt, angekündigt. Sie nahm vor dem Einmarsch ins Lager in Höhe des Wasserturm Aufstellung und spielte bis das Regiment passiert hatte. Um den stetig anwachsenden Verkehr der vielen Sonderzüge, die hier im Laufe des Sommers eintrafen und abfuhren, besser regeln zu können, hatte man begonnen einen neuen Schienenstrang und zwei Weichen zu legen. Die Neuanlage mußte bis zum 26.Mai fertiggestellt sein. Im Gegensatz zum bestehenden Gleis am Bahnhofsgebäude erhielt die neue Anlage keinen aufgebauten Bahnsteig, es war also beim Aus- und Einsteigen Vorsicht geboten. Der Divisionskommandeur der 18.Division, Generalleutnant von Oppen, nahm am 22.Mai eine erste Besichtigung der Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85 vor. Er sprach sich wohlwollend über die gezeigten Leistungen, sowohl was Exerzieren und Marsch als auch Schießen anging, aus. Feuerwerkerhauptmann Schulz, der 1 ½ Jahre für die Kommandantur tätig war, wurde Ende Mai nach Stuttgart versetzt. Am 22.Mai ritt das Husarenregiment Nr.16 und am 23.Mai das Husarenregiment Nr.15 aus dem Lager über Oelixdorf in Richtung Breitenburger Fähre / Amönenhöhe an die Stör. Zur Zeit der Flut sollten beide Regimenter mit den Pferden den Fluß hinüber und herüber durchschwimmen. In einer Zeit von zwei Stunden war die Übung beendet, die Husaren kehrten ins Lager zurück. ♦ ♦ Anmerkung:
Die 18.Kavalleriebrigade, bestehend aus den Husarenregimentern Nr.15 und Nr.16 plante für den August eine Schwimmübung in der Elbe. Etwa 1.600 Pferde sollten in zwei Gruppen bei Geesthacht und Krümmel durch die Elbe an das hannoversche Ufer schwimmen.
26.Mai, das war für die beiden Husarenregimenter Nr.15 und Nr.16 ein wichtiger und ein trauriger Tag. Die Regimentsvorstellung war erfolgreich verlaufen. Beim Rückmarsch ins Barackenlager kam es zu einem Unfall, dabei erlitt ein Mann einen Schenkelbruch und mußte ins Lazarett gebracht werden. Dieser Unglücksfall ging glimpflich ab, es hätte schlimmer werden können, weil das ganze Regiment über den Mann hinwegritt. Ein Pferd, das vor dem am Boden liegenden Mann scheute und stürzte und sich dabei ein Bein brach, mußte erschossen werden. Die Heide (Erika) war nach der großen Dürre der letzten Tage sehr glatt und rutschig, weshalb die Pferde leicht stürzen konnten. Am gleichen Tag hatten die beiden Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85 Brigadebesichtigung in formalem Exerzieren, Marsch und Schießen durch Generalleutnant von Oppen. Am nächsten Tag war noch eine Gefechtsübung mit einem zusammengestellten kriegsstarken Regiment vorgenommen worden. Das Regiment sollte nach ausgegebener Lage einen angenommenen Feind aus dem Hohenfiert werfen. Auf diese Übung folgte ein Parademarsch in den Unterkunftsbereich. Nach dem Wegtreten war Waffenreinigen, Putz- und Flickstunde und Vorbereiten der Unterkünfte für die Übergabe am nächsten Tag. In zwei Sonderzügen trafen die beiden mecklenburgischen Infanterieregimenter Nr.89 und Nr.90 auf dem Bahnhof ein. Das Infanterieregiment Nr.90 war die erste Einheit, deren Zug am 02.Juni auf dem neuen Gleis hielt. Durch unachtsames Aussteigen kamen einige der Soldaten ins Stolpern, weil sie nicht bedacht hatten, daß kein Perron vorhanden war. Die Regimenter wollten ihre Übungsvorhaben bis zum 18.Juni abgeschlossen haben. Bei den derzeit im Lager anwesenden Regimentern befindet sich eine Anzahl junger Lehrer, welche ihre einjährige Dienstzeit bei den beiden Infanterieregimentern ableisteten. Besuche von Angehörigen der Militärpersonen im Lager konnten gegen Lösung einer Tageskarte gestattet werden. Das Dorf Ridders verschwand jetzt fast gänzlich vom Erdboden. Sämtliche Gebäude wurden abgebrochen, nur die massiven Mauern blieben in einer Höhe von 1 ½ m stehen. Der Bauunternehmer Möller aus Elmshorn hatte die Abbrucharbeiten nach den Vorgaben des Militärfiskus auszuführen. Nachdem die beiden Husarenregimenter Nr.15 und Nr.16 am 03.06. ihre Brigadevorstellung gehabt hatten, verließen sie am 04.06. das Lager, um in ihre Garnisonsstädte Schleswig und Wandsbek zurückzukehren. Sie trafen dort aber erst am 07.06. ein, weil sie unterwegs mehrfach Aufenthalt nahmen. Am 06.Juni traf das Pionierbataillon Nr.9 aus Harburg ein und blieb bis zum 13.Juni. Als Nachfolger des Feuerwerkerhauptmanns Schultz war Oberleutnant Seipold aus Karlsruhe eingetroffen. Der berittene Gendarm Herr Länge aus Meldorf war mit seinem Pferd für einige Wochen im Lager stationiert. Am 08. und 09.Juni war der Brigadekommandeur der 34.Infanteriebrigade, General von Haugwitz, hierher gekommen, um sich die im Gelände durchgeführten Prüfungsschießen anzuschauen. Der Divisionskommandeur der 17.Division, von Kirchbach, war ebenfalls hier, er besichtigte die Infanterieregimenter Nr.89 und Nr.90. Zur Besichtigung standen die Regimenter früh morgens in Paradestellung auf der Lagerstraße und formierten sich dann zum Parademarsch durch das Lager. Nach dem Marsch ging es hinaus zur Frankenberg Heide, dort fand ein Gefecht statt, die Position des angesprochenen Feindes wurde nur durch Flaggen markiert. Der Pferdedung, welcher sich während des diesjährigen Aufenthalts der beiden Husarenregimenter in den Pferdeställen angesammelt hatte, war von einem Käufer des Pferdedungs an einen Baumschulbesitzer in Halstenbek bei Pinneberg weitergegeben worden. Das Pionierbataillon Nr.9 war damit beschäftigt, einen fahrbaren Damm nördlich von Ridders anzulegen, außerdem baute es verschiedene Brücken über die Ridderser Au. Beide Arbeiten wurden auf besonderen Wunsch der Artillerie ausgeführt. Am Schalter des Postamtes wurden zwei falsche Einmarkstücke festgestellt. Da diese nur 3 Gramm wogen, wurden sie wohl aus Aluminium hergestellt. Es lag die Vermutung nahe, daß hier mehrere solcher Falschstücke in Umlauf gesetzt worden waren. Schon einige Tage vorher gelangten bei der Post mehrere klanglose Zwanzigmarkstücke zur Einzahlung, die aber vom kundigen Schalterbeamten als vollwichtig anerkannt und angenommen wurden. Die Klanglosigkeit hat ihren Grund in kleinen Sprüngen im Metall, die äußerlich nicht wahrnehmbar waren. Solche Stücke wurden durch die Post an die Sammelstelle fehlerhafter Münzen, das Münzdepot des deutschen Reiches, nach Berlin geschickt, von wo aus voller Ersatz geleistet wurde. Nach längeren Vorarbeiten war zwischen Itzehoe und Winseldorf eine telephonische Verbindung hergestellt worden, die voraussichtlich am Tage der Reichstagswahl dem Betrieb übergeben werden sollte. Auch Telegramme wurden von Itzehoe aus nach Winseldorf, Lohbarbek und Schlotfeld durch diese Fernsprechverbindung übermittelt. Die Herstellungskosten wurden von mehreren ortsansässigen Besitzern aufgebracht. In der Zeit vom 18. bis 30.Juni wurde außer an den Sonntagen von der Feldartillerie mit Granaten und Schrapnell geschossen. Der Platz war an Werktagen von 0400 Uhr morgens bis 1600 Uhr nachmittags gesperrt. "Bei dieser Gelegenheit machen wir wiederholt auf die Gefährlichkeit des Suchens und Aufhebens von blind gegangenen Geschossen aufmerksam. Wir weisen auch darauf hin, daß die Mitnahme von irgend welchen Geschoßteilen nach §242 des Reichsstrafgesetzbuches als Diebstahl bestraft wird." Der 13.Juni sah die zur Reserve eingezogenen Artilleristen der Regimenter aus Itzehoe, Rendsburg und Bahrenfeld im Lager. Sie kamen zur Überprüfung und zum Auffrischen ihrer Kenntnisse artilleristischer Fertigkeiten. Das Artillerieregiment aus Itzehoe stellte für alle Reservisten die Geschütze. Die Artilleristen aus Rendsburg und Bahrenfeld trafen morgens um 0830 Uhr ein und fuhren am späten Nachmittag mit der Eisenbahn wieder weg. In der Mitte des Monats traf die 20.Feldartilleriebrigade des X.Armeekorps aus Hannover ein. Es waren die Regimenter Nr.26 und Nr.62 aus den Städten Oldenburg, Verden und Osnabrück. Die Truppen blieben bis zum 07.Juli, um Übungen zu schießen, die sie sonst nicht exerzieren konnten. Der Gendarm Herr Länge kehrte an dem Tag nach Meldorf zurück, als die Artilleriebrigade in das Lager einfloß. An seiner Stelle kam Herr Gaishoff aus Meldorf hierher, er sollte nur bis zum 01.Juli bleiben. Am Nachmittag des 20.Juni ging in der Nähe von Springhoe ein in der Nähe von Neumünster aufgelassener Freiballon der Luftschifferabteilung aus Berlin-Charlottenburg nieder. Die militärischen Schießübungen wurden während der Landung eingestellt. Der Gondel entstiegen wohlbehalten ein Oberleutnant der Luftschifferabteilung, ein Oberleutnant des Infanterieregiments Nr.163 und eine Dame. Der entleerte Ballon wurde durch das Arbeitskommando zur Bahn transportiert. Der Kommandierende General des IX.Armeekorps aus Altona, General von Massow, und der Divisionskommandeur der 17.Division aus Schwerin, von Kirchbach, waren am 17.06. anwesend, um eine Besichtigung der 34.Infanteriebrigade vorzunehmen. Die Brigade stand morgens 0730 Uhr, wie üblich, in Paradestellung und marschierte dann zur Ausgangsposition für den infanteristischen Teil. Von der Ausgangsstellung aus ging man in einem größeren Gefecht in Richtung Neumühlen vor. Nach dem erfolgreichen Gefecht sammelten und formierten sich die Regimenter erneut, dann wurde ein Parademarsch in Regimentskolonnen abgenommen. Zu Ehren des Kommandierenden Generals fand abends um 2100 Uhr ein großer Zapfenstreich statt, ausgeführt von den Musikkapellen der Regimenter Nr.89 und 90, sowie allen Spielleuten der betreffenden Regimenter. Während des Zapfenstreiches fand ein großer Fackelzug statt. Am folgenden Tag kehrte das II.Bataillon des Regiments Nr.89 nach Neustrelitz zurück; das I. und III.Bataillon fuhren am selben Tag nach Schwerin, auch das Regiment Nr.90 verließ bald darauf das Lager, um in die Garnisonsstädte Wismar und Rostock zurückzukehren. Am dritten Sonntag im Juni wurde die Saison für die Sonntagskonzerte eröffnet. Die ersten zwei Militärkonzerte wurden durch die Kapelle des Großherzoglichen Oldenburgischen Artillerieregiments Nr.62 gegeben. An einem Absperrposten des Schießplatzes mit Telephonanschluß wurde ein Posten durch zwei Radfahrer belästigt. Als der Posten sich dies verbat, zog einer der Radfahrer einen Revolver und verwundete den Posten durch einen Schuß am Arm. Eine sofortige Verfolgung durch eine Patrouille hatte zur Folge, daß zwei Radfahrer, die sich nicht ausweisen konnten und auch keine Radfahrkarte besaßen, als mutmaßliche Täter angehalten und nach Itzehoe in Haft gebracht wurden. Der Truppenübungsplatz war im Juli vom 01. bis 21.Juli täglich außer an den Sonntagen wegen Scharfschießens von Infanterie und Artillerie von 0400 Uhr morgens bis 1600 Uhr nachmittags gesperrt. Die Chaussee vom Lockstedter Lager nach Lockstedt, die in den Besitz des Militärs übergegangen war, blieb wegen der vom Scheibenzug ausgelegten Drähte auch nachmittags und nachts gesperrt. Eine Gruppe von 17 Offizieren, 30 Unteroffizieren und Mannschaften trafen mit einem, für sie reservierten Personenwagen der Bahn, am 21.Juni, im Lager zwecks Untersuchung und Entlassung ein. Es waren Angehörige des ostasiatischen Besatzungskorps, die mit einem Versorgungsdampfer nach Hamburg transportiert worden waren. Am 26.Juni traf mit mehreren Sonderzügen ein Reserve Infanterieregiment ein. Dasselbe war kriegsstark zusammengestellt und zählte 3.270 Mann. Auch die Offiziere und Unteroffiziere waren Reservisten, nur die drei Majore und der Regimentskommandeur waren von anderen Regimentern zu diesem Regiment abkommandiert. Die Reservisten waren in Rendsburg, Lübeck und Hamburg gesammelt und dann hierher befördert und ausgerüstet worden. Das Reserve Infanterieregiment blieb bis zum 09.Juli. Am letzten Tag des Monats Juni ereignete sich ein recht bedauerlicher Unglücksfall bei der Artillerie. Ein Munitionswagen wurde in voller Fahrt durch einen Aufprall auf einen kleineren Findling umgeworfen. Die Bedienungsmannschaften stürzten herunter, vier davon wurden schwer verletzt, so daß sie gleich ins Lazarett gebracht werden mußten. Einer erlitt einen Beinbruch, zwei einen Armbruch, dem vierten rollte bedauerlicherweise ein Wagenrad über den Kopf. Zwei Soldaten des hier zusammengezogenen Reserve Infanterieregiments gerieten mit einem Zivilisten in Streit. In einem Gasthof hatten die Soldaten reichlich Alkohol genossen und sich lautstark unterhalten. Der Zivilist bat die beiden Rücksicht auf die anderen Gäste im Lokal zu nehmen. Die Soldaten gaben keine Ruhe und als der Zivilist sich äußerte, er werde die Wache informieren und er sich anschickte das Lokal zu verlassen, folgten die Soldaten und brachten ihm vor dem Lokal mehrere Messerstiche bei. Die herbeigerufene Wache arrestierte die Betrunkenen und veranlaßte, daß der Zivilist im Lazarett behandelt werden konnte. Die Kommandantur wurde Ende Juni informiert, daß am 21.Juli 975 Mann, die zu einem Ablösungskommando für China zusammengestellt würden, einträfen. Diese Kommando bliebe bis zum 02.August um in dieser Zeit ausgerüstet und für den Dienst in China vorbereitet zu werden. Am 02.August sollte das Kommando mit einem Sonderzug nach Bremerhaven befördert und dort eingeschifft werden. Am ersten Wochenende im Juli veranstalteten die Offiziere der 17.Feldartilleriebrigade in der Nähe von Bücken ein großes Flach- und Hürdenrennen. Die Preise wurden am Samstag gegen 1700 Uhr im Kasino vergeben. Den anschließenden Umtrunk untermalte die Kapelle des Regiments Nr.26. Verschiedene Offiziere aus Itzehoe waren als Gäste anwesend. Zwei Landwehrleute des Reserve Infanterieregiments waren im Lager gestorben. Der eine am Hitzschlag, der andere an Lungenentzündung. Die beiden Landwehrleute waren verheiratet und stammten aus Kiel und Hamburg. Ein Reservist wurde von einem Artilleriewagen überfahren und mußte ins Lazarett gebracht werden. Ein Kanonier vom Artillerieregiment Nr.26 der zuletzt Offiziersbursche war, hatte sich an einem Samstag unter Mitnahme von gestohlenem Geld und Kleidungsstücken von seinem Truppenteil entfernt. Es wurde vermutet,daß er sich über Hamburg nach Holland abgesetzt hatte. Mit drei Sonderzügen, die in einer zeitlichen Staffel von zwei Stunden den Bahnhof verließen, kehrte das Artillerieregiment Nr.26 nach Oldenburg und Osnabrück zurück. Am gleichen Tag machte sich das Artillerieregiment Nr.62 auf, um die Garnison Verden in mehrtägigem Landmarsch zu erreichen. Eine Vorbesichtigung des Reserve Infanterieregiments durch den Brigadekommandeur der 35.Infanteriebrigade aus Flensburg, Generalmajor von Dreising, fand am 09.Juli statt. Zuerst hatte das Regiment einen Eilmarsch von ungefähr 25 km zu machen, darauf ein Gefecht zu führen und dann einen Parademarsch zu exerzieren. Die Musik für den Marsch stellte das Infanterieregiment Nr.85. Am 10.Juli wurde die Hauptbesichtigung durchgeführt, dazu waren anwesend: der Kommandierende General des IX.Armeekorps aus Altona, General von Massow, und ein Herr vom Kriegsministerium aus Berlin. Um den Feind darzustellen trafen morgens um 0600 Uhr mit einem Sonderzug 500 Mann und 18 Offiziere des Infanterieregiments Nr.163 aus Neumünster ein. In der Abschlußbesprechung wurde lobend erwähnt, daß das Reserve Infanterieregiment trotz der großen Anstrengungen, die es gehabt habe, eine sehr gute militärische Haltung gezeigt hätte. Nachmittags wurde das Reserve Infanterieregiment von drei Sonderzügen in die Heimat gebracht. Kaum war das Reserve Infanterieregiment aus dem Lager ausgezogen, rückten die Artillerieregimenter Nr.24 aus Rostock und Nr.60 aus Schwerin ein und dazu kamen am 11.Juli die Artillerieregimenter Nr.9 aus Itzehoe und Nr.45 aus Bahrenfeld. Alle 4 Regimenter verbrachten die Zeit bis zum 01.August mit Übungen im Scharfschießen und anderen militärischen Exerzitien. Am 11.Juli rückte mit klingendem Spiel das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.86 aus Sonderburg ein, es blieb bis zum 24.Juli. Ein Reservist vom Reserve Infanterieregiment hatte sich kurz vor Auflösung des Regiments eines groben Vergehens gegen seinen Leutnant