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Seit Beginn der Belegungssaison des Jahres 1881 konnten die Soldaten, die es sich leisten konnten, eine private Badeanstalt nutzen, sie wurden betrieben von Murkus Sibbert und Hans Roth.
Eine Neuerung im Militärwesen war zu Beginn des Jahres in Kraft getreten. Die in diesem Jahre zur Reserve 1.Klasse gestellten Militärpflichtigen sollten im kommenden Sommer zum ersten Mal zu der zehnwöchigen Übung einberufen werden. Entsprechende Befehle sollten der Ankündigung demnächst folgen. Eine umfassenden Renovierung und Modernisierung wurde bei den Offiziersbaracken und dem Offizierskasino durchgeführt, alle Gebäude erhielten neue Waschtische und einen Verschönerungsanstrich im Gebäude. Die fürs 1.Quartal 1881 bewilligten Verpflegungszuschüsse, einschließlich des Zuschusses zur Beschaffung einer Frühstücksportion, betrugen für die im IX.Armeekorps liegende Garnison Itzehoe, damit auch für das Lockstedter Lager, 19 Pfennig. Damit das Wasser, das nach starken Regenfällen auf der Kieler Landstraße stand, abgeleitet werden konnte, ließ die Lagerverwaltung entlang der Chaussee einen 800 Meter lagen und 80 Zentimeter tiefen Graben anlegen. An der Chaussee wurde das Gebäude für das Cafe Schütt errichtet. Das Cafe wurde noch während der Belegung des Lagers eröffnet. Ein Privatmann aus Kellinghusen, Herr Wiggert, baute eine große Dampfwäscherei in Verbindung mit einer Badeanstalt. Ein Bericht in der Zeitung versetzte die Bevölkerung in "patriotische Erregung". "Itzehoe, den 3.Februar. Das diesjährige Feldmanöver des 9.Armeecorps, dem, Se.Majestät der Kaiser beiwohnen wird, soll, sie uns aus glaubwürdiger Quelle mitgetheilt wird, in der an der nordöstlichen Seite des Lockstedter Lagers belegenen Gegend Statt finden. Zur Feststellung des Näheren in dieser Beziehung wird die Besichtigung des Lockstedter Lager seitens der Generalstabsofficiere noch erwartet. Voraussichtlich werden die Terrainaufnahmen im Holsteinischen durch größere Officierscommandos erfolgen, sobald die Schneedecke vom Erdboden verschwunden ist. Die große Parade vor Sr. Majestät wird auf dem Lockstedter Lager daselbst Statt finden."
Im März 1881 berichteten die Flensburger Nachrichten wieder, daß eine Erweiterung des Lockstedter Lagers geplant aber noch nicht terminiert wäre. Vorläufig würde die Militärverwaltung 11 neue Stallungen (Pferdestall 11 - 22) errichten, damit mehr Pferde untergebracht werden könnten. Der Kaiser würde, so wurde berichtet, vom 11. bis 17.September, bei dem Kaisermanöver des IX.Armeekorps anwesend sein. Gerüchteweise verlautete, daß der Kaiser auch Kiel besuchen werde, um einer Übung des Panzergeschwaders beizuwohnen. Die Einheiten der 9.Feldartilleriebrigade hielten die jährlichen Schießübungen während der Zeit vom 02.Mai bis 08.August ab. Das Pommersche Fußartillerieregiment Nr.2 und das Schleswigsche Fußartilleriebataillon Nr.9 vom 12.Mai bis 10.Juni, das 1.Hannoversche Feldartillerieregiment Nr.10 und 2.Hannoversche Feldartillerieregiment Nr.26 vom 13.Juni bis 09.Juli und (wieder) das Schleswigsche Feldartillerieregiment Nr.9 und Holsteinische Feldartillerieregiment Nr.24 vom 12.Juli bis 08.August. Mit dieser Ankündigung wurde erneut auf die Gefahren hingewiesen, die von nicht krepierten Geschossen ausging. "Es wird gelegentlich dieser Mittheilung darauf aufmerksam gemacht, daß jede Berührung und nicht sachgemäße Behandlung von scharfgeladenen Geschossen, welche etwa auf dem hinter dem Kugelfang belegenen Terrain aufgefunden werden sollten, mit großer Gefahr für Gesundheit und Leben verbunden sein kann, und werden Alle und Jede aufgefordert, beim Auffinden nicht crepierter Geschosse diese nicht zu berühren oder aufzunehmen, sondern davon Anzeige zu machen. Dagegen haben die Finder von Munitionsmaterialien, deren Aufnehmen gefahrlos ist, diese gegen ein Findergeld, welches für Eisen das Kilo 3 Pfg, für Blei das Kilo 10 Pfg und für Messing das Kilo 10 Pfg beträgt, an die Verwaltungscommission des Schießplatzes, bzw. das Wachcommando im Barackenlager sofort abzuliefern. Für das Anzeigen des Auffindens ganzer Geschosse wird ein dem Gewicht derselben entsprechender höherer Findelohn gezahlt. Die widerrechtliche Aneignung solcher Munitionsmaterialien ist mit Gefängnis bis zu 1 Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 900 M bedroht." Mit dem 04.Mai 1881 wurde, ebenso wie in den vergangenen Jahren, im Lager für die Dauer der anstehenden größeren Truppenansammlungen wieder eine Postanstalt eingerichtet, welche mit den Postanstalten in Itzehoe, Kellinghusen und Wrist durch ein Privat-Personenfuhrwerk verbunden wurde. Das Fuhrwerk fuhr um 05:00 Uhr früh aus Itzehoe und um 13:30 Uhr nachmittags aus Wrist ab. ![]() Mitte Juni war der Kommandierende General des IX.Armeekorps, General der Infanterie Hermann von Treskow, mit den Divisions- und Brigadegenerälen von Lüderitz und von Unger und zahlreichen Offizieren im Barackenlager, um dort die fertiggestellten Erweiterungsbauten u.s.w. in Augenschein zu nehmen, da das Lager erstmalig mit etwa 6.000 Mann aller Waffengattungen belegt werden sollte. Zu den am 08.Juli auf dem Schießplatz durchgeführten Pferderennen der 10.Feldartilleriebrigade hatten sich recht viele Zuschauer eingefunden. Sieger wurden: a) beim Hürdenrennen für Pferde im Besitze von Offizieren: Leutnant Witt's Fuchs-Wallach "Liebling", Reiter Leutnant Lehmann; b) bei der Steeplechase für Dienstpferde, welche von Offizieren im Dienste geritten werden, (Gewicht über 80 Kg) Hauptmann Schmidt's braune Stute "Cosima", Reiter: Leutnant Klipfel; c) beim Hürden-Rennen für Dienst- und eigene Pferde, im Besitze von Offizieren: Leutnant Witt's Fuchs-Wallach "Liebling", Reiter: Leutnant Lehmann; d) bei der Steeplechase für Dienstpferde, welche von Offizieren im Dienste geritten werden, (Gewicht unter 80 Kg): Premierleutnant Böhmer's brauner Wallach "Rathan", Reiter: Besitzer; e) bei der Schnitzeljagd: Hauptmann Hoppenstedt's brauner Wallach "Mirza", Reiter: Besitzer. Am 09.Juli verlegten die Hannoverschen Feldartillerieregimenter Nr.10 und Nr.26 vom Lockstedter Lager zurück in die Garnisonen. Die Einheiten marschierten mit klingendem Spiel durch Itzehoe zum Bahnhof. Die Artillerieregimenter Nr.9 und Nr.45 erreichten das Lager am 13.Juli um dort Schießübungen und durchzuführen. Eine Militärkommission, welcher General von Wartensleben, Divisionskommandeur in Schwerin, die Generalmajore Sandkuhl aus Köln, von Buenting aus Kassel, sowie Generalstabs-/Stabsoffiziere aus Flensburg und Hamburg angehörten, war angewiesen worden, im Juli, in Zusammenarbeit mit dem Kommandierenden General des IX.Armeekorps das Manövergebiet für das Korpsmanöver zu besichtigen und darüber zu berichten. Sie sollten bewerten ob es angebracht sei im Lager einen großen Zapfenstreich von etwa 1.000 Tambours und Pfeifern und 1.500 Hautboisten unter Fackelbeleuchtung schlagen und blasen zu lassen. Daneben sollte untersucht werden ob ein Nacht-Manöver auf einer "Meilen weit" elektrisch erleuchteten Gegend abgehalten werden soll, wozu "die elektrischen Leuchtapparate"♦ aus der Düppel-Sonderburger und Kieler Befestigung herbeizuschaffen wären. ♦ Das deutsche Militär hatte seit 1880 Bogenlampen und Stromerzeuger (Dynamos)zur Vorfeld- und möglichen Gefechtsfeldbeleuchtung beschafft. (Eine englische Flotteneinheit brachte im Kolonialkrieg in den 80er Jahren vor Alexandria allnächtlich elektrische Bogenlampen zum Einsatz, deren Licht auf die Stadt und Küstenabschnitte gerichtet war und die ägyptischen Soldaten und Bewohner der Stadt in Panik versetzten.)
Eine zweite Telegraphenstation war bereits am 16.Juli im Barackenlager eröffnet und dem Betrieb übergeben worden, so daß nunmehr ohne jegliche Unterbrechung höhere Befehle nicht allein von der Berliner Zentral-Militärstation in der Königswache und Kaiserlichen Privattelegraphenstation im Königlichen Palast, sondern auch vom Generalstabsgebäude auf dem Königsplatz und den Stationen der Kaiserlichen Kriegsmarine in Kiel, Bülk, Marienleuchte, Dars und Arkona gegeben werden konnten. Vor Beginn des Kaiser Manövers benannte der Gastwirt Johann Dietrich Schütt, den bis dahin als Gastwirtschaft Schütt bekannten gastronomischen Betrieb, in "Stadt Sedan" um. Die 18.Kavalleriebrigade, bestehend aus den Husarenregimentern Nr.15 und Nr.16 begann die dem Armeekorps voraufgehenden Truppenübungen am 21.August in der Gegend von Bornhöved, sie dauerten bis zum 27.August. Ab dem
28.August verlegte die Brigade in den Raum nördlich von Nortorf und um den Westensee, wo die Brigade an dem Divisionsmanöver vom 05. bis 07.September teilnahm.
Auch die in das Manöver eingebundenen 35. und 36.Infanteriebrigade nahmen am Divisionsmanöver der 18.Division teil. Am 09.September verlegten die Einheiten im Kriegsmarsch ins Lockstedter Lager und bereiteten sich dort weiter auf das Korpsmanöver vor. Nach Beendigung des Korpsmanövers und Abzug der anderen Einheiten verblieb die
36.Infanteriebrigade unter Führung von Generalleutnant und Divisionskommandeur von Lüderitz aus Flensburg bis zum 26.August auf der Lockstedter Heide um weiteres Regiments- und Brigadeexerzieren abzuhalten. Vom 24. bis einschließlich 26.August wurde das Exerzieren der Brigade im und auf dem Gelände der Lockstedter Heide und angrenzenden Grundstücken durchgeführt.
