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Mit einem kräftigen Paukenschlag erschütterte der Militärfiskus Mitte Januar das Besitzstandsdenken der etablierten Kantinenwirte, die auf fiskalischem Gebiet ihre Geschäfte hatten. Sämtlichen Kantinenwirten, die auf dem Lagerterrain wohnten wurde die Konzession zum 01.März 1891 gekündigt. Zum selben Termin mußten sie ihre Wohnungen und Etablissements geräumt haben - ein schwerer Schlag für die Betroffenen. Alles deutete auf grundlegende Veränderungen hin. Bereits gegen Ende des Monats war der Kommandierende General von Leszczynski im Lockstedter Lager anwesend, um die betreffenden Grundstücke, die zur Vergrößerung des Lagerterrains notwendig waren, zu besichtigen. Ob der Fiskus kaufen würde oder pachten stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest.
Ab dem 20.Februar war das gesamt IX.Armeekorps mit dem neuen kleinkalibrigen Repetiergewehr ausgerüstet. Die Einheiten des Korps hatten sich in kürzester Zeit mit dem Gewehr vertraut zu machen und die Übungen gemäß Exerzierreglement zu schießen. In jedem Falle wurde vom Korps auf die Durchführung von Gefechtsschießen, maximal im Bataillonsrahmen, auf dem Lockstedter Schießplatz hingewiesen. Zur Vorbereitung der Schießen traf Anfang April ein Vorkommando des Infanterieregiments Nr.31 im Lager ein. Das Vorkommando mußte sämtliche Schießbahnen, die für für Gefechtsschießen mit Gewehr freigegeben waren hinsichtlich der Hindernisfreiheit überprüfen. Es war festzulegen auf welchen Bahnen unter Berücksichtigung des Sicherheitsbereiches geschossen werden durfte. Im Lager begann der Neubau des Garnisonsverwaltungsgebäudes, bauausführender Maurermeister war Herr Heinrich Michels. Dieser suchte per Zeitungsanzeige mehrere Maurer, denen ein guter Lohn, 4,50 Mark, versprochen wurde. Der Meister konkurrierte mit anderen Maurermeistern, die fiskalische Gebäude bauten, so war auch mit dem Bau eines Gebäudes mit Dienstwohnungen für die hier stationierten Feuerwerker begonnen worden. Für das Lockstedter Lager war das auf der letzten Hamburger Ausstellung (März) aufgebaut gewesene elegante Restaurant "Zu den vier Jahreszeiten" von dem Wirt Appel gekauft worden, um an der Nortorfer Chaussee wieder in seiner alten architektonischen Schönheit aufgebaut zu werden. Das Restaurant sollte für die kaiserlichen Diners während der Manöver und Schießübungen genutzt werden, auch würde der Kaiser sein Quartier im Gebäude der "Vier Jahreszeiten" nehmen. (Beides war zu bezweifeln, da im Lager ein neues, geräumiges Offizierskasino mit eigenem Wirtschaftsbetriebe vorhanden war.) Mit aller Kraft wurde an der Aufstellung des Pavillons (Vier Jahreszeiten) aus der Hamburger Gewerbe Ausstellung gearbeitet. Der Pavillon erhielt den Namen "Kaiserpavillon" und sollte bis zum Eintreffen des Kaisers in der zweiten Hälfte des April im Lager, wo er ein Bataillon des Infanterieregiments Nr.31 mit dem neuen kleinkalibrigen Gewehr im Scharfschießen inspizieren würde, fertiggestellt werden. Die Nachricht, daß der Kaiser in das Lager kommen würde, mit allen dazugehörenden vorauseilenden Aktivitäten, beruhte auf einem Gerücht. Für den Empfang des Kaisers im Lockstedter Lager wurden große Vorbereitungen getroffen. Der Lagerkommandant Hauptmann Kramer, hatte bereits Abkommen mit Dekorateuren und Gärtnern zur Herstellung von Ehrenpforten usw. abgeschlossen. Das IX.Armeekorps hatte entschieden, daß wegen der Unzulänglichkeiten der Schießstände bei Bahrenfeld auch in diesem Jahr das Infanterieregiment Nr.31 seine gefechtsmäßigen Schießübungen auf dem Schießplatz Lockstedter Lager abhalten und das Lager bataillonsweise beziehen. Termine wurden gleich koordiniert und befohlen, so sollte das II.Bataillon vom 16. bis 24.April, das III.Bataillon vom 24.April bis 02.Mai und das I.Bataillon vom 02. bis 10.Mai das Lager benutzen. Gleichzeitig wurde in diesem Jahre auch den Hamburger Bataillonen des Infanterieregiments Nr.76 befohlen ihre Schießübungen im Lager abzuhalten und das II.Bataillon am 15.April, das I.Bataillon am 07.Mai mit je achttägiger Übungsdauer. Alle Bataillone würden per Eisenbahntransport das Lager erreichen. Das Bahnhofsgebäude im Lockstedter Lager war fertiggestellt worden. Am 23.April wurde das Gebäude feierlich, unter Beteiligung vieler Honoratioren, der Öffentlichkeit übergeben. Das Ausschreibungsverfahren für die Vergabe der Konzession für den Wirtschaftsbetrieb mit Restauration durch die königliche Eisenbahndirektion war kurz vor Übergabe abgeschlossen worden. Der erste Pächter gab das Lokal bereits nach kurzer Zeit auf. Die Restauration wurde zum 01.November neu verpachtet. Die Artillerieschießübungen im Lager auf der Lockstedter Heide wurden im Sommer wie folgt abgehalten: Feldartillerieregiment Nr.10 vom 16.Mai bis 04.Juni, Feldartillerieregiment Nr.26 vom 03. bis 21.Juni, Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 vom 23.Juni bis 19.Juli. Am 04.Juni vollzog sich ein Wechsel in der Belegung des Lockstedter Lagers. Nachdem am Sonnabend, den 30.Mai und Montag, den 02.Juni, die Inspizierung des Feldartillerieregiments Nr.10 stattgefunden hatte, verließ das Regiment am 04.Juni das Lager, gleichzeitig wurden die Baracken wieder vom Feldartillerieregiment Nr.26 belegt. Obwohl die Eisenbahn einen Transport bis zum Lockstedter Lager möglich gemacht hätte, wurde ein Teil des Regiments mit der Bahn bis nach Wrist transportiert. Der Kommandeur des X.Armeekorps, General Bronsart von Schellendorf führte am 20.Juni die Inspektion des Feldartillerieregiments Nr.26 durch. Nachdem die Inspektion stattgefunden hatte, bereitete sich das Regiment auf den Abmarsch vor und kehrte am 21.Juni in die Garnisonen Verden und Oldenburg zurück. Am Montag, den 23.Juni, rückte die 9.Feldartilleriebrigade in das Lager ein und begann die Schießübungen am folgenden Tag. In der Presse war angekündigt worden, daß die Batterien der 9.Feldartilleriebrigade am 07.Juli ein großes Nachtschießen durchführen würden. An besagtem Tag pilgerten Hunderte von Schaulustigen zu den Begrenzungen der Schießbahn II. Leider kamen sie vergebens, da der Termin für das Schießen kurzfristig abgeändert wurde. Neuer Termin war der 16.Juli. An diesem Abend fand tatsächlich ein Nachtschießen statt. Zu dem Schießen war Se. Exzellenz General von Leszczynski im Lager anwesend. Gegen 2100 Uhr rückten einige Batterien aus und nahmen auf dem Schießplatz Aufstellung. In der Ferne sah man ein Wachfeuer brennen, das als Ziel dienen sollte. Die zahlreichen Zuschauer verfolgten die Vorbereitungen, soweit es die Dämmerung gestattete mit Spannung. Endlich waren dieselben beendet, die kleinen Laternen in einiger Entfernung vor den Geschützen auf dem Erdboden platziert und nun krachte die Salve einer Batterie los und zwar so gleichzeitig, daß man nur einen Schuß zu hören glaubte. Sausend flogen die Granaten durch die Luft und schlugen in die Wachfeuer ein, wo sie krepierten. Das Einschlagen der Geschosse war ganz deutlich wahrzunehmen. In längeren Zwischenpausen folgten dann noch zwei Salven und vorbei war das Nachtschießen. Die noch im Warteraum aufgefahrenen Batterien kamen nicht mehr zum Zuge. Der Feind wurde durch Kanonenschläge dargestellt. Dann strömte das Publikum zum Lager hinein, wo inzwischen der Konzertplatz vor dem Offizierskasino durch eine große Anzahl kleiner Lampen erleuchtet war. Eine Regimentskapelle spielte dort und ein Feuerwerk sorgte für eine angenehme Überraschung. Die sorgfältig gepflegten, schönen Anlagen, sowie die angelegten Teppichbeete boten in diesem Lichterglanz einen sehr imposanten Anblick. Viele, die sich von einem Nachtschießen eine großartigere Vorstellungen gemacht hatten, mögen durch dieses Abendfest die Enttäuschung vergessen haben und doch befriedigt nach Hause zurückgekehrt sein. Die Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 verließen das Lager am 20.Juli. Im Lager waren noch das Infanterieregiment Nr.85 und ein Bataillon des Infanterieregiments Nr.84. Die Einheiten wurden abgelöst durch die mecklenburgischen Infanterieregimenter Nr.89 und Nr.90, welche am 30.Juli einrückten. In der Zeit vom 22. bis 27.August 1890 war das 1.Großherzoglich Mecklenburgische Dragoner Regiment Nr.17 im Lockstedter Lager einquartiert. Das Regiment war im Februar mit dem Gewehr M/88 ausgerüstet worden und schoß nun zum erstenmal gefechtsmäßig mit den ebenfalls neu eingeführten rauchlosen Patronen. Das Regiment nahm am Brigademanöver der 33.Infanteriebrigade im Raum Itzehoe teil, war aber im Lager garnisoniert. Nach Abschluß des Exerzierens verlegte das Regiment vom Lockstedter Lager aus zurück nach Schleswig. Ab dem 11.September war wieder eine Unteroffiziersübungskompanie des IX.Armeekorps mit insgesamt 96 Mann im Lager eingezogen. Die Ausbilder waren von der Unteroffiziersschießschule in Spandau aus ins Lager kommandiert. Die Unteroffiziere sollte auf künftige Aufgaben als Führer einer militärischen Formation vorbereitet werden. Die Übungskompanie wurde am 16.Oktober aufgelöst und die Soldaten zu ihren Einheiten in Marsch gesetzt. 