|
Seit dem 03.Januar war wieder ein Arbeitskommando des IX.Armeekorps in das Lager eingerückt. Es waren reichlich Handwerker unter den Kommandierten, deren Stärke 110 Mann betrug. Ein Teil des Arbeitskommandos mußte sämtliche dem Fiskus gehörende Wege kontrollieren, und wenn notwendig ausbessern, daneben waren die Schlagbaum- und Grenzmarkierungen nachzusehen. Wichtig waren die Befestigung und Armierung der Deckungen und das Verstärken der Kugelfänge, hier besonders die der zum Schulschießen genutzten Schießstände. Die Handwerker fanden in Reparaturarbeiten innerhalb und außerhalb der Baracken ihre Beschäftigung. Dazu gehörte auch die Grabpflege der verstorbenen Franzosen und Choleraopfer und die Herrichtung der verschiedenen Gedenkstätten.
Antreten am 27.01.1895 für alle Personen, die bei der Kommandantur im Dienst standen oder beschäftigt waren. Den militärischen Dienststellen war die Rede des Kaisers aufgrund der 25. Wiederkehr des deutsch-französischen Krieges zugeschickt worden. Der Kommandant verlas das Schreiben und schloß die Veranstaltung mit dem obligatorischen dreifachen Hurra auf Kaiser und Reich. Dunkle Wolken zogen am Schießplatzhimmel, verursacht durch die Budgetkommission des Reichstages, auf. Hatte man geglaubt, daß man die Schießplatzerweiterung in trockenen Tüchern hätte, so war die Nachricht, daß der von der Intendantur geforderte Betrag von 1.2 Millionen Mark noch nicht bewilligt sei, niederschmetternd. Gleichzeitig verlautete von der Kommission, daß jedenfalls der Betrag von 70.000 Mark für den ersten Bauabschnitt des Lazaretts genehmigt sei. Der 18.April sollte für das Lockstedter Lager ein denkwürdiger Tag werden. Die Budgetkommission hatte den für die Vergrößerung des Gebietes geforderten Betrag zur Verfügung gestellt und die Beträge an die Landbesitzer überwiesen, wodurch die Gebiete von Lohbarbek und Mühlenbarbek, die Fischteiche (Bückener Weg), Springhoe und Lockstedt, der dritte Teil der Ländereien von Silzen (235 ha)und alle Landflächen von Ridders in den Besitz des Fiskus übergingen. Der Ankauf von Poyenberg und den restlichen zwei Dritteln von Silzen wurde in das nächste Jahr verschoben. Daneben sollte wie bereits erwähnt, Bücken erworben werden. Die geplante Verlegung der durch das Schießgelände führenden Landstraße zwischen Springhoe/Lockstedt und dem Lockstedter Lager wurde in das nächste Jahr verschoben. Aufgrund der geplanten stärkeren Nutzung des Übungsplatzes wurde nicht ausgeschlossen, daß die Straße in der Woche oft gesperrt werde und die Nutzer auf den Umweg über Mühlenbarbek hingewiesen werden. Nachdem die zur Erweiterung des Lockstedter Lagers angekauften Grundstücke in den Besitz des Militärfiskus übergegangen waren, wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Königliche Schießplatzverwaltung das Betreten des Schießplatzes und zwar des ganzen Platzes in seinem erweiterten Umfange, einschließlich der Wirtschaftswege (und ausschließlich der öffentlichen Wege) untersagte und das Verbot an den Zugängen ersichtlich machte. Zuwiderhandlungen sollten mit Geldstrafe bis 150 Mark oder mit Haft bestraft werden. Daneben hätten Unbefugte innerhalb des Lagerbezirks mit der sofortigen Festnahme durch die Patrouillen und Posten zu rechnen. Gestattet wurde das Betreten des Üungsplatzes Lockstedter Lager demzufolge nur noch den Militärpersonen und den Zivilisten, die mit einer von der Königlichen Schießplatzverwaltung ausgefertigten Erlaubniskarte ausgestattet waren. Solcher Erlaubniskarten bedurften insbesondere auch diejenigen Personen, welche aufgrund des ihnen von der Militärintendantur eingeräumten Rechts die zur Erweiterung des Lagers abgetretenen Flächen abernten oder die Ernte abholen wollten, ferner diejenigen, die ein Jagdrecht ausüben wollten, Militärlieferanten usw. Das I. und II.Bataillon des Infanterieregiments Nr.76 waren die ersten Nutzer des Schießplatzes im Jahre 1895. Sie hielten sich vom 01.Mai bis einschließlich 14.Mai auf dem Schießplatz auf. Der Dienstplan sah intensives Schießtraining der Einheiten vor, sowohl Schulschießen als auch Gefechtsschießen in allen gängigen Übungen. Die beiden Bataillone wurden nach Abschluß der Übungen mit der Eisenbahn in die Garnison Hamburg zurück befördert. Das III.Bataillon besuchte das Lager vom 15.Mai bis 24.Mai, das Bataillon erledigte die vorgegebenen Schießübungen schnell und vorschriftsmäßig. Auch dieses Bataillon wurde mit der Eisenbahn zurück transportiert. Am 20.Mai bezog die 9.Feldartilleriebrigade das Lager. Die beiden in Itzehoe garnisonierenden Abteilungen des Feldartillerieregiments Nr.9 rückten nicht in das Barackenlager ein, stattdessen rückten sie jeden Morgen von Itzehoe aus in das Lager und kehrten abends nach Itzehoe zurück. Das Feldartillerieregiment Nr.24 und die reitende Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.9 aus Neumünster waren im Lager untergebracht. "Für den Neubau des Barackenlazaretts im Lockstedter Lager, welches aus einem Verwaltungsgebäude, zwei Lazarettbaracken und einem Leichen- und Desinfektionshaus bestehen soll, sind die Arbeiten nunmehr ausgeschrieben. Die erste Lieferung von 396.000 Stück Hintermauersteinen und 102.000 Stück Verblendsteinen wurde gesondert ausgeschrieben. Die restliche Baumaßnahme soll in einem Los verdungen werden. Die Offerten sind bis zum 05.Juni bei der Garnisons Bauinspektion in Plön einzureichen." In der ersten Woche des Juni hielt der Premierleutnant Th. Westermark im Offizierskasino einen Vortrag über das Thema "15 Monate unter Menschenfressern am Kongo und die Stanley Affäre". Vier Tage nach der Inspektion der 9.Feldartilleriebrigade durch den Kommandierenden General des IX.Armeekorps, General Graf von Waldersee, der von der Truppe auch "König von Schleswig-Holstein" genannt wurde, bereiteten sich die Regimenter auf den Abmarsch vor. Während das Feldartillerieregiment Nr.9 nach Itzehoe und Neumünster zurück marschierte, verlegte das Feldartillerieregiment Nr.24 zu den Feierlichkeiten an den Kanal. Beim Ausritt aus dem Lager stürzte Major Schackschneider, Kommandeur der IV.Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.24 mit seinem Pferd und erlitt einen Beinbruch. Das Infanterieregiment Nr.84 nahm an den Feierlichkeiten zur Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals teil. Die Einheiten standen am 20.Juni 1895 auf der nördlichen Seite des Kanals in verschiedenen Abschnitten und huldigten dem Kaiser bei dessen Vorbeifahrt. Am nächsten Tag rückte das Regiment im Lockstedter Lager ein, um das jährliche Schießen und Regimentsexerzieren durchzuführen. Eine Rast legte das Hannoversche Husarenregiments Nr.15 auf dem Marsch zum Kaiser-Wilhelm-Kanal im Lager ein. Auf dem Rückweg war es in Begleitung des Husarenregiments Nr.16 aus Schleswig, beide führten auf dem Schießplatz Regimentsübungen und abschließend eine Brigadeübung durch. Am 24.Juni war eine große Anzahl Personen auf dem Bahnhof versammelt, um der Ankunft Seiner Majestät des Kaisers beizuwohnen, welche aus Anlaß eines Divisionsmanövers auf dem Übungsplatz des Lockstedter Lagers einem Gerücht zufolge erfolgen sollte. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß auch diesmal, wie schon früher so oft, das Gerücht blauer Dunst war. Bei den amtlichen Stellen war nichts von solchen Reiseplänen bekannt. Zu dem Manöver trafen vorher die beiden Infanterieregimenter Nr.31 und 85 per Extrazug ein und marschierten sofort in das Lockstedter Lager, wo sich bereits die Infanterieregimenter Nr.84 und Nr.86 befanden. Hinzugezogen zum Manöver waren auch das Feldartillerieregiment Nr.9 und das Husarenregiment Nr.16. Der Kommandierende General Graf von Waldersee war bei dem Manöver anwesend. Im Lockstedter Lager selbst hatte sich eine große Menschenmasse eingefunden, um dem militärischen Schauspiel beizuwohnen. Bei dem stürmischen Wetter fegte der Wind aber derartig dichte Staubwolken über die Chaussee, daß Viele es vorzogen, im Lager zu bleiben und nicht ins Gelände zu gehen. Gegen 1200 Uhr wurde zum Sammeln geblasen, worauf die Truppen in die Unterkünfte abrückten und das Publikum sich verstreute, letzteres war um eine Enttäuschung reicher. In den Tageszeitungen wurde veröffentlicht, daß das Regiment Herzog von Holstein Nr.85 beabsichtigte die 25jährige Wiederkehr seines Ehrentages, des Schlachttages von Gravelotte, am 16. und 18.August festlich zu begehen. Die Feier des Offizierskorps fände am 16.August im Lockstedter Lager, diejenige der Unteroffiziere und Mannschaften am 18.August in den Garnisonen Rendsburg, Neumünster und Kiel statt. Alle ehemaligen aktiven Offiziere, sowie die Reserve- bzw. Landwehr- und Sanitätsoffiziere, welche als solche den Feldzug 1870/71 beim Regiment mitgemacht, desgleichen auch die ehemaligen Unteroffiziere, welche im Regiment an diesem Feldzuge teilgenommen hätten, werden, sofern sie sich an dieser Feier zu beteiligen wünschten, gebeten, ihre Adressen, die Unteroffiziere auch die Garnison, spätestens bis zum 01.August dem Geschäftszimmer des Regiments mitzuteilen. Das Offizierskorps des im Lockstedter Lager anwesenden Infanterieregiments Nr.85 beging am 16.August eine Gedenkfeier an die ruhmreichen Kriegsjahre 1870/71. Zu derselben war der Kommandierende General des IX.Armeekorps, Graf von Waldersee, eingetroffen. Am Abend vorher war großer Zapfenstreich und Feuerwerk. Die Mannschaften begingen diese Feier am 18.August, dem Jahrestage der Schlacht bei Gravelotte. Am 17.August wurden die drei Bataillone 85er nach Kiel, Rendsburg und Neumünster zurück befördert, während die 31er noch die Gefechtsschießübungen bis zum 28.August fortsetzen und dann direkt vom Lager ins Manövergelände abfuhren. Auf dem Schießplatz des Lockstedter Lagers fand am 19.August eine große Übung im schnellen Aufstellen von Zelten für eine Korporalschaft statt. Es war ein Wettkampf zwischen verschiedenen Einheiten. Nachdem das Infanterieregiment Nr.31 die Gefechtsschießübungen Ende August beendet hatte, war dasselbe am 29. in Extrazügen direkt ins Manöverterrain nach Pommern befördert worden. Damit waren die diesjährigen größeren Übungen im Lager beendet und nur das Wachkommando blieb zurück. Das Lager war schon in diesem Jahre weit stärker von Truppen benutzt worden, als in früheren Jahren, besonders von der Infanterie. Ende September wurden die Landvermessungen, des für die erneute Vergrößerung des Übungsplatzes ins Blickfeld genommenen Geländes, abgeschlossen. Die neuerliche Erweiterung sollte eine Ausdehnung von zirka 8.000 Hektar erreichen, während die letzte vorgenommene Vergrößerung ihn auf einen Flächeninhalt von fast 2.000 Hektar gebracht hatte. Eine Kommission zur vorläufigen Schätzung der zur weiteren Vergrößerung des Lockstedter Übungsplatzes anzukaufenden Gebiete, bestehend aus den Herren Intendanturassessor Löwenhardt, Intendantursekretär Schmidt, Hofbesitzer Timm sen. aus Papenhöhe bei Elmshorn, Hofbesitzer Rohwer aus Oldenhütten und Förster Geerts von der Gemarkung Trotzenburg bei Itzehoe, hatte Anfang Oktober ihre sehr umfangreichen Arbeiten beendet. Es waren zur zukünftigen Erweiterung des Übungsplatzes folgende Gelände in Aussicht genommen: Die Dorfschaft Ridders ganz, das königliche Gehege Lohfiert, das zur Herrschaft Breitenburg gehörige Gut Bücken mit der Lohmühle, sowie Teile der Gemeinden Winseldorf, Schlotfeld, Hohenaspe, Drage, Looft, Peißen, Silzen, Poyenberg, Lockstedt und Lohbarbek. Mit den Besitzern der abzutretenden Ländereien würde man erst dann in Verhandlung treten, wenn vom Reichstag die durch die Schätzung zusammengestellte ganze Kaufsumme bewilligt war. Der Übungsplatz war jetzt 1890 Hektar groß und würde, wenn die neuerdings vermessenen Gebiete hinzukämen, eine Ausdehnung von 8.000 Hektar erhalten. Im Schaukasten des Photographen Vahlendick waren Momentaufnahmen aus dem Lockstedter Lager ausgestellt, wovon besonders die, sich auf die Regimentsfeier der 85er beziehenden Bilder Beachtung verdienten. Die Ausstellung war sehr mannigfaltig, ernste und heitere Bilder gaben so recht ein Bild vom militärischen Leben im Lager ab. Nach einer Entscheidung des Ministers des Inneren sollte aus dem Lockstedter Lager mit allen Privatwohnungen ein selbständiger Amts- und Gemeindebezirk gebildet werden, dessen Verwaltung der Inspektor übernehmen sollte. Auf dem Schießplatz hielten die nachfolgenden Truppenteile an folgenden Tagen Schießübungen mit scharfer Munition ab. Das I.Bataillon Infanterieregiment Nr.76 vom 01.-03.November, das II.Bataillon Infanterieregiment Nr.76 vom 04.-07.November, das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.31 vom 11.-15.November, das II.Bataillon desselben Regiments vom 25.-29.November, das I.Bataillon Regiment Nr.31 vom 02.-06.Dezember, das I.Bataillon des Infanterieregiments Nr.86 vom 09.-13.Dezember, das II.Bataillon des gleichen Regiments vom 16.-20.Dezember. Während dieser Zeit blieb die Landstraße von Springhoe bis zur Nordgrenze des Barackenlagers gesperrt. Der Fußgängerverkehr und leichtes Fuhrwerk wurde auf den Weg von Springhoe nach Mühlenbarbek, schweres Fuhrwerk auf die Landstraße von Mühlenbarbek über Kellinghusen nach Hennstedt verwiesen. Auf dem Übungsplatz Lockstedt wurde durch die beiden dorthin kommandierten Jäger des Grafen von Waldersee, Begasse und Vogt, ein kolossaler Seeadler geschossen. Der war in einem Fuchseisen gefangen. Bei Annäherung der Jäger nahm der Adler Eisen, Kette und Pfahl mit in die Luft, wobei er sich den Fang des linken Ständers vollständig abriß, deshalb wurde der stattliche Vogel durch einen Schuß des Herrn Begasse in einer Höhe von zirka 50 Meter erlegt. Der Adler maß die große Flügelweite von 2,15 Meter, Gewicht 9 1/2 Kilo. Das II.Bataillon des Infanterieregiments Nr.86 beendete im Lockstedter Lager die Gefechtsschießübungen und kehrte sofort mit der Bahn nach Flensburg zurück. Damit waren für diesen Winter die Schießübungen der Infanterie erledigt. Aus dem Barackenlager Lockstedter Lager und den dabei liegenden Privathäusern, die zur Gemeinde Winseldorf gehörten, sollte ein eigener Gemeindebezirk gebildet werden. Die Umfrage bei den beteiligten Grundbesitzern hatte ergeben, daß diese mit der Neubildung einverstanden waren. Es sollte demnach ein Gemeindebezirk "Lockstedter Lager" gebildet werden. Im Reichshaushaltsetat für das Haushaltsjahr 1896/97 waren auch mehrere Positionen aufgeführt, welche das Lockstedter Lager betrafen. Im Etat der Reichsmilitärverwaltung und zwar unter den laufenden Ausgaben, war die Errichtung einer Kommandantur für den Truppenübungsplatz Lockstedt infolge seiner Umwandlung aus einem Artillerieschießplatz in einen Truppenübungsplatz für das IX.Armeekorps vorgesehen; die Mehrausgaben beliefen sich auf 2.880 Mark Zulage für den Kommandanten und 400 Mark Schreiberzulage. Ferner wurden neu eingestellt 600 Mark Zulage für die Bewachung der zur Vergrößerung des Lockstedter Lagers angekauften Waldflächen und endlich sollte ein besonderer Feuerwerkeroffizier (Hauptmann) für den Platz bestellt werden. Ferner waren für den Übungsplatz 800.000 Mark als zweite Rate zur Vergrößerung des Barackenlagers eingeplant. Die weiteren Einplanungen ergaben, daß es durch den in der Erläuterung zu dem Etatansatz für das Jahr 1895/96 angedeuteten Erwerb weiterer angrenzender Flächen möglich sein würde, den Artillerieschießplatz Lockstedt auf die Größe eines vollen Truppenübungsplatzes von etwa 5.625 Hektar zu erweitern. Zur vollständigen Ausnutzung des so erweiterten Platzes war aber auch die Vergrößerung des vorhandenen Barackenlagers notwendig. Zu den im Etat für das Jahr 1895/96 auf 1.221.000 Mark angegebenen Gesamtkosten kamen die Kosten für die noch weiter zu erwerbenden Flächen von rund 3.370 Hektar, sowie für die Erweiterung des vorhandenen Barackenlagers mit 3.579.000 Mark hinzu, so daß sich die Gesamtkosten nunmehr überschlägig auf 4.800.000 Mark belaufen. Im Jahre 1895/96 waren bereits 800.000 Mark bewilligt, nach der Bewilligung weiterer 800.000 Mark blieben also für die Zukunft noch 3.200.000 Mark offen. Am 01.Dezember 1895 lebten im und beim Lockstedter Lager insgesamt 454 Personen, davon 303 männliche und 151 weibliche, mit in die Statistik der männlichen Bewohner flossen die im Lager stationierten 136 Militärpersonen. Im Jahre 1895 wurden an der Gravelotte Straße der alte Scheibenschuppen, das Scheibendepot und die nebenstehende Werkstatt abgerissen und die Küchen 3 und 4 gebaut. An der Kieler Chaussee war der Bau der beiden im Jahre 1894 begonnenen Gebäude mit Dienstwohnungen für Offiziere der Garnisonsverwaltung abgeschlossen worden. Vom Bahnhof Lockstedter Lager sollte ein direkter Fahrweg zum Lager angelegt werden. Das Arbeitskommando in Stärke von 70 Mann hatte gleich nach der Ankunft begonnen in die vom Fiskus erworbenen Waldstücke des Schierenwaldes Wege von je 5 Meter Breite zu bahnen. Die Breite war aufgrund der geplanten militärischen Nutzung vorgegeben. Bis zum Jahresende waren auf einer Fläche von zirka 5.000 Quadratmetern die Baumstämme gerodet, auf Länge gesägt und zum