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Am 01. Januar 1875 wurde die im vergangenen Jahr im Reichsgesetzblatt veröffentlichte Außerkurssetzung verschiedener Landes-, Silber- und Kupfermünzen in Kraft gesetzt. Es war bestimmt worden, daß als gesetzliche Zahlungsmittel entfallen: 1.) die auf Grund der Zwölfteilung des 1/30 Talerstückes geprägten Zwei- und Vierpfennigstücke deutscher Prägung und 2.) nachstehend aufgeführte Silbermünzen Schleswig-Holsteinischer Prägung. Mit der Umstellung der Währung war niemand verpflichtet Geldstücke der alten Währung anzunehmen. |
| Speciesthaler | Schilling S-H Courant | Reichsmark |
| 1/1 | 60 | 4 Mark 50 Pfennig |
| 2/3 | 40 | 3 Mark 00 Pfennig |
| 1/3 | 20 | 1 Mark 50 Pfennig |
| 1/5 | 12 | 0 Mark 90 Pfennig |
| 1/6 | 10 | 0 Mark 75 Pfennig |
| 1/12 | 5 | 0 Mark 37,5 Pfennig |
| 1/15 | 4 | 0 Mark 30 Pfennig |
| 1/24 | 2 1/2 | 0 Mark 12 Pfennig |
| Zweisechslingsstück | 0 Mark 7,5 Pfennig |
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Gleich nach Beginn des neuen Jahres wurden die Schlaglöcher und Spurrillen, in den um das Lager verlaufenden Straßen,
mit Steinen und Kies aufgefüllt. Allein für das Stück von Oesau bis Hennstedt wurden 90 Kubikmeter Grand und 100 Kubikmeter Kies verarbeitet. Für das im Westen verlaufende Teilstück der Rendsburger Chaussee benötigte die Baufirma 22 Kubikmeter Steine und 17 Kubikmeter Kies.
Seit Anfang des Jahres sind die Chausseegeld Hebestellen abgeschafft worden. Die Königliche Bauinspektion versucht nun die Schlagbäume und Tarif- und Warnungstafeln zu verkaufen. Es sollte jeweils das Paket, das aus sämtlichen Schlagbäumen und Tafeln auf der Strecke Itzehoe-Rendsburg beziehungsweise Itzehoe-St.Margarethen bestand, gekauft werden. Im weiteren Bereich des Lockstedter Lagers war die Hebestelle Peißener Pohl abgeschafft worden. Der Königlichen Garnisonsverwaltung in Altona wurde die Genehmigung zum Bau von Brunnen im Lockstedter Lager, aufgrund eines Antrages, der mit der derzeit schlechten Wasserversorgung für die Nutzer des Lagers begründet wurde und unter anderem darauf hingewiesen wurde, daß mit einer ständig steigenden Zahl von übenden Soldaten zu rechnen ist, erteilt. Für die Vergabe des Bauauftrages zur Anlage von 9 Brunnen und der Vertiefung von 2 Brunnen wurde ein ungewöhnlicher Weg gewählt. Nach einer kurzen Notiz in den entsprechenden Zeitungen war ein Treffen in Itzehoe im "Hotel du Nord" anberaumt. Hier konnten die letzten Submissionen dem Königlichen Baumeister Herrn Gätjens oder Herrn Dühring von der Garnisonsverwaltung Altona übergeben werden. Da es sich um ein Projekt handelte, das keinen zeitlichen Aufschub duldete und bis Ende April abgeschlossen sein mußte, wurde der Zuschlag an Ort und Stelle dem Mindestfordernden erteilt. Das Infanterieregiment Nr.76 hat einen Übungsplatzaufenthalt beantragt. Das Regiment wurde seit Jahresbeginn mit den neuen Mauser Gewehren ausgerüstet. Der Antrag wurde abschlägig beschieden, man verwies auf die örtlichen Schießstände. Hierzu ein Bericht aus der Rostocker Zeitung vom 20.Oktober 1874: "Im vorigen Winter berichteten wir, daß dem hiesigen Jägerbataillon eine Anzahl Mausergewehre zum Ausprobiren übergeben seien. Nachdem dies geschehen, auch einige Oberjäger mit den Gewehren eingeübt waren, sind dieselben vorläufig bei Seite gestellt. Einige Jäger und Oberjäger sollen es mit der neuen Waffe zu einer solchen Fertigkeit gebracht haben, daß sie im Stande sind mit derselben pro Minute 16 bis 18 Schüsse abzugeben, während die größte Fertigkeit in der Handhabung des Zündnadel=Gewehrs im Durchschnitt nur die Abfeuerung von 7 bis 9 Schüssen ermöglicht. Ein nicht zu hoch anzuschlagender Vortheil der neuen Schießwaffe besteht ferner darin, daß die Kugel derselben eine Entfernung von 300 Metern in durchaus gerader Richtung durchfliegt, während die des Zündnadelgewehres im Bogen zu steigen beginnt, sobald sie den Lauf verlassen hat. Wie man erfährt, steht die Einführung des Mausergewehrs bei unseren sämmtlichen Truppen demnächst in Aussicht, so wie darauf die zeitweise Einberufung der verschiedenen Jahrgänge zwecks Einübung mit der neuen Waffe." ![]() Generalleutnant Hermann von Treskow I., bisher beauftragt mit der Führung des IX.Armeekorps, ist mit Beginn des Monats Februar zum Kommandierenden General desselben ernannt worden, unter Belassung in seinem Verhältnis als Generaladjutant des Kaisers. Am 20.Februar 1875 wurde von der Königlichen Lagerverwaltung in der Lockstedter Heide für das laufende Jahr öffentlich die Versorgung mit 60 Tonnen Steinkohle, 30 Kubikmetern Tannen-Klobenholz und 1.000 Reiserbesen ausgeschrieben. Submissionsanträge mußten bei der Lagerverwaltung abgegeben werden, der Mindestbietende sollte den Zuschlag erhalten. Da in diesem Jahre, gleich wie im Jahre 1869, der Geburtstag des Kaisers in die Karwoche fiel, hatte dieser seine Meinung bezüglich der diesjährigen Geburtstagsfeier dahin gehend geäußert, daß in der Armee die offizielle Feier des Geburtstages wieder auf einen anderen Tag verlegt werden möchte. Vom Kommandierenden General war daher, in Rücksicht darauf, daß Tanzbelustigungen am Sonnabend vor Palmarum untersagt waren, dahin Anordnung getroffen, daß am Montage der gebräuchliche Militärgottesdienst abgehalten und auf allen militärischen Dienstgebäuden geflaggt werde und der übrige Teil der Feier wie Zapfenstreich am Vorabend, große Reveille am Morgen, Parade der Garnison, Festdiner des Offizierskorps und eventuell. Tanzbelustigungen der Mannschaften auf Montag, den 29. März verlegt werden.
Der Kommandierende General des IX.Armeekorps begutachtete auf seiner Reise durch Holstein auch das Lockstedter Lager. Hintergrund war die Besichtigung des Geländes, in dem möglicherweise das diesjährige Herbstmanöver des IX.Armeekorps stattfinden sollte. In den militärischen Kreisen hielt man, obwohl eine definitive Entscheidung noch nicht getroffen war, daran fest, das Gelände für die diesjährigen Herbstmanöver nach Holstein und nicht nach Mecklenburg zu verlegen. Lager um 1875Das Garnisonsbauamt in Altona hatte die Genehmigung erhalten mehrere administrative Gebäude im Barackenlager zu errichten. Die Prioritätenliste wurde angeführt von einem Gebäude für die Garnisonsverwaltung, Neubau eines Wachgebäudes mit entsprechendem Arrestlokal, eine Waschküche und ein Kantinengebäude. Ferner stand auf dem Plan ein Scheibendepot für Infanterieschießscheiben.
Der Platz zwischen der zukünftigen Hauptwache und Garnisonsverwaltung war am 17.März 1875 gegen 1500 Uhr von einer Menge Menschen bevölkert, sie waren mögliche Jagdpächter auf den Exerzierfeldern und Schießbahnen. Alle waren gekommen in der Hoffnung, daß ihr Gebot im öffentlichen Bieteverfahren hoch genug wäre, um das benannte Gebiet für ein Jahr zu pachten. Schmiede-Verkauf. Wegen des plötzlichen Todes ihres Ehemannes beabsichtigte die Witwe des verblichenen Schmiedes Claus Schütt, die Schmiede mit dem ganzen Schmiedegerät und weiterem Inventar, dazu gehörte 1 Kuh und Land, wovon zirka 6 Tonnen urbar und zirka 3 ½ Tonnen nicht urbar waren und welches nicht weit vom Hause entfernt lag, unter der Hand möglichst schnell zu verkaufen. Die Schmiede lag in der Nähe der Kornwassermühle. Der seit dem 22.März 1875 zum General der Infanterie beförderte General Hermann von Treskow lud die auf dem Übungsplatz versammelten Offiziere und die Offiziere der Garnison Itzehoe zum 26.04. in das Kasino im Lockstedter Lager ein. Neben seiner Beförderung zum General der Infanterie nahm er die am 26.Januar erfolgte Einsetzung zum Kommandierenden General des IX.Armeekorps zum Anlaß eine kleine Feier zu geben. Wegen der angekündigten Einziehung der Reservisten, zwecks Ausbildung mit dem Mauser-Gewehr M71 rechnete die Garnisonsverwaltung mit einer größeren Zahl von Soldaten in diesem Jahr. Die Verwaltung bezog sich auf eine Bestimmung des Generalkommandos des IX.Armeekorps, wonach die der Reserve angehörenden Soldaten der Infanterieregimenter in drei Abteilungen eingezogen werden sollten. Die Reservisten sollten in der Zeit vom 18. bis 29.Mai und 01. bis 12., sowie 15. bis 26.Juni dieses Jahres zur Fahne einberufen werden. Geplant war, daß der älteste Jahrgang (1868) zuerst eingezogen wird. In unmittelbarer Nähe zum Lockstedter Lager wurde eine männliche Leiche gefunden. Wie die Polizei bekannt gab, wurde der Körper mit fast durchschnittenem Hals und unzähligen Stichen im Unterleib aufgefunden. Zum jetzigen Zeitpunkt geht die Polizei davon aus, daß es sich um einen Selbstmord handelt.
Einen Rasttag legte das Schleswigsche Fußartilleriebataillon Nr.9 auf seinem Marsch zum Lockstedter Lager in Bahrenfeld, Othmarschen und Flottbeck ein, ehe sie per Bahn nach Wrist transportiert wurden. Es wurde gesagt, daß das Schleswigsche Fußartilleriebataillon Nr.9 nach Beendigung der Herbstschießübungen im Lockstedter Lager nicht mehr in die derzeitigen Standorte zurückkehren würde, sondern in Rendsburg Garnison beziehen sollte. Vom 31.Mai bis 24.Juni war das Schleswigsche Fußartilleriebataillon Nr.9 zu Exerzierübungen und Schießen auf dem Übungsplatz. Während die Musikkapelle des Bataillons jeweils am Mittwoch und Samstag für die im Lager anwesenden Soldaten spielte, gab sie an den freien Sonntagen in Orten der Gegend Konzerte oder spielten zu Bällen auf. Das Feldartillerieregiment Nr.9 belegte den Schießplatz vom 01. bis 24.Juni. Für die neuen Soldaten der Einheiten aus Rendsburg und Neumünster war es das erste Mal, daß sie mit den erst im vergangenen Jahr zugewiesenen C/73 Geschützen schossen. Als Instrukteure an dem neuen Geschütz fungierten Artilleristen der Neumünsterschen Batterien, die bereits ein Jahr lang Erfahrung gesammelt hatten. An verschiedenen Baracken waren zwei handgeschriebene Plakate angebracht, die folgenden Text enthielten: "150 M. Belohnung. Während der vorjährigen Schießübung ist auf der Hälfte des Landweges vom Lager nach Kellinghusen ein Brillantring verloren. Finder erhält gegen Abgabe obige Summe vom Seconde Lieutenant Müller II., Neumünster. Verloren. im Lockstedter Lager ein Portemonnaie mit ca. 2 Silberthaler und eine goldene Uhrkette ohne Schlüssel. Der ehrliche Finder wird ersucht, diese Gegenstände beim Feldwebel der 2.Batterie daselbst abzugeben." Am 20.Juni erreichte das Vorkommando des Fußartillerieregiment Nr.2 das Lockstedter Lager. Am nächsten Tag begannen sie mit dem Bau der Zielscheiben für das Artillerieschießen, sie besserten die Feuerstellungen aus. Das Material für die Zielscheiben war aus Swinemünde angeliefert worden. Die Musikkorps der Abteilungen oder Regimenter gaben an jedem Wochenende Konzerte in der näheren Umgebung. Hier ein Kommentar: "Das Musikcorps des Pommerschen Fußartillerieregiments Nr.2, unter der Leitung des Capellmeisters Firchow, das gestern auf der Amönenhöhe sein diesjähriges zweites Conzert gab, erntete verdienten Beifall des zahlreich anwesenden Publicums. Will man diese Teilnahme der Zuhörer nicht ganz auf Rechnung des gestrigen schönen Sommerwetters schreiben, so darf wohl behauptet werden, daß die Leistungen einer guten Capelle auch hier ihre Anziehungskraft üben."