1891Die Bataillone der Hamburger Garnison versammelten sich ab Mitte des Monats nacheinander im Lockstedter Lager um Schießübungen durchzuführen. In den Einheiten waren auch Reservisten, die am 12.Januar bei den 8 Infanterieregimentern des IX.Armeekorps eine 10tägige Übung zu absolvieren hatten, weil sie wegen ihres Berufs als Seeleute oder Binnenschiffer zu den Sommer- und Herbstübungen nicht herangezogenen werden konnten, auch die aus anderen Gründen bisher nicht einberufenen Reservisten der Provinzial Infanterie hatten zu erscheinen. Die Einberufung erfolgte, soweit es möglich war, zu denjenigen Regimentern, bei denen die Leute früher gedient hatten und war die Reserveübung derart geregelt worden, daß die Mannschaften am 12.Januar, die Unteroffiziere bereits einen Tag früher bei ihren Truppenteilen eintrafen. An der Spitze des IX.Armeekorps hatte wieder ein Führungswechsel stattgefunden. Der General der Infanterie von Leszczynski wurde mit Wirkung vom 02.Februar 1891 mit Pension zur Disposition gestellt und zum Chef des Infanterieregiments Markgraf Karl ernannt. Auf General von Leszczynski folgte, General der Kavallerie und Chef des Generalstabes der Armee und General Adjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs, Graf von Waldersee. General von Leszczynski hatte mit Bekanntgabe seiner zur Dispositionstellung bei einem Hamburger Steinmetzen einen Erinnerungsstein an seine Dienstzeit als Kommandeur des IX.Armeekorps in Auftrag gegeben. Der Stein wurde im April im Beisein ehemaliger Mitarbeiter des Armeekorps enthüllt. Nach der Zeremonie lud General von Leszczynski die Teilnehmer in das Kasino ein. In der zweiten Woche des Februar gab es im Gebiet des Lagers ein ergötzliches Schauspiel zu sehen. Am 10.Februar, morgens etwa gegen 1000 Uhr, wurde auf der Nortorfer Chaussee ein junger Stier, welcher dem Schlachter Fischer aus Itzehoe gehörte und von Dickmann aus Lockstedt gekauft worden war, wild. Das Tier riß sich los und rannte, immer von seinen Führern verfolgt, auf Schlotfeld und Hohenaspe zu und gegen 1500 Uhr nach Lola zurück, dann kreuz und quer durchs Lager und schließlich in die Tannen von Hahn. Da das aufgeregte Tier niemanden, ohne daß man Gefahr lief über den Haufen gerannt zu werden, an sich herankommen ließ, wurde es gegen 1600 Uhr durch 3 gezielte Schüsse durch Hans Thode niedergestreckt. Schaden hatte der junge Stier nicht angerichtet. Das Filial Artilleriedepot, welches bis zum April in Stade war, war zum Lockstedter Lager verlegt worden und das Material, sowie Pulver und Munition in den im vorigen Jahre im Nordwesten des Lagers neu erbauten großen Wagenhäusern und Pulvermagazin untergebracht. Verwaltet wurde das eingelagerte, umfangreiche Material durch einen Zeugleutnant, der vorher in Metz stationiert war, durch einen Zeugfeldwebel und einen Zeugsergeanten, welche bisher in Stade stationiert waren und nun ihren festen Wohnsitz im Lager erhalten hatten. Die Verlegung des Filial Artilleriedepots hing mit der am 01.April von Stade nach Itzehoe versetzten II.Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.9 zusammen. Am 27.April traf das Arbeitskommando der 9.Feldartilleriebrigade in Stärke von zirka 90 Mann ein, um die allgemeinen Arbeiten der diesjährigen Artillerie Schießübungen auszuführen. Außer diesen Arbeitern traf am 2. Mai ein Vorkommando von etwa 60 Mann hier ein, um speziell für die 9.Feldartilleriebrigade Vorbereitungen zu treffen. Seit dem 01.Mai wurden bei der Fahrkarten Ausgabestelle im Lockstedter Lager Arbeiter Wochenkarten nach Kellinghusen zu erheblich ermäßigtem Preis verkauft. Die Karten hatten an sechs aufeinanderfolgenden Wochentagen Gültigkeit, mit der Berechtigung zur einmaligen Fahrt (hin und zurück) täglich, der Preis einer solchen Karte betrug 40 Pfennig. Diese Maßnahme wurde getroffen, um den vielen aus Kellinghusen im Lager beschäftigten Handwerkern und Arbeitern eine billige Fahrgelegenheit zu gewähren. Die Schießübungen auf dem Schießplatz des Lockstedter Lagers hatten wieder begonnen. Am 23.Mai hatte das Feldartillerieregiment Nr.9 das Lager bezogen, es blieb dort bis zum 17.Juni. Am Freitag, den 19.Mai, traf das Feldartillerieregiment Nr.24 ebenfalls ein, dieses beendete seine Schießübungen am 22.Juni. Das Lagerleben war also wieder voll im Gange und ein Besuch im Lockstedter Lager wurde als lohnend angesehen. Bei den Exerzitien im Lockstedter Lager stürzte ein Mann von der reitenden Feldartillerieabteilung mit dem Pferde und zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, daß seine Überführung in das Garnisonslazarett Neumünster notwendig wurde. In den Zeitungen der Umgegend suchten verschiedene Maurermeister, die Bauaufträge auf dem Lagerterrain übernommen hatten, nach Maurern und Tagelöhnern. Der Tagelohn war wie schon an anderer Stelle erwähnt für Maurer 4,50 Mark. Der ortsübliche Tageslohn im Kreise Steinburg mit Ausnahme der Stadt Itzehoe war für männliche Personen über 16 Jahre auf 2,00 Mark, für weibliche auf 1,20 Mark festgesetzt worden. Für männliche Personen unter 16 Jahren auf 0,90 Pfennig, für weibliche auf 0,70 Pfennig. Die Reservisten des ersten Kontingents der Ersatzabteilungen der Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24, insgesamt zirka 800 bis 900 Mann mußten sich am 02.Juni im Lockstedter Lager bei ihren Einheiten zwecks Einkleidung und Eingliederung in die Batterien melden. Der zwölftägige Aufenthalt diente in aller erster Linie zum Vertrautmachen mit dem neuen Gewehr, natürlich fehlte nicht der formalmäßige Drill mit "Griffe klopfen" und marschieren. Obwohl der Dienst anstrengend war bestand reichlich Gelegenheit zum Besuch der zivilen Etablissements die an der Nortorfer Chaussee aufgereiht waren. Anfang Juni war auf der Schlotfelder Heide ein Flächenbrand ausgebrochen. Die Lagerfeuerwehr wurde alarmiert und rückte mit beiden Spritzen zum Brandherd aus, zusätzlich wurde von den Regimentern Nr.9 und Nr.24 je eine Kompanie Soldaten zur Feuerbekämpfung eingesetzt. Der Brand war innerhalb von zwei Stunden unter Kontrolle gebracht. Eine an der Brandstelle zurückgelassene Feuerwache konnte nach fünf Stunden wieder abgezogen werden. Als Folge eigener Unvorsichtigkeit zog sich am 13.Juni ein Kanonier, der als Schlosser zum Artilleriearbeitskommando kommandiert war, durch unerlaubtes Zerlegen des Zünders einer Granate eine gräßliche Verstümmelung beider Hände zu, so daß die linke Hand über dem Gelenk abgenommen und von der rechten Hand der Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger amputiert werden mußte. Weitere Folgen für den jungen Mann, der den Beruf des Schlossers gelernt hatte - konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben, bekam, weil das Unglück außerdienstlich geschehen war, auch keine Entschädigung und wurde, weil es streng untersagt war, sich mit solchen Gegenständen zu beschäftigen, auch noch eine Disziplinarstrafe. Dieser Vorfall wurde einmal mehr als Grundlage für eine Belehrung der Truppe genommen, worin jeder davor gewarnt wurde, gefundene Granaten, selbst Teile davon zu berühren, um solche Vorkommnisse, welche in der Regel zu einem schlimmen Ausgang führen, zu verhüten. Nachdem die Landbesitzer der Dorfschaften Lockstedt, Ridders und Silzen vor längerer Zeit ein dringendes Gesuch an den Reichskanzler gerichtet hatten, worin sie den sich stetig verschlimmernden Notstand schilderten, der durch die Absperrung ihrer Ländereien während der Schießübungen zur Unerträglichkeit geworden war (es wurde einigen Besitzern der Zugang zu mehr als einem Viertel ihres Besitzes während voller zweier Sommermonate verwehrt, das Land also fast wertlos gemacht), hatte Ende Juli eine aus vielen Stabs- und Generalstabsoffizieren bestehende Kommission, zu welcher auch der Landrat des Kreises Steinburg hinzugezogen war, an Ort und Stelle eingehende Besichtigungen und Prüfungen vorgenommen und es verlautete, daß nach Lage der Dinge eine baldige Enteignung der in Betracht kommenden Ländereien zweifelsfrei zu