Das der Korpsübung vorausgehende Manöver begann die 17.Divison am 30.August in Stormarn, es dauerte bis zum 05.September. An den Übungen nahmen die Infanterieregimenter Nr.75 und Nr.76 (Hanseaten), das Grenadierregiment Nr.89 und das Füsilierregiment Nr.90 (Mecklenburger) mit Stab und je 12 Kompanien à 135 Mann, ferner das Schweriner Jägerbataillon Nr.14 (550 Mann), den beiden Dragonerregimentern Nr.17 und Nr.18 (Stab und je 5 Eskadrons à 115 Mann), 2 Abteilungen vom Artillerieregiment Nr.24 und 1 Abteilung vom Feldartillerieregiment Nr.9, jede Abteilung à 540 Mann, sowie je eine Abordnung Pioniere und Train. Die gesamte Truppenzahl dürfte demnach 10.000 Mann betragen haben. Die Übung war so angelegt, daß sich die Division in Richtung Steinburg und Lockstedt bewegte. Das Dragonerregiment Nr.18 lag am Ende der Übung in und um den Ort Lockstedt. Nach dem Ruhetag am 04.September verlegte die Division geschlossen in das Lockstedter Lager. Die Korps Brückentrain Pioniere hatten die Möglichkeit während der Übung neues Material zu erproben. Für die Infanterietruppen sollten zum erstenmal kleine, in der Artillerie-Werkstatt in Spandau entwickelte, zerlegbare und durch 6 Soldaten bequem zu tragende Brücken, zum Überschreiten von Gräben und kleineren Flüssen zur Anwendung kommen. Jede Brücke trug 18 marschmäßig ausgerüstete Infanteristen, es konnten mehrere solche Brückenteile aneinander gekoppelt auch als Floß benutzt werden. Zwischen Kellinghusen und Itzehoe war ein Disput ausgebrochen, welcher Ort am bequemsten zu erreichen wäre. "Durch eine in der Kellinghusener Buchdruckerei fertiggestellte Tafel, welche das Motto führt: "Das Kaiser-Manöver ist am bequemsten und billigsten von Kellinghusen aus zu erreichen," wird Itzehoe in einer Weise Konkurrenz zu machen gesucht, die in Anbetracht dessen, daß Jeder, der auf solche Reklame vertraut, sich verschiedentlich zu seinem Schaden getäuscht sehen muß, durchaus nicht gebilligt werden kann. Ob das Lockstedter Lager seine Post- und Telegrafenstation in Kellinghusen und den Militär Verladungs- und Abladeplatz auf der Eisenbahnstation Wrist hat, sowie ob "Fuhrwerke von auswärts zur Aushilfe requiriert werden", soll nicht untersucht werden; bemerkt aber darf werden, erstmal, daß die Entfernung vom Wrister Bahnhof nach dem Lager, was wohl bekannt sein dürfte, auf der Karte aber ganz falsch gezeichnet ist, durchaus ebenso weit ist, als diejenige von Itzehoe nach dem Lager und sodann, daß, während man mit dem um 6 Uhr 45 Minuten in Altona abgelassenen Zuge Itzehoe 8 Uhr 25 Minuten erreicht, dieser Zug jetzt bei Wrist überall nicht anhält, daß also der Reisende, der den Weg über Kellinghusen wählt, erst den um 8 Uhr 10 Minuten von Altona abgehenden Zug benutzen und also erst 9 Uhr 46 Minuten in Wrist ankommen kann, was wohl beachtet werden muß." |
| Bekanntmachung, betreffend das bevorstehende Kaisermanöver. |
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| Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 9. d.M., nach welcher während des bevorstehenden Kaisermanövers vom 12. bis 16. September d.J. alle mit wertvollen Früchten bestandenen Felder, gleich wie auch junge, wenig sichtbare Schonungen durch Strohwiepen deutlich erkennbar zu machen, auch die Koppeln offen zu halten sind und das Vieh bis zum Nachmittage in den Ställen zu halten sein wird, wird hierdurch zur öffentlichen Kunde gebracht, daß diese Anordnungen insbesondere Anwendung finden: |
| a) für den 13.September auf den Rayon: Lockstedt, Silzen, Peissen, Chaussee Itzehoe-Hohenwestedt, Schlotfeld, Winseldorf, Lohbarbek, Mühlenbarbek, Springhoe; |
| b) für den 15. und 16.September auf einen längs der Chaussee Itzehoe-Hanerau laufenden Terrainstreifen, westlich etwa begrenzt durch die Linie Krummendiek, Nutteln, Vaale, Bockhorst, östlich durch die Linie Schmabeck, Hohenaspe, Looft, Oldenborstel. |
| Das Manöverterrain gestattet nur in den allerseltensten Fällen, daß die Wagen die Straßen verlassen und auf abgeerntete Felder fahren können. Da nun aber die geschlossenen Kolonnen der Truppen ausschließlich auf Wege angewiesen sind, so kann den Zuschauerwagen das Befahren der im Manöverterrain liegenden Wege keinesfalls gestattet werden. Es werden daher die von den Truppen vorübergehend benutzten Manöverterrainteile zeitweilig für Wagen abgesperrt werden. Fahrzeuge, die sich vor der Absperrung in das Manöverfeld begeben, haben zu gewärtigen, von den Wegen abgewiesen und zum Auffahren in einer Koppel und Halten daselbst genötigt zu werden. |
| Für die einzelnen Manövertage werden nachstehende Maßregeln erforderlich: |
| 12.September große Parade auf dem Artillerieschießplatze. An diesem Tage darf von 9 ½ Uhr Vormittags ab die Chaussee Itzehoe-Lockstedt von Privatfuhrwerken nicht mehr benutzt werden. Alle später abfahrenden Wagen müssen entweder die Chaussee Itzehoe-Hohenwestedt oder auf die Wegerichtung Itzehoe-Oelixdorf-Winseldorf-Lohbarbek angewiesen werden |
| Die von Kellinghusen anfahrenden Wagen müssen den Weg Kellinghusen-Ridders benutzen. Das Barackenlager beim Artillerieschießplatz darf weder von Wagen befahren, noch sonst von Publikum betreten werden. |
| Die Wagen der Zuschauer dürfen nur auf den vorbezeichneten Wegen (auf der Chaussee Itzehoe-Lockstedt nur vor 9 ½ Uhr Vormittags) an den Paradeplatz heranfahren. |
| Auf der Ostseite ist derselbe durch einen Drahtzaun begrenzt und bis zu diesem den Wagen und dem Publikum zu Fuß zugänglich, auf der Westseite bis zu einer durch einen Graben markierten Linie, welche den fiskalischen Schießplatz abgrenzt. |
| Die Wagen der Zuschauer müssen annähernd in der Mitte der Paradeaufstellung - östlich, wie westlich - ordnungsmäßig auffahren und diese, wie das Publikum zu Fuß den Anweisungen der Gendarmerie unbedingt folgen. |
| Nach dem Schluß der Parade ist den Wagen der Zuschauer das sofortige Abfahren auf der Chaussee Lockstedt-Itzehoe nicht gestattet, auf anderen Wegen aber freigestellt. |
| Der Wagenverkehr auf der genannten Chaussee wird erst freigegeben, sobald Se. Majestät der Kaiser und die königlichen Prinzen das Paradefeld zu Wagen verlassen haben. |
| Außerdem ist für die nächstfolgenden Tage Folgendes zu beachten: |
| 13.September Exerzieren des IX.Armeekorps. Das Korpsexerzieren wird der Hauptsache nach gleichfalls auf dem Artillerieschießplatz und den umliegenden Terrainteilen stattfinden. |
| Auch für diesen Tag ist die Freihaltung der Chaussee Itzehoe-Lockstedt auf bestimmte Stunden des Vor- und Nachmittags erforderlich. |
| Außerdem muß aber der Artillerieschießplatz und das Terrain nordwestlich der Chaussee Oesau-Mühlenbarbek und diese Straße selbst von Privatfuhrwerk unbedingt freigehalten werden. |
| Die Chaussee Itzehoe-Hohenwestedt ist für jede Kommunikation frei, doch darf von dieser aus östlich nicht in den Weg Hohenaspe-Bücken hineingefahren werden. Von Kellinghusen aus kann eine Anfahrt nach dem Manöverterrain nur über Springhoe statuiert werden. |
| 15. und 16.September Manöver der 17. und 18.Division gegen einander. An diesen Tagen ist in den Vormittagsstunden von 8 Uhr ab alles Privatfuhrwerk, welches von Itzehoe die Richtung Hanerau einschlagen will, auf die Straße nach Hohenwestedt, Hungriger Wolf, Hohenaspe, resp. Looft, bzw. auf die Straße Heiligenstedten, Krummendiek, Vaale usw. zu verweisen. |
| Das Befahren der Truppen Biwaksplätze ist untersagt; ebenso dürfen Wagen auf den nach den resp. Plätzen führenden Wegen nicht halte. |
Der Königliche Landrat E.von Harbou |
Zu dem Kaisermanöver des IX.Armeekorps, waren bei den als Oberschiedsrichter, bzw. Schiedsrichter ernannten Generälen zur Dienstleistung kommandiert worden: |
| Oberschiedsrichter: |
| Beim General der Infanterie Hermann von Treskow, Kommandierender General des IX.Armeekorps: Oberstleutnant von Unruhe, Chef des Generalstabes des IX.Armeekorps, Major von Klitzing und Hauptmann Graf von Moltke vom Generalstab des IX.Armeekorps. |
| Schiedsrichter: |
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Bei Generalleutnant Wiebe, Inspekteur der 1.Fußartillerie Inspektion: Major von Prittwitz und Gaffron vom Großen Generalstab und Premierleutnant von Moltke aggregiert vom Generalstab der Armee, kommandiert zum Großen Generalstab. |
| Bei Generalleutnant von Bychelberg, Inspekteur der 3.Feldartillerie Inspektion: Major Cämmerer vom Großen Generalstab und Hauptmann von Boizen vom Königlich Sächsischen Generalstab, kommandiert zum Großen Generalstab. |
| Bei Generalmajor von Very du Vernois, Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements: Major von Sick vom Königlich Württembergischen Generalstab, Flügeladjutant Sr.Majestät des Königs von Württemberg, kommandiert zum Großen Generalstab und Hauptmann Schubert vom Großen Generalstab. |
| Bei Generalmajor Sandkuhl, Inspekteur der 4.Ingenieur Inspektion: Major Freiherr von Schleinitz II und Hauptmann Voß vom Großen Generalstab. |
| In Begleitung des Generalfeldmarschalls Graf von Moltke, Chef des Generalstabes der Armee, befanden sich die Adjutanten: Oberst de Claer, à la suite des Generalstabes der Armee mit dem Range als Abteilungschef im Großen Generalstab, Major von Burt, à la suite des Colbergischen Grenadierregiments Nr.9 und Oberstleutnant Vogel von Falckenstein, Abteilungschef im Großen Generalstab. |
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Carl Haase, Lockstedter Lager