schuldig gemacht und wurde im Lager in Haft behalten. Nach seiner Verurteilung wurde er zur Verbüßung einer längeren Festungsstrafe mit der Bahn zunächst nach Hamburg gebracht. Zu den hier übenden 4 Artillerieregimentern waren für jedes Regiment ungefähr 150 bis 200 Reservisten und Landwehrleute eingezogen worden. Dieselben wurden im Lager eingekleidet und mußten eine 14tägige Übung durchmachen. Der Truppenübungsplatz war bis zum 31.Juli infolge Scharfschießens gänzlich gesperrt mit Ausnahme der Sonntage. Am 15.Juli kam der Zirkus Royal in den zivilen Teil des Lockstedter Lagers. Der Aufbau auf dem Marktplatz ging zügig voran und bereits am Nachmittag war der Zirkus bereit eine Reihe von Vorstellungen zu geben. Unter den Besuchern der ersten Vorstellung waren viele Soldaten, die sich später begeistert über die Darbietungen äußerten. Die erste Tagesetappe auf dem Marsch nach Munsterlager, endete am 18.Juli für das Husarenregiment Nr.16 aus Schleswig im Lockstedter Lager. Mit Morgengrauen verließ gleiches Regiment die Unterkünfte und machte sich auf den Ritt nach Geesthacht, wo ein zweitesmal Quartier gemacht werden sollte. Erstmalig wurde am Montag, 20.Juli, wegen Scharfschießens der Artillerie die Rendsbuger Landstraße im Bereiche des Truppenübungsplatzes von 0730 Uhr morgens bis 1230 Uhr mittags gesperrt, weil vom Gelände der Frankenberg Heide, den Stellungen der Schießbahn IV, in Richtung des Schierenwaldes geschossen wurde. Der Verkehr wurde während dieser Zeit auf die Landstraße und mögliche andere Wege über Hohenaspe verwiesen. Die Sperrung erfolgte südlich der Försterei Ratzeburg und nördlich des Peißener Pohl durch Posten und durch Schließung der Schlagbäume. Dies war die erste Ankündigung die Schließung der Rendsburger Landstraße betreffend. Ein Unteroffizier der 4.Batterie des Artillerieregiments Nr.9 stürzte so unglücklich mit seinem Pferd, daß er einen Arm brach und sich mehrere Knochensplitterungen zuzog. Er wurde in das Lazarett in Itzehoe gebracht. Der Veterinär konnte nach eingehender Untersuchung keine Verletzungen des Pferdes feststellen. Das avisierte Ablösungskommando für China in Stärke von 1.000 Mann, also 25 Mann mehr als geplant, war nach und nach mit verschiedenen, regelmäßig verkehrenden Zügen am 21. und 22.Juli eingetroffen. Die Mannschaften boten bei ihrer Ankunft ein buntes Bild, da sie aus den verschiedensten Truppenteilen des deutschen Reiches abkommandiert worden waren. Hier mußten sie jedoch gleich ihre Uniform vertauschen gegen die Tropenuniform. Das Kommando wurde hier ausgerüstet, auf den Chinaeinsatz eingestimmt und 14 Tage lang mit scharfer Munition am Gewehr 98 ausgebildet. Am 23.07. rückte die 1./Ostasiatische Transportkompanie von Wilhelmshaven kommend ohne Gerät im Lager ein. Die Kompanie wurde hier nach zweijährigem Aufenthalt in China aufgelöst und die Soldaten zu den Stammeinheiten zurück kommandiert oder in die Reserve entlassen. Die 350 Reservisten und Landwehrleute der Artillerieregimenter Nr.60 und Nr.24 hatten am frühen Morgen Prüfungsschießen. Geschossen wurde von den Schießbahnen I und II in Richtung Hohenfiert. Sie wurden nach der Auskleidung am nächsten Morgen wieder in ihre Heimatorte entlassen. Der Divisionskommandeur der 18.Division, Generalleutnant von Oppen, war aus Flensburg gekommen, um am folgenden Tag einem gefechtsmäßigen Schießen der Artillerieregimenter Nr.9 und Nr.45 beizuwohnen. Während die Artillerieregimenter besichtigt wurden, bereitete sich das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.86 auf den Abmarsch nach Norden vor. Der Sonderzug nach Sonderburg über Wrist und Neumünster fuhr pünktlich um 1425 Uhr aus dem Bahnhof Lockstedter Lager. Ende Juli veranstaltete eine Batterie des Feldartillerieregiments Graf Waldersee (Schleswigsches) Nr.9 mit Genehmigung der Regimentsführung ein Mannschaftsrennen auf dem Exerzierplatz Frankenberg Heide. Es kamen verschiedene wertvolle Preise zur Verteilung, darunter auch eine gravierte silberne Tabakdose als Preis des Regimentskommandeurs. Am 29.Juli wurde durch die beiden Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.45 ein kriegsstarkes Artillerieregiment zusammengestellt. Diese Formation nahm unter Führung des kürzlich zum Oberst beförderten Kommandeurs Blauel eine Brigadeübung vor. Die nicht eingeteilten Offiziere nahmen als Zuschauer daran teil. Im Offizierskasino veranstalten die Offiziere des Feldartillerieregiments Nr.9 abends zu Ehren des Königlichen Landrats Junge eine Abschiedsfeier und ein Festmahl. Am Vormittag, des 30.Juli, hatte die 17.Artilleriebrigade bestehend aus den Regimentern Nr.24 und Nr.60 Besichtigung im Scharfschießen. Zu derselben traf am Vortag der Divisionskommandeur, Generalmajor von Kirchbach, ein. In Begleitung des Hauptmannes von Bernuth kam am Besichtigungsmorgen um 0700 Uhr der Kommandierende General des IX.Armeekorps, General von Massow, in Wirst an. Beide begaben sich auf den Besichtigungsplatz. Die Besichtigung der 18.Artilleriebrigade, bestehend aus den Regimentern Nr.9 und Nr.45 wurde am 31.Juli durchgeführt. Dazu trafen am Vortag schon der Divisionskommandeur, Generalleutnant von Oppen, und in seiner Begleitung Major von Wurmb ein. Zur Besichtigung beider Brigaden waren auch die beiden Generalmajore von der Gröben und von Collani anwesend. Bei Mühlenbarbek fand die Vorführung des Feldartillerieregiments Nr.45 im Scharfschießen vor dem Kommandierenden General statt. Schnellfeuer, unterbrochen von Batteriesalven, verursachte ein ohrenbetäubendes Getöse, zumal die Zuschauer hier die Gelegenheit hatten, unmittelbar neben den feuernden Geschützen zu stehen. Es wurde vor dem Schießen darauf hingewiesen, daß es nicht nötig wäre, dem nächsten Anlieger das Korn niederzutreten, da ein Streifen Landes von der Breite eines Weges jenseits der Absperrung auch noch der Gemeinde Mühlenbarbek gehöre und von den Zuschauern benutzt werden dürfe. Für dieses Jahr hatten die Schießübungen der Artillerie damit ihr Ende erreicht. Einen Tag nach der Besichtigung rückten die Artillerieregimenter Nr.24 und Nr.60 in ihre Garnisonen Schwerin, Neustrelitz und Güstrow ab. Während die Regimenter im Zug nach Hause saßen, mußte sich die Feldhaubitz Abteilung des Feldartillerieregiments Graf Waldersee einer Prüfung im Geländeschießen und zwar von Hohenaspe aus, unterziehen. Die Artillerieregimenter Nr.9 und Nr.45 kehrten erst am Dienstag den 04.August nach Itzehoe bzw. Bahrenfeld zurück, sie mußten noch nach den Schießen auf dem Truppenübungsplatz die Ziele, Scheiben und Zugdrähte entfernen und die Geschoßkrater einebnen. In der Nacht zum 02.August verließ das Ablösungskommando für China das Lager, mit Musik ging es zum Bahnhof, wo der Sonderzug bereitstand. Die Chinesen wurden nach Hamburg transportiert und dort auf der "Sylvia" eingeschifft. Die "Sylvia" traf Mitte September vor Taku ein. Der Dampfer "Sylvia" brachte auf der anschließenden Heimreise ein abgelöstes Kommando von dort zurück. Am dritten Tag des Monates August trafen in der Unterkunft die Infanterieregimenter Nr.76 aus Hamburg und Nr.75 aus Bremen und Stade ein. Das erste blieb hier bis zum 14. und das zweite bis zum 15.August. Wegen des großen Verkehrs, der in diesen Tagen auf dem Bahnhof herrschte, war Herr von Wöhrn vom Bahnhof Itzehoe für einige Tage zur Aushilfe zum Bahnhof Lockstedter Lager abgeordnet. "Durch das rasche und entschlossene Handeln des Herrn Keßler wurde am Nachmittag ein Knabe vor dem Überfahren durch den 1600 Uhr Zug gerettet. Dem Knaben flog der Hut vom Kopf und wehte dem Schienenstrang entlang. Um den Hut wieder zu bekommen, lief der Knabe dem heranfahrenden Zuge entgegen; er wäre überfahren worden, wenn nicht der genannte Herr ihm nachgeeilt wäre und ihn im letzten Augenblick von den Schienen gerissen hätte." Der Kommandierende General des IX.Armeekorps, General von Massow, und der Divisionskommandeur der 17.Division aus Schwerin, von Kirchbach, waren am 09.August angekommen, um eine Regimentsbesichtigung der Infanterieregimenter Nr.75 und Nr.76 vorzunehmen. Am Abend fand ihnen zu Ehren ein großer Zapfenstreich mit Fackelbeleuchtung, ausgeführt von den Musikkapellen und sämtliche Spielleuten der genannten Regimenter statt. Kaum waren die Regimenter Nr.75 und Nr.76 besichtigt, traf das Infanterieregiment Nr.163 aus Neumünster ein. Die Übungen dieses Regiments dauerten bis einschließlich 22.August. Aus dem Gebiet um Geesthacht kam das Husarenregiment Nr.16 gegen Abend ins Lockstedter Lager und machte Quartier. Das Regiment hatte in Munsterlager an verschiedenen Übungen mit dem Husarenregiment Nr.15 teilgenommen. Nach einer Nachtruhe wurde der letzte Teil der Strecke zur Garnison in Angriff genommen. In der Zeit vom 24.August bis 07.September wurde auf dem Truppenübungsplatz außer an Sonntagen geschossen. Der Platz war zu den an den Aushängen zu ersehenden Zeiten gesperrt. Am 14.August fand die Brigadevorstellung der Infanterieregimenter Nr.75 und Nr.76 statt. Die Vorstellung wurde abgenommen vom Kommandierenden General des IX.Armeekorps, General von Massow, aus Altona. Nachmittags kehrte das Regiment Nr.76 mit zwei Sonderzügen nach Hamburg zurück. Das Regiment Nr.75 fuhr am darauffolgenden Tag wieder nach Bremen und Stade. 15.August. Heute trafen mit Sonderzügen das Infanterieregiment Nr.162 aus Lübeck und das Jägerbataillon Nr.9 aus Ratzeburg ein. Diese Truppen blieben bis zum 22.August. Das neue Rieselfeld bei der Lohmühle, welches für die Entwässerung des Lagers angelegt war, wurde saniert, nachdem sich die vor zwei Jahren verlegten Röhren als zu eng im Querschnitt erwiesen hatten. Zur Sanierung gehörte das neu beschüttet, besandet und drainiert wurde. Für die Bauarbeiten war der Unternehmer Möller aus Elmshorn bestimmt worden. Nach zwölf Tagen Lageraufenthalt kehrten die Infanterieregimenter Nr.162 und Nr.163 mit Sonderzügen wieder in ihre Garnisonsstädte Neumünster und Lübeck zurück. Das Jägerbataillon Nr.9 fuhr am selben Tage nach Wrist, blieb bis zum 26.August in der Umgebung von Bramstedt, um dort Geländeübungen abzuhalten. Die Strohsäcke waren noch beinahe warm als die Soldaten der Infanterieregimenter Nr.84 aus Schleswig und Hadersleben und Nr.86 aus Flensburg und Sonderburg in das Lager einzogen. Sie waren in Sonderzügen hierher transportiert worden. Beide Regimenter hatten umfangreiche Geländeübungen geplant, welche die Zusammenarbeit der Kompanien auf dem Gefechtsfeld zum Inhalt hatten. Die Freitage standen ganz im Zeichen des formalen Exerzierens der Marschformationen. Der Aufenthalt war bis zum 08.September geplant. Nachmittag, der 24.08. Mit dem Infanterieregiment Nr.86 traf Major Prinz Reuß XXX. hier ein. Er bekleidete beim Regiment die Stellung eines Bataillonskommandeurs. Mit dem Infanterieregiment Nr.84 traf erstmals ein rumänischer Offizier ein, der ins Regiment kommandiert worden war, um sich über den deutschen Militärdienst zu informieren, besondere Beachtung der Ausbildung der Infanteristen war ihm aufgetragen worden. Daß auch Zigeuner nicht frei waren vom Militärdienst, sah man beim Einrücken des Regiments Nr.84, bei dem drei Zigeuner eingezogen waren. Am letzten Tag des August herrschte ein orkanartiger Sturm mit intensiven Regenschauern. Der Sturm hat besonders in den Obstgärten der Anwohner großen Schaden angerichtet. Das meiste heruntergefallene Obst wurde zu Dörrobst verarbeitet. Zeitungsbericht: Lockstedter Lager. "Der einlogierte einer hiesigen Witwe ging gestern mit der Frau des Nachbarn unter Mitnahme von Geld, Kleidungsstücken und Bettzeug in die Welt. Das reiselustige Paar wurde aber schon in Wrist angehalten und in das Gefängnis zu Kellinghusen abgeliefert. Nach weiteren Nachforschungen des Gendarmen stellte sich nun heute morgen noch heraus, daß nicht nur der Einlogierer, sondern auch der Mann der durchgebrannten Frau sich in unsittlicherweise an einem Schulmädchen vergangen hatten. Der Mann wurde daher heute morgen in das Gefängnis zu Itzehoe abgeführt." Den zum Morgenappell auf den Straßen angetretenen Kompanien der hier übenden Regimenter wurde ein Tagesbefehl des Kommandierenden Generals verlesen: "Die fünfte Kompanie des Infanterieregiments von Bose (1.Thüringisches) Nr.31 hat jetzt zum sechstenmal die Schießauszeichnung vom Kaiser erhalten. Es ist dies die einzige Kompanie in der deutschen Armee, der die Auszeichnung in dieser Reihenfolge zuteil geworden ist." Einen vorgeschriebenen 6 km langen Hindernisritt nach Zeit mußten die Teilnehmer am Kaiserpreisritt, der am 25.08. durchgeführt wurde und von Oldesloe nach Itzehoe und retour ging, auf dem Truppenübungsplatz absolvieren. Start und Ziel mit Zeitnahme war am Wasserturm. Es galt natürliche und von den Infanteristen im Rahmen der Schanzausbildung geschaffene künstliche Hindernisse in möglichst kurzer Zeit zu überwinden. Im Hotel "Kaiserhof" wurde am Sonntag vom Musikkorps des III.Bataillons Füsilierregiment "Königin" Nr.86 am Nachmittag und Abend je ein Konzert geben. Bei dem vorherrschenden schönen Wetter und der günstigen Lage des "Kaiserhofs" wurden die Konzerte, von Soldaten und Zivilisten, gut besucht. Die Infanterieregimenter Nr.84 und Nr.86 waren im Lager fit gemacht worden. Sie kehrten am 08.September für einen Tag in die Heimatstandorte zurück. Nach dem Tag in der Garnison zogen die Regimenter bis zum 24.September in ein Brigademanöver. Das diesjährige Kinderfest wurde in "Hülsing's" Hotel gefeiert. Das Lokal war zu diesem Zweck am 10.September geschlossen. Am Vormittag wurden Spiele ausgeführt, bei denen jedes Kind einen Preis gewann. Nachmittags fand ein Umzug, auch durch Teile des militärischen Lagers statt und im Anschluß daran wurde bis 2100 Uhr getanzt. Mit einem Hoch auf den Kaiser wurde das Fest geschlossen. Am 12.September wurde dem Pächter der Lohmühle, Herrn Hans Sievers, vom Kreisausschuß des Kreises Steinburg erneut die Genehmigung zum Betrieb einer Schankwirtschaft mit entsprechender Schankerlaubnis erteilt. Es war eine Erweiterung der 1897 erteilten Schankkonzession. Herr Sievers hatte von der Entscheidung des Kreistages, bereits vor Zustellung der Urkunde, in der Zeitung Kenntnis nehmen können. Das Füsilierregiment Nr.86 erreichte das Lockstedter Lager am 14.September im Bahntransport. Nach dem Einrichten im Lager hatten die Soldaten den Rest des Tages zur freien Verfügung. Am nächsten Morgen rückten die Einheiten zu den vorbereitenden Übungen auf den Übungsplatz ab. Der erste Tag diente zum Vertrautmachen mit dem Gewehr, dem Erschießen des Haltepunktes und Justieren der Gewehre. In den nächsten Tagen standen wieder unterschiedliche Übungen auf dem Dienstplan. Exerzieren, Marsch mit voller Ausrüstung rund ums Lager, Pionierausbildung und Gefechtsschießen. Am 20. gab das Musikkorps ein Konzert im Hotel "Kaiserhof". Das Regiment beendete seine Übungen am 25.September und rückte am nächsten Tag nach Übergabe der Unterkünfte und Ställe wieder im Bahntransport zur Garnison ab. Nach längerer Abwesenheit trafen (am 18.09.) mit Sonderzügen wieder einmal das Seebataillon aus Wilhelmshaven und am 19.September das Seebataillon aus Kiel ein. Das I.Seebataillon mußte an der Zeremonie eines Stapellaufes teilnehmen, daher das verspätete Einrücken. Beide Bataillone blieben bis zum 26.September, um Übungen im Scharfschießen und Gefechtsausbildung zu machen. Einen Tag nachdem das Seebataillon aus Kiel eingerückt war, kam Oberst Stürr aus Kiel und nahm eine Besichtigung der beiden Seebataillone vor. Sie mußten einen größeren Ausmarsch machen, an den sich ein Gefecht anschloß. Nach fünf Tagen Aufenthalt verließen die Seebataillone das Lager und kehrten mit Sonderzügen in ihre Garnisonsstädte Kiel und Wilhelmshaven zurück. Das lauenburgische Jägerbataillon Nr.9 rückte am 21.September in erster Linie zum Gefechtsschießen und in zweiter Linie zum Geländeexerzieren ins Lager ein. Beendet wurde der Aufenthalt am 11.Oktober. Ein geplanter