Den weitesten Anmarsch zum Übungsplatz hatten die Abteilungen des Fußartillerieregiment Nr.2. Sie kamen aus Swinemünde und Sonderburg. Ihr Aufenthalt dauerte vom 26.Juni bis 15.Juli. Vom Übungsplatz ging es per Bahn über Hamburg in das Übungsgebiet, um dort für das bevorstehende Königsmanöver vorzuüben. Am 27. Juni gab das Musikkorps des Pommerschen Fußartillerieregiments, unter Leitung des Kapellmeisters Firchow ihr zweites Konzert auf der Amönenhöhe in Itzehoe. Das Publikum war zahlreich erschienen und spendete reichlich Beifall. Trotz des sehr guten Wetters waren alle Sitzplätze vergeben, was von der Anziehungskraft durch die gute Leistung des Musikkorps zeugt. Während der Anwesenheit des Regimentes auf dem Schießplatz mußte ein Offizier aus gesundheitlichen Gründen, die sein Ausscheiden aus dem Dienst begründeten, sein Offizierspferd verkaufen. Interessenten sollten sich an Herrn Oscar Pabst, Feldwebel beim Fußartillerieregiment Nr.2, derzeit im Lockstedter Lager, wenden. Die Neustrelitzer Batterie des vor kurzem in Holsteinisches Feldartillerieregiment Nr.24 umbenannte Artillerieregiment traf am 10.Juli in Schwerin ein und nahm in Lankow Quartier, der 11. war ein Ruhetag und am 12. trat sie mit der Schweriner Artillerie den Marsch zum Lockstedter Lager über Gadebusch, Schönberg, Lübeck an. In diesen Städten nahm die Artillerie Nachtquartier und in Lübeck einen Ruhetag. Vom 19.Juli bis einschließlich 05.August übte das Regiment im Lockstedter Lager. Auch dieses Regiment schoß erstmals mit der Kanone C/73. Der Abmarsch nach Wrist erfolgte ab dem 06.August von wo aus der Abtransport in die Heimatgarnisonen zur Vorbereitung des Herbstmanövers durchgeführt wurde. Die im Lockstedter Lager mit den neuen Geschützen angestellten Schießproben waren, wie vom Militär bekannt gegeben wurde, über alle Erwartungen gut ausgefallen. Die Treffsicherheit der Geschütze war außerordentlich. Bei einem Prämienschießen wurde von einem Geschütz dreimal hintereinander das Zentrum der Scheibe getroffen und von einem Geschütz des Fußartilleriebataillons Nr.9 wurden mit 5 Schüssen 55 Ringe geschossen. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung der Regierung vom 30.Juli 1872 wurde für das Lager mit sofortiger Wirkung angeordnet, daß bis auf weiteres täglich alle Abtritte im Lager, insbesondere auch diejenigen Etablissements, die von Soldaten ständig besucht wurden, vorschriftsmäßig desinfiziert werden mußten. "Zur interimistischen Verwaltung der Districtsschule in Schlotfeld, welche zur Zeit außer den Repetirschülern 18 Kinder enthält, wird für die Monate Septbr. und Octobr. ein Präparand gesucht. Freie Wohnung und 50 M. Gehalt monatlich. Gesuche sind zu richten an den Schulinspektor Pastor H. Schröder in Itzehoe." Beim Aufenthalt der Artillerieregimenter sind einige Utensilien in den Baracken beschädigt worden. Die Lagerverwaltung schrieb zur Beseitigung der Mängel Tischler- und Sattlerarbeiten aus. Die an erster Stelle stehende Anzeige stammt von einem Offizier des Feldartillerieregiments Nr.24. Die zweite Anzeige läßt erahnen, daß viele Offiziere ihre Hunde mit zum Übungsplatz brachten.
Am Freitag, den 20.August verließen die Bataillone des Infanterieregiments Nr.85 ihre Garnisonen Rendsburg und Kiel und begannen den Marsch zum Lockstedter Lager, dort wurde Brigadeexerzieren geübt. Das Kieler Bataillon logierte in Nortorf, die Rendsburger Soldaten in Hohenwestedt und Remmels. Am 21.August erreichten sie das Lager und richteten sich dort ein. Nach Beendigung der Exerzitien am 21.September, wurde das Regiment über Wrist in das Manövergebiet transportiert. Vor den Herbstmanövern des IX.Armeekorps im September bei Rostock war für das Infanterieregiment Nr.31 aus Altona, als Teil der Infanteriebrigade Nr.36, noch ein Aufenthalt auf dem Übungsplatz Lockstedter Lager vorgesehen. Es war das erste Mal, daß die Soldaten des Regiments die neuen Mauser Gewehre, mit denen sie erst vor kurzem ausgerüstet worden waren, bei einem "Gefechtsschießen" erproben konnten. Ihr Abmarsch begann am einem Freitag. Am ersten Tag marschierten die Soldaten die Strecke von Altona nach Elmshorn beziehungsweise nach Barmstedt, wo sie für eine Nacht mit Abendverpflegung und Morgenmahl einquartiert wurden. Am frühen Morgen setzten die beiden Kolonnen von ihren Quartieren aus den Marsch zum Übungsplatz fort, den sie am 28.August erreichten. Der Rückmarsch in die Garnison war komfortabler, die Einheiten mußten nur bis zum Bahnhof Wrist marschieren, von wo aus sie nach Altona expediert wurden. Gleichzeitig mit dem Infanterieregiment Nr. 31 erreichten das Jägerbataillon Nr.9 aus Ratzeburg und das Fußartilleriebataillon Nr.9 aus Lehe das Lager. Anmerkung:
Aus Altona wurde später mitgeteilt, daß dort ein Sergeant des Thüringischen Infanterieregiments Nr.31 wegen Mißhandlung eines Untergebenen, des gesetzwidrigen Gebrauchs seiner Waffe etc. zu 4 Monaten Festungshaft verurteilt worden war. Die Straftaten waren während des Aufenthaltes im Lockstedter Lager von dem Sergeanten begangen worden.
Am Freitag, den 03.September traf abends spät der Großherzog von Mecklenburg im Lockstedter Lager ein, wo zu seinen Ehren ein großer Zapfenstreich stattfand. Am nächsten Tag inspizierte der Großherzog die 36. Infanteriebrigade. Seine Anwesenheit und die Festlichkeiten, die mit seinem Aufenthalt verbunden waren, zogen sehr viele Zuschauer in das Lockstedter Lager und die Gebiete, in denen die Manöver vorgeführt wurden. Auch in diesem Jahr mußten wieder erhebliche Schäden an den Baracken repariert werden. Ausgeschrieben wurden Glaser-, Maurer- Schlosser-, Maler und Pappdacharbeiten. Es war kein Generalunternehmer zugelassen, die Gewerke mußten von den einzelnen Handwerkszweigen ausgeführt werden.
In einem Brief an das Militär beklagt der Rat der Stadt Itzehoe das übermäßig rasche Fahren in den Straßen der Stadt. Es sei schon zu wiederholten Malen das Leben und die Gesundheit Einzelner in Gefahr gewesen. In diesem speziellen Falle ging es um ein von einem Militär gelenktes Fuhrwerk, dieses stoße in sehr rascher Fahrt bei der Einmündung einer Straße in die andere auf ein Lastfuhrwerk, dessen Pferde scheu wurden. Der Knecht des Lastfuhrwerkes, ein noch ganz junger Bursche, fiel vom Wagen und erhielt von einem Pferd einen Schlag, der, wie es hieß, ihn recht bedeutend verletzt hätte. Im Dezember macht ein Gerücht im Bezirk die Runde, daß man auf der Lockstedter Haide eine "Mordtat" vollzogen habe, das hatte sich gottlob nicht bestätigt. Es war allerdings eine männliche Leiche dort gefunden worden. Die Untersuchungen ergaben, daß ein Unglücksfall vorlag. Der Verunglückte, ein Stellmachergeselle, war etwa acht Tage vor dem Fund erfroren.
1876"Schul Vakanz. Behufs Wiederbesetzung der Districtslehrerstelle zu Schlotfeld mit einer Schülerzahl von 33 Schulkindern werden Bewerber um diese Stelle aufgefordert, ihre Gesuche nebst Zeugnissen binnen 3 Wochen portofrei hieselbst einzureichen. Die Einkünfte der Stelle bestehen in freier Wohnung mit Garten, Feuerung und einem Gehalte von 720 Mark; außerdem ist aus der Staatskasse eine Beihülfe von 180 Mark gewährt. Itzehoe, den 6.März 1876" Holzverkauf. In diesem Jahr verkaufte die Herrschaft Breitenburg am 26.Februar wieder Holz aus dem Bückener Bruch. Im Angebot waren zirka 60 Raummeter aufgesägte Erlen und Birken und etwa 40 Raummeter Erlen- und Birkenstämme, daneben noch 1.800 Stück Wasen. Kaisers Geburtstag wurde hier durch eine offizielle Feier in den benachbarten Schulen, durch eine feierliche Flaggenparade im Lager und durch ein Subscriptions (Spenden) Festessen für Offiziere, Beamte und Bürger im Kasino festlich begangen.
In Folge einer Verfügung der Königlichen Intendantur des IX.Armeekorps sollte die Jagdnutzung auf dem Artillerie Exerzier- und Schießplatz in der Lockstedter Heide vom 01.April 1876 an bis März 1877 im Wege der öffentlichen Versteigerung an den Meistbietenden verpachtet werden, dazu war ein Termin am 25.März, 15:00 Uhr, beim Gastwirt Herrn Thode, dessen Gastwirtschaft sich am Lager befand anberaumt worden. Die Pachtbedingungen waren nur im Geschäftszimmer der Lagerverwaltung zur Einsicht ausgelegt, alle Bewerber von außerhalb mußten persönlich im Lager erscheinen. Die Lieferung von Feuerungs- und Reinigungsmaterialien für das Lockstedter Lager im Jahre 1876 sollte im Wege der öffentlichen Vergabe an den Mindestfordernden verdungen werden. Das Lieferungsobjekt betrug: 80.000 Kilogramm Steinkohlen, 30 Kubikmeter Tannen-Klobenholz und 1000 Stück Reiserbesen. Die Submissionsbedingungen konnten im Büro der Königlichen Lagerverwaltung eingesehen werden. Die Kostenanschläge mußten versiegelt eingereicht werden und außer der Adresse die Aufschrift enthalten: "Submission auf Übernahme von Feuerungs- und Reinigungsmaterialien für das Lockstedter Lager".