erwarten war. Auf dem Schießplatze des Lockstedter Lagers ereignete sich am 10.Juli ein entsetzliches Unglück. Ein Kugelsucher aus Itzehoe fand eine Granate, an welcher er sich zu schaffen machte. Dieselbe krepierte und richtete den Mann in Grauen erregender Weise zu, der Bauchraum war geöffnet, die Eingeweide waren ihm aus dem Leibe gerissen. Nach zwei Stunden erlag der Verunglückte seinen Verletzungen. Es stellte sich die Frage, warum sich Menschen immer wieder der Gefahr aussetzen durch Blindgänger verletzt zu werden. Das Feldartillerieregiment Nr.26, das sich seit dem 21.Juni auf dem Schießplatz beendet, hatte seine zugeteilte Munitionsmenge verschossen und verließ das Lager am 11.Juli im Landmarsch in Richtung Glückstadt um von dort mit Dampfern nach Stade übergesetzt zu werden. Ein paar Tage später, (15.Juli) marschierten die beiden Rendsburger Bataillone des Infanterieregiments Nr.85 von Norden her ins Lager. Der Einmarsch erfolgte ohne Spiel der Musikkapelle. Zwei Tage später kam auch das Kieler Bataillon hinzu. Dieses Bataillon war mit der Bahn nach Neumünster transportiert worden, von dort aus erfolgte der Landmarsch des Bataillons zu den zugewiesenen Unterkünften. Einfacher hatte es das Infanterieregiment Nr.86, welches bis zum Bahnhof Lockstedter Lager transportiert wurden. Selbst der Besuch des Kommandierenden Generals des IX.Armeekorps Graf Waldersee anläßlich der Besichtigung der Infanterieregimenter Nr.84 und Nr.86 ging unter in den hitzigen Debatten, die Zeitungsberichte, einmal in der Weser Zeitung und in verschiedenen Berliner Zeitungen ausgelöst hatten. Thema der Berichte war die Nachricht, daß das Kriegsministerium beabsichtigen würde den Schießplatz Lockstedter Lager aufzuheben, weil die Schießbahnen für die weittragenden Geschütze nicht lang genug wären. Selbst der Landrat wurde involviert und gebeten für Klarheit zu sorgen. Der Landrat bat das IX.Armeekorps um Auskunft. Das Korps antwortete, daß diese Nachricht dahin zu präzisieren sei, daß das Lockstedter Lager fortan nur vom IX.Armeekorps benutzt werden würde, während bisher auch ein Teil des X.Armeekorps dort Schießübungen abgehalten hätte. Für dieses Korps würde ein Lager in der Nähe von Lüneburg errichtet. Das Lockstedter Lager würde nicht aufgehoben, sondern durch Ankauf von Gelände noch vergrößert werden, da es notwendig wäre, für die Artillerie ein Schießterrain von 6000 Meter Entfernung zu schaffen und für die Infanterie, um die Sicherheit nicht zu gefährden, eine Distanz von 4000 Meter erforderlich sei. Außerdem wären 2000 Meter zur Bewegung der im Feuer manövrierenden Truppen nötig. Im Lockstedter Lager sollte fortan eine ständige Garnison liegen und im folgenden Sommer dort die Konzentrierung des IX.Armeekorps in Aussicht genommen sein. Diese Erklärung beruhigte erst einmal die Gemüter und trotzdem beinhalteten die Zeitungsnachrichten Hintergründe, die vom IX.Armeekorps verschwiegen worden waren. Zur Abrundung der Jubiläumsfeier des Feldartillerieregiments Nr.9, die bereits am 27.September in Itzehoe ihren Anfang nahm, fand am Montag den 28. auf dem Schießplatz ein Pferdewettrennen, veranstaltet von sämtlichen Offizieren des Regiments, statt. Allem Anschein nach war dieses Rennen zu den großartigsten zu zählen, welche hier jemals stattgefunden haben. Unter anderem sei bemerkt, daß Trinkzelte für die Offiziere und auch für Zivilpersonen errichtet worden waren, so daß außer dem Rennfieber auch der Durst bei schönem Wetter, befriedigt werden konnte. Die Regimentskapelle spielte während der gesamten Veranstaltung. Obwohl das Wetter ungemütlich und regnerisch war, waren zahlreiche Zuschauer gekommen. Der Rennplatz war neben dem Schießplatz angelegt und die zu durchlaufenende Bahn mit vielen Hindernissen versehen. Auf dem Halteplatz waren die Zelte und Tribünen errichtet. Um 1200 Uhr begann das Rennen und zwar mit dem Eröffnungsrennen (Jagdrennen für Dienst- und Chargenpferde ohne Gewichtsausgleich: Entfernung etwa 2500 Meter). Es starteten 12 Pferde. Von den 3 Ehrenpreisen gewann Secondeleutnant Gobbin's schwarze Stute "Thea" den ersten, Secondeleutnant Freiherr von Brockdorff's braune Stute "Delila" den zweiten und Secondeleutnant Zehn's brauner Wallach "Verres" den dritten Preis. Das zweite Rennen war ein Jagdreiten der Unteroffiziere um drei Ehrenpreise. Master war Premierleutnant Rabenau. Es nahmen an demselben 12 Reiter teil. Alsdann folgte das Jubiläumsrennen (Jagdrennen für alle Pferde ohne Gewichtsausgleich - Entfernung etwa 3000 Meter - Ehrenpreis den drei ersten Reitern). Es siegte Hauptmann Steffen's Fuchsstute "Perle" (Reiter Leutnant Mehler). Zweites Pferd wurde Hauptmann Schutz's braune Stute "Senta" und drittes Pferd das des Hauptmanns König. Bei diesem Rennen stürzte ein Reiter mit seinem Pferde, ohne indes Schaden zu nehmen. Das offizielle Schlußrennen war ein schweres Jagdrennen (für alle Pferde - Mindestgewicht 85 Kilo - Entfernung etwa 2500 Meter - Ehrenpreis den ersten drei Reitern). Erstes Pferd wurde Major von Stern's Fuchswallach "Montebello", zweites Pferd Secondeleutnant Stock's braune Stute "Unda" und drittes Pferd Hauptmann Blauel's Fuchsstute "Thekla". Hiermit war der offizielle Teil des Rennens zu Ende. Außer Programm fand noch ein Dauerlauf von zirka 20 Kanonieren statt, der große Heiterkeit erregte. Die beiden anderen Abteilungen des Regimentes feierten in Rendsburg und Neumünster. Nach dieser Veranstaltung war nur noch das Wachkommando des IX.Armeekorps in Stärke von 56 Mann im Lager untergebracht. 1892Vor Beginn der Schießübungen, vom 26.April bis nach Beendigung der Schießen am 31.Juli, hielten sich zur Ausführung von notwendigen Vor- und Nacharbeiten größere Kommandos im Lockstedter Lager auf. Als erste Einheit das Feldartillerieregiment Nr.9 für zwei Tage, nämlich am 24. und 25.Mai auf den Schießbahnen, ihm folgten die Feldartillerieregimenter Nr.10 und Nr.26 die am 27.Mai im Lager eintrafen. Aus welchen Gründen vom 25. bis 27.Mai 5 Offiziere, 1 Zahlmeister, 1 Feldwebel, 2 Portepeefähnriche, 14 Unteroffiziere und 69 Mannschaften mit 49 Pferden von der 4.Batterie des Feldartillerieregiments Nr.26 und vom Stab der II.Abteilung einquartiert waren ist nicht bekannt. Die Truppe wurde mit voller Verpflegung einquartiert, sie kam im Landmarsch aus Quickborn und marschierte nach einem Ruhetag zum Lockstedter Lager. Im Bückener Teich ertrank Ende Mai beim Baden der Schlachter des Offizierkasinos. Nachdem er den Teich schon zweimal durchschwommen hatte, sank er bei der dritten Tour plötzlich unter und konnte, obwohl Hilfe sofort zur Stelle war, nur noch als Leiche aus dem Wasser gezogen werden. Ein Gehirnschlag soll die Ursache für das Unglück sein. Das diesjährige Regimentsexerzieren der Infanterieregimenter Nr.84 und Nr.86, sollte in der Zeit vom 15. bis 23.August im Lockstedter Lager stattfinden, das anschließende Brigadeexerzieren der 35.Infanteriebrigade, während des Aufenthaltes im Lockstedter Lager bis 27.August. Nach einem Ruhetag war am 29. der Transport der Regimenter in das Übungsgebiet im Lauenburgischen vorgesehen, das Infanterieregiment Nr.84 sollte im Gebiet um Ratzeburg, das Regiment Nr.86 in der Gegend um Mölln eingesetzt werden. Die Rendsburger Bataillone des Infanterieregiments Nr.85 bezogen nacheinander das Lager um sich intensiv auf die Ausscheidung im Kaiserpreisschießen vorzubereiten. Das II.Bataillon war in der Zeit vom 25. bis 30.Juli auf dem Schießplatz. Das Bataillon verbrachte täglich beinahe 10 Stunden auf den Schießbahnen. Der erste Schuß mußte morgens um 0700 Uhr fallen, der letzte um 1900 Uhr. Dazwischen waren zwei Stunden Pause, in welcher die Soldaten in das Barackenlager marschierten um Essen zu fassen. Das I.Bataillon hielt sich vom 01. bis 06.August unter den gleichen Bedingungen auf dem Schießplatz auf. Die mitgebrachten Gewehrpatronen wurden in dem kürzlich gebauten Patronenschuppen aufbewahrt. Einen Tag nach dem Einrücken verletzte sich ein Unteroffizier der 3.Kompanie beim so genannten "Schnellschießen" auf der Schießbahn 2 schwer. Der Unteroffizier hatte nicht gemerkt, daß das zuvor abgefeuerte Geschoß im Rohr steckengeblieben war, er lud eine neue Patrone in die Kammer und feuerte auf sein Ziel, durch den zu hohen Druck im Rohr sprang der Verschluß zurück und riß dem Schützen ein Stück der rechten Wange weg. Er wurde sofort ins Lazarett gebracht. Die Infanterieregimenter Nr.84 und Nr.86 hatten sich im Lager seit dem 15.August im Lager eingerichtet und bereits am 16.August mit den Regimentsexerzitien