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"Ein Besuch im Lockstedter Lager" so überschrieb ein Offizier seinen Brief an die Eltern in Berlin. Zum Lager von Lockstedt, welches von Itzehoe zu Wagen in ¾ Stunden erreichbar ist, führt eine schöne Chaussee über Hügel, durch Feld und Wald bei dem Gute Schmabek vorbei; das Lager liegt mit auf dem höchsten Punkt der Lockstedter Haide. Den Grund zu den großartigen Anlagen der Barackenstadt, welche gegenwärtig zwei complete Feld-Artillerieregimenter aufzunehmen vermag, hat vermeintlich im Jahre 1865 die damalige Deutsche Occupationsarmee gelegt. Im Jahre 1871, während das Lager von reichlich 5000 Französischen Kriegsgefangenen belegt war, wurden durch deren Arbeit die äußeren Anlagen bedeutend erweitert. Das eigentliche Lager zeigt die Form eines regelmäßigen Vierecks, auf dessen südlicher Front von Westen nach Osten in langen parallelen Reihen, die größtenteils erst in diesem Sommer fertig gestellten Ställe, Schuppen und Lagerräume errichtet sind, während die Baracken für Offiziere und Mannschaften, das Lazareth, Post und Telegraph sich von Norden nach Süden ziehen und fast zwei Drittel des Lagerterrains einnehmen. Diese Barackenreihen sind durch etwa 80 Meter breite Straßen getrennt, deren Name an die ruhmreichen Tage des Französischen Feldzuges erinnern. Man findet dort eine Wörth-, Weißenburger-, Orleans- und Kaiserstraße, sowie eine Allee, welche den Südrand des großen Artillerie-Schießplatzes begränzt, der man den Namen Podbielski-Allee gegeben, zur Erinnerung an den verdienten verstorbenen Generalinspecteur der Artillerie, dessen Name seit der Belagerung von Paris volksthümlich geworden. Einen ganz besonderen Reiz verleihen dem Lager die vor 10 Jahren begonnenen Park- und Gartenanlagen. Mit großer Mühe ist die nicht culturfähige Haideerde weggeschafft und eine neue fruchtbare Erdschicht aufgefahren, auf der sich jetzt prächtige Rasenflächen, saubere Blumenbeete, dichte Laub- und Tannenpflanzungen und hübsche Grotten mit schattigen Ruhesitzen erheben. Die schönsten Anlagen und dichtesten Baumgruppen befinden sich im Mittelpunkt des Lagers, da, wo das Kriegerdenkmal, welches die schleswig-holsteinische Artillerie ihren im Kriege 1870-71 gefallenen Kameraden gewidmet, steht und wo auch die Generalsbaracke, das Officierscasino, sowie ein großer Musikpavillon als die vornehmsten Gebäude in geschmackvollem Schweizerstil errichtet sind. In der Generalsbaracke befindet sich auch das Fahnenzimmer, vor derselben ein riesiger Flaggenmast, auf dem von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang die Deutsche Reichsflagge weht. Das Officierscasino mit seiner großen Veranda bietet 150 Officieren, wenn auch nur in beschränktem Maße, Raum zum Speisen; außerdem besitzt dasselbe eine Bibliothek und Lesesaal, in welchem u.A. neben der Rang- und Quartierliste und anderen militärischen Werken des Mittlerschen Verlages, Generalstabskarten, die Perthschen Hofkalender und genealogischen Taschenbücher und eine große Anzahl Zeitungen aufliegen. Die Straßen und Wege werden Abends durch Petroleumlaternen erleuchtet. Um das Lager herum sind nach und nach in der Peripherie kleine Gasthöfe, Marketenderbuden, Wirthshäuser (von letzteren eines von einem ehemaligen, im Lager interniert gewesenen Französischen Soldaten gehalten), Kegelbahnen usw. entstanden; nur die westliche Seite, auf welcher der kleine Franzosenkirchhof angelegt ist, ist ziemlich frei geblieben. Den dort ruhenden 60 in der Gefangenschaft gestorbenen Franzosen haben die überlebenden Kameraden ein einfaches Holzkreuz gewidmet. Die Mitte des Friedhofes bildet ein geschackvoller Denkstein mit goldener Inschrift und diesem Stein gegenüber befindet sich das Grab eines Deutschen Krankenwärters, der in seinem Berufe den Tod gefunden. Zum Abschluß des Lagers nach Westen bildet das s. g. Pulverlaboratorium, das etwa fünf Minuten vom Lager entfernt, von hohen Wällen und tiefen Gräben umgeben, gelegen ist. Der unmittelbar neben dem Lager befindliche große Artillerie-Schießplatz, auf welchem Se. Majestät der Kaiser am 12.September die Parade über des 9.Armeecorps abhalten wird, bildet ein Rechteck, dessen Langseite eine halbe und dessen Kleinseite eine Viertel Deutsche Meile beträgt, so daß die Gesamtfläche sich auf fast eine Quadratmeile schätzen läßt. Gesichert ist das Lager durch eine Lager- und Brandwache und zahlreiche Posten. Während der Tage des Kaisermanövers (9. bis 12. September) wird das Lager mit den Stäben der 17.Division und der 34.Infanteriebrigade (Großherzoglich Mecklenburgische) den Großherzoglich Mecklenburgischen Grenadier- und Füsilieregimenter Nr. 89 und 90, drei Escadrons vom 2.Mecklenburgischen Dragonerregiment Nr.18 und dem Schleswig-Holsteinischen Trainbataillon Nr.9 belegt sein. Der Commandeur der 17.Division, Generalleutnant Graf von Wartensleben, trifft bereits am 5.September im Lager ein. Das Schleswig-Holsteinische Pionierbataillon Nr.9 wird mit dem Brückentrain des 9.Armeecorps am 3.September in Itzehoe und Umgegend einquartiert, um an den folgenden Tagen Brücken zu schlagen und Colonnenwege herzurichten. Speziell wird eine Brücke bei dem Dorfe Breitenberg über die Stör geschlagen, um eine nähere Verbindung zwischen dem Breitenburger Schlosse und dem Lockstedter Lager herzustellen. Der königliche Marstall, unter Befehl des Stallmeisters Gebhardt, wird aus 22 Trakehner Rappen, 10 Equipagen mit 15 Leihkutschern, Jockeys und Stalleuten bestehen. (Es wurde nur der für das Lockstedter Lager wichtige Bericht herausgezogen.) |
| An Kaiser Wilhelm bei der Heerschau auf der Lockstedter Haide. |
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Die braune, stille Haide, von Nebeln sonst umhüllt, heut blinkt sie in Geschmeide, von Waffenlärm erfüllt. Fühlt ihr's der Boden zittert und seine Tiefe dröhnt, wie wenn es dumpf gewittert und fern der Sturm in wilder Brandung stöhnt. Das macht: es naht der Kaiser, des Volkes Fürst und Held, den Gott uns schuf zum Weiser im Rat, wie in dem Feld; dem vierundachtzig Jahre noch nicht gedämpft den Muth - ob auch gebleicht die Haare, noch loht in ihm des Heldenfeuers Glut. Stille! der Kaiser reitet auf stolzem Rosse dar, hoch ragt er, ihn geleitet der Paladine Schaar. Wie Glanz der Heldensage umleuchtet's ihm das Haupt, als träte voll zu Tage, was träumend einst das Kinderherz geglaubt. Willkommen, hoher Kaiser, Du Deutscher Hoffnung Stern, Du lichter Siegfried, greiser Held Dieterich von Bern, der uns die Deutschen Gaue zum starken Reich geeint: nun freue Dich und schaue, wie Deutsches Schwert und Deutsche Treue scheint. Auf dieser heil'gen Erde, vom Deutschen Meer umbraust, erscholl zuerst das "Werde" dem Reich, an dem Du baust. Und donnernd kehrte wieder von Königsgrätz der Hall, und bei Sedan danieder warfst Du den schlimmsten Feind in jähem Fall. Was Wälscher Trug entwendet, gewannst Du wieder heim: so hast Du kühn vollendet, was hier erwuchs im Reim. O Du, des Reichs Gestalter, Du Held, so rein und wahr, Du Mehrer und Erhalter - erhalte Gott Dich uns noch manches Jahr! Daß Dich, Greis ohnegleichen, noch diese Lande schaun, das ist ein Himmelszeichen, dem fröhlich wir vertraun. Drum klopft in höherm Schlage Dir jede Holstenbrust: Fürwahr! von diesem Tage wächst unsre Kraft in heil'ger Werdelust. Ja heilig ist die Stätte, die heute Dich gesehn: durch langer Jahre Kette soll nicht die Spur verwehn. Sie', wie die arme Haide, die Du betritts, o Held, schon prangt in stolzem Kleide: so heiße sie fortan das Kaiserfeld. Autor Karl Heinrich Keck |
In jedem Jahr haben in der Regel zwei Armeekorps, - manchmal zusammen, wie z.B. im Jahre 1878 das 7. und 8.Armeekorps bei Düsseldorf, - manchmal für sich getrennt, große Herbstübungen abzuhalten. Dieselben haben einen dreifachen Zweck.
Zunächst sollen diese Manöver, die der großen Kosten halber, welche sie sowohl dem Staate verursachen, als auch einem kleinen Teil des Korpsbezirks auferlegen, nur selten abgehalten werden können, den höheren Führern, die aus vorgedachten Gründen nur selten Gelegenheit haben, so bedeutende Truppenmassen, wie sie in Wirklichkeit unter sich haben, selbständig u führen, die Möglichkeit bieten, sich darin zu üben und sich so für den Krieg vorzubereiten. Für die niederen Offiziersgrade, vom Brigadekommandeur abwärts, bietet jedes Divisionsmanöver wie es überall alljährlich stattfindet, die gleiche Gelegenheit. Für diese Grade hat also auch das Korpsmanöver den Zweck, sie im Bewegen größerer und kleinerer Truppenformationen auszubilden, ihnen den in der Praxis so notwendigen Überblick zu geben, sie findig zu machen im Terrain und ihre Selbständigkeit für die mancherlei Gefechtslagen zu fördern, sie also, kurz gesagt, zu befähigen, den im Kriege an sie herantretenden großen vielseitigen Forderungen genügen zu können.
Zweitens sollen sie, wie die übrigen Manöver, den Truppen Gelegenheit geben, das auf dem enge n Raum des Exerzierplatzes und der garnisonstädtlichen Umgebung Erlernte praktisch anzuwenden. Die Mannschaften sollen sich in der richtigen Benutzung des Terrains üben, sollen ihre Feuerdisziplin bewähren, d. h. in der Hitze des Vor- oder Zurückgehens den Zusammenhang und die Achtsamkeit auf die obere Leitung nicht vermissen lassen.
Drittens sollen solche Manöver dem Allerhöchsten Kriegsherrn während seiner Anwesenheit die Gelegenheit geben, sich davon zu überzeugen, daß die Ausbildung des betreffenden Korps nach den gleichen, von ihm persönlich befohlenen Prinzipien geschehen ist und somit keine Ungleichheiten in der ganzen Armee vorhanden sind. Sie bieten ihm ferner die Gelegenheit, sich von der Schlagfertigkeit der betreffenden Truppen - eben durch diese größeren Übungen im Terrain -, sowie von dem Grade der Befähigung der Führer persönlich zu überzeugen und da Se. Majestät der Kaiser somit mehrere Tage hindurch persönlich bei den Übungen anwesend ist, so nennen die Zeitungen sie "Kaisermanöver"
Als letztes wichtiges Moment für die Bedeutung solcher Korpsmanöver soll endlich hinzuzufügen nicht vergessen sein, daß sie vor einer glänzenden Versammlung hoher Preußischer Generäle, vom Kaiser eingeladener Deutscher Fürsten und von ihren Regierungen abgesandter, als Gäste vom Kaiser empfangener Offiziere aus allen Staaten Europas nicht allein, sondern der ganzen zivilisierten Welt abgehalten werden.
Was nun speziell die Übungen des IX.Armeekorps in den Tagen vom 9. bis 18.September d.J. angeht, von denen ohne Zweifel die Feldmanöver der Divisionen gegen einander das interessanteste Schauspiel bieten werden, so kann ich darauf des Näheren aus begreiflichen Gründen heute noch nicht eingehen, verspreche aber den Lesern der "Itzehoer Nachrichten", daß sie in meinen späteren Berichten ein übersichtliches und anschauliches Bild derselben finden werden. Im Vertrauen auf das treffliche Material an Leuten und die pflichttreue, unermüdliche Arbeit der Offiziere und Unteroffiziere des IX.Armeekorps, ist der Entschluß Sr. Majestät, sich persönlich von den Leistungen des Korps zu überzeugen, in den beteiligten Kreisen aufs Freudigste begrüßt worden. Wünschen wir darum der Probe, die das Korps, welches vor nunmehr 11 Jahren ein so herrliches Zeugnis von seiner Pflichttreue, Todesmutigkeit und Disziplin im Kriege ablegte, jetzt im Frieden vor Sr. Majestät bestehen soll, ein freudiges Gelingen! Es hat sich nichts verändert!