Nach der Renovierung und verschiedenen Umbauten durch den neuen Besitzer erhielt Andersens ehemaliger Gasthof den Namen "Sörensen's Hotel". Am Mittwoch, den 26.April rückten 600 Reservisten, die vom Feldartillerieregiment Nr.9 einberufen worden waren in das Lager ein. Neben dem täglichen Drill mußten die Reservisten die Schießeinrichtungen an der Schießbahn überprüfen und reparieren. Daneben wurde störendes Strauchwerk in der Umgegend der Schießbahn entfernt, der Kugelfang verstärkt. Die Reservisten verließen das Lager am 12.Mai. Gemäß einer Mitteilung der 9.Feldartilleriebrigade sollten die diesjährigen Schießübungen in der Zeit vom 15.Juni bis 12.August statt finden. Tage und Zeit, während welcher scharf geschossen würde, würden noch näher bekannt gemacht werden. In der gleichen Mitteilung wurde auf die Gefahren während und nach dem Schießen mit entsprechenden Sanktionen hingewiesen. "Das während der Schießübungen gefährdete Terrain wird, und zwar eine Stunde vor Beginn und bis nach dem Schlusse des Schießens, durch Posten abgesperrt, welche angewiesen sind, vor dem Betreten des gesperrten Terrains zu warnen, bei nutzloser Abmahnung aber schließlich zur Erzwingung des Gehorsams, von ihrer Waffe Gebrauch zu machen. Da jede Berührung und nicht sachgemäße Behandlung von scharf geladenen Geschossen, welche etwa auf dem hinter den Kugelfängen belegenen Terrain aufgefunden werden möchten, mit großer Gefahr für Gesundheit und Leben verbunden sein kann und dadurch in früheren Jahren schon Unglücksfälle herbeigeführt sind, werden Alle und Jede aufgefordert, beim etwaigen Auffinden von Geschossen, diese nicht zu berühren oder aufzunehmen, sondern, unter genauer Bezeichnung der Findstelle unverzüglich bei dem Wachtkommando im Barackenlager davon Anzeige zu machen, damit von diesem die sofortige Abholung der Geschosse bewirkt werden kann. Das Wachtkommando ist beauftragt, sich durch den Finder des Geschosses oder durch eine von dem Gemeindevorsteher zu bestimmende Person an den Fundort führen zu lassen. Das Findegeld für aufgefundene Geschosse beträgt für jedes Kilo Zink oder Blei 10 Pfennig. Jede widerrechtliche Aneignung der aufgefundenen, bei den Übungen der Artillerie verschossenen Munition und Kugeln wird nach § 291 des Strafgesetzbuches mit Gefängniß bis zu 1 Jahr oder mit Geldstrafe bis 900 Mark bestraft." Am 15.Juni rückten die Einheiten des Fußartillerieregiments Nr.2 aus Swinemünde und Sonderburg ein. Beide Bataillone nutzten zur Bewältigung des Marsches auf einem Teil der Strecke das vorhandene Eisenbahnnetz. Ausladebahnhof war die Station Wrist, der Rest der Strecke wurde im Landmarsch bewältigt. Das Fußartilleriebataillon Nr.9, das aus Bremerhaven-Lehe anmarschierte, kam ohne bataillonseigene Kanonen und hatte die Strecke von Bremerhaven-Lehe nach Stade in mehreren Etappen zurückzulegen. Von Stade aus erfolgte das Übersetzen über die Elbe nach Glückstadt, und von dort aus ging es in einem Tagesmarsch zum Lockstedter Lager. Der Kugelfang am Ende der Schießbahn, querab vom Hohen Fierth Gehölz, mußte ausgebessert werden, dazu hatte das Arbeitskommando der Artillerie drei Tage Zeit. Das Material, Kleieboden und Holz für die Scheiben, wurde durch die Lagerverwaltung bereitgestellt und durch Fuhrleute der Umgegend zur Baustelle transportiert. Am 16.Juni, als die Arbeitskommandos die Schießbahn für die Übungen preparieren und die Feuerstellungen ausbauen sollten, entluden sich über Schleswig Holstein die schwersten Gewitter seit langem, die im gesamten Bereich immense Schäden anrichteten. An eine Tätigkeit im freien Gelände war nicht zu denken, der sintflutartige Regen hatte das gesamte Gelände aufgeweicht, an ein Befahren mit Fuhrwerken war nicht zu denken, der Termin für die Arbeiten an der Schießbahn wurde auf den 22.Juni verschoben. Die Lagerverwaltung wurde aufgefordert auf Kosten des Fußartillerieregiments Bettungsbohlen zu beschaffen, damit die Geschütze in den Feuerstellungen nicht zu tief einsinken. Am Freitag und Samstag übten das Musikkorps des Regiments und Bataillons, für den in der örtlichen Presse angekündigten Auftritt am Sonntag, den 18.Juni. Das Musikkorps des Regiments spielte im Ausflugslokal "Amönenhöhe" und das Bataillons-Musikkorps im wieder aufgebauten Ausflugslokal "Lübscher Brunnen" in Itzehoe.
In einem vom Amtsgericht Itzehoe am 27.06. veröffentlichten Proclam drehte es sich um die "Schlotfelder Schäferviert oder den späteren Exerzierplatz auf dem Truppenübungsplatz und viel später um das Gebiet des Flugplatzes Hungriger Wolf". "Auf Antrag des eingesessenen Paul Möller, des Einviertel-Hufners F. Strüven und des Käthners Jochim Böge in Schlotfeld, als Bevollmächtigte der Gemeinde Schlotfeld, werden alle Diejenigen, welche an den so genannten "Schlotfelder Schäferviert", belegen im Norden an der Ridderser Feldmark, im Osten an der Rendsburger-Itzehoer Chaussee, im Süden an den Ländereien des Grafen zu Rantzau und des Herrn Dierks zu Neuenkrug, im Westen an dem Lande des Hermann Dierks und im Nordwesten an der Hohenasper Feldmark, dingliche Ansprüche und Forderungen zu haben, oder gegen die Einrichtung eines Foliums im betreffenden Schuld- und Pfandprotokoll Einwendungen machen zu können vermeinen, hierdurch aufgefordert, sich damit, bei Vermeidung des Verlustes derselben, innerhalb von 12 Wochen vom Tage der letzten Bekanntmachung dieses Proclams an gerechnet, bei dem unterzeichneten Amtsgericht unter Producirung der ihre Ansprüche begründenden Documente zu melden. Itzehoe, den 15. Mai 1876 Königl. Amtsgericht II. Feldmann" Zur Inspektion der in Itzehoe stationierten und im Lockstedter Lager übenden Truppe waren der Kommandierende General von Treskow, Divisionsgeneral von Schlotheim, Brigadegeneral von Juretzky-Corni und Oberst von Schadow im Bereich anwesend. Die Artillerieeinheiten wurden beim formalen Exerzieren und beim Schießen begutachtet. An diesem Tag war die Trefferquote sehr schlecht, nur von zwei Geschützen wurden die vor dem Kugelfang aufgebauten Zielscheiben getroffen, was zu ausgedehnter Kritik durch den Kommandierenden General führte. Ein weiteres Konzert gab das Musikkorps des Fußartilleriebataillons Nr.9 in Heiligenstedten bei Itzehoe. Mußten die Zuhörer im "Lübscher Brunnen" nur 30 Pfennig Eintritt zahlen, so war der Betrag angehoben worden. Damen zahlten 50 Pfennig und Herren 1 Mark. Begründet wurde der höhere Preis dadurch, daß nach dem Konzert noch ein Ball stattfinden würde. Zu einem folgenschweren Schießunfall kam es am 04.Juli auf der Schießbahn. Beim Abfeuern eines Geschützes gab es einen Rohrkrepierer, wodurch das Geschützrohr zerbarst und Teile des Geschützrohres umherflogen. Von einem größeren Teil getroffen sank ein junger Feuerwerker, der einzige Sohn des Großherzoglich Mecklenburgischen Portiers Wendt, zu Boden und starb noch an Ort und Stelle. Eine Auditkommission soll klären, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Das Musikkorps des Fußartillerieregiments Nr.2 spielte am 09.Juli auf der "Amönenhöhe" und das des Fußartilleriebataillons Nr.9 im "Lübscher Brunnen" in Itzehoe. Es waren die letzten Konzerte dieser Saison. Die nächsten Konzerte würden von den nachfolgenden Artillerieeinheiten durchgeführt. Heute nennt man die Veranstaltung "Ü-30, 40, 50 Party". 1876 firmierte die Veranstaltung unter dem Begriff "Kaffee-Ball" - "Ball für Unverheirathete". Ein solcher Ball fand im Nachbarort Winseldorf beim Gastwirt Pohlmann statt. Das Feldartillerieregiment Nr.24 geführt von Oberstleutnant Eduard Julius von Lewinski bezog das Lager am 15.Juli. Die Bataillone kamen aus Schwerin und Mölln, sie vereinigten sich bei Wrist und marschierten geschlossen in das Lager ein. Wenige Stunden später erreichten die Einheiten das Feldartillerieregimentes Nr.9 den Schießplatz und bezogen die zugewiesenen Unterkünfte. Das II.Bataillon war auch diesmal wieder ohne Geschütze von Stade aus nach Glückstadt über die Elbe übergesetzt worden. Die 36 Marschkilometer bis zum Lager wurden nur durch drei längere Pausen unterbrochen, sie kamen als letzte ins Lager. Im Kasino deklamierte R.Garthausen sein Gedicht: Das Düppel Denkmal.
Prange stolz auf Düppels Höhen, Pyramide Deutschen Ruhms, Strahle weit auf Land und Meere, Siegesglanz des Heldenthums! Künde laut: auf diesem Boden, Deutsches Reich, stiegst du empor,- Hier der Stein, den Gottes Wille Dir zum Grundstein auserkor. Schleswig-Holstein meerumschlungen, Unvergeßnes, Deutsches Land, Dir auch prangt das Mal der Ehren An dem heiß erkämpften Strand. Deutschlands Fahnen nahmst du muthig, Du zuerst in deine Hand, Land, das so bekränzt und blutig Einst voran im Kampfe stand. Prange stolz auf Düppels Höhen, Pyramide Deutschen Ruhms, Strahle weit auf Land und Meere, Siegesglanz des Heldenthums! Wagte je dich anzutasten Frevelmuth der weiten Welt, Fahr aus Preußens Donnerwolke Rachestrahl an Rhein und Welt. Zur Inspektion der im Lockstedter Lager übenden Truppe war der Kommandierende General Hermann von Treskow ins Lager gekommen. Die Regimenter wurden nur beim Schießen begutachtet. Im Gegensatz zur letzten Besichtigung war er mit dem gezeigten Ergebnis zufrieden.