begonnen. Intensiv wurden Vorposten- und Postenübungen im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Feldartillerie durchgeführt. Diese Zusammenarbeit fand statt am 20. und 21.August. Die Kommandeure waren von der Zusammenarbeit angetan. Ein Füsilier der 9.Kompanie des Infanterieregiments Königin ertrank am 24.August beim Baden im Lohmühlenteich, wahrscheinlich infolge Schlaganfalls. Es war dies schon der dritte Unfall beim Baden im laufenden Sommer. Ferner wurde einem Füsilier am 23. beim Schießen das linke Auge derartig verletzt, daß er das Augenlicht einbüßte. Am 26.August erhielten beide im Lockstedter Lager anwesenden Infanterieregimenter Nr.84 und Nr.86 den Befehl das Lager sofort zu verlassen, um Platz zu machen für die Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85. Das Regiment Nr.85 lag momentan in Hamburg in der Ausgangsposition für das Divisionsmanöver, während dieser Wartezeit war ein Soldat an Cholera gestorben. Die Regimenter Nr.84 und Nr.86 wurden noch in der Nacht mit Sonderzügen in das Manövergebiet bei Ratzeburg transportiert. Im Gegenzug rückten die Regimenter Nr.31 und Nr.85 in den als Quarantänegebiet abgesperrten Teil des Barackenlagers ein. Die Gerüchte, welche in der Bevölkerung über den Gesundheitszustand der Truppen des Lockstedter Lagers in diesen Tagen verbreitet wurden, erwiesen sich glücklicherweise als völlig grundlos. Es waren keine neuen Erkrankungen vorgekommen und die Absperrung auf eine Kompanie des III.Bataillons der 85er beschränkt sein. Das Infanterieregiment Nr.31, sowie die 5., 6. und 7.Kompanie des Infanterieregiments Nr.85 waren am 01.September aus dem Lockstedter Lager ausgerückt und bezogen Quartiere im Kreise Segeberg. Der Brigadestab und 4 Kompanien davon wurden in Bramstedt und Umgegend einquartiert. Die 3 Kompanien der 85er lagen in der Kaltenkirchener Gegend. Vom Infanterieregiment Nr.85 waren die übrigen 9 Kompanien im Lockstedter Lager zurückgeblieben. Von den im Lager an der Cholera erkrankten waren bis zum 02. zwei als gestorben beim Standesamt in Kellinghusen gemeldet und zwar die Füsiliere Wilhelm Hartmann aus St.Michaelisdonn von der 9.Kompanie und Peter Umlandt aus Kuden von der 11.Kompanie. Der Erste war am 30., der Letzte am 31.August verstorben, beide wurden auf dem Friedhofe beim Lager beerdigt. Nach offiziellen Mitteilungen waren keine weiteren Erkrankungen aufgetreten, einzelne wurden noch wegen dieser Seuche behandelt. Im Lager waren insgesamt an Cholera 3 gestorben und 11 weitere erkrankt. Außerdem sollten mehrere Soldaten an mehr oder weniger erheblichen Durchfallkrankheiten leiden. Man durfte Zuversichtlich sein, daß bei den strengen Maßregeln und der vorhandenen ärztlichen Pflege ein weiteres Umsichgreifen der Seuche verhindert werden konnte. Wünschenswert wäre es im Sinne der Bevölkerung gewesen, wenn die vorkommenden Fälle amtlich bekannt gegeben worden wären, um die Einwohnerschaft nicht unnötig aufzuregen und um den übertriebenen Gerüchten den Boden zu entziehen. Im Lockstedter Lager hat die Cholera in den letzten Tagen drei weitere Opfer gefordert. Eine Leiche davon, die des Sohnes des Herrn Rühmann aus Lockstedt, wurde am 03.September auf dem Friedhof in Kellinghusen beerdigt, während die beiden anderen Leichen auf dem Friedhof des Lagers beigesetzt wurden. In der Mitte des Monats September erklärte der verantwortliche Arzt die Cholera als erloschen und die Quarantäne aufgehoben. Seit dem 02.September war keine Cholera Erkrankung mehr aufgetreten. Seit dem 09.September machten die Truppen schon Marschtouren außerhalb des Lagers, am 10. marschierten dieselben mit Musik durch verschiedene Ortschaften. Am 12. morgens waren 5 Kompanien (I.Bataillon und die 8.Kompanie) per Sonderzug ins Manövergebiet nach Boizenburg befördert, um noch an den dreitägigen Korpsmanövern teilzunehmen. Das III.Bataillon verblieb noch bis 15. im Lager und kehrte dann von dort direkt in die Garnison (Kiel) zurück. Über dieses Bataillon wurde noch bezüglich der Choleraepedemie berichtet: Beim Bataillon waren während des Aufenthalts in Hamburg-Eimsbüttel in der Zeit vom 21. bis 26.August 7 Leute an Cholera erkrankt und in den Krankenhäusern Altona und Eppendorf zurückgelassen worden. Von diesen waren vier gestorben. Vom 24.August ab hatte die 1.Kompanie, vom 25.August ab bis zur Abfahrt am 26.August, 0800 Uhr, auf dem Bahnhof Ottensen, das ganze Bataillon außerhalb Hamburg bei Bahrenfeld biwakiert. Nach Ankunft des Bataillons im Lockstedter Lager waren noch 9 Mann an Cholera erkrankt, von diesen waren 5 gestorben, der letzte Todesfall wurde am 03.September gemeldet. Cholerakranke, wie auch die leichteren Durchfallkranken wurden unter vollständiger Isolierung behandelt. Die zum Zeitpunkt der Aufhebung der Quarantäne noch anwesenden Cholerakranken befanden sich alle auf dem Weg der Besserung und schienen außer Gefahr, am 30.August war der letzte Cholerafall konstatiert worden. Seit dem 02.September wart auch kein neuer Fall von Durchfall eingetreten. Es war demzufolge als sicher anzunehmen, daß eine Ansteckung der gesund gebliebenen, streng isolierten Mannschaften des Bataillons nicht zu befürchten war. Eine ebenso eigenartige, wie ergreifende Feier bildete am 14.September den Schluß der Manöverschicksale des III.Bataillons des Infanterieregiments Nr.85, das am meisten von allen Truppenteilen im Quartier in Hamburg von der Cholera befallen worden war. Es galt heute den vier im Lager an der Cholera verstorbenen Kameraden das letzte Lebewohl zuzurufen, ehe das Bataillon in seine Garnisonsstadt Kiel zurückkehrte. Auf Befehl des Generalkommandos in Altona war der Divisionspfarrer D.Trepte aus Rendsburg aufgefordert worden einen Gottesdienst zu halten. Unter Gesang, einer herzlichen Ansprache und einem Gebet verlief bei bestem Wetter dieser allen Beteiligten sicher unvergeßliche Feldgottesdienst. Seit 1871, als hier französische Kriegsgefangene interniert waren und auch viele starben war es das erste Mal, daß auf dem kleinen Friedhof wieder eine Totenfeier stattfand. Ein fünfter im Barackenlager Verstorbener war auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Kellinghusen beerdigt worden. Auch seiner gedachten seine Kameraden, ehe sie von hier abmarschierten und so fand denn auch an seinem mit Kränzen geschmückten Grabe im Beisein des Bataillonskommandeurs, der Kompanieoffiziere und einer Deputation Kompaniekameraden eine Abschiedsfeier statt, in der wieder D.Trepte eine Ansprache hielt. Bald würden sich über den fünf Gräbern der jungen Musketiere, die hier der Cholera zum Opfer fielen, schöne Steinkreuze erheben, um Zeugnis abzulegen, wie die Kompanien ihre unglücklichen Kameraden ehrten. Aber auch schon die beiden Feiern waren ein erhebender Beweis, welch ein Geist, welch treuer Kameradschaftssinn in dem Heere lebte und wie die Heeresleitung bemüht war, denselben zu pflegen und zum Wohle des Heeres und Volkes zu fördern. Da noch Einheiten der in Hamburg stationierten Heereseinheiten an den Manövern beteiligt, die Choleragefahr in Hamburg aber noch nicht gebannt war, sollten das I. und II.Bataillon des Infanterieregiments Nr.76 von Flensburg aus ins Lockstedter Lager verlegt werden. Das Anfang August aus der Kaserne in Wandsbek zum Regiments- und Brigadeexerzieren in die Gegend zwischen Ratzeburg und der Elbe ausgerückte Hannoversche Husarenregiment Nr.15 konnte Aufgrund der sich in Hamburg ausbreitenden Cholera konnte nicht in die Kaserne nach Wandsbek zurück. Die 1., 2. und 3.Eskadron wurden im Lockstedter Lager untergebracht. Am 18.Oktober wurde die Garnisonsverwaltung des Lagers unterrichtet, daß die Bataillone des Infanterieregiments Nr.76 nicht mehr im Lager untergebracht würden und daß der Aufenthalt der Husaren am 25.Oktober beendet sein würde. Nachstehenden Angehörigen des IX.Armeekorps, welche sich bei der Bekämpfung der Choleraepedemie hervorragend ausgezeichnet hatten, wurden Orden verliehen. Dem Major Heidicke vom Infanterieregiment Nr.85, seinerzeit Vorsitzender der Gesundheitskommission im Lockstedter Lager. Dem Stabs- und Bataillonsarzt vom Infanterieregiment Nr.85 seinerzeit Chefarzt im Lockstedter Lager und dem Garnisonsverwaltungsinspektor Buchholz vom Lockstedter Lager der Kronenorden 4.Klasse. Während das Infanterieregiment Nr.85 im August 1892 auf dem Übungsplatz war, starben 1 Musketier und 1 Hornist der 9.Kompanie und je 1 Musketier der 11. und 12.Kompanie an Cholera im Lazarett im Lockstedter Lager. Bei den verstorbenen französischen Kriegsgefangenen hat die