Das Manöver des IX.Armeekorps begann am 12.September mit der Abnahme der Truppenparade auf der Schießbahn II gegen 11:00 Uhr. Im Gefolge des Kaisers waren Generalfeldmarschall von Moltke und der Kriegsminister von Kameke. Der Kaiser nahm die Meldung der angetretenen Truppe durch den Inspizienten, Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg, entgegen. Am rechten Flügel der am Westrand der Schießbahn angetretenen Soldaten standen die Militär Attachés, die der Kaiser zuerst begrüßte. Danach bestieg er sein Pferd und ritt die Front der angetretenen Soldaten ab. Nach Abnahme der Parade und Abmeldung der Front kehrte der Kaiser nach Itzehoe zurück. Am Abend war eine große Abordnung Soldaten mit einem verstärkten Musikkorps in Itzehoe, wo sie zu Ehren des Kaisers den großen Zapfenstreich zelebrierten. Nach Beendigung des Zapfenstreichs marschierten die Soldaten ins Lager zurück. Die Bevölkerung der Provinz war in außergewöhnlicher Zahl selbst aus den angrenzenden Kreisen herbeigeströmt, um dem ungewöhnlichen Schauspiel beizuwohnen. Der erste Tag des Manövers gestaltete sich im Lager zu einem Volksfest. Besichtigungsdelegation Augenzeugenbericht über das Korpsmanöver am 13.September 1881.Generalidee. Eine Nordarmee hat die Eider überschritten und befindet sich auf dem Vormarsche gegen die untere Elbe. Zur Sicherung ihrer rechten Flanke ist ein Armeekorps (das Nordkorps) von Rendsburg auf Itzehoe und Glückstadt dirigiert, auch ein starkes Detachement zur Besetzung der Marschbahn nach Tönning und Heide entsendet worden. Eine zwischen Lübeck und Hamburg zusammengezogene Südarmee, welche sich in den Besitz der Eider Linie setzen soll, hat ein Armeekorps (das Südkorps) gegen den Stör Abschnitt vorgeschoben. Die Spezialidee für den heutigen Tag lautet für das Nordkorps (markierter Feind): Das Armeekorps hat am 12.September starke Truppenzüge des Feindes auf der Eisenbahn nach Glückstadt und Bahnhof Wrist befördert worden sind. Der Kommandierende General beschließt, am 13.September den Vormarsch, wenn möglich, bis zu den Störübergängen fortzusetzen. Die Nordarmee (supponiert) wird am 13.September ihre Teten gegen Neumünster und Bornhöved vorschieben. Der markierte Feind wird gebildet durch das 3.Bataillon des Grenadierregiments Nr.89, das 2.Bataillon des Infanterieregiments Nr.31, das Pionierbataillon Nr.9, je eine Eskadron der Kavallerieregimenter des Armeekorps, eine reitende Batterie des Feldartillerieregiments Nr.9 und zwei Batterien des Feldartillerieregiments Nr.24. Für das Südkorps war die Spezialidee folgende: Das IX.Armeekorps hat am 12.September die Störübergänge bei Itzehoe und Kellinghusen erreicht. Nach übereinstimmenden Meldungen sind am 12.September feindlich Kolonnen im Marsch auf Hohenwestedt und während der Nacht Biwaksfeuer in diesem Ort bemerkt worden. Der Kommandierende General beabsichtigt, am 13.September beide Divisionen auf dem rechten Störufer zu konzentrieren und den Vormarsch in der Direktive über Ridders und Silzen fortzusetzen. Die Südarmee (supponiert) soll am 13.September mit ihren Avantgarden Bramstedt und Segeberg zu erreichen suchen. Zur Durchführung dieser Idee war nun folgende Disposition für den heutigen Tag getroffen worden: Rendezvous bei Oesau 8 Uhr Morgens. Feindliche Kolonnen sind von Hohenwestedt auf der Chaussee nach Itzehoe, sowie gegen Ridders und Silzen im Anmarsch. Der Kommandierende General des IX.Armeekorps, Exzellenz Hermann von Treskow, greift den Feind an und sucht ihn von der Rückzugslinie auf Rendsburg abzudrängen. Beide Divisionen lassen sofort das vorliegende Terrain durch Kavallerie aufklären. Die 17.Division besetzt die Defiléen bei Bücken und sucht eine Brigade nach dem Übergange über die Ridders Aue beim Waldwärter vorzuschieben. Von der 18.Division geht die 36.Infanteriebrigade unter dem Schutz der Divisionsartillerie à cheval auf der Straße nach Ridders über den Schießplatz vor. Die 35.Infanteriebrigade verbleibt als Reserve zur Disposition des Kommandierenden Generals. Die Korpsartillerie folgt der 36.Infanteriebrigade. Die Instruktion für den markierten Feind ist die folgende: Das Nordkorps (markierter Feind) ist auf seinem Vormarsch Morgens 8 Uhr mit der Kolonne des rechten Flügels (6 Bataillone, 1 Eskadron, 1 Batterie) auf der Chaussee nach Itzehoe in Höhe von Ridders, mit der mittleren Kolonne (zwei Infanteriebrigaden, eine Kavalleriebrigade und die Korpsartillerie, 12 Bataillone, 7 Eskadronen, 9 Batterien) mit der Kolonne des linken Flügels (6 Bataillone, 8 Eskadrons, 2 Batterien) bei Silzen eingetroffen. I.Moment. Aufklärung des Vorterrains durch die Kavalleriebrigaden. Kavalleriegefecht bei Bücken und auf dem Artillerieschießplatz. Die Kavallerie wird geworfen und geht auf Ridders und Silzen zurück. II.Moment. Die Kolonne des rechten Flügels überschreitet die Ridders Aue beim Waldwärter, um sich in den Besitz der Defiléen bei Bücken zu setzen. Die mittlere Kolonne wird mit einer Brigade und der Korpsartillerie zur Besetzung des Ridderser Holzes vorgezogen, die andere Brigade folgt. III.Moment. Gefecht bei Bücken. Der rechte Flügel wird über die Ridders Aue auf das Waldwärter Gewese zurückgedrängt. Die Waldlisière nördlich Bücken wird besetzt. Die Korpsartillerie eröffnet vom Tannenwäldchen aus das Feuer gegen die feindliche Artillerie. Die Besetzung des Zentrums wird durch Entwicklung der gesamten Infanterie und Artillerie der mittleren Kolonnen vollendet. Die Kolonne des linken Flügels wird als Reserve beim Gehölz Hohenfierth zurückgehalten. IV.Moment. Lebhafter Artilleriekampf. Ein feindlicher Angriff von Bücken her wird abgewiesen. Der Feind entwickelt überlegene Kräfte gegen Front und rechte Flanke des Zentrums. Die Reserve geht vom Hohenfierth her zur Offensive gegen den feindlichen rechten Flügel vor. Die Stellung am Waldwärter Gewese muß geräumt werden. V.Moment. Umfassender Angriff des Feindes. Die Lisière des Ridderser Holzes wird aufgegeben. Der Offensivstoß der Reserve wird durch das Eingreifen einer feindlichen Infanteriebrigade abgewiesen. Abzug des Zentrums unter dem Schutze der Artillerie. Allgemeiner Rückzug in den Direktionen Ridders und Silzen. Die Schwierigkeiten, welche das Manöverterrain in Schleswig-Holstein darbietet, sind größer, als in irgend einer anderen Gegend Deutschlands und deshalb war es leider dem Generalkommando, dessen liebenswürdige Bereitwilligkeit, uns in dem Bestreben zu unterstützen, dem Publikum möglichst zuverlässige Nachrichten zukommen zu lassen, wir mit großem Danke anerkennen, nicht möglich, dem Berichterstatter die Vollmacht zu geben, auf allen Punkten dem Manöver zu folgen. Da ohnehin der bei weitem interessanteste Teil der Manöveroperation sich auf dem zwischen dem Lockstedter Lager und dem Tannenwäldchen gelegenen Terrain abspielte, so begaben wir uns früh Morgens 8 Uhr dorthin, und haben gerade diese Wahl nicht nur nicht bereut, sondern sind sehr befriedigt, auf diese Weise gerade den effektvollsten Momenten beigewohnt zu haben. Am Lockstedter Lager hatte sich in der Frühe wieder eine größere Menschenmenge eingefunden, die sicher hoffte, hier Se. Majestät sehen zu können, da man allgemein erwartete, der Kaiser werde an derselben Stelle zu Pferde steigen, wie gestern. Als charakteristisches Moment, wie gern Schleswig-Holsteins Bevölkerung die Gelegenheit Se. Majestät von Angesicht zu Angesicht zu sehen, ausnutzt, möchte Berichterstatter hier eine kleine, ihm persönlich begegnete Szene erzählen. Eine würdige Matrone, welche schon 1 ½ Stunden lang hoch auf einer Bank vor dem Sörenschen Hôtel gestanden und vergeblich der Ankunft Sr. Majestät geharrt hatte, wandte sich an mich mit der Bitte, ihr zu sagen, ob denn der Kaiser wirklich nicht komme. Sie sei von Glückstadt besonders zu dem Zweck hierher gereist, den Kaiser zu sehen, da sie wohl nie wieder in der kurzen Spanne Zeit, die ihr noch zum Leben bestimmt sei, dazu Gelegenheit finden werde. Als ich ihr entgegnete, daß es sehr zweifelhaft sei, daß Majestät gerade das Lockstedter Lager passieren werde, traten ihr die Tränen in die Augen und sie erkundigte sich weiter, wie sie es denn anzustellen habe ihren sehnlichen Wunsch erfüllt zu sehen. Ich riet ihr, sofort nach Itzehoe zu fahren, um dort bei der Abfahrt Sr. Majestät zum großen Galadiner auf dem Rathaus dazu Gelegenheit zu finden. Als ich hinzufügte, es sei unzweifelhaft, daß es ihr gelingen werde, Se. Majestät aus nächster Nähe zu sehen, war sie überglücklich und nie habe ich wärmeren Dank für eine kleine Auskunft ausgesprochen gehört, als er mir für die meinige zu Teil wurde. Solche Züge mögen auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen, sie sind aber in Wirklichkeit zu charakteristisch, als daß sie verschwiegen werden können. Se. Majestät hatte um halb 10 Uhr zu Wagen sein Logis verlassen und war dann auf dem von der Chaussee abbiegenden, nach Bücken zu führenden Wege zu Pferde gestiegen. Er ritt auch heute wieder den "Gladiator". Prinzen Wilhelm, Heinrich und Albrecht und einer glänzenden Suite, folgte darauf Se. Majestät den vorhin angegebenen Manöverbewegungen und sprengte Punkt halb 11 Uhr auf den nördlich vom Lockstedter Lager gelegenen Artillerieschießplatz. In demselben Moment machten die jenseits der Chaussee in einer Niederung stehenden Husaren einen Angriff und rückten bald darauf in die früher eingenommene Rendezvous-Stellung ein. Sodann kam der Feind von Silzen und Ridders her und wurde von der Artillerie lebhaft beschossen. Gleichzeitig wurde nordöstlich vom Lager in Reserve stehende 35.Infanteriebrigade vorgezogen. Die Artillerie, welche von dem an das Lager grenzenden Terrain bis in die Gegend von Kellinghusen den Feind beschossen hatte, protzte wieder auf, fuhr nördlich des Lagers unmittelbar an der Chaussee mit Fronte nach dem Tannenwäldchen auf und eröffnete ein Schnellfeuer mit Granaten. Allmählich entwickelte sich auf der langen Linie ein wirksames Tiralleurfeuer der Schützenlinie, welches durch wohlgezielte Salven der geschlossenen Bataillone verstärkt wurde. Die Brigaden avancierten gegen den allmählich weichenden Feind und warfen ihn mit Hurrah! in das Tannenwäldchen und die Gegend von Ridders und Silzen zurück. Das Wetter, welches schon von Morgens früh an einen regnerischen Charakter zeigte, wurde gegen 12 Uhr immer schlechter und beeinträchtigte eine Zeit lang eine genaue Beobachtung vollständig, zumal in Folge desselben der Pulverdampf nicht aufsteigen konnte und sich wie Höhenrauch am Boden entlang zog. Allmählich jedoch hellte es sich auf und so war die Beobachtung des Schlusses dieses glänzenden Schauspiels auf der ganzen Gefechtslinie möglich. Um 12 ½ Uhr hatte das Manöver sein Ende erreicht und nunmehr wurden die zur Kritik bestimmten Offiziere zu Sr. Majestät dem Kaiser befohlen, der trotz des stellenweise strömenden Regens den Operationen mit größter Aufmerksamkeit gefolgt war. Se. Majestät nahm sodann Veranlassung, Sr. Exzellenz Hermann von Treskow, dem Kommandierenden General, über den Verlauf des heutigen Manövers Allerhöchste Zufriedenheit auszusprechen. Die Rückfahrt der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften verzögerte sich gegen die ursprünglich im Programm festgesetzte Zeit um reichlich eine Stunde. Ihrem Berichterstatter, den ein günstiger Zufall mit seinem Wagen auf eine seitlich Chaussee gelegene Koppel geführt hatte, wurde das Glück zu Teil, die Abfahrt aus allernächster Nähe zu sehen. Voran fuhr, wie gewöhnlich, der Landrat. In der mit 4 Trakehner Rappen bespannten Equipage folgte Se. Majestät der Kaiser, welcher die Generalsuniform trug, mit dem Generaladjutanten und Chef des Militärkabinets Generalleutnant von Albedyll. Se. Majestät wurde von den zu Seiten der Chaussee stehenden Truppen mit lautem Hurrah begrüßt. Dann kam der Kronprinz, ebenfalls in Generalsuniform und zu Pferde der Prinz Wilhelm in der Uniform des 1.Garderegiments und der Prinz Heinrich in Marineuniform. Unmittelbar hinter dem Wagen der Großherzogin von Mecklenburg ritt der Großherzog in der Uniform des Hannoverschen Husarenregiments Nr.15. Nachdem noch der mit lebhaftem Zuruf begrüßte Feldmarschall Graf von Moltke vorbeigeritten, folgte der Wagen Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Kronprinzessin, der mit 4 Rappen bespannt war und dem ein Spitzreiter voranritt. Der Bericht um Details ergänzt.Auftrag des Kommandierenden Generals IX.Armeekorps Hermann von Treskow war, den Feind anzugreifen und ihm den Rückzug nach Rendsburg abzuschneiden. Dazu hatte der General befohlen: 2 Eskadrons vom Husarenregiment Nr.16 klären vor der 17. und 18.Division in Richtung Norden auf. Die Grenze zwischen der 17. und 18.Division bildet die Linie von Oesau über den Oberteich nach Ridders. 17.Division im Westen eingesetzt. Brigade 33 mit den Infanterieregimentern Nr.75 und Nr.76 besetzen die Defileen bei Bücken. Brigade 34 mit dem Grenadierregiment Nr.89 und Füsilierregiment Nr.90 wird über die Ridders Aue bis zum Waldvater (Försterei) vorgeschoben. Dragonerregiment Nr.17 als Reserve bei der Lohmühle. 18.Division im Osten eingesetzt. Brigade 35 mit den Infanterieregimentern Nr.84 und Nr.86 als Reserve nördlich von Mühlenbarbek. Teile Feldartillerieregiment Nr.9 mit Rest Husarenregiment Nr.16 bei Neumühlen. Brigade 36 nördlich von Winseldorf. 18.Division befiehlt Brigade 36 mit den Infanterieregimentern Nr.31 und Nr.85 den Vormarsch auf Ridders. Zwischenziel der Grenadierwald. Das Vorrücken wird unterstützt durch Feuer der Divisionsartillerie, Feldartillerieregiment Nr.45. Wenn Brigade 36 den Grenadierwald gewonnen hat, rückt Brigade 35, unterstützt durch das Feuer der eigenen Artillerie, gegen Ridders und Silzen vor.Die Infanteriebrigade 35 erhielt den Befehl zum Vormarsch gegen 11:00 Uhr und verlegte daraufhin die Artillerie an die Nebenlandstraße Oesau - Nortorf, wo diese nach kurzer Vorbereitung das Feuer auf den Feind eröffnete. Gegen 12:30 Uhr war der Feind niedergekämpft, damit endete das Manöver im Lockstedter Lager. Nach diesem Manöverteil beförderte der Kaiser seinen Enkel zum Major und zeichnete Soldaten vom Dragonerregiment Nr.18 mit Orden aus. Den Kommandeur des Regimentes Oberstleutnant Freiherr von Seher-Troß mit dem Kronen Orden 3.Klasse, Rittmeister von Bülow mit dem Roten Adler Orden 4.Klasse, Wachtmeister Vorkörper und Musikdirektor Ahrens mit dem Militär Ehrenzeichen. Major Otto Freiherr von Spies-Bülleshein, der zur Führung der fremdländischen Offiziere abkommandiert worden war, wurde vor der Front gelobt.