Der Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg traf am 06.August im Lockstedter Lager zwecks Inspizierung der dort anwesenden Artillerie Abteilungen eingetroffen ein. Einen Tag später traf der Kommandierende General des IX.Armeecorps Hermann von Treskow, im Lager ein, um den dortigen Schießübungen beizuwohnen. Die Musikkorps der Regimenter gaben während des Aufenthaltes jeweils vier Konzerte, darin eingeschlossen waren die Abschiedskonzerte am 09.August in den jeweiligen Lokalen. Das Musikkorps des II.Bataillons gab auf dem Marsch nach Glückstadt im Kremper Biergarten am 13.August ein Konzert. Am Montag morgen, den 28.August wurde in der Nähe von Winseldorf die Leiche eines 12jährigen Mädchens aus der dortigen Gegend gefunden. Die von Itzehoe aus angeordnete und am Fundort vorgenommene gerichtliche Untersuchung ergab als Todesursache Erdrosselung unter Umständen, die einen verübten Mord außer Zweifel ließen, verübt nach dem gleichen Muster, wie sie in den letzten Jahren in Fällen von Ermordung junger Mädchen zur Schande dieser Zeit leider nur zu oft vorkommen. Als der Tat dringend verdächtig wurde ein auf Bücken dienender, aus Mecklenburg gebürtiger Knecht, der war verhaftet und in Untersuchungshaft eingebracht worden. Einen Tag später traf auf dem Marsch von Flensburg nach Berlin unter Führung eines Unteroffiziers ein Kommando von 13 Mann und 27 Pferden des Schleswig-Holsteinischen Husarenregiments Nr.16 ein, um einen Rasttag zu halten. Die Pferde, es waren die bestzugerittenen des genannten Truppenteils, sollten den an dem so genannten Königsmanöver des Gardekorps teilnehmenden fremden Offizieren zur Verfügung gestellt werden. Zeitungsnotiz vom 02.09.1876: "Wie wir noch des Näheren über den Mordfall in Winseldorf erfahren, war das ermordete Mädchen die Tochter des dortigen Gemeindevorstehers B., die früh Morgens mit Kühen ihres Vaters auf die Weide unweit des Dorfes gezogen war. Als sie um 12 Uhr Mittags nicht nach Hause gekommen war und auch auf der Weidekoppel sich nicht befand, suchte der Vater mit mehreren Anderen die Umgegend ab, und ward die Kleine in einem nahem Gestrüpp todt daliegend gefunden. Der als der Tat verdächtig Eingezogene ist zirka 40 Jahre alt und steht in schlechtem Ruf, auch sollen die Verdachtsmomente Zweifel an seiner Schuld kaum zulassen. Es haben von Seiten des Untersuchungsrichters umfangreiche Vernehmungen statt gefunden, und hieß es gestern schon in der Stadt, daß der in Untersuchungshaft Befindliche sich der Tat schuldig bekannt habe." Die Sedansfeier war hier in einer von den Festlichkeiten in den meisten Orten nicht besonders abweichenden Weise gefeiert worden: mit Zapfenstreich am Abend des 01.September, Reveille früh Morgens am Festtag selbst, einem Festzug. Der Commers verlief im Saale des Hotel Stadt Hamburg mit vielen Reden in heiterer und würdiger Weise. Zeitungsbericht vom 26.09.1876: "Über die Winseldorfer Mordtat sind wir jetzt in den Stand gesetzt, das Ausführlichere in Folgendem berichten zu können: Am Montage, den 28.August, Morgens, war die zirka 12jährige Tochter des Ortsvorstehers B. in Winseldorf mit Kühen auf die unweit des genannten Dorfes belegene Weidekoppel ihres Vaters ausgezogen. Als sie zum Mittagessen nicht zurückgekehrt war, suchte der hierdurch beunruhigte Vater sein Kind und fand dasselbe hinter einem Walle der Koppel entseelt vor. Ein oberflächlicher Blick auf die kleine Leiche ließ sofort wahrnehmen, daß an dem kleinen Mädchen ein schändliches Verbrechen verübt worden war. Der schleunigst herbeigerufene Kreisphysikus konstatierte dies denn auch. Den energischen Maßregeln der Staatsanwaltschaft und des Untersuchungsrichters in Itzehoe gelang es, schon am folgenden Tage in der Person des aus Mecklenburg gebürtigen Dienstknechts Busch in Bücken (zirka 40 Jahre alt), welcher am Sonntage betrunken in Winseldorf gesehen war, den Schuldigen zu ermitteln. Busch legte bald ein umfassendes Geständnis ab: er habe, sagte er aus, bis Montag morgen betrunken in der Scheune des Gastwirts Pohlmann in Winseldorf geschlafen, sei dann nach dem Lande des Pohlmann gegangen, um dort seiner früheren Geliebten, der geisteskranken Tochter des Pohlmann aufzupassen, die, wie er wußte, dorthin die Kühe auf die Weide treiben zu treiben pflegte. Diese kam jedoch nicht, da ihr Vater sie, um sie vor den ihm bekannten Nachstellungen des Busch zu schützen, nach einer anderen Koppel geschickt hatte. Inzwischen trieb aber dem auf der Lauer liegenden Busch die kleine B. vorüber, welche dem tierischen Menschen zum Opfer fiel und von demselben, aus Furcht, von ihr verraten zu werden, erdrosselt wurde." Die Gerichtsverhandlung gegen Joachim Busch aus Lauen wegen Mordes und zweier Verbrechen gegen die Sittlichkeit, am 20.Oktober, war nur am Schluß öffentlich. Der Angeklagte Busch war beschuldigt: Ende August mit Gewalt unzüchtige Handlungen an einem 11jährigen Mädchen aus Winseldorf vorgenommen und dasselbe darauf mit Überlegung getötet zu haben, sowie an demselben Tage ein geisteskrankes Mädchen aus Winseldorf mißbraucht zu haben. Er war aller drei Verbrechen geständig. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage in allen drei Fällen und das Gericht verurteilte den Angeklagten zum Tode. Belebt wurde das Lager erst wieder als die beiden Infanterieregimenter, nämlich Nr.31 und Nr.85 in das Lager einzogen. Beide Regimenter hatten ihre Garnisonen bereits am Samstag, den 12.August verlassen. In einem Tagesmarsch erreichten die Bataillone die erkundeten Privatquartiere, die Rendsburger Remmels und Hohenwestedt, die Kieler logierten in der Umgegend von Nortorf. Die 31er bezogen Quartier in und um Elmshorn und Barmstedt.
Mit Tagesanbruch 05.September begannen die Vorbereitungen zum Abmarsch der Infanterieregimenter. In zeitlicher Staffelung war der Abmarsch nach Wrist befohlen. Die Regimenter wurden von Wrist aus in die Garnisonen befördert. Damit war wieder Ruhe im Lager eingekehrt, nur das Wachkommando bevölkerte das Lager.
1877"Schul Vakanz. Behufs Wiederbesetzung der Districtslehrerstelle zu Schlotfeld mit einer Schülerzahl von 33 Schulkindern werden Bewerber um diese Stelle aufgefordert, ihre Gesuche nebst Zeugnissen binnen 3 Wochen portofrei hieselbst einzureichen. Die Einkünfte der Stelle bestehen in freier Wohnung mit Garten, Feuerung und einem Gehalte von 720 Mark; außerdem ist aus der Staatskasse eine Beihülfe von 180 Mark gewährt. Itzehoe, den 6.März 1877" Die Bewaffnung und Einübung der Infanterie mit dem Mausergewehr war bis Mitte Januar vollkommen durchgeführt; lediglich ein kleiner Teil der Reserve und Landwehr wurde noch nicht ausgebildet. Dies sollte in einer 12- bis 14tägigen Übung nachgeholt werden. Die Übungen sollten unter Berücksichtigung der bürgerlichen Verhältnisse in der Zeit vom 01.Januar bis einschließlich 31.März 1877 durchgeführt werden. Ein Wirt, welcher es gestattet hatte, daß von seinen Gästen um die Zeche, die über das Maß einer gewöhnlichen Zeche hinaus ging, gewürfelt wurde, war nach einem Urteil des Obertribunals vom 15.Dezember 1876 wegen Gestattung eines Glücksspiels in seinem Lokal auf Grund des §285 des Strafgesetzbuches zu bestrafen. Im Urteil wurde ausgeführt, daß es nicht auf die Art des Objektes, um das gewürfelt werde, ankomme, sondern darauf, "ob dieses Objekt, mag es nun Geld oder anderen Vermögensobjekten bestehen, von einer solchen Bedeutung ist, daß dessen Erlangung unter den obwaltenden Umständen für die Spieler als ein Gewinn und dessen Entgehen als ein Verlust zu betrachten und die Absicht des Gewinnens als Bestimmungsgrund für die Mitspielenden anzusehen war". Die Sache des wegen Mordes zum Tode verurteilten Busch aus Bücken mußte nochmals verhandelt werden, da gegen das frühere Urteil, weil es nur auf Mord und nicht zugleich auf das den Mord veranlassende Verbrechen erkannt habe, vom Staatsanwalt Revision eingelegt worden war. In der am 12.Februar beginnenden Schwurgerichtsperiode stand die Sache gegen Johann Jochim Busch, Dienstknecht aus Lauen, wegen wiederholten Sittenverbrechens erneut zur Verhandlung. In der nicht öffentlichen Sitzung des Schwurgerichts wurde der am 18.Oktober vergangenen Jahres wegen Mordes und wiederholten Verbrechens gegen die Sittlichkeit zum Tode verurteilte Dienstknecht Johann Jochim Busch aus Lauen wegen Sittlichkeitsverbrechen noch zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Verhandlung wurde er in das Zuchthaus Barmbek zur Urteilsvollstreckung verlegt. Der Bedarf an Feuerungs-, Reinigungs- und Erleuchtungs-Materialien für das Barackenlager auf der Lockstedter Heide wurde am 21.März öffentlich ausgeschrieben. Das Lieferungsobjekt umfaßte: 80 Tonnen Steinkohle, 30 Kubikmeter Tannen-Klobenholz, 1.200 Stück Reiserbesen, 70 Kilogramm Stearinlichter, 30 Kilogramm Talglichter, 500 Kilogramm Seife und 500 Kilogramm Soda. Der Auftrag sollte an den Mindestfordernden vergeben werden. Die Reservistenübung im Bereich des IX.Armeekorps sollten, wie vom Generalkommando entgültig festgelegt, in der Zeit vom 5. bis 16.Juni dieses Jahres stattfinden. Welche Jahrgänge einberufen werden würden, war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Meldung noch nicht entschieden. Hauptsächlich würden diejenigen eingezogen, welche bisher das Mausergewehr noch nicht kennen gelernt hatten. Die beiden Divisionen des IX.Armeekorps, die 17. und 18.Division, planten in diesem Jahre getrennte Divisionsmanöver. Diese sollten voraussichtlich in der Gegend zwischen Rendsburg, Kiel und Eckernförde stattfinden und bei einer Dauer von nur zehn Tagen, bis zum 19.September beendet sein.
Nach Mitteilung der Königlichen Militärbehörden sollte die Artillerie auf dem Schießplatz erstmals mit weittragenden Geschützen schießen, dazu wurde ein größerer Bereich abgesperrt. Er umfaßte das Gebiet, das von den Linien Schießplatz-Lockstedt, Lockstedt-Poyenberg, Poyenberg-Silzen, Silzen-Schießplatz eingeschlossen wurde. Am Sonnabend, den 07.Juli, wurde nicht Nachmittags, sondern Vormittags, am Dienstag, den 10.Juli überhaupt nicht, dagegen am Donnerstag, den 12.Juli Vormittags und am Freitag, den 13.Juli, statt Vormittags am Nachmittag von 16:00 Uhr ab bis zirka 23:30 Uhr Abends geschossen. Im Kasino wurde über die Wette eines Wandsbeker Husaren diskutiert, wer von Wettpartnern denn wohl die Wette gewinnen würde. Der Offizier hatte gewettet, daß er die Tour bis Hannover und zurück mit einem Pferd in 20 Stunden zurückzulegen würde, von dieser Zeit seien jedoch 3 Stunden für den Aufenthalt in Hannover abzurechnen. Es hieß, daß der Reiter, welcher etwas schwer sein sollte, seine Wette verlieren dürfte, denn die Meile müßte durchschnittlich in 24 Minuten zurückgelegt werden. Ob der Wettlauf durchgeführt wurde, ist nicht vermeldet. Das 1.Thüringische Infanterieregiment Nr.31 begann am 19.August sein diesjährige Regimentsexerzieren und setzte dasselbe, nachdem es am 23.August nach Lockstedt ausgerückt war, dort weitere 4 Tage fort. Beim Lager Lockstedt fand gleichzeitig das Brigadeexerzieren in Verbindung mit dem Holsteinischen Infanterieregiment Nr.85 statt. Die Divisionsübungen der Regimenter Nr.31, 84, 85 und 86 wurden anschließend zwischen Rendsburg, Kiel und Eckernförde abgehalten. Die 36.Infanteriebrigade hielt vom 31.August bis 04.September größere Truppenübungen auf der Lockstedter Heide und den angrenzenden Grundstücken ab. Das Infanterie Regiment Nr.85 verlegte am 07.September in die Garnisonsorte.