Truppe sie beerdigt. Eine größere Zahl von Landbesitzern aus Silzen und Lockstedt, deren Ländereien an den Schießplatz grenzten, klagten seit Jahren schon über sich alljährlich wiederholende monatelang anhaltende Störung durch die umfangreichen Absperrungen zur Zeit der Artillerieschießübungen. Zwar würde eine Vergütung gezahlt, doch würde diese nicht dem Schaden entsprechend sein. Zwar hätte der Fiskus schon mehrfach angefragt zwecks käuflicher Übernahme der Ländereien, doch sei es nie zum Vertragsabschluß gekommen. Um nun eine ihren Wünschen mehr entsprechende Änderung herbeizuführen, hatten die Landbesitzer beschlossen, sich mit einer Petition an den Reichstag zu wenden. Der Reichstagsabgeordnete Gustav Thomsen hatte sich über die Sachlage entsprechend orientiert und würde für die Petition eintreten. Wortlaut der Petition 1893Im Februar wurden die Verladerampen am Bahnhof durch den großen Generalstab des IX.Armeekorps inspiziert. Der Sprecher des Generalstabes verkündete, daß man erfreut sei über die langen Rampen. Ein "Winterschießen" veranstaltete das Feldartillerieregiment Nr.9; zwei Tage dauerte das Schießen mit scharfer Munition (01. bis 03.März). Zu den Schießübungen waren auch Offiziere der in Neumünster und Rendsburg stationierten Abteilungen befohlen. Gegen den vor einiger Zeit in Oldesloe wegen Landesverrats inhaftierten Eisenbahnbeamten Fuchs aus Luccum wurde in der Sitzung der detachierten Strafkammer in Itzehoe wegen Entwendung von Munitionsstücken verhandelt. Der Angeklagte sollte vergangenen Sommer im Lockstedter Lager während des Manövers, das er als Reserveunteroffizier mitmachte, sich verschiedene Munitionsgegenstände rechtswidrig angeeignet haben, was in der Verhandlung jedoch nicht erwiesen werden konnte, in Folge dessen der Angeklagte freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen wurde. Im Winter des verflossenen Jahres war in Itzehoe eine große Militärbäckerei gebaut worden, welche die Artilleriegarnison in Itzehoe, sowie auch die das Lockstedter Lager beziehenden Truppen mit Brot zu versorgen hatte. Die mit den neuesten Einrichtungen ausgestattete Anstalt wurde am 25.März eröffnet. Ab dem 01.April des Jahres 1893 wurde die Mitteleuropäische Zeit auch im äußeren Eisenbahndienst, also im Verkehr mit dem Publikum, an Stelle der bisherigen Ortszeit eingeführt. Dementsprechend wurden auch von diesem Tage an die für das Publikum bestimmten Fahrpläne, der Aushangsfahrplan, der Taschenfahrplan usw. auf Mitteleuropäische Zeit umgestellt und bis zum Inkrafttreten des Sommerfahrplans neu herausgegeben. Am Vormittag des zweiten Ostertages (03.April) entstand in der Peißener Heide ein Heidebrand, der sich bei kräftigem westlichen Wind schnell ostwärts ausbreitete und auch das Tannengehölz hinter dem Schießplatz des Lockstedter Lagers erreichte. In diesem Waldstück richtete das Feuer an dem Holzbestand erheblichen Schaden an, es verbrannte ein großer Teil der noch wachsenden Tannen, ebenso wie des bereits gefällten und verkauften Holzes. Der angerichtete Schaden ist erheblich, die Bekämpfung des Feuers bereitete große Mühe. Über die Ursache des Feuers ist noch nichts bekannt. Die für Ende Juni das Lockstedter Lager beziehende Garde Feldartilleriebrigade hatte im Regiment vier Abteilungen und demzufolge einen hohen Mannschaftsetat, so daß man annahm, daß die Kapazität der Baracken zur Unterbringung nicht ausreichen und daher die umliegenden Dörfer mit Truppen dieser Brigade belegt würden. Daß das Lager in militärischer Hinsicht eine immer größere Bedeutung erlangte, ging aus den im Laufe des vergangenen halben Jahres fertiggestellten Gebäude hervor. Als erstes Hauptgebäude wurde das Garnisonsverwaltungsgebäude übergeben. Danach wurden die drei Hauptstraßen im Lager neu aufgebaut und gepflastert und vor kurzem für die Summe von 33.000 Mark fertiggestellt. Zwecks Fertigstellung (Füllung) der Geschosse war für das Feuerwerkerpersonal ein massives Gebäude gebaut worden. Zwei Gebäude, die zur Aufnahme der Geschütze und vieler Tausende Geschosse dienten, waren für die Summe von 80.000 Mark errichtet worden. Um die Herstellung der Speisen für eine größere Truppenzahl gewährleisten zu können, wurden zwei Mannschaftsküchen und eine Unteroffizier Speiseanstalt neu eingerichtet. Auch in gesundheitlicher Beziehung wurde viel getan. Besonders hervorgehoben wurde die Errichtung von zwei zweietagigen Mannschaftslatrinen, hergestellt für je 21.000 Mark. Die 9.Feldartilleriebrigade hatte am 15.Mai wieder das obligatorische Vorkommando in das Lager kommandiert, damit sie die Schießen logistisch vorbereiten sollten. Zum Umfang der Arbeiten gehörte die Überprüfung der Scheiben und der für die Zieldarstellung notwendigen Zugseile und Haltevorrichtungen. Ein seltener Gast auf dem Übungsplatz war das Pionierbataillon Nr.9, das noch in Rendsburg stationiert war, an zwei Tagen, nämlich dem 24. und 25.Mai. Die Pioniere nahmen kein Quartier im Lager sondern führten kombinierte Tag- und Nachtschießen durch und marschierten nach Erfüllung der Übungen wieder zurück nach Rendsburg zurück. Zu den Regiments- und Brigadeexerzitien der Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 rückten die Regimenter am 27.Mai in das Lager ein. Das Regiment Nr.24 wurde mit der Bahn nur bis Wrist transportiert, von wo aus das Lager im Landmarsch erreicht wurde, die Abteilungen des Regiments Nr.9 kamen alle auf direktem Weg im Landmarsch aus den Garnisonen in das Lager. Die beiden Regimenter hatten das Lager bis zum 24.Juni gebucht. Größere Vorkommandos waren schon seit Mitte Mai im Lager, tauchen aber in den Belegungslisten nicht stärkemäßig auf. Im Zusammenhang mit den Schießen wurde die Bevölkerung erneut vor der Aufnahme von Munitionsteilen gewarnt und darauf hingewiesen, daß es im vergangenen Jahr wieder etliche Verletzte gegeben hätte. Für die im Lager anwesenden Soldaten wurde am 06.Juni ein Feldgottesdienst auf dem Platz an der Orleans Straße für evangelische Soldaten durch den Militärpfarrer Hoffmann abgehalten. Die Katholiken versammelten sich auf dem Platz in der Nähe des Kasinos, den Gottesdienst leitete der Divisionspfarrer Frydrychowicz. Ein besonderes Gewicht bekam die Besichtigung der 9.Feldartilleriebrigade durch die Anwesenheit des Kriegsministers von Kaltenborn-Stachau. Der Kriegsminister hielt sich mehr zufällig an den Besichtigungstagen im Lager auf, er war zu einer grundsätzlichen Bestandsaufnahme und aufzuklärenden Fragen in Bezug auf die Vergrößerung des Lockstedter Lagers mit hochrangigen Militärs im Lager zusammengekommen. Am Abend des ersten Besichtigungstages wurde zu Ehren des Besuches ein großes Feuerwerk abgebrannt und ein Konzert beim Kasino gegeben. Am zweiten Tag fand die Inspektion durch den Inspekteur der Feldartillerie, Generalleutnant von Hofbauer mit dem Parademarsch in Bataillonskolonnen ihren Abschluß. Nach der Besichtigung am 24.Juni rückte das Regiment Nr.24 auf direktem Weg in die Garnison ab. Das Regiment Nr.9 verblieb noch im Lager. Während des Aufenthaltes des Feldartillerieregiments Nr.9, schossen die Batterien mit Kanonen, die auf die neuen Kanonenrohre C/73/91 umgerüstet worden waren. Selbiges Regiment verließ das Lager am 04.Juli, um südöstlich von Bramstedt, auf der Lentföhrdener Heide, ein Geländeschießen durchzuführen, dabei wurde die Heide in Brand geschossen. Die Führung ging davon aus, daß es sich um einen Heidebrand, ähnlich der Brände im Lockstedter Lager handeln würde und ergriff keine weiteren Maßnahmen. Am 09.Juli wurde das Feuer wieder angefacht, griff rasch um sich und vernichtete Tannenschonungen, reifende Getreidefelder und fraß sich ins Hochmoor. Der Brand konnte nach Wochen (20.Juli) durch den Einsatz von drei Infanteriebataillonen, einer großen Pionierabteilung, allen abkömmlichen Soldaten des Artillerieregiments und vor allem durch den wolkenbruchartig einsetzenden, länger anhaltenden Gewitterregen erstickt werden. Aufgrund der Belegungsmeldung der Garde Feldartillerieregimenter und der Bedarfsanmeldung für Stallplätze beschaffte die Garnisonsverwaltung große Stallzelte und baute diese im südlichen Teil des Lagergebietes auf. In jedem Leinenzelt konnten bis zu 40 Pferde untergestellt werden, jedoch wurden die amtlichen Verordnungen in Bezug auf die Pferdehaltung nicht beachtet. Die Mannschaften konnten alle im Lager untergebracht werden. In 11 Sonderzügen wurden die beiden Garde Feldartillerieregimenter aus Berlin zum Lockstedter Lager transportiert. Dieser Aufenthalt kam zustande, weil bei der