Fußmarsch zum Lager wurde aus Zeitgründen von der Bataillonsführung auf den Rückmarsch verschoben. Da auch die Soldaten 2.Klasse, die hier 14 Tage unter direkter Aufsicht mit Erdarbeiten beschäftigt worden waren, entlassen wurden, hatte die diesjährige Zeit des Militärlebens ein Ende erreicht. Im Winter würden nur von Zeit zu Zeit Schießübungen vorgenommen werden. Aufsehen erregte Anfang Oktober auch im Lockstedter Lager die Tatsache, daß die Bankfirma Hahn & Schmidt, aus Itzehoe ihre Zahlungen eingestellt hatte. Die beiden Geschäftsinhaber hatten Itzehoe fluchtartig verlassen. Die Schlüssel des Geschäfts waren abends von einem Bankier aus Hamburg auf der Polizeiwache abgeliefert und am nächsten Morgen von der Polizei dem Amtsgericht übergeben worden. Es stand fest, daß die beiden Inhaber flüchtig waren. Gegen Schmidt war bereits Strafanzeige wegen Betrugs erstattet worden. Er hatte kürzlich von einem Rentner unter Vorspiegelung falscher Tatsachen 200.000 Mark erschwindelt. Durch die kriminellen Machenschaften der Betrüger waren auch Soldaten und Zivilisten im Lockstedter Lager empfindlich bis bedenklich geschädigt worden. Der General der Kavallerie und Kommandierende Generals IX.Armeekorps, der am 19.10., zunächst als Vertretung des erkrankten Präsidenten des Reichs-Militärgerichts nach Berlin kommandierte und später (01.11.) als Präsident des Reichs-Militärgerichts in Berlin versetzte General von Massow, inspizierte am 15.Oktober letztmalig mit seinem Stab das Lager. Generalleutnant von Bock und Polach war am 29.Oktober mit der Führung des IX.Armeekorps beauftragt worden, er wurde am 24.04.1905 Kommandeur IX.Armeekorps. Das ehemalige Dorf Ridders sollte jetzt endgültig seinem Untergang entgegengehen. Die Mauern der Gebäude waren bereits bis in Brusthöhe abgebrochen worden, sie sollten bei Felddienstübungen als Deckung dienen. Das einzige noch einigermaßen erhaltene Gebäude war das kurz vor dem Ankauf erbaute Schulgebäude. Türen, Fenster und Fußböden fehlten allerdings auch schon. Das Schulzimmer diente zwei Soldaten als Wachlokal. Jedenfalls sollte diese Gebäude später auch abgerissen werden, denn, wenn Steine und Holz erst einmal verkauft waren, gab es nichts mehr zu bewachen. Eine Zeit lang werden die Mauerreste noch an eine ehemalige Siedlung erinnern. Die Lieferung von Verbrauchsgegenständen für die Kommandanturküche war ausgeschrieben worden. Getrennte Angebote auf Viktualien usw., Kartoffeln und Gemüsearten, Milch und Butter und Brotwaren für die Zeit vom 01.November 1903 bis 31.Oktober 1904 waren einzureichen. Am Geburtstag der Kaiserin, dem 22.10., hatten alle Gebäude im Lager geflaggt. In der Truppenküche wurde den Angehörigen des Arbeits- und Wachkommandos eine Nachspeise zur Speiserationen beigefügt. Den Schulkindern wurden Geschichten über die Kaiserin und ihren Mann erzählt. Der große Karpfenteich, der Steinteich, wurde wie alle Jahre auch diesmal wieder Ende Oktober vom Arbeitskommando abgefischt. Das Resultat war im allgemeinen zufriedenstellend, die Menge an Fisch wurde auf sieben Zentner geschätzt. Die Karpfen hatten ein durchschnittliches Gewicht von 2-3 Pfund erreicht. Aale und Schleie wurden nur wenige gefangen. Nach dem Ablassen des Teiches wurde eine Reinigung durchgeführt. Der stinkende Faulschlamm auf dem Teichgrund wurde zum Klärbecken an der Lohmühle gefahren. Bei herrlichem Wetter gelangte am 03.11. die vom Offizierskorps des Feldartillerieregiments Nr.9 veranstaltete Hubertusjagd auf dem Gelände bei Bücken zur Ausführung. Beim Jagdrennen erhielt Hauptmann Wachs den 1.Preis, Leutnant von Waltersdorf den 2., Leutnant Jonas den 3. und Leutnant Manhardt den 4.Preis. Danach fand ein kleines Rennen statt, aus dem Hauptmann Wachs wieder als Sieger hervorging, Leutnant Gebhardt wurde Zweiter und Leutnant Waldemar Heseler Dritter. Gegen 1700 Uhr rückte die Jagdgesellschaft vom Bückener Gebiet ab und begab sich nach Itzehoe. Zuschauer waren nur wenige gekommen. Auf der zuständigen Wetterwarte wurde im Monat Oktober eine Niederschlagsmenge von 132,4 mm gemessen gegen 51,8 mm im Oktober des Vorjahres. Dieser Oktober war also äußerst niederschlagsreich gewesen, wie das die Überschwemmungen aller Niederungen unter Beweis stellten. Die Zahl der Regentage betrug 23 und es hatte bis zum 18.Oktober täglich geregnet. Ein Arbeitskommando war Mitte November damit beschäftigt, die Ridderser Au um 1 ½ Meter zu vertiefen. Dies geschah deshalb, damit die kleineren Bäche und Flüßchen im Nordwesten des Platzes das Wasser besser loswerden konnten. Interessant bei dieser Arbeit war das Fangen der Fische, viele Forellen waren in der Au, Gewicht von 1 bis 1 ½ Pfund. Die vom Militärfiskus geplante Verlegung der Chaussee Itzehoe - Hohenwestedt über Hohenaspe war vorläufig aufgegeben worden. Das Infanterieregiment Nr.163 aus Neumünster kam am 23.November mit den alten Mannschaften des Regiments für drei Tage auf den Platz um hier besondere Übungen zu exerzieren. Die Schießleistungen vieler Mannschaften, die von ihnen auf dem heimischen Schießstand präsentiert wurden, entsprachen nicht mehr den Erwartungen der Führung. Das IX.Armeekorps hatte einer kurzfristigen Belegung des Platzes zugestimmt und den zusätzlichen Munitionsbedarf zugewiesen. Das Arbeitskommando hatte die Arbeiten an der Au beendet und war gegen Ende November damit beschäftigt, die 84 Unterstände, die sich auf dem Schießplatz befanden, auszubessern, zum Teil zu erneuern. Die Unterstände waren in die Erde eingegraben und durch Holzbohlen und Faschinen zusätzlich geschützt. Von diesen Deckungen aus wurden beim Gefechtsschießen der Infanterie die Scheiben bedient. Die vermeintlich mangelhaften Schießleistungen der alten Mannschaften veranlaßten den Kommandeur des Infanterieregiments Nr.85 aus Rendsburg, ebenfalls Schießübungen auf dem Übungsplatz durchzuführen. Das Regiment schickte jedoch jeweils nur ein Bataillon zur Zeit ins Lockstedter Lager. Geschossen wurde von den 85ern vom 30.November bis 03.Dezember, jedes Bataillon nutzte die beiden zur Verfügung stehenden Tage intensiv, Freizeit war keine eingeplant. Bekanntlich wurden im Jahre 1902 bei drei Armeekorps, im Jahre 1903 bei sechs Armeekorps Reserve Infanterieregimenter aus Mannschaften des Beurlaubtenstandes so zu Übungen zusammengestellt, wie sie im Mobilmachungsfall aufgestellt werden würden. Es sollte dadurch festgestellt werden, ob diese Reserve Infanterieregimenter zur Verwendung in vorderster Linie brauchbar seien. Schon 1902 hatten die Übungen gezeigt, "daß die Offiziere, Offiziersstellvertreter und Unteroffiziere des Beurlaubtenstandes für die ihnen im Kriege zufallenden wichtigen Aufgaben - besonders im Gefechtsschießen und Felddienst - nicht genügend vorgebildet waren." Deshalb wurde für notwendig erklärt, daß sich die Offiziersaspiranten der Reserve eine bessere, vielseitigere und gründlichere Kenntnis des Exerzierreglements, der Schießvorschrift und der Felddienstordnung anzueignen hätten. Zur Herbeiführung einer besseren Ausbildung der Offiziersaspiranten des Beurlaubtenstandes hatte das preußische Kriegsministerium deshalb für die Jahre 1904, 1905 und 1906 vorgeschlagen, daß die Offiziersaspiranten der Infanterie, Jäger und Schützen, abgesehen von besonders begründeten Ausnahmen, armeekorpsweise während einer achtwöchigen Übung zuerst fünf Wochen auf einem Truppenübungsplatz in Übungskompanien zusammenzustellen und dort durch sorgfältig ausgewählte aktive Offiziere unter Gewährung der erforderliche Munition - bis zur Höhe von 60 scharfen und 60 Platzpatronen pro Kopf - in den oben genannten Dienstzweigen, besonders im Gefechtsschießen auszubilden waren. Die letzten drei Wochen der Übung sollten die Aspiranten dann bei ihrem Truppenteil ableisten, wo sie auch die Reserveoffiziersprüfung abzulegen hatten. Für jede Kompanie war ein Hauptmann als Führer, zwei Oberleutnants oder Leutnante, ein Feldwebel, ein Vizefeldwebel und ein Schreiber als Ausbildungspersonal vorzusehen. Sollten auf einem Übungsplatz mehrere Übungskompanien gebildet werden, so sollte noch ein Stabsoffizier oder älterer Hauptmann als Leiter kommandiert werden. Da nach dem Vorschlag 3 Lehrer (Hauptmann und zwei Leutnante) zur Verfügung stehen würden, würde man solche Übungskompanien nicht stärker als 30 Offiziersaspiranten machen dürfen. Der 10.12. war für die Bahnstation im Lockstedter Lager ein wichtiges Datum. Zur Erhöhung der Betriebssicherheit auf der Eisenbahnstrecke Itzehoe - Wrist wurden auf der Station Lockstedter Lager Ausfahrtsignale aufgestellt und der Verschluß der Weichen auf elektrisch mechanischem Wege eingeführt. In dieser für Stammsoldaten recht ereignis- und abwechslungslosen Zeit kam eine Feier in Winseldorf gerade recht. Die dortige Dorfgemeinschaft hatte einen Volksunterhaltungsabend in der Homfeldschen Wirtschaft angekündigt. Es würden verschiedene Vorträge und Vorlesungen dargeboten. Die Liedertafel "Hoffnung" aus dem Lockstedter Lager würde einige Lieder singen. Der Saal im Homfeldschen Gasthof hätte zweimal so groß sein müssen, um alle die Einlaß begehrten unterzubringen. Im Laufe des nächsten Tages verbreitete sich im Lager die Nachricht, das seit dem Morgen an der Chaussee beim Lockstedter Lager eine Zigeunerbande lagere, von welcher die Polizei bereits sechs Personen wegen Gewerbesteuerkontravention (unerlaubten Pferdehandels) in Haft genommen hätte. Die Polizei hätte für die Freilassung der Inhaftierten 500 Mark gefordert, deren Zahlung jedoch verweigert worden wäre. Kurz vor Weihnachten verließ das aus weit mehr als 100 Mann bestehende Arbeitskommando das Lager. Da ein ähnliches Kommando erst im Januar des nächsten Jahres wieder eintreffen würde, war bis dahin nur ein ungefähr 50 Mann starkes Wachkommando präsent. Die Sparkasse in Sude überwies der Gemeinschaftsschule zu Weihnachten 84 Sparkarten, jede mit einer Zehnpfennigmarke versehen, so daß jedes Kind eine solche bekam. Es waren also 84 Schüler/Innen im Dezember 1903 an der Gemeinschaftsschule. Die Militärische Brüderschaft für das Lockstedter Lager und Umgebung kündigte an, daß sie den Geburtstag des Kaisers nach alter Weise feiern würde. Als Festlokal wäre "Sörensen's" Hotel gewählt worden. Der Kommandant des Lagers hatte für die Stammsoldaten geäußert, daß an diesem Tage, mittags um 1200 Uhr im Offizierskasino ein Militärgottesdienst stattfinden würde, zu dem wären die Militärische Brüderschaft und die Schule eingeladen. Danach würden Soldaten und Gäste in "Hülsing's" Hotel eine Feier veranstalten, das übliche Festessen fände jedoch in der Bahnhofswirtschaft statt. Leutnant Burkhardt, der die Ausgrabungen auf dem Hungrigen Wolf durchgeführt hatte, hatte ein Abschiedsgesuch eingereicht. Er wollte als Halbinvalide mit Pension ausscheiden. Er wurde nach seiner Pensionierung zu den Reserveoffizieren des Regiments Nr.9 übergeführt. 1904Plan des Lagers um 1904Das neue Jahr begann für die Feuerwehren des Lagers mit einem heißen Einsatz. Am 03.01. hatte die freiwillige Feuerwehr des Lockstedter Lagers zum erstenmal Gelegenheit bei einem Ernstfall in Tätigkeit zu treten, das Wohnhaus der Gebrüder Möller aus Schlotfeld stand nämlich mittags in Flammen. In knapp einer halben Stunde nach der Alarmierung war die freiwillige Feuerwehr und die militärische Wehr, diese mit zwei Spritzen, zur Stelle, um die Rettungsarbeiten in Angriff zu nehmen. Das Wohngebäude wurde ein Raub der Flammen, jedoch konnte ein Übergreifen des Feuers auf andere Gebäude verhindert werden. Zum Glück wurde der ganze Viehbestand gerettet.An vier Tagen hielt sich der Viehhändler H.Rohwedder aus Albersdorf im "Landhaus" auf. Er kaufte von den Bauern aus den umliegenden Dörfern ungefähr 250 Schweine, die für einen Transport nach Hamburg bestimmt waren. Anmerkung: Die Schweine wurden in einem Pferch gegenüber dem "Landhaus" bis zum Abtransport gehalten. Der Bauer Schaller aus dem Ort hatte vom 01.Januar an für eine jährliche Pachtsumme von 7.000 Mark vom Militärfiskus einen großen Teil des Übungsplatzes, vorwiegend die Wrangel Heide und Frankenberg Heide und das Gelände südlich des Wiesenwegs gepachtet. Herr Schaller durfte laut Vertrag einzelne Stücke weiter verpachten. In der Zeit vom 18. bis 23.Januar war das Infanterieregiment Nr.76 aus Hamburg anwesend und zwar die alten Mannschaften eines jeden Bataillons für zwei Tage, um wie die anderen Infanterieregimenter Übungen im Scharfschießen vorzunehmen. Der Truppenübungsplatz war während dieser Zeit für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Um den Bedarf an Stroh für das kommende Jahr zu decken, kaufte das Proviantamt noch Heu- und Roggenlangstroh zu marktgängigen Preisen. Einlieferungen konnten täglich und in jeder Menge erfolgen. Kaisers Geburtstag begann mit der Zeremonie des Flaggenanbringens an der Wache. Alle verfügbaren Wachsoldaten mußten zum heißen der Flagge antreten. Der Kommandant hielt eine kurze Rede und beendete diese mit einem Kaiserhoch. Pünktlich um 1200 Uhr begann der Militärgottesdienst, der gut besucht war. Später fanden in den einzelnen Lokalen die Feiern mit Gesangsvorträgen und anderen Aufführungen statt, denen am Abend Ballfeierlichkeiten folgten. Der von der Militärischen Brüderschaft für Lockstedter Lager und Umgebung veranstaltete Ball in "Sörensen's" Hotel konnte sich sehr zahlreichen Besuchs erfreuen. In der Mitte des Saales war eine mit Blattpflanzen und der Kaiserbüste geschmückte Rednertribüne errichtet. Die durch die Liedertafel "Hoffnung" vorgetragenen Lieder "Dankgebet" und "Das treue deutsche Herz" ernteten wegen ihrer musterhaften Ausführung rauschenden Beifall..... Das Arbeitskommando war wieder in einer Stärke von 124 Mann eingerückt und Anfang Februar damit beschäftigt die Telephonanlage auf dem Truppenübungsplatz nachzusehen und wenn notwendig schadhaftes Material zu ersetzen. Das Telephonnetz war, wie schon beschrieben, recht verzweigt. Auf dem Truppenübungsplatz verteilt standen nicht weniger als 440 Telephonpfähle, ein jeder mußte mit den Steigeisen erklommen werden, damit die Isolatoren kontrolliert werden konnten. In den ersten Februarwochen war hier ein Kammerjäger aus Itzehoe, um die Mannschaftsbaracken und Pferdeställe durch vergiftete Lockmittel von schädlichen Nagern zu säubern. Die Aktion dauerte acht Tage und kostete den Militärfiskus 400 Mark. Für die diesjährige Militärsaison hatten die Herren Laß und Frerk aus dem Ort die Kartoffellieferung bekommen. Um eine größere Menge Kartoffeln lagern zu können, immerhin zwischen 4 und 5.000 Zentner, bauten sie sich einen Schuppen in der Nähe des Bahnhofs. Für die Kolonialwarenlieferungen hatte Herr Kloppenburg aus Kellinghusen den Zuschlag bekommen. Noch im Februar marschierte das Feldartillerieregiment Nr.9 an mehren Tagen zum Lockstedter Lager um simuliertes Artillerieschießen mit Übungskartuschen durchzuführen. Über den ersten Verkehrsunfall mit Fahrerflucht wurde am 28.Februar berichtet. Auf der Rückfahrt vom hiesigen Bahnhof kam dem Fuhrwerk des Landmannes Thode aus Winseldorf ein Motorwagen mit rasender Geschwindigkeit entgegen. Da die Pferde unruhig wurden, gab man dem Kraftfahrer rechtzeitig Zeichen, die Fahrt zu mäßigen. Dieser beachtete die Warnungen nicht und so kam es, daß bei der Begegnung der Gefährte die Pferde den Wagen rückwärts in den Chausseegraben schoben, wobei verschiedene Teile des Geschirrs zerrissen. Die Insassen Thode und Dr.Bär aus Kiel kamen mit dem Schrecken davon. Von Winseldorf aus wurde mittels verschiedener telephonischer Nachfragen letztendlich in Kellinghusen die Nummer des Kraftfahrzeuges festgestellt, so daß der Führer des selben zur Verantwortung herangezogen werden konnte. Die freiwillige Feuerwehr veranstaltete am 28.Februar im Hotel "Kaiserhof" ihr Jahresfest, auf welchem drei neue Kameraden aufgenommen wurden, deren Namen mit Horst, Cohrs und Hinsch angegeben wurden. Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung fand unter großer Beteiligung der Feuerwehrball statt. In den ersten Tagen des März war ein Generalstabsoffizier im Lagerbereich unterwegs und besichtigte diesen. Daher vermutete man allgemein, daß auf dem Truppenübungsplatz die Kaiserparade stattfinden würde. Die Bevölkerung ging davon aus, daß in nächster Zeit der Bau eines Kaiserzeltes in Angriff genommen werden würde. In der Zeit vom 03. bis 12.März war das Infanterieregiment Nr.31 aus Altona hier einquartiert und zwar jedes Bataillon zwei Tage, um reine Schießübungen abzuhalten. Das II.Bataillon war vom 03. bis einschließlich 05.März im Lager, darauf folgten das I. und III.Bataillon. Der Übungsplatz war deshalb vom 03. bis 12.März von 0530 Uhr bis 1900 Uhr gesperrt. Die Fouriere des Infanterieregiments Nr.76 waren am 13.März im Lager eingetroffen um die Facilitäten für ihre Einheiten zu übernehmen. Die Bataillone sollten im Laufe der Woche eintreffen. Graf von Waldersee war Anfang März gestorben. Anläßlich der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Graf von Waldersee waren folgende Anordnungen getroffen worden: "Sämtliche Offiziere der Armee trauern 8 Tage, diejenigen des Feldartillerieregiments Nr.9 jeweils 10 Tage". Während das Infanterieregiment Nr.76 in der Woche nach den Trauerfeierlichkeiten die Übungen im Gefechtsschießen abhielt, war das Infanterieregiment Nr.85 in der Garnison in Warteposition, da es die gleichen Gefechtsschießübungen durchführen wollte wie das Infanterieregiment Nr.76. Das unermüdliche Arbeitskommando hatte die Kontrolle der Telephoneinrichtungen und der Unterstände abgeschlossen und war danach damit beschäftigt, einen befahrbaren Weg durch die Sumpfniederung, die sich ostwärts von Bücken befand, anzulegen. Es wurden besonders zur seitlichen Befestigung mehrere hundert Faschinen verwendet. Aus Anlaß der Konfirmation eines Sohnes wollte eine Frau den Fußboden des Wohnzimmers ölen. Zu diesem Zweck hatte sie ein Gefäß mit Öl auf die Herdplatte gestellt, um es flüssiger zu machen. Infolge zu starker Erhitzung kochte das Öl über und begann zu brennen. Die Flammen ergriffen die Kleider einer neben dem Herd stehenden 7jährigen Tochter. Lichterloh brennend, stürzte das Kind aus der Wohnung der Eltern, auf die Straße. Dort gelang es einigen Nachbarsleuten ihr die brennenden Kleider vom Körper zu reißen. Bevor die Flammen gelöscht werden konnten, hatte das Kind bereits bedeutende Brandwunden an den Beinen und am Unterleib erlitten. Das Kind wurde sofort zum Militärlazarett gebracht, wo es eine erste Versorgung erhielt. Auch eine Nachbarin, die sich Brandwunden an den Händen zugezogen hatte wurde versorgt. Nicht schlecht staunten die Wachsoldaten am Haupteingang zum Lager, als am 03.April eine Fahrradkolonne mit lautem Geklingel vorbeifuhr. Es war der Radfahrverein für den Schießplatz Lockstedter Lager, der sein achtjähriges Stiftungsfest feierte. Nach dem Umzug durch den Ort fand in "Hülsing's" Hotel ein fröhliches Bockbierfest statt, dem am Abend fand ein Ball folgte. Zu einer 14tägigen Reserveübung war eine 620 Mann starke Abteilung Soldaten 2.Klasse im Lockstedter Lager eingezogen worden. Diese wurden mit dem Ausheben und Reinigen von Gräben und Wasserläufen sowie Erd- und Verschönerungsarbeiten im Lager beschäftigt. Am Freitag, dem 15.April, wurde das Lager zum erstenmal für dieses Jahr mit einer größeren Truppenabteilung belegt, das Infanterieregiment Nr.75 aus Bremen und Stade rückte ein und blieb bis zum 28.April. Ein Soldat 2.Klasse, der hier bei der Arbeiterabteilung eine Reserveübung ableistete, hatte es vorgezogen, sich dieser durch die Flucht zu entziehen. Er wurde aber in Hamburg wieder aufgegriffen, unter Begleitung ins Lager zurückgebracht und erst einmal im Arrest festgesetzt. Bei den militärischen Übungen des Infanterieregiments Nr.75 bekam ein Soldat einen Hitzschlag und mußte sofort ins Lazarett gebracht werden. Für den April eine außergewöhnlicher Vorfall. Wegen der beginnenden Belegung mit Militär hatten sich die Arbeiten auf dem Postamt um so viel vermehrt, daß zwei Postassistenten zur Aushilfe für diesen Sommer hierher beordert wurden. Für die 150 Reserve Offiziersaspiranten, die vom 22.April bis 21.Mai im Lager in verschiedenen Fächern geschult wurden, war ein besonderes Kasino eingerichtet worden, das vom Offizierskasino mitverwaltet werden mußte. Der Ausbildungsplan sah vor, daß sie bis zum Ende des Lehrgangs das Offiziersexamen abgelegt haben mußten. Für je 18 Aspiranten war ein Offizier und Feldwebel kommandiert. Wenn die Aspiranten ihre vierwöchige Übung beendet hatten, mußten sie noch eine ebenso lange Übung in der Garnisonsstadt durchmachen. Den Offiziersaspiranten war befohlen, anderen Soldaten aber Gelegenheit gegeben, am Pfingstsonntag an einem Feldgottesdienst teilzunehmen. Zur ersten Besichtigung in diesem Jahr kamen am 01.Mai mit dem 1600 Uhr Zug der Kommandierende General des IX.Armeekorps, von Bock und Polach, Generalmajor von Winterfeld und Generalmajor von Ingolffstein hier an. Die Generale nahmen am nächsten Vormittag eine Besichtigung des Infanterieregiments Nr.75 vor. Danach kehrte das Regiment in die Garnisonsstädte Bremen und Stade mit Sonderzügen zurück. Am gleichen Nachmittag trafen dann die Infanterieregimenter Nr.84 aus Schleswig und Sonderburg und Nr.86 aus Hadersleben und Flensburg ein. Diese hielten sich bis zum 19.Mai auf. Zeugfeldwebel Geßner, der hier ungefähr drei Jahre stationiert war, wurde zum 01.Mai zum Leutnant befördert und als solcher nach Hannover versetzt. In das hiesige Schulkollegium wurden der Tischlermeister Mohr aus Lockstedter Lager und der Maurermeister Meincke aus Winseldorf gewählt. Am 04.Mai mußte das Scharfschießen unterbrochen werden, weil zwei reisende Handwerksburschen längs der gesperrten Chaussee von Lockstedt zum Lockstedter Lager kamen. Glücklicherweise wurden die beiden rechtzeitig vom aufsichtsführenden Schießunteroffizier bemerkt und dann durch einen Offizier außer Schußweite gebracht. Es wurde deshalb noch einmal öffentlich darauf hingewiesen, daß, wenn die Schlagbäume an den Grenzen des Truppenübungsplatzes geschlossen waren, die Straßen nicht nur für den Wagenverkehr, sondern auch für Fußgänger gesperrt waren. Für die 17.Feldartilleriebrigade, bestehend aus den Feldartillerieregimentern Nr.24 und 60, die hier am 21.Mai zum Scharfschießen eintreffen sollte, wurden von Güstrow per Eisenbahn 4.000 Granaten und Schrapnells hergeschickt. Ein Offizier, zwei Unteroffiziere und zwei Gefreite hatten diesen Transport begleitet. Die hergeschickte Munition wurde von Soldaten des Feldartillerieregiments Nr.9 in den Lagerbereich für Fremdmunition verbracht und auch durch sie bewacht. Die Kommandantur des Lagers schickte auf Befehl des Ministeriums ein großes Pferdezelt zu den deutschen Truppen auf dem Kriegsschauplatz in Südwestafrika. Das Zelt war in 17 Kollis verpackt, mit der Bahn nach Hamburg transportiert und von dort nach Südwest verfrachtet worden. Der Oberroßarzt Iversen vom Feldartillerieregiment Nr.9 ging mit gleichem Seetransport nach Südwestafrika. Der 17.Mai war für die Bevölkerung des Ortes ein epochaler Tag, eine öffentliche Fernsprechstelle war eröffnet worden und zwar ein Anschluß nach Itzehoe, so daß die Leitung Itzehoe - Winseldorf mitbenutzt werden konnte. Nachdem bereits am Tage vor Pfingsten die Artillerieregimenter Nr.24 aus Güstrow und Nr.60 aus Schwerin und Neustrelitz eingerückt waren, trafen am Tage nach Pfingsten die Artillerieregimenter Nr.9 aus Itzehoe und Nr.45 aus Bahrenfeld ein. Diese vier Regimenter blieben bis zum 15.Juni. Das Feldartillerieregiment Nr.9 rückte ins Lockstedter Lager ein, mit extra für diesen Übungszeitraum eingezogenen Reserve Mannschaften des Regimentes. Zweck der Übung aller Regimenter war das drillmäßige Üben der Tätigkeiten bis zum Abfeuern des Schusses und die Zusammenarbeit mit den Munitionskolonnen. Am vorletzten Tag wurde mit scharfer Munition geübt und auf vorgegebene Schleppziele gefeuert. Am 24.Mai trafen mit allen fahrplanmäßigen Zügen 24 Offiziere und Chargierte als Führer eines für China bestimmten Ablösungskommandos ein. Die Mannschaften wurden am 25.Mai erwartet. Das Kommando war 1.000 Mann stark und blieb im Lager bis zum 04.Juni. In dieser Zeit wurde es vollständig umgekleidet und ausgerüstet. Für das Kommando waren zwei Sonderkantinen eingerichtet worden. Das Unteroffizierskorps der I.Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.9 veranstaltete im Lager seinem scheidenden Wachtmeister Rembcken eine große Abschiedsfeier. Rembcken ging am 29.Mai nach Berlin, um in den Postdienst zu treten. Wäre Wachtmeister Rembcken nicht bei Vorgesetzten und Untergebenen beliebt gewesen, hätte es keine Feier gegeben. Das Ablösungskommando für China war in den wenigen zur Verfügung stehenden Tagen mit dem Anpassen der Kleidungsstücke beschäftigt, daß dies viele Zeit erforderte, kann man aus folgenden Zahlen schließen. Jeder Soldat bekam 3 Tropenanzüge, 2 Drillichanzüge, 8 Hemden, 8 Unterhosen, 3 Mützen, 2 Helme, 3 Paar Strümpfe und dazu noch verschiedene "Fußbekleidungsstücke". Für die Gesundhaltung der Zähne war jeder Soldat erstmals verpflichtet, sich eine Zahnbürste anzuschaffen. Dienstag, 31.Mai, ein Herr vom Kriegsministerium aus Berlin war gekommen, um das Lager näher zu begutachten. Es hätte sich, wie erzählt wurde, darum gehandelt ob das Lager noch vergrößert werden sollte. Das Personal des Postamtes wurde aufgestockt. Auf dem Postamt traf zum Monatsbeginn der vierte Beamte ein. Offiziere und Unteroffiziere mußten mit Wirkung vom 01.Juni ihre Postsachen abholen lassen, damit die Postboten entlastet wurden. In der Nacht zum 04.Juni ging um 0147 Uhr ein Sonderzug ab, der das Ablösungskommando für China nach Bremerhaven beförderte. Der Zug fuhr dort sofort an das Schiff "Rhein", das die Truppen nach China brachte. Mehrere Unteroffiziere, die den Transport nach China begleiteten, kehrten dann mit den Truppen, die ihre Dienstzeit dort beendet hatten, gleich zurück. Es konnten nämlich nicht alle Unteroffiziere dort bleiben, weil eine zu große Anzahl der in China bereits eingesetzten Unteroffiziere beantragt hatte, für weitere Zeit dort zu bleiben. Die 600 Reservisten, die bei den vier Artillerieregimentern ihre 14tägige Übung abgeleistet hatten, kehrten nach der Auskleidung und Verabschiedung in ihre Heimatorte zurück. Am 06.Juni entstand auf einer Heidefläche in der Nähe von Bücken ein Flächenbrand, wodurch ein unmittelbar angrenzendes Tannengehölz, das Eigentum eines Winseldorfer Landwirts war, in Brand gesetzt wurde. Die sofort zur Brandstelle beorderte militärische Feuerwehr sowie die Männer der freiwilligen Wehren aus Lockstedter Lager und Schlotfeld hatten den Brand nach einigen Stunden unter Kontrolle. Infolge eingetretener Änderung in der Schießeinteilung der im Lockstedter Lager befindlichen Truppen war am 10.Juni die Rendsburger Landstraße von Kilometerstein 65,4 bis 70,8 von 0730 Uhr morgens bis 1200 Uhr mittags gesperrt. Die Sperrung erfolgte durch militärische Posten und Schlagbäume mit Warntafeln. Das Pionierbataillon Nr.9 aus Harburg war angekommen und blieb bis zum 18.Juni. Es standen nicht nur Gefechtsschießen auf dem Plan für den Aufenthalt sondern auch Ausbesserungsarbeiten an verschiedenen Wegen. In der zweiten Woche des Juni ging beim Proviantamt eine Anordnung der preußischen Militärverwaltung ein, in der es aufgefordert wurde Erhebungen darüber anzustellen, welche größeren Bestände an Weizen, Roggen und Hafer alljährlich in der Zeit vom Oktober bis März und vom April bis September erfahrungsgemäß im ungefähren Durchschnitt vorhanden waren. Das Pionierbataillon Nr.9, das bis 11.Juni Übungen im Gefechtsschießen vornahm, war damit beschäftigt, einen 4 Meter breiten Weg durch die Sumpfniederung zwischen dem Forsthaus Ratzeburg und dem "Hungrigen Wolf" anzulegen. Das Gebüsch, das dort wuchs, wurde zu Faschinen gebunden und beim Wegebau mit benutzt. Beim Anlegen des Weges mußten noch 2 Brücken über Auen, die diese Niederung durchschnitten, gebaut werden. Der junge Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin hatte aus Anlaß seiner Hochzeitsfeier jeder Batterie seines hier übenden Artillerieregiments Nr.60 ein Geschenk von 60 Mark überwiesen, die bei einer Festlichkeit für Bier und Zigarren zu verwenden waren. Zur Dienstaufsicht waren mehrere Exzellenzen im Lager angekommen. Der Kommandierende General des IX.Armeekorps, von Bock und Polach und der Divisionskommandeur von Oppen. Sie nahmen die Besichtigung der Artillerieregimenter Nr.9 und 45 und einen Tag später Nr.24 und 60 vor. Die Truppen hatten Prüfungsschießen und Parademarsch. Nach der Besichtigung verließen die Regimenter das Lager. Auf Anordnung des Königlichen Landrats fand am Sonnabendvormittag, dem 18.Juni, in "Sörensen's" Hotel eine Versammlung statt, in welcher über die Abtrennung des Lockstedter Lagers von Winseldorf beraten werden sollte. Im Falle einer Trennung würde das Lockstedter Lager eine selbständige politische Gemeinde bilden. Gleich zu Beginn der dritten Juniwoche kam der Divisionskommandeur, Generalmajor von Kirchbach, und nahm eine Besichtigung des Infanterieregiments Nr.163 vor. Die 4.Kompanie des Regiments konnte nicht daran teilnehmen, weil sieben Mann der Einheit an Masern erkrankt waren und um eine weitere Verbreitung der Krankheit zu verhindern, die Kompanie von den übrigen Truppen abgesondert wurde. Am 24.Juni verließ das Infanterieregiment Nr.76 für drei Tage das Lager, um bei der Durchfahrt des Königs von England nach Kiel am Kaiser-Wilhelm-Kanal Spalier zu bilden. Bekanntlich war das letzte Haus in Ridders, das abgebrochen wurde, das kurz vor dem Ankauf des Dorfes neu erbaute Schulhaus, das zeitweilig als Wachlokal genutzt wurde. Aus dem, beim Abbrechen anfallenden und abgefahrenen Material, war eine neue Schmiede im Geschützpark gebaut worden. Die Artillerieregimenter Nr.10 aus Hannover und Nr.46 aus Celle trafen am 29.Juni ein. Diese Regimenter bildeten die 19.Feldartilleriebrigade. Deren Schießübungen dauerten bis 19.Juli. Der Truppenübungsplatz wurde am 09.Juli nicht nur bis 2200 Uhr abends, sondern wegen Nachtschießens bis 10.Juli 0200 Uhr morgens gesperrt. Am 11.Juli wurde wieder wegen der Schießübungen die Rendsburger Landstraße von Kilometerstein 65, 4 bis 70,8 in der Zeit von 0900 bis 1200 Uhr gesperrt. Der Verkehr mußte in dieser Zeit auf die Landstraße und Wege über Hohenaspe ausweichen. Die Sperrung erfolgte durch militärische Posten und Schlagbäume mit Warnungstafeln. Von der hannoverschen Artillerie desertierten in den letzten Tagen zwei Mann und zwar war der eine von ihnen ein Einjähriger. Dieser hatte schon wissen lassen, daß er glücklich in England angekommen sei, der andere wurde drei Tage nach der unerlaubten Entfernung wieder zurückgebracht. Bei der Durchfahrt des Königs Eduard von England durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal bildeten die beiden hanseatischen Infanterieregimenter Nr.75 und Nr.76 in Paradeuniform Spalier und rückten nach der Vorbeifahrt wieder ins Lager ein. Die beiden genannten Regimenter marschierten am 27.Juni zu einer zweitägigen Felddienstübung aus und biwakierten während zweier Nächte in Zelten. Das Infanterieregiment Nr.163 hatte für diese Tage das Lager verlassen, um während der Rückfahrt des Königs Eduard Spalier zu bilden. Das Infanterieregiment Nr.163 und führte auf dem Hinmarsch zum Kanal eine Felddienstübung gegen das Artillerieregiment Nr.10 durch. Der Postverkehr hatte einen so großen Umfang angenommen, daß fortwährend an zwei Schaltern gearbeitet werden mußte und zwar mit zwei Assistenten und einem Postgehilfen. Bei einem Gefechtsschießen wurde kürzlich ein Infanterist des Infanterieregiments Nr.163 durch einen Schuß in die Wade verletzt, so daß er ins Lazarett mußte. Das Offizierskorps des Infanterieregiments Nr.75 veranstaltete bei Bücken