Das Lockstedter Lager zwischen
1885 und 1889


Am 15.April des Jahres 1885 wurde im Lager wieder eine Zweigstelle des Kellinghusener Postamtes ,diesmal als ständiges Postamt, eingerichtet. Von April an fuhr der Postdienst zweimal täglich nach Kellinghusen und einmal nach Itzehoe. 1887 Erweiterung des Postdienstes durch die Möglichkeit, daß auf dem Platz anwesende Soldaten auch Telegramme abholen und abschicken konnten. 1889 entfiel der Posttransport mit Fuhrwerken. Seit der Anbindung an das Schienennetz fand die Übergabe und Übernahme der Post am Bahnhof statt.

Die Soldaten der Ersatzreserve des IX.Armeekorps hatten im Jahre 1885 wieder längere Übungszeiten zu absolvieren. Die erste zehnwöchige Übung sollte im Zeitraum vom 11.August bis 19.Oktober, die zweite vierwöchige in dem Zeitraum vom 29.September bis 19.Oktober stattfinden. Die zum erstenmal übenden Ersatzreserven der Artillerie sollten zum 01.September und die übrigen Kategorien dieser Waffengattung so eingezogen werden, das alle am gleichen Tag die Übungen beenden. Diese Zeiten wurden so rechtzeitig bekanntgegeben, damit sich die Reservisten und Arbeitgeber darauf einstellen konnten.

Zur Vorbereitung der Aufnahme der Truppen, die in dieser Saison das Lager belegen würden, war ein größeres Arbeitskommando im Lager untergebracht. Zu diesem Arbeitskommando kam ab April ein 200 Mann starkes Vorkommando der 9.Feldartilleriebrigade hinzu.

Das Pommersche Fußartillerieregiment Nr.2 kam per Extrazug aus den Standorten Memel, Danzig und Swinemünde am 01.Mai in Wrist an. Kurze Zeit später erreichte das Fußartilleriebataillon Nr.9 den gleichen Bahnhof. Es war der letzte Aufenthalt der Fußartillerie im Lockstedter Lager. Für das Fußartillerieregiment Nr.2 wurde in der Gegend von Danzig der Schießplatz Hammerstein eingerichtet und das Fußartilleriebataillon Nr.9 wurde ins Rheinland verlegt. Die Fußartillerie blieb auf dem Übungsplatz bis zum 01.Juni.

Die von der Königlichen Eisenbahndirektion in Altona angeordneten Vermessungsarbeiten der Eisenbahnstrecke Wrist-Kellinghusen-Itzehoe wurden Ende Mai beendet. Im Raum Kellinghusen wich die Streckenführung in Richtung Itzehoe geringfügig vom Plan ab. Als großen Kostenfaktor wurde der Bau einer Brücke über die Stör bezeichnet.

Der Generalinspekteur der Artillerie, Generalleutnant von Voigt-Rheetz und der Inspekteur der 1.Fußartillerieinspektion Generalleutnant Wieben führten am 28. und 29.Mai eine Besichtigung der Fußartillerie mit zufriedenstellendem Ergebnis durch. Am 02.Juni verlegte das Fußartillerieregiment Nr.2 mit mehreren Zwischenquartieren nach Lübeck während das Fußartilleriebataillon Nr.9 an die Ostsee nach Strande zum Seezielschießen verlegte.

Obwohl die Eisenbahntrasse schon vermessen war, entbrannte im Juli des Jahres 1885 wieder die Debatte den Eisenbahnverlauf Itzehoe-Wrist betreffend. Die Königliche Eisenbahndirektion Altona erklärte den Antragstellern, sie würde sich für den Verlauf der von der Öffentlichkeit geforderten Strecke nur einsetzen, wenn die anliegenden Gemeinden Kosten in Höhe 200.000 RM übernehmen würden. Die Gemeinden beschafften das Geld und am 01.August 1886 begann der Bau der Bahnstrecke.

Die 10.Feldartilleriebrigade mit den Feldartillerieregimentern Nr.10 und Nr.26 erreichten mit Sonderzügen den Bahnhof Wrist, von welchem aus sie im Landmarsch das Lager erreichten. Sie hatten am folgenden Tag einem Sonntag Gelegenheit sich im Lager einzurichten und auf die am Montag beginnenden Übungen vorzubereiten.

Den Bürgern in den angrenzenden Kreisen wurde angeraten sich den Schießbetrieb auf dem Schießplatz anzuschauen, da man die Exerzierübungen für sehr interessant hielt; im gleichen Zusammenhang wurden Vorschläge gemacht, wie man am besten das Lager erreichen könne. Dabei spielte die vergleichende Werbung bereits eine Rolle indem man sagte, die Anreise mit der Eisenbahn über Wrist sei bequemer als über Itzehoe und es würde außerdem noch Geld gespart.

Am 04.Juli verließ die I.Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.26 das Lager nach Glückstadt, dort wurde die Abteilung eingeschifft und über die Elbe übergesetzt. Die anderen Abteilungen und das Feldartillerieregiment Nr.10 machten im Lager Platz für die Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24, deren 46 Mann starkes Vorkommando rückte am 22.Juni ins Lager ein. Am 06.Juli wurde die II.Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.9 auf 3 Dampfern von Stade kommend nach Glückstadt übergesetzt, von wo aus die Abteilung zum Lockstedter Lager marschierte. Die Schießübungen der 9.Feldartilleriebrigade begannen am 08.Juli und endeten mit der Besichtigung durch den Generalinspekteur Generalleutnant von Voigt-Rheetz. Im Anschluß an die Besichtigung fand auf dem Bückener Feld das bereits traditionelle Pferdewettrennen zwischen den Offizieren der Regimenter Nr.9 und Nr.24 statt.

Einem Kanonier des 24.Regiments war eine Schlagröhre in der Hand explodiert und waren demselben hierdurch 3 Finger abgerissen worden. Unvorsichtigkeit soll die Ursache der Explosion gewesen sein.

Der Kriegsminister hatte angeordnet, daß in den einzelnen Besatzungsorten die Truppenteile im Feuerwehr-, Lösch- und Rettungsdienste ausgebildet werden sollten, damit sie in den Stand gesetzt würden, die Feuerwehren wirksam zu unterstützen, auch wenn es erforderlich werden sollte, für sie einzutreten. Die künftig zum Lager abgeordenten Soldaten des Wachkommandos mußten alle an dieser Ausbildung teilgenommen haben.

Das Infanterieregiment Nr.31 passierte am Mittwochvormittag, den 15.August, auf dem Marsch zum dem Lockstedter Lager Kellinghusen mit klingendem Spiel. Eine Belegung von Overndorf und Mühlenbarbek mit Mannschaften dieses Regiments, wie früher angemeldet worden war, war nicht notwendig. Am 16.August traf das Infanterieregiment Nr.85 im Lager ein. Es wurden Schießübungen, Regiments- und Brigadeexerzitien durchgeführt, welche 12 Tage in Anspruch nahmen. Am 29.August wurde die Brigade mit der Eisenbahn von Wrist nach Schleswig befördert. Dort begannen die Detachementsübungen, unter Beteiligung des Jägerbataillon Nr.9, gegen einen markierten Feind, welche sich bis in die Gegend von Hadersleben hinaufzogen. Ein bedauerlicher Zwischenfall hatte sich leider kurz nach dem Ausmarsch der 31er aus Altona ereignet. Als dieselben sich in der Nähe von Altona befanden, scheute das Pferd eines Hauptmannes vor einem Zug der Altona-Kaltenkirchener Eisenbahn, schlug aus und traf zwei Füsiliere so unglücklich, daß diese in schwerverletztem Zustand nach Altona zurückgebracht werden mußten.