Der nächste Manövertag fand im Westen vom Lager in der Gegend um Kaaks statt. Die Einheiten der 17.Division hatten das Lager bis zum 20.August verlassen und kehrten in die Garnisonen zurück.
Die während der Herbstmanöver im Kreis Steinburg angemeldeten Flurschäden sollen auf 6.000 Mark geschätzt worden sein, während die im Kreis Rendsburg zu vergütende Summe auf ungefähr 5.000 Mark berechnet worden war. In der Nacht vom 20. zum 21.Oktober waren aus dem Garten des am Hungrigen Wolf wohnenden Herman Dierks 5 frische Kalbfelle gestohlen worden. In einer Anzeige lobt er demjenigen eine Belohnung aus, der ihm dienliche Hinweise auf den Dieb geben würde, damit er ihn zur Rechenschaft ziehen könne. Am 01.November wurde die Lieferung des Brotbedarfs für das Stamm- und Wachpersonal im Lockstedter Lager für das Jahr 1882 ausgeschrieben. In der Ausschreibung wurde darauf hingewiesen, daß es nicht vorgesehen sei die Brotversorgung der hier übenden Truppen auszuschreiben. Major von Spieß, der während des Kaisermanövers als Führer der ausländischen Offiziere eingesetzt, und auch Kommandeur der in Itzehoe stationierten Eskadron des Husarenregiments Nr.15 war, wurde auf Anordnung des Kaisers mit Wirkung vom 01.November zum Regimentskommandeur des in Pasewalk stationierten 2.Kürassierregiments ernannt. Ende November wurde der Arbeiter Wilhelm Möller vom Hungrigen Wolf vom Itzehoer Schöffengericht wegen Jagdvergehens mit Waffe und Hund zu einer Geldstrafe von 50 Mark wegen des Vergehens und im zweiten Falle 15 Mark, ersatzweise insgesamt 2 Wochen Gefängnis / 3 Tage Haft unter Einziehung des bei Begehung der Tat benutzen Gewehres, sowie des Hundes. In einem weiteren Verfahren wurde der Zimmermeister H.Wichmann aus Kellinghusen, der im Lockstedter Lager beim Gastwirt Thode, aus Anlaß des Kaisermanövers, eine Tribüne ohne baupolizeiliche Genehmigung gebaut hatte, von der Anklage des Verstoßes gegen die baupolizeilichen Vorschriften kostenlos freigesprochen. |
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In Winseldorf war im Dezember des vergangenen Jahres ein Verein gegen Bettelei gegründet worden. Bis zum 01.Januar 1882 wurden von dem Verein 93 Durchreisende unterstützt, 4 weiter waren abgewiesen worden, weil sie sich nicht ausweisen konnten.
Gegen den in Edendorf wohnenden Händler Detlef Tödt, wurden wegen Diebstahls von fünf Kalbfellen bei Dierks am Hungrigen Wolf,vom Schöffengericht 3 Wochen Gefängnis verhängt.
Zur Besichtigung des in Itzehoe stationierten Truppenteils des Husarenregiments Nr.15 waren Generalleutnant von Lüderitz, Kommandeur der 18.Division, und Oberstleutnant von Peletet-Narbonne, Kommandeur des Husarenregiments Nr.15 nach Itzehoe gekommen. Am Nachmittag des 10.Februar nahmen sie die Besichtigung der kavalleristischen Fähigkeiten der Soldaten zwischen dem Lockstedter Lager, Schlotfeld und Blauer Lappen vor. Im März wurden wieder die öffentlichen Ausschreibungen für die Versorgung des Lagers veröffentlicht. Sie umfaßten den Bedarf an 600 Kg Petroleum, 90 Kg Stearin- und 90 Kg Talglichte, 300 Kg grüne Seife und 300 Kg Soda, 600 Reiserbesen, 80.000 Kilogramm Steinkohle und 30 Raummeter Weichholz. Auf die Submissionsanzeige bezüglich der unbefristeten Leerung der Latrinen, Urinieranstalten, Asch- und Müllgruben gingen nur zwei Bewerbungen ein. Einige Tage später wurde der Arbeitsauftrag für Glaserarbeiten vergeben, der über den Zeitraum von April 1882 bis März 1883 lief. Des weiteren wurde ein Auftrag zur Errichtung von 7 Stück massiven Asch- und Müllgruben ausgeschrieben. Der Auftrag beinhaltete auch die Lieferung sämtlicher erforderlicher Materialien. Das Angebot durfte den Betrag von 4.094,23 Mark nicht überschreiten.
Der Garnisonsbaubezirk Rendsburg, zu dem auch das Lockstedter Lager gehörte, sollte mit dem 01.April aufgelöst werden. Die Planungen liefen seit Januar, daß mit gleichem Datum an dessen Stelle ein zweiter Garnisonsbaubezirk in Altona gebildet werde. Die Einberufung der Ersatzreserve I.Klasse im Bereich des IX.Armeekorps zu der zehnwöchigen Übung sollte, wie im Vorjahr, zum 22.August erfolgen. Die Übungen sollten dauern bis zum 30.Oktober. Die Einberufung des vorjährigen Jahrganges der Ersatzreserven findet am 30.September statt. Auch in diesem Falle werden die Übungen am 30.Oktober enden. Die Kommandantur wurde aufgefordert die nötigen Unterkünfte bereit zu stellen. Nach Mitteilung der Kaiserlichen Oberpostdirektion war mit dem 04.Mai, wie in den vorhergegangenen Jahren, im Lager für die Dauer der größeren Truppenansammlungen eine Postanstalt mit Telegraphenbetrieb errichtet worden. Die Filiale wurde über die Postanstalten in Itzehoe, Kellinghusen und Wrist durch ein privates Personenfuhrwerk versorgt. Das Fuhrwerk ging um 0500 Uhr aus Itzehoe nach Wrist und um 1330 Uhr von Wrist nach Itzehoe ab.
In Vorbereitung auf die angekündigten Besichtigungen und Inspektionen, wurde mit den Fußartilleristen stramm exerziert. Für die Truppe waren reichlich Schießtage angesetzt. Schießen waren am 15., 16., 17., 19., 20., 22., 23., 25., 26., 27., 30. und 31.Mai, sowie am 02., 03. und 08.Juni von Morgens 07:00 Uhr bis Nachmittags 15:00 Uhr, außerdem am 24.Mai und 01.Juni von Mittags 12:00 Uhr bis in die Nacht mit anschließenden Waffenreinigen und Appell. Zur Besichtigung und Inspektion der Schießübungen der im Lager übenden Fußartillerie kam am 07.Juni Generalleutnant Wiebe und Oberst Wolf nebst zwei Adjutanten ins Lager. Nach der erfolgreichen Inspektion verlegten das Fußartillerieregiment Nr.2 und das Fußartilleriebataillon Nr.9 in die Standorte zurück. Zwei Tage bevor die 10.Feldartilleriebrigade im Lager eintraf, erreichte der Pulvertransport für die Schießvorhaben der beiden Regimenter das Lager. Pulvertransporte wurden mit der Bahn bis Wrist transportiert und von dort im Landtransport zum Lager gebracht. Während des Landtransportes waren rigorose Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, die unter Umständen auch das Betreten des Transportweges untersagten. Die Hannoverschen Feldartillerieregimenter erreichten das Lager über die Bahnhöfe Wrist und Itzehoe. Für den 07.Juni war ein öffentlicher Submissions Termin angesetzt. Auf dem Termin wurde die Jagdnutzung auf dem Übungsplatz für ein Jahr verdungen. Eine Jagdgemeinschaft aus Kellinghusen erhielt den Zuschlag. Am 10.Juni ereignete sich ein schwerer Unfall auf dem Schießplatz. Ein bei den Kugelfängen gefundener Blindgänger, ein Sprenggeschoß der Fußartillerie, krepierte als der Arbeiter Tödt aus Itzehoe das Geschoß aufnahm. Der Munitionssammler wurde durch die Explosion getötet. Es war erneut zu bedauern, daß die, die Behandlung solcher Sprenggeschosse betreffende, veröffentlichte Warnung des Königlichen Landratsamts doch vielfach unbeachtet blieb. Um die Wasserversorgung im Lager zu verbessern war eine Firma aus Hamburg beauftragt worden 9 gußeiserne Schwengelpumpen mit den entsprechenden Saugröhren zu liefern und für die Wasserentnahme vorzubereiten. Vier Pumpen wurden im Bereich der Ställe niedergebracht, die restlichen im Barackenlager verteilt. Ein Artillerist des Feldartillerieregiments Nr.10 war in Folge eines Wortwechsels mit einem Unteroffizier, bei dem letzterer die Beherrschung verloren hatte, von diesem durch einen Messerstich in den Bauch schwer verletzt worden. Zwischen einberufenen Reservisten der Infanterie kam es während der Eisenbahnfahrt in der Nähe von Wrist zu einer Auseinandersetzung. Bei den Tätlichkeiten wurde ein Reservist durch einen Messerstich getötet und ein anderer schwer verletzt. Das Infanterieregiment von Manstein (schleswigsches) Nr.84 führte mit beiden Bataillonen im sich zu Ende neigenden August 1882 das Regimentsexerzieren durch, später kam das Königin Füsilierregiment (Schleswig-Holsteinisches) Nr.86 dazu um am Brigadeexerzieren teilzunehmen. Die Infanteriebrigade inszenierte schon seit Jahren das Brigadeexerzieren auf dem Übungsplatz. Kurz nachdem das Füsilierregiment Nr.86 in das Lager eingerückt war, hatte dieses durch den jähen Tod eines seiner beliebtesten Offiziere einen schweren Trauerfall zu beklagen. Hauptmann Wentzel ritt an einem Sonnabendnachmittag zwischen 1600 und 1700 Uhr nach Itzehoe, um sich, wie er vorher angab und wie dies auch durch den gemachten Ankauf bestätigt worden war, mit Zigarren zu versorgen. Auf dem Nachhausewege scheint sein Pferd unweit des Hofes Schmabek so unglücklich gestürzt zu sein, daß die von Hauptmann Wentzel dabei erlittenen Verletzungen unmittelbar seinen Tod zur Folge hatten. Wenngleich die Art, wie sich das beklagenswerte Unglück ereignet hatte, nicht bestimmt ermittelt worden war, so stand jedoch fest, daß hier keine Unvorsichtigkeit oder eigene Schuld des Verunglückten, der als guter Reiter bekannt war, zu Grunde lag, sondern daß irgend ein unglücklicher Zufall den Unfall auslöste. Der Bäcker C.Hahn kaufte die Dampfwäscherei und Badeanstalt für den Betrag von 22.442,00 Mark. Der Betrieb der Anlagen war seit dem Konkurs des Herrn Wiggerts eingestellt. Herr Hahn hoffte, daß er das Geschäft neu beleben könne, es stellte sich jedoch kein Erfolg ein, was auf zwei wichtige Gründe zurückzuführen ist, nämlich er konnte kein Personal für den Betrieb rekrutieren aber am schlimmsten war, daß die Soldaten als Kunden der Wäscherei und Badegäste ausblieben. Herrn Hahn wurde ein Scheitern dieses Geschäftszweiges vorausgesagt.
"Das von der Kapelle des Schleswigschen Infanterieregiments Nr.84 unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Fiedler gestern im Freudenthal ausgeführte Konzert bildete, nach Urteil sachkundiger Anwesenden, den Glanzpunkt der sämtlichen uns bis dahin in diesem Sommer gebotenen musikalischen Genüsse. Die Nummern des sorgfältig ausgewählten, reichhaltigen Programms wurden alle mit Exaktheit und Gefühlsinnigkeit zu Gehör gebracht, die zur lauten Anerkennung hinrissen. Einzelne Stücke des Programms, wie "Am Meere" usw. gelangten auf immer fortdauerndes Beifall klatschen zum wiederholten Vortrage. Da Herr Fiedler am nächsten Sonntage auf Amönenhöhe nochmals konzertieren wird, haben wir es für angemessen gehalten, auf die ausgezeichneten Leistungen der Kapelle des 84.Infanterieregiments an dieser Stelle aufmerksam zu machen." Nachdem infolge des starken Schneefalls der letzten Novembertage manche Arbeiten im Lager haben eingestellt werden müssen, war Schneeschaufeln für die Wach- und Stammsoldaten des Lagers eine zusätzliche Beschäftigung. Die Polizei Kellinghusen hatte die Anwohner der Kieler Chaussee angehalten einen Fußweg an den Häusern frei zu räumen. Ein 16 Jahre alter Junge aus Hungriger Wolf war beim Jagen im Ridderser Forst erwischt worden ohne im Besitz eines Jagdscheines zu sein; er wurde wegen Jagdvergehens zu 15 Mark Geldbuße, im Unvermögensfalle zu 3 Tagen Haft verurteilt. |
Gleich zu Beginn des Jahres begannen die Renovierungsarbeiten im Lager. Zimmer- und Maurerarbeiten und Maler- und Klempnerarbeiten wurden durchgeführt. Für die Arbeiten waren 26.366,26 Mark veranschlagt worden. Mit dieser Reparatur hatte die Errichtung einer Giebelwand an der Wetterseite des Kasinos nichts zu tun. Die Fachwerkgiebelwand war als baufällig eingestuft worden und mußte erneuert werden. Neben diesen Aufträgen mußten auch neue hölzerne Kasernenausstattungen wie Tische, Stühle, Schemel und Schränke beschafft werden.