Rennen. Zur Durchführung gelangten ein Hürdenrennen, ein Trabrennen und ein Galopprennen. Die Mannschaften des Regiments vergnügten sich derweil auf einem freien Platz mit Sacklaufen, Stangenklettern und Wettlaufen usw. Am 07.07. abends, veranstalteten die beiden Kapellen der hannoverschen Artilleriebrigade einen großen Zapfenstreich zu Ehren ihres Kommandeurs, der anwesend war. Der Kommandierende General des IX.Armeekorps, von Bock und Polach, nahm am 08.Juli eine Besichtigung der Infanterieregimenter Nr.76 und 75 vor. Ersteres verließ nachmittags das Lager und kehrte nach Hamburg zurück, weil es zur Leichenparade bei dem verstorbenen Bürgermeister Hachmann beordert worden war. Zwei Soldaten der Infanterie wurden bei der Besichtigung aufgrund von Unachtsamkeit durch Platzpatronen verletzt, der eine bekam einen Schuß in den Fuß und der andere in die Hand. Beide mußten in das Lazarett gebracht werden. Mit Sonderzügen trafen die Infanterieregimenter Nr.89 aus Neustrelitz und Schwerin und Nr.90 aus Rostock und Wismar ein. Diese führten bis zum 02.August Übungen im Scharfschießen, Regiments- und Brigadeexerzieren durch. Beim Absitzen des Infanterieregiments Nr.90 aus dem Zug verletzte sich ein Soldat der 9.Kompanie. Er zog sich beim Abspringen aus dem Zug einen Knöchelbruch zu. Er mußte vom Bahnhof aus auf einer Trage zum Lazarett gebracht werden. Es war dies der erste ernste Vorfall, seit das neue Gleis in Betrieb genommen wurde. Alle Offiziere der hannoverschen Artilleriebrigade veranstalteten am 17.Juli vormittags ein Pferderennen im Gebiet um Bücken und zwar bestand dasselbe aus vier Flachrennen und einem Jagdrennen. Die Preisverteilung fand abends im Kasino statt, woran sich eine kleine, feucht bis fröhliche Feier anschloß. Seit einigen Tagen herrschten hohe Temperaturen. Als Folge davon war das Ziel vieler Leute, die durch ein Bad Erfrischung suchten, der Lohmühlenteich. Für das Militär war eine große Fläche des Teiches abgegrenzt, um dadurch zu zeigen, wie weit die Soldaten ohne in Lebensgefahr zu kommen, gehen durften. Für die Offiziere wurde am Ufer eine große Badehalle gebaut. Am gegenüberliegenden Ufer hatte der Pächter der "Lohmühle", Herr Sievers, zwei Badekarren aufgestellt, die auch recht häufig von den Damen benutzt wurden. Der Kommandierende General des IX.Armeekorps, von Bock und Polach, nahm am 18.Juli eine Besichtigung der Bataillone des Infanterieregiments Nr.90 im Gefechtsdienst vor. Am 19. besichtigte er das Infanterieregiment Nr.89. Ein Grenadier vom zweiten Bataillon des Regiments Nr.89 hatte sich in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag (16./17.) heimlich von seinem Regiment entfernt und war bis zur Abreise nicht zurückgekehrt. Das große, schon seit langem angekündigte Militärkonzert des Füsilierregiments Nr.90, unter der Leitung des Stabshoboisten Nitzschke kam am 23. auf dem Marktplatz zur Ausführung. Es waren verhältnismäßig viele Besucher gekommen, die dem beinahe zweistündigen Konzert aufmerksam lauschten. Eine weitere Militärmusik war Teil der Feierlichkeiten, die das zweite Bataillon des Grenadierregiments Nr.89 aus Neustrelitz, anläßlich des Geburtstags des Großherzogs Adolf Friedrich durchführte. Sämtliche Mannschaften bekamen mittags ein besonderes Essen und abends Freibier. Die Fahnen des Regiments Nr.89 waren zwecks Anbringung von neuem Fahnentuch nach Berlin geschickt worden. Das Jägerbataillon Nr.9 aus Ratzeburg traf mit einem Sonderzug ein und blieb bis zum 02.August auf dem Truppenübungsplatz. Ehe das Jägerbataillon eingetroffen war, war der Kommandierende General von Bock und Polach auf der Schießbahn eingetroffen um das Grenadierregiment Nr.89 und das Füsilierregiment Nr.90 erneut zu besichtigen. Zuerst wurde eine Exerzierbewegung im Regiment, dann ein Gefecht gegen einen imaginären Feind und zum Schluß ein Parademarsch in der Regimentskolonne auf der Lagerstraße gemacht. Der Brigadekommandeur der 34.Infanteriebrigade, Generalmajor von Haugwitz, war schon mehrere Tage anwesend um die einzelnen Kompanien der Regimenter beim Prüfungsschießen im Gelände zu besichtigen. Er nahm auch an den Regimentsbesichtigungen teil und ließ vom 26.Juli an ein vorher geplantes Brigadeexerzieren abhalten, das mit der Brigadebesichtigung vor dem Kommandierenden General des IX.Armeekorps, von Bock und Polach, und dem Divisionskommandeur, von Kirchbach, abschloß. Die Brigade stand am Wege nach Mühlenbarbek in Tiefkolonne gestaffelt, Regiment Nr.89, Regiment Nr.90 und Jägerbataillon Nr.9. Nachdem die Exerzierbewegungen im Gelände beendet waren, begann das Gefecht. Zum Schluß fand ein Parademarsch in das Lager statt. Daran schlossen sich die Vorbereitungen auf den am nächsten Tag folgenden Abmarsch in die Heimatstandorte an. Der vor 14 Tagen entwichene Grenadier vom Infanterieregiment Nr.89 wurde in Kiel festgenommen. Am Nachmittag des 31.Juli wurden die Truppen im Lager durch das Feuerhorn zum Antreten gerufen. Man vermutete, aufgrund der sichtbaren Rauchentwicklung, daß auf dem Übungsplatz ein größerer Waldbrand entstanden sei. Angenommen wurde der Brand beim Hohenfiert. Beide Spritzen des Militärs mit zusätzlichen Löschmannschaften rückten in diese Richtung aus und stellten bei der Annäherung fest, daß es in Peißen brannte. Durch das Feuerhorn war auch die freiwillige Feuerwehr und Zwangsfeuerwehr alarmiert worden, wovon jedoch nur die freiwillige Feuerwehr den Marsch nach Peißen, nach Genehmigung des Kommandanten, antrat. Je näher die Wehren aus dem Lager an Peißen herankamen, um so erschreckter erkannten sie, daß das halbe Dorf in Flammen stand. Mehr als 20 Gebäude wurden durch das Feuer in Asche gelegt. Das Feuer war gegen 1300 Uhr in einer neben einem Wirtschaftsgebäude gelegenen kleinen Kate entstanden und verbreitete sich in Windeseile auf die ebenfalls mit Stroh gedeckten Nachbargebäude, so daß die eine Seite der Dorfstraße im Nu ein Flammenmeer bildete. Es entstand im Ort eine allgemeine Panik. Ein Löschen der Flammen war unmöglich. Die Spritzen der Nachbargemeinden und des Militärs, die zur Hilfeleistung herbeigeeilt waren, konnten keine Tätigkeiten entwickeln, weil Wassermangel herrschte. Selbst die seinerzeit auf Veranlassung des Grafen von Waldersee zur Brandbekämpfung gegrabenen, in der Nähe gelegenen zwei von sechs Röhrenbrunnen, führten zu wenig Wasser um helfend eingreifen zu können. Die Wehrleute konnten nur hilflos zusehen. Bewohner der nicht brennenden Häuser rannten in ihr Eigentum um die wichtigsten Sachen zu bergen. Der Brand hatte so schnell um sich gegriffen, daß nicht einmal die Spritze des Dorfes gerettet werden konnte, sie verbrannte total. Verbrannt waren erhebliche Erntevorräte, insbesondere viel Heu. Vieh war wenig verbrannt. An der vom Feuer ergriffenen Straßenseite waren nur noch das Schulhaus und ein nicht mit Stroh gedecktes Haus stehen geblieben. Lediglich 5 Hausbesitzer waren vom Feuer verschont geblieben. Daß das Feuer dieses Ausmaß angenommen hatte wurde auch der extremen Trockenheit des Monats Juli geschuldet. Im ganzen Monat fielen nur 37,9 mm Niederschlag im Gegensatz zum Juli des vergangenen Jahres, wo die Menge 137,3 mm betrug. Nicht in direkter Verbindung mit dem herrschenden Wassermangel bereiste eine militärische Gesundheitskommission das Gelände. In der Hauptsache handelte es sich darum, Brunnen zu untersuchen und solche mit verdächtigem oder schlechtem Wasser für den Militärgebrauch zu schließen. Die Flachbrunnen, die das Lager mit Wasser versorgten, wurden nicht beanstandet. Die Infanterieregimenter Nr.31 aus Altona und Nr.85 aus Kiel und Rendsburg trafen ein. Dieselben blieben bis 26.August. Einen Tag später trafen das Dragonerregiment Nr.17 aus Ludwigslust und Nr.18 aus Parchim und Güstrow ein, diese blieben bis zum 19.August. Mitte August hatte das Gerüchtegespenst wieder Hochkonjunktur. Weil vor einiger Zeit ein Beamter vom Kriegsministerium anwesend war wurde bereits über eine Platzvergrößerung spekuliert. Dann wurde dieser Gedanke sogar in einigen Zeitungen veröffentlicht, mit unterschiedlichsten Begründungen und daß jetzt gerade eine passende Gelegenheit dafür sei, weil durch die Feuersbrunst fast das ganze Dorf Peißen in Asche gelegt worden wäre und man hätte erfahren, daß einige Hausbesitzer einem gut dotierten Verkauf an den Fiskus nicht abgeneigt wären. Dem standen aber die Statuten der Brandkassen gegenüber, welche besagten, daß nur finanziell entschädigt werden würde wenn die abgebrannten Gebäude wieder aufgebaut würden. Am 16.08. fand eine, aus einer Wette entstandene Premiere, auf dem Bückener Feld statt. Die Offiziere des Infanterieregiments Nr.31 veranstalteten ein Hunderennen, an dem fünf Hunde beteiligt waren. Zu diesem Ereignis kamen, obwohl es ein Dienstag war, doch reichlich Zuschauer. Den ersten Preis, einen Silberpokal, errang die Dogge des Oberleutnants Graf von Poninsky und den zweiten Preis der Terrier des Leutnants von Hanfstengel. Einen Tag später besichtigte der Kommandierende General des IX.Armeekorps, von Bock und Polach, in Begleitung von 4 Generälen die Dragonerregimenter Nr.17 und Nr.18. Nachdem die Regimentsbesichtigung gut gelaufen war, wurde auf dem Bückener Feld alles für ein Pferderennen vorbereitet. Teilnehmer am Rennen waren Offiziere der Dragonerregimenter Nr.17 und 18. In dem Brigaderennen erhielt der Oberleutnant Freiherr von Brandenstein den 1.Preis und in dem Springhoe Jagdrennen der Leutnant von Rodde den 1.Preis. Die Köpfe einiger Offiziere der Dragonerregimenter dürften noch vernebelt gewesen sein (trinken wie die Großen, vertragen wie die Kleinen) als sich die Einheiten auf den Marsch ins mecklenburgische Manövergebiet machten. Und während die Dragoner auszogen, besichtigte der Kommandierenden General des IX.Armeekorps und der Brigadekommandeur, von Engelbrechten, die Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85. Nach überstandener Besichtigung wurden am Nachmittag für die Soldaten des Infanterieregiments Nr.31 verschiedene Belustigungen geboten, so Wurstbeißen, Wettlaufen, Klettern, Kesselschlagen usw. Die zur Verteilung kommenden Preise waren von den Kompanien angeschafft worden. Mit Ablauf des Monats August wurde das örtliche Lazarett für dieses Jahr geschlossen. Der Stabsarzt von Ramin, der hier den ganzen Sommer tätig war, wurde nach Bremen versetzt. Den Sommer über waren im ganzen 125 Kranke im Lazarett gepflegt worden, 1903 dagegen 112 und 1902 nur 62 Personen. Von mehreren Seiten war angeregt worden, die durch das Lager führende Chausseestrecke zu kanalisieren und einen durch Kantsteine eingefaßten Klinker Fußsteig herzustellen. Aufgrund fachmännischer Berechnung würden sich die Herstellungskosten auf 14.000 Mark belaufen. Von diesen Unkosten wollte die Provinzial Chausseeverwaltung die Hälfte übernehmen. Die Gemeindevertretung, welcher dieser Plan zur Begutachtung vorgelegt wurde, konnte demselben mit Rücksicht auf die entstehende Belastung der Gemeinde nicht zustimmen. Mit Sonderzügen reisten die Seebataillone aus Kiel und Wilhelmshaven an. Die Marineinfanteristen sollte hier wieder einmal ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Zu den Fähigkeiten gehörten Marsch und Gesang, Einzel- und Gruppengefechtsschießen, Putzen und Flicken, Orientieren im Gelände und Entfernungsschätzen. Dies Marine blieb bis 10.September. Infolge des Ausrückens der Truppen war die Post beträchtlich entlastet worden, so daß zwei Assistenten entbehrlich wurden. Assistent Wergin wurde nach Bad Bramstedt und Schmidt III nach Glückstadt versetzt. Geblieben war noch der Assistent Meyer, der während der Anwesenheit der beiden Seebataillone mit dem Postverwalter und einem Gehilfen den Dienst zu versehen hatte. Nach dem Abrücken des Militärs am 10.September vertrat der Assistent den Postverwalter während eines mehrtägigen Urlaubs. Anläßlich des Kaisermanövers bekam der Lagerkommandant; Generalmajor z.D. Ritter, am 29.08.1904, den Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub verliehen. Nachdem die diesjährige Militärsaison beendet war, wurde das Offizierskasino in der Winterzeit geschlossen. Der bisherige Geschäftsführer und Ökonom des Kasinos, Herr Rohde, der seit 6 Jahren im Amt war, hatte seinen Posten gekündigt und zog nach Kiel. Erst in der ersten Woche des Oktober gab es wieder Neuigkeiten. Der Geheimrat von Freibott und der Intendanturrat Göbel aus Altona, sowie der Baurat Hagemann waren ins Lager gekommen und nahmen eine Besichtigung der Garnisonsverwaltung vor. Am gleichen Tag erreichte ein Arbeits- und Wachkommando in Stärke von 120 Mann das Lager um wichtige Arbeiten durchzuführen. Deren Aufenthalt war vorerst bis Ende Dezember geplant. Gegen Ende November trafen auf dem Bahnhof zirka 150 Ferkel ein. Der Viehhändler Böge aus Hennstedt hatte sie im hannoverschen gekauft. Die Tiere wurden in die Stallungen des Herrn Gosau getrieben, wo auch gleich der Verkauf der Tiere begann. Die nicht verkauften Tiere wurden in den umliegenden Ortschaften zum Kauf angeboten. Je nach Bedarf oder Bestellung ließ sich Herr Böge eine Anzahl Ferkel aus Hannover hierher senden. Eine Woche später. Ein Teil des auf 200 Mann angewachsenen Arbeitskommandos war damit beschäftigt, in der Nähe des früheren Dorfes Ridders Planierungsarbeiten auszuführen, ein anderer Teil beschäftigte sich damit 800 Faschinen zu binden, sie wurden anschließend zur Ausbesserung der Unterstände benutzt. 06.11.1904, am Nachmittag nahm die freiwillige Feuerwehr eine größere Übung vor, an der auch die Zwangsfeuerwehr teilnehmen mußte. Die militärische Feuerwehr beteiligte sich mit beiden Spritzen und einer Löschmannschaft an dieser Übung. Beim Lager wurden umfassende Rodungsarbeiten vorgenommen. Die auszurodende Fläche in Größe von 49,73 ha lag in der Nähe des Dorfes Ridders, zwischen dem Hohenfierth und Holsteiner Wald. 27 ha waren für rund 4.700 Mark an drei Unternehmer vergeben, während die übrigen 23 ha vorbehaltlich der Genehmigung des Kriegsministeriums für 8.600 Mark verdungen werden sollten. Außer den Geldsummen erhielten die Unternehmer das Holz. Im folgenden Jahr konnte somit wieder eine größere Fläche für militärische Zwecke genutzt werden. Das Arbeitskommando hatte Ende November eine recht schwierige Arbeit vollendet. Der Mühlenbach, nördlich von Ridders war auf einer Länge von 600 Metern um 1 Meter vertieft worden, dann war der Damm, der bei der früheren Wassermühle in Ridders das Wassers staute, entfernt worden, so daß jetzt das ganze Wasser ungehindert in die Rantzau laufen konnte. Durch diese Arbeit waren alle Wiesen, die in der Niederung bei Ridders lagen, trocken gelegt worden und der Ertrag der Wiesen, so hoffte man, größer werden würde. In der ersten Dezemberwoche war das Infanterieregiment Nr.85 aus Rendsburg angemeldet, um Übungen im Scharfschießen vorzunehmen und zwar kam jede Kompanie für zwei Tage. Und in dieser Woche war auch der Intendantursekretär aus Altona im Lager, um eine Revision sämtlicher Geräte und Inventarien der Garnisonsverwaltung vorzunehmen. Der leitende Intendanturrat war in dieser Zeit mehrfach gekommen, um sich vom Stand der Revision zu überzeugen. Das Arbeitskommando in Stärke von etwa 150 Mann verließ am 15.12. das Lager. Es blieb für den kommenden Winter nur ein Wachkommando von 50 Mann zurück. 