Ein Mann der 7.Kompanie des zweiten Bataillons des Infanterieregiments Nr.85 aus Neumünster litt plötzlich an sehr starkem Durchfall, gleichzeitig stellten sich Erbrechen und Schmerzen in allen Gliedern ein. Der sofort herbeigerufene Arzt ordnete die sofortige Überführung des betreffenden Mannes in das Barackenlazarett an, wo der Kranke abgesondert von den dort noch vorhandenen Kranken der Artillerie untergebracht wurde. Auf Anforderung des Arztes wurden die mit dem Kranken auf einer Stube einquartiert gewesenen Mannschaften der 7.Kompanie in eine andere Baracke umquartiert und die geräumte Stube´abgeschlossen. Das noch vorhandene Brot dieser Mannschaft wurde auf Befehl eingegraben. Die betreffende Stube wurde später gründlich gereinigt, dann mit Carbolsäure stark desinfiziert, das Inventar, Tische, Türen, Betten und Wände mit Sublimat abgewaschen und dann wieder abgeschlossen. Die Krankheit des Mannes wurde als cholera nostras bezeichnet. Der Erkrankte gab an, tags zuvor von einem am Ende der Sedanstraße stehenden Milchhändler Milch gekauft und getrunken zu haben. Es stellte sich heraus, daß die von den Milchhändlern zum Verkauf angebotene Milch sehr stark mit Wasser verdünnt war und in der Regel nach dem Genuß derselben sich bald Durchfall einstellte. Ein Glas solcher Milch (Wasser mit Milch!) kostet 5 Pfennig. Im Lockstedter Lager fehlte es immer noch an gutem Trinkwasser. Das Wasser nur einiger Brunnen soll genießbar gewesen sein. Eine Besserung des gesundheitlichen Zustandes des Erkrankten war bald darauf eingetreten.

Seit dem 02.September war im Lockstedter Lager die Ersatzreserve des II.pommerschen Fußartillerieregiments zu einer 12wöchigen Dienstleistung eingezogen. Es waren 3 Kompanien zu je 50 Mann formiert, zu denen am 13.Oktober die Ersatzmannschaften des vorigen Jahres hinzutraten. Am 04.September wurden nach einem von dem Divisionspfarrer Büttel gehaltenen Feldgottesdienst die Mannschaften vereidigt. Da die Ersatzmannschaften aus dem Bereiche des II., IX, und X.Armeekorps rekrutiert waren, so fanden sich unter den Reservisten außer den preußischen Staatsangehörigen auch Mecklenburger, Lübecker, Bremer, Oldenburger, Hamburger und Braunschweiger. Das Kommando führte Major Lorenz aus Swinemünde, dem drei Secondeleutnants und ein Arzt beigegeben waren.

Am 09.November wurden die im Lockstedter Lager zur Übung einberufenen Ersatzreserven entlassen. Jetzt war das Lager nur noch von einem Wachkommando der 9.Feldartilleriebrigade und einem Arbeitskommando in Stärke von 90 Mann besetzt. Das Arbeitskommando ebnete die Granatentrichter ein und häufte die Kugelfänge wieder an.

Kurz vor Weihnachten wurden die Soldaten des Arbeitskommandos in die jeweiligen Standorte zurück kommandiert. Eine erneute Kommandierung ins Lager im kommenden Jahr war nicht vorgesehen. Am Ende des Jahres wurden einschließlich der militärischen Stammbesatzung 149 Bewohner des Lagergebietes gezählt.


1886

Plan des Lagers um 1886

Die Vorbereitungen für die Schießübungen im Lockstedter Lager im Jahr 1886 waren auf April terminiert. Am 17. und 19.April trafen Teile des Vorkommandos im Lager ein, um für das am 11.Mai eintreffende Fußartillerieregiment Nr.2 die Schanzen, Kugelfänge und Deckungen instand zu setzen. Die Fußartillerie wollte ihre Schießübungen vom 10.Mai bis 08.Juni, die 10.Feldartilleriebrigade vom 17.Juni bis 15.Juli und die 9.Feldartilleriebrigade vom 19.Juli bis 15.August abhalten.

Ende April fand ein umfangreicher Transport von Schießmaterialien von Wrist aus ins Lockstedter Lager statt. Der große Pulvertransport war natürlich vom Militär begleitet, eine Vorsicht, die gewiß dringend nötig war um Unglücke zu verhüten. Es wurde gemutmaßt, daß die militärische Sicherung zu schwach war, jedenfalls beim Passieren der Ortschaften, wenn man die Gefährlichkeit eines solchen Transports und die Folgen einer etwaigen Explosion auch nur einer Wagenladung in Betracht zog. Allerdings waren auch polizeiliche Anordnungen getroffen worden, die den Transport schützen sollten; so mußten die Wagen in großen Abständen fahren, allen Passanten, die dem Transport begegnen würden hatten das Rauchen zu unterlassen, alle entgegenkommenden privaten Wagen mußten an dem Transport langsam vorbeifahren oder stehenbleiben. Zuwiderhandlungen würden - unbeschadet der Person des nötigenfalls zur Anwendung zu bringenden unmittelbaren Zwangs - bestraft.

Das Fußartillerieregiment Nr.2 erreichte den Bahnhof Wrist am 11.Mai und marschierte auf dem direkten Wege ins Lager. Das Fußartilleriebataillon Nr.9 kam am 12.Mai im Lager an. Nach vorbereitenden Übungen, die am 13. begannen, wurden die Schießübungen geschäftsmäßig abgespult, sogar die Nachtschießen verliefen ohne Probleme.

Ende Mai war in der Verwaltung die Rede davon, daß in Kürze 5 neue Mannschaftsbaracken aufgeführt werden würden, dann könnten weitere 500 Mann im Lager untergebracht werden, was die Einquartierungen in den umliegenden Ortschaften wesentlich verringerte.

Nach einer überaus gründlichen Besichtigung der Fußartillerieeinheiten durch den Generalinspekteur der Artillerie General von Voigt-Rheetz und den Inspekteur der 1.Fußartillerieinspektion, General Wiebe, hatten die Artilleristen das Lager am 05.Juni verlassen. Nach diesem Aufenthalt wurde das Fußartilleriebataillon Nr.9 nach Köln verlegt.

Am Donnerstag, den 10.Juni, bezogen die Feldartillerieregimenter Nr.10 und Nr.26 das Lockstedter Lager. Die 10.Feldartilleriebrigade blieb bis zum 15.Juli um Regiments- und Brigadeexerzitien durchzuführen. Das sonst am Ende der Exerzitien durchgeführte traditionelle Pferdewettrennen fand in der zweiten Woche des Lageraufenthaltes statt. Das Rennen wurde groß angekündigt. Vier Rennen waren vorbereitet, das erste Rennen sollte pünktlich um 1500 Uhr gestartet werden. Die Siegerehrung mit anschließender Feier fand im Offizierskasino statt.

Im Anschluß an die 10.Feldartilleriebrigade rückten die Regimenter der 9.Feldartilleriebrigade im Lager ein. Einheiten des Feldartillerieregiments Nr.9 wurden über den Bahnhof Itzehoe antransportiert, von wo aus sie im Landmarsch das Lager erreichten, wogegen das Feldartillerieregiment Nr.24 über den Bahnhof Wrist kamen. Die Zeit im Lager dauerte vom 20.Juli bis 19.August.

Auf dem Schießplatz ereignete sich ein sonderbarer Vorfall, der unter Umständen zu einem großen Unglück hätte führen können. Die Nummer 4 einer Geschützbedienung vom Feldartillerieregiment Nr.24 ließ eine fertiggemachte Granate mit Vorstecker beim Einsetzen in das Geschützrohr auf den Lafettenschwanz fallen, von diesem rollte sie zur Erde. Der Kanonier besaß jedoch die Geistesgegenwart, die Granate sofort aufzuheben und hochzuhalten, ehe sie krepieren konnte. Hierdurch hatte der Mann ein Unglück verhütet, das schreckliche Folgen hätte haben können denn im nächsten Augenblick wäre die Granate krepiert und hätte alle in der Nähe befindlichen vernichtet. Ein ähnliches Malheur passierte vor 2 Jahren auf einem anderen Übungsplatz, hierbei wurde eine Anzahl Menschen getötet oder schwer verwundet. Während des Aufenthalts wurden einem Kanonier der Möllner Abteilung von einem Zünder, an dem er sich zu schaffen machte und dabei explodierte, einige Finger der linken Hand abgerissen.

Die beiden Feldartillerieregimenter, die im Lockstedter Lager übten, wurden zum ersten Mal auf eine neue Art mit Brot versehen. Zur Herstellung desselben waren auf freiem Feld zwei Feldbäckereien errichtet, die aus eisernen Öfen und mehreren Zelten bestanden. Jeden zweiten Tag erhielt jeder Mann ein Brot, da die Gesamtzahl beider Regimenter (1100) Mann betrug, so war die Leistungsfähigkeit der Feldbäckereien ganz bedeutend. Im Falle, daß sich dieselben auch bei anderen Einheiten bewähren, sollen sie in Zeiten der Mobilmachung bei der gesamten Armee eingeführt werden.

Am Tage nach der Inspektion der 9.Feldartilleriebrigade durch den Generalinspekteur der Artillerie von Voigt-Rheetz und den Inspekteur der Feldartillerie Generalmajor von Bichelsberg fand ein Preisschießen der Batterien statt. Vier Batterien wurden mit Medaillen ausgezeichnet. Am Nachmittag gleichen Tages führten die Offiziere der Regimenter das Pferdewettrennen auf dem Bückener Feld durch.

Die Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85 bezogen das Lockstedter Lager, Teile des Infanterieregiments Nr.31 wurden in den umliegenden Ortschaften einquartiert. Das Jägerbataillon Nr.9 stieß am 27.August zu den beiden Regimentern, um ab dem 28.August gemeinsame Manöver durchzuführen. Bei den am Manöver beteiligten Truppen wurden mit konservierten Lebensmitteln gemacht. So waren an die Truppe kleine Päckchen mit konserviertem Tee ausgegeben worden. Der Tee war zu einem Würfel von ungefähr 2 Zentimeter Rauminhalt zusammengepreßt und bildete mit 4 Stückchen in denselben Paketen befindlichem Zucker eine Portion. Der Tee konnte kalt oder warm zubereitet werden und sollte ein sehr wirksames Erfrischungsmittel bilden.

Während des Hierseins des Jägerbataillons Nr.9 zitierte ein Unteroffizier der 1.Kompanie das Gedicht des ehemaligen Jägers Theodor von Wegern, das dieser im Biwak in Jussy / Frankreich 1870 getextet hatte.

Vom 9. Jägerbataillon.

Was kraucht dort in dem Busch herum? Ist das vielleicht Napoleum?
Nein! muthig, keck und kühn geht vor, Das Lauenburg'sche Jägercorps.
Im siebentägigen Krieg erstand, Das Bataillon dem Vaterland;
Doch reift' es schnell, - in heißer Schlacht, Hat es das Kind zum Mann gemacht.
Bei Gravelotte ging's lustig her, Die Kugeln pfiffen kreuz und quer;
In Strömen floß viel kostbar Blut, 's ward scharf französisch parlez-vous't.
Gar mancher Bruder sank dahin, Doch bracht's dem Vaterland Gewinn;
Und hei! da war'n in erster Reih', Die neunten Jäger auch dabei.
"Zurück!" ertönt's, "in wilder Hetz', Zurück ins Felsennest nach Metz!
Zu fühlen bald des Hungers Pein, Schließt Euch in Eure Festen ein!"
Und bald ward auch in wilder Flucht, Von Fränk'scher Seite Schutz gesucht.
Das Bataillon ging nun zurück, Doch ach! umflort war mancher Blick;
gelichtet war der Brüder Schar, Das Schlachtfeld - eine Totenbahr',
"Schlaft süß und sanft in fremdem Land! Ihr starbt den Tod fürs Vaterland,
Ihr zahltet für das Bataillon, Der Feuertaufe blut'gen Lohn!" -
Nun wurde kräftig Metz cerniert, Das Bataillon nach vorn Locirt,
Und Hussa! scharf bei Tag und Nacht, Der Fuchs im Bau von uns bewacht.
Am ersten Octobermond, Da wurde wieder blau gebohnt,
Da kriegt der Franzmann bei Chatell, Von uns zum zweiten Mal aufs Fell.
Es fiel den dummen Burschen ein, Mit Chassepotkugeln 'rumzustreu'n;
Das neunte Bataillon nicht faul, Stopft ihnen schnell das große Maul.
Wie flogen da die Kammern auf, Wie saust' die Kugel aus dem Lauf,
Wie klopft voll Muth und Kampfeslust, Das Herz in jedes Jägers Brust! -
Und wie der Wind, eh' man's versah, war kein lebend'ger Feind mehr da!
- Doch nahm der Tod aus uns'rer Mitt', Sich wiederum drei Brüder mit!
"Gott nehm' sich ihrer gnädig an, Sie haben ihre Pflicht gethan!" -
Ein Hoch der tapferen Jägerschar, Die brav bestand Kampf und Gefahr;
Manch Eisenkreuz ziert jetzt als Lohn, Das neunte Jägerbataillon!


Vom 25.September bis 09.November übte die Ersatzreserve der Artillerie des IX.Armeekorps auf dem Schießplatz, angefangen von den Grundübungen des Fahrens bis zum Nachtschießen der Batterien.

An der Chaussee nach Nortorf eröffnete der Schlachter Böge sein Geschäft. Zu den Kunden gehörten in erster Linie die Gastronomen des Lagers und auch die zivilen Bewohner.