Während die Preußische Regierung noch bei den Verwaltungsbehörden Rückfragen hielt, ob nicht künftig die Erteilung einer Konzession zum Handel und Ausschenken von Spirituosen vom tatsächlichen örtlichen Bedürfnis abhängig zu machen sei, hatten die Polizeiverwaltung und die übrigen Organe verlauten lassen, künftig die Konzessionen nur noch dann zu erteilen, wenn ein wirkliches Bedürfnis vorlag. Die Entscheidung darüber würde jedenfalls schwierig sein und zu vielen Mißhelligkeiten führen. Es gab wieder einmal einen Grund die Fuhrwerklenker des Militärs zu belehren. Aus Itzehoe waren erneut Beschwerden an das Militär herangetragen worden: "Es ist in der letzten Zeit wiederholt vorgekommen, daß durch zu rasches Fahren in den Straßen der Stadt, besonders da, wo diese scharfe Krümmungen machen, für die Passanten Gefahren ganz ernster Art herbeigeführt worden sind. Nichts desto weniger wird solches polizeiwidriges Jagen von Einzelnen mit besonderer Liebhaberei fortgesetzt und scheint sich auch namentlich das vom Lockstedter Lager mit Lastwagen zur Stadt kommende Militär hierin auszeichnen zu wollen. Vor einigen Tagen wäre ein Artillerist aus dem Lager fast ein Opfer der Unsitte geworden. In voller Fahrt bei Kern's Ecke in die Hauptstraße einbiegend, stürzte das eine der Pferde, den Reiter mit sich ziehend. Glücklicherweise lief der Fall nicht so entsetzlich ab, wie es zuerst den Anschein hatte, doch mußte der Soldat in das Lazarett geführt werden." September 1877: "Konkurs Proclam: Nachdem auf geschehene Insolvenzerklärung über die Habe und Güter des Steinpflasterers Fritz Möller zu Oesau, früher zu Itzehoe, der Konkurs der Gläubiger erkannt worden, werden Alle, welche an den Kridar Ansprüche und Forderungen zu haben vermeinen, hierdurch aufgefordert, solche bei Vermeidung des Ausschlusses von der Masse binnen 6 Wochen, vom Tage der letzten Bekanntmachung dieses Proclams an, hieselbst rechtsgehörig anzumelden und zwar Auswärtige unter Bestellung eines hiesigen Aktenprokurators. Königliches Amtsgericht I." Am 04.September wohnten den Brigadeübungen im Lockstedter Lager der Kommandeur der 18.Division, Generalleutnant von Diringshofen, sowie der Kommandeur des IX.Armeekorps, General der Infanterie Hermann von Treskow, bei. Am Sonntagabend entstand nach beendigter Sedansfeier im Lockstedter Lager unter Angehörigen des 85. und 31.Infanterieregiments eine wüste Schlägerei, bei welcher auch von der Waffe Gebrauch gemacht wurde. Etwa 12 der Beteiligten erlitten so erhebliche Verletzungen, daß sie ins Lazarett geschafft werden mußten. "Schul Vakanz: Nachdem die unter dem 06.März dieses Jahres erlassenen Bekanntmachung behufs Wiederbesetzung der erledigten Distriktsschullehrerstelle zu Schlotfeld ohne Erfolg geblieben ist und das mit dieser Lehrerstelle verbundene durch Erlaß der Königlichen Regierung auf 900 Mark nominierte bare Gehalt durch eine persönliche Zulage von 100 Mark erhöht ist, werden Bewerber um diese Stelle, mit welcher außer dem angeführten baren Gehalt freie Wohnung mit Garten und Feuerung verbunden ist, aufgefordert, ihre Gesuche nebst Zeugnissen binnen 3 Wochen portofrei hieselbst einzureichen. Es wird bemerkt, daß die Zahl der Schulkinder ungefähr 30 beträgt. Das Patronat der Schule zu Schlotfeld Posselt" Am 04.Oktober schrieb die Königliche Lager Verwaltung die Lieferung von irdenen Geschirren öffentlich aus. Das Lieferungsobjekt umfaßte 200 Stück irdene Waschschüsseln und 250 Stück irdene Wasserkrüge.
Zum Kommandeur der 9.Feldartilleriebrigade ist an Stelle des pensionierten Generalleutnants von der Goltz der bisherige Oberst und Kommandeur des 1.Garde Feldartillerieregiments, von Zglinitzky, ernannt worden. Im "Deutschen Haus" bei Gastwirt Sibbert wurden am 14.Oktober an das Lockstedter Lager angrenzende Ländereien verkauft. Das Angebot bestand aus 11 Hektar Ländereien, worunter 3 Hektar Wald waren. Nach einer Verfügung der Königlichen Regierung hatten die Kirchenvisitatoren dafür Sorge zu tragen, daß der so genannte fünftägige Unterricht, falls derselbe noch ausnahmsweise in einzelnen Schulen zugelassen sein sollte, nunmehr ohne Ausnahme bis Anfang des laufenden Jahres beseitigt und in sämtlichen Schulen der Unterricht an den sechs vorschriftsmäßigen Schultagen erteilt wird. Immer wieder streifen Kinder über den Schießplatz um Munitionsteile zu sammeln, auch so im Oktober als ein Junge mit anderen auf der Suche nach Kugeln war. Der später verletzte Junge hantierte mit einer gefundenen Granate, welche dabei krepierte. Dem Jungen wurden beide Hände abgerissen. Mehr tot als lebend wurde er ins Lazarett transportiert, ob er den Blutverlust überlebt hat ist nicht überliefert. Der Unfall war wieder Anlaß einer öffentlichen Belehrung. "Warnung vor dem Betreten des Lockstedter Schießplatzes. Wie schon in früheren Jahren durch unvorsichtige Behandlung eines auf dem Lockstedter Schießplatze aufgefundenen Sprenggeschosses schwere Verletzungen herbeigeführt, hat, ungeachtet der wiederholt erlassenen Warnung, leider auch am 2. dieses Monats ein solcher Unglücksfall sich ereignet, bei welchem ein 14jähriger Knabe durch das Explodieren eines Geschosses beide Hände verloren hat. Die Gemeindevorsteher der in der Nähe des Schießplatzes belegenen Gemeinden werden daher, unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 25.Mai dieses Jahres - Kreisblatt Seite 170 -, wiederholt aufgefordert, diesen Vorfall von Zeit zu Zeit in ihren Gemeinden aufs Neue bekannt zu machen und vor dem Betreten des Schießplatzes, namentlich aber vor jeder Berührung der etwa gefundenen Geschosse zu warnen. Beim Auffinden solcher Geschosse ist dem Wachkommando im Barackenlager unter genauer Bezeichnung der Fundstelle solches anzumelden, worauf von diesen die Abholung des Geschosses sofort veranlaßt werden wird. Dem Finder wird für aufgefundene Geschosse ein Findelohn ausgezahlt, welcher für jedes Kilo Schmiede- oder Gußeisen 3,5 Groschen, für jedes Kilo Zink oder Blei 10 Groschen beträgt. Die Aneignung der aufgefundenen Geschosse wird nach § 291 des Strafgesetzbuches mit Gefängnis bis zu 1 Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 900 Mark bestraft. Itzehoe den 17.November Der Königliche Landrat: E.von Harbou." L.C.Bade aus Kellinghusen bot seine beim Lockstedter Lager belegenen 5 Hektar Heideländereien zum sofortigen Verkauf an. Pro Hektar forderte der Besitzer 45 Taler.
1878Unbeeindruckt von den öffentlichen Diskussionen über eine Bahnverbindung von Itzehoe über Kellinghusen nach Wrist wurde im Ministerium in Berlin über den Plan einer Eisenbahnanbindung des Lagers an Wrist oder Horst, unter Umgehung von Itzehoe, nachgedacht. Immer wieder kam es vor, daß Bienenstockdiebe ihr Unwesen trieben. Besonders betroffen war Herr Möller aus Schlotfeld, der 30 Mark Belohnung aussetzte für denjenigen, welcher ihm den Dieb nachweist, der Mitte November und Ende Dezember jeweils einen Korb mit Bienen aus seiner Scheune gestohlen hat. Herr Möller würde dann gegen den Dieb Anzeige erstatten, damit er gerichtlich bestraft werden könne. Die Belegungsplanung vom Februar 1878 sah vor, daß die Schießübungen der 9.Feldartilleriebrigade (Schleswigsches Feldartillerieregiment Nr.9 und Holsteinisches Feldartillerieregiment Nr.24) im Jahre 1878 vom 15.Juli bis 10.August im Lockstedter Lager stattfinden würden. Die Inspizierung der Truppe durch den General der Kavallerie von Podbielski sollte am 05. und 06.August im Lager erfolgen. Das Fußartillerieregiment Nr.2 und das Schleswigsche Fußartilleriebataillon Nr.9 planten ihren Schießübungsaufenthalt im Lockstedter Lager vom 03.Juni bis 06.Juli 1878. Noch nicht geklärt war ob das gesamte IX.Armeekorps in diesem Jahr den Platz für seine Manöver nutzen würde.
Am 30.März wurde die Vergabe von Baureparatur- und Bauveränderungsarbeiten, die im Lockstedter Lager 1878/1879 zur Ausführung kommen sollen, ausgeschrieben. Dabei wurden veranschlagt für Maurerarbeiten 2.191,53 Mark, für Malerarbeiten 441,00 Mark und andere Bauveränderungsarbeiten 1.400,00 Mark. Die Summe für die Unterhaltung der Baracken belief sich auf 4.032,53 Mark. Zur Inspektion der in Itzehoe stationierten Husaren auf dem Gelände des Lockstedter Lagers waren anwesend: Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin, Brigadegeneral von Lüderitz, Oberst von Schadow, Major von Bronsart, des weiteren Hauptmann von Witzendorf, die Rittmeister von Willamowitz, von Blumenthal und von Leuken. Kurzfristig hatte der Kommandeur des IX.Armeekorps, General von Treskow und der Divisionskommandeur der 18.Division, General von Diringshofen, die Teilnahme an der Geländeübung abgesagt. Am 29.April erschien in der Zeitung die Anzeige eines vom Pächter des Gutes Bücken, H.Utesch, erstellten Stellenangebotes. Text: "Zu sofort suche ich ein junges Mädchen zur Erlernung des Hausstandes. Kostgeld wird nicht verlangt. Bücken bei Itzehoe." Die einzelnen Truppenteile rückten jetzt nach und nach zu den diesjährigen Schießübungen in das Lockstedter Lager. Am 30.April rückte dort die Hannoversche Reserve Artillerie vom X.Armeekorps auf 10 Tage ein. Das Stammpersonal des Schießplatzes Lockstedter Lager hatte sich einer Petition der Itzehoer Husaren angeschlossen, vom Reichstag in eine höhere Serviceklasse eingestuft zu werden. Lebensmittelpreise und Wohnungsmieten hätten hier eine Höhe erreicht, wie sie nur selten sonstwo anzutreffen wären. Der Verpflegungszuschuß, welcher 22 Pfennig für Mann und Tag betrage, sei der höchste im ganzen Reich. Berlin 15 Pfennig, Hamburg 19 Pfennig, in Altona 18 Pfennig und in Kiel 18 Pfennig. Hinzu käme, daß die zu entrichtenden Steuern recht hoch wären. Am 25.Mai wurde, wie in den vergangenen Jahren, für die Dauer der größeren Truppenansammlungen, wieder eine Postanstalt in dem Haus der Garnisonsverwaltung eingerichtet. Das jährlich stattfindende Ringreitturnier für Ridders und Umgegend fand am 26.Mai auf dem Gelände von D.Timmermann statt. Wer das Turnier gewonnen hatte ist nicht überliefert. Die Fußartillerie des IX.Armeekorps rückte am 03.Juni in das Lager ein. Neben den Schießzeiten, die ein Sperrung bestimmter Wege mit sich brachte, wurde die Bevölkerung wieder auf die Gefahren beim Aufnehmen von Blindgängern hingewiesen. "Das während der Schießübungen gefährdete Terrain wird, und zwar eine Stunde vor dem Beginn bis nach dem Schluß des Schießens, durch Posten abgesperrt, welche angewiesen sind, vor dem Betreten des gesperrten Gebietes zu warnen, bei nutzloser Anmahnung aber schließlich zur Erzwingung des Gehorsams von ihrer Waffe Gebrauch zu machen. Da jede Berührung und nicht sachgemäße Behandlung von scharf geladenen Geschossen, welche etwa auf dem hinter den Kugelfängen gelegenen Terrain aufgefunden werden möchten, mit großer Gefahr für Gesundheit und Leben verbunden sein kann