1905Für die Truppenküchen des Lockstedter Lagers sollte der Bedarf an Kartoffeln und Gemüse für die Zeit vom 01.Mai bis 31.Dezember vergeben werden. Bedingungen konnten im Geschäftszimmer der Kommandantur eingesehen oder gegen Erstattung von 1 Mark abgeholt werden. Versiegelte Angebote mit der Aufschrift "Kartoffellieferung" waren bis zum Verdingungstermin, am 15.Februar 1905 vormittags 1100 Uhr, an die Kommandantur einzureichen. Der Geburtstag des Kaisers wurde in diesem Jahr in besonders schöner Weise gefeiert. Generalmajor Ritter hatte den großen Saal des Kasinos wieder zu einem kirchlichen Raum ausschmücken lassen, in dem mittags 1200 Uhr von Pastor Hanssen aus Itzehoe einen Gottesdienst abgehalten wurde. Zu diesem Gottesdienst kamen auch wieder die Schulen und viele Mitglieder der Militärischen Brüderschaft für das Lockstedter Lager und Umgebung. Am Nachmittag wurde dann in den verschiedenen Lokalitäten des Ortes gefeiert und am Abend waren die festlichen Ballfeierlichkeiten. Gleich zu Beginn des Februar herrschte den ganzen Tag Weststurm. Schwere Regen- und Graupelschauern ließen das Wasser in der Rantzau so hoch steigen, daß die Niederungen überflutet und in weiter Ausdehnung unter Wasser gesetzt wurden. Im Lager standen auf den Straßen große Regenpfützen, an Dächern, Fenstern und Bäumen wurden erhebliche Schäden verursacht. In einem am 03.02. bei der Kommandantur eingegangenen Schreiben wurde vom Generalkommando des IX.Armeekorps verfügt, daß Soldaten im unterstellten Bereich, wegen der undurchsichtigen Lage im Westen des Reiches, kein Urlaub zu gewähren sei, wenn dieser in das Ruhrkohlengebiet führen würde. Dringende Fälle unterlägen der Genehmigung durch das Generalkommando. Der Verwalter des Postamtes, von Helms, der über zehn Jahre im Lager tätig gewesen war, wurde versetzt und übernahm am 01.April die Verwaltung des Postamtes III in Tornesch. Für den Postverwalter von Helms, der nach Tornesch versetzt wurde, übernahm am 01.April Herr Rathjen aus Kiel die Verwaltung des Postamtes. Gegen Ende des Monats Februar wurde die Zwangsfeuerwehr des Ortes aufgelöst. Es wurde eine 50 Mann starke Hilfsabteilung für die freiwillige Feuerwehr gebildet. Die verfügte Urlaubssperre wurde am 01.03. aufgehoben, weil sich die Verhältnisse im Ruhrgebiet stabilisiert hatten. Die freiwillige Feuerwehr im benachbarten Lohbarbek feierte am 04.03. ihr 15jähriges Stiftungsfest. Dazu waren die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr des Lockstedter Lagers und die Feuerwehr der Kommandantur eingeladen. Der Oberbrandmeister konnte bei dieser Gelegenheit Abzeichen für eine fünf-, zehn- und fünfzehnjährige Dienstzeit zu verteilen. Sowohl die Einzelvorträge wie die Theaterstücke, die zum Besten gegeben wurden, fanden den Beifall der Gäste. Zum Schluß fand ein Ball statt. Mitte März gab es reichlich Aufregung bei den Zivilisten des Lockstedter Lagers. Wie gemeldet wurde, sollte in diesem Sommer auf militärischem Gebiet ein großes Unteroffizierskasino gebaut werden, das einen großen Saal und viele Einzelzimmer enthalten sollte. Da die Unteroffiziere in den Kasernen ihrer Standorte, ihre eigenen Räume zum gemütlichen Zusammensein hätten, fürchtete man, daß das Unteroffizierskasino besonders die Einjährigen anziehen würde. Wenn dieses einträte, so bedeute der Bau des Kasinos einen großen Schaden für die örtlichen Hotels, die in der kurzen Zeit der Lagerbelegung ganz besonders auf die Einjährigen angewiesen waren. Im Interesse der hiesigen Zivilbevölkerung wäre daher zu wünschen, so der allgemeine Tenor, daß das Unteroffizierskasino nicht gebaut würde. Der geplante Bau eines Unteroffizierskasinos im Lockstedter Lager hatte nicht die Genehmigung des Kriegsministeriums gefunden, dies wurde den Initiatoren des Unteroffizierskasinos in der ersten Aprilwoche mitgeteilt. Die in den Magazinen des Proviantamtes noch vorhandene Futterkleie wurde in einer eintägigen Auktion restlos versteigert. Am 06.04. trafen ungefähr 100 Arbeitssoldaten ein, die der zweiten Klasse des Soldatenstandes angehörten, um ihre 14tägige Reserveübung abzuleisten. Sie wurden in dem früheren Dorf Ridders mit Erdarbeiten und einem Zielaufbau beschäftigt, daneben gab es noch Verschönerungsarbeiten im Barackenlager auszuführen. Sie verließen das Lager erst am 21.04. mit der Bahn. Am Montagabend, dem 10.04. wurde auf dem Übungsplatz der freiwilligen Feuerwehr Itzehoe eine Feuerlöschprobe mit dem Handfeuerlöschapparat "Minimax" durch einen Vertreter der Firma vorgeführt, zu der sich eine größere Zahl von Vertretern freiwilliger Feuerwehren eingefunden hatte, auch die Wehren der Kommandantur und des Lagers waren dabei. Der "Minimax" war ein Apparat in Form eines kleinen Zuckerhutes, der eine Tube mit Schwefelsäure, etwas doppelkohlensaures Natron und sechs Liter Wasser enthielt. Ein kurzer Stoß genügte, um die Tube zu zertrümmern und im selben Augenblick entwickelte sich ein Gas, das sofort die entstandene Lösung durch eine kleine Öffnung in 10 bis 12 Meter langen Strahl hinaus schleuderte und kleinere Brände löschte, wie auf der Demonstration zu sehen war. Mitte April wurde damit begonnen eine große Wellblechbaracke an der Nordseite des Geschützparks zu bauen, damit noch mehr Soldaten aufgenommen werden konnten. Am Nachmittag des 16.04. mußten die freiwillige Feuerwehr des Lagers und die Feuerwehr der Kommandantur ausrücken. Es handelte sich um den Brand des Tannengehölzes dicht an der Ostseite des zivilen Teils. Zum Glück konnte das Feuer bald eingedämmt werden, sonst wäre bei dem herrschenden heftigen Ostwind ganz sicher ein Großfeuer entstanden.
Durch Kabinettsordre vom 22.April war Generalmajor Ritter, Kommandant des Truppenübungsplatzes Lockstedt, auf sein Gesuch, seiner Dienststellung enthoben worden. Er war bereits am 05.April mit seiner Familie nach Erfurt verzogen. Die Geschäfte des Kommandanten wurden bis zum Dienstantritt des Oberst von Dömming durch den Kommandeur des Feldartillerieregiments Nr.9 wahrgenommen. Oberst von Dömming, war seit 1903 Kommandeur des Infanterieregiments von Manstein (Schleswigsches) Nr.84, war unter Stellung zur Disposition, mit der gesetzlichen Pension und der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform zum Kommandanten des Truppenübungsplatzes Lockstedt ernannt worden. Er trat seinen Dienst am 01.Mai an.
Um der Maikäferplage in den militärischen Anlagen Einhalt zu gebieten, gewährte die Kommandantur für einen Zentner eingesammelter Tiere 5 Mark Belohnung. Die hier anwesenden Regimenter gingen kompanieweise vor, um die Käfer zu sammeln. Die Tiere wurden in den ersten Tagen verbrannt, später wurden sie verbrüht. In ganz kurzer Zeit waren 200 Mark ausgezahlt worden. Da ein Tier nur 2 Gramm wiegt, kann man sehen, daß eine ungeheuer große Zahl dieser Schädlinge gesammelt worden war. Am Abend des 15.Mai traf der Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin im Lager ein. Im Laufe des Tages kamen auch der Kommandierende General des IX.Armeekorps, von Bock und Polach, und der Divisionskommandeur, von Kirchbach. Die drei Herren ließen sich am nächsten Tag vom Brigadekommandeur von Haugwitz die 34.Infanteriebrigade, bestehend aus den Regimentern Nr.89 und 90, vorführen. Die Vorstellung begann mit der obligatorischen Paradeaufstellung, dann folgte ein Parademarsch in Kompaniefronten und Regimentskolonnen, darauf wurden Entwicklungsaufgaben ausgeführt, die in einem Gefecht gegen einen markierten Feind endeten. Nachmittags um 1500 Uhr fuhr der Großherzog mit dem Automobil nach Ludwigslust weiter. Am Mittwoch, den 17.Mai, kehrten die besichtigten Regimenter mit Sonderzügen in ihre Garnisonsstädte Neustrelitz, Schwerin, Rostock und Wismar zurück. Während des Aufenthaltes der Infanterieregimenter war eines der Themen, die diskutiert wurden, der Ersatz des Tornisters durch den Rucksack im deutschen Heer. Anstelle des Tornisters sollte eine weiche Tasche, also ein Rucksack, treten. Gepackt werden sollte in den Rucksack nur noch Wäsche, Kochgeschirr und eine eiserne Portion, alles andere würde auf dem Kompaniepackwagen aufgeladen werden. Eine Gewichtsverringerung um 5 kg hatte viel für sich. Die beiden Packschachteln Patronen (30 Stück), die bisher im Tornister getragen wurden, konnten gut im Rucksack oder im Brotbeutel untergebracht werden. Man wollte den tragbaren Patronenvorrat auf 10 Schachteln = 150 Patronen festsetzen. Das Bataillon führte bislang fünf zweispännige Lebensmittelwagen einschließlich eines Marketenderwagen mit sich. Letzterer würde in Zukunft als entbehrlich gestrichen. Für das Regiment sollte ein Schanzzeugwagen zur Einführung gelangen, das würde der Erkenntnis entsprechen, welche die Verwendung des Schanzzeuges im russisch-japanischen Krieg gezeigt hatte. Im auf dem Truppenübungsplatz übenden Infanterieregiment Nr.162 war die Influenza recht stark ausgebrochen, so daß jeden Tag Kranke zum Lazarett geschafft werden mußten. Den Soldaten anderer Regimenter war der Verkehr mit dem oben genannten Regiment wegen der Ansteckungsgefahr verboten. Ein Ablösungskommando für die ostasiatische Besatzungsbrigade, bestehend aus 22 Offizieren und 987 Mann, das seit dem 26.Mai im Lager ausgerüstet worden war, stand am Dienstag, 06.Juni, 0700 Uhr, abmarschbereit auf der Lagerstraße, um das Kasernement zu verlassen. Der Sonderzug mit 9 Güterwagen Gepäck verließ den Bahnhof um 0830 Uhr und traf in Hamburg am Südbahnhof (Hafen) um 1057 Uhr ein. Am 10.06. kehrten aus dem Lockstedter Lager nach dreiwöchiger Übung die Infanterieregimenter Nr.162 und 163 nach Lübeck und Neumünster und das Jägerbataillon Nr.9 nach Ratzeburg zurück. Am Tage nach Pfingsten rückte alsdann die 35.Infanteriebrigade mit den Regimentern Nr.84 und 86 ins Lager ein und verblieb bis zum 04.Juli. Die Infanterieregimenter wurden zum erstenmal mit der geänderten Felddienstordnung bekanntgemacht. Die Erprobung der neuen Felddienstordnung, die der Kaiser persönlich nach den Erfahrungen im russisch-japanischen Krieg ausgearbeitet hatte, hatte sich als sehr praktisch erwiesen. Die bei einem Infanterieangriff bisher üblichen großen Sprünge fielen beinahe ganz fort, die Infanteriekolonnen bewegten sich nun auf der Erde kriechend vorwärts, das Gewehr wurde dabei über die Schulter gehängt oder am Gewehrriemen mit den Zähnen gehalten. Durch diese Art der Vorwärtsbewegung bot sich dem Gegner ein geringeres Ziel. Die Artillerie postierte sich fortan hinter markierten Anpflanzungen usw., so daß man ihre Stellung nur an dem Aufblitzen der Schüsse erkennen konnte. Das Proviantamt gab bekannt, daß es noch Heu in jeder Menge kaufe. Das Heu müßte diesjährig und gut getrocknet sein. Solches Heu könne täglich und in jeder Menge angeliefert werden. Bei dem am 26.Juni mittags über dem Platz niedergegangenen Gewitter schlug der Blitz in der Nähe des Hungrigen Wolf in mehrere Bäume ein. Die Böenwalze im Vorfeld des Gewitters wirbelte das von den Soldaten gemachte Heu in der Auniederung auseinander. Die Schießübungen der übenden Regimenter waren rechtzeitig abgebrochen worden. Im Eilmarsch wurde der Unterkunft zugestrebt, die noch vor dem einsetzenden starken Regen erreicht wurde. Bei dem Gewitterschauer fielen in nur 6 Minuten 6,4 mm Regen. Der Monat Juni hatte an neun Tagen kräftige Gewitter gehabt. Das furchterregendste Gewitter jedoch war in der Nacht zum 06.Juni, bei diesem Unwetter hatte man das Gefühl es würde nicht weiterziehen, es würde stationär über dem Platz hängen bleiben. Die Temperaturen kletterten im Juni bis auf 30° Celsius im Schatten. Die Feldartillerieregimenter Nr.24 und 60 rückten am 04.Juli aus den verschiedenen Standorten kommend ins Lager ein. Die Schießübungen dieser Brigade dauerten bis zum 28.Juli. Die Infanterieregimenter Nr.84 und 86 verließen am gleichen Tag mit Sonderzügen das Lager und am folgenden Donnerstag traf die 19.Feldartilleriebrigade, die Regimenter Nr.26 und 62 umfassend, im Lager ein. Die letzte Truppe blieb bis zum 02.August auf dem Übungsplatz. Am Vormittag des 06.Juli passierten Teile des II.Hannoverschen Feldartillerieregiments Nr.26 auf dem Landmarsch von ihrer Garnison Verden kommend die Wache zum Lager. Während des Einmarsches dieses Regiments lief der Sonderzug mit dem Feldartillerieregiment Nr.62 auf dem Bahnhof ein. Unter Führung des Generalmajors und Kommandeurs der 17.Kavalleriebrigade, von Rauch, trafen am Freitag, 28.Juli, 31 auf dem Übungsritt um den diesjährigen Ehrenpreis Seiner Majestät des Kaisers und Königs befindliche Kavallerieoffiziere mit 31 Pferden, zwei Unteroffizieren und 29 Burschen hier ein, um ein Kurzquartier zu beziehen und am 29. früh weiter zu reiten. Am 28.Juli fand das Abschiedskonzert der Kapelle des Ostfriesischen Feldartillerieregiments Nr.62 beim Kasino statt. In "Hülsing's" Hotel gastierte das Trompeterkorps des Feldartillerieregiments Nr.26. Die Reserveartillerie des X.Armeekorps rückte am 02.August ins Lager ein um für zwei Wochen das Lager zu beziehen. Das Regiment wurde in den Standorten Verden, Oldenburg und Osnabrück versammelt. Sie kamen in zwei Sonderzügen ohne schwere Waffen auf dem Übungsplatz an. Pferde und Kanonen wurden von den Regimentern Nr.26 und 62 für die Übungszeit übernommen. Der Himmel über dem Übungsplatz war am Mittwoch, 09.August, als die Soldaten des Reserveartillerieregiments auf dem Übungsgelände marschierten und exerzierten, stark bewölkt. Im Westen, über der Elbe und Stör, türmten sich weiße Cumuluswolken, deren Form sich ständig veränderte, die Farbe wechselte von weiß über "englischweiß" ins bedrohliche regengeschwängerte schwarz. Weil es den Anschein hatte, daß die Wolkenformation von den wetterbeinflussenden Flüssen aufgehalten werden würde, versäumten es die Vorgesetzten, rechtzeitig in die Unterkunft zurückzumarschieren. Als die Gewitterfront über die Elbe war, begann sich ein ohrenbetäubendes Unwetter zu entladen. Der Regen fiel vom Himmel als würde er aus Eimern ausgegossen. Als die Blitze sich in der Nähe entluden, verließen die Einheiten das offene Gelände und suchten Schutz in den Waldstücken. Nach gut einer Stunde ohrenbetäubenden Krachens war das Gewitter abgezogen, die Pferde waren noch nicht ruhig und die Soldaten naß bis auf die Haut. Erst jetzt verlegten die Einheiten ins Barackenlager. Die Gewitter hatten schwere Schäden im Kreis Steinburg verursacht. Im Lager war an den Anschlagtafeln zu lesen, daß das Infanterieregiment Nr.31 aus Altona am Sonntag, dem 13.August, ein Platzkonzert geben würde. Einen besonderen Hinweis machte man darauf, daß im Konzert die Garosche Schlachtenmusik gegeben würde. Die einquartierte Remontekommission des Husarenregiments Nr.16 verließ am 16. frühmorgens, nach Frühstück und Appell das Lager um auf dem in Itzehoe abgehaltenen Remontemarkt Pferde zu kaufen. Dem Markt wurden 108 Pferde zugeführt. Die Remontekommission kaufte davon 46 Stück. Gekauft wurden dreijährige und ausnahmsweise vierjährige Remonten. Der Preis pro Pferd betrug 800 bis 1.000 Mark. Die 35 jährige Wiederkehr des Sedantages am 01.September wurde von der hiesigen Militärischen Brüderschaft festlich begangen. Die Militärische Brüderschaft für das Lockstedter Lager und Umgebung bekränzte das Kriegerdenkmal und die Gedenktafeln im Mannschaftspark mit Lorbeerkränzen. Am Abend war eine Zusammenkunft der Mitglieder in "Hülsing's" Hotel zu einer weiteren besinnlichen Stunde, auf der noch Kriegsteilnehmer des Krieges von 70/71 über den Waffengang berichteten, daran schloß sich ein Ball mit großer Beteiligung an. Bei den im Lager stationierten Soldaten wurde der Tag nicht so feierlich begangen. Sie nahmen teil am Festakt im Mannschaftspark, danach wurde Dienst auf den Dienststellen versehen. Ein "Chargierten-Vorkommando" des Reserve Infanterieregiments traf am 01.September ein, um die Aufnahme der Reservisten vorzubereiten und deren Einweisungsablauf zu organisieren. Der Verwaltungsbeamte Milow, von der Garnisonsverwaltung im Lockstedter Lager, wurde als Verwaltungsinspektor nach Aurich versetzt. Hochbetrieb herrschte am 07.September am Bahnhof und im ganzen Barackenlager. Die einberufenen Reservisten des Reserve Infanterieregiments, das mit einer Stärke von 3.352 Mann hier üben sollte, trafen mit Sonderzügen und normal verkehrenden Zügen auf dem Bahnhof mit ihren "Persilkartons" als Kofferersatz ein und wurden von "Chargierten" in Empfang genommen und ins Lager gebracht. Das neugebildete III.Stammseebataillon, dessen Offiziere und Mannschaften für Kiautschou bestimmt waren, traf am 11.September zu einer