Übungsplanung der Garde nicht geklärt war, ob sich der Schießplatz Cummersdorf zu diesem Zeitpunkt noch im Besitz des Militärfiskus befinden würde. Unbeeindruckt von den Bränden in Lutzhorn übten die Garde Feldartillerieregimenter auf dem Schießplatz. Alle Bereiche, die im Exerzierreglement Erwähnung gefunden hatten, wurden exerziert, dazu gehörte auch der Bereich "Leben im Felde" mit dem Bau von Unterständen, Schützengräben, Deckungen sowie das Abkochen von Nahrung auf behelfsmäßigen Kochstellen. Den Gardisten standen zu diesen Übungen Pioniere aus Rendsburg hilfreich zur Seite. Als die beiden Garde Feldartillerieregimenter am 24.Juli abrückten, herrschte auf dem Bahnhof Hochbetrieb, 11 leere Sonderzüge wurden zeitlich gestaffelt herangeführt, bereitgestellt und nach Beladung sofort abgefertigt. Die Garnisonsverwaltung ließ die zusätzlich aufgebauten Stallzelte abbauen und lagerte diese nach gründlicher Reinigung in einem Magazin ein. Vom 15.August bis Ende August waren Bataillone der Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85 für kurze Zeit auf dem Schießplatz. Die Bataillone trugen die Hauptlast der Überprüfung der zur Reserveübung einberufenen Reservisten. Es waren wieder einmal Reservisten, die nur eine oder noch gar keine Übung im Reservistenverhältnis mitgemacht hatten, die aber demnächst an die Landwehreinheiten überwiesen werden sollten. Aufgerufen waren die Jahrgänge von 1886 an. Jedem der Bataillone wurde die Zahl von 200 bis 220 Reservisten zugeteilt. Seit langem zeichnete sich ab, daß das Feldartillerieregiment Nr.24 vergrößert und verlegt werden sollte. Zum Zwecke der Vergrößerung wurden im Lockstedter Lager seit dem 01.August zwei Batterien der künftig in Güstrow stationierten Abteilung aufgestellt. Die Batterien blieben so lange im Lager, bis Güstrow aufnahmebereit war. Der 01.Oktober war für das Lockstedter Lager ein wichtiger Termin. Das Lager wurde in einen ständigen Garnisonsstandort umgewandelt. Dazu wurde eine personelle, etatmäßig abgesicherte Stärke von 16 Offizieren und weiteren 262 Mann bewilligt. Die Seele des zivilen Volkes war aufgebracht, erstmalig war geschehen, daß ein völlig betrunkenes Frauenzimmer auf der Nortorfer Chaussee lag, anstelle sie fortzuschaffen, ließ man sie so lange liegen, bis sich ein Gastwirt erbarmte und sie von der Chaussee nahm. Insbesondere die Weiblichkeit behauptete, daß der Anblick der betrunkenen Frau "ekelerregend" gewesen sei. In der Mitte des Monats Oktober wurde in der Gerüchteküche wieder gekocht. Das Kriegsministerium trüge sich mit der Absicht, einen neuen, großen Übungsplatz für das IX.Armeekorps zu beschaffen. Zunächst käme hierbei naturgemäß eine Vergrößerung des Lockstedter Lagerterrains in Frage. Diese würde, falls der Militärfiskus dazu in der Lage wäre, die ansehnlichen Flächen hinzuzukaufen, wohl geeignet sein. Bei den exorbitanten Forderungen der Landbesitzer wäre hieran jedoch kaum zu denken und aus diesem Grunde wäre eine Vergrößerung des Platzes in gewünschtem Umfange nicht möglich. Darum hätte das Kriegsministerium den Erwerb eines umfassenden Terrains in Mecklenburg oder auch eines solchen in Holstein ins Auge gefaßt. Letzteres wäre in der Nähe von Lentföhrden belegen, dort, wo bekanntlich bedeutende Moorbrand stattgefunden hatte. Auf dem zu erwerbenden Platze sollte sowohl die Artillerie, wie auch die Infanterie Schießübungen abhalten und auch Brigademanöver stattfinden. Daß bei Treibjagden die Menschen nicht nur Rehe, sondern auch Rehe Menschen erlegen, hatte die Treibjagd, welche am 11.November bei Ridders abgehalten wurde, gezeigt. In Gefahr wähnten sich hierbei zwei Treiber. Einer derselben wurde von einem Reh vollständig umgerannt und am Kopfe verletzt, ein Zweiter wurde ebenfalls am Kopfe verletzt, behielt aber das Gleichgewicht und kam nicht zu Fall. Das Jahr 1894 war geprägt vom Hoffen der Bürger, daß der Übungsplatz erhalten bleibe und dem Bangen, daß er durch den Fiskus aufgehoben werden würde. So wie das Ungeheuer "Gerücht" zum Ende des Jahres 1893 seine unbestätigten Nachrichten verspritzte, so begann es auch im Jahre 1894 das "fundierte Halbwissen" in die Ohren der Menschen zu pflanzen. Gleich im Januar wurde die Bevölkerung von den, aus Berlin, zum Lager dringenden Informationen geschockt. Die Nachrichten über die Zukunft des Lockstedter Lagers wurden immer verworrener. Jetzt hieß es, die Garnisonsverwaltung hätte an die umliegenden Ortschaften die Anfrage gerichtet, ob diese geneigt seien, vom Exerzierplatz Ländereien anzukaufen und wie viel sie pro Hektar geben würden, erweckten also den Eindruck als ob es beschlossen sei, daß das Lager aufgegeben werde. Dagegen stand eine Regierungsvorlage wegen des Ankaufs von Ländereien zur Vergrößerung des Schießplatzes, sowie dem Bau neuer Baracken. Lagerplan um 1894Die Bataillone des Infanterieregiments Nr.76 mußten im wirklich kalten Januar bataillonsweise auf dem Schießplatz Einzel-, Gruppen- und Kompaniegefechtsschießen durchführen. Den Anfang machte das I.Bataillon, das vom 08.Januar bis zum 13.Januar gebucht hatte. Ihm folgte das III.Bataillon am 15.Januar und verließ das Lager wieder am 20.Januar. Das letzte der drei Bataillone, das II.Bataillon bildete den Schluß. Am 30.Januar rückte das Bataillon ein und verblieb bis zum 03.Februar. Im Februar waren das I. und III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.31 im Lager untergebracht. Nach Abschluß der Schießen rückten die beiden Bataillone am 24.Februar wieder nach Hamburg ab.Im weiteren Laufe des Monats wurde bekannt, daß zwischen dem Bevollmächtigten des Militärfiskus und den betroffenen Landbesitzern Verhandlungen stattgefunden hatten, welche dem Zweck dienten, die Besitzer zu bewegen, von ihren hohen Forderungen für das zur Erweiterung des Schießplatzes in Betracht kommende Gelände etwas nachzulassen. Das Resultat der Besprechung war, daß eigentlich nur die Bauern ihre Forderung, welche bis dahin 300 Mark pro Hektar betrug, auf 200 Mark reduzierten, so daß dadurch für die Regierung eine Ersparnis von 100.000 Mark erzielt worden wäre. Aufgrund dieser Entwicklung ging man im Kreis Steinburg davon aus, daß der Fiskus nicht mehr ernstlich an eine Verlegung des Lagers dachte, zumal der Schießplatz Lockstedter Lager viele Vorzüge gegenüber anderen Gebieten besaß. Das in Mecklenburg in Augenschein genommene Terrain bestand teilweise aus Flugsand und die Gegend bei Lentföhrden wies große Sumpf- und Moorstrecken auf, während im Lockstedter Lager Mannschaften und Pferde festen Boden unter den Füßen hatten. Wenn trotzdem an die Landbesitzer der Gegend die Frage gerichtet wurde, ob sie geneigt seien, das Areal des Lagers und wenn ja, zu welchem Preise zu übernehmen, so schien dies nicht offiziell geschehen zu sein, auf keinen Fall kam die Frage direkt von Seiten der Regierung. Obwohl es aussah als seien die Gemüter beruhigt, ganz zufrieden konnten sich die Verantwortlichen im Kreis Steinburg nicht zurücklehnen, es sickerten weitere unheilvolle Informationen durch, diesmal betrafen sie das projektierte Gebiet für einen Übungsplatz in der Bramstedter Gegend. Es wurde bekannt, daß sich der Chef des Generalstabes des IX.Armeekorps, Oberstleutnant von Prittwitz und Gaffron, zur Ermittlung eines geeigneten Geländes zur Anlage eines größeren Truppenübungs- und Schießplatzes für das IX.Armeekorps vor einiger Zeit nach Bramstedt und dessen Umgebung begeben hatte. Nach seiner Rückkehr und der Berichterstattung wurde von dem Kommandierenden General des IX.Armeekorps, General der Kavallerie Graf von Waldersee, eine Kommission ernannt, welche, sobald die Witterung es gestattete, das in Betracht kommende Gelände an Ort und Stelle einer näheren Prüfung unterziehen sollte. Die Kommission bestand aus Oberstleutnant Karuth, etatmäßiger Stabsoffizier des Feldartillerieregiments Nr.9, dem Major Freiherrn von Hayl, Bataillonskommandeur im II.Bataillon Infanterieregiment Nr.76, Hauptmann von Wasmer vom 2.Garde Feldartillerieregiment, Adjutant des Generalkommandos IX.Armeekorps und Feuerwerkerhauptmann bei der 9.Feldartilleriebrigade. Der Kommission fiel vor allem die Aufgabe zu, Ermittlungen anzustellen, ob der Platz sich zur Durchführung von Artillerie- und Infanterieschießübungen auch tatsächlich eignen würde. Sollte letzteres zutreffen, so würde die Königliche Korps Intendantur wegen des Grunderwerbs mit dem zuständigen Landratsamt in Verbindung treten. Trotz dieser Nachrichten trafen sich Landbesitzer und Beauftragte des Militärfiskus zu neuen Verhandlungen über den, durch den Fiskus beabsichtigten Landerwerb in der ersten Woche des Monats Februar. Allen Auflösungsgerüchten widersprachen aber die Baumaßnahmen, welche Ende gleichen Monats in Angriff genommen wurden. Der Bau einer neuen massiven Mannschaftsküche wurde begonnen und alle Offiziersbaracken einer generellen Renovierung unterzogen. Mitte Februar tobten über dem Kreis Steinburg schwere Unwetter mit orkanartigen Windstärken und sintflutartigen Regenfällen. Im Lager wurden Baracken beschädigt und Dächer abgedeckt, das im Lager anwesende Arbeitskommando wurde eingesetzt um die auf dem Schießplatz entwurzelten und abgeknickten Bäume aufzuräumen. Der Landrat des Kreises Steinburg, Junge, hatte vom Kommandierenden General des IX.Armeekorps, Graf Waldersee eine neue Kommission zur Schätzung der zur Vergrößerung des Lockstedter Lagers erforderlichen Ländereien erwirkt. Die Bürger hofften, daß es noch in letzter Minute gelingen möge, das Lockstedter Lager zu erhalten, jedoch wurde von den Landbesitzern großes Entgegenkommen erwartet, wenn noch etwas erreicht werden sollte, besonders weil die erforderlichen Flächen bei Bramstedt für einen sehr mäßigen Preis angeboten wurden. Am 10.März wurde bekannt, daß bereits am 06.März die vom Kommandierenden General des IX.Armeekorps eingesetzte Kommission das Gelände um Bramstedt besichtigte hatte. Der Kommission gehörten Offiziere der Infanterie, Artillerie und Feuerwerker an, um das Gelände, das zwischen dem Ort Bramstedt und der Oberförsterei Glashütte lag, auf seine Brauchbarkeit für Truppenübungen zu begutachten. Diese Nachricht schreckte wieder den Kreistag auf, denn sollte das Ergebnis zu einer Verlegung des Übungsplatzes führen, so würde dies für die Ortschaften in der Nähe des Lagers aber auch für Itzehoe und Kellinghusen zu einer erheblichen Einbuße an Wirtschaftskraft führen. Die im Lockstedter Lager geplanten Baumaßnahmen würden gestoppt und damit einhergehend ein erheblicher Verlust an Arbeitsplätzen. Ende März goß das Königliche Landratsamt Segeberg wieder Öl ins Schießplatz-Feuer, indem es bekanntmachte, daß sich die seitens des Generalkommandos zusammengestellte Kommission über das östlich der Ortschaft Bramstedt zwischen den Ortschaften Schmalfeld, Hartenholm Weide und Bimöhlen gelegene Gelände zur Anlage eines Truppenübungsplatzes nicht ungünstig ausgesprochen hätte und die Militärverwaltung beabsichtige wegen eventueller Erwerbung der Ländereien im Wege von freiwilligen Übereinkommen mit den Grundeigentümern in Verbindung zu treten. Bezüglich der Verhandlungen mit den Eigentümern und Entgegennahme der Verkaufsangebote würde ein Abgesandter der Königlichen Intendantur des IX.Armeekorps anwesend sein. Als Termin für diese Transaktion wurde der 27.März in Bramstedt in Schümanns Gasthof um 1200 Uhr und am 28.März in Hasenmoor in Wrages Wirtshaus um 1000 Uhr festgelegt. Unter dem Vorsitz des Landrats des Kreises Steinburg, Junge, fand am 28.Februar, einen Tag nach der Bekanntmachung im Kreis Segeberg, eine Versammlung der Landbesitzer bezüglich der Vergrößerung des Lagers statt. Der Landrat teilte den Anwesenden mit, daß er die Zusage bekommen hätte, daß die Militärbehörde noch einmal eine Kommission zur Schätzung des benötigten Gebietes auf eigene Kosten einsetzen würde. In die Kommission wurden sofort gewählt: der Rentner F.Timm aus Papenhöhe bei Elmshorn und Rohwer aus Oldenhütten zur Schätzung des Areals für Ackerland und Forstrat Emeis aus Tarant für den Waldbestand. (Die Summe sämtlicher Forderungen seitens der Land- und Waldbesitzer betrug 1.300.000 Mark) Schon am 10.April hatte die vom Generalkommando des IX.Armeekorps eingesetzte Kommission mit ihrer Arbeit begonnen. Begonnen wurde mit der Schätzung des Geländes, das auf Lohbarbeker Gebiet lag, die Kommission arbeitete sich gegen den Uhrzeigersinn über die vom Fiskus gewünschten Flächen. Während ihrer Arbeit wurden sie am 13.April Zeuge wie das erste Luftschiff, ein Groß-Basenach, den Kreis Steinburg aus Richtung Kellinghusen kommend und nach Westen fahrend, überflog. Im Mai kamen die Bataillone des Infanterieregiments Nr.76 wieder bataillonsweise ins Lager um gefechtsmäßige Schießübungen abzuhalten. Sie rückten der Reihe nach ein. Das I.Bataillon vom 15.05. bis 20.05., das II.Bataillon vom 21.05. bis 26.05. und das III.Bataillon lag im Lager vom 27.05. bis 02.06.. Ob diese Schießübungen im Zusammenhang mit den Vergleichsschießen innerhalb der Divisionen stand ist nicht belegt. Mitte Mai wurde die Nachricht von einer erneuten Versammlung der Landbesitzer bekannt. In Sörensen's Hotel fand die Versammlung statt, die von der Militärkommission einberufen worden war, an welcher auch der Landrat Junge aus Itzehoe teilnahm. Es handelte sich um eine Zusammenkunft, die mit der Erweiterung des Lagers zusammenhing und auf der versucht werden sollte mit den Interessenten wegen Überlassung der erforderlichen Grundstücke zu verhandeln und möglicherweise Einigkeit zu erzielen. Den Informationen zufolge hatten sich die meisten Landbesitzer mit den gemachten Vorschlägen einverstanden erklärt. Es wurde die Besorgnis geäußert, daß sich mit der Erweiterung des Lagers die Einquartierungslast der umliegenden Orte vergrößern könne, doch hob der Vorsitzende hervor, daß dies nicht der Fall sein werde, weil große Bauten für Militärzwecke errichtet und diese genügende Unterkunft für die Mannschaften bieten würden. Gelegentlich der Unterhandlungen wurde auch bemerkt, daß diejenigen, die glauben würden, ohne Schaden auf ihrer Forderung beharren zu können, im Irrtum seien, da der Militärbehörde das Recht zur Einleitung eines Enteignungsverfahrens jederzeit zustehe und dieses auch angewendet werden würde. Die Summe für weitere Militärbauten war auf 1.200.000 Mark veranschlagt, zum Zeitpunkt der Versammlung waren bereits 1 1/2 Millionen Mark im Lager verbaut worden. Wäre das Lager jetzt verlegt worden, so würde der Schaden, den Privatleute dadurch erleiden würden, ein Kapital von zirka 900.000 Mark ausmachen. Alle diese Punkte wurden den Anwesenden vom Landrat auseinandergesetzt und der größte Teil der in einer Zahl von zirka 100 anwesenden Interessenten hatte daraufhin die gemachten Angebote angenommen und unterzeichnet, so daß nunmehr die Angelegenheit als abgeschlossen betrachtet werden durfte. Einige Tage später wurde der erste Vertrag, der noch durch den Kriegsminister zu bestätigen war, abgeschlossen und vollzogen worden. Die einzelnen Kaufsummen waren recht hoch, da speziell von der Gemeinde Lockstedt viel Wald erworben werden mußte. Es erhielten einzelne Landleute derselben Gemeinde Entschädigungen von 20.000 bis 45.000 Mark für bewaldete Grundstücke. Wie verlautete, sollte sich die Summe für den Ankauf der Ländereien auf rund 1 Million Mark belaufen haben und sich ungefähr 300.000 Mark niedriger sein als früher gefordert wurde. Der Vergrößerung der Übungsplätze lag eine Forderung des Kriegsministeriums zugrunde. Das Kriegsministerium hatte folgende Gesichtspunkte aufgestellt: Mit Rücksicht auf die modernen weittragenden Geschosse mußte der Übungsplatz notwendigerweise eine volle Meile (7,5 km) Schußweite besitzen. Unbedingt notwendig war auch eine Ausdehnung von 7 Kilometern, damit für große Übungen oder zu ähnlichen Zwecken die notwendige Breite vorhanden und entsprechende Entfaltung des Truppenkörpers möglich war. Der Grundgedanke war, für jedes Armeekorps Übungsplätze zu schaffen, welche die Notwendigkeit, die angrenzenden Ortschaften mit Einquartierungen zu belasten, aufzuheben. Um dieses zu ermöglichen, sollte auf den Übungsplätzen selbst die Möglichkeit der Unterbringung der Truppen geschaffen werden. Dann sollte aber auch durch entsprechende Vergrößerung der Plätze eine Vermeidung der immer größer werdenden Flurbeschädigung herbeigeführt werden. Die Truppen sollten durch die Vergrößerung der bestehenden, oder die Neuanlage von Übungsplätzen unabhängig von der Nutzung der angrenzenden Ländereien gemacht werden. In den nächstjährigen Etats des Kriegsministeriums würden die erforderlichen Summen eingestellt und man hoffte auf die Bewilligung der Gelder durch den Reichstag. Ende Mai wurde einem am Laboratorium des Lockstedter Lagers auf Posten stehenden Infanteristen von einem Zivilisten ein Blindgänger mit der Bemerkung übergeben worden, er hätte die Granate in der Heide bei den Zielstellungen aufgefunden. Augenscheinlich war dem Mann die Gefahr nicht bekannt, in welche er sich begeben hatte, als er das Geschoß aufhob und einige Kilometer weit forttrug, so wie ihm