und dadurch schon mehrfach Unglücksfälle herbeigeführt sind, werden Alle und Jede aufgefordert, beim etwaigen Auffinden von Geschossen diese nicht zu berühren oder aufzunehmen, sondern unter genauer Bezeichnung der Fundstelle unverzüglich beim Wachkommando im Barackenlager davon Anzeige zu machen, damit von diesem die sofortige Abholung der Geschosse bewirkt werden kann. Das Wachkommando ist beauftragt, sich durch den Finder des Geschosses oder durch eine von dem Gemeindevorsteher zu bestimmende Person an den Fundort führen zu lassen." Zur Geländebesichtigung der in Itzehoe stationierten zwei Eskadronen des Husarenregiments Nr.15 waren als Besichtigungskommission auf dem Gelände des Schießplatzes: der Kommandierende General des IX.Armeekorps von Treskow, Generalleutnant von Diringshofen (18.Division), Generalmajor von Lüderitz (18.Kavalleriebrigade) und Oberst von Schadow-Godenhausen, Kommandeur des Husarenregiments Nr.15. Nach Rückkehr in die Kaserne in Itzehoe wurden die Unterkünfte eingehend inspiziert. Im letzten Drittel des Juni sah sich die Militärbehörde in Altona veranlaßt, die Kommandanturen im IX.Armeekorps, darüber zu unterrichten, daß sie eine Untersuchung gegen Angehörige des 1.Thüringischen Infanterieregiments Nr.31 eingeleitet habe. Den Soldaten wurde vorgeworfen, daß sie in Zivil sozialdemokratische Versammlungen besucht hätten. Ergänzt wurde das Schreiben durch ein Schriftstück aus Kiel, wonach die Kieler Kommandantur den Soldaten jedwede Berührung mit den Sozialdemokraten, das Lesen ihrer Schriften oder gar der Besuch ihrer Versammlungen aufs Strengste untersagt und etwaigen Übertretern die schwerste Strafe - Versetzung in die 2.Klasse, Festung u.s.w. rücksichtslos in Aussicht gestellt hatte. In ähnlich strenger Weise war die Werftdivision verfahren. Die seit Anfang Mai unter den Pferden der 2.reitenden Batterie in Neumünster herrschende Rotzkrankheit, welche jedoch Dank der getroffenen Vorsichtsmaßregeln möglichst beschränkt blieb, forderte kürzlich wieder ein Opfer, es war dies das zweite Pferd, welches von den rotzverdächtigen, die im Krankenstall standen, getötet werden mußte. Bei der 1. und 3.reitenden Batterie waren zu diesem Zeitpunkt noch keine Pferde erkrankt. Die zweite Batterie wird in Folge der Pferdekrankheit wahrscheinlich nicht an den Manövern und Schießübungen auf dem Lockstedter Lager teilnehmen können. Zu Beginn des Juli war der Königliche Garnisons-Baumeister Gerenk aus Rendsburg im Lager anwesend. Er wollte sich persönlich ein Bild darüber machen, welcher Sanierungs- und Renovierungsbedarf an den Baracken des Lagers bestehe. Anfang Juli wurde von der 3.Wegebauinspektion eine Belohnung von 50 Mark ausgesetzt für Hinweise auf die Täter, die an der Chaussee von Itzehoe nach Kellinghusen in der Nacht vom 9. zum 10.Juli zwischen dem Lockstedter Lager und Mühlenbarbek 5 Alleebäume durch Schläge mit einem scharfen Instrument beschädigt haben. Das Feldartillerieregiment Nr.24 hatte auf dem Schießplatz einen strammen Schießplan erstellt. Danach wurde am 17., 19., 23., 25., 27., 29., und 31.Juli, sowie, am 2., 7., und 9.August von präzise Morgens 7 Uhr an bis Mittags 11:30 Uhr geschossen. Nach einer kurzen Pause war an diesen Tagen in der Kaserne Geschützreinigen mit anschließendem Appell von 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr, danach Gewehrexerzieren bis 18:00 Uhr. Gesprächsstoff lieferte ein Gerichtsurteil gefällt gegen 35 Militärpflichtige aus dem Kreis Steinburg (größtenteils dem Jahrgang 1855 angehörig), welche ohne Erlaubnis das Reichsgebiet verlassen und sich dadurch dem Eintritt in den Dienst des stehenden Heeres oder der Flotte entzogen hatten. Sie wurden wegen Verletzung der Wehrpflicht (§140 Abs. 1 des Strafgesetzbuches) in Abwesenheit zu je 150 Mark, eventuell 15 Tagen Gefängnis verurteilt. |
| Polizeiverordnung betreffend der Einführung der Polizeistunde. |
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| Aufgrund des § 5 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20.September 1867 wird hierdurch die nachfolgende Polizeiverordnung erlassen: |
| § 1. Alle Gast- und Schenkwirtschaften sind mit Eintritt der Polizeistunde, welche für die Zeit vom 1.April bis zum 30.September inklusive auf 24 Uhr, und für die Zeit vom 1.Oktober bis zum 31.März inklusive auf 23 Uhr Abends festgesetzt wird, für den Zutritt von Gästen geschlossen zu halten. |
| §2. Für die Überschreitung der Polizeistunde in einzelnen besonderen Fällen ist die vorherige Erlaubnis des Polizeiamtes einzuholen. |
| §3. Bei Eintritt der Polizeistunde hat der Wirt die anwesenden Gäste zum sofortigen Verlassen des Lokals aufzufordern, die Gäste haben dieser Aufforderung Folge zu leisten. |
| §4. Die Inhaber von Gasthäusern sind berechtigt, ortsfremde Gäste, welche bei ihnen übernachten wollen, zu jeder Zeit aufzunehmen. |
| §5. Übertretungen dieser Polizeiverordnung werden, vorbehaltlich eines gegen die Wirte einzuleitenden Konzessions Entziehungs Verfahrens, nach § 365 des Strafgesetzbuches bestraft, welcher lautet: Wer in einer Schenkstube oder an einem öffentlichen Vergnügungsorte über die gebotene Polizeistunde hinaus verweilt, ungeachtet der Wirt, sein Vertreter oder ein Polizeibeamter ihn zum Fortgehen aufgefordert hat, wird mit Geldstrafe bis zu fünfzehn Mark bestraft. Der Wirt, welcher das Verweilen seiner Gäste über die gebotene Polizeistunde hinaus duldet, wird mit einer Geldstrafe von sechzig Mark oder mit Haft bis zu vierzehn Tagen bestraft. |
| Itzehoe, den 10.Juli 1878 Das Polizeiamt Gez.: Dohrn. |
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Die Verpflegung in den Kasernen des IX.Armeekorps und auch auf dem Schießplatz Lockstedter Lager hat zu mancherlei Bedenken geführt und deshalb dem Kriegsministerium Anlaß gegeben, umfassende Erhebungen in dieser Beziehung anzustellen. Letztere haben dann zur Einführung von Verbesserungen geführt, welche sich sowohl auf Küchenanlagen und Kochapparate, als auf die Zutaten zu den Speisen bezogen. Man war hierbei davon ausgegangen, daß es sich nicht nur um die Erhaltung der Gesundheit, sondern auch um die Kräftigung der Mannschaft und Förderung ihrer Kriegstüchtigkeit bei Darreichung einer guten Kost handelt.
Beim Infanterieregiment Nr.76 hatte ein Soldat seinen Vorgesetzten Unteroffizier erschlagen, weil dieser ihn über lange Zeit gepeinigt und mißhandelt hatte. Er hatte dem Unteroffizier lange vorher gedroht, er werde ihn umbringen, wenn die Tortur weiterginge. Der Kommandeur des Feldartillerieregiments Nr.9 Oberstleutnant Anton hat im Beisein des Abteilungskommandeurs Major König aus Anlaß des traurigen Falles Wernecke-Koch die Unteroffiziere des Regiments während einer Schießpause in einer Ansprache darauf hingewiesen, wie notwendig es sei, neben Disziplin auch die Humanität den Untergebenen gegenüber walten zu lassen und wie unwirsches Zurückweisen und Denunziationssucht gegen die Untergebenen häufig verbittern. Namentlich müsse eine verletzende Zurechtweisung und ein hochfahrendes Wesen unter allen Umständen vermieden werden. Die im Lockstedter Lager zur Schießübung gewesene Artillerie des Regiments Nr.24 war am 10.August 1878 in den Heimatstandort abmarschiert. Ab dem 22.August zogen in das Lager: der Regimentsstab des Infanterieregiments Nr.31 und das II.Füsilierbataillon des gleichen Regiments. Am 23.August das I. und II.Bataillon des Infanterieregiments Nr.85 mit Regimentsstab und ab 30.August Stab der 36.Infanteriebrigade. Die genannten Truppenteile blieben bis 07.September im Lager. Nach einer Mitteilung des Holsteinischen Infanterieregiments Nr.85 sollte an mehreren Tagen von Nachmittags 15:00 Uhr bis zum Dunkelwerden auf dem Schießplatz auf weitere Entfernungen geschossen werden. Die Schießbahn: vom Lager aus in Richtung auf die Kugelfänge, b.z.w. dem Lehmkuhl und soll demzufolge zur Sicherung des Verkehrs von der Lockstedter Chaussee nach Ridders, Peissen und Silzen auf Totalschußweite, und zwar bis in die Höhe der Lehmkuhl, durch Posten abgesperrt sein. Kommentar in der Tageszeitung am 29.08.1878: "Zu den Annehmlichkeiten, welche unsere Stadt durch die Anwesenheit des Militärs im benachbarten Lockstedter Lager geboten werden, gehören ganz besonders die Kunstgenüsse, welche uns in den Konzerten der verschiedenen Militärkapellen zu Gebote gestellt werden. Es haben die Leistungen der verschiedenen Kapellen, welche hier aufgetreten sind, sich des allgemeinen Beifalls von Seiten des Publikums zu erfreuen gehabt, und gewiß am meisten die Kapelle des I./Thüringischen Infanterieregiments Nr.31. Dieselbe, unter Leitung des tüchtigen Musikmeisters Herrn F.Mohrbutter, wird, nachdem sie bereits am Sonntage auf Amönenhöhe vor einem zahlreichen Publikum hier ihr erstes diesjähriges Konzert gegeben, am Freitage auch auf dem Lübschen Brunnen sich hören lassen."
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| 20. bis 22.September | II./Infanterieregiment Nr.84 | 500 Mann | 70 Pferde |
| 20. bis 22.September | Stab 15. und 16.Husarenregiment | 120 Mann | 125 Pferde |
| 20. bis 22.September | 2./I./ Feldartillerieregiment Nr.9 | 130 Mann | 60 Pferde |
| 20. bis 22.September | Pionierbataillon Nr.9 | 220 Mann | 50 Pferde |
| 21. bis 23.September | Stab und Infanterieregiment Nr.85 | 1.000 Mann | 20 Pferde |
| 21. bis 23.September | Husarenregiment Nr.16 | 600 Mann | 630 Pferde |
| 21. bis 23.September | Feldartillerieregiment Nr.9 | 250 Mann | 130 Pferde |
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Am 24.September traf hier ein unter der Leitung des Generalmajors und Brigadekommandeurs von Guratz, auf der Übungsreise begriffenes Kavalleriekommando ein. Dieses Kommando, besteht aus 18 Offizieren, 3 Unteroffizieren, 22 Gemeinen und 61 Pferden.
Der Divisionsgeneral, Generalleutnant v. Diringshofen hat das folgende Dankschreiben an die Quartiergeber der beim Manöver im Kreise Steinburg einquartiert gewesenen Truppen erlassen: "Ein Teil der Herbstübungen der 18.Division hat in diesem Jahre im Kreise Steinburg statt gefunden. Viele Gemeinden mußten zahlreiche Einquartierungen aufnehmen. Desungeachtet wurden die Truppen überall freundlich und zuvorkommend aufgenommen und überall trat das beste Einvernehmen zwischen Quartiergebern und Truppen hervor. Dies öffentlich anzuerkennen, ist mir eine angenehme Pflicht, und sage ich den Behörden und Bewohnern des Kreises im Namen der Division hiermit ergebensten Dank."
1879
Zum 01.April sollte die Verwaltung des Lockstedter Lagers in andere Hände übergehen, der bisherige Inspektor Dettmering war nach Altona versetzt worden. Ein Nachfolger wurde namentlich noch nicht benannt.
Am 01.Mai war ein 80 Mann starkes Vorkommando der Festungsartillerie aus Sonderburg angekommen, um die Vorarbeiten zu den Schießübungen durchzuführen.