sechstägigen Übung im Lager ein. Zur Verstärkung der Matrosenartillerie, die in Kiautschou die Verteidigungswerke in der See- und Landfront besetzte und den Minensperrdienst übernehmen sollte, wurde am 01.Oktober eine Stammabteilung mit 6 Offizieren gebildet. Bisher bestand nur eine Kompanie. Die Matrosenartillerie in Kiautschou, die vorher zwei Kompanien zählte, erhielt am 01.Oktober eine dritte und Anfang 1906 eine vierte Kompanie. Wegen Scharfschießens des Seebataillons wurden die über den Truppenübungsplatz Lockstedt führenden öffentlichen Wege (außer der Rendsburger Chaussee und dem Weg Silzen - Lockstedt) am 12.September ungefähr von 0530 Uhr bis 2030 Uhr gesperrt. Wer bei offenen Schlagbäumen die öffentlichen Wege benutzte, mußte den Platz ohne Aufenthalt passieren. Am 01.Oktober wurde unter den günstigen Wetterbedingungen eines goldenen Oktobers, durch den Militär Oberpfarrer Zierach, an der Orleans Straße ein feierlicher, ergreifender Feldgottesdienst abgehalten. Die Messe war in erster Linie für das derzeit hier übende Reserve Infanterieregiment angesetzt worden, aber es waren auch viele andere Gottesdienstbesucher gekommen. Die 3.Kompanie der Matrosenartillerie wurde im Lager ausgerüstet und auf den Aufenthalt in China vorbereitet. Der Aufenthalt hier dauerte vom 03.Oktober bis 12.Oktober. Die neue Formation erhielt Befehl am 13.10. mit dem Lloyddampfer "Roon" nach Tsingtau abzugehen. Die Kompanie bestand aus Rekruten und Freiwilligen. Zur Besichtigung des hier übenden Reserve Infanterieregiments traf am 09.Oktober abends Generalleutnant von Kirchbach als Vertreter des beurlaubten Kommandierenden Generals ein. Die Besichtigung war auf den 10.Oktober vormittags angesetzt, nach Beendigung derselben wurde das Reserve Regiment wieder aufgelöst. Unter dem Motto: "Wir greifen durch!" verfuhr Mitte Oktober der Bahnwärter Fuhlendorf. Weil er der Aufforderung des Bahnwärters, sich von dem Bahndamm, auf dem er sich befand, zu entfernen, keine Folge leistete, vielmehr nach der Anweisung des Herrn Fuhlendorf, auf den Beamten eindrang und ihn mit einem Messer bedrohte, wurde ein betrunkener Landstreicher festgenommen, dem Amtsgericht Kellinghusen zugeführt und dort mit drei Tagen Gefängnis bestraft. An Allerheiligen traf auf dem Bahnhof ein Wach- und Arbeitskommando des IX.Armeekorps in Stärke von 115 Mann ein. Eine der Aufgaben, die sie erhielten war, in diesem Jahr wieder Zielscheiben auf Vorrat zu produzieren, daneben waren einige Wasserläufe und Teiche zu säubern. Am Oberteich mußten auch neue Spundbretter eingebaut werden. Die Schleppjagd, im Rahmen der Hubertusjagden, hinter der Meute des Feldartillerieregiments Graf Waldersee fand ihren Höhepunkt am 31.Oktober. Nachdem das Regiment vom Manöver wieder in seine Garnison eingerückt war fanden kurz darauf zwei bis drei Jagden auf dem Truppenübungsplatz statt. Der Master, Hauptmann Wachs, leitete diese in hervorragender Weise. Die Hubertusjagd hatte einen ganz besonderen Reiz dadurch, daß es dem Master gelungen war, einen Keiler zu erwerben. Dem wurde auf dem Truppenübungsplatz Lockstedt in Höhe des Wasserturms die Freiheit gegeben. Den Hauptleuten Gudewill und Thimey gelang es, das Schwein in nördliche Richtung zu lenken. Nach etwa zehn Minuten wurde die Meute auf die Fährte gesetzt. Die Hunde arbeiteten vorzüglich, und nach 46 Minuten dauernder Jagd, die durch zwei kurze Stops unterbrochen war, wurde das Wildschwein in einer Dickung am Nordwestrande des Truppenübungsplatzes gestellt. Leutnant Nagel hob es aus. Der Jagdherr, Oberst Blauel, gab ihm den Fang. Die kleine Schleppmeute des Regiments war für diese Jagd durch einen Teil der Hunde des Hamburg-Wandsbeker-Schleppjagdvereins verstärkt worden, deren Master, Major Freiherr von Oldershausen vom Husarenregiment Nr.15, mitritt. Der Jagdherr verteilte 50 Brüche. Es hatten sich sehr viel Zuschauer eingefunden. Mit klingendem Spiel zog das Feld gegen 1500 Uhr durch Itzehoe. Im Kasino hielt ein feuchtfröhlicher Trunk die Jagdgesellschaft lange beisammen. Der Zeug Oberleutnant Walters war zum Artilleriedepot in Breslau versetzt worden. An seine Stelle kam der Zeug Oberleutnant Goecke aus Jüterbog. Am 21.Dezember verließ das Arbeitskommando in einer Stärke von 120 Mann das Lager um in den Heimatstandorten Weihnachten zu feiern. Die Mannschaften gehören verschiedenen Garnisonen des IX.Armeekorps an. Wie jedes Jahr blieb eine starke Wache von über 50 Mann zurück. Während ihres hierseins hatte das Kommando Vorbereitungen getroffen für die Übungen der wiederkehrenden Truppen. Außerdem war von ihnen in der Nähe des Walderseesteins ein neuer Park angelegt worden. Die Militärische Brüderschaft für das Lockstedter Lager und Umgegend veranstaltete im Hotel "Kaiserhof" eine Weihnachtsfeier. Am Nachmittag fand unter einem geschmückten Tannenbaum eine Feier für die Kinder der Mitglieder statt. Am Abend schlossen sich Aufführungen und eine Ballfestlichkeit an, woran auch die Mitglieder anderer Militärvereine zahlreich Anteil nahmen. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, in der er in markigen Worten das Weihnachtsfest als Friedensfest feierte und die er mit einem Hoch auf den Kaiser beendete, wurden mehrere Musiknummern und einige Vorträge zu Gehör gebracht. Das zur Aufführung gelangte Theaterstück betitelt: "Gegen die Herero" oder "Freiwillige vor", das von engagierten Mitgliedern flott gespielt worden war, erntete lebhaften Beifall. 1906Aus Kiel kam für zwei Tage ein Ablösekommando der ostasiatischen Besatzungsbrigade. Deren Transport ging am 13.Januar ab Wilhelmshaven nach Tsingtau. Mitte Januar erhielt die Kommandantur einen Befehl, der die Anzugfrage bei Feldparaden regelte. Seitens der Armeeleitung war bestimmt worden, daß bei Manövern künftig nur der Feldanzug mitgenommen werden durfte, den die Mannschaften auf dem Leibe trügen, während die bisher stets bei der Bagage mitgeführte beste Uniform in Wegfall käme, und so die Bagage erheblich vermindert würde. Alle Manöverparaden hätten im Feldanzug stattzufinden. Infolgedessen fiele bei den berittenen Einheiten das ganze Paradezeug weg, was ebenfalls die Bagage erleichtern würde. Der Geburtstag des Kaisers wurde von den Kommandos der Kommandantur des Truppenübungsplatzes Lockstedt am 27.Januar, abends in "Sörensen's" Hotel und Hotel "Kaiserhof" durch Aufführungen mit nachfolgendem Ball gefeiert. Das Arbeitskommando hatte seine Arbeiten erledigt und fuhr Ende Februar in die Heimatstandorte zurück. Das Wachkommando war zwischenzeitlich durch ein anderes ersetzt worden. Der zweite Lehrer der Gemeinschaftsschule, Herr Schlobohm, hatte sich um eine andere, höher dotierte Lehrerstelle im Bereich von Hamburg beworben - er bekam die Stelle. Am 08.März ging Herr Schlobohm zur Mädchenschule in Stellingen. Am 12.März peitschte ein starker Weststurm den Regen fast waagerecht gegen die Hauswände. Die orkanartig auftretenden Windböen richteten erhebliche Schäden an. Aus Itzehoe wurde berichtet, daß die Stör über die Ufer getreten wäre weil der Sturm das Wasser staue. Seit dem 21.April wurden die beiden Infanterieregimenter Nr.162 und 163 intensiv gebimst und über die Heide des Lagers gescheucht. Es galt sie möglichst rasch mit den kommenden Vorschriftenänderungen vertraut zu machen, die Kommandeure wollten bei der bevorstehenden Besichtigung gut aussehen. Sie hatten aber nicht damit gerechnet, daß sie in Zukunft, und nun zum ersten Mal, selbst als Führer der Einheit begutachtet würden. Zur Besichtigung der Bataillone, der hier zur Zeit übenden Infanterieregimenter Nr.162 und 163 trafen am Abend des 09.Mai, der Kommandierende General von Bock und Polach und der Kommandeur 17.Division, Generalleutnant von Kirchbach, hier ein. Die Dienstaufsichtführenden ließen sich die, von den Bataillonen und den Regimentern, bereits geprobten Neuerungen des kommenden Exerzierreglements vorführen. Einer durchgreifenden Neubearbeitung war das "zerstreute Gefecht", das zur Hauptkampfform der Infanterie geworden war und im neuen Entwurf im Gegensatz zu der "geschlossenen Ordnung" den Namen "geöffnete Ordnung" erhalten hatte, unterzogen worden. Um für das Einüben der "geöffneten Ordnung" mehr Zeit zu gewinnen, galt es vor allem eine Vereinfachung der Formen der "geschlossenen Ordnung" herbeizuführen. Eine wesentliche Änderung war die Einführung des "Gleichschritts" neben dem "Exerzier-(Parade-)Marsch" und dem Marsch "ohne Tritt". Beim Gleichschritt war die volle Anspannung, namentlich das Durchdrücken der Knie aufzugeben, während Haltung, Schrittweite, Tritt und Zeitmaß beibehalten wurden. Knien und Hinlegen waren (ersteres an Stelle des früheren "Nieder!") in der neuen Vorschrift viel genauer und ausführlicher vorgeschrieben, als dies in der alten der Fall war. Die Ausführung verlangte exerziermäßige Übung, ebenso wie das Aufstehen auf das Kommando "Auf!". Die Griffe für das Exerzieren mit dem Gewehr usw. waren dieselben geblieben wie bisher, nur das Laden des Gewehres war wesentlich anders gestaltet. Wichtige Änderungen waren in der Kompanieausbildung zu verzeichnen. Schon die Aufstellung und Einteilung der Kompanie in Linie war eine andere. Die ganze Kompanie, nach der Größe in zwei Gliedern angetreten, wurde vom rechten Flügel aus gleichmäßig in Gruppen zu vier Rotten eingeteilt. Aus den Gruppen werden drei Züge gebildet, wobei ein Zug stärker oder schwächer als die anderen sein konnte. Die Kompaniekolonne war völlig anders geworden. Die frühere Kompaniekolonne war zwar auch in der neuen Vorschrift vorhanden, aber sie hieß jetzt "Zugkolonne". Entsprechend der Einteilung der Gruppen zu je vier Rotten war die Gruppenkolonne, die früher Sektionskolonne hieß. Die Marschkolonne wurde aus der Gruppenkolonne auf "Marschordnung" hergestellt. Für das Exerzieren des Bataillons galt zukünftig als bezeichnend der Grundsatz: "Der Bataillonskommandeur führt seine Truppe durch Befehle. Will er in besonderen Fällen das Bataillon einheitlich kommandieren, so hatte er dies anzukündigen." Dadurch wurde die Richtschnur gegeben, daß das Bataillonsexerzieren intensiver zu einer Schule für das Gefecht umzugestalten war, als das geschlossene Exerzieren eines größeren Verbandes. Die Formationen des Bataillons wurden daher eingeschränkt, es gab nur noch zweierlei Kolonnen, die Tiefkolonne und die Breitkolonne - im übrigen war jede Aufstellungsart, wenn Zweck und Raum es erforderten, gleichberechtigt. Die Bewegungen des geschlossenen und des auseinandergezogenen Bataillons erfolgten ohne Tritt. Der Tritt war nur dann aufzunehmen, sobald die Ordnung und Manneszucht dies erforderten. Wesentlich vereinfacht und erleichtert wurde auch das Auseinanderziehen des Bataillons. Der Bataillonskommandeur war Bataillonsführer geworden. Ganz ähnlich gestalteten sich die Verhältnisse im Regiment, auch hier wurden die Truppen durch Befehle geführt. In der Abschlußbesprechung führte der Kommandierende General aus, daß die Bataillone bereits gute Fortschritte bei der Umsetzung der Vorschrift gemacht hätten, jedoch dürfe nicht nachgelassen werden die bereits im Feld angesprochenen Mängel zu eliminieren. Nach der Besichtigung marschierten die Regimenter in das Lager und bereiteten ihren Abmarsch vor. Für beide Regimenter standen am Abend Sonderzüge bereit. Wieder tobten schwere Gewitter über dem Lager. Innerhalb kurzer Zeit waren die Wassergräben rechts und links der Kieler Chaussee voll Regenwasser gelaufen und überfluteten die Straße. Dorthin, wo es ein leichtes Gefälle gab, liefen kleine Bäche, die Sand und Unrat wegspülten. Im am 05.Mai abgeschlossenen Pachtvertrag über die Lohmühle war vertraglich festgelegt, daß ein Abfuhrwagen, der von der Garnisonsverwaltung für die Rieselfelder benötigt würde, im verpachteten Schuppen abgestellt werden würde. Der Musketier Pein, der 7.Kompanie des Infanterieregiments Nr.75 tötete sich am 19.Mai durch einen Schuß aus seinem Gewehr in die Schläfe aus Furcht vor dem Antritt einer Strafe. Pein war vom Kriegsgericht wegen tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten (er hatte den Stubenältesten während eines Wortwechsels mit seinem Seitengewehrkoppel geschlagen) zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Infanterieregimenter Nr.75 und 76, die auf dem Übungsplatz neben dem Gefechtsschießen, auch nach dem neuen Exerzierreglement geübt hatten und kehrten mit Sonderzügen in ihre Garnisonsorte zurück. Der Truppentransporter "Neckar" des Norddeutschen Lloyd kam am 02.Juni morgens mit den Ablösungstruppen der ostasiatischen Besatzungsbrigade, bestehend aus 120 Offizieren und 1.800 Mann in Bremerhaven an. General von Versen begrüßte die vor der Lloydhalle angetretenen Truppen mit einer Ansprache, die mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser schloß. Nachmittags 1220 Uhr und 1530 Uhr wurden die Truppen mit Sonderzügen zum Lockstedter Lager gebracht. Im Lager sollten die Ablösungstruppen untersucht, ausgekleidet und zu den Einheiten zurückkommandiert bzw. entlassen werden. Da die Mannschaften der hier zur Auflösung gelangten ostasiatischen Besatzungsbrigade während ihres Aufenthaltes in China neben freier Verpflegung doppelte Löhnung und eine Teuerungszulage von täglich 1 Mark erhalten hatten, konnte den meisten hier noch ein ganz ansehnlicher Betrag ausgezahlt werden. So kam für die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften eines Bataillons die Summe von 460.000 Mark zur Verteilung. Das entsprach dem Sold für eine Dienstzeit von zwei bis sechs Jahren. Zwei Obermatrosen, die am zweiten Pfingstfeiertag in einem Tanzlokal in Itzehoe, infolge von großem Alkoholgenuß, erhebliche Ausschreitungen begingen und von Zivilisten mit Hilfe eines Obermaaten überwältigt worden waren, wurden dem Arrest im Lockstedter Lager überstellt und einen Tag später ihrer Garnison zur Aburteilung zugeführt. An dem Bezirks Feuerwehrtag der freiwilligen Feuerwehren in Itzehoe nahmen auch Repräsentanten der Kommandanturfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr des Lockstedter Lagers teil. Insgesamt waren 47 Wehren bei den Festlichkeiten. Die Militärische Brüderschaft hatte in ihrer Generalversammlung am 18.Juni die neuen Satzungen mit einigen Änderungen angenommen. Beschlossen wurde, das Schützenfest im August abzuhalten. Für die Ausmarschscheibe wurden vom Verein zwei Gewinne gestiftet. Das Sedansfest sollte am 01.September im "Kaiserhof" begangen werden, zur Vorbereitung desselben wurde ein Festausschuß gewählt. Das Abschießen wurde auf Oktober festgelegt. Der Verein beschloß außerdem zwei neue Gewehrläufe anzuschaffen. Einen Tag nach der Besichtigung durch den Kommandierenden General von Bock und Polach kehrten die Regimenter Nr.31 und 85 am 27.Juni morgens in ihre Garnisonen zurück. Sie waren schon seit Anfang Juni auf dem Gelände gewesen und hatten unter den Wetterkapriolen zu leiden. Die große Hitze der letzten Woche hatte mehrere Fälle von Hitzschlag zur Folge. Der Musketier Dankert von der 3.Kompanie des Regiments Nr.85 war an Herzschwäche nach einem Hitzschlag gestorben. Damit Mannschaften und Pferde auf dem Bahnhof mit genügend Trinkwasser versorgt werden konnten, wurde noch in der Woche der großen Hitze eine entsprechende Anlage gebaut. Die Speisung der Rohre erfolgte vom Wasserturm aus. Der Schießplatz war für die nächsten beiden Monate für die Artillerie reserviert. Grund war die Umrüstung der Artillerie auf Rohrrücklaufgeschütze. Zunächst trafen die Artillerieregimenter Nr.10 und 46 vom X.Armeekorps ein um Schießübungen abzuhalten. Auf dem Marsche zum Lockstedter Lager passierten am 30.06. mehrere Batterien des niedersächsischen Feldartillerieregiments Nr.46, das in Celle und Wolfenbüttel in Garnison lag, und das Feldartillerieregiment von Scharnhorst Nr.10 aus Hannover, auf ihrem Landmarsch die Stadt Itzehoe. Der Landrat gab wegen des verstärkten Übungsbetriebs die Warnung heraus, daß infolge der