Verkauf hergerichtet. Schießauszeichnungen1896Mitte Januar war zu erfahren, daß die Verhandlungen der Militärverwaltung bezüglich der Erweiterung des Übungsplatzes an einigen Stellen auf Schwierigkeiten gestoßen war. So hatte die Militärverwaltung aufgrund viel zu hoher Forderungen des Grafen Rantzau vom Ankauf des Gutes Bücken Abstand genommen. Öffentlich wurde auch durch die Indiskretion von zivilen Beteiligten, daß mit den Gemeinden Ridders und Silzen Verhandlungen angeknüpft worden waren. Es hatten Erhebungen darüber stattgefunden, ob eine Erweiterung des Übungsplatzes nach Osten nicht mit einem geringeren Aufwand an Geld zu erreichen wäre. Bisher gingen die Ausdehnungen des Platzes nach Westen und Nordwesten. Die zweiten Nutzer des Barackenlagers in 1896 waren die Husaren, die zu umfangreichen Übungen eingerückt waren. Die taktischen Übungen der Wandsbeker und Schleswiger Husaren, zu deren Unterstützung Infanterie und Artillerieabteilungen kommandiert worden waren, waren im zweiten Drittel des Januar voll im Gange. Für den Zivilisten, der die Übungen beobachtete waren diese jedoch unverständlich, eben weil jener die einzuübende Taktik nicht verstand. In Kellinghusen waren die kommandierten Infanteristen einquartiert und weil auch hier übungsmäßig Krieg herrschte, wurden im Ort ebenfalls Feldwachen aufgestellt, auch des Nachts und bei dem Schneetreiben, das seit einigen Tagen herrschte, kein Vergnügen für die Soldaten. Kopfschütteln rief die Tatsache bei den Bürgern hervor, als sie erfuhren, daß der die Soldaten befehligende Offizier trotz des Schneewetters ein Dienstfahrrad benutzte, um seine Soldaten zu kontrollieren. Aus den Diskussionen um die Eingemeindung der umliegenden Ortschaften in einen Amtsbezirk Lockstedter Lager ging hervor, daß es Streit darüber gab, daß aus dem Gebäudekomplex des Lockstedter Lagers ein selbständiger Gemeindebezirk gebildet werden sollte. Die Häuser standen auf Winseldorfer und zum kleineren Teil auf Lohbarbeker Gebiet. Dieser Umstand führte dazu, daß die Zuständigkeiten der Verwaltung nicht klar erkennbar waren, dies hätte bei einer Abtrennung der Gebäude und Bildung einer selbständigen Gemeinde vermieden werden können. Eines der dringendsten Probleme der Winseldorfer Gemeinde waren die Schulverhältnisse, die Schulräume waren für die Schülerzahl viel zu klein geworden, so daß nur ein halbtägiger Unterricht stattfinden konnte. Es mußte also, um dem Notstand abzuhelfen, ein Schulhaus gebaut werden. Da aber die Hälfte der Schüler aus dem Lockstedter Lager war, so forderte man dort mit Recht, daß die Schule im Lager erbaut werde. Die unhaltbaren Schulverhältnisse verlangten eine baldige Entscheidung. Ein weiterer Grund für die Selbständigkeit des Lockstedter Lagers war, daß die Verwaltung von den anderen Gemeinden aus umständlich war, besonders, wenn polizeiliche Angelegenheiten erledigt werden sollten. Zwischen der Militärverwaltung und den Haus- und Landbesitzern des Dorfes Ridders war im Februar ein Verhandlungstermin anberaumt, um sich wegen des benötigten Terrains zur Vergrößerung des Lagers über den endgültigen Kaufpreis zu verständigen. Es wurde ein zu beiden Seiten befriedigendes Abkommen erzielt, der Ankauf wäre dann gesichert, wenn vom Reichstag die nötigen Mittel bewilligt würden. Der Garnisonsinspektor Risch wurde im gleichen Tätigkeitsbereich auf eine höher etatmäßig abgesicherte Stelle nach Oppeln versetzt. Die Verwaltung des hiesigen Lagers wurde künftig von zwei Inspektoren geführt, indem noch ein Inspektor zur Führung der Rechnungsführung hinzukam. Für die Stellen waren die Herren Inspektoren Schulz und Dunker ernannt worden. Der Wechsel erfolgte am 01.April. Am 11.März verließ das seit dem vergangenen Jahr auf dem Schießplatz im Schierenwald (zwischen Lockstedt und Silzen) tätig gewesene Arbeitskommando, das Lockstedter Lager und kehrte nach Beendigung des Kommandos in die Garnisonen zurück. Durch dieses Kommando waren im Schierenwald vier Hauptwege in der Richtung von Norden nach Süden und drei Verbindungswege zu diesen Hauptwegen hergestellt worden, wodurch, nachdem dort schon im vorigen Sommer sämtliche sonstigen Arbeiten fertiggestellt waren, auch der Schierenwald für Truppenübungszwecke nutzbar gemacht worden war. Der seinerzeit mit dem Artillerienebendepot aus Stade ins Lockstedter Lager versetzte Zeug Premierleutnant Debedey, Führer des Feldartilleriedepots im Lockstedter Lager, wurde zum Artilleriedepot nach Spandau versetzt. Am 27.März fand auf dem Schießplatz als einmalige Angelegenheit eine zweistündige Schießübung der Gendarmen des Kreises Steinburg mit scharfen Patronen statt. Mit Wirkung vom 29.März 1896 setzte eine Allerhöchste Kabinetts Ordre (A.K.O.) auf dem Truppenübungsplatz Lockstedter Lager eine Kommandantur ein. Der erste Kommandant war Oberst z.D.♦ Diesing. Der Kommandantur waren die Artillerie Depotverwaltung und die Garnisonsinspektion unterstellt. Baracken, andere Einrichtungen und Utensilien unterlagen der Kontrolle von zwei unterstellten Kaserneninspektoren und zwei Kasernenwärtern. Die Leitung des Nebendepots oblag einem Zeug-Leutnant. Der Kommandantur wurde ein durch das IX.Armeekorps für die Winterzeit befohlenes und regelmäßig wechselndes Wachkommando, in Stärke von 1 Feldwebel, 1 Unteroffizier und 24 Mannschaften, unterstellt. Das ständige Wachkommando übernahm die Bewachung der Anlagen in Zeiten, in denen wenige oder keine Soldaten im Lager waren. Mit der Vergrößerung des Lagers nahm auch die Stärke des Wachkommandos zu. Neben dem Wachkommando unterstand dem Kommandanten auch das abgeordnete Arbeitskommando in unterschiedlicher Stärke und Zusammensetzung. Fest eingeplant war der Bau eines Kommandanturgebäudes mit Dienstwohnung für den Kommandanten im Jahre 1896. ♦ Anmerkung:
Die Stellung zur Disposition bedeutete soviel wie die Verabschiedung, nur daß Offiziere (z.D.) Beschränkungen unterlagen, die dem Offizier a.D., nicht vorgeschrieben waren. Der markante Unterschied zwischen beiden Verabschiedungen bestand in der Hauptsache darin, daß Offiziere z.D. verpflichtet waren, einen beabsichtigten Aufenthaltswechsel schriftlich oder mündlich zu melden und Gesuche jeder Art je nach Dienstgrad bei den Generalkommandos oder dem zuständigen Bezirkskommando vorlegen mußten. Weiter waren sie zur Haltung einer Uniform verpflichtet und mußten im Kriegsfall mit einer Wiederverwendung rechnen. Demzufolge hatten sie Maßnahmen zu treffen, daß dienstliche Befehle sie jederzeit erreichen konnten.
Der Meierhof Bücken, der zur Herrschaft Breitenburg gehörte, ursprünglich 590 Morgen groß, war vom Militärfiskus Ende April für angeblich 250.000 Mark erworben worden. Der Pächter des Hofes, Herr Gosau, mußte den Besitz zum 01.November räumen, er durfte aber noch die volle Ernte dieses Jahres für sich in Anspruch nehmen und erhielt dazu eine Abfindungssumme von 3.600 Mark. In der Bevölkerung wurde laut diskutiert, ob der Militärfiskus nicht auch beabsichtige, außer dem zur Vergrößerung des Übungsplatzes erworbenen Dorfe Ridders auch die Dörfer Silzen und Peißen zu demselben Zweck käuflich zu erwerben. Am 15.Mai bezog eine Abteilung Train aus Rendsburg für acht Tage das Lockstedter Lager. Die Stärke wurde mit 526 Mann und 13 Offizieren gemeldet. Nach dem Auszug des Trainbataillons belegte das II.Bataillon des Infanterieregiments Nr.85 aus Rendsburg einige Baracken um sich hier gründlich auf das jährliche Korpsvergleichsschießen vorzubereiten. Am 05.Juni wurde das Lager wieder verlassen, über Pfingsten war das Lager leer. Nach Pfingsten zog das Husarenregiment Nr.15 mit einer Meute Kriegshunde (zirka 20) und 740 Pferden ins Lager ein. Die Hunde waren von gleicher Größe, Farbe und Zeichnung. Die Kriegshunde sollten als Meldehunde trainiert und eingesetzt werden. Außer den Wandsbekern bezogen noch die Schleswiger Husaren mit 726 Pferden zu gemeinsamen Übungen das Lockstedter Lager. Beim Aufbrechen einer Lehmdiele auf dem Gehöfte des Herrn Jasper Heeschen in Mühlenbarbek stieß man auf einen harten Gegenstand. Beim näheren Nachsehen wurde eine geladene Granate hervorgeholt. Zufällig war beim Stoß eine ungefährliche Stelle berührt worden, andernfalls hätte wohl leicht ein Unglück passieren können. Von einem Feuerwerker wurde der gefährliche Fund in Wasser gelegt, bis derselbe abgeholt wurde. Wie die Granate dort hingekommen war, konnte nicht festgestellt werden. Gedränge herrschte im Lager bis zum 15.Juni, nachdem zu den übenden Einheiten noch die Infanterieregimenter Nr.84 und Nr.86 eingerückt waren. Die Infanteristen nutzten in den Tagen nach dem Einrücken erst einmal die nahe am Lager gelegenen Geländeteile um infanteristische Grundlagen zu vertiefen, wozu auch Beobachten und Melden, Posten- und Vorpostendienste gehörten. Viel Zeit wurde auf den Schießständen mit dem Schießen der reglementierten Übungen benötigt. Am 03.Juli verließen die Infanteristen das Lockstedter Lager, das Infanterieregiment Nr.84 wurde per Bahn in die Garnison transportiert, das Regiment Nr.86 verließ das Lager in Richtung Bramstedt zur Durchführung von Geländeschießübungen. Ein Teil dieses Regiments wurde in Kellinghusen einquartiert. Das Lager wurde erst wieder am 08.Juli durch die 9.Feldartilleriebrigade belegt. Beim Alarmieren zum Ausrücken der Itzehoer Artillerie zum Lockstedter Lager ereignete sich ein Unfall. Beim Passieren eines Walles mit dahinter liegendem Graben kamen die vorderen Pferde eines Geschützes zu Fall. Zwei Mann kamen zwischen die beiden gestürzten Pferde zu liegen und die folgenden Pferde und das Geschütz fuhr über alle hinweg. Während der eine Mann mit geringen Abschürfungen davonkam, erlitt der andere schwere Verletzungen am Kopf. Zwischen fast allen Einwohnern der Dorfschaft Ridders und dem Militärfiskus wurde am 22.Juli eine Einigung erzielt, infolgedessen war die Dorfschaft faktisch in den Besitz des Fiskus überging, in der Bevölkerung ging man davon aus, daß das Dorf wohl vom Erdboden verschwinden werde. Einziger Einwohner der sein Anwesen nicht verkaufte war der Müller Herr Schulze. Im Lockstedter Lager spielte sich am Sonntag, den 12.Juli, eine Familientragödie ab. Ein Depotfeldwebel und seine Frau, erst seit wenigen Jahren verheiratet, aber in guten Verhältnissen lebend, faßten den Entschluß gemeinsam zu sterben. Sie nahmen sich durch Erhängen das Leben. Als Ursache der unverständlichen Tat wurde vermutet, daß die Frau, die etwas schwermütig war und fürchtete, daß ihr Mann vor ihr sterben und sie allein zurücklassen würde, den Anlaß dazu gegeben hatte. Da der Mann die trüben Gedanken seiner Frau nicht vertreiben konnte, war diese Machtlosigkeit möglicherweise der Entschluß zum gemeinsamen Freitod. Weitere Offiziers- und Mannschaftsbaracken sollten gebaut werden. Die in der Lagerstraße bis jetzt in Benutzung gewesenen Mannschaftsküchen wurden abgerissen und Offiziersbaracken an gleicher Stelle errichtet. Der Mangel an Mannschaftsbaracken machte sich immer öfter negativ bemerkbar, da die Soldaten teilweise in den Pferdeställen untergebracht werden mußten. Das neue Lazarettgebäude wurde fertiggestellt und könnte eine Sehenswürdigkeit des Lagers werden. Die südlich an der Lagerstraße liegenden Gebäude verschwanden nach und nach und machten Platz für Neubauten. Die Inspektion der im Lockstedter Lager übenden Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 durch den Kommandierenden General, Generaloberst Graf von Waldersee, fand am 28.Juli statt. Zu Ehren des Generals wurde am Vorabend ein Konzert gegeben und die Anlagen illuminiert. Die Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 räumten am 02.August das Lockstedter Lager. Zum Abschluß fand das übliche Rennen statt, zu welchem sich viele Zuschauer eingefunden hatten. Das Lager wurde bald wieder mit Infanterie belegt. Vom 6. bis 14.August führten die Infanterieregimenter Nr.89 und Nr.90 ihr Regimentsexerzieren und vom 15. bis 21.August ihr Brigadeexerzieren durch. Am Brigadeexerzieren nahm auch das Jägerbataillon Nr.9 teil, welches deshalb am 14.August im Lager eintraf. Mitte August wurde bekannt, daß als Ersatz für die durch das Lockstedter Lager führende Chaussee eine neue Linie (Lockstedt-Hollenbek-Öschebüttel-Rostorf-Große Buche) geplant sei. Die Gemeinde Rensing hatte sich beim Bekanntwerden der Pläne gegen diese Trassenlinie ausgesprochen. Daraufhin vermutete man, daß das Projekt erledigt wäre. Da sich Rensing gegen das Projekt stemmte wurde die alternativ geplante Trasse, die um einen Kilometer kürzere Strecke von Öschebüttel direkt zur Hennstedter Chaussee favorisiert, es gab natürlich noch die Möglichkeit, von Lockstedt über Wrack nach Kellinghusen zu bauen. Dann bliebe allerdings Öschebüttel abseits liegen. Außer den beiden Infanterieregimentern Nr.89 und Nr.90 nahmen auch die Lauenburger Jäger am Brigadeexerzieren im Lockstedter Lager teil. Zur gleichen Zeit hielt das Artillerieregiment Nr.9 ein dreitägiges gefechtsmäßiges Exerzieren auf dem Platze ab. Am 21.August verließen sämtliche Truppen das Lager und gingen direkt ins Manövergelände im Hannoverschen. Die Artillerie wurde von Glückstadt aus über die Elbe nach Stade übergesetzt. Am 25.August rückte im Landmarsch von Norden kommend das Kieler Seebataillon zu einem 11tägigen Übungsplatzaufenthalt im Lager ein. Für die Soldaten des Seebataillons standen nur infanteristische Übungen auf dem Dienstplan. Das Bataillon verließ das Lager wieder im Landmarsch am 05.September. Mitte September wurde vom Briefträger Herrn Harbeck eine ausgewachsene Kreuzotter auf dem Gebiete des Lockstedter Lagers lebendig eingefangen. Nachdem er dieselbe solange gereizt hatte, bis sie flau geworden war, trug er sie auf einem Stock bis nach Ridders, wo sie in eine Seltersflasche eingebracht wurde. Die 40 Zentimeter lange Giftschlange, die der dunkleren Art angehörte, war der Volksschule in Winseldorf übergeben worden. Das Vorkommen von Kreuzottern wurde 1896 sehr häufig beobachtet, besonders auf moorigem Heideboden. Unter dem Rindviehbestand des Hufners Hans Ahmling in Schlotfeld war die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden. Der Fußweg von Schlotfeld nach Bücken wurde behördlicherseits gesperrt, wer nach Bücken wollte mußte einen Umweg über Oesau machen. Ende September. Der Ankauf der Dorfschaft Ridders wurde bis auf weiteres verschoben, so daß die dortigen Landbesitzer ihrer normalen Tätigkeit nachgehen und die nötigen Feldarbeiten wieder aufnehmen konnten. Im Laufe des Oktober erhielt das Innere des Lagers eine Umfassungsmauer. Als Folge wurde nach Fertigstellung der Mauer der Publikumsverkehr und der Ein- und Ausgang des Militärs kontrolliert. Außer dem Lazarett waren im Laufe des Jahres keine Neubauten fertiggestellt worden. In der Zeit vom 05. bis 08.Oktober schoß das II.Bataillon des Infanterieregiments Nr.76 täglich von 0800 bis 1100 Uhr und von 1400 bis 1600 Uhr auf den Schießständen des Lockstedter Lagers mit scharfer Munition. Infolge des Anwachsens der Bevölkerung im Lockstedter Lager wurde die Schule zu Winseldorf dermaßen überfüllt, daß eine Änderung getroffen werden mußte. Im Einvernehmen zwischen der Gemeinde Winseldorf und der Garnisonsverwaltung wurde am 01.Oktober eine Schulklasse für die Kinder des im Lager stationierten Stammpersonals und der beim Lager ansässigen Familien, in einer früheren Lazarettbaracke, jedoch mit dürftigen Utensilien, eingerichtet. Die Klassenstärke lag bei zirka 50 Kindern. Als Lehrer war der in Segeberg ausgebildete Seminarist Soltau aus Elmshorn ausersehen, der sein Amt wegen anderweitiger Verwendung aber nicht antrat. Der im Lockstedter Lager ansässige Adolf Böge schenkte der Gemeinschaft ein Stück Land von 25 Hektar Größe, belegen an der Straße nach Itzehoe, in der Nähe des Gasthofes "Landhaus". Herr Böge hatte zur Auflage gemacht, daß dieses Stück Land nur als Marktplatz dienen dürfe. Infolge der Schenkung fand an jedem Donnerstag ein Wochenmarkt von 0800 bis 1300 Uhr statt. (heute Adolf Böge Platz) Der Jagdpächter des Reviers Lockstedter Lager war Generaloberst Graf von Waldersee, der am 16.Oktober auf dem Jagdterrain des Lagers eine große Treibjagd veranstaltete, zu welcher viele Offiziere aus dem Bereich des IX.Armeekorps eingeladen waren. In einem strittigen Verfahren, das am 29.Oktober abgeschlossen worden war, wurde geklärt, daß der Militärfiskus zur Zahlung von Kirchensteuern für denjenigen Teil des Lockstedter Lagers und Truppenübungsplatzes, der in der Kirchengemeinde Kellinghusen lag, verpflichtet war. Die Königliche Garnisonsverwaltung wurde umgehend beauftragt, die 3-400 Mark betragenden Steuern an die Kirchenkasse auszuzahlen. Das gräflich Rantzau'sche Gut Bücken war in der ersten Hälfte des November urkundlich in den Besitz des Militärfiskus übergegangen, die Übergabe jedoch noch nicht vollzogen, da die vereinbarte Kaufsumme noch nicht auf ein Sonderkonto überwiesen worden war. Das militärische Arbeitskommando, bestehend aus 70 Mann, war jedoch angewiesen worden, die Grenzen des Gutes durch Pfähle zu markieren, an denen zu erkennen war, daß es sich um militärisches Gebiet handelte. Die zum Gute gehörenden Fischteiche wurden mit breiten Dämmen durchzogen. Am 01.April 1897 mußte der Pächter, Herr Gosau, das Gut Bücken verlassen haben. Im Dezember stand die Verlegung der über den Schießplatz des Lockstedter Lagers führenden Chaussee fest. Die über den Übungsplatz führende Chaussee sollte für den öffentlicher Verkehr vollständig gesperrt werden, die neue Chaussee von Lockstedt über Wrack nach Kellinghusen geführt werden. Die einleitenden Schritte zur Verlegung dieses Weges wurde durch nachstehende amtliche Bekanntmachung im Kreisblatt getan: "Infolge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Lockstedter Lager ist die Verlegung desjenigen Teiles der Landstraße Itzehoe-Lockstedt-Nortorf notwendig geworden, welcher zwischen dem nördlichsten an der Landstraße liegenden Wohngebäude des Ortsteiles Lockstedter Lager und der Abzweigung des Weges von der Landstraße nach Springhoe liegt, Kilometer 1,5 bis 5,7 + 75 Meter. Es wird beabsichtigt, diese Strecke der Landstraße als öffentlichen Weg vollständig einzuziehen und durch eine im Dorfe Lockstedt von der Landstraße abzweigende Nebenlandstraße Lockstedt-Wrack-Kellinghusen zu ersetzen. Ferner wird beabsichtigt, die Landstraßenstrecke von der Abzweigung des Weges nach Springhoe bis in das Dorf Lockstedt im Anschluß an die Abzweigung des gemäß Nr.1 auszubauenden Weges nach Kellinghusen, Kilometer 5,7 + 75 Meter bis 7,5 Kilometer + 20 Meter, in die Klasse der Nebenwege zu versetzen. Dies wird mit der Aufforderung zur öffentlichen Kenntnis gebracht, etwaige Einsprüche binnen 4 Wochen zur Vermeidung des Ausschlusses beim Landratsamt anzubringen." Beim Abheben einer Zementtonne von einem Wagen mit einem Kran hatte der Baumaterialienhändler Eggers das Pech, zwei Finger der linken Hand zu verlieren. Eggers wollte nämlich die von der Rolle gerutschte Kette mit einem Hebel wieder in die richtige Lage bringen. Dabei geriet die Hand zwischen Rolle und Kette. Zwei Finger waren sofort ab, während zwei andere bis auf die Knochen verletzt waren. Eine neue Stempelsteuer für die ortspolizeiliche Genehmigung von Lustbarkeiten war in Höhe von 1,50 Mark durch das Stempelsteuergesetz eingeführt worden. In einem Erlaß der Minister vom 15.November war dargelegt worden, was alles unter den hiernach stempelpflichtigen Lustbarkeiten zu verstehen war. Die zulässige Ermäßigung des Steuersatzes auf 0,50 Mark war nur ausnahmsweise und aus besonderen Gründen zu gewähren. Stempelpflichtig war danach unter Anderem auch die polizeiliche Erlaubnis, soweit sie überhaupt erforderlich war, bei allen Vorträgen auf dem Klavier, einem mechanischen oder anderen Musikinstrument, das Abbrennen von Feuerwerk, die Veranstaltung öffentlicher Aufzüge (Vereins-, Schüleraufzüge, Fackelzüge etc.) Dem Reichsmilitärfiskus war das Enteignungsrecht für solche Grundstücke verliehen worden, welche zur Vergrößerung des Schießplatzes des Lockstedter Lagers erforderlich waren. In dem gerichtlichen Zwangsversteigerungstermin über das im Lockstedter Lager liegende Anwesen des Schankwirts Hinsch wurde am 05.Dezember das Höchstgebot (3.800 Mark) vom Gastwirt Wieckhorst aus Itzehoe abgegeben. Die Entscheidung über den Zuschlag erfolgt am 10.Dezember. Während es bislang als beschlossen galt, daß das Arbeitskommando noch vor Weihnachten entlassen wurde, war vom Generalkommando die Ordre gekommen, daß dasselbe bis auf Weiteres im Lager verblieb. Nur die Pioniere rückten ab bis auf einen Feldwebel. 1897Am 14.Januar fand auf dem Schießplatzgelände eine Schießübung statt, ausgeführt von einer kriegsstarken Batterie der in Bahrenfeld liegenden Artillerie (24er). Es sollte die Treffsicherheit auf verschneitem Terrain festgestellt werden. Zum Zweck der Beobachtung und Bewertung waren vom Generalstab Major von Lüdemann und Hauptmann Bronsart von Schnellendorf kommandiert. Außerdem waren mehrere höhere Stabsoffiziere anwesend. Wie aus militärischen Berichten zu entnehmen war, war das Resultat zufriedenstellend gewesen. Aufgrund der Beobachtungen sollten in den kommenden Wintern von Zeit zu Zeit kleinere Abteilungen der Artillerie im Lager Schießübungen abhalten. Da am Kaisergeburtstag selbst die Öffentlichkeit schon durch anderweitige Festlichkeiten genügend in Anspruch genommen war, veranstaltete das Wachkommando schon am 23.Januar seine Feier zu Ehren des obersten Kriegsherrn bei Sibbert. Der Saal war gedrängt voll von den Teilnehmern. Nach einem Prolog eines Unteroffiziers, hielt der Feldwebel die Festrede. In markigen Worten schilderte er die Anhänglichkeit aller Soldaten an ihren Kaiser und die Liebe zum Vaterland. In das Hoch auf Seine Majestät stimmten alle Anwesenden begeistert mit ein. Hierauf wurde ein lustiges militärisches Theaterstück, dessen Inhalt auf die Tagesfeier Bezug hatte, aufgeführt. Die Darstellung war so komisch, daß das Publikum sich köstlich amüsierte. Den Schluß der Vorführung bildeten drei gestellte Bilder aus dem Soldatenleben. Bei dem folgenden Ball herrschte eine rege Tanzlust und eine recht gemütliche Stimmung. Im Februar kaufte ein Gutsherr aus Mecklenburg von Herrn A.Böge, 44 Stück Jungvieh der Breitenburger Rasse. Sie wurden vom Bahnhof Lockstedter Lager nach Mecklenburg befördert, um dort als Zuchttiere verwendet zu werden. Gleichzeitig hatte der Gutsherr Herrn Böge beauftragt, noch weitere 70 Stück Jungvieh Breitenburger Rasse für ihn aufzukaufen. Der Stationsassistent am Bahnhof, Herr Fiedler, wurde zum 01.März in gleicher Eigenschaft nach Husum versetzt. Die Königliche Garnisonsverwaltung Lockstedter Lager schloß am 03.März 1897 den ersten Pachtvertrag für das vom Reichsmilitärfiskus übernommene Gelände der Lohmühle und zugehörenden Ländereien. Pächter war Hans Sievers, der die Witwe des gräflichen Lohmühlenpächters Heinrich Andersen, Dorothea Andersen geheiratet hatte. Hans Sievers lernte als Angehöriger der 3.Kompanie des Schleswig-Holsteinischen Train Bataillons Nr.9 während eines Übungsplatzaufenthaltes die Witwe Andersen kennen und bot sich an, nach seiner Dienstzeit im September 1894, ihre gepachteten Ländereien als Verwalter zu bearbeiten. Am 09.März 1897 wurde die neueste Ausgabe der Dienstordnung und der Statuten für den Truppenübungsplatz Lockstedt an die Nutzer des Übungsplatzes gemäß Erlaß des Kriegsministeriums, innerhalb des IX.Armeekorps und an die 19.Feldartilleriebrigade, verteilt. Der Militärseelsorge wurde der große Platz bei der Orleans Straße als ständiger Feldgottesdienstplatz zugewiesen. Alle, die innerhalb des Lagers beim oder für das Militär einer Beschäftigung nachgingen und alle Soldaten mußten am 22.März antreten. Anlaß war der 100. Geburtstag des Kaisers Wilhelm I.. In Reden unterschiedlicher Länge würdigten die Einheitsführer die Leistungen des verstorbenen Kaisers. Nach Abschluß der Reden erhielten alle Soldaten auf dem Truppenübungsplatz die deutsche Kokarde überreicht. Sie war unverzüglich an der Kopfbedeckung anzubringen. Für eine kurze Übergangszeit durften zwei Kokarden nebeneinander getragen werden. Nachdem im vergangenen Jahr ein Teil der Landankäufe zwecks Vergrößerung des Truppenübungsplatzes perfekt gemacht werden konnten, war in den ersten Tagen des April an die noch weiter in Betracht kommenden Landbesitzer von Seiten des Militärfiskus die Frage gerichtet, ob sie gewillt seien, ihre Ländereien für die im Vorjahr ausgehandelten Konditionen abzugeben. Als hauptsächlichstes Kaufobjekt kam wieder die Dorfschaft Ridders in Betracht. Von fast allen Besitzern wurden Erklärungen abgeben, daß sie es vorziehen würden, auf gütlichem Wege mit dem Fiskus zu verhandeln Der Besitzer des Gasthofes "Zum Landhaus", Herr A.Böge, verkaufte sein Anwesen an Herrn Gosau, der frühere Pächter auf Gut Bücken. Bis zum Erhalt der Schankerlaubnis agierte Herr Gosau nur als Besitzer des Anwesens. Der Kaufpreis für die Gaststätte betrug mehr als 70.000 Mark. Der Kommandierende General des IX.Armeekorps Graf von Waldersee war am 10.April im Lager anwesend zwecks Besichtigung des Gutes Bücken, das mit diesem Tag endgültig in den Besitz des Fiskus übergegangen war. Die Gebäude sollten, so war geplant, restauriert und für die Kommandantur eingerichtet werden. Zeitweilig sollten die Räume als Absteigequartier des Kommandierenden Generals und während dessen Jagdausflügen benutzt werden. Die Verbindungswege zwischen dem Lager und Bücken waren schon teilweise ausgebessert oder neu angelegt worden. Nach der Besichtigung des Komplexes fuhr der Kommandierende General in Begleitung des Lagerkommandanten Oberst von Diesing über Silzen nach Innien, von wo aus der General die Reise mit der Bahn nach Neumünster fortsetzte. Am 11.April rückte unter klingendem Spiel das Infanterieregiment Nr.75 in das Lager ein. Das Regiment wurde durch mehrere Extrazüge aus den Garnisonen Bremen und Stade in einer Stärke von 1.500 Mann zum Übungsplatz befördert. Vom 01. bis 15.Mai übte das Regiment gemeinsam mit dem Infanterieregiment Nr. 76 als 33.Infanteriebrigade. Zuerst wurden die Regiments- und danach die Brigadeübungen durchgeführt. Am gleichen Tag eröffnete auch die Postdienststelle wieder und nahm den Vollbetrieb auf. Um den 20.April war nach langen Verhandlungen zwischen dem Militärfiskus und Bewohnern der Ortschaft Ridders, wegen des Ankaufs von Ländereien zur Vergrößerung des Lockstedter Lagers, mit den sechs größten Landbesitzern der Dorfschaft und dem Fiskus einen Vertrag geschlossen worden. Dieselben waren im Besitze von über 520 Hektar und erhielten einen durchschnittlichen Preis von 1.100 bis 1.200 Mark je Hektar, elf kleinere Besitzer der Ortschaft hatten noch nicht in den Verkauf gewilligt. Diese wiederum waren im Besitz von zirka 600 Hektar Land und Wald. Um den 25.April wurde die Enteignung der beiden Landstellen "Hungriger Wolf" eingeleitet, da eine Einigung zwischen den Besitzern und dem Militärfiskus nicht zu erzielen gewesen war. Die beiden Besitzungen umfaßten mehr als 150 Hektar. Nachdem das Infanterieregiment Nr.75 seit dem 22.April seine Übungen gemacht hatte, war dasselbe am 01.Mai durch den Kommandierenden General Graf von Waldersee inspiziert worden. Graf von Waldersee zu Ehren wurde am Abend vor der Besichtigung ein Fackelzug veranstaltet. An demselben Tage rückte das Infanterieregiment Nr.76 ein und übte bis zum 15. Mai mit den 75ern zusammen die Regimentsübungen. In der zweiten Woche des Monats Mai besuchte und inspizierte der Regierungs- und Schulrat Dr. Butzky die behelfsmäßige Schule im Lockstedter Lager, er wollte sich, wie viele andere auch, dafür einsetzen, daß das wenig erfreuliche Provisorium bald beendet werde. Am 06.Mai trafen im LoLa zwecks Inspektion der 33.Infanteriebrigade Graf von Waldersee sowie mehrere höhere Generalstabsoffiziere ein, darunter Oberst von Waldow. Der Platz vor dem Offizierskasino war durch Fackeln erleuchtet. Zu Ehren der anwesenden Herren brachten die Kapellen beider Regimenter mehrere Musikstücke zu Gehör. Die gründliche Inspektion der Brigade war auf den 07.Mai festgesetzt. Während einer Felddienstübung am 11.Mai wurde ein Soldat des Infanterieregiments Nr.76 von einer Kreuzotter gebissen. Nachdem er im Lazarett in ärztlicher Behandlung gewesen war, wurde er wieder entlassen. Am Tage des Unfalls machten sich einige der Mannschaften auf, um in der Heide Kreuzottern zu suchen, es gelang ihnen, in kurzer Zeit acht Exemplare der "bösartigen" Tiere unschädlich zu machen. Der Radfahrerverein "Schießplatz Lockstedter Lager" veranstaltete am Sonntag, den 16.Mai, eine Tourenfahrt über Lockstedt, Hennstedt, Kellinghusen, Breitenberg, Itzehoe und zurück mit anschließender Preisverteilung. An selben Tag hielt der Radfahrerverein der Stadt Schleswig, in einer Stärke von zirka 200 Mann, sich auf einer größeren Tourenfahrt befindend, im zivilen Teil des LoLa, eine kurze Rast. Am 18.Mai traf mit zwei Sonderzügen das Infanterieregiment Nr.85 aus den Garnisonen Rendsburg und Kiel ein. Demselben folgte am 19. das Infanterieregiment Nr.31 aus Altona. Beide Regimenter hielten einzeln ihre Übungen ab, um dann später als 36.Infanteriebrigade die Brigadeexerzitien bis Anfang Juni zu machen. Der Überlieferung nach hatte sich der Regierungspräsident bezüglich der Verlegung der über den Schießplatz des Lockstedter Lagers führenden Chaussee für die Linie Lockstedt - Springhoe - Neumühlen - Mühlenbarbek entschieden. Die Entscheidung entsprach nicht den Wünschen der positiv oder negativ betroffenen Gemeinden, welche bekanntlicherweise die Linie Lockstedt - Wrack - Luisenberg - Kellinghusen für zweckmäßiger hielten. Von Ludwigslust aus trat das 1.Großherzoglich Mecklenburgische Dragonerregiment Nr.17 am 02.Juni den Marsch zum Lockstedter Lager an, das die Truppe am 10.Juni erreichte. Oberst Freiherr von Vietinghoff, genannt Scheel, leitete während der Annäherung persönlich die Aufklärungsübungen. Vom 11. bis 13. exerzieren auf dem Übungsplatz. Am 14. fand eine Besichtigung der Truppe statt. (Zitat des Regimentskommandeurs Oberstleutnant von Rauch: "Ich freue mich, dem Regiment aussprechen zu können, daß dasselbe bei seiner Regimentsbesichtigung die Anerkennung sämtlicher Herren Vorgesetzten gefunden hat".) Dem Regimentsexerzieren folgte das Brigadeexerzieren vom 16. bis 22.Juni. Anschließend wieder Rückmarsch nach Ludwigslust. Für die geplanten Neubauten sowie zur Errichtung zweier massiver Beobachtungstürme an zwei gegenüberliegenden Grenzpunkten des Übungsplatzes werden 1.200.000 Steine benötigt. Die bei der Intendantur eingegangenen Offerten wurden von der Bauinspektion Plön geprüft. Die jeweilige Anlieferung durfte nicht unter 100.000 Steinen betragen. Die Gemeinden Winseldorf und Lockstedter Lager hatten beim Regierungspräsidenten um die Erlaubnis nachgesucht, einen gemeinsamen Begräbnisplatz anlegen zu dürfen. Die Bauern in der Gegend hatten die durch Frost heimgesuchten Buchweizenfelder teils neu bestellt und teils den Schaden durch Zwischensaat auszugleichen gesucht. Nachdem der Kommandierende General, Graf von Waldersee, am 30.Juni die beiden Husarenregimenter Nr.15 und Nr.16, die seit dem 12.Juni im LoLa waren, inspiziert hatte, kehrten dieselben am 01.Juli wieder in ihre Garnisonen Wandsbek und Schleswig zurück. Im Gegenzug hatten sich am 30.Juni wieder 700 Landwehrleute zu einer 14tägigen Übung eingefunden. Außerdem rückte das II.Bataillon des Infanterieregiments Nr.85 aus Rendsburg ein, dem am 03.Juli das III.Bataillon aus Kiel folgte. Beide Bataillone blieben zum Einzelgefechtsschießen bis zum 08.Juli auf dem Übungsplatz. Der mehrere Jahre im Lager tätig gewesene Proviantamtsassistent, war zum 01.Juli als etatmäßiger Assistent an das Proviantamt nach Berlin versetzt worden. Mit Wirkung vom 01.Juli 1897 hatte das königliche Garnisons-Bauamt-Altona die weitere Ausbauplanung der Kaserne übernommen und die Planungsabschnitte für die Erweiterung festgelegt. Mit Übernahme der Bauaufsicht wurde eine Dependance im Lager eingerichtet. Mit den Besitzern des Privatgeländes westlich der Gravelotte Straße (heute Mittelstraße) begannen Verhandlungen über den Verkauf ihres Eigentums begonnen. Bekanntlich lag es in der Absicht der Militärbehörde, die Anwesen der Geschäftsleute, die innerhalb des Lagerterrains wohnten, aufzukaufen, so daß das Barackenlager nur militärischen Zwecken zu dienen hätte. Die betreffenden Anwohner waren nicht mit den angebotenen Entschädigungen einverstanden und hatten Berufung bei der Regierung eingelegt. Aus diesem Anlaß wurde in der fraglichen Sache am 19.Juli im Hause des Gemeindevorstehers Behrens in Winseldorf ein Termin anberaumt, zu welchem die Regierung den Regierungsvertreter von Bernuth entsandte. Am frühen Morgen des 06.Juli war Winseldorf Schauplatz einer militärischen Aktion unter Zugrundelegung folgenden Planes. In Feindesland war in der Nacht eine eigene Patrouille von den Bewohnern des Dorfes überfallen und niedergemacht worden. Dafür wurde das Dorf gebrandschatzt. Alle Zugänge zum Dorfe wurden besetzt damit die Verschleppung des Eigentums verhindert und das Herannahen des Feindes sofort entdeckt wurde. Nach kurzer Zeit erschien der Feind auf der Bildfläche und es entspann sich im Dorf ein heißes Gefecht, das mit der Gefangennahme der feindlichen Abteilung endete. Mitte Juli war das Lockstedter Lager belegt mit beiden Artillerieregimentern Nr.9 und Nr.24. Ersteres lag in Itzehoe, Rendsburg und Neumünster, letzteres hat seine Garnison in Bahrenfeld, Schwerin, Güstrow und Neustrelitz. Die Übungszeit dauerte vier Wochen. Reiter der (bis 30.Juli) in Neumünster stationierten Reitenden Abteilung des Schleswigsches Feldartillerieregiments Nr.9 rückten bereits am 13.Juli im Lockstedter Lager ein. Die Abteilung führte gefechtsmäßiges Exerzieren als Vorbereitung auf das kommende Manöver mit der 18.Division durch. Nach Beendigung der Manöver bezog die Abteilung vom 17. bis 19.September wieder Quartier im Lockstedter Lager, verließ das Lager dann am 20.September, um in die neue Garnison Itzehoe abzurücken. Ein weiterer Teilnehmer an dem Divisionsmanöver war das Hannoversche Husarenregiment Nr.15, das Mitte August von Wandsbek kommend ins Lager einrückte. Die für die im LoLa projektierten Neubauten erforderlichen 1.200.000 Steine wurden von der Ziegelei Brunsbüttelerhafen per Bahn geliefert, der Fuhrauftrag vom Bahnhof zu den Baustellen war an einen Itzehoer Fuhrmann vergeben worden, der die Ziegelsteine für 2,70 Mark pro Tausend transportierte. Auf dem Übungsplatz ereignete sich am 17.Juli ein bedauerlicher Unglücksfall. Während einer Übung des Artillerieregiments Nr.24 wurden die Bedienungsmannschaften einer Kanone der 2.Batterie (Garnison Schwerin) infolge einer kurzen Wendung von ihren Sitzen geschleudert. Dabei wurden zwei Kanoniere schwer verletzt, indem der eine einen Beckenbruch erlitt und dem anderen ein Rad über den Oberkörper rollte, wodurch er innere Verletzungen erlitt. Die übrigen kamen mit Hautabschürfungen und dem Schrecken davon. Die Fahrer traf keine Schuld, man glaubte den Unfall auf die Unerfahrenheit der jungen Remontepferde zurückführen zu können. Unter dem Vorsitz des Intendanturrats von Löwental aus Altona und des Regierungsassessors von Bernuth aus Schleswig, fand am 19.Juli in Sachen der Vergrößerung des Lagers ein Termin statt. Gegen den Ankauf von Gebäuden und Grundstücken hatten die beiden Anwohner Gastwirt Sibbert und Schlachtermeister Kunze aus Hamburg, Protest eingelegt. Beide erklärten, daß sie ihre Einwendungen solange aufrechterhalten würden, bis die Entschädigungsfrage geregelt sei. Der Intendanturbeamte kündigte an, das Enteignungsverfahren gegen beide einzuleiten. Die Gemeinde Winseldorf, vertreten durch den Gemeindevorsteher Behrens, hatte in demselben Termin den Antrag gestellt, der Militärfiskus möge die durch die angekauften Ländereien führenden Wege, Wasserläufe, Brücken und Siele ohne jedwede Entschädigung übernehmen. Die Intendantur behielt sich die Regelung der Sache vor. Der Konflikt zwischen der örtlichen Militärbehörde und der Gemeinde Schlotfeld, welcher darin bestand, daß die Gemeinde sich weigerte Militärfuhren zu leisten, war Ende Juli soweit gediehen, daß die Gemeinde ultimativ aufgefordert worden war, den von der Militärbehörde ausgegebenen Mehrbetrag von 70 Mark zu zahlen. Es handelte sich nämlich um 4 Fuhren nach Neumünster, wofür je 12,50 Mark, also im Ganzen 50 Mark von der Behörde gezahlt worden waren. Die Weigerung der Gemeinde erfolgte wegen angeblich zu später Benachrichtigung. Daraufhin wurden die Fuhren an einen Fuhrwerksbesitzer vergeben, der die Fuhre mit je 30 Mark berechnete, so daß die Militärbehörde eine Mehrausgabe von 70 Mark zu leisten hatte, da die Gemeinde sich weigerte den Betrag zu bezahlen, hatte die Militärbehörde den Klageweg beschritten. Der Bau einer Mannschaftsküche war an den Zimmermeister Möller aus Elmshorn vergeben worden, der den Bau bereits eine Woche nach Auftragseingang in Angriff genommen hatte. In der dritten Woche des Juli wurde in den Ortschaften Ridders, Peißen, Lockstedt, Mühlenbarbek, Schlotfeld und Winseldorf ein Termin in Sachen Vergrößerung des Lockstedter Lagers abgehalten. Unter Vorsitz des Intendanturrats von Löwental aus Altona und dem Regierungsassessor von Bernuth aus Schleswig wurden die eingelegten Proteste geprüft. Eine Einigung wurde nicht erzielt. Infolge der Brustseuche, die Ende Juli unter den Militärpferden in Schleswig ausgebrochen war, war es als notwendig erachtet worden, daß die errichteten 6 großen Zelte, in welchem je 80 Pferde der Artillerie untergebracht wurden, abgebrochen und nach Schleswig überführt wurden, um dort für die kranken Pferde benutzt zu werden. Infolgedessen war die Hälfte der Artillerie nach Itzehoe ausquartiert worden. Der Lehrerverein Lockstedter Lager und Umgegend feierte im "Landhaus" sein diesjähriges Sommerfest, an welchem sich auch die Frauen der Lehrer beteiligten. Nach einer längeren Begrüßungsrede des Vorsitzenden, Lehrer Todt aus Ridders, wurde von Lehrer Reimers aus Kaaks ein Vortrag gehalten über das Spiel des Kindes im vorschulpflichtigen Alter und danach von Lehrer Todt ein Lebensabriß des Afrikareisenden Karl Mauch gegeben. Fast in jedem Sommer hatte das Militär während seiner Übungen auf dem Exerzierplatz unter der Hitze zu leiden, die Folge davon waren verminderte Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft oder in Einzelfällen Hitzschlag. Man führte diesen Übelstand mit Recht auf den Mangel an Trinkwasser zurück. Daher hatte man versucht, in größeren Behältern Trinkwasser an geeignete Stellen zu befördern. Der Transport war jedoch zu umständlich und kostspielig. Daraufhin wurden auf Veranlassung des Generaloberst Graf von Waldersee 6 Brunnen durch den Bauunternehmer Thöl aus Rendsburg auf dem Übungsplatz gebohrt und ausgebaut, damit die Mannschaften zu jeder Zeit frisches Trinkwasser erhielten. Am Sonnabend, den 07.August, war Graf von Waldersee zwecks Inspizierung der Artillerie eingetroffen. Ihm zu Ehren war eine Illumination der Anlagen sowie ein Zapfenstreich geplant. Am 09.August rückte das II.Bataillon des Infanterieregiments Nr.85 zu einem 8tägigen Einzelgefechtsschießen ein und einige Tage später die übrigen Bataillone des Infanterieregiments Nr.85, sowie das Infanterieregiment Nr.84. Die Räumlichkeiten des erworbenen Gutes Bücken dienten bisher teilweise dem Lagerkommandanten als Wohnung. Das bisherige Wohnhaus war aber sehr baufällig geworden und eine Reparatur wäre mit hohen Kosten verknüpft gewesen. Es wurde daher im Lager ein neues Wach- und Kommandanturgebäude gebaut. Die Gebäude auf Bücken wurden künftig nur noch als Magazin benutzt. - Auch der Bau eines neuen Postgebäudes in der Nähe des Bahnhofs wurde geplant, da die bisher von der Post benutzten Räume im Garnisonsverwaltungsgebäude nur Verwaltungszwecken dienen sollen. Einen Bauplatz hatte die Intendantur aber noch nicht zur Verfügung gestellt. Um der fiskalischen Bauleitung die Arbeit zu erleichtern, war seit Ende vergangenen Monats ein Baubüro von Plön ins LoLa ausgelagert. Mit Wirkung vom 01.September war dem Oberst z.D. Diesing, Kommandant des Truppenübungsplatzes Lockstedter Lager, der Charakter♦ eines Generalmajor verliehen worden. ♦Anmerkung: Die Verleihung eines Dienstgrades "im Charakter" bedeutet die Verleihung der nächsthöheren Rangstufe ohne Patent (Urkunde), sie beinhaltete kein Anrecht auf höhere Bezüge. So beförderte Offiziere rangierten hinter den mit Patent beförderten Offizieren der gleichen Rangklasse. Nachdem das Jägerbataillon Nr.9 im Lockstedter Lager eingetroffen war, hatte dort das Brigadeexerzieren begonnen, das mit der Besichtigung durch den Generaloberst Graf von Waldersee abschloß. Am Tage nach der Besichtigung rückte die Brigade in die Gegend von Hohenwestedt zum Brigademanöver aus. Das Kaiserpreisschießen für Unteroffiziere im IX.Armeekorps des Jahres 1897 hatte mit einem Sieg des Infanterieregiments Nr.31 geendet. Die meisten Ringe waren durch den Feldwebel Jäger von der 5.Kompanie und durch Unteroffizier Baumann von der 1.Kompanie geschossen worden. Beiden Siegern wurde als Kaiserpreis je eine goldene Uhr überreicht. Auf den neuen Karten, die für die Übungen der 18.Division im Auftrag des Generalstabs gedruckt worden waren, war der Übungsplatz des Lockstedter Lagers in mehrere Teile unterteilt, die besondere Namen führten, getauft wurden. Das Terrain rechts von der Kieler Landstraße hieß "Wrangelheide", während dasselbe an der linken Seite den Namen "Hasenheide" führte. Auch eine "Walderseehöhe" gab es schon. Der Forst auf Bückener Seite hieß seither "Holsteiner Wald". Über eine Pfändung unter militärischem Schutz wurde berichtet, daß sich der Bürochef eines Hamburger Rechtsanwalts ins Lockstedter Lager begab, um mit einem preußischen Gerichtsvollzieher auf Grund eines rechtskräftigen Urteils eine Pfändung vorzunehmen. Der Schuldner, ein Kantinenwirt, betrieb im Lockstedter Lager eine Wirtschaft. Er, sowohl als seine zwei gerade anwesenden Brüder, widersetzten sich der Pfändung in energischer Weise. Für die umstehenden Soldaten, etwa 200 an der Zahl, war die nicht auszuführende Pfändung eine große Gaudi. Dem Gerichtsvollzieher blieb schließlich nichts anderes übrig, als militärische Hilfe zu erbitten, da kein Gendarm am Ort stationiert war. Oberstleutnant von Bose des Jägerbataillons Nr.9 gewährte die erbetene Hilfe, indem er dem Gerichtsvollzieher einen Oberjäger und zwei Mann zum Schutz mitgab. Aber auch jetzt war noch nichts auszurichten, da die 3 Brüder sich fortgesetzt widersetzten, so daß der Oberjäger Befehl gab, das Seitengewehr aufzupflanzen. Nun erst konnte die Pfändung stattfinden. Die gepfändeten Sachen mußten, da sie leicht verderblich waren, sofort auktioniert werden. (Die Soldaten freuten sich, daß sie so billig Wurst und Bier kaufen konnten, Tragen mit 10 Flaschen Bier waren für 50 Pfennig zu haben.) Der Gerichtsvollzieher und der Bürochef wurden nach der Pfändung unter militärischem Schutz zum Bahnhof gebracht. Beide waren froh, daß sie mit heiler Haut davongekommen waren, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn Oberstleutnant von Bose nicht die militärische Unterstützung angeordnet hätte. Für den Bedarf an Brot während des Manövers sorgten die im Lockstedter Lager eingerichteten Feldbäckereien. Zur Herstellung des Brotes waren auf freiem Feld zwei Feldbäckereien errichtet worden, die aus eisernen Öfen und mehreren Zelten bestanden. Jeden zweiten Tag erhielt der Mann ein Brot und da die Gesamtzahl der Truppe weit über 1600 Mann betrug, so war die Leistungsfähigkeit der Feldbäckereien ganz beachtlich. Im Falle, daß die Feldbäckereien sich in den noch kommenden Übungen bewährten, sollten sie in Zeiten der Mobilmachung bei der gesamten Armee eingeführt werden. Anläßlich einer zivil-militärischen Übung wurden neue Verfahren erprobt, so entfaltete sich am und im LoLa, sowie in der Gegend ein buntes Leben. In der Frühe sprengten Husaren durchs Barackenlager und viele zivile Radfahrer passierten entlang der Chaussee. Die Radfahrer wurden in steigendem Maße nicht allein zur Aufklärung und zum Meldedienst benutzt, sondern traten im Vorpostendienst auch als geschlossene Truppe auf. Infanterie, Jäger und Artillerie folgten im Laufe des Tages nach. Die Gegend des Lockstedter Lagers war in dieser Zeit stark mit Einquartierung belegt. Die Divisionsmanöverbewegungen der 18.Infanteriedivision, die in der Gegend nördlich des Lockstedter Lagers im September stattfanden, waren vom Wetter begünstigt. Nachdem die Truppen am 09. in der Umgebung des Lagers und in Richtung Hohenwestedt Biwaks bezogen hatten, wurde teilweise schon um 2400 Uhr aufgebrochen, um die Nordarmee zur Nachtzeit zu überfallen. Bereits um 0300 Uhr war bei Ridders ein Vorpostengefecht im Gange. Das später folgende Gesamtgefecht zwischen den beiden Brigaden kam beim Peißener Pohl und nördlich von Peißen zum Stehen. Nach abgehaltener Kritik durch General von Waldersee fand noch ein kurzes Schlußmanöver statt, worauf die Truppen in ihre Quartiere abrückten. Am 15. und 16. wurden die Manöver fortgesetzt. Das Schlußbiwak bezogen die Truppen in der Nacht vom 16. zum 17. in der Nähe von Hohenwestedt. Noch am 17. erfolgte die Rückkehr der Truppen in die Garnisonen. Auf dem Bahnhof Lockstedter Lager wurden die Infanterieregimenter Nr.84, 85, 86 und das Jägerbataillon Nr.9 mit der Eisenbahn abtransportiert. Zur Leitung des Betriebsdienstes an diesem Tag, war Stationsverwalter Voigt von Kellinghusen zum Lockstedter Lager kommandiert. Major Heinrich vom Feldartillerieregiment Nr.9 stürzte während des Manövers mit seinem Pferde und erlitt einen Schlüsselbeinbruch. In Poyenberg fiel ein Soldat, der seine Lagerstätte auf dem Heuboden eingerichtet hatte, im Schlafe auf die Diele herab, es hieß schon, daß er an den Folgen des Sturzes gestorben sei, was jedoch glücklicherweise nicht der Fall war. Im Herbst des Jahres 1897 wurde im Lockstedter Lager ein Unteroffiziers-Übungskurs mit insgesamt 420 Unteroffizieren der Infanterie und 120 Unteroffizieren der Kavallerie durchgeführt. Der Übungskurs fand in der Zeit vom 16.September bis 27.Oktober statt. Hieran nahmen 50 Unteroffiziere aus dem Bereich des IX.Armeekorps, 30 aus dem Bereich des VII.Armeekorps und 20 aus dem Bereich des X.Armeekorps teil. Der Rest kam aus den anderen Teilen des Heeres. Durch diese Übungskurse sollten die Unteroffiziere im gefechtsmäßigen Schießen gefördert werden, sie erhielten eine sorgfältige Unterweisung im Anfertigen, Aufstellen und Bedienen gefechtsmäßiger Ziele, Leiten und Führen des Feuergefechts. Über die Sicherheitsmaßregeln, welche jedes gefechtsmäßige Schießen erfordert, fand eingehender Unterricht statt. Ein Mann aus Itzehoe hatte seinen leichten Wagen in der Durchfahrt zu Hülsings Hotel abgestellt. Als durch eine Windböe verursacht die Hoftüren in der Durchfahrt aufschwangen, stürmte das Pferd mit dem Fuhrwerk, aber ohne Kutscher, die Chaussee in Richtung Itzehoe entlang über Stein und Kieshaufen. Beim Umbiegen in die Bahnhofstraße kippte der Wagen um und das Pferd wurde zum Stehen gebracht. Das Ereignis war ohne Personenschaden abgelaufen. Am Dienstag, den 14.September, wurde das örtliche Schulfest gefeiert. Eine frühere Durchführung desselben war nicht möglich, weil bis dahin das Militär zu sehr die Aufmerksamkeit der Bewohner in Anspruch genommen hatte. Der Radfahrerverein "Lockstedter Lager" unternahm am Sonntag, den 10.Oktober, eine Wettfahrt über Lockstedt, Hennstedt, Kellinghusen, Breitenberg, Itzehoe zurück zum Lockstedter Lager. Die Strecke des Rennens betrug 54 Kilometer und war in unterschiedliche Fahrradtypen eingeteilt. Der sächsische Kriegsminister, Seine Exzellenz Edler von der Planitz, besucht das Lockstedter Lager am 18.Oktober, um die innere Einrichtung des Lagers, sowie die Neubauten zu besichtigen. Geführt wurde der Kriegsminister vom Lagerkommandanten, der Bauinspektor und der Bauführer der fiskalischen Bauten waren als Fachleute jederzeit bereit Fragen des Kriegsministers zu beantworten. Eine Batterie der reitenden Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.9 aus Itzehoe mußte im Lager untergebracht werden, weil man bei einigen Pferden der Batterie den Verdacht hatte, daß sie an Brustseuche erkrankt waren. Im Lockstedter Lager wurde in dem Gasthof "Zum Landhaus" ein Verein unter dem Namen "Militärische Brüderschaft für Lockstedter Lager und Umgegend" mit 20 Mitgliedern gegründet. Jeder, der im Bereich des LoLa wohnte und aktiv gedient hatte, konnte dem Verein beitreten. Den Vorstand bildeten die Herren Krehn aus LoLa, sowie die Herren Muhs, Witt und Schlobohm aus Schlotfeld. Ende Oktober wurde ein Teil der Querelen um die Spanndienste, die schon längere Zeit schwelten zum Teil ausgeräumt. Da der Betrieb des Lockstedter Lagers die umliegenden Ortschaften des Kreises Steinburg mit Vorspanndiensten stark in Anspruch nahm und die Proviantämter ebenfalls erheblichen Bedarf an Vorspann hatten und hierdurch sowie durch die Abhaltung der Brigadeübung der 35.Infanteriebrigade und der Divisionsmanöver der 18.Division im Kreis Steinburg im Umkreise des Lockstedter Lagers die Preise für Vorspann erheblich angestiegen waren, hatte der Regierungspräsident aufgrund eines sachverständigen Gutachtens der Flurabschätzungskommission verfügt, daß die vom Bundesrat festgesetzten Vergütungssätze für Vorspann für den Kreis Steinburg während der Dauer der diesjährigen Brigadeübungen und Divisionsmanöver vom 03. bis einschließlich 17.September um 1/5 zu erhöhen wären, so daß hiernach der Vergütungssatz für ein zweispänniges Fuhrwerk 15 Mark und für ein einspänniges Fuhrwerk 9,60 Mark betragen müßte. Der Landrat hatte daraufhin die 18.Division in Flensburg ersucht, die ihr unterstellten Truppenteile anzuweisen, daß denjenigen Gemeinden des Kreises Steinburg, welche während der diesjährigen Manöver auf direkte Anforderung der Truppenteile Vorspann gestellt und die Vergütung hierfür auf der Stelle bezahlt erhalten hatten, ein Betrag von 2,50 Mark für einen zweispännigen und von 1,60 Mark für einen einspännigen Wagen nachbezahlt werde. Die Besitzer in der vom Fiskus angekauften Ortschaft Ridders sollten gemäß Vertrag ihre Anwesen zum 01.April 1898 verlassen haben, waren jedoch vom Fiskus dahin gehend benachrichtigt worden, daß sie gegen entsprechende Mietzahlung ihre Anwesen noch zwei weitere Jahre benutzen konnten. Einige machten von dieser Erlaubnis Gebrauch, andere dagegen zogen es vor, sich ein neues Heim zu suchen oder hatten es bereits gefunden. So hatte der Bauer Meincke aus Ridders das Anwesen des Bauern von Voß in Winseldorf für die Summe von 28.500 Mark gekauft. Meincke übernahm das Anwesen von von Voß zum 01.April 1898. Am Montag und Dienstag der ersten Woche des November hielt der Generaloberst Graf von Waldersee auf dem Übungsplatz des Lockstedter Lagers eine Treibjagd ab. Es waren etwa 20 Herren geladen. Die Jagd fand an beiden Tagen bei richtigem Jagdwetter statt, die Strecke war, wenigstens was