Ort: Auf dem Exerzierplatz der Kaserne. Thema: Formalausbildung "Der Sergeant sagte belehrend zu mir: "Pöfke". "Sie müssen die Eingeweide unter den Leib nehmen!" Es war am ersten Tag meiner militärischen Laufbahn, und ich bemühte mich, ohne den erwünschten Erfolg zu haben, die vorschriftsmäßige Stellung einzunehmen. Im Nachsinnen hierüber mochte ich den Kopf wohl etwas geneigt haben, denn plötzlich rief der Sergeant: "Pöfke, Sie haben den Kopf schon wieder zwischen die Knie! Nehmen Sie den Schädel hinten aus die Gelenke heraus und setzen ihn vorne fest auf die Binde auf!" Erschrocken starrte ich meinen Vorgesetzten an. Was sollte aus unsern armen Körpern noch werden, wenn schon am ersten Tage so damit umgesprungen wurde! Da ertönte es schon wieder: "Pöfke, ich will Sie nicht sehen!" Mir begann es im Kopf zu wirbeln. Wie war es möglich, daß er mich nicht sehen wollte, da er mich doch durchbohrend anblickte? Warum, wohin, weshalb sollte ich mich verkriechen, daß mich sein Auge nicht weiter sehe? Der Exerzierplatz bot durchaus keinen Schlupfwinkel dar. Doch bald folgte des Rätsels Lösung. "Sobald ein Kommando erfolgt, werfen Sie die Augen in gerader Richtung vor sich hin, als ob Ihnen dem Teufel seine Großmutter auf die Nase säße!" Was das Nichtsehen bedeutete, wußte ich nun! An diesem Tage lernten wir auch die Rasse der Himmelhunde kennen. Der Sergeant gebrauchte das Wort mit Vorliebe zum Zweck der Anfeuerung. Es ist mir indeß nicht gelungen, über Lebensweise und Verwendung dieser Hunde ins Klare zu kommen." Am Donnerstag, den 22.Mai waren das Fußartillerieregiment Nr.2 aus Swinemünde und Sonderburg und das Schleswigsche Fußartilleriebataillon Nr.9 aus Bremerhaven-Lehe und Cuxhaven in das Lockstedter Lager eingerückt. Die Artilleristen aus Niedersachsen und Bremen wurden in diesem Jahr nicht bei Glückstadt über die Elbe gesetzt, sondern mit der Eisenbahn transportiert. Die Zahl der für die Militärkapellen abgesprochenen Konzerte in Itzehoe und Umgegend waren beträchtlich. Das erste Konzert ausgeführt, von der Kapelle Fußartillerieregiment Nr.2, fand in diesem Jahr am 25.Mai auf der Amönenhöhe statt. Die Musik des Fußartilleriebataillons Nr.9, insgesamt 25 Personen, spielte am ersten Pfingsttage, das war der 01.Juni, beim Lübscher Brunnen.
Am 02.Juni 1879 wurde zum erstenmal seit Bestehen des Lagers die Abfuhr von Latrinen-Dung, die gleichzeitige Entleerung der Behälter der Urinieranstalten sowie der Asch- und Müllgruben landesweit ausgeschrieben. Bisher war diese Dienstleistung von Bauern der näheren Umgebung angeboten worden, die eigene Wiesen als Filterfelder für die Fäkalien nutzten aber auch Ackerland damit düngten. "Das Königl. Landratsamt in Itzehoe erläßt eine Bekanntmachung, betreffend das Auffinden von Munitionsmaterialien auf dem Schießplatze beim Lockstedter Lager. Darin wird, unter Bezugnahme auf eine Bekanntmachung vom 20.März d.J. noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß nach § 291 des Strafgesetzbuches die widerrechtliche Aneignung von Munitionsmaterialien, welche etwa auf dem beim Schießplatze beim Lockstedter Lager belegenen Terrain aufgefunden werden möchten, mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis 900 Mark bestraft wird. Ferner werden Alle und Jede aufgefordert, beim etwaigen Auffinden von ganzen Geschossen diese nicht zu berühren oder aufzunehmen , da dies mit Gefahr für Gesundheit und Leben verbunden sein kann und dadurch schon mehrfach Unglücksfälle herbeigeführt sind, sondern unter genauer Bezeichnung der Findestelle bei der Verwaltungskommission des Schießplatzes oder beim Wachtkommando im Barackenlager unverzüglich davon Anzeige zu machen, damit von diesen die sofortige Abholung der Geschosse bewirkt werden kann. Dagegen haben die Finder von anderen Munitionsmaterialien, als Eisensprengstücke, Blei, Messing, deren Aufnehmen gefahrlos ist, diese während der Schießübungen an die Verwaltungskommission des Schießplatzes, vor und nach denselben aber an das Wachtkommando im Barackenlager sofort abzuliefern. Das Findegeld beträgt für 1 Kilo Eisen in Sprengstücken 3 Pfennig, 1 Kilo Blei in Sprengstücken 10 Pfennig, 1 Kilo Messing in Sprengstücken 10 Pfennig wird von der Verwaltungskommission, bzw. dem Wachtkommando dem Finder sofort ausgezahlt. Für das Anzeigen des Auffindens ganzer Geschosse wird ein dem Gewicht derselben entsprechender höherer Findelohn gezahlt." Die wieder einmal im Ministerium erörterten Pläne zur Schaffung einer Küstenartillerie sorgten auch für Gesprächsstoff unter den Soldaten der in Rede gekommenen Fußartillerieeinheiten, die sich zur Zeit im Lockstedter Lager befanden. Ein nicht nähergenannter Offizier der Swinemünder Einheit äußerte seine Meinung zu den Plänen im Kasino: "Die seit 1874 ausstehende Frage der Formierung und Organisation einer für Küsten- und Hafenbefestigungen der Deutschen Küste ausreichenden Küstenartillerie steht im Begriff, ihre voraussichtlich endgültige Lösung zu erfahren. Nach zuverlässigen Meldungen sollen das dem 2.Pommerschen Armeekorps zugeteilte Fußartillerieregiment Nr.2 und das dem 9.Armeekorps zugeteilte Fußartilleriebataillon Nr.9 für den gedachten Zweck zu einem Küsten Artillerieregiment zusammengestellt werden. Bei einem eintretenden Kriegsfall werden außerdem die in Berlin garnisonierende Artillerie Versuchs- und Artillerie-Lehrkompanie im Küstenschutzdienst eine Verwendung finden. Der für einen solchen Fall benötigte Personalbedarf der Küstenartillerie wird mit 5000 Mann angegeben, eine Zahl, die mit den 14 für diese Art der Verwendung vorgesehenen Artilleriekompanien als erreicht erachtet werden kann. Das Fußartillerieregiment Nr.2 und das Fußartilleriebataillon Nr.9 scheiden übrigens wegen der neu für diese Einheiten in Aussicht gestellten Bestimmung vorerst noch nicht aus dem Fußartillerieverband aus und erhalten weiterhin die Grundausbildung als Fußartilleristen, doch wird es als wahrscheinlich erachtet, daß später das Küsten Artillerieregiment aus der Landarmee ausgegliedert und der Marine eingegliedert wird."
"Der frühere Soldat Wernecke, welcher den Sergeanten Koch erschlug, zeigte sich, als ihm neulich in seiner Zelle sein Todesurteil vorgelesen wurde sehr reumütig und äußerte, wie schon früher, den Wunsch, seine jüngste Schwester, an welcher er mit zärtlicher Liebe hing, noch einmal zu sehen. Speise und Trank schlug er aus, da er sehr angegriffen sei. Der Kaiser, welchem als obersten Kriegsherrn allein das Begnadigungsrecht zusteht, wird noch heute von dem Benehmen des Wernecke vor, während und nach der Publizierung des Urteils in Kenntnis gesetzt werden. Es heißt, daß der Wunsch nach Begnadigung des Verurteilten von höheren hamburgischen Persönlichkeiten unterstützt werde." Fünf Tage später: "Die Begnadigungsurkunde für den Mörder Wernecke in Hamburg auf lebenslängliche Zuchthausstrafe ist eingetroffen und ward derselbe, der in letzter Zeit eine fast wahnsinnige Todesfurcht zeigte, bei deren Verlesen sehr gerührt."
In Glückstadt trafen am 24.Juni 1879 mit den Dampfschiffen "Stade" und "Gutenberg" von Stade kommend, zwei Batterien des
Schleswigschen Fußartilleriebataillons Nr.9, das in Bremerhaven stationiert war, ein. Den beiden folgte am Nachmittag eine dritte Batterie desselben Regiments, die aus der Garnison Lehe kam. Ohne Aufenthalt in Glückstadt setzten die
Einheiten ihren Marsch über Itzehoe zum Lockstedter Lager fort, um an den dort stattfindenden Schießübungen
teil zu nehmen. Zu den Übungen des Feldartillerieregiments Nr.9 waren auch die Abteilungen aus Rendsburg und
Neumünster befohlen. Am 19.Juli kamen dann noch die I.Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.24 aus Schwerin und die
II.Abteilung des gleichen Regiments aus Mölln dazu. Mitte August, Zusammenziehung der Infanterieregimenter
Nr.31 und Nr.85 zu Exerzierübungen im Lockstedter Lager.