auch augenscheinlich nicht bekannt war, in welche Gefahr er den mit dem Wesen und der Behandlung eines derartigen Blindgängers nicht vertrauten Infanteristen durch die Übergabe desselben versetzte. Das Landratsamt sah wegen dieses Vorkommnisses erneut Veranlassung, die Bewohner der in der Nähe des Lockstedter Lagers gelegenen Ortschaften wiederholt vor dem Aufnehmen irgendwelcher Geschoßteile, wegen der damit verbundenen Lebensgefahr, eindringlich zu warnen. Der Finder irgend eines Geschosses, gleichgültig ob das Geschoß Granate oder Schrapnells, ob mit Zünder versehen oder nicht, hätte den Fund nur bei dem Führer des Arbeitskommandos im Lockstedter Lager zu melden, ansonsten aber unberührt zu lassen. Mit Wirkung vom 01.Juni war der Stationsvorsteher Urbahn vom Lockstedter Lager nach Kellinghusen und Stationsassistent Schleuß von Kiel zum Lockstedter Lager versetzt worden. Wie in jedem Jahr, zur Zeit der Schießübungen der Feldartillerieregimenter im Lockstedter Lager fand dort sowohl für die evangelischen als auch für die katholischen Mannschaften ein Feldgottesdienst statt. In diesem Jahre wurden diese am 17.Juni abgehalten und zwar von den Militäroberpfarrern Hoffmann und Frydrychowicz. Am 22. und 23.Juni weilten zur Inspizierung der unter Generalmajor von Lüdemann stehenden 9.Feldartilleriebrigade der Kommandierende General von Waldersee und die Divisionskommandeure Generalleutnant von Alten und Generalleutnant von Finkenstein im Lockstedter Lager. Am 22. wurde zunächst die neue Abteilung der 24er aus Altona vorgeführt, dann folgten die einberufenen Landwehrleute, die am 24. zur Entlassung kamen, mit einem Parademarsch. Am 24. kam das 9.Regiment an die Reihe. Dem hohen Besuch zu Ehren fand am 23. nach Schluß der Dienststunden ein Pferderennen statt, zu dem sich viel Publikum eingefunden hatte. Alle Rennen verliefen ohne Unglücksfälle, wenn auch bei zwei Rennen ein Pferd stürzte. Im Offizierskasino folgten alsdann ein Essen und die Preisverteilung an die Sieger und um 2130 Uhr schloß ein Zapfenstreich und imposantes Feuerwerk den Tag ab. Einen traurigen Abschluß fand Ende Juni ein Vergnügen in Winseldorf. Dort feierte die Oelixdorfer Liedertafel bei dem Wirt Fr. Wigger in geschlossener Gesellschaft ihr Vereinsfest. In diese Gesellschaft suchten nun Artilleristen von der Besatzung des Lockstedter Lagers einzudringen, wobei Wortwechsel und Reibereien entstanden. Um die Eindringlinge, welche inzwischen schon Fensterscheiben eingeschlagen hatten, zu erschrecken, soll Wirt Wigger nun mit einem Gewehr einen Schuß in die Luft abgefeuert haben. Bald darauf waren Militär- und Zivilpersonen auf der Straße aneinander geraten, wobei man dem Wirte das Gewehr entrissen hatte. Ein Schuß krachte und Wigger sank tödlich getroffen zu Boden. Er wurde von herbeigeeilten Nachbarn ins nächste Haus getragen, wo er bald darauf starb. Wie es hieß, sollte sich der Schuß beim Ringen um das Gewehr losgegangen sein, die sofort eingeleitete Untersuchung sollte den Sachverhalt klären und für eine gerechte Bestrafung sorgen. Wigger war erst 33 Jahre alt und zwei Jahre verheiratet. Der Artillerist, der den Schuß abgab, hieß Kruse, war aus Itzehoe und war bei der Neumünsterschen (reitenden) Abteilung. Die Polizei hatte in der gleichen Nacht erhebliche Probleme alle Streitigkeiten, die in den Gaststätten angefangen hatten zu schlichten. Nachdem die 9.Feldartilleriebrigade am 04.Juli ihre Schießübungen im Lockstedter Lager beendet hatte, wurde bereits am gleichen Tag mit dem Verpacken und Verladen begonnen. Zwei Tage später am 06.Juli kehrten die Regimenter Nr.9 und Nr.24 in ihre Garnisonen zurück und zwar teils mit der Eisenbahn. Das Lager würde frei bleiben bis zum 23.Juli und dann nacheinander besetzt werden von den Infanterieregimentern Nr.84, 86, 89 und 90, die Gefechtsschießen vorzunehmen hätten, zu denen an einzelnen Tagen auch Artillerie und Kavallerie kommandiert werden würde. Am 23.Juli trafen das 85. und 31.Infanterieregiment zu den Brigadeexerzitien im Lockstedter Lager ein. In der zweiten Woche des Juli kam im Lockstedter Lager ein Arbeitskommando von zirka 40 Militärstrafgefangenen an, welches dort 14 Tage lang beschäftigt wurde. Die Strafgefangenen die aus Spandau kamen, hatten Arbeiten auszuführen, für welche man kein Arbeitskommando des IX.Armeekorps zusammenstellen wollte. Die Gefangenen wurden durch 14 Unteroffiziere und einen Offizier bewacht. Der Vorfall, am gleichen Tag der die Gemüter erhitzte und den direkten Zugriff der militärischen Wache verlangte, hatte nichts mit den Gefangenen zu tun. Ein Soldat der Besatzung des Lockstedter Lagers wurde in Arrest genommen, weil er des Versuchs eines Sittlichkeitsverbrechens an einem elfjährigen Mädchen beschuldigt wurde. Um die Bewegungen der gegenwärtig im Lockstedter Lager liegenden Truppenteile des Infanterieregiments Nr.85 während seiner Manöver nicht ungebührlich einzuschränken wurden verschiedene Besitzer von Feldern und Wiesen angewiesen, sämtliche auf den betreffenden Grundstücken befindliche Drahtzäune zu entfernen. Für das Abreißen und Wiederaufstellen erhielten die Beteiligten für jeden laufenden Meter 4 Pfennig. Auch die Kühe mußten von der Weide in den Stall gebracht werden, der Besitzer erhielt für jede Kuh, die er im Stall füttern mußte, täglich 1 Mark und für Milch, die weniger gemolken wurde täglich 80 Pfennig. Am 24.August verließ die 36.Infanteriebrigade das Lager und begab sich in die Gegend um Bramstedt um dort Brigademanöver abzuhalten. Ein größeres Terrain beim Lockstedter Lager, um dessen Erwerb seit dem Jahre 1892 Verhandlungen schwebten, wurde nach vollzogenem Kaufvertrag am 11.September dem Militärfiskus zugeschrieben. Es sollte auf diesem Terrain ein großes Militärlazarett gebaut werden, womit begonnen werden würde, wenn die Genehmigung des Kriegsministers bei dem die Angelegenheit lag, vorläge. Zum Neubau des Lazaretts wurden 70.000 Mark als erste Bausumme angefordert. Die Kosten des ersten Bauabschnitts betrugen 117.000 Mark. Der Gesamtkomplex Lazarettbau sollte zwei Krankengebäude mit Wohnraum für den als Chefarzt bestimmten Sanitätsoffizier, der auf dem Übungsplatz in den Wohnbaracken wegen des akuten Wohnraummangels nicht untergebracht werden konnte, dennoch ständig auf dem Übungsplatz oder im Lazarett in Bereitschaft sein mußte. Zu den weiteren Gebäuden zählten auch ein Leichenhaus und ein Desinfektionshaus. Außerdem wollte man spätestens bis zum Frühjahr mit dem Bau einer für die Aufnahme von fünfzig Offizieren berechneten Baracke beginnen. Durch erneut durchgeführte Bohrversuche wurde bestätigt, daß der Boden anscheinend vorzügliches Trinkwasser in genügender Menge enthielt und wenn die vom chemischen Untersuchungsamt in Kiel eingeforderten Gutachten über die Wasserproben dementsprechend ausfallen würden, eine sehr wichtige Frage zur Zufriedenheit gelöst wäre. Wie von der Garnisonsverwaltung gemeldet wurde, waren die Geländeankäufe des Fiskus zur Vergrößerung des Lockstedter Lagers vorläufig abgeschlossen, das Gebiet war von 365,50 Hektar auf 1.890 Hektar erweitert worden. Das schnelle Zustandekommen der Vertragsabschlüsse wäre hauptsächlich das Werk des Landrats Junge aus Itzehoe gewesen, der die Sache mit Eifer und Energie betrieben hätte, verlautete es aus der Verwaltung. Die Militärbehörde plante als nächsten Schritt eine weitere Vergrößerung des Lockstedter Lagers. Unmittelbar an das Barackenlager grenzte nämlich das dem Grafen Rantzau gehörende Gut Bücken an, das gesamte Areal umfaßte etwa 1.600 Morgen. Der Komplex enthielt teils Land, teils Wald, der Erwerb des Geländes sollte im folgenden Jahr beantragt werden. Gelegentlich der diesjährigen Manöver wurden alle Truppen von Radfahrern, im Ganzen 120 Mann, begleitet, der größte Teil des Ordonanz- und Meldedienstes, der für die Kavallerie so hinderlich wart, wurde durch die Radfahrer bewirkt. An einem Manövertage hatten die Radfahrer auch als Kämpfer Verwendung gefunden. Die aus etwa 50 Mann bestehende Abteilung wurde mit Erfolg gegen eine Abteilung der Wandsbeker Husaren eingesetzt, die einen Eisenbahnübergang überschreiten wollten. Der Bäckermeister Reese aus dem Lockstedter Lager hatte die Kantine des III.Bataillons des Infanterieregiments von Manstein (Schleswig) Nr.84 gepachtet. Die Pacht betrug jährlich 5.000 Mark. Die Bahnhofswirtschaft im Lockstedter Lager war bei der stattgefundenen Submission seitens des Königlichen Eisenbahnbetriebsamtes in Kiel dem Wirt des Offizierkasinos, Herrn Stubbe, in Pacht übertragen worden. |