Verschiedenartigkeit anlangte, überraschend. Es wurden an beiden Tagen geschossen: 1 Rüsselbär, 1 Wildschwein (Überläufer), 1 Dachs, 3 Schnepfen, 2 Füchse, 7 Fasanenhähne, 3 Holzhäher, 9 Rebhühner, 58 Hasen und 1 Papagei. Der Rüsselbär war, soviel war bekannt, in Schleswig-Holstein noch nicht zu Strecke gebracht worden, glaubwürdigen Zeugen zufolge sollte er in Schlesien öfter vorkommen. Der Papagei dürfte einer Menagerie entflogen sein, dagegen kamen Dachse hier häufiger vor. Der glückliche Schütze des Rüsselbärs war Herr von Bülow auf Bothkamp. Anmerkung und Erklärung: Der Rüsselbär war von Hagenbeck bezogen worden, bei ihm fand man den in Hamburg-Sternschanze abgestempelten Eisenbahn Frachtbrief. Ein schwarzgefärbtes zahmes Schwein hatte die Wildsau repräsentiert und als drittes Wundertier war ein Hase erbeutet worden, der sich hinterher als eine in ein Hasenfell genähte Katze entpuppte. Der Papagei stammte aus einer privaten Menagerie. Bei den Pferden der ersten Batterie der reitenden Abteilung, die im Lockstedter Lager untergebracht worden waren, war in der dritten Woche ein Pferd infolge der Brustseuche gestorben, so daß an eine Zurückverlegung nach Itzehoe vorläufig noch nicht gedacht werden konnte. Im Dezember wurden Daten zum Militärhaushalt veröffentlicht. Zur Vergrößerung des Schießplatzes waren im Reichsmilitäretat 1.500.000 Mark als vierte Rate angesetzt. Die im laufenden Etat auf 4.350.000 Mark bezifferten Gesamtkosten hatten sich auf 4.700.000 Mark erhöht. Diese Erhöhung wurde hervorgerufen durch eine Kostensteigerung für die Verlegungen von Wegen, sowie durch die Enteignung vermutete Steigerung der nach den Vortaxen für den Grunderwerb angesetzten Preise, insbesondere durch die Abfindung für die Gewerbetreibenden und Gastwirte innerhalb des Barackenlagers, deren Besitz erworben werden soll, bei denen aber der Wert der Schankgerechtigkeiten und sonstigen Gewerbebetriebe in den nach den Vortaxen angesetzten Summen in der Mehrzahl der Fälle nicht enthalten war. Im Weiteren hatte sich nach genauerer Überprüfung die für den Ausbau des Lagers angenommene Summe als unzureichend erwiesen. Die Fachwerkbaracken im älteren Lagerteil, die im Jahre 1870 zur Unterbringung französischer Kriegsgefangenen in leichter Bauart errichtet wurden, waren derart verbraucht, daß ihre weitere Erhaltung ohne durchgreifende Instandsetzung unmöglich war. Die damit verbundenen beträchtlichen Kosten konnten nicht aus laufenden Mitteln ohne Schädigung anderer Interessen bestritten werden und wurden deshalb mit zum Ansatz gebracht. Für einen Erweiterungsbau des Lockstedter Lagers war die Lieferung von 246.000 Stück Hintermauerungssteinen und 32.000 besseren, zur Verblendung geeigneten Mauerziegeln ausgeschrieben worden. Die Eröffnung der Offerten fand am 20.Dezember in der Garnisons Bauinspektion in Plön statt. Am 11.Dezember fand man in der Nähe des Lagers vor einem Wall an der Kieler Landstraße die völlig unbekleidete Leiche eines 40 bis 50jährigen Mannes. Außer einigen Hautabschürfungen an den Knien waren nach oberflächlich gemachten Beobachtungen äußerlich keine Zeichen von Gewalttätigkeiten erkennbar. Auch war in der Nähe kein Kleidungsstück zu entdecken, wodurch die Personalien hätten festgestellt werden können. Vom Amtsvorsteher Herrn Rusch aus Lohbarbek wurde das Amtsgericht in Itzehoe telegraphisch von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt. (Die gefundene Leiche wurde als die eines Overndorfer Einwohners identifiziert. Auch die Kleidungsstücke, waren gefunden worden und zwar am Neumühlener Weg. Der bedauernswerte Mann, der gemütskrank war, hatte, so vermutete man, in einem Anfall geistiger Verwirrung gehandelt.) Der am Bahnhof Lockstedter Lager angestellte Bahnwärter Herr Jungjohann feierte im Kreise seiner Familie und Freunde sein 25jähriges Ehejubiläum. Der hierher versetzte Bahnhofsvorsteher Herr Paasch feierte um dieselbe Zeit sein 20jähriges Dienstjubiläum. 1898Am 04.Februar war die reitende Abteilung der in Itzehoe stationierten Artillerie, die sich wegen Erkrankung einiger Pferde mehrere Monate im Lager aufhalten mußte, wieder in die Garnison abgerückt, da in letzter Zeit keine Krankheitsfälle mehr vorgekommen waren. In der Mitte des Februar herrschten wahre Unwetter. Bei heftigem Weststurm mit Regen- und Schneeschauern stieg das Wasser in den Auen so hoch an, daß einige Wiesen überschwemmt wurden. Just an einem solchen Tag wurde durch einen Oberwachtmeister eine Person verhaftet, die man im Verdacht hatte, an einem kürzlich auf Gut Springhoe verübten Speckdiebstahl beteiligt gewesen zu sein. Der Mann wurde zunächst dem Amtsvorsteher in Lohbarbek vorgestellt, der ihn an das Gerichtsgefängnis in Kellinghusen abführen ließ. Wie sich in der dritten Februarwoche zeigte, wollten von den Grundstücksbesitzern, die in der Gemarkung des Lockstedter Lagers ihr Eigentum hatten, 26 in Lockstedt sowie zwei Grundbesitzer in Mühlenbarbek bzw. Hennstedt in einen Verkauf zu den vom Militärfiskus gebotenen Preis doch nicht einwilligen. Es fanden Verhandlungen über die auszuhandelnde Entschädigung am 16.Februar in Mühlenbarbek und am 22.Februar in Hennstedt statt. In den Terminen verhandelte Regierungsassessor von Bernuth über die Sache. In Bezug auf die Verlegung der durch das Schießgebiet führenden Chaussee Springhoe - Lockstedt verlautete, daß diese in einer Trasse Springhoe - Neumühlen - Mühlenbarbek verlegt werden sollte. Demnach kam die von den beteiligten Landgemeinden und der Stadt Kellinghusen gewünschte Trasse Lockstedt - Wrack - Luisenberg - Kellinghusen nicht zur Ausführung, wenn nicht etwaige Einsprüche gegen die erstgenannte Linienführung Erfolg haben sollten. Vom IX.Armeekorps wurde mitgeteilt, daß der Kommandierende General, Generaloberst Graf von Waldersee angeordnet hatte, daß am 24.März auf dem Truppenübungsplatz Lockstedter Lager eine Doppeleiche zu pflanzen sei. Dieselbe würde von dem auf die Züchtung von Doppeleichen spezialisierten Gärtner Albrecht Beck aus Westerland auf Sylt bezogen und rechtzeitig im Lager angeliefert werden. Am 28.Februar war auf ministerielle Anordnung in der Schule eine Erhebung darüber angestellt worden, inwieweit Schulkinder im Monat Februar zu gewerblichen Beschäftigungen herangezogen worden waren, das Ergebnis war normal, weit mehr als die Hälfte der Kinder verrichtete Arbeiten. Sechs Waggons mit neuen Geschützen zu Versuchszwecken trafen Anfang März auf dem Bahnhof ein. Sie waren von der Industrie angeliefert worden und sollten bei den demnächst beginnenden Schießübungen eingehenden Erprobungen unterzogen wurden. Infolge der flächenmäßigen Vergrößerung des Lockstedter Lagers war auch eine Vergrößerung der Barackenanlagen notwendig geworden. Nachdem bereits im vorigen Jahre eine Anzahl neuer Gebäude fertiggestellt worden waren, wurden im Jahr 1898 weitere Bauten in Angriff genommen. Zunächst sollten folgende Gebäude ausgeführt werden: zwei Beschlagschmieden, eine Stabsbaracke, ein Werkstattschuppen, ein Schmiedeschuppen usw.. Außerdem sollte das Barackenlager mit einem Zaun eingefaßt werden. Für diese Bauten waren die verschiedenen Arbeiten zu vergeben. Die Angebote waren an den Garnisonsbauinspektor Hagemann in Plön zu richten. Errichtet worden war in der Nähe von Bücken bereits eine Wellblechbaracke. Weiter war geplant, im Lockstedter Lager ein weiteres Magazin einzurichten. Für das Proviantamt standen zwei Futtervorratslager und eine Gespannwaage zum Wiegen des angelieferten Futters im Plan. Am Sonntag, den 20.März, unternahm der Radfahrverein "Schießplatz Lockstedter Lager" eine Ausfahrt. Die Spitze bildeten 3 Herren, denen die Damen in 5 Wagen folgten. Das Gros der Radfahrer bildete den Schluß. Nachdem Itzehoe passiert war, wurde auf der Breitenburger Fähre der Kaffee eingenommen und darauf das Schloß besichtigt. Die Weiterfahrt erfolgte über Breitenburger Baum nach Kellinghusen, wo Vereinsmitglieder sich in der "Tonhalle" bei einem vorzüglichen Diner von den Anstrengungen des Tages erholten. Durch eine Musikkapelle wurde die Feststimmung wesentlich erhöht. Nach Ankunft im Lockstedter Lager hielt ein Kränzchen die Mitglieder noch einige Stunden in Hülsing's Hotel in fröhlicher Stimmung beisammen. Die 50jährige Jubelfeier der Erhebung Schleswig-Holsteins war würdig begangen worden. Die "Militärische Brüderschaft für Lockstedter Lager und Umgegend" hatte eine Doppeleiche auf dem neu angelegten Marktplatz gepflanzt. Hier wies der Gemeindevorsteher Behrens auf die Bedeutung des Tages hin. Gegenüber dem Offizierskasino und neben dem Spritzenhaus wurde am 24.März in Erinnerung an die 50.Wiederkehr der Erhebung gegen Dänemark eine von General Graf von Waldersee gespendete Doppeleiche, die an dieses Ereignis erinnern sollte, gepflanzt. Das Feldartillerieregiment Nr.9 hatte einen Gedenkstein beschafft, der am gleichen Tag enthüllt wurde. Auf beiden Stellen schloß die Feier mit einem Hoch auf den Kaiser und dem Absingen des Schleswig-Holstein Liedes. Am Abend fand für die "Militärische Brüderschaft" ein Festkommers und Ball statt. In einem in einer Lagergaststätte abgehaltenen Termin wurde die von der Einschätzkommission vorgeschlagene Entschädigungssumme für Abtretung des Besitzes an den Militärfiskus von folgenden Eigentümern angenommen. Für ihren Besitz erhielten: Frl.Drewes 15.172 Mark, Frl.Petri 29.600 Mark, Friedrich Rohwedder 13.172 Mark, Gastwirt Ernst 36.082 Mark, Bäcker Soth 8.420 Mark, Gastwirt Sibbert 86.305 Mark. Nur wenige Besitzer hatten das Angebot zurückgewiesen. Ihnen wurde eine kurze Bedenkzeit gegeben. Wäre nach Ablauf derselben keine Zustimmung erfolgt, gelänge die Sache zunächst an den Kreisausschuß und danach würde das definitive Enteignungsverfahren eingeleitet. Der Garnisonsinspektor Schulz wurde zum 01.April von hier nach Weimar versetzt. Die Eiseinfuhr aus Norwegen hatte begonnen. Für die Brauerei Clausthal in Kellinghusen traf das Eis per Eisenbahn ein, diese wiederum belieferte ihre Kunden im Lockstedter Lager bei Bedarf mit viereckigen Eisblöcken im Gewicht von 100 Kilogramm. Der am 12.09.1895 zum Generaloberst der Kavallerie beförderte General Graf von Waldersee wurde am 01.April 1898 unter Belassung seiner Stellung als Generaladjutant und Chef des Feldartillerieregiments Nr.9, sowie à la suite des Königs Ulanenregiments Nr.13 neuer General Inspekteur der 3.Armeeinspektion, er verließ damit den Bereich des IX.Armeekorps. Die Postagentur im Lockstedter Lager wurde am 11.April in ein Postamt III umgewandelt. Am 20.April trafen von Itzehoe kommend Graf von Waldersee und Gemahlin im Lockstedter Lager ein, um sich von den Soldaten der 34.Infanteriebrigade zu verabschieden. Nachdem sie eine Rundfahrt durch einige neu erworbene Gebietsteile des Truppenübungsplatzes gemacht, Neubauten und Anlagen besichtigt hatten, wurde von Seiten der Offiziere der 34.Infanteriebrigade eine Abschiedsfeier für den scheidenden Kommandeur im Kasino gegeben. Anschließend fuhren die Eheleute mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 2030 Uhr weiter. Kurz vor der Abfahrt bildeten die beiden Regimenter Nr.89 und 90 vom Kasino aus bis zum Bahnhof zu beiden Seiten des Weges Spalier. Durch Fackelträger, die in geringen Abständen voneinander aufgestellt waren, wurde der Weg taghell erleuchtet. Der Wagen mit den hohen Herrschaften durchfuhr die Gasse in mäßigem Tempo. Die Verabschiedung durch brausende Hurrahs wurde von Graf von Waldersee im Wagen stehend entgegen genommen. Bis zum Bahnhof gab das Offizierskorps dem Wagen das Geleit, dort bestiegen diese ihren Salonwagen und verabschiedeten sich unter den brausenden Hurrahrufen der Versammelten. Der neu ernannte Kommandierende General des IX.Armeekorps, General von Massow, ehemaliger Kommandeur der 30.Division hatte den Auftrag erhalten das IX.Armeekorps zu führen. Kommandierender General des IX.Armeekorps wurde von Massow fünf Tage nach seinem Dienstantritt am 05.April. Nach dem Kommandierenden General war ein Steinturm auf dem Übungsplatz benannt. Der neue Kommandeur hatte sich für den 21.April angemeldet, um sich vorzustellen und eine Besichtigung der beiden Regimenter vorzunehmen. Am Nachmittag des 04.Mai wurde ein im Lockstedter Lager an Lungenentzündung verstorbener Soldat feierlich auf dem Kellinghusener Friedhof beerdigt. Die 11.Kompanie des Grenadierregiments Nr.90, welcher der Verstorbene angehört hatte, gab dem Toten das letzte Geleit, an der Spitze des Zuges marschierte die Regimentsmusik. In der ersten Woche des Mai wurde mit dem Bau einer Maschinenhalle beim Knispelholz begonnen. Sie diente der Aufnahme einer Maschine, mit welcher die Zielscheiben der Artillerie in Bewegung gesetzt werden konnten, um während deren Schießübungen die Treffsicherheit zu prüfen. Da abzusehen war, daß sich die Bautätigkeit im Laufe des Sommers noch steigern würde, war vom Bauamt Plön ein Baumeister ins Lockstedter Lager beordert worden, ihm war die gesamte Bauleitung übertragen worden, unterstützt wurde er durch drei Mitarbeiter, welche die technischen Arbeiten zu beaufsichtigen hatten. Die am 10.Mai mit mehreren Sonderzügen zum Lager beförderte 35.Infanteriebrigade, bestehend aus den Regimentern Nr.84 und 86, hatte den Aufenthalt bis zum 24.Mai geplant. Bekanntlich bildete das Lockstedter Lager mit der Dorfschaft Winseldorf einen Kommunal- und Schulverband. Infolge der Ansiedlung von Familien beim Lockstedter Lager wurde die Schule in Winseldorf so überfüllt, daß die Königliche Regierung seinerzeit eine vorläufige Teilung nach Ortschaften gestattete und ein Teil der Schule im Lager untergebracht wurde. Die Zahl der Schüler belief sich damals in der Baracke auf 50. Durch anhaltenden Zuzug war sie im Mai auf 76 angewachsen, so daß erheblicher Platzmangel eintrat. Weil das Militär auch darauf drängte, daß die Teilschule die alte Baracke räume, wurde als Zwischenlösung der Saal von Hülsing's Hotel angemietet und dort im Schichtbetrieb unterrichtet. Trotzdem blieb nichts anderes übrig, als einen Teil der Schüler wieder nach Winseldorf zu schicken. Den Bau eines Schulhauses beim Lager konnte die Königliche Regierung nicht anordnen, da sie zunächst die Entscheidung abzuwarten hatte, ob der Militärfiskus nach abgeschlossener Erweiterung des Übungsplatzes mit Winseldorf in einem Kommunalverbund bliebe. Aus dem gleichen Grund konnte kein Erweiterungsbau am Winseldorfer Schulhaus gebaut werden. Die beiden Infanterieregimenter Nr.84 und 86 hatten, nachdem am Mittwoch, den 25.Mai, die Besichtigung der Brigade stattgefunden hatte, das Lockstedter Lager wieder verlassen. Mehrere Extrazüge brachten die Regimenter in ihre verschiedenen Garnisonen zurück. Während des Pfingstfestes blieb das Lager wie in den vergangenen Jahren unbelegt, aber schon am 02.Juni trafen die beiden Infanterieregimenter Nr.162 und 163 aus Lübeck und Neumünster wieder ein, denen in einigen Tagen danach die beiden mecklenburgischen Dragonerregimenter Nr.17 und 18 folgten. Der Monat Juni begann mit einem Unglück. Zwei Arbeiter vom Artilleriedepot wurden durch das Platzen einer Granate schwer verletzt. Dem einen wurde die linke Hand bis auf zwei Finger abgerissen, während der andere weniger schwer im Gesicht und am Körper verletzt wurde. Beide wurden in das Militärlazarett eingeliefert und erstversorgt. An anderer Stelle im Text wurde darauf verwiesen, daß an geeigneter Stelle des Schießplatzes Brunnen gegraben wurden, damit während der heißen Sommertage den übenden Truppen gutes Trinkwasser zur Verfügung stand. Anfang Juni stieß der Bohrmeister Thöl in einer Tiefe von 46 bis 47 m auf eine Braunkohleschicht von 1 1/2 m Mächtigkeit. Proben der zu Tage geförderten Kohlen lagen längere Zeit bei dem Gastwirt Sibbert zur Ansicht aus. Ob man es mit einem umfangreichen Lager zu tun hatte, sollten weitere Bohrversuche klären. Es war kein größeres Lager vorhanden und die Bohrung nach Wasser war erfolglos, es konnte keine wasserführende Schicht gefunden werden. Um eine größere Sicherheit bei der Einfahrt der Züge in den Bahnhof zu erzielen, hatte man, wie schon früher auf größeren Bahnhöfen das Einfahrtsignal durch eine mechanische Einrichtung so mit den für die Einfahrt in Betracht kommenden Weichen verbunden, daß die Stellung der Weiche die Stellung des Einfahrtsignals bedingte. Im Juni war das Lager belegt mit der 81.Infanteriebrigade, gebildet durch die Regimenter Nr.162 und 163, und der 17.Kavalleriebrigade, gebildet durch die Dragonerregimenter Nr.17 und 18, welche hier zum erstenmal zur Übung eingetroffen waren. Die Infanterie rückte am 15. und die Kavallerie am 20.Juni ab. Zur Unterbringung der Kavalleriepferde waren wieder 6 große Zelte errichtet worden. Der Kommandierende General des IX.Armeekorps, General von Massow, traf am 13.Juni im Lager ein. Die 17.Kavalleriebrigade (Dragoner) wurde einer Regimentsinspektion unterzogen, während die 81.Infanteriebrigade am 14.Juni im Brigadeexerzieren vorgeführt wurde. Zu Ehren des Kommandierenden Generals wurde am 13. ein großer Zapfenstreich vor dem Offizierskasino zur Ausführung gebracht. Der ganze Vorplatz war durch farbige Lampions erleuchtet worden. Folgender trauriger Vorfall wurde später immer wieder erzählt und sollte die Jugend zur Vorsicht mahnen. Am Mittwoch, den 22.Juni, fand der 9jährige Sohn des im Erdmannschen Haus wohnenden Arbeiters Meschkat ein Stück ungelöschten Kalk. Er tat dasselbe in eine Blechdose, übergoß den Kalk mit Wasser und verschloß das Gefäß mit einem Deckel, der noch durch einen Stein beschwert wurde. Um sich von der Beschaffenheit des Inhalts zu überzeugen, hob der Junge nach einiger Zeit den Deckel ab - da flog ihm der kochendheiße Kalkbrei ins Gesicht, wodurch leider die Sehkraft auf beiden Augen verloren ging. Nachdem die beiden hanseatischen Infanterieregimenter, die seit dem 20.Juni im Lager übten, ihre Übungen am 07.Juli beendet hatten und am 08.Juli in ihre Garnisonen zurückgekehrt waren, bezogen am 12. die beiden Feldartillerieregimenter Nr.9 und 24 die Unterkünfte und Pferdeställe. Eine Abteilung des Regiments Nr.24 war am 11.07. in Kellinghusen einquartiert. Ein größerer Heidebrand, wodurch eine bedeutende Fläche Heide und Kratt vernichtet wurde, wurde in einigen Stunden durch die alarmierten Mannschaften der Feldartillerie gelöscht. Als am Morgen des 17.Juli der erste Zug den Bahnhof gerade verlassen hatte, machte ein junger, im Lager arbeitender Schlosserlehrling seinem Leben dadurch ein Ende, daß er sich vom Zuge überfahren ließ. Von einem Gebüsch heraus hatte er sich über die Schiene geworfen, so daß, ehe es der Lokomotivführer verhindern konnte, der Kopf vom Rumpf getrennt wurde. Mitte Juli war von der Garnisons Bauinspektion in Plön eine Submission betreffend den Neubau eines Dienstgebäudes und eines Inspektor Wohnhauses mit Büroräumen im Lockstedter Lager veröffentlicht worden, und zwar in zwei getrennten Losen. Das erste Los beinhaltete sämtliche Bauarbeiten und die Lieferung der Mörtelmaterialien, im zweiten Los dagegen die Lieferung von 405.000 Hintermauerungssteinen und 31.000 Verblendsteinen. Die Offerten waren kurzfristig bis zum 25.Juli bei der Bauinspektion in Plön einzureichen. Während des Gespannexerzierens stürzte ein Stangenpferd vor einem Geschütz der 7.Batterie des Feldartillerieregiments Nr.24. Nachdem durch den herbeigerufenen Roßarzt eine schwere Verletzung (doppelter Beinbruch) festgestellt worden war, mußte das wertvolle Tier an der Unfallstelle durch einen Revolverschuß getötet werden. Der Reiter erlitt nur geringe Hautabschürfungen. Generalleutnant von Hähnel, Kommandeur der 9.Artilleriebrigade, kam am 25.Juli aus Altona in das Lager. Er blieb bis zum Schluß der Brigadeübungen am 08.August und führte während dieser Zeit die Brigade dem Kommandeur des IX.Armeekorps, Generalleutnant von Massow, vor. Am 29.Juli hielt die Artillerie ein Nachtschießen ab. Von zwei Batterien wurden zirka 40 scharfe Schüsse (Granaten und Schrapnels) abgegeben. Als Ziel dienten einige in der Ferne unterhaltene hell lodernde Feuer. Von nah und fern waren Zuschauer herbeigeströmt um dem Spektakel beizuwohnen. Während der Manöver in Verbindung mit dem Nachtschießen erlitt ein Kanonier einen Beinbruch. Die örtlichen Schlachtereien wurden durch den Kreisphysikus Sanitätsrat Dr.Jessen aus Itzehoe einer gründlichen Prüfung unterzogen. Aus Anlaß der bevorstehenden militärischen Herbstübungen wurde die Bevölkerung erneut auf die Wichtigkeit der Anwendung richtiger und deutlicher Aufschriften bei Manöverpostsendungen hingewiesen. Einige Tage vor dem Rückmarsch verschwand ein Kanonier vom Feldartillerieregiment Nr.24 aus dem Lager. Die Uniformstücke wurden bald darauf an der Stör gefunden. Weitere Nachforschungen ergaben, daß der Flüchtling sich in Zivilkleidung in seine Heimat Mecklenburg abgesetzt hatte. Zweimal wurde er schon dort verhaftet und zweimal gelang es ihm, wieder die Pseudofreiheit zu gewinnen. Beim letzten Fluchtversuch wurde er gleich wieder verhaftet und sofort der Militärbehörde ausgeliefert. Man zweifelte an seiner Zurechnungsfähigkeit. Wie in den früheren Jahren, so wurde auch in diesem Jahr nach dem Schluß der militärischen Übungen der Artillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 ein Rennen veranstaltet. Die Rennen bei Bücken fanden nach Beendigung der Inspektion durch den Kommandierenden General von Massow statt. Während das Artillerieregiment Nr.9 schon am 06.August in die Garnison zurückkehrte, verließ das Artillerieregiment Nr.24 am 08.August das Lager. Am 09. rückte das Infanterieregiment Nr.163 ein, am 15. das Regiment Nr.85 aus Rendsburg und am 19. das Regiment Nr.31 aus Altona. Nach dem Regimentsexerzieren hielten alle drei Regimenter als 36.Infanteriebrigade am 31.August das Brigadeexerzieren ab. An demselben nahm auch das Jägerbataillon Nr.9 aus Ratzeburg teil. Für diesen Tag hatte Seine Königliche Hoheit Prinz Albrecht von Preußen seine Anwesenheit angekündigt. Nach der Besichtigung teilte sich die Brigade, die Regimenter gingen ins Manöver nach Mecklenburg beziehungsweise Nordschleswig. An dem vor zirka 10 Jahren neu errichteten Offizierskasino wurde infolge der stärkeren Belegung des Lagers eine bedeutende Erweiterung vorgenommen. Das neben dem Gebäude aufgestellte Denkmal, errichtet zu Ehren der im Kriege 1870/71 gefallenen Krieger, erhielt infolge dessen einen anderen Platz. In der Nähe des Kasinos war eine massive Generalsbaracke beinahe fertiggestellt. Ferner wurde in Angriff genommen der Bau von zwei Dienstwohnungen, eine für den Garnisonsinspektor und eine für den Kaserneninspektor. Für den Bau dieser beiden Gebäude hatte der Bauunternehmer Möller aus Elmshorn den Zuschlag erhalten. Die noch in Ridders wohnenden Hufner und Kätner bekamen Ende August vom Bezirksausschuß die Nachricht, daß sie innerhalb von drei Wochen beim Kriegsminister eine bindende Erklärung abzugeben hätten, ob sie mit der ihnen bekannten Wertermittlung einverstanden wären oder nicht. Im verneinenden Falle würde sofort die Enteignung eingeleitet. Der Photograph Vahlendick aus Kellinghusen, kaufte von dem Schlachtermeister Kunze aus Altona, der vor mehreren Jahren ein größeres Areal auf Lohbarbeker Gebiet käuflich erworben hatte, ein Grundstück in der Nähe von Sörensen's Hotel für 4.500 Mark. Der Gastwirt Sibbert erwarb von demselben Schlachtermeister, sowie von den Hofbesitzern Rusch und Dammann aus Lohbarbek drei zusammenliegende Grundstücke für 26.000 Mark. Wie an die letzten Bewohner von Ridders, so war auch an die beim Lager sowie in den umliegenden Ortschaften in Betracht kommenden Besitzer von Grundstücken die Aufforderung ergangen, sich zu erklären, ob sie mit den letzten Taxationssätzen einverstanden wären. Es war abzusehen, daß angesichts der Enteignungsdrohungen von allen die Frage bejaht werden würde. Wiesenland würde mit 3000 bis 3500 Mark das Hektar bezahlt. Die von Privatleuten (Sibbert und Vahlendick) gekauften Ländereien kosteten durchschnittlich 2500 Mark das Hektar. Am Morgen des 10.August enthüllte General Graf von Waldersee auf dem Übungsplatz den von ihm gestifteten "Waldersee-Stein". Am Nachmittag weihte er in Itzehoe das neue Offizierskasino ein. Die Gemeinde Hohenaspe verkaufte mehr als 100 Hektar zur Vergrößerung des Schießplatzes an den Fiskus. Die Verhandlung mit 23 beteiligten Grundbesitzern führte dahin, daß 19 derselben sich einverstanden erklärten mit dem Taxpreis. Die Abtretung erfolgte zum 01.November. Im September hatten sich von den mit dem Fiskus in Unterhandlungen stehenden Grundbesitzern aus der Gemeinde Schlotfeld nur vier mit der vorgenommenen Wertermittlung einverstanden erklärt, so daß gegen fünf weitere Eigentümer das Enteignungsverfahren eingeleitet wurde. Leider waren in den vergangenen Monaten immer wieder Ausschreitungen des Militärs vorgekommen. So wurde in Lohbarbek der Gastwirt Beck von einem Infanteristen mit einem Bierglas blutig geschlagen. Im gleichen Lokal am selben Abend ein Dienstmädchen mißhandelt. Im Lockstedter Lager wurde die 9jährige Tochter des Chausseewärters Rehder durch einen Sergeanten vergewaltigt. Am 31.August traf Generalfeldmarschall Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, im Lager ein, um in seiner Eigenschaft als Armeeinspekteur eine Besichtigung der Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85 vorzunehmen. Der Kommandierende General des IX.Armeekorps, Generalleutnant von Massow, war mit seinen Stabsoffizieren anwesend. Von den Truppen wurde zunächst eine Gefechtsübung ausgeführt, die mit einem Parademarsch schloß. Mit dem Mittagszug fuhr der Prinz nach Altona zurück. Trotz des ungünstigen Wetters hatten sich viele Zuschauer eingefunden. Während der Gefechtsübung wurde ein Soldat durch den Hufschlag eines Pferdes am Knie verletzt und mußte per Krankenwagen ins Lazarett gebracht werden. Rechtzeitig zum großen Manöver war die auf dem Schießplatz aufgebaute dampfbetriebene Scheibenzuganlage fertig geworden und konnte gleich von der Truppe erprobt werden. Das Hauptgebäude der Anlage stand beim Knispelholz. Bis zur endgültigen Fertigstellung der Zuganlage II, die bei der Hasenheide gebaut werden sollte und weiteren drei mit Umlenkrollen ausgestatteten Zugstationen sollten noch einige Jahre vergehen. An jedem der infolge der Platzerweiterung gebauten Steintürme war ein mit Umlenkrollen ausgerüstetes Gebäude errichtet. Von der Scheibenzuganlage I wurden bis zur Fertigstellung der Gesamtanlage nur einzelne Schießbahnen bedient. Die Schießscheiben, meist stellten sie angreifende Kavallerie dar, lagerten im Scheibenhof. Pferde zogen sie zur Ausgangsposition auf der Schießbahn, dort flanschte ein Soldat die Scheiben am Drahtseil der Zuganlage an. Von der Dampfmaschine im Scheibenzug wurden die Scheiben dann auf die Kanonenstellungen zu gezogen. Nach beendetem Schießen schleiften die Pferde die Scheiben wieder in den Scheibenhof zurück. Ab 1900 brauchten die Pferde die Scheiben nur noch vom Scheibenhof zu den, zwischen den Zugstationen und Zuganlagen gespannten Drahtseilen zu ziehen. Ab dann wurden alle Schießbahnen von der Scheibenzuganlage aus bedient. Gleichzeitig mit der Erweiterung der Schießbahnen stellte die Kommandantur beim Schierenwald einen Hausgiebel, eine Windmühle, ein Denkmal und eine Feldschanze auf. Sie sollten den Artilleristen als Hilfsziele in der Zielansprache dienen. Die Infanterieregimenter Nr.31 und 85 beendeten ihre Übungen am 06.September und wurden mit Sonderzügen in das Manövergelände befördert. Nach einer zweitägigen Pause trafen am 10.September die vier Kompanien des I.Seebataillons in einer Stärke von zirka 500 Mann (Friedensstärke) aus Kiel ein. Ein Soldat der 2.Kompanie des I.Seebataillons war auf dem Marsch zum Lager beim Baden im Einfelder See ertrunken. Wegen des Erweiterungsbaues des Offizierskasinos fand die Bespeisung der Offiziere in Sörensen's Hotel statt. Das Hotel Sörensen wurde von seinem Besitzer, Schlachtermeister Kunze aus Altona, an Herrn Rath aus Gremsmühlen, wo er früher ein Hotel besaß, verkauft. Wie gemunkelt wurde, sollte der Kaufpreis zirka 69.000 Mark betragen haben. Der bisherige Pächter, Herr Lange, erhielt für die nicht ausgenützte Pachtzeit bis 01.Oktober 1899 2.000 Mark Entschädigung. Herr Lange wollte nach Ablauf der Pachtzeit im Lager bleiben und eine Hühnerzüchterei in größerem Umfang betreiben, sowie einen Hundezwinger einrichten. Die Hofbesitzer Kelting und Sierk aus Schlotfeld, die einen Teil ihres Besitzes dem Fiskus überlassen mußten, hatten ihren restlichen Grundbesitz parzellieren lassen. Käufer solcher Parzellen waren Grundbesitzer aus Schlotfeld, deren Stellen ebenfalls durch Kauf von Seiten des Fiskus verkleinert worden waren. Die Grundstückskäufe westlich der Gravelotte Straße waren abgeschlossen und beurkundet, die Liegenschaften mußten bis zum 28.Februar 1899 geräumt sein. Nach einem vom 12. bis 15. stattfindenden Scharfschießen wurde das Seebataillon am 17. wieder nach Kiel zurückbefördert. Mitte September wurden die Eheleute Rehder durch das Kriegsgericht in Rendsburg unterrichtet, daß der Unteroffizier, welcher vor einiger Zeit an dem Kind ein Sittlichkeitsverbrechen begangen hatte, vom Kriegsgericht zu vier Jahren Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heer verurteilt worden war. Der Verurteilte hätte in fünf Monaten seine 12jährige Dienstzeit beendet. Ein Arbeitskommando, zusammengesetzt aus Soldaten aller Truppengattungen des IX.Armeekorps war in einer Stärke von zirka 100 Mann im Lager eingetroffen. Es wurden besonders Planierungs- und Rodungsarbeiten auf den neu hinzugekommenen Gebieten vorgenommen. Ein Teil des Kommandos markierte die Außengrenzen des Schießplatzes durch Grenzpfähle, besserte beschädigte Schlagbäume aus und verfüllte Schlaglöcher und Granatentrichter. Der Zeugfeldwebel Triebel, der mehrere Jahre im Nebendepot tätig war, wurde nach Berlin versetzt, als technischer Leiter der Druckerei des Kriegsministeriums. Der Bauer Holst aus Ridders, dessen Anwesen in den Besitz des Fiskus übergegangen war, hatte das Anwesen des Kätners Kühl aus Lohbarbek für 7.000 Mark gekauft. Der Landwirt Mahn hatte seinen Hof an Herrn Schreiner aus Heide verkauft, der denselben in Parzellen zerlegte und diese an den Fiskus zu verkaufen beabsichtigte. In einem an die landwirtschaftlichen Bezirksvereine gerichteten Schreiben, hatte das Proviantamt in Schleswig diejenigen Gesichtspunkte, nach welchen der Ankauf der Bedarfsgegenstände direkt von den Produzenten auszuführen war, mitgeteilt. Dem Schreiben war zu entnehmen, daß einem jeden Proviantamt zur Ausführung seines Ankaufsgeschäfts ein bestimmter Bezirk zugewiesen worden war. Die Proviantämter sahen von einer allgemeinen Veröffentlichung der anzulegenden Preise ab, da mit der veränderten Konjunktur, auch eine Preisveränderung Hand in Hand gehe, die Ämter wünschten sich mit jedem Einzelnen in Verbindung zu setzen, wozu ein Angebot unter Einsendung einer 1/4 Liter enthaltenen Probe erforderlich wäre. Um auch den kleineren Besitzern Gelegenheit zu geben, ihre Produkte unter günstigen Bedingungen verkaufen zu können, hätte das Proviantamt Schleswig den Gemeindevorstehern in verschiedenen Kreisen den Vorschlag gemacht, die Vereinigung mehrerer Produzenten zur Beladung eines Eisenbahnwagens von 10.000 Kilogramm anzuregen. Es bedürfe in diesem Falle nur der Einsendung der Proben seitens eines Vertrauensmannes, der auch berechtigt wäre, den Geldbetrag in Empfang zu nehmen und darüber zu quittieren. Säcke würden auf Wunsch zur Verfügung gestellt. Was die Qualität der Naturalien beträfe, so müßten die Körner - Roggen und Hafer - möglichst frei von fremden Samen und trocken sein und im Viertelliter 179 bzw. 112 Gramm wiegen. Hinsichtlich der Farbe, ob weißer oder gelber Hafer, machten die Proviantämter keinen Unterschied, wenn derselbe sonst den Anforderungen entspräche. Heu müßte aus süßen, rundhaarigen Gräsern bestehen und frei von Binsen, Schilf etc. sein. Stroh könne auch Maschinenstroh sein, wenn dasselbe glatt gerafft und mit zwei Strohseilen gebunden wäre. Als General Graf von Waldersee seinen Dienstposten als Kommandierender General des IX.Armeekorps verließ, wurde vom Offizierskorps, den Sanitätsoffizieren und Intendanturbeamten beschlossen, ein dauerndes Andenken an die siebenjährige Tätigkeit des Grafen von Waldersee als Kommandierender General des IX.Armeekorps zu stiften und zwar durch die Aufstellung einer von Bildhauer Professor Kruse aus Berlin modellierten, in der Goldbeck'schen Anstalt gegossenen überlebensgroßen Bronzebüste des Grafen im Offizierskasino des Lockstedter Lagers, wo alljährlich die Truppen des Korps zur militärischen Übung zusammentrafen. Ferner wurde beschlossen, der Familie des Grafen von Waldersee zum bleibenden Andenken eine gleiche Büste zu stiften. Als Tag der Überreichung war der 03.Oktober, gleichzeitig der Geburtstag der Gräfin gewählt. Zu diesem Zweck hatte sich eine Abordnung von 10 Offizieren des IX.Armeekorps unter Führung des ältesten Divisionärs, Generalleutnant von Frankenberg, nach Hannover begeben. Dort fand die feierliche Überreichung der Büste in Gegenwart einer größeren Anzahl von Mitgliedern der Familie von Waldersee statt. In seiner Ansprache teilte Generalleutnant von Frankenberg dem Grafen von Waldersee mit, daß außerdem von den Offizieren, Sanitätsoffizieren und Beamten des Korps eine Stiftung ins Leben gerufen worden sei, die den Namen "Waldersee-Stiftung" führe. Zweck dieser Stiftung sei es, einen Lieblingswunsch des Grafen zur Ausführung zu bringen, nämlich die Gründung eines Sanatoriums für schonungsbedürftige Unteroffiziere auf dem Lockstedter Übungsplatz. Bei dem angekauften großen Terrain befände sich ein sehr schön gelegener Hof mit einem herrlichen Baumbestand, der vom Grafen schon immer ins Auge gefaßt worden war. Im Oktober jährte es sich zum zweiten Mal, daß von der Gemeinde Winseldorf eine eigene Schule mit festangestelltem Lehrer im Lager unterhalten wurde. Es wurde damals der Schule gestattet, einen Saal zu mieten und als Schullokal einzurichten. Infolge fortwährenden Zuzuges war aber die Schülerzahl in diesem Jahr auf annähernd 80 gestiegen. Für eine solche Zahl war aber die Größe des Lokals nicht ausreichend. Die Königliche Regierung hatte daher gestattet, daß für das Winterhalbjahr eine Halbtagsschule eingerichtet werde. Es wären aber, so die Vorgabe der Regierung, bis zum 01.Mai des nächsten Jahres die Vorarbeiten zum Bau eines zweiklassigen Schulhauses auszuführen. Es wäre nur noch die Frage zu klären, ob der Staat oder die Gemeinde die Baukosten zu tragen hätte. Wenn der Fiskus sich im Falle der Bildung eines eigenen Gutsbezirks weigere, die Anwohner des Lagers mit in denselben einzubeziehen, würde die Gemeinde Winseldorf für den Bau und die Unterhaltung der Schule aufkommen müssen. Diese würde dann aber danach streben, daß der Bauplatz so gelegen sei, daß die Kinder aus beiden Bezirken auf drei Klassen verteilt werden würden. Eine Entscheidung wurde für Anfang 1899 erwartet. Im November hatte der Regierungspräsident entschieden, daß die Verlegung der Chaussee Lockstedt - Lockstedter Lager in der Linie Springhoe - Mühlenbarbek erfolgen sollte und zwar gemäß dem Wunsche der Militärverwaltung, aber entgegen dem des Landesdirektors. Der Landesdirektor hatte gegen die Entscheidung Berufung beim Bezirksausschuß eingelegt und auf einer Sitzung des Ausschusses seinen Einspruch begründet. Die Entscheidung des Regierungspräsidenten war daraufhin aufgehoben worden. Es bestand nach dem Einspruch noch die vage Hoffnung, daß die Chaussee doch ab Kellinghusen gebaut werde. Nach der Beschaffung von verbesserten Geschützen hatte das Kriegsministerium die gebrauchten Waffen zum Verkauf angeboten. Einige Regierungen zeigten am Kauf von Geschützen Interesse. Am 22.November trafen je ein Bevollmächtigter der chilenischen und mexikanischen Regierung nebst Begleitung im Lager ein, um die für sie zurückgestellten Geschütze auf ihre Gebrauchsfähigkeit hin zu überprüfen. Es wurden zu diesem Zweck 32 Schüsse aus 4 Geschützen abgegeben. Ein in Sörensen's Hotel veranstaltetes Diner vereinte zirka 25 Offiziere des hier stationierten Militärs sowie die in Zivil erschienenen Vertreter der fremden Mächte. Auch von Seiten Chinas waren Geschützkäufe zugesagt. Von der chilenischen und mexikanischen Regierung wurden je 17 Batterien in deutschen Garnisonen angekauft. Die chinesische Regierung soll 20 Batterien gekauft haben. (Die an die Chinesen verkauften Batterien, darunter auch vier aus dem Lockstedter Lager, kamen beim Boxeraufstand in China, bei Tschangping am 30.Dezember 1900, gegen die deutschen Soldaten zum Einsatz. Die deutschen Soldaten wunderten sich, daß die chinesischen Beutegeschütze bei Krupp in Essen gefertigt worden waren.) Auf dem Gebiet des Übungsplatzes hatten sich seit einigen Jahren die wilden Kaninchen sehr stark vermehrt. Da auch die benachbarten privaten Ländereien von ihnen heimgesucht wurden, waren die Jagdpächter bemüht, der starken Vermehrung der Tiere durch Abschießen möglichst Einhalt zu gebieten. Anläßlich einer von Lohbarbeker Jagdpächtern abgehaltenen Treibjagd wurden zirka 20 Kaninchen erlegt. Seit Ende November war der zivile Teil des Lagers telephonisch mit Kellinghusen verbunden und dadurch auch mit anderen Orten. Die Telephonleitung war auf Veranlassung des Besitzers von Sörensen's Hotel, Herrn Raht, verlegt worden, der Apparat stand in dessen Wohnung. Die Post hatte eine zweite Leitung mit separat aufgestellten Pfählen hergestellt, da die bestehende Telegraphenleitung zum Lager im Sommer sehr stark in Anspruch genommen wurde, es wäre also durch den Gebrauch des Telephons, beim Einleitungsbetrieb, eine erhebliche Störung im Telegraphiebetrieb eingetreten. Herr Raht und die Stadt Kellinghusen bezahlten der Post jährlich eine pauschale Summe. Obwohl Herr Raht den Apparat für seinen eigenen Gebrauch angeschafft hatte, stellte er diesen auch anderen Personen zur Verfügung, wenn eine dringende Sache durch den Fernsprecher erledigt werden konnte. Das Arbeitskommando wurde am 22.Dezember zu den Stammeinheiten zurückkommandiert, ein verstärktes Kommando sollte am 03.Januar 1899 wieder die Arbeit im Lager aufnehmen. Über Weihnachten und den Jahreswechsel war nur das Wachkommando im Lager. 1899Am Neujahrstage hielt der Kellinghusener Gesangverein "Konkordia" in den Lokalitäten von Hülsing's Hotel einen Ball ab, welche dem Brauch entsprechend lustige Aufführungen und Gesangsvorträge vorangingen. Die Verlegung der III.Fahrende Abteilung des in Itzehoe stationierten Feldartillerieregiments Nr.9 nach Bahrenfeld, die schon vor einiger Zeit erfolgen sollte, aber verschoben wurde, fand im Januar statt. Die in Bahrenfeld stationierte Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.24 sollte nach Schwerin verlegt werden. Der Landwirt Rehder aus Peißen hatte seinen Besitz verkauft und von dem Erlös Ländereien in Winseldorf erworben und seinen Wohnsitz dorthin verlegt. Die chilenische Regierung hatte im vergangenen Jahr vom preußischen Staat mehrere Batterien gebrauchter Geschütze gekauft. Mitte Januar waren am Bahnhof Lockstedter Lager 64 Geschütze zur Verladung gekommen und mit einem Sonderzug nach Hamburg gebracht worden, um von dort aus per Schiff an den Bestimmungsort befördert zu werden. Einzelne Teile der Geschütze waren im Lager mit einem festen Holzrahmen umgeben worden. Die Holzverschläge für die als Stückgutfracht zu verschiffenden Geschütze waren vom Tischlermeister Krehn für 1.800 Mark angefertigt und innerhalb von vier Tagen montiert worden. Allein der Seetransport kostete die chilenische Regierung 22.000 Mark. Der Geburtstag des Kaisers wurde festlich begangen. Das 100 Mann starke Arbeitskommando sowie die "Militärische Brüderschaft" hatten je eine gesonderte Feier veranstaltet, ersteres in Sibberts Gasthaus und letztere in Hülsing's Hotel. Die hier anwesenden Offiziere, einige Beamte der Kommandantur und des Bauamtes hatten sich zu einem Festessen im Bahnhofsrestaurant versammelt. Der Kaisertoast wurde dort von Hauptmann Köhn ausgebracht. Die "Militärische Brüderschaft" hatte ein Festessen in Hülsing's Hotel veranstaltet. Hier wurde das Hoch auf den Kaiser vom Gemeindevorsteher Behrens ausgebracht. Die eigentliche Feier am Abend fand ihren Höhepunkt in musikalischen Vorträgen und der Darstellung lebender Bilder mit theatralischem Inhalt. Beide Feiern schlossen mit einem Ball. Von einem guten Verhältnis zwischen Militär und Zivil zeugten die gegenseitigen Einladungen zu den veranstalteten Festlichkeiten. In der ersten recht kalten Februarwoche unternahmen auf Veranlassung des Landrats des Kreises Steinburg die Mitglieder des Radfahrvereins "Schießplatz Lockstedter Lager" eine im Hinblick auf den Mobilmachungsfall zu probende Übungsfahrt in die umliegenden Ortschaften zwecks Überbringung der Gestellungsbefehle. Im westlichen Teil des Barackenlagers begann man im Februar mit der Errichtung mehrerer Wellblechbaracken, da geplant war, das Lager künftig stärker zu belegen und die Übungszeiten zu verlängern. Nur in den Monaten November und Dezember sollte das Lager frei von Militär sein. Das günstige Wetter erlaubte es dem Arbeitskommando, ohne Unterbrechung an der Planierung des neu erworbenen Gebiets zu arbeiten. Besonders das Ausroden des Eichenkratts auf dem früheren Gebiet der Dorfschaft Ridders nahm viel Zeit in Anspruch. Bis zum 01.April sollte der Platz frei sein. Die ausgerodeten Stubben wurden das Fuder für 50 Pfennig an Interessenten abgegeben. Zwecks Ausbesserung des Verbindungsweges zwischen Winseldorf und dem Lockstedter Lager war derselbe von der Kommune an ausbesserungsbedürftigen Stellen mit Bruchsteinen beschüttet worden, welche waggonweise aus Elmshorn bezogen worden waren. Zum 01.März gingen alle neu erworbenen Ländereien und Liegenschaften in den Besitz des Deutschen Reiches über, der das Gebiet dem Areal des Truppenübungsplatzes angliederte. Aufgekauft worden waren westlich der Gravelotte Straße: die Gasthöfe "Zum deutschen Hause" von Heinrich Sibbert, "Zur Linde" im Besitz von Frau Willroth, "Grust's Gasthof" Eigentümer Caspar Grust und die ehemalige "Hinsch'sche Wirthschaft". Weiter hatten Murkus Sibbert und Hans Roth ihre Badehäuser, die Maurer Friedrich Rohwedder und Friedrich Sibbert und die Lehrerin Fräulein Drews ihr jeweiliges Eigentum verkauft. Die Summe, die vom Staat für die Käufe der Ländereien ausgegeben wurde, wurde auf 250.000 Mark geschätzt. Im Gasthof des Heinrich Sibbert wurde das Proviant-Amt eingerichtet, die beiden westlich gelegenen Häuser dienten in der Folgezeit Bediensteten des Proviantamtes und ihren Familien als Wohnung. Noch im März wurde mit dem Betrieb einer fiskalischen Dampfwäscherei begonnen, weil die seit 1881 privat betriebene Badeanstalt vom Fiskus übernommen worden war. Der Betrieb der Wäscherei war aus verschiedenen Erwägungen notwendig geworden, bedingt durch die hohe Fluktuation der Soldaten und Vermehrung der Einrichtungen in der Kaserne fiel eine größere Menge an Wäsche an, vom Matratzenbezug über die Tischdecke bis zum Geschirrhandtuch und Kittel des Arztes sollte im Lager alles gewaschen werden. Die Wäscherei im Lager entlastete die Garnisonswäscherei in Itzehoe, sparte Transportkosten und Zeit. Die Einrichtung war nicht zum Waschen der Wäsche der Soldaten gedacht. Soldaten konnten ihre Wäsche bei Waschfrauen waschen lassen. Die zu Wohnungen umfunktionierten ehemaligen Badestuben wurden wieder in den ursprünglichen Zustand rückgebaut. Soldaten, die stationär in das Lazarett aufgenommen wurden, mußten erst gebadet werden. Daneben stand diese Einrichtung allen anderen Soldaten, bei Bedarf zur Verfügung. Die Kapazität des Badehauses war jedoch sehr begrenzt. Man ging davon aus und rechnete damit, daß man höchstens drei Badevorgänge in einer Stunde pro Badewanne durchführen konnte. Die Gemeinde Ridders, die am 01.Mai in den Besitz des Staates übergehen sollte, war in den ersten Tagen des März wieder von 6 Besitzern verlassen worden, die sich an anderen Stellen ein Heim gesucht hatten. Die Schule, die nur noch 5 Schüler zählte, wovon 3 dem Lehrer gehörten, sollte ebenfalls zum 01.Mai geschlossen werden. Ende März wurde der Inhalt eines Bescheides bekannt, der den Stationsvorsteher am Bahnhof betraf. Der bisherige Stationsverwalter am Bahnhof Lockstedter Lager, Herr Paasch, wurde zum Stationsvorsteher II.Klasse befördert und zum 01.April nach Züssow, Bezirk Stettin, versetzt. Man sah den allgemein beliebten Beamten nur ungern scheiden. Als Ersatz war der Stationsverwalter Haß aus Niebüll hierher versetzt worden. Der am 22.März vom Radfahrverein "Schießplatz Lockstedter Lager" veranstaltete "Reuterabend" hatte eine große Zahl Besucher angezogen. Mehr als 300 Personen hörten den interessanten Vorträgen des Rezitators zu. Er wurde mit reichlichem Beifall bedacht und jeder Besucher sollte mit dem Bewußtsein geschieden sein, einen genußreichen Abend gehabt zu haben. Ein nachfolgendes Kränzchen hielt einen großen Teil der Besucher noch lange beisammen. Die Einnahme der Veranstaltung belief an diesem Tage auf 82,40 Mark. An Auslagen hatte der Verein 67,40 Mark zu bestreiten. Es konnte somit der Kriegerwitwen- und Kriegerwaisenkasse, zu deren Gunsten das Fest veranstaltet worden war, eine Summe von 15 Mark überwiesen werden. Im Jahre 1898 ließ die Garnisonsverwaltung bei Bücken, in der Nähe des Rethteiches, eine Wellblechbaracke und 1899 einen Krankenstall für Pferde mit Huferkrankungen bauen. Man hatte einen flachen Teich ausheben lassen und das Wasser der nördlich gelegenen Teiche über Rohre in die Mulde geleitet. Besonders Pferde, die an der Strahlenfäule erkrankt waren wurden hier behandelt. Die Pfleger führten die Tiere täglich mehrfach in den "Kranken Teich" oder Rethteich zum Kühlen der Hufe als Teil der Therapie. Im Sommer wenn es zu trocken war und es an Wasser im Teich mangelte, wurde Wasser für den "Kranken Teich" über einen Graben und das Rohrsystem in den Teich geleitet. Mit dem 30.April hatte die "Saison" im Lockstedter Lager begonnen. Die beiden Infanterieregimenter Nr.85 und 76 waren an just diesem Tage in drei Sonderzügen mit mehr als 100 Offizieren, 3000 Mannschaften und 60 Pferden im Lager angekommen. Es war ein erster kurzer Aufenthalt, eine Eingewöhnung auf kommende Ereignisse. Das Dorf Ridders war vor Ende der vom Militär gesetzten Frist von sämtlichen Bewohnern verlassen worden und mit dem 01.Mai in den Besitz des Militärs übergegangen. Die noch erhaltenen Anwesen wurden mit gleichem Datum von einer extra eingeteilten Wachgruppe bewacht, deren Wachlokal das Schulgebäude war. Nach Beendigung der Schießübungen im Lockstedter Lager wurden am 10.Mai die Infanterieregimenter Nr.76 und 85 durch Sonderzüge wieder in die Garnisonen befördert. Es belegten danach die Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.89 das Lager bis zum 20.Mai. In der kurzen Zeit des Aufenthaltes fanden keine Platzkonzerte statt, auch wurde der Marsch zum Bahnhof nicht von der Regimentsmusik angeführt. Nach im Mai ergangenen Bestimmungen war es zulässig, Druckschriften, als Zeitungen usw., an Militärpersonen "unfrankiert" als "Eigene Angelegenheit des Empfängers" zu befördern, jedoch nur bis zum Gewichte von 60 Gramm. Das Militär wollte die Gebäude in der erworbenen Dorfschaft Ridders baldmöglichst abreißen lassen. Türen, Fenster, Öfen und Herde sollten bereits kurz nach Übernahme der Liegenschaften von der Garnisonsverwaltung verkauft werden. Beim Übergang des Dorfes Ridders an das Militär bestand dieses aus 8 Hufen, 1 Wassermühle, 1 Wirtshaus und 11 Katen, darunter 1 Schmiede, 2 Hökereien (Kleinhändler), 1 Schulhaus, ein Armenhaus und eine Genossenschaftsmeierei. Der gezahlte Kaufpreis für das Gesamtareal mit den Gebäuden betrug etwa 800.000 Mark. Das zuletzt wohlhabende Dorf, das früher teilweise zum Gut Drage und teilweise zum Kloster Itzehoe, Vogtei Hohenwestedt, gehörte, war der Sage nach so arm, daß das Kirchspiel Hohenaspe es nicht aufnehmen wollte, es daher zum Kirchspiel Kellinghusen gelegt worden sei. Die meisten bisherigen Einwohner hatten sich in der Nähe wieder angesiedelt. Da auch von Schlotfeld, Lockstedt, Winseldorf usw. Ländereien vom Militär angekauft worden waren, so waren in den Grundbüchern der genannten Bezirke umfangreiche Änderungen vorzunehmen, wodurch der Abteilung für das Grundbuchwesen des Amtsgerichts Kellinghusen ein erheblicher Arbeitsaufwand entstand. Der Übungsplatz hatte ursprünglich einen Flächeninhalt von 500 Hektar, durch die Ankäufe im Jahre 1896 wurde er auf etwa 3.000 Hektar vergrößert und durch Einbeziehung der am 01.Mai an das Militär übergegangenen Ländereien erreichte der Übungsplatz die Größe von 4.500 Hektar, also ungefähr eine Quadratmeile. Ein im hiesigen Lazarett am 20.Mai an Lungenentzündung verstorbener Soldat der 7.Kompanie des Infanterieregiments Nr.31 wurde am 23.Mai auf dem Kellinghusener Friedhof beerdigt. Durch Tageszeitungen wurde berichtet, daß es in der Absicht der Militärbehörde läge, das Dorf Ridders möglichst bald vom Erdboden verschwinden zu lassen. Das sei aber nicht der Fall sagte das Militär. Um einer Feuersgefahr vorzubeugen, würden nur einige alte Gebäude mit weicher Bedachung teilweise abgerissen werden. Nur aus diesen Häusern wären kürzlich Öfen, Türen und Fenster öffentlich verkauft worden. Die übrigen Gebäude würden verschiedenen militärischen Zwecken nutzbar gemacht werden, besonders auch zur Aufnahme von Mannschaften und Pferden dienen, wenn ganze Divisionen das Lager bezögen. Die Zutrittsregelung zum Lager war Anfang Juni verschärft worden. Das Betreten des Übungsplatzes Lockstedter Lager durch Zivilpersonen war nicht mehr ohne Weiteres gestattet. Es waren bei der Kommandantur keine Einlaßkarten mehr wie früher nur auf mündlichen Antrag erhältlich. Man konnte fortan die Erlaubnis zur Besichtigung des Platzes nur noch auf Grund einer schriftlichen Eingabe unter Anführung einer Begründung bekommen. Bekanntlich bestand seit Herbst 1897 eine eigene Schule, welche von der Kommune Winseldorf unterhalten wurde. Da zwischen Winseldorf und dem Militärfiskus keine Beschlüsse über die Unterhaltungspflicht herbeigeführt werden konnten, wurde auch in Folge dessen der Bau eines neuen Schulhauses auf unbestimmte Zeit zurückgestellt. Als Schullokal diente anfangs eine Militärbaracke und später der Saal eines Hotels. Infolge Wachsens der Schülerzahl mußte für das verflossene Winterhalbjahr eine Halbtagsschule eingerichtet werden. Um diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu machen, hatte das Königliche Schulvisitatorium im Juni den Neubau eines Schulhauses angeordnet. Die Baukosten waren von der Kommune Winseldorf zu tragen. Da dieselbe den Bau aus eigenen Mitteln finanzierte, wie dies auch der Fall war bei der Errichtung des neuen Schulhauses in Winseldorf, so konnte, nachdem der Bauplatz bereits gekauft war, Bauplan und Riß für ein zweiklassiges Schulhaus mit zwei Familienwohnungen angefertigt werden. Zum 01.Oktober 1899 sollte das Haus bezogen werden können. In der ersten Juniwoche brannte eine fiskalische Heidefläche, die an der Bahn Itzehoe-Wrist lag, aus ungeklärter Ursache. Das sich bei dem herrschenden heftigen Winde schnell ausbreitende Feuer wurde von Seiten des Militärs in einigen Stunden gelöscht. Zwei Tage später kam wieder in einem fiskalischen Gehölz ein Feuer auf ungeklärter Weise zum Ausbruch, welches in kurzer Zeit einen ungeheuren Umfang annahm. Bevor von Seiten des Militärs die nötigen Mannschaften zur Löschung des Brandes zur Stelle waren, hatte das verheerende Element einen Waldbestand von zirka 7 Hektar vernichtet. Nachdem aber zirka 2.000 Mann zirka 1 Stunde gearbeitet hatten, wurde dem Feuer Einhalt geboten. Da der größte Teil des Waldes aus älteren Fichten bestand, erwuchs dem Fiskus aus dem Verlust derselben ein erheblicher Schaden. Der an der Rendsburger Chaussee belegene Hof "Neuenkrug" - bekannter unter dem Namen - "Hungriger Wolf" - war für 100.000 Mark in den Besitz des Fiskus übergegangen. Die Ländereien wurden teilweise vom Fiskus verpachtet. Die Wohnräume waren dem früheren Pächter von Sörensen's Hotel, Herrn Lange, pachtweise überlassen und ihm die Einrichtung einer Militärkantine gestattet worden. Am 21.Juni war ein Demonstrationsnachtschießen der I.Abteilung Feldartillerieregiment Nr.9 angesetzt. Gezeigt werden sollte der Beschuß von Gebäuden in Feindeshand nach vorheriger Aufklärung der Objekte durch einen Erkundungsoffizier. In diesem Falle war als Ziel das etwas abseits vom Dorfe Ridders stehende Meinke'sche Haus ausgewählt. Bereits am Nachmittag begann das Auspflocken der Kanonen und Einmessen des Zieles. Eine Stunde nach Sonnenuntergang startete die Vorführung für das Feldartillerieregiment Nr.9 und 24. Die zweite Batterie I./FAR 9 feuerte eine Salve von fünf Granaten auf das Ziel ab. Am nächsten Morgen wurde die Waffenwirkung besichtigt. Alle fünf Granaten hatten getroffen. Im Vorderteil des Hauses war die Wirkung gering, jedoch stand von dem hinteren Teil des Hauses nahezu nichts mehr. In Zeitungen fand man wiederholt die Beschreibung eines in der Nacht von Mittwoch zum Donnerstag (21.06.) stattgefundenen Nachtschießens, bei welchem das Dorf Ridders als Zielobjekt gedient haben und dem Erdboden gleichgemacht worden sein soll. Wenn auch von der geschilderten Treffsicherheit der Artillerie ausgegangen werden konnte (nach dem 5 Schuß sollte das Dorf in Flammen gestanden haben), so war die Glaubwürdigkeit des betreffenden Reporters umsomehr anzuzweifeln, denn tatsächlich dachte die Verwaltung nicht daran, die Gebäude des ehemaligen Dorfes Ridders den Granaten preiszugeben. Anmerkung: Die Veranlassung zu dem Gerücht, daß das Dorf Ridders dem Erdboden gleichgemacht werden würde, war wohl darin zu suchen, daß es der Artillerie ausnahmsweise gestattet wurde, ein Gebäude (das frühere Meinke'sche Wohnhaus) als Zielscheibe zu benutzen. Dasselbe war natürlich in kurzer Zeit in einen Trümmerhaufen verwandelt. Der Photograph Vahlendick aus Kellinghusen hatte im Juli 1899 eine photographische Aufnahme gemacht von dem kürzlich durch die Artillerie zerschossenen Haus in Ridders. Das betreffende Bild, in verschiedenen Größen hergestellt, hing in den bekannten Schaukästen zur Ansicht. Ein Schüler aus dem Lockstedter Lager hatte an einem Wochenende das Pech, auf ebener Erde hinzufallen und eine Hand zu brechen. Von einem Militärarzt wurde ihm im Lazarett ein Verband angelegt. Das hanseatische Infanterieregiment Nr.75 verließ am Mittwoch den 14.Juni das Lockstedter Lager und kehrte in einem Extrazug nach Bremen zurück. Am 15. bezog das Infanterieregiment Nr.163 aus Neumünster das Lager und blieb bis 06.Juli. Für die Aus- und Einschiffung der Truppen waren am Bahnhof die Einrichtungen verbessert worden, daß diese stets in wenigen Minuten erledigt waren. Ebenso war die Verladung von Geschützen sehr einfach. Als die 163er auf dem Bahnhof eintrafen, sahen sie die weithin sichtbaren schwarze Rauchwolken, die anzeigten, daß wieder einmal auf fiskalischem Gebiet ein Waldbrand ausgebrochen war. Diesmal waren zirka 10 Hektar alten Waldbestandes vernichtet worden. Durch schnelles Eingreifen aller im Lager verfügbaren Mannschaften war dem weiteren Umsichgreifen des Feuers vorgebeugt worden. Man nahm an, daß der Brand auf die Explosion eines Geschosses zurückzuführen war. Während der Zeit der militärischen Übungen wurden an Post und Eisenbahn bedeutende Anforderungen gestellt. Um denselben gerecht werden zu können, waren dem hier angestellten Postverwalter sowie dem Vorsteher am Bahnhof Mitte Juni je zwei Assistenten zugewiesen. Postassistent Sievers wurde gleichzeitg von hier nach Flensburg versetzt, während dessen Stelle durch den Postassistent Petersen ausgefüllt werden würde. In der 24 Kalenderwoche starb im Lazarett des Lagers ein Artillerist aus Güstrow an Blinddarmentzündung. Die Leiche wurde in die Heimat übergeführt. Ein zweiter Artillerist der wegen derselben Krankheit im Lazarett lag, hoffte darauf, das Krankenlager als geheilt verlassen zu können. (Es liegen keine Hinweise auf seinen Tod vor.) Noch im Juni wurde bekannt: "Für unsere Volksschule, welche zur Zeit in einem Privatgebäude untergebracht ist, soll noch in diesem Jahre ein neues zweiklassiges Schulgebäude mit zwei Lehrerwohnungen aufgeführt werden. Von den eingereichten Bauplänen wurde heute der vom Zimmermeister Herman Delfs aus Kellinghusen ausgearbeitete Plan für die Ausführung bestimmt. Über den Bauplatz muß noch eine Einigung herbeigeführt werden. Sobald diese erfolgt und die behördliche Genehmigung erteilt ist, soll mit dem Bau begonnen werden." Bei einigen Batterien des Artillerieregiments Nr.24 war gegen Ende Juni die Diphtherie ausgebrochen, dadurch war das Lazarett übermäßig sehr stark belegt. Einige Fälle von Blinddarmentzündung und Lungenkatarrh hinzugerechnet, betrug die Zahl der Kranken zwischen 20 und 30. Um ein Umsichgreifen der Diphtherie, die nicht gerade bösartig auftrat, zu verhindern, war den Mannschaften des Infanterieregiments Nr.163 und des Artillerieregiments Nr.9 aufs Strengste untersagt, mit den Mannschaften des Artillerieregiments Nr.24 zu verkehren. Trotz aller Maßnahmen zur Heilung der Erkrankten war von den unter den 24ern an Diphtherie erkrankten Mannschaften leider 1 Mann der tückischen Krankheit erlegen. Begleitet von seiner Kompanie nebst Offizieren wurde der Verstorbene am Dienstag, den 27.Juni in Kellinghusen beerdigt. Weil zwischenzeitlich auch 2 Mann vom Artillerieregiment Nr.9 an Diphtherie erkrankt waren, hatte das Regiment zwecks Isolierung in die Garnison abrücken müssen. Das Jägerbataillon Nr.9, welches am 29.Juni abends einrückte, hielt bis zum 06.Juli mit dem Infanterieregiment Nr.162 und 163 zusammen Übungen ab. Die beiden letzteren wurden am 29.Juni durch den Kommandierenden General des IX.Armeekorps von Massow besichtigt. Am 05.Juli kam endlich die Entwarnung. Ohne, daß noch weitere Todesfälle eintraten, waren sämtliche Diphtherie Kranken genesen und aus dem Lazarett entlassen worden. Ein Musketier der 6.Kompanie des Infanterieregiments Nr.163 hatte sich am Tage vor dem Abrücken in die Garnison Neumünster heimlich von seinem Truppenteil entfernt. Der Soldat soll an Schwermut gelitten haben. Ein anderer Soldat, der sich acht Tage in der hiesigen Gegend umhergetrieben hatte, war in der Nähe des Lagers wieder aufgegriffen worden. Zu Beginn des Juli verließ der Gendarm Frundt das Lager um seinen Dienst in Krempe wieder anzutreten. An seiner Stelle war der Gendarm Bebensee aus Hohenaspe für einen Monat stationiert. Der Feuerlöschinspektor Wernich aus Kiel inspizierte am 04.Juli die Zwangsfeuerwehr in Winseldorf. Auf den Marsch ins Lockstedter Lager machte sich am 07.Juli das III.Bataillon der Königin Füsiliere aus Sonderburg. Für den beinahe 130 Kilometer langen Marsch benötigten die Füsiliere vier Tage. Der erste Marschtag diente auch zum Defilee des Bataillons in Sektionskolonnen vor der Kaiserin am Schloß Gravenstein aus Anlaß des Geburtstages des Prinzen Eitel-Fritz. Nach der Parade wurde in Gravenstein und Umgebung Quartier gemacht. Am nächsten Morgen ging es dann zügig bis Schleswig, von dort nach Rendsburg und am letzten Tag direkt ins Lockstedter Lager, wo ab Dienstag dem 11.Juli die Schießen begannen. Als Erleichterung für die marschierende Truppe waren die Tornister auf zusätzlich eingefügten Bataillonsbagagewagen transportiert worden. Die Dauer des Aufenthaltes war geprägt vom Einüben einer neuen Gefechtsformation. Die Kämpfer in Südwestafrika hatten mit der Art, wie die Buren kämpften, erhebliche Verluste erlitten. Geübt wurde der "Buren-Angriff". Da es in allen modernen Armeen für den Verteidiger erster Grundsatz war, nur solche Ziele zu beschießen, die infolge ihrer Größe und Dichtigkeit ein gutes Trefferresultat gewährleisteten, mußte der Angreifer bestrebt sein seine Infanterie in kleinen und weit auseinander gezogenen Gefechtskörpern an den Feind heranzubringen, daß sie von diesem mit Rücksicht auf seine verfügbare, immer mehr oder minder beschränkte Munition überhaupt nicht beschossen wurden. Der neue sogenannte "Buren-Angriff" versuchte, statt der bisher geschlossenen Linien und Schützenschwärme, die infolge ihrer Größe und Dichtigkeit, beide dem Gegner ein vorzügliches Zielobjekt boten, ganz dünne Linien, zwischen Mann und Mann etwa 6 bis 10 Schritt Zwischenraum, in angemessenen Abständen einander folgend, so weit vorzutreiben, bis der Gegner mit Aussicht auf Erfolg das Feuer eröffnen würde, wenn irgend möglich bis zu einer nahe an der feindlichen Stellung gelegenen natürlichen Deckung. Verstärkt durch immer neue Wellen, sollte von der letzten Deckung das eigene Feuer eröffnet und somit der eigentliche Angriff begonnen werden. Dieses vereinzelte und beinahe selbständige Vorgehen der Schützen, bei welchem das gewohnte Kommando in seiner Wirkung herabgesetzt und Führung und Kontrolle des einzelnen Mannes fast unmöglich war, mußte der einzelne erlernen selbständig und nach erteiltem Auftrag zu handeln. Die für die deutschen Soldaten typische "Auftragstaktik" wäre geboren gewesen, wenn der Bataillonskommandeur nicht vom "Regimenter" auf die Einhaltung der geltenden Vorschriften verwiesen worden wäre, erst im Jahre 1906, als lokale Kriege (russisch-japanischer) ausgewertet waren, erschien ein neues Exerzierreglement. Durch den Gendarm Bebensee wurden vor einigen Tagen drei vagabundierende Individuen verhaftet, welche sich das Vergnügen machten, die Porzellanglocken der Telegraphenleitung Itzehoe-Lockstedter Lager zu zertrümmern. Der Chausseewärter Rehder wurde rechtzeitig auf das Zerstörungswerk aufmerksam gemacht. Die Übeltäter sahen einer exemplarischen Strafe entgegen. Durch zwei Maurergesellen wurden verschiedene Gartendiebstähle ausgeführt; auch haben dieselben mutmaßlich zwei Baubuden des Bauunternehmers Möller aus Elmshorn aufgebrochen und beraubt. Die Infanterieregimenter Nr.84 und Nr.86 waren durch Sonderzüge am Anfang des Monats hierher befördert worden, am 12. d.M. trafen die Husarenregimenter Nr.15 und Nr.16 auf dem Landweg hier ein. Auch eine Kompanie Pioniere war im Lager anwesend. Drei Sonderzüge beförderten die Infanterieregimenter Nr.84 und Nr.86 am 22.Juli in die Garnisonen zurück. Am 23.Juli trafen die Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85 ein und übten hier mit den beiden Husarenregimentern Nr.15 und Nr.16 bis Anfang August. Da die Hauptlagerstraße für den öffentlichen Verkehr gesperrt worden war, hatte der Fiskus es übernommen, einen anderen Verbindungsweg mit Schlotfeld und Hohenaspe herzustellen. Schon kurz nach der Sperrung arbeiteten 2 Kompanien Pioniere an der Herstellung einer zirka 100 Meter langen Brücke über ein sumpfiges Wiesental. Die Kommandantur sah sich genötigt eine Erklärung, betreffend das Betreten des Lagers, abzugeben. Zu den in den Zeitungen veröffentlichten Berichten sei anzumerken, daß zwar keinem anständigen Besucher des Lagers ein Erlaubnisschein vorenthalten würde, jedoch werde ein solcher nur während der Geschäftsstunden von der Kommandantur ausgegeben. Besonders möge der Besucher bedenken, daß am Sonntag nur vormittags ein Erlaubnisschein zu erlangen wäre, so daß ein Betreten des Lagers am Nachmittag nicht möglich sei, wenn man sich nicht vorher einen Schein verschafft hätte. Da eine aufgetretene Brustseuche unter den Pferden der 1. und 4.Eskadron des Husarenregiments Nr.15 noch nicht erloschen war, wurden anläßlich des Rückmarsches am 05., 06. und 07.August nur die Offiziere und Mannschaften der betreffenden Eskadronen in den umliegenden Ortschaften einquartiert, während die Pferde biwakierten, so wie die Soldaten der Eskadronen, die schon im Lager längere Zeit in abgesonderten Zelten untergebracht waren. Während einer Gefechtsübung hatte in der letzten Woche des Juli ein Unteroffizier des Husarenregiments Nr.15 das Unglück, mit seinem Pferd zu stürzen, worauf zwei nachfolgende Husaren ebenfalls zu Fall kamen. Während diese mit einigen Verrenkungen davon kamen, hatte der Unteroffizier einen schweren Beckenbruch erlitten, an dessen Folgen er kurz darauf verstarb. An Stelle des wieder in den Bezirk Hohenaspe zurückbeorderten Gendarmen Bebensee war für den Monat August der Gendarm Schwarz aus Glückstadt hierher kommandiert worden. Der königliche Erlaß traf bei der Garnisonsverwaltung erst am 02.August ein. "Des Königs Majestät haben durch allerhöchsten Erlaß vom 01.Juli d.J. zu genehmigen geruht, daß die Landgemeinde Ridders mit dem Gutsbezirk Bücken zu einem selbständigen Gutsbezirk mit dem Namen "Gutsbezirk Lockstedter Lager" vereinigt wird. - Diejenigen Gemeinden, welche Ländereien an den Militärfiskus abgetreten haben, haben sich einer Vorfrage gegenüber betreffender Umgemeindungen derselben ablehnend verhalten, da dann durch den Wegfall der Grundsteuer den betreffenden Gemeinden ein bedeutender Schaden erwachsen würde. Daß aber das Lager selbst diesem Gutsbezirk beigelegt wird, ist nur eine Frage der Zeit. Für die Privatanwohner wird damit ein entscheidender Wendepunkt eintreten." Am 11.August wurde die Leiche eines im hiesigen Lazarett an Lungenentzündung verstorbenen Grenadiers des Infanterieregiments Nr.89 nach Schwerin überführt. Die beiden Grenadierregimenter Nr.89 und Nr.90 waren am 19.August wieder in ihre Garnisonen (Mecklenburg) zurückbefördert worden. Ein Schwerkranker mußte im hiesigen Lazarett zurückbleiben. Am Dienstag 22.08. bzw. Donnerstag, den 24.08. trafen hier die Infanterieregimenter Nr.75 und Nr.76 ein und blieben bis zum 06.September hier. An Stelle des hier für den Monat August stationierten Gendarmen Schwarz aus Glückstadt war für den Monat September der Gendarm Fleck aus Kellinghusen hierher beordert. In der militärfreien Zeit wurde das Lager dem Gendarm aus Itzehoe wieder unterstellt.
Der Kommandierende General des IX.Armeekorps, von Massow, war am 05.September im Lager anwesend, um die Infanterieregimenter Nr.75 und Nr.76 (33.InfBrig) zu inspizieren. Am 06. wurden dieselben dann ins Manövergelände nach Mecklenburg befördert. Nachdem dann noch vom 11. bis 17.September das I.Seebataillon aus Kiel (4-500 Mann) hier Schießübungen abgehalten hatte, waren damit die diesjährigen Übungen beendet. Von argem Mißgeschick wurde der Postverwalter Herr von Helms betroffen, indem sein in Sörensen's Hotel belegenes Zimmer in seiner Abwesenheit vollständig ausbrannte. Sämtliche Bücher, Kleidungsstücke und Bett waren verbrannt, so daß ihm, da unversichert, ein Schaden von 2-300 Mark erwuchs. Die Brandursache blieb unbekannt. Herr Lange, früher Pächter des Sörensen'schen Hotels, dann Pächter des "Hungrigen Wolf" auf fiskalischem Gebiet, erlitt einen empfindlichen Verlust dadurch, daß ihm in einer der letzten Nächte des September die Speisekammer geleert, sowie mehrere Flaschen Getränke entwendet worden waren. Die Verlegung der Bahrenfelder Artillerie nach Schwerin erfolgt am 22.September. Die Abteilung rückte nach dem Herbstmanöver vom Manövergelände aus direkt nach Schwerin in die neue Kaserne. Die Verlegung war seit Jahren zu erwarten, denn als Standort der IV.Abteilung war in der Rang- und Quartierliste der preußischen Armee stets nur Altona aufgeführt worden. Der Bestand der Garnison Bahrenfeld wurde gleichzeitig ab September erhöht, d.h. auf ein Regiment gebracht. Dieses wurde neu gebildet aus einem in Bahrenfeld verbliebenem Stamm der IV.Abteilung und aus Mannschaften der 9.Feldartilleriebrigade, die Bezeichnung lautete "Feldartillerieregiment Nr.45". Ende November kam das Wach- und Arbeitskommando des IX.Armeekorps im Lager an. Das Kommando, das vorwiegend aus Handwerkern bestand hatte in diesem Jahr eine Stärke von 154 Mann. Am 21.Dezember kehrten etwa 100 Mann des Kommandos in ihre Standorte zurück, die restlichen 50 Mann verblieben als Wachkommando im Lager. Anfang des neuen Jahres sollte das Arbeitskommando wieder eintreffen. Aufgabe des beginnenden Einsatzes war unter anderem die Anlage eines Mannschaftsparks und Durchführung von kleineren Reparaturen an den Einrichtungen. |