Sechs Einwohner aus Itzehoe hatten im Lockstedter Lager nach den Übungen der Artillerie verschossene Munitionsteile gesammelt und sich dadurch widerrechtlich angeeignet; gegen 4 von ihnen wurde auf 3 Tage und 2 auf 7 Tage Gefängnis erkannt.
Im März war ein Teil der im Januar ausgeschriebenen Arbeiten abgeschlossen. Jetzt begannen die Abschlußarbeiten, wofür noch einmal Klempner, Dachdecker und Pflasterer gebraucht wurden, für restliche Bauarbeiten wurden weitere 93.750 Mauerziegel benötigt.
Der Händler Heinrich Schulz aus Itzehoe wurde vom Amtsgericht zu 14 Tagen Gefängnis wegen Sachbeschädigung verurteilt, weil er mit einem Revolver mehrere Schüsse auf den Wegweiser zum Lockstedter Lager an der Chaussee Itzehoe - Kellinghusen abgegeben hatte. Der Revolver wurde eingezogen. |
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Die Versorgung für die Pferde der demnächst hier übenden Truppen war angelaufen. Die Garnisonsverwaltung plante den Ankauf von 40.000 Kilogramm Roggenstroh und vergab im April den Transport von 11.500 Zentnern Fourage aus Itzehoer Magazinen zum Lockstedter Lager. Der Bedarf an Steinkohlen zu Heizzwecken war wie in den Vorjahren auf 80 Tonnen und der an Weichholz auf 30 Kubikmeter festgelegt worden.
Vor Beginn der Schießübungen, vom 17.April und nach Beendigung derselben bis zum 17.August, hielten sich zur Ausführung von Vor- und Nacharbeiten größere Kommandos der Artillerie im Lockstedter Lager auf. Ehe die Schießsaison begann, wurde die Bevölkerung der Gegend erneut darauf hingewiesen, daß die während der Schießübungen gefährdeten Gebiete, die nicht betreten werden durften, bereits vor Beginn bis nach dem Schluß des Schießens durch 13 Barrieren abgesperrt werde. Neben jeder Schranke stand eine Nummerntafel, welche die laufende Nummer der Schranke angab und eine Warnungstafel, wie sie heute noch bei militärischem Gelände zu sehen ist. Das Schließen und Öffnen der Barrieren geschah durch 4 Unteroffiziere. Außerdem wurde südlich von Silzen, in der Nähe der Chaussee, an der Spitze des Nadelwaldes und nördlich von Lockstedt je ein weithin sichtbarer Armtelegraph angebracht, dessen Arme während des Schießens hochgezogen waren. Die Unteroffiziere hatten während des Schießens das zwischen den abgesperrten Wegen belegene Gebiet zu überwachen, um das Betreten der gefährdeten Gegend zu verhindern. Damit die Einwohner von Silzen und Lockstedt jederzeit erfahren konnten, ob geschossen wurde, wurde, wie immer, vor Beginn des Schießens eine Tafel mit der Aufschrift "Es wird Geschossen" in Silzen an der Wohnung des Gemeindevorstehers gegenüberstehenden Eiche und in Lockstedt an dem Wegweiser nach Itzehoe, im südlichen Teile der Ortschaft, aufgehängt. Das Aufhängen und Wiederabnehmen der Tafel geschah durch Unteroffiziere. Weiter wurde vor Blindgängern gewarnt, da jede Berührung und nicht sachgemäße Behandlung von scharfgeladenen Geschossen, die möglicherweise auf dem hinter dem Kugelfang liegenden Terrain aufgefunden werden könnten, mit großer Gefahr für Gesundheit und Leben verbunden sein konnte und dadurch schon mehrfach Unglücksfälle geschehen waren. Es wurden Alle aufgefordert beim etwaigen Auffinden von ganzen Geschossen diese nicht zu berühren oder aufzunehmen, sondern unter genauer Bezeichnung der Findestelle unverzüglich bei der Verwaltungskommission des Schießplatzes oder beim Wachkommandanten im Barackenlager davon Anzeige zu machen, damit die sofortige Abholung der Geschosse bewirkt werden konnte. Dagegen hatten die Finder von anderem Munitionsmaterial (Eisensprengstücken, Blei, Messing), deren Aufnahme gefahrlos war, diese während der Schießübungen sofort an die Verwaltungskommission des Schießplatzes, vor und nach den Schießen aber an das Wachkommando im Barackenlager, abzuliefern und erhielten das dafür festgesetzte Findegeld. Für das Anzeigen der Fundstelle von Blindgängern wurde ein dem Gewicht derselben entsprechender Findelohn gezahlt. Es wurde in den Veröffentlichungen noch darauf aufmerksam gemacht, daß nach § 291 des Strafgesetzbuches die widerrechtliche Aneignung von Munitionsmaterialien mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 900 Mark bestraft werden konnte.
Die Bauarbeiten im Lockstedter Lager gingen weiter. Das Kasino sollte vergrößert, 4 Asch- und Müllgruben hergestellt werden. Beide Gewerke waren mit 21.500 Mark veranschlagt. Daneben stand der Bau eines neuen Pferdestalles an. Als Richtpreise für am Bau interessierte Firmen galten, Erd- und Maurerarbeiten 7.422,37 Mark, Asphaltierungsarbeiten 154,58 Mark. Kosten für Gewerk mit Material: Zimmerarbeiten 6.832 M, Steinmetzarbeiten 2.916 M, Schieferdeckarbeiten 2.774 M, Pflasterarbeiten 1.636 M, Glaserarbeiten 152 M, Klempnerarbeiten 1.008 M, Anstreicherarbeiten 568 M. Daneben sollten geliefert werden 20 Tausend Klinker im Normalformat, 92 Tonnen Portlandzement, 79 Kubikmeter gelöschten Kalk und 264 Kubikmeter Pflaster- und Mauersand. General Zygnilinsky traf am 09.Juni im Lockstedter Lager ein und blieb bis zur Beendigung der diesjährigen Übungen dort. Das Vorkommando der 10.Feldartilleriebrigade war bereits im Lager angekommen, erste Truppenteile des 26.Feldartillerieregiments wurden am Sonntag 09.Juni ebenfalls dort erwartet. Am 21.Juni waren zu einer außerplanmäßigen Besichtigung im Lager anwesend: Seine Exzellenz der Kommandierende General des IX.Armeekorps Hermann von Treskow, Seine Exzellenz der Kommandeur der 18.Division, General von Massow, der Brigadekommandeur General von Gottberg, der Kommandeur des Husarenregiments Nr. 15, Herr von Pellet-Narbonne und Herr Major von Malzahn. Die Haltung der Truppe bei deren Vorführung sie zuschauten soll von den hohen Herren Inspizienten als eine sehr zufriedenstellende bezeichnet worden sein. Im Monat Juni waren auf dem Schießplatz zwischen den Schießständen und den Signaltürmen bei den Schießschanzen eine Telefonverbindung hergestellt worden. Die Qualität der Kabel ließ jedoch viele Wünsche offen, sie mußten mehrmals ausgewechselt werden. Beim Pferderennen der 9.Feldartilleriebrigade, das am 05.Juli auf dem Schießplatz Lockstedter Lager durchgeführt worden war und höchst interessant verlief, siegten 1.) beim Steeplechase Nr.1: Leutnant von Örzen's brauner Wallach "Jugurtha" (1.Pr.), Leutnant von Hagen's Fuchs Wallach "Granit" (2.Pr.), Hauptmann von Meibohm's Fuchs Stute "Melitta" (3.Pr.) Reiter Premierleutnant Kruse; als 4. und 5.Pferd gelangten an das Ziel Premierleutnant Schraidt's Wallach "Minotaur" und Leutnant Havenstein's Wallach "Lulu"; 2.) beim Steeplechase Nr.2: Leutnant Wischer's braune Stute "Fricka" (1.Pr.), Leutnant Thiemig's braune Stute "Milly" (2.Pr) und Premierleutnant Henning's braune Stute "La Paloma" (3.Pr.) es folgten sodann Premierleutnant Berg's brauner Wallach "Hektor", Leutnant von Normann's brauner Wallach "Kirsche", Leutnant Schraidt's brauner Wallach "Ferry" und Leutnant der Reserve Köster's brauner Wallach "Leo"; 3.) beim Steeplechase Nr.3: Leutnant Volbrügges's schwarzbrauner Wallach "Ortwin" (1.Pr.), Hauptmann Eilert's braune Stute "Ella" (2.Pr.) und Major Poncet's Fuchs Wallach "Buchsbaum" (3.Pr.); es folgte Premierleutnant von Bismarck's schwarzbrauner Wallach "Hamlet"; 4.) beim Trabrennen: Hauptmann Müller's schwarzer Wallach "Jodokus" (1.Pr.) Hauptmann Eilert's braune Stute "Jungfer" (2.Pr.) und Leutnant Steinwach's Fuchs Wallach "Matador" (3.Pr.); 5.) bei der Schnitzeljagd Steeplechase: Leutnant von Hagen's Fuchsstute "Irma" (1.Pr.), Leutnant von Rantzau's Pferd (2.Pr.) und Premierleutnant Kruse's braune Stute "Ceres" (3.Pr.) Auf der Hygiene Ausstellung in Berlin, die dort im Juli, wurde das 2.Hanseatische Infanterieregiment Nr.76 als einzige militärische Einheit für seine fortschrittliche Erziehung zur Hygiene mit dem Anerkennungsschreiben 2.Klasse prämiiert. Bekanntlich wurde seitens des Kriegsministeriums vierteljährlich die Höhe der für die Mannschaften zu bewilligenden Zuschüsse, einschließlich des Zuschusses zur Beschaffung einer Frühstücksportion, für die einzelnen Garnisonen festgesetzt. Die Zahlen welche sich nach den Marktpreisen zu richten hatten, waren für den Bereich des IX.Armeekorps folgende: Die Zuschüsse des laufenden Vierteljahres waren gegenüber dem verflossenen die gleichen geblieben, in Altona mit 19, Hamburg 19, Itzehoe 20, Kiel 17, Neumünster 19, Wandsbek 22 Pfennig. Erhöht wurden dieselben gegen das vorige Quartal in Apenrade und Flensburg von 19 auf 20 Pfennig; erniedrigt in Rendsburg von 20 auf 19 Pfennig und in Sonderburg von 21 auf 20 Pfennig. Auf getrennten Wegen erreichten die Feldartillerieregimenter der 10.Feldartilleriebrigade das Lockstedter Lager. Am 15.Juli rückten Teile des Feldartillerieregimentes Nr.26 aus Oldenburg in Itzehoe zum Quartier machen ein. Es waren dies die 1., 2., 3. und 4.Batterie sowie der Stab des Regimentes. Am 16. war Weitermarsch in das Lockstedter Lager. Die verbliebenen Batterien kamen mit der Eisenbahn am 16. in Itzehoe an und marschierten gleich zum Schießplatz. Das Feldartillerieregiment Nr.10 fuhr mit der Bahn bis Wrist und marschierte von dort aus mit klingendem Spiel ins Lager. Am 09.August veröffentlichte die 10.Feldartilleriebrigade in einer Anzeige, daß am 10.August um 1630 Uhr auf dem Schießplatz die üblichen Pferderennen stattfinden würden. Man hoffte durch die Anzeige eine größere Zahl an Besuchern anzulocken. Die 10.Feldartilleriebrigade verlegte am 12. und 13.August seine Einheiten in verschiedene Orte, in der Nähe des Divisionsexerzierraumes, in der nördlichen Lüneburger Heide. Die Quartiermacher der 2. und 3.Batterie des Feldartillerieregiments Nr.10 machten für je 150 Mann und 160 Pferde für zwei Tage (14. und 15.) Quartier in Ottensen, ehe sie zum Exerzieren in die Lüneburger Heide abmarschierten. Als erste Formation des Infanterieregiments Nr.31 marschierte die Kapelle in das Lager ein. Die Kapelle hatte Hamburg am 14.August verlassen und hatte die Strecke im Landmarsch zurückgelegt. Exzellenz Hermann von Treskow, Kommandeur des IX.Armeekorps, war am 25.August im Lockstedter Lager zur Inspizierung der dort liegenden Truppen anwesend. Am 26. rückten diese, die 31er und 85er, in die Gegend von Preetz, um dort im Verein mit den 15er Husaren vom 31.August bis 06.September Detachementsübungen abzuhalten. Vom 12. bis 17.September folgten diesen Übungen dann Divisionsmanöver im Verein mit der 35.Brigade (84er und 86er), den 16er Husaren und der 9er Feldartilleriebrigade, und zwar zwischen Eckernförde und Schleswig. Die Rückmärsche begannen am 18.September, die Entlassung der ausgedienten Mannschaften erfolgte sofort nach Ankunft in den Garnisonen. Der Sedanstag wurde am 02.September hier in stiller aber würdevoller Weise gefeiert. Fahnenschmuck zierte die Straße. Am Nachmittag zogen ehemalige Krieger-und Kampfgenossen im festlichen Zug zu dem 9er Denkmal, um das Andenken an die vor 13 Jahren vollbrachte Heldentat zu feiern und die Stätte mit frischem Grün zu bekränzen. Der Festredner legte seiner ergreifenden Rede "die Treue bis in den Tod" zu Grunde und schloß mit der Mahnung an alle Deutschen Männer, Kaiser und Reich immer die Treue zu halten bis in den Tod. Alsdann ging es in die verschiedenen Lokale, wo während der Feier sich Gesang und Musik abwechselten und der Feier ein Deutsch patriotisches Gepräge gaben. Ein Tanzkränzchen schloß die erhebenden Feiern ab. Die Garnisonsverwaltung bereitete während des Leerstandes größere Reparaturen an den beschädigten Baracken vor. Vorgesehen war der Einsatz von Dachdeckern, Tischlern, Schlossern, Schmieden und Klempnern. Die Sanierung der im Lager vorhandenen Pumpen sollten von einem Brunnenbauer durchgeführt werden. Für Umbauten an festen Gebäuden wurden 40.000 Mauerziegel, Zement, Kalk und Sand gebraucht. In den meisten Baracken mußte der Fußboden ausgetauscht werden, die Verwaltung hatte die Beschaffung von 3.700 Quadratmetern in Auftrag gegeben. Nach einer an das königliche Landratsamt Itzehoe ergangenen Mitteilung des Übungskommandos der Ersatzreserve der Fußartillerie wurde ab dem 21. von Morgens 8 Uhr bis Mittags gegen 12 Uhr auf dem Schießplatze beim Lockstedter Lager geschossen. Nach Entlassung der Ersatzreserve hatten die Schießübungen ihren Abschluß gefunden. Ende September wurde gegen eine zuletzt im Lockstedter Lager wohnhaft gewesene Frau aus Elbenau vor Gericht verhandelt. Das Urteil lautete 14 Tage Haft und Überweisung an die Landespolizeibehörde wegen gewerbsmäßiger Unzucht. Mitte Oktober begannen die Arbeiten am neuen Plankenzaun um den Wirtschaftshof der Offiziersspeiseanstalt. Die Kosten hierfür wurden auf zirka 820 Mark geschätzt. Anfang November wurde gegen eine in Itzehoe wohnende Händlerin vor Gericht verhandelt. Die Händlerin hatte im Lockstedter Lager von Soldaten eine nicht unbedeutende Menge Blei und Messing, herrührend aus verschossener Munition, für einen geringen Preis angekauft; es wurde gegen die Beschuldigte wegen Hehlerei auf 3 Wochen Gefängnis erkannt, da sie nicht im Zweifel darüber gewesen sein konnte, daß die von ihr angekauften Sachen durch eine strafbare Handlung in den Besitz der Soldaten gekommen waren. An gleichem Gerichtstag wurde eine Privatklagesache zwischen zwei im Lager wohnenden Frauen wegen Beleidigung durch Vergleich erledigt. General der Infanterie Hermann von Treskow, Kommandeur des IX.Armeekorps, hatte das bei Königsberg in der Neumark gelegene Gut Wartenberg für eine halbe Million Mark käuflich erworben. Hierauf waren wohl die in den letzten Tagen verbreiteten, übrigens unbegründeten Gerüchte, vom bald bevorstehenden Dienstrücktritt des Generals Hermann von Treskow zurückzuführen. 1884Ein erster kleiner Beschaffungsauftrag der Garnisonsverwaltung für Tischlerarbeiten im Wert von 506,00 Mark und Schlosserarbeiten in Höhe von 543,80 Mark wurde im Januar des Jahres 1884 ausgeschrieben, die Aufträge wurden an Kellinghusener Handwerker vergeben. Die zweite umfangreichere Ausschreibung im Gesamtwert von 29.000 Mark hatte ein enormes Echo. Auf die zu vergebenden Reparaturarbeiten, waren viele Angebote eingegangen, alle bedeutend unter dem veranschlagten Betrag. Malerarbeiten beispielsweise 50% (Anschlag 3.564,10 Mark) und Zimmerarbeiten 40% unter der Vorgabe von 8.210,17 Mark. Daneben beschaffte die II.Pommersche Fußartillerieregiment Nr.2 wieder sämtliche Utensilien, die für den Stellungs- und Zielaufbau benötigt wurden, in einer öffentlichen Vergabe aus dem umliegenden Gebiet. Nach der Vorgabe des Ministeriums mußte auch in diesem Jahr wieder die Abfuhr von Latrinendung, sowie das Leeren der Urinieranstalten, der Asch- und Müllgruben neu ausgeschrieben werden. Auf der Beschaffungsliste der Verwaltung standen noch 4 Kleiderschränke für Oberfeuerwerker und 200 Holzschemel, daneben wurden neben ausrangierten Kasernenutensilien auch alte graue Decken, Eisen und Zink meistbietend versteigert. |
| Im Januar 1884 sind für die Erstellung von Grundbüchern nachstehende Grundstücke gemeldet worden. | |||
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| Name | Beruf | Grundstück | Lfd. Nr. |
| Blumstein, Gertrud | Gastwirtin | Parzellen | Nr.75 |
| Fehrs, Markus | Musikus | Katstelle | Nr.43 |
| Fehrs, Markus | Gastwirt | gemeinschaftlich mit | Nr.56 |
| Lamaak, Simon | Schneider | Parzellen | Nr.56 |
| Haase, Karl | Kätner | Barackenlager | |
| Hahn, Claus | Bäcker | Häuslerstelle | |
| Hinsch, Franz Carsten Heinrich | Gastwirt | Gastwirtschaft | Nr.72 |
| Krebel, Adolph | Schlachter | Häuslerstelle | Nr.69 |
| Reichs Militär Fiskus | Militär | Artillerie Schießplatz | Nr.41 |
| Schütt, Georg | Bäcker | Häuslerstelle | Nr.67 |
| Schütt, Johann Diedrich | Gastwirt | Häuslerstelle und Gastwirtschaft | Nr.70 |
| Schütt, Jürgen | Gastwirt | Katstelle und Gastwirtschaft | Nr.50 |
| Sibbert, Hans | Gastwirt und Kätner | Katstelle und Gastwirtschaft, Parzellen | Nr.62 |
| Sörensen, Carl Friedrich Georg | Gastwirt | 1/8 Hufe und Gastwirtschaft | Nr.42 |
| Sörensen, Carl Friedrich Georg | Gastwirt | Parzellen | Nr.75 |
| Sörensen, Carl Friedrich Georg | Gastwirt | gemeinschaftlich mit | Nr.60 |
| Beker, Johann | Lohgerber | Parzellen | Nr.60 |
| Thode, August | Gastwirt | Gastwirtschaft | Nr.60 |
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Ein Gewerbetreibender aus dem Lockstedter Lager wurde wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und wegen öffentlicher Beleidigung eines Beamten zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt, auch die Veröffentlichung des Urteils wurde verfügt.
Öffentliche Versteigerung. Mittwoch den 23. dieses Monats, von Nachmittags 13:30 Uhr ab, werde ich in der im Lockstedter Lager befindlichen Waschanstalt verschiedene Mobilien und Hausgegenstände, sowie 1 goldene Damenuhr mit goldener Kette, 1 Samtjacket und mehrere Bekleidungs- und Wäschestücke; ferner eine Partie Cigarren, Cigaretten und leere Cigarrenkisten gegen bare Bezahlung öffentlich versteigern. Itzehoe, den 21.Jan. 1884 Pannach Gerichtsvollzieher Bekanntmachung. "In dem Concursverfahren des verstorbenen Hofpächters H.Utesch soll die Schlußverteilung erfolgen. Dazu sind 8.500 Mark verfügbar. Nach dem auf der Gerichtsschreiberei in Itzehoe ausgelegten Verzeichnis sind dabei 947 Mark 77 Pfennig bevorrechtigte und 38.031 Mark 15 Pfennig nicht bevorrechtigte Forderungen zu berücksichtigen. Der Concursverwalter: H. Klocker" Gesucht wird auf sofort ein tüchtiger Tuchmachergeselle, welcher spinnen und weben kann, desgleichen 1 oder 2 Lehrlinge bei freier Station. Emil Brauer, Shoddy-Fabrik und Wollgarn-Spinnerei, Winseldorf bei Itzehoe. "Concursverfahren. In dem Concursverfahren über das Vermögen des Pächters Heinrich Utesch zu Bücken ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichniß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwerthbaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf den 1.März 1884, Vormittags 11 Uhr, vor dem Königl. Amtsgerichte hieselbst bestimmt. Itzehoe, den 8.Febr. 1884. Frauböse, Gerichtsschreiber des Königl. Amtsgerichts III." Einem Einwohner des Gutsbezirks war in der Nacht vom Sonntag zum Montag die gesamte, im Hofplatz zum Trocknen aufgehängte Wäsche gestohlen worden. Ein Täter wurde nicht ermittelt. Zwei Dienstknechte aus Winseldorf waren wegen Sachbeschädigung, verübt auf dem Gehöft des Fabrikanten Brauer, angeklagt und wurden verurteilt. Der Rädelsführer zu 3 Wochen Gefängnis, der zweite Knecht zu 15 Mark Geldbuße oder 5 Tage Gefängnis. In der Sitzung der detachierten Strafkammer kam am 08.Februar in Itzehoe folgender Fall zur Verhandlung und wurden verurteilt. Zwei Arbeiter aus Stutebüll und Overndorf wegen unerlaubten Sammelns von auf dem Schießplatz des Lockstedter Lagers bei den Übungen der Artillerie verschossener Munition zu 2 Wochen, bzw. 1 Woche Gefängnis. Ein Arbeiter aus Greena, wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung begangen im Vollrausch zu 2 Monaten Gefängnis. Mit dem 12.März war so zu sagen die Saison im Lockstedter Lager wieder eröffnet worden, indem die Mannschaften, welche Vorarbeiten fertigzustellen hatten, nämlich 40 Mann vom Pommerschen Fußartillerieregiment Nr.2 und 25 Mann vom Schleswigschen Fußartilleriebataillon Nr.9 am 12.März dort eingerückt waren. Die Schießübungen begannen die beiden genannten Truppenteile, welche vom 02.April bis zum 02.Mai im Lager übten, am 03.April. Ferner war geplant, daß das Schleswigsche Feldartillerieregiment Nr.9 und das Holsteinische Feldartillerieregiment Nr.24 vom 10.Juni bis zum 08.Juli, und das 1. und 2.Hannoversche Feldartillerieregiment Nr.10 und 26 vom 11.Juli bis 08.August den Schießplatz nutzen. |
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"Beschluß. Das Concursverfahren über das Vermögen des inzwischen verstorbenen Pächters Heinrich Utesch zu Bücken wird nach erfolgter Schlußvertheilung hierdurch aufgehoben. Itzehoe, den 24.März 1884. Königl. Amtsgericht III. |
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Auf dem Schießplatz entstand am 05.April ein ziemlich gefährlicher Heidebrand, der sich bei der herrschenden Dürre und dem heftigen Wind leicht hätte weiter ausbreiten und auf die benachbarten, zu Ridders gehörenden Tannen übergreifen können. Glücklicherweise war die zum Schanzenbau kommandierte Mannschaft der Artillerie in der Nähe, und durch deren beherztes Eingreifen und unermüdlichen Einsatz beim Löschen das Feuer nach ungefähr 2 Stunden unter Kontrolle war.
Eheschließung im April: Kanonier Johannes Loop aus dem Lockstedter Barackenlager mit Johanna Margaretha Ratjen. Sergeant Wilhelm Carl Theodor Lewknecht aus Schwerin mit Alwine Anna Dorothea Hülsing. Am 16.April hatte in Neumünster eine von 20 Teilnehmern besuchte Versammlung zur Besprechung des Eisenbahnunternehmens Itzehoe-Kellingusen-Wrist-Bramstedt-Segeberg-Lübeck stattgefunden. Zum Vorsitzenden wurde Bürgermeister Steinbrück aus Itzehoe gewählt. Dieser erteilte Herrn Dr. Zehlike aus Berlin zunächst das Wort. Herr Dr. Zehlike gab einen Überblick von dem Plan, der dem Bau dieser Bahn zu Grunde gelegt sei. Danach würde die Länge der Bahn ungefähr 80 bis 85 Kilometer betragen bei einem Baukapital von rund 5 Millionen Mark. Die Vorarbeiten erforderten einen Kostenaufwand von 8.500 Mark. Es bildete sich anschließend ein Komitee, welches in den von ihm vertretenen Kreisen für die Aufbringung der Mittel zur Ausführung der unbedingt nötigen Vorarbeiten hinwirken soll. Dem Komitee traten bei: die Herren Arnold Behn aus Lübeck, Bürgermeister Plambeck aus Bad Segeberg, Bürgermeister Jargstorff aus Kellinghusen, Hotelbesitzer Schmidt aus Wrist und Bürgermeister Steinbrück aus Itzehoe. Bürgermeister Steinbrück berichtete über die in Neumünster abgehaltene Versammlung und warb dafür, daß der Stadtrat einen Geldbetrag für die Planung bewillige. Der Stadtrat der Stadt Itzehoe hatte darufhin in der Sitzung vom 25.April beschlossen, einen Beitrag in Höhe von 1.000 Mark zu den Kosten, welche die Vorarbeiten für eine Eisenbahn Itzehoe-Wrist-Lübeck erforderten, unter gewissen Auflagen zu bewilligen. Wegen der Ausführung von Reparaturarbeiten ward die Brücke in Mühlenbarbek auf der Chaussee Itzehoe-Wrist vom 01. bis 25.Mai für den schweren Lastverkehr gesperrt und für den leichteren Verkehr das Ladungsgewicht auf 1.500 Kg beschränkt. Dies hatte Auswirkungen auf Versorgungsfahrzeuge, die Material aus Wrist transportierten. Die Lehrerstelle in Winseldorf war vakant, deshalb erfolgte eine öffentliche Ausschreibung, worin die Bewerber aufgefordert wurden die "behufigen" Zeugnisse beizufügen. An die Stelle waren nachfolgende Einkünfte gebunden: Dienstwohnung nebst Garten von 5 a, Dienstland frei zu bearbeiten, 1 ha und 50 a Ackerland und 37 a Wiesenland, Feuerung zum eigenen Bedarf jährlich 12.000 Soden Backtorf und zur Heizung des Schulzimmers jährlich 12.000 Soden Backtorf, 33 Hektoliter Roggen, 2,78 Hektoliter Buchweizen, bares Gehalt 383 Mark und 40 Pfennig. Falls der zu ernennende Lehrer es vorzieht, wird diesem gegen Wegfall des Dienstlandes und der Kornlieferung ein Bargehalt von 1.000 Mark beigelegt. Laut A.K.O. vom 27.Mai war bestimmt worden, daß die Stabshoboisten, Stabstrompeter, Stabshornisten zu den Feldwebeln (Wachtmeistern) einschließlich der Feldwebel (Wachtmeister) derjenigen Kompanie etc. welcher die Regiments- bzw. bei den selbstständigen Bataillonen die Bataillonsmusik zugeteilt war, in einem koordinierten Verhältnis stehen. Nach einer vierwöchigen Pause wurde das Lockstedter Lager wieder bezogen, und zwar von der 9.Artilleriebrigade, bestehend aus den Feldartillerieregimentern Nr.9 und 24. Die Truppen rückten aus den verschiedenen Garnisonsorten von allen Seiten in das Lager ein. Die mecklenburg-strelitzsche Batterie wurde per Eisenbahn nach Wrist befördert. Die sich im Umlauf befindenden Gerüchte über einen im Lager vorgekommenen Unfall mit Todesfolge wurden in den Zeitungen richtiggestellt. Es wurde erklärt, daß nach Aussage eines Augenzeugen, ein sogenannter "Kanonenschlag", von denen mehrere vor den Scheibenständen zur Markierung der feindlichen Stellung angebracht würden, aus einer noch unaufgeklärten Ursache explodiert war und dabei 5 Artilleristen des Feldartillerieregiments Nr.9 verletzt hatte. Bei den Schießübungen der Artillerie ereignete sich am 26.Juni das Unglück, daß während des Ladens eine Granate explodierte, wobei zwei Mann schwer verletzt wurden. Einem der Verletzten wurde der Arm weggerissen, während dem anderen der Lader in der Hüftgegend durch den Leib gejagt und er außerdem noch von einem Granatsplitter getroffen wurde. Letzterer, Friedrich Gottlieb Bunde, 21 Jahre alt, war eine Stunde nach der Katastrophe seinen Verwundungen erlegen. Eine Unvorsichtigkeit soll nicht Ursache dieses beklagenswerten Unglücks gewesen sein. Bei der Garnisonsverwaltung ging im Juli 1884 ein von Kommandeuren unterzeichneter Antrag ein, den Bau des seit zwei Jahren geplanten Eishauses zu beschleunigen. Hauptargument war, daß die Zahlmeister darauf angewiesen wären Lebensmittel im Umkreis des Lagers zu beschaffen, wodurch sie ungerechtfertigt hohe Preise bezahlen müßten. Wenn ständig Eis vorhanden wäre, dann könnte man Fleisch und andere Waren in zu beschaffenden Eisschränken in den Küchen lagern aber auch die Kühlung von Getränken im Kasino und in den Kantinen wäre gesichert. Das Lazarett sei auf die ständige Verfügbarkeit von Eis angewiesen. Im Herbst des gleichen Jahres begann der Bau eines "Eishauses" gegenüber dem Offizier-Kasino an der Lagerstraße mit den Ausmaßen 7 m x 5 m. In dieses Gebäude hat man als Isolation mit Bitumen verklebte Korkplatten, die von einer Firma aus der Pfalz erst kürzlich entwickelt und hergestellt worden waren eingebaut. Das Eishaus diente zur Lagerung von Eisblöcken, die im Winter aus dem Lohmühlenteich geschnitten worden waren oder von Kunsteisstangen, die lokale Firmen lieferten. Der Abriß des Eishauses erfolgte im Jahre 1900, aber auf der Nordseite der Lagerstraße zwischen Generalsbaracke und Wachgebäude wuchs ein neues unwesentlich größeres Gebäude. Später errichtete jemand einen Eiskeller auf dem Gelände des Mannschaftsparks (heute Schulhof), der ebenfalls mit "geerntetem" Eis aus dem Lohmühlenteich bestückt wurde. Bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts nutzte die Getränkefirma Tramm aus dem Lockstedter Lager (Hohenlockstedt)den Eiskeller. In den Pachtverträgen, die das Militär mit dem Pächter der Lohmühle schloß, wurde immer auf das Verfügungsrecht der Kommandantur über das Eis, das sich im Winter auf der Lohmühle bildete, hingewiesen. Zu Beginn der zweiten Woche des Juli tobte ein Gewitter, welches sich schon tagelang vorher durch äußerst drückende Hitze angemeldet hatte und sich in der Umgegend des Lockstedter Lagers kräftig entlud. In der Nähe des Lagers war der Blitz durch die Telegraphenleitung bis in die Räume der Post im Lager geleitet worden und hatte hier allerlei Zerstörungen an den Wänden angerichtet, glücklicherweise enstand kein Feuer. Die Telegraphenstangen wurden in ziemlicher Anzahl abgeknickt oder zersplittert. Die gesamte Telegraphenanlage mußte daraufhin überprüft und in Zeilen erneuert werden. Der Strohvorrat der Garnisonsverwaltung für das laufende Jahr war schon Anfang August aufgebraucht. Für die restliche Übungszeit suchte die Verwaltung noch dringend 320 Zentner Roggenstroh. Am 06. August fanden ab 14:00 Uhr bei Bücken vier Hindernisrennen und ein Jagdrennen statt. Zeitungszitat: "Da die Betheiligung an dem Rennen eine sehr zahlreiche ist, so wird das Schauspiel ein äußerst interessantes werden. Bei dem Jagdrennen werden ungefähr 20 Reiter die 5,000 Meter lange Bahn durchlaufen." Bereits am 07.August verließen die ersten Einheiten der 10.Feldartilleriebrigade das Lager, um in die Heimatstandorte zurückzukehren, die restlichen Einheiten folgten am 08.August, das Nachkommando gestellt vom Feldartillerieregiment Nr.26 fuhr mit der Bahn ab Wrist nach Hause. Am 25.August begannen die Regiments- und Brigadeübungen der Infanterieregimenter Nr.31 und Nr.85. Das 1.Thüringische Infanterieregiment Nr.31 führte am Dienstag, den 26.August zwischen 0700 Uhr und 1800 Uhr auf dem gesamten Schießplatz Schießübungen mit scharfen Patronen durch. Das betreffende Gebiet innerhalb der Straßen Lockstedter Lager - Ridders, Ridders - Lockstedt, Lockstedt - Lockstedter Lager war an diesem Tage durch Posten abgesperrt. Die gleiche Übung war am Tage vorher vom Infanterieregiment Nr.85 durchgeführt worden. Am 01.September belegte das Jägerbataillon Nr.9 mit seinem gesamten Personal in einer Stärke von 671 Mann die Quartiere in der Gegend und nahm an den Übungen der Infanterie teil. In Mühlenbarbek konnte nur ein Zug des Jägerbataillons untergebracht werden, weil bereits 2 Kompanien der 31er dort in Quartier lagen. Die Besichtigung der 36.Infanteriebrigade durch den Divisionskommandeur Generalleutnant von Massow fand am 05.September statt. Trotz des nassen Wetters wurde am 06. noch eine größere Übung abgehalten. Nach dem Räumen des Lagers am 08.September marschierten die Einheiten zu den Detachementsübungen, die bei Oldesloe beginnen sollten. Am 12.September waren die Instrumente der beim Nivellement der projektierten Eisenbahnlinie Itzehoe-Kellinghusen-Wrist-Lübeck beschäftigten Ingenieure in Kellinghusen eingetroffen. Die Ingenieure selbst hatten im Hotel "Stadt Hamburg" Quartier bestellt und trafen am gleichen Abend ein. Die Vermessungen der geplanten Trasse in Richtung Itzehoe begannen am 13. und bewegten sich in Richtung des zweiten Vermessungstrupps, der bei Itzehoe die Vermessung begonnen hatte. Die ersten Angehörigen der Ersatzreserve der Fußartillerie, die von der II.Abteilung Pommerschen Fußartillerieregiment Nr.2 einberufen worden waren trafen am 26.September im Lager ein. Die Reserveübung dauerte bis Ende Oktober. Am 03., 04. und 05.November wurde von morgens 0800 Uhr bis Mittags 1200 Uhr, nach einer beim Königlichen Landratsamt eingegangenen Anzeige des Übungskommandos der Ersatzreserve vom II.Pommerschen Fußartillerieregiment Nr.2, auf dem Schießplatz beim Lockstedter Lager aus Geschützen scharf geschossen. Dies waren die einzigen Tage an denen die Ersatzreserve scharf geschossen hatte, die restliche Zeit im Lager wurde damit verbracht früher eingeübte Tätigkeiten wieder aufzufrischen. Die Königliche Eisenbahndirektion in Altona war mit der Anfertigung genereller Vorarbeiten für eine Eisenbahn von Wrist nach Itzehoe beauftragt worden. Ferner wurde der Direktion der Westholsteinischen Eisenbahngesellschaft die Erlaubnis zur Anfertigung genereller Vorarbeiten für eine Eisenbahn untergeordneter Bedeutung von Hohenwestedt nach Wrist erteilt worden. Dazu meinte der "Störbote" aus Kellinghusen. Daß der Plan der Erbauung der Eisenbahn von Wrist nach Hohenwestedt begründete Aussicht auf Verwirklichung habe, indem dadurch die Linie Heide-Hohenwestedt-Altona um 27, nämlich auf 110 Kilometer abgekürzt und mithin 18 Kilometer kürzer, als die Marschbahn werden würde, so daß die Westholsteinische Bahn sich dadurch eines großen Teils des Verkehrs bemächtigen würde. Bezüglich des bereits von anderer Seite projektierten Baues einer Eisenbahn Itzehoe-Kellinghusen-Segeberg-Lübeck ist man in Kellinghusen fast allgemein zu der Ansicht gelangt, daß davon nur die Teillinie von Itzehoe-Kellinghusen-Wrist sich als einträglich erweisen dürfte. Wolle man eine weitere Verbindung nach Lübeck haben, so möge man vor Wrist über Bramstedt, Kaltenkirchen nach Oldesloe bauen. In diesem Falle würde die Bahn eine bevölkerte und wohlhabende Gegend durchschneiden. Die Altona-Kieler Eisenbahndirektion scheint diesem Plan der Berliner Unternehmer zuvorzukommen und die sich jedenfalls am besten rentierende Linie Wrist-Kellinghusen-Lockstedter Lager-Itzehoe selbst ausbauen zu wollen. In einer Sitzung über das Bahnunternehmen Itzehoe-Lübeck in Kellinghusen am 11.Dezember, unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Jargstorff, die von zirka 50 Personen besucht war, wurde die Meinung vertreten, daß die Eisenbahnstrecke nicht bis Lübeck geplant werden solle.
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