1887

Vor Beginn der Schießübungen im Jahre 1887 wurde in den Zeitungen des Kreises auf Besonderheiten, den Schießplatz betreffend, aufmerksam gemacht, daß sich ab dem 13.April bis zur Beendigung der Schießen am 10.August zur Ausführung von Vor- und Nacharbeiten größere Kommandos im Lockstedter Lager befinden würden. Das während der Schießübungen gefährdete Terrain, das nicht betreten werden dürfe, werde vor dem Beginn bis nach dem Abschluß des Schießens durch 13 mit Nummern versehenen Barrieren abgesperrt, welche durch Unteroffiziere geschlossen und geöffnet würden. Außerdem wäre südlich von Silzen, in der Nähe der Chaussee, an der Spitze des Nadelwaldes und nördlich von Lockstedt je ein weithin sichtbarer Armtelegraph angebracht, dessen Arme während des Schießens hochgezogen wären. Da jede Berührung und nicht sachgemäße Behandlung von scharfgeladenen Blindgängern, die möglicherweise auf hinter den Kugelfängen gelegenem Gelände gefunden werden könnten, mit großer Gefahr für Gesundheit und Leben verbunden wäre und dadurch schon mehrfach Unglücksfälle verursacht wurden, würde gewarnt. Bei etwaigem Auffinden von Blindgängern sollte es unterbleiben diese zu berühren oder aufzunehmen, jeder Finder sollte unverzüglich die Verwaltungskommission des Schießplatzes oder das Wachkommando im Barackenlager, unter genauer Bezeichnung der Fundstelle in Kenntnis setzen und dadurch die sofortige Abholung der Blindgänger zu bewirken. Dagegen hätten die Finder von Munitionsmaterialien (Eisensprengstücke, Blei, Messing), deren Aufnahme gefahrlos wäre, diese sofort abzuliefern. Der Finderlohn betrage für 1 Kilo Eisen in Sprengstücken 3 Pfennig, für Blei und Messing 5 Pfennig. Für das Anzeigen der Fundstelle von Blindgängern werde ein dem Gewicht derselben entsprechender höherer Finderlohn gezahlt. Besonders werde noch darauf aufmerksam gemacht, daß nach §291 des Strafgesetzbuches die widerrechtliche Aneignung von Munitionsmaterialien mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 900 Mark bestraft werde. Zugleich würden alle Zivilisten, die durch die Abhaltung der Schießübungen in ihrem Geschäftsbetrieb gestört werden könnten aufgefordert, den eigenen Betriebsablauf zu ordnen, so daß die Störungen der Schießen auf das geringste Maß beschränkt werden würden. Ansprüche auf Entschädigung wegen militärischer Betriebsstörung wären sofort beim Gemeindevorsteher anzumelden.

Am 19.April begann ein zirka 95 Mann starkes Vorkommando des Fußartillerieregiments Nr.2 mit den Vorbereitungen auf den Aufenthalt des Regimentes. Zu den Vorbereitungen gehörte auch der Ausbau der Feuerstellungen und deren Verstärkung durch umfassenden Holzverbau, auch die Schießscheiben und deren Zugvorrichtungen wurden überprüft, notwendigerweise repariert oder erneuert. Zu den weiteren Aufgaben gehörte auch die Vorbereitung der Baracken und Pferdeställe.

Das pommersche Fußartillerieregiment Nr.2 marschierte am 02.Mai in das Lockstedter Lager ein. Die Schießübungen starteten mit dem 05.Mai zahlreiche Schießübungen und Nachtschießen bestimmten den Aufenthalt, nur an Sonntagen waren die Schießen und Übungen unterbrochen. Der endgültig letzte Aufenthalt des Regimentes auf dem Schießplatz Lockstedter Lager endete am 02.Juni mit dem Rückmarsch in die Garnisonen Swinemünde und Stettin.

Das Lager stand nur drei Tage leer. Das Nachkommando des Fußartillerieregiments Nr.2 übergab die Einrichtungen an die Fouriere der Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24. Die Regimenter rückten am 06.Juni in das Lager ein. Die Feldartillerieregimenter sollten während des Aufenthaltes auch wieder Reservisten zu einer 12tägigen Übung aufnehmen.

Am 20.Juni war durch die Schießübungen ein größerer Heidebrand ausgebrochen. Die sofort eingesetzten Soldaten konnten den Brand nicht unter Kontrolle bringen, erst durch den Einsatz des gesamten Feldartillerieregiments Nr.24 war es möglich den Brand bis zum Abend zu löschen.

Die Inspektion der Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 fand im Lockstedter Lager am 03. und 04.Juli statt. Besonders sehenswert war die Parade in Regimentskolonnen auf der Wrangel Heide, welche am 04.Juli gegen 0630 Uhr abgenommen wurde, zu diesem Schauspiel hatten sich trotz der frühen Tageszeit viele Besucher eingefunden. Einen Tag nach der Besichtigung verließen die Regimenter das Lager, das Feldartillerieregiment Nr.24 in Richtung Wrist, wogegen das Feldartillerieregiment Nr.9 über die Bahnhöfe Wrist und Itzehoe abtransportiert wurde.

Die Einheiten der 10.Feldartilleriebrigade bestehend aus den hannoverschen Feldartillerieregimentern Nr.10 und Nr.26 bezogen am 07.Juli die Einrichtungen im Lager. Nach kurzer Einrichtungszeit begannen die Schießübungen nehmen schon am Tag nach dem Einrücken. Der erste Abschnitt des Aufenthaltes diente den Einheiten für Exerzierübungen im Batterie- und Bataillonsrahmen, denen die Regimentsexerzitien folgten, darauf folgten die Übungen im Brigaderahmen. Abgeschlossen wurden die Übungen durch die Inspektion der hannoverschen Feldartillerieregimenter Nr.10 und Nr.26 am 01.August. Am Donnerstag, den 04.August, kehrten die Truppen in ihre Garnisonen zurück.

Von den Offizieren der 10.Feldartilleriebrigade wurde nach Beendigung der Schießübungen ein schon traditionelles Rennen abgehalten. Geteilt war die Veranstaltung in ein Jagdrennen, eine Steeplechase und eine Schnitzeljagd. Im ersten Rennen siegten: "Quisisana" des Hauptmannes Otto (1.), Reiter: Leutnant Bauer, "Sarah" des Leutnants Kutschenbach (2.) und "Titus" des Leutnants Reuter (3.). Im zweiten Rennen wurden Sieger: "Hunter" des Hauptmannes von Werner (1.), Reiter: Leutnant von Stephan, "Goldstar" des Leutnants von Chevallerie (2.). In der Schnitzeljagd, in der Leutnant von Chevallerie Fuchsträger war, siegte Leutnant von Meien. Ein großes Publikum wohnte dem Rennen bei. In der Nacht zum Donnerstag rückte die ganze Brigade nach Wrist ab, von wo diese in 6 Extrazügen in die Garnisonen im Hannoverschen befördert wurde. Ein Nachkommando blieb noch bis zum 12.August im Lager.

Die Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85 bezogen das Lockstedter Lager am 12.August, um hier Regiments- und Brigadeexerzitien vorzunehmen. Die 31er marschierten nach einem Bahntransport von Wrist aus ein, die 85er kamen im Landmarsch von Norden aus ihren Garnisonen.

Die beiden Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85 hatten am 22.August einzeln Regimentsvorstellung. Am folgenden Tag begannen die Brigadeexerzitien, die am 06.August mit einer Parade beendet wurden. Am 29. rückten beide Regimenter zu den Manövern, die zwischen Stade und Buxtehude stattfanden, aus. Die Regimentskapellen spielten Märsche beim Auszug aus dem Lager und dem Passieren von Kellinghusen.

Über die Bahnhöfe Itzehoe und Wrist reisten die Reservisten der Ersatzreserve am 01.September zur Ableistung der Reserveübung im Lockstedter Lager an. Die Bürger von Itzehoe und Kellinghusen wurden durch die laut gesungenen Soldatenlieder auf die fidele Truppe aufmerksam. Bis zum 14.September übten die letztjährigen Reservisten allein auf dem Schießplatz, am oben genannten Tag rückten die Mannschaften, die ihre zweite Übung machen sollten ein. Die Reservisten verließen am 09.November das Lager, ebenso lustig wie sie eingezogen waren.

Kurz vor Beendigung der Reservistenübung traf ein Wachkommando des IX.Armeekorps im Lager ein. Sie waren bis zum Frühjahr des nächsten Jahres allein im Lager.


1888

Nachfolgend aufgeführte Personen waren im Januar 1888 in den bezeichneten Wohnorten gemeldet.

Wohnort Lockstedter Lager
gehört zu: Kirchspielvogtei, Amtsgericht, Steuerkasse und Steueramt Kellinghusen.
gehört zu: Landratsamt, Postagentur und Postverbindung Itzehoe.

Blumenstein, Gastwirt und Militäreffektenhandlung
Hahn, R. Bäcker Krämerei
Hinsch, J. Gastwirt und Militäreffektenhandlung
Horn, Optiker  
Hülsing, W. Gastwirt Hotel Hülsing
Lohse, Schuhmacher Maßschuhe und Reparatur
Pabst, O. Hühnerzüchter Militäreffektenhandlung und Kolonialwarenhandlung
Schmidt, M. Wäscher Dampfwäscherei
Schütt, J.D. Gastwirt Hökerei
Schütt, G. Bäcker Krämerei
Sibbert, M. Bäcker  
Sibbert, H. Gastwirt  
Sörensen, Wwe. Kauffrau Hotel Sörensen
Theurich, R. Gastwirt Hotel Stadt Hamburg
Thode, W. Gastwirt  
Wersig, Kaserneninspektor  
Willroth, Kaufmann Krämerei und Militäreffektenhandlung

Wohnort Ridders

Bunz, Gemeindevorsteher Vorsitzender der Genossenschaftsmeierei
Timmermann, Daniel Gastwirt Gasthaus zu Linde
Pfeil, Th. Müller Ridderser Mühle
Todt, Lehrer  

Wohnort Lohmühle

Andersen, J. Müller Lohmüller
Jansen, Rentner  


Mit dem Jahr 1888 startete ein internationaler Rüstungswettlauf, begleitet von einer rasant fortschreitenden waffentechnischen Entwicklung. Diese Entwicklungen, einhergehend mit erneuter Steigerung der Schußentfernungen, ließen erneut das Kriegsministerium aktiv werden, das eine erneute Erweiterung des Schießplatzes in Angriff nahm. Die im Plan von 1890 festgehaltene und geplante Vergrößerung des Schießplatzes wurde aber erst 1896 durchgeführt. Die Beschaffung des Gewehr / Karabiner M/88 war beschlossen. (Gewichtsreduktion und Änderung des Kalibers auf 8 mm, erneute Verbesserung der Patronen. Der Soldat konnte mehr Patronen tragen, nämlich 150 statt 100. Die Grundausstattung pendelte sich im Laufe des Jahres bei 120 Patronen ein.)

Anmerkung:
Mit Beginn 1891 legte das preußische Kriegsministerium für das X.Armeekorps bei Munster in der Lüneburger Heide den späteren Truppenübungsplatz Munster Lager an. Die Nutzung des Platzes begann im Juni 1893.

Gemäß der am 23.Dezember 1887 vom Königlichen Kriegsministerium - Allgemeines Kriegsdepartement - erlassenen und am 01.Januar 1888 in Kraft gesetzten "Bestimmungen über die Benutzung der Artillerie Schießplätze" nutzten die 9. und 10.Feldartilleriebrigade den Schießplatz Lockstedter Lager zur Durchführung ihrer Schießübungen. Die Aufsicht über den Schießplatz führte die 9.Feldartilleriebrigade. Damit war endgültig festgeschrieben, daß die Fußartillerie den Platz nicht mehr nutzen würde.

Im Januar deutete sich ein Ausbau des Lagers, durch den Neubau von Pferdeställen an. Die Pferdeställe sollten so gebaut werden, daß bei Bedarf auch bis zu 80 Mannschaften in denselben untergebracht werden konnten.

Im April 1888 stiftete Kaiser Friedrich III. das Kaiserschießen. Alljährlich im Sommer, meist zu den Übungsplatzaufenthalten, fand ein Preisschießen innerhalb der Armeekorps statt. Der beste Offizier erhielt einen Degen, der beste Unteroffizier bekam eine Uhr. Bedingung 7 Schuß stehend freihändig auf 24er Ringscheibe in 150 Meter Entfernung.

Die Schießvorbereitungen begannen in der Mitte des April mit dem Einrücken des Arbeits- und Vorkommandos der 10.Feldartilleriebrigade. Aus den Standorten Hannover, Oldenburg, Verden und Wolfenbüttel waren insgesamt 120 Artilleristen und Handwerker im Lager und auf dem Schießplatz tätig. Es waren die jährlich wiederkehrenden Arbeiten und Vorbereitungen, die getroffen werden mußten.

Die 10.Feldartilleriebrigade bezog mit den beiden Regimentern Nr.10 und Nr.26 das Lager am 09.Juni. Das Feldartillerieregiment Nr.10 war mit der Eisenbahn nach Wrist, das Feldartillerieregiment Nr.26 nach Itzehoe transportiert worden. Die Übungen der Regimenter begannen am 10. mit dem Überprüfen der grundlegenden Fertigkeiten und der Festigung des vorhandenen Wissens in Bezug auf das Exerzierreglement.

Der Kaiser und König Friedrich III. war am 15.Juni 1888 gestorben. Am gleichen Tag lief ein Fernschreiben mit dem Armeebefehl des künftigen Kaisers und Königs Wilhelm II. bei der Kommandantur ein. Am folgenden Tag, dem 16.Juni leisteten alle Soldaten den Eid der Treue.

In der Mitte des Lageraufenthaltes brach unter den Pferden der 10.Feldartilleriebrigade eine Krankheit aus, die nicht sofort eingeordnet werden konnte. Als erste Maßnahme mußten alle Pferde aus den Ställen und im Freien biwakieren. Nach einigen Tagen sprachen die Roßärzte davon, daß es sich bei der Krankheit um eine Influenza handeln könne. Die 9.Feldartilleriebrigade befahl vorsorglich, daß die Brigade in diesem Jahr nicht das Lager beziehen würde, wenn sich der Gesundheitszustand der Pferde nicht bessern sollte. Es gäbe natürlich die Möglichkeit, wie die von der in Neumünster liegenden Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.9 in Betracht gezogene Maßnahme, daß man die Pferde sofort nach dem Gerätetransport wieder nach Neumünster zurück bringen würde, entsprechend könnten die Regimenter Nr.9 und Nr.24 verfahren.

Wegen der unter den Pferden der 10.Feldartilleriebrigade ausgebrochenen Krankheit werden keine Pferde der 9.Feldartilleriebrigade im Lager untergebracht, um Ansteckungen zu vermeiden. Den Bürgermeistern der umliegenden Ortschaften wurde die Einquartierung von Soldaten und Pferden angekündigt. Letztlich reduzierte sich die Einquartierung auf Itzehoe, welches 18 Offiziere, 379 Mannschaften und 421 Pferde aufzunehmen hatte. Kellinghusen und die anderen Ortschaften blieben verschont.

Die 10.Feldartilleriebrigade verließ am 11.Juli das Lager, um von Wrist aus in die Heimatstandorte transportiert zu werden. Keines der im Lager erkrankten Pferde mußte zurückgelassen werden, der Gesundheitszustand war am Transporttag zufriedenstellend. Eine fragwürdige Abschlußdiagnose lautete, daß die Krankheit durch erhöhten Grundwasserstand hervorgerufen worden sei.

Die Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 richteten sich ab dem 14.Juli im Lager ein. Die wenigen Pferde, die man im Lager zur Verfügung hatte, zogen die Geschütze in die Feuerstellungen, danach wurden sie aus dem Lager gebracht. Ein befohlener Stellungswechsel mußte mit Manneskraft durchgeführt werden, zum Geschützrohrreinigen mußten die Mannschaften zu den Stellungen. Durch das Fehlen der Zugtiere erhöhte sich der Wachaufwand beträchtlich. Die zivilen Geschäftsleute beschwerten sich darüber, daß die in Itzehoe einquartierten Soldaten nach Dienstschluß nach Itzehoe marschierten, so erlitten sie eine nicht unerhebliche Einbuße, was schlimm sei, da sie auf die Einnahmen im Sommer angewiesen seien.

Der scheidende General der Infanterie und Kommandierende General der Infanterie von Treskow machte seinen Abschiedsbesuch im Lager. Er wurde mit Wirkung vom 02.August 1888 unter Belassung der Pension zu Disposition gestellt.

Der Kommandeur der 11.Division Generalleutnant von Leszczynski der am 02.August 1888 mit gleichem Datum zum General der Infanterie und Kommandierenden General des IX.Armeekorps befördert worden war, hatte am 19.September eine Inspektionsreise zum Truppenübungsplatz durchgeführt und die im Lager vorhandenen Anlagen begutachtet, daneben besichtigte er das laufende Divisionsmanöver.

Am 06.August wurde die 9.Feldartilleriebrigade auf dem Lockstedter Schießplatz von dem Generalinspekteur General von Voigt-Rheetz besichtigt. Mit dieser Maßnahme waren die Artillerie Schießübungen für dieses Jahr beendet, jetzt wurden noch die Infanteristen und Dragoner erwartet.

Das Infanterieregiment Nr.31 bezog am 13.August, diesmal kamen die Einheiten im Landmarsch, das Lager.

Nach dem Aufenthalt des Dragonerregiments König Carl I. von Rumänien (1.Hannoversches) Nr.9 im Lockstedter Lager (keine genaue Zeitangabe) war der Name seines Kommandeurs gleich zweimal verewigt. In Zukunft sprach man von dem Prittwitz Weg und der Gaffron Ecke. Der Kommandeur, von Prittwitz und Gaffron, hatte auf intensiver Schießausbildung bestanden und schlechten Schützen zusätzliche Schießübungen "aufgebrummt". Er ließ die Dragoner in den Dämmerungsphasen des Tages also beim Büchsenlicht und in der bürgerlichen Dämmerung auf den verschiedenen Gefechtsschießbahnen die Übungen gemäß Übungsvorhaben so lange schießen, bis er mit den Leistungen zufrieden war.
♦ Anmerkung:
Nicht identisch mit dem Vizeadmiral von Prittwitz und Gaffron.

Für den Bau eines Garnisonsverwaltungsgebäudes war im neuen Etat eine Summe von 50.500 Mark gefordert worden. Die Erläuterung hierzu besagte: "Die Geschäfts- und Aufbewahrungsräume, sowie die Wohnung für die Beamten bei der Garnisonsverwaltung auf dem Artillerieschießplatze bei Lockstedt sind in Baracken untergebracht, welche ihrer leichten Bauart nach nur für den vorübergehenden Aufenthalt im Sommer geeignet sind, in keiner Weise aber hinreichenden Schutz gegen Winterkälte, gegen Sturm und Regen bietet und hat dieser Übelstand schon seit Jahren begründeten Anlaß zu Klagen gegeben. Ein Umbau der für vorstehende Zwecke benutzten Baracken, um sie für dauernde Nutzung geeignet zu machen, ist bei der leichten Bauart derselben ausgeschlossen. Dem vorhandenen Bedürfnis soll durch den Neubau eines Garnisonsverwaltungsgebäudes, welches anschlagsmäßig den Betrag von 50.500 Mark erfordert, in der Art entsprochen werden, daß in diesem Neubau die vorbezeichneten Räume und außerdem die Diensträume für die während der Truppenübungen im Barackenlager bestehende Postanstalt untergebracht werden".


1889

1889 sollten in wichtigen Dienststellen im Lager, auch die Generalsbaracke und das Offizierskasino, Telefone installiert bekommen. Die Vermittlung wurde später im Gebäude der Königlichen Garnisonsverwaltung untergebracht werden können.

Der Gastwirt F.Steffen eröffnete im Februar an der Kieler Landstraße eine Gaststätte mit Namen "Zur Erholung".

In diesem Jahr begannen die Infanterieregimenter des IX.Armeekorps mit neuen Spezialmanövern, welche die Zusammenarbeit zwischen der Infanterie, Artillerie und Kavallerie verbessern sollten. Den Anfang machten 6 Kompanien des Infanterieregiments Nr.31, die am 15.April in das Lager einzogen; es war vorgesehen, daß die Übungen bis zu den Herbstmanövern fortgesetzt werden sollten.


Im Zuge der baulichen Erweiterung des Lagers wurde für die 1889 von der Garnisonsverwaltung beschafften zwei Hand-Druck-Feuerlöschspritzen ein Spritzenhaus südlich der Lagerstraße, gegenüber dem Offizierskasino, neben dem Eishaus gebaut.

Das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.31 wurde am 24.April von Altona mit der Bahn nach Wrist befördert, von dort ging es im Fußmarsch zum Lockstedter Lager wo die Schießen mit dem Gewehr bereits am folgenden Tag begonnen wurden. Alle Mannschaften mußten zwei Bedingungen der Schulschießübungen erfüllt haben ehe sie an den Einzelgefechtsschießen teilnehmen durften.

Am 01.Mai 1889 wurde die Zweigpoststelle im Lockstedter Lager wieder eröffnet.

Das III.Bataillon des Infanterieregiments Nr.31 wurde am 02.Mai durch das I.Bataillon des gleichen Regiments abgelöst. Der Sonderzug, der das I.Bataillon nach Wrist gebracht hatte transportierte auch das III.Bataillon wieder nach Altona zurück. Das fehlende II.Bataillon ersetzte am 10.Juni das I.Bataillon.

Von der Witterung begünstigt, nahmen die Eisenbahnarbeiten an der Strecke Wrist - Itzehoe einen raschen Fortgang. Mit dem Kiesfahren für das Gleisbett war ebenfalls begonnen worden. Es war geplant, zum 01.Juli den Bahnkörper soweit fertig zu haben, daß Frachten bis zum Lockstedter Lager befördert werden konnten. Es war fest zugesagt, daß das Gepäck und sonstige Fracht für die Anfang Juli im Lockstedter Lager eintreffenden Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 bereits per Bahn zum Lager befördert werden. Ob die Bahn am 01.Juli, wie früher amtlich zugesagt, auch dem Personenverkehr übergeben werden könnte, schien fraglich zu sein, da die Stationsgebäude zu weit zurück waren, der Bauauftrag für den Bahnhof Lockstedter Lager war noch nicht vergeben.

Die Einheiten des Feldartillerieregiments Nr.10 wurden von Hannover und Wolfenbüttel mit der Eisenbahn bis nach Wrist transportiert, von dort aus marschierten sie zum Lockstedter Lager, wogegen die Abteilungen des Feldartillerieregiments Nr.26 ihre Garnisonen Verden und Oldenburg so rechtzeitig in Batteriekolonnen verlassen mußten, daß sie ebenfalls am 08.Juni im Lager ankamen. Die Abteilungen erreichten im Landmärschen, mit Zwischenquartieren, Stade und wurden von dort aus über die Elbe nach Glückstadt transportiert, einen weiteren Tagesmarsch benötigten sie bis zum Lockstedter Lager.

Der Schienenstrang an der Eisenbahnneubaustrecke Wrist - Itzehoe hatte am 04.Juni das Lockstedter Lager erreicht,die noch notwendigen Erdarbeiten waren am 11.Juni abgeschlossen. Am künftigen Bahnhof war ein Durchgangsgleis und ein Abstellgleis verlegt worden. Das Abstellgleis lag neben der noch zu bauenden Verladerampe und war mit zwei Weichen an das Durchgangsgleis angeschlossen.

Zu einer ungewöhnlichen Zeit, nach der Hälfte des Aufenthaltes im Lager, wurden die Einheiten der 10.Feldartilleriebrigade besichtigt und inspiziert. Neben dem obligatorischen Parademarsch und der formalen Ausbildung wurde diesmal besonders auf die Fertigkeiten der Gespannfahrer und die Hantierung der Mannschaften an den Geschützen geachtet. Der Generalinspekteur der Artillerie verließ nach einer ausgedehnten Manöverkritik am 29.Juni das Lager. Die Regimenter der 10.Feldartilleriebrigade hatten noch bis zum 06.Juli Zeit angesprochene Mängel abzustellen.

Die Fouriere der Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 übernahmen am 07.Juli die angeforderten Unterkünfte und Ställe vom Beauftragten des Kaserneninspektors. Die beiden Regimenter bezogen das Lager am 12.Juli das Lager. Hauptbestandteil der diesjährigen Übungen waren Fahrübungen und Nachtschießen. Während des Aufenthalts waren zwei Feldgottesdienste fest terminiert.

In einem Tannendickicht an der Chaussee Lockstedter Lager - Itzehoe war auf Winseldorfer Gebiet durch Zufall eine menschliche Leiche entdeckt worden, welche dem Anschein nach mindestens seit letztem Winter dort gelegen hatte. Der Schädel war bereits gebleicht, der Unterkiefer lag neben der Leiche, am Oberkörper war ein Arm erkennbar, die Beine waren mit Hosen bedeckt, an den Füßen waren Schuhe zu erkennen. Ob hier ein Mensch im vergangenen Winter erfroren war oder ein Verbrechen vorliegt, konnte seinerzeit nur gemutmaßt werden.

Zu einer besonderen artilleristischen Vorführung traf der Kommandierende General des IX.Armeekorps, von Leszczynski, am 28.Juli im Lockstedter Lager ein. Einige Batterien sollten ab Montag Schießübungen mit rauchlosem Pulver vorführen. Daß diese Versuche von besonderer Wichtigkeit waren, bewies schon der Umstand, daß außer dem Kommandierenden General die Divisions- und Brigadekommandeure, sowie sämtliche Stabsoffiziere am Montag und Dienstag den Schießen beiwohnten. Während beim Schießen der anderen Batterien dicker Rauch aufwirbelte, sollte beim Abfeuern der so genannten Versuchsbatterien kaum eine Spur von Rauch zu bemerken gewesen sein, auch war der Knall nicht so laut, wie bei den mit altem Pulver feuernden Geschütze.

Zum ersten Stationsvorsteher der Bahnstation Lockstedter Lager war der Stationsassistent Dümmel, der bis zu seiner Versetzung nach Lockstedter Lager in Neumünster Dienst tat, ernannt worden. Seinen Dienst trat er am 25.Juli an. Da er Vorsteher ohne Stationsgebäude war, also ohne Dienstwohnung, mußte er sich ein Quartier in Sörensen's Hotel nehmen. Der erste Sonderzug auf der neuen Bahn erreichte am 28.Juli, bestaunt von vielen neugierigen Anwohnern, die Haltestelle Lockstedter Lager. Der Sonderzug beförderte die Generalität des IX.Armeekorps und viele Stabsoffiziere, die sich die derzeit durchgeführten Artillerieschießübungen anschauen wollten.

Offiziere der Feldartillerieregimenter Nr.9 und Nr.24 veranstalteten am Nachmittag des 01.August auf dem Bückener Feld das traditionelle Pferderennen. Zunächst fand ein so genanntes Jungfernrennen, dann ein leichtes und ein schweres Jagdrennen statt, den Schluß machte eine Schnitzeljagd. Beim leichten Jagdrennen kam ein Pferd ohne Reiter ans Ziel und auch bei der Schnitzeljagd stürzte ein Pferd beim Nehmen eines Hindernisses. Beide Reiter kamen ohne Verletzungen davon. Publikum war gegen früher außerordentlich zahlreich vertreten und verfolgte die Rennen mit Interesse.

Die Besichtigung der 9.Feldartilleriebrigade begann am Tage nach dem Pferderennen morgens mit der Vorführung der Feldartilleriebrigade durch den Generalmajor Bleken von Schmelig in Batteriefront und danach folgte dann das Schießen. Zunächst ging das Regiment Nr.9 ins Feuer und bekämpfte die einzelnen Formationen eines angenommenen Feindes. Als Ziel dienten bewegliche Scheiben, welche das Eingreifen von Infanterie und Kavallerie in den Kampf darstellen sollten. Besonderes Interesse fand die Schießübung dreier Batterien mit so genanntem rauchlosem Pulver (Blättchenpulver). Eine heftige Kanonade bestätigte wieder, daß jeder Schuß nur eine Spur von Rauch in schwärzlicher Farbe aufwies und erst recht trat der Unterschied hervor, als andere Geschütze mit gewöhnlichem Pulver dazwischen feuerten und die Rauchwolken einzelner Geschosse genügten, eine ganze Batterie momentan in Pulverrauch einzuhüllen. Zum Schluß rückte noch eine Versuchsbatterie mit Bronzegeschützen aus. Selbstverständlich erfuhr niemand etwas von den Erfolgen der Manöver. Besonders betont wurde in Militärkreisen stets die Wirkung neuer Geschosse, die in letzter Zeit vielfach zur Verwendung kamen,es soll sich dabei um Splittergranaten gehandelt haben, die nach den Berichten eine große Zahl von Splittern streuten, daß bei Abgabe von 15 Schüssen auf Infanteriekolonnenscheiben rund 2000 Treffer gezählt wurden.

Die 9.Feldartilleriebrigade beendete ihre Schießübungen am 05.August. Nur ein kleiner Teil der Brigade wurde diesmal mit der Eisenbahn transportiert. Das erste Infanterieregiment Nr.76 aus Hamburg war die erste Infanterieeinheit, die mit der Bahn von der Garnison aus das Lockstedter Lager erreichte. Am 17.August herrschte Hochbetrieb an der Bahnstation, drei Infanterieregimenter nämlich Nr.84, Nr.85 und Nr.86 rollten pausenlos in Sonderzügen an, wobei die Zeit zum Aussteigen recht knapp bemessen war, weil auf der Strecke schon seit dem 01.August die Züge fahrplanmäßig verkehrten. Pferde und Wagen der Infanteristen wurde auf dem Bahnhof Wrist entladen und im Landmarsch überführt.

Nachdem auch das Infanterieregiment Nr.31 ab dem 20.August im Lager Schießübungen durchführte, waren die umliegenden Ortschaften wieder sehr stark von Einquartierungen betroffen, die bis zum 26.August andauern sollten.

Am 15.August begannen die Bauarbeiten an dem Bahnhofsgebäude des Lockstedter Lagers. Die Maurerarbeiten wurden von einer Firma Hamann aus Bramstedt, die Zimmerarbeiten durch die Firma Mölck und Delfs ausgeführt. Die Bauzeit wurde mit 5 Monaten angegeben. Die Besonderheit dieses Bahnhofs war, daß für Fürstlichkeiten, Generäle. u.s.w. eine besondere Empfangshalle eingerichtet wurde. An der im Submissionsverfahren vergebenen Verladerampe wurde schon seit dem 12.August gearbeitet, sie sollte noch in diesem Jahr übergeben werden.

Zur Besichtigung der Truppenteile des IX.Armeekorps hatte sich königlicher Besuch angesagt. Seine Königliche Hoheit Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig kam in seiner Eigenschaft als Generalinspekteur der 1.Armeeinspektion in Begleitung des Chefs des Stabes der Inspektion, Generalmajor von Winterfeld und zweier persönlicher Adjutanten. Die Besichtigungen fanden bei günstigem Wetter statt. Zunächst wurde das Regiment Nr.31 in Kompanie-, Bataillons- und Regimentsformationen besichtigt, danach folgte das Infanterieregiment Nr.85. Zu der Besichtigung hatten sich wieder sehr viele Zuschauer eingefunden, die dem Exerzieren zuschauten und auch ihre Kommentare zur Parade abgaben.

Für die im Lager anwesenden Regimenter wurden am 25.August Feldgottesdienste abgehalten. Der evangelische Gottesdienst wurde gehalten durch den Divisionspfarrer Büttel aus Schleswig auf dem Geschützpark und der katholische durch den Divisionspfarrer Frydrychowicz aus Altona an der Orleansstraße.

Ende August 1889 war das lauenburgische Jägerbataillon Nr.9 im Lager untergebracht. Am 28.August rückten die Jäger zum in Schleswig-Holstein stattfindenden Divisionsmanöver, mit dem Zwischenziel Flensburg, ab. Nach dem Divisionsmanöver nahmen sie am Armeekorps Manöver, das am 05.September bei Bov begann, teil.

Am 01.September rollten nacheinander 4 Sonderzüge auf der Station ein, welche die Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85 in das Manövergebiet um Lauenburg beförderte.

Der gleichzeitig mit dem Bahnhofsbau begonnene Bau der Laderampe war abgeschlossen. Sie konnte ab 01.10.1889 benutzt werden. Die Rampe ermöglichte es den Soldaten Wagen und Kanonen, die mit der Bahn zum Lockstedter Lager transportiert worden waren weniger anstrengend zu ent- oder verladen. Ein großes Manko hatte die Rampe allerdings, sie hatte keine befestigten Fahrweg. Vorerst war nur ein Sandweg vorhanden, der noch im gleichen Jahr mit Gran aufgefüllt und befestigt wurde, dennoch hinterließen die Wagenräder bei nassem Wetter tiefe Spuren auf der Rampe, die anschließend von einem Arbeitskommando aufgefüllt werden mußten. Der Bahnhof selbst stellte ein Kuriosum dar. Wenn jemand aus dem Zug stieg und in das Bahnhofsgebäude ging, befand er sich auf Winseldorfer Gebiet, wenn er die Bahnhofstraße vor dem Gebäude betrat, war er auf dem Gebiet des Lockstedter Lagers und sollten er, die östlich des Bahnhofsgebäudes stehenden Toiletten benutzen, so befand er sich auf Lohbarbeker Gebiet.

Im Lockstedter Lager trafen Anfang Oktober 50 Unteroffiziere vom IX.Armeekorps ein, um gemeinsam Übungen nach dem neuen Exerzierreglement durchzuführen. Das Kommando des Lehrganges wurden einem Offizier von der Unteroffiziersschießschule aus Spandau übertragen. Nach Angaben des IX.Armeekorps sollte noch eine Abteilung Unteroffiziere im Lockstedter Lager eintreffen. Die zweite Abteilung Unteroffiziere traf im Laufe der zweiten Woche des Oktober im Lockstedter Lager ein, um ebenfalls mit dem neuen Exerzierreglement vertraut gemacht zu werden. Die Instruktionen des Unteroffizierlehrkommandos fanden am 16.November ihren Abschluß.

Am 26.November bestätigte sich das schon seit längerer Zeit kursierende Gerücht, nach welchem das Lockstedter Lager erweitert werden sollte. Das umfangreiche, dem Militärfiskus gehörende Gebiet um das Lockstedter Lager, auf dem die Artillerie und auch die Infanterie des IX.Armeekorps ihre Schießübungen abhielten, sollte durch Ankäufe wesentlich vergrößert werden. Es solle für 10.000 Mann Kavallerie Platz gemacht werden. Die im Lager vorhandenen Baracken und Ställe konnten jetzt schon die Mannschaften mehrere Regimenter aufnehmen.

Die Bautätigkeit im Lockstedter Lager war im Laufe des Jahres beträchtlich. Zunächst wurden eine ganze Reihe Gebäude, z.B. Pferdeställe massiv ausgeführt. Dann ein neuer Pulverturm, von einem breiten Graben und einem dahinter liegenden Wall umgeben, errichtet. Die Wohnung für den Barackeninspektor fast fertig gestellt, es sollten in deren Nähe noch ein Magazingebäude zur Unterbringung der verschiedenen Sachen gebaut werden. Im nächsten Jahr sollte die Zahl der Pferdeställe noch um 3-4 vermehrt werden. Ebenfalls fertig war das Spritzenhaus, das zwei Spritzen nebst Material aufnehmen konnte.

W.Hülsing eröffnete im Dezember ein Hotel unter dem Namen "Hülsings Hotel".



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1867 - 1899