Schießübungen die Rendsburger Chaussee von Kilometer 65,4 bis 70,8 am 05.Juli von 0800 Uhr bis 1000 Uhr, am 10.Juli und 11.Juli von 0800 Uhr bis 1200 Uhr gesperrt sein würde. Der Verkehr würde für diese Zeit über die Landstraße und Wege über Hohenaspe umgeleitet. Die Sperrung würde durch militärische Posten und Schlagbäume mit Warnungstafeln erfolgen. Daneben wurde noch einmal auf die jährlich wiederholte Warnung verwiesen. Das Königliche Landratsamt veröffentlichte folgende Warnung vor dem Aufnehmen verfeuerter Geschosse auf Schießplätzen: "In den Verwaltungsvorschriften für die Militärschießplätze ist bezüglich des Aufnehmens verfeuerter Zünderteile und blindgegangener Geschosse bestimmt: "Zünder mit Zündladungen, einzelne Zündladungen oder blindgegangene Geschosse dürfen unter keinen Umständen berührt werden. Dabei ist es gleichgültig, ob das Geschoß eine Granate oder Schrapnell, ob es mit Zünder versehen ist oder nicht, ob der Finder von der Ungefährlichkeit überzeugt ist oder nicht. Der Finder hat zunächst weiter nichts zu tun, als den Fund bei dem Führer des Arbeitskommandos im Lockstedter Lager zu melden und nötigenfalls die Stelle kenntlich zu machen. Die Bewohner der in der Nähe des Truppenübungsplatzes Lockstedter Lager belegenen Ortschaften werden auf diese Vorschrift besonders aufmerksam gemacht und wegen der damit verbundenen Lebensgefahr dringend vor dem Aufnehmen irgend welcher Geschoßteile gewarnt." Die Kriminalpolizeidienststelle in Lauenburg bat die Kommandantur am 07.Juli, den zur Dienstleistung bei der Kommandantur des Truppenübungsplatzes abgestellten Grenadier des Grenadierregiments Nr.90, Detels, festzunehmen und in Arrest zu sperren. Der daraufhin verhaftete Grenadier Detels stand unter der schweren Verdacht, den Versuch unternommen zu haben, ein Mädchen aus Nostorf bei Boizenburg zu vergewaltigen, dann, als sich das Mädchen wehrte, erwürgt und schließlich in einen Teich geworfen zu haben. In der geballten Hand der Getöteten hatte die Polizei die Photographie des Grenadiers in ein Taschentuch eingewickelt gefunden. Die Batterien der hannoverschen Feldartillerieregimenter hatten das Lager am 20.Juli verlassen, sie passierten auf dem Rückmarsch in ihre niedersächsischen Garnisonen Itzehoe zeitlich gestaffelt. Am nächsten Tag rückten die Feldartillerieregimenter Nr.9 und 45 ein. Alle Bataillone erreichten im Landmarsch das Lager. Zwei Tage später mußte das Feldartillerieregiment Nr.45 einen schweren Unfall mit Todesfolge melden. Ein Artillerist wurde beim Richten des Geschützes, weil der Fahrer des Geschützes vorzeitig abzog, durch den Lafettenschwanz so schwer verletzt, daß er noch am gleichen Abend verstarb. Ein weiterer Unfall ereignete sich beim Feldartillerieregiment Graf Waldersee. Leutnant Kickbusch stürzte mit seinem Pferd und erlitt einen schweren Beinbruch. Nach einer ersten Behandlung im Lagerlazarett wurde der Leutnant ins Garnisonslazarett Altona verbracht. Die Wahl des Lehrers Eggert zum Lehrer an der hiesigen Schule, war von der Regierung nicht bestätigt worden, da bei der Wahl gegen die Bestimmungen des Patents vom 16.Juli 1864 verstoßen wurde. Es war daher am 26.Juli eine Wiederholung der Wahl angeordnet worden. Zur Wahl standen die Lehrer Eggert aus Bielenberg, Thun aus Kattbek und Witt aus Janneby. Das diesjährige Korpsmanöver im Bereich des Landesteils Schleswig bis hinein nach Dithmarschen warf Ende Juli bereits lange Schatten in das Lockstedter Lager. Da die Regimenter im Brigadeverband eingesetzt werden sollten, war eine zwei- bis dreiwöchige Vorlaufzeit vor StartEx angebracht. Der erste Verband, der einrückte war die 35.Infanteriebrigade mit den Regimentern Nr.84 und 86. Diese rückten ab dem 30.Juli mit der Bahn aus den Garnisonsstandorten ab und waren am 31.Juli im Lager versammelt. Ein Regiment hatte dem Anschein nach einen neuen, wenig geübten Trompeter dabei. Nach dem Einlaufen des Transports in den Bahnhof wurde zweimal das Trompetensignal "Aussteigen; sehr rasch" geblasen an Stelle von "Aussteigen", danach war eine kurze Pause, die gefolgt wurde von dem Signal zum Aussteigen aus dem Zug im normalen Schrittmaß. Die Einheiten exerzierten im Bataillons-, Regiments- und Brigaderahmen. Am Donnerstag, dem 16.August, übte die Brigade nördlich des Wasserturmes bei der Walderseehöhe den Parademarsch, vormittags war zweimal Probemarsch und am Nachmittag war die Abnahme des Marsches durch den Brigadekommandeur. Am 18.August war Rückmarsch mit der Bahn, diesmal wurde das Trompetensignal "Einsteigen der Mannschaften" korrekt geblasen. Der letzte Waggon hatte gerade den Bahnhof verlassen, da entlud sich ein ziemlich heftiges Unwetter. Ein weiteres kräftiges, von starken Regengüssen begleitetes, nur 20 Minuten dauerndes Gewitter begann gegen 1300 Uhr, gerade als die auf dem Übungsplatz übenden Truppen mit dem Abkochen fertig waren und die Ordnungen zu exerzieren begannen. Die Schauertätigkeit hielt nach dem Gewitter noch etwa zwei Stunden an mit verschieden langen Intervallen in denen es regnete. Das Wettergeschehen hatte in den umliegenden Orten schwere Schäden angerichtet. Die 17.Feldartilleriebrigade mit den Feldartillerieregimentern Nr.24 und 60 kamen beide im Bahntransport am 13. bzw. 14.August im Lager an. Nach dem Entladen der Waggons, Verbringen der Geschütze in den Geschützpark und der mitgebrachten Munition in den dafür vorgesehenen Lagerplatz im Nordwesten des Lagers war Einräumen der Stuben befohlen, dazwischen Antreten der Chargierten zum Befehlsempfang und Einteilung der notwendigen Dienste. Wichtig war für die übenden Artilleristen, daß die Fahrübungen mit den Geschützen und die Zusammenarbeit mit den Munitionskolonnen klappte. Daß neben den Felddienstübungen noch formaler Dienst angesetzt war, verstand sich von selbst. Die 17.Feldartilleriebrigade verblieb bis zum 30.August im Lager, danach verlegte sie in das Manövergebiet, in dem sie mit der 34. und 81.Infanteriebrigade üben sollte. Die Verlegung in das Gelände um Rendsburg und Schleswig dauerte vom 31.August bis einschließlich 10.September und beinhaltete Feldmanöver und etliche Märsche. Zuletzt kam die 34.Infanteriebrigade mit den Regimentern Nr.89 und 90. Die Regimenter hatten gleichzeitig am 17.August die Standorte verlassen und im Landmarsch das Lockstedter Lager zwischen dem 20. und 21.August erreicht. Die Regimenter übten nebenbei auch für das Manöver, hauptsächlich waren sie hier um Gefechtsübungen und Schießübungen durchzuführen. Am 10.September waren die Übungen abgeschlossen, am 11.September wurde das Lager mit der Eisenbahn ins Manövergebiet zwischen Heide, Grünental, Husum und Treia verlassen. Das Schulkollegium wählte am 07.August mit 11 von 22 abgegebenen Stimmen den Lehrer Witt aus Janneby zum zweiten Lehrer im Lockstedter Lager. Das Feldartillerieregiment Nr.9 kehrte nach den Schießübungen im Lockstedter Lager in die Kasernen in Itzehoe zurück. Die Batterien der II.Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.45 folgten den 9ern mit einem Abstand von 30 Minuten auf dem Weg zu ihrer Garnison Bahrenfeld. Dem hier abgehaltenen Remontemarkt wurden 91 Pferde zugeführt. Die Kommission kaufte davon 43 Stück, es wurden durchschnittlich gute Preise bezahlt. Am 17.August stürzte der Chef der 5.Batterie des Feldartillerieregiments Nr.24, Hauptmann von Hermann. Er hatte sich bei dem Sturz mit dem Pferd erhebliche Verletzungen am Kopfe, an der Schulter und an der Hüfte zugezogen. Die fiskalischen Gebäude und dazu gehörenden Einrichtungen im Lockstedter Lager wurden von Herrn, Baurat Sorge und Bauinspektor Hagemann aus Altona besichtigt. Es war eine der periodischen Inspektionen die im Auftrag des Ministeriums vorgenommen werden mußten, um die zu beantragenden Geldmittel für Reparaturen und/oder Änderungen an der Bausubstanz zu ermitteln. Eine vielversprechende Sedansfeier am 01.September im "Kaiserhof" plante die Militärische Brüderschaft für das Lockstedter Lager und Umgebung. Ein angekündigtes, abwechslungsreiches Programm machte schon im Voraus auf die zu erwartenden Genüsse aufmerksam. Da wurden komische Entrees angekündigt und flotte Märsche, Gesangssoli, ja sogar ein Panoptikum. Mit der Ankündigung eines Balles als Festabschluß wendete sich die Vorankündigung besonders an das weibliche Geschlecht, das für derlei Ankündigungen als besonders empfänglich erachtet wurde. Daß aber nicht nur die Aussicht auf das Vergnügen, sondern auch die dem Sedanstag gerecht werdenden Ansprachen zu zahlreichem Besuch veranlassen würde, war für die Veranstalter selbstverständlich. Wie es sich die Veranstalter erhofft hatten, war der "Kaiserhof" am Abend des Sedanstags überaus stark frequentiert, einige Sitzgelegenheiten mußten zusätzlich bereitgestellt werden. Die Ballfestlichkeiten dauerten bis weit nach Mitternacht. Während die Militärische Brüderschaft ihren Umzug entlang der Kieler Chaussee durchführte, geschah bei der Besichtigung des Feldartillerieregiments Nr.24 durch den Kommandierenden General ein tödlich endender Unfall. Während einer Exerzierübung im Galopp stürzte eines der vorderen Pferde eines Munitionswagens der 6.Batterie. Der darauf sitzende Reiter, der Fahrer Lippert, flog kopfüber vom Pferd gegen den voraus fahrenden Munitionswagen, wurde überfahren und geriet unglücklicherweise in die Speichen der Protze. Der Soldat starb innerhalb einer halben Stunde noch auf dem Transport ins Lazarett. Gegen 1400 Uhr des 13.September traf das II.Seebataillon, das mit der Eisenbahn aus Wilhelmshaven zum Lager verlegt hatte, auf dem Bahnhof ein. Nach dem Aussteigen war auf der Straße vor dem Bahnhof antreten in Bataillonskolonne, gefolgt vom Einmarsch in den Lagerbereich. Wie immer wenn die Marine kam, stand genügend Publikum am Chausseerand. Das I.Seebataillon aus Kiel, das am frühen Morgen von Kiel mit der Bahn nach Rendsburg verlegt worden war, kam am späten Nachmittag im Landmarsch von Norden her in den Unterkunftsbereich. Diesen Soldaten fehlte nach dem schnellen Marsch das frische Aussehen ihrer vorher angekommenen Kameraden, dennoch machte die Marschordnung einen geschlossenen Eindruck. Seine Königliche Hoheit der Admiral Prinz Heinrich von Preußen kam am 14.September nachmittags gegen 1330 Uhr in Begleitung mehrerer Marineoffiziere im Automobil von Brunsbüttel kommend im Lockstedter Lager an. Es war nur ein kurzer Aufenthalt ohne große Zeremonie geplant. Nachdem er und seine Begleiter und die Kommandeure der Seebataillone im Kasino gegessen hatten, fuhr die Gesellschaft nach Kiel, der Admiral lenkte selbst sein Automobil. Einen Reservistenansturm erlebte das Lager am 19.September, ein Reserve Infanterieregiment in Stärke von 3.152 Mann, gebildet aus Truppen des IX.Armeekorps, war im Lager einberufen worden. Übungsvorhaben war die Auffrischung ehemals gelernter Fähigkeiten, darunter fiel auch der Sturmangriff im Kompanierahmen. Auf dem zugewiesenen Übungsgebiet, dem Exerzierplatz beim Hungrigen Wolf erklärte der Kompanieführer noch einmal die Bedeutung der Befehle und Signale. Dann wurde die Ausgangslage eingenommen. Auf das Trompetensignal "Seitengewehr pflanzt auf!" wurden die Bajonette angebracht, die Spielleute traten hinter die Kompanie, die Tambours schlugen den Sturmmarsch im normalen Marschtempo, der Vormarsch begann. Nach etwa 100 Metern erfolgte das Signal "Zum Sturm - Gewehr rechts!", die Tambours erhöhten die Frequenz auf 65 Schritt, es wurde in den Sturmschritt übergegangen. Nach weiteren 20 Metern wurde das Kommando "Marsch - Marsch!" gegeben, die Tambours trommeln das Zeitmaß für den Laufschritt, die Hornisten blasen das Signal "Rasch vorwärts". Kurz vor dem Einbruch in die Stellungen des imaginären Feindes der Trompetenbefehl "Fällt das Gewehr - Hurra!", die Soldaten brechen in die Stellungen ein, der Feind leistete keinen Widerstand. Viel später hörten alle die Signale der Hornisten, die ankündigten, daß die Truppen nach der Übung abrückten. Nach einer Woche war den Reservisten drillmäßig wieder das Laden des Gewehrs und die entsprechenden Anschlagsarten beigebracht worden und ein Stand der Fertigkeiten erreicht, der eine Überprüfung auf dem Übungsplatz gegen gefechtsmäßige Ziele rechtfertigte. In kleinen Exerzitien mußten sie beweisen, daß sie in der Lage waren in allen Körperlagen schnell zu laden, das Visier schnell und sicher einzustellen und gegen das Ziel schnell und sicher in Anschlag zu gehen, dabei das Ziel ruhig aufzufassen und abzukrümmen auch wenn das Ziel nur kurz zu sehen war. Nachdem am 23.September in Gegenwart des Prinzen Heinrich die Inspektion der Seebataillone stattfand, kehrten diese zwei Tage später in ihre Standorte zurück. Für den Rücktransport standen Sonderzüge bereit Das Feldartillerieregiment Nr.9, das am 28. aus dem Manöver zurückgekehrt war, verließ am 29. morgens um 0800 Uhr Itzehoe und begab sich ins dem Lockstedter Lager, wo es mit einem Teil des Feldartillerieregiments Nr.45 (Altona) zu einer kriegsstarken Reserve Feldartillerieabteilung formiert wurde und unter Leitung des Hauptmannes Witter 14 Tage lang Übungen vornahm. Die zu diesem Zweck einberufenen Reserve- und Landwehrmannschaften in Stärke von ungefähr 500 Mann trafen am 29. von verschiedenen Bezirkskommandos einberufen in Itzehoe ein, wurden eingekleidet und sofort zum Lockstedter Lager in Marsch gesetzt. Das Reserve Infanterieregiment wurde am 02.Oktober aufgelöst und die Reservisten in die Heimatstandorte entlassen. Die Meinungen der entlassenen Soldaten waren sehr unterschiedlich in Bezug auf die vergangen Übungstage, einheitlich war jedoch das Urteil, daß der Dienst recht anstrengend war. Zehn Tage später, am 12.Oktober, war, nachdem die Besichtigung am Vortag zur Zufriedenheit des Generalleutnants von Böhm (18.Division) ausgefallen war, auch für die Reserve Feldartillerieabteilung die Übungszeit beendet, sie verließen das Lager, wurden in den Standorten ausgekleidet und konnten nach Hause fahren. Der Kommandantur war angekündigt worden, daß noch im Laufe des Oktober drei Truppentransporte aus Ost- und Südwestafrika hierher kämen, um im Lager aufgelöst zu werden und das IX.Armeekorps informierte, daß bei ihm Anträge auf Genehmigung von kurzfristigen Übungsplatzaufenthalten vorliegen würden. Einzelne Regimenter hätten nachgesucht, um an einzelnen Tagen Übungen im winterlichen Gelände des hiesigen Lagerterrains durchführen zu können. Das Lager hatte sich geleert, es war Ruhe eingekehrt, nur das übliche Arbeits- und Wachkommando in Stärke von 150 Mann, das die Schießstände, Scheiben, Anlagen usw. wieder in Ordnung zu bringen hatte blieb hier. Angekündigt wurde die Ankunft von 1.200 Afrikakriegern, die mit den Dampfern "Eduard Woermann" und dem Reichspostdampfer "Prinzessin" am 20.Oktober von Swakopmund abgegangen waren, für den 11.November und ein weiterer Transport in Stärke von 600 bis 700 Mann für Ende November. Insgesamt sollen 7.000 Mann zurückgebracht werden. Eine bahnbrechende Neuerung, die im nächsten Jahr durchgesetzt würde, war Tagesthema im Bereich. Die Kantinenpächter kamen bisher während der Übungen ihrer Truppenteile größtenteils selbst zum Betrieb der Kantinen mit hierher oder verpachteten diese an örtliche Privatpersonen. Nur für das Wach- und Arbeitskommando wurde eine von der Kommandantur verpachtete Kantine ständig betrieben. Vom 01.April 1907 ab würde nun der gesamte Kantinenbetrieb von der Kommandantur an einen Pächter verpachtet, der je nach der Stärke der Belegung des Lagers eine größere oder kleinere Anzahl Kantinen zu betreiben hätte. Pächter des hiesigen Gesamtbetriebes wurde der damalige Schreiber der Kommandantur, Vizefeldwebel Steffen. Ein Teil des Arbeitskommandos verließ das Lager in Richtung der Heimatstandorte, zurück blieb ein Wachkommando in Stärke von 2 Feldwebeln, 4 Unteroffizieren und 52 Mannschaften. Nach dem Jahreswechsel würde der restliche Teil des Arbeitskommandos wieder im Lager einrücken. |