Von den im Lager weilenden Artilleristen wurden 4 Soldaten mit Syphilis im Itzehoer Krankenhaus behandelt, weil die Diagnose auf Hautausschlag lautete, wurde ein hochdosiertes Quecksilberpräparat angewandt. Ein weiterer Soldat wurde mit Verdacht auf Typhus in das Garnisonslazarett in Altona verlegt. Ein sehr schweres Gewitter zog am 04.August seit 07:00 Uhr bis gegen Mittag über das Lockstedter Lager, begleitet von ergiebigem Hagelschlag, bei welchem einzelne Schlossen (Graupel, Hagel, Niederschlag) annähernd von der Größe eines Taubeneies fielen, an vielen Stellen die Fensterscheiben zerschlagend. Die Wege, Felder und Gärten standen teilweise unter Wasser. Bericht über das schwere Gewitter. "Der Schaden, den das gestrige Gewitter im Lager und der Umgebung angerichtet hat, war viel größer, als man im ersten Augenblick befürchtete. Rund um das Lager ist die Ernte auf den Felder größtenteils vernichtet, teils durch den enormen Hagelschlag, teils durch die in die Felder eindringenden ungeheuren Wassermassen. Die Gewalt der Schlossen, von denen man am gestrigen Abend noch einige finden konnte, hat Erbsen-, Bohnenpflanzungen und Roggenfelder zugerichtet, daß sie fast wie schlecht umgeackertes Land aussehen. Selbst kleine Vögel wurden erschlagen. Am stärksten soll es den Ort Schlotfeld getroffen haben. Nach Schlotfeld konnte bis zum Abend noch kein Briefbote durchdringen. Auch sonst sind die Wege und Chausseen unpassierbar. Der Hagel hat annähernd 380 Scheiben im Lager zerschlagen, es gibt keine Baracke, die nicht von der Zerstörung betroffen ist. Die Glaser aus der ostwärtigen Umgegend sind im Einsatz um die Fensterscheiben möglichst bald eingesetzt zu haben. Heute fanden keine Aktivitäten auf dem Schießplatz statt." Nachdem das Holsteinische Feldartillerieregiment Nr.24 am 11.August durch den Kommandierenden General inspiziert worden war, hat dasselbe am 13.08. das Lager verlassen, um in die Garnisonen zurückzukehren. Hiermit haben die Schießübungen für die Feldartillerie im Lager für dieses Jahr ihren Abschluß gefunden. Es kehrte wieder Stille ein, die durch das Wachkommando und das Stammpersonal nicht gestört wurde. Vom 15.August 1879 bis zum Beginn der Schießübungen in 1880, wurde in einem 200 Meter gegenüber der Wache gelegenen, verschließbaren Bretterhäuschen, eine nicht näher benannte Menge Dynamit aufbewahrt. Das Wachkommando war angewiesen worden, jedem Unbefugten die Annäherung an das Bretterhäuschen zu untersagen. An entsprechenden Stellen wurden Warnungstafeln aufgestellt. Zu einer umfassenden Besichtigung des Lockstedter Lagers kamen am 20.08.1879 der Intendanturrat Hoppe und der Garnisonsbaumeister Gettsches. Im Lager sollten mehrere Baracken und Ställe neu aufgeführt werden, somit das Lager eine erhebliche Vergrößerung erfahren, da die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichend waren. Die Konkurrenz unter den Etablissements in Itzehoe war groß, die Gastwirte der angesagten Lokale hatten schon, im weitesten Sinne, wenn es um die Auftritte der Regimentskapellen ging, Exklusivrechte. Einen besonderen Coups hatte der Inhaber des "Freudenthal" gelandet. In der "Sauregurkenzeit" war es ihm gelungen die Kapelle des Infanterieregiments Nr.31 zu Auftritten zu bewegen. Die Auftritte fanden außerhalb der Zeit statt, in welcher das Regiment normalerweise auf dem Übungsplatz war. In großen Buchstaben wurde vom Wirt angekündigt: "Wir wollen nicht unterlassen, an dieser Stelle das Publikum der Stadt Itzehoe und Umgegend darauf aufmerksam zu machen, daß der Kapellmeister des 1.Thüringischen Infanterieregiments Nr.31, Herr Mohrbutter, sich dazu verstanden hat, drei Konzerte, zwei Symphonie- und ein Instrumental Konzert,im "Freudenthal" in Ausführung zu bringen. Das erste Konzert wird noch im Laufe dieses Monats, das zweite im Monat November und das dritte im Monat Januar statt finden. Aus dem uns vorliegenden Sachen heben wir ins Besondere hervor: 1.Symphonie von Johannes Brahms; D-Dur-Symphonie von Beethoven; C-Dur-Symphonie von Mozart. Ferner wird eine Anzahl klassischer Ouvertüren aufgeführt werden, wie auch Solo Vorträge für Violine u.s.w. Die getroffene Auswahl der aufzuführenden Sachen wird, bei der bekannten vorzüglichen Ausführung der Kapelle, unter Leitung des Herrn Mohrbutter einen zahlreichen Besuch dieser Konzerte erwarten lassen." Am 22.November machte die Herrschaft Breitenburg wieder einmal bekannt, daß sie beabsichtige die Loh- und Sägemühle bei Bücken auf zehn Jahre zu verpachten. Pachtbeginn war festgesetzt auf den 01.Mai 1880 Pachtzeit 10 Jahre. An der letzten Veranstaltung hatte wiederum der derzeitige Pächter Andersen als einziger Interessent teilgenommen. Im Dezember wurde von dem in Kellinghusen stationierten Gendarmen ein Mann verhaftet und festgesetzt,der er in hiesiger Gegend auf öffentlichen Landstraßen mehrere gewalttätige Angriffe gegen Frauen verübt und den Versuch unternommen hatte, ihnen Geld und Wertgegenstände gewaltsam zu entwenden. 1880
Im "Freudenthal" fand am 28.Januar das 2. Abonnements-Konzert der 50 Mann starken Regimentskapelle des 1.Thüringischen Infanterieregiments Nr.31 statt. Die Eintrittskarten wurden in einer Buchhandlung verkauft, die Besucher der Veranstaltung wurden gebeten rechtzeitig zu erscheinen, da das Konzert pünktlich um 20:00 Uhr beginne. Die Eintrittskarten berechtigten auch zum Besuch des an das Konzert anschließenden Balles. Am 10.Februar wurde auf einem Submissionstermin im Lazarettbüro des Lagers der Bedarf von Viktualien, Beleuchtungs- und Reinigungsmaterialien für das Haushaltsjahr 1880/81 vergeben. Den Zuschlag erhielt eine Firma aus Hamburg, die auf am gleichen Tag in Itzehoe durchgeführten Termin ebenfalls den Zuschlag erhalten hatte. In mehrfach erschienenen Anzeigen machte der Wirt aus Ridders, Daniel Timmerman, der Bevölkerung bekannt, daß er im Februar einen Fastnachts-Ball durchführe, auf dem es Musik und Tanz gäbe, der Tanz jedoch ohne die übliche Ansage stattfände. In einer Liste wurden die Orte bekannt gemacht, welche dem Landzustellbezirk des Postamtes Itzehoe zugeordnet waren. Aus dem hiesigen Bereich waren es: Lohmühle, Oesau, Rote Mühle, Schlotfeld mit Lochten, Winseldorf mit Zollbaum und Wulfskrug oder Neuenkrug. Die anderen Bereiche wurden durch das Postamt Kellinghusen versorgt. Der Betrag der für die Verpflegung der Soldaten im Frieden für das Jahr 1880 festgesetzen Vergütung ist folgender: Für die volle Tagesverpflegung mit Brot 85 Pfg., ohne Brot 70 Pfg., für das Frühstück m.B. 16 und o.B. 11 Pfg, für das Mittagessen m.B. 43 bzw. o.B. 38 Pfg., für die Abendkost m.B. 26 und o.B. 21 Pfg. Im Februar suchte der Hotelier Carl Sörensen ein junges Mädchen für Haus- und Feldarbeit zum 01.April, zum 01.Mai suchte er ein junges Mädchen "bei familiärer Stellung" ohne Gehalt, es sollte beim Kochen in der Hotelküche mit geholfen werden. Zwecks Inspizierung der beiden in Itzehoe garnisonierenden Schwadronen des Husarenregiments Nr.15 auf dem Gebiet des Lockstedter Lagers, waren der General von Unger und der Regimentskommandeur von Schadow Anfang April im Lager anwesend.
Im April wurde die Bevölkerung wieder einmal auf die Gefahren während der Schießtage hingewiesen. Den Ausrufern in den umgebenden Ortschaften wurde der nachfolgende Text an die Hand gegeben: "In der Umgegend des Lockstedter Lagers werden zur Verhütung von Unglücksfällen bei den demnächst statt findenden Schießübungen von Seiten des Militärs die umfassendsten Vorkehrungen getroffen werden. So werden zum Beispiel zunächst sämtliche zu dem gefährdeten Gebiet führenden Wege durch im Ganzen 13 Barrieren, welche von Unteroffizieren zu schließen und zu öffnen sind, zur Zeit des Schießens abgesperrt. Außerdem werden die Unteroffiziere noch die Felder zwischen den Barrieren begehen, um auch ein Betreten des Grundstückes von dort aus zu verhindern. An zwei Punkten werden weithin sichtbare Armtelegraphen aufgestellt, die zur Zeit des Schießens aufgezogen sind, und endliche werden in Silzen und Lockstedt, die Einwohner durch ausgehängte Tafeln davon unterrichtet, wann geschossen wird." Der Gastronom Dühring, der in Itzehoe das "Hotel du Nord" und die "Amönenhöhe" bewirtschaftete, und im Lockstedter Lager die Restauration "Bierhalle" sein eigen nannte, daneben auch noch Pächter des Kasinos war, hatte beschlossen die "Bierhalle" im Jahre 1880 nicht wieder zu eröffnen. Aufgrund dieser Geschäftsaufgabe ließ er das gesamte Inventar, Mobilien und Hausgerät öffentlich und meistbietend gegen kontante Bezahlung vor dem Kasino versteigern. Kaufliebhaber hatten Gelegenheit in der Zeit von 10:00 Uhr bis 14:45 Uhr das Versteigerungsgut zu besichtigen. 24.04.1880
Ein aus 50 Mannschaften und 2 Offizieren bestehendes Arbeitskommando traf am 24.April im Lager ein. Die Aufgabe des Kommandos war, die Feuerstellungen für die Artillerieschießen auszubauen und herzurichten, hierzu nutzten sie das im März angelieferte Material, welches das Fußartillerieregiment Nr.2 Ende Februar bestellt hatte. Eine Schwadron des Husarenregiments Nr.15 aus Itzehoe übte im Bereich Lohmühle und Bücken. Ein Husar hat sich beim Sprung über einen Graben mit seinem Pferde überschlagen, wodurch er sich eine Verletzung am Fußgelenk in solchem Grade zuzog, daß die Amputierung des Fußes im Itzehoer Krankenhaus durchgeführt werden mußte.
Am 17.Mai waren das Fußartillerieregiment Nr.2 über den Bahnhof Wrist, das Fußartilleriebataillon Nr.9 über Wrist und Itzehoe antransportiert worden. Von den jeweiligen Bahnhöfen marschierten die Einheiten unter Vorantritt der Musiken zum Lager. Die ersten Schießen waren für den 20.Mai angesetzt. Das erste Nachtschießen für das Pommersche Fußartillerieregiment Nr.2 fand in der Nacht vom 04. zum 05.Juni statt. Das Schießgelände wurde vor dem Schießen weiträumig abgesperrt.
Der Neubau einer Latrine und eines offenen Wagenschuppens bei dem Verwaltungsgebäude im Lockstedter Lager sollte per Submission vergeben werden. Kostenanschlag und Bedingungen lagen für die Interessenten auf der Verwaltung im Lager zur Einsicht aus. Zur Vergabe der Arbeiten und Lieferungen war ein Termin auf den 29.Juni im Büro der Garnisonsverwaltung anberaumt. Auf dem gleichen Termin ging es um die Submission auf Steinkohlen und Weichholz für das Barackenlager für das Etatsjahr 1880/81. Auch diese Submission sollte im Wege der öffentlichen Vergabe an den Mindestfordernden verdungen werden. Als dritte Vergabe war die Jagdnutzung auf dem Exerziergelände und Schießplatz ab August für ein Jahr vorgesehen. Die II.Abteilung des Feldartillerieregiments Nr.9 suchte nach Bäckern in der Umgebung, die in der Lage und Willens waren Graubrot an die II.Abteilung für die Dauer des Aufenthaltes auf dem Schießplatz zu liefern. Die Angebote sollten enthalten, wie viel Gramm ein Graubrot für 10 Pfennig wiegen würde, daneben möge man sich äußern, ob das Brot zum Lockstedter Lager geliefert werden kann. An der Straße Itzehoe-Nortorf wurde eine Kate mit Ladengeschäft gebaut, in dem hauptsächlich Gemüse, Obst und Kartoffeln verkauft wurde. (Das Haus wurde in den 90er Jahren abgerissen.) Der Stab der 10.Feldartillerie Brigade und der Stab der I.Abteilung des 2.Hannoverschen Feldartillerie Regiments Nr.26 nebst 4 Batterien, wurden am 24.Juli von den Garnisonen mit der Eisenbahn bis nach Itzehoe transportiert. Für die Soldaten war vorgesehen, daß sie an diesem Tag in Itzehoe einquartiert werden, um am nächsten Tag den Marsch nach dem Lockstedter Lager fortzusetzen. Das Landratsamt gab bekannt, daß wegen des Brigadeexerzierens sich einige Schießtermine geändert hatten. Die neu hinzu gekommenen Termine waren: Am 26., 27., 28., 29.,, 30. und 31.Juli, am 02., 03., 04. und 05.August von 07:00 Uhr bis 13:00 Uhr - am 07.August von 09:00 Uhr bis 14:00 Uhr; am 09., 10., 11., 12., 13., 14. und 17.August von 07:00 Uhr bis 13:00 Uhr und am 18.August von 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr. Auf dem Marsch vom Lockstedter Lager über Schmabek, den Kaiserberg, Ortsrand Itzehoe, Freudenthal, Kalkofen nach Oelixdorf hat ein Leutnant eine Manöverkarte verloren. Dem Finder wurde eine gute Belohnung bei Abgabe des Fundstückes in der Baracke Nr.5 im Lockstedter Lager zugesichert. "Am Sonntag, den 01.August, feierten die Eheleute Timm Gripp und Lena, geb. Thies auf dem Bückener Hof das Fest der goldenen Hochzeit. Die beiden Alten, welche 23 Jahre auf Schmabek und 27 Jahre auf Bücken ununterbrochen treu gedient haben, und in der ganzen Umgegend als brave fleißige, höchst achtenswerte Leute bekannt waren, mußten ihren Ehrentag in aller Stille begehen, da die Frau schon längere Zeit bettlägerig war. Nichts desto weniger wurden ihnen von Freunden und Bekannten viele Geschenke und Zeichen der Anerkennung zu Teil. Aus den umliegenden Dörfern Mühlenbarbek, Lohbarbek, Winseldorf, Oelixdorf, Kollmoor, Schlotfeld, wie auch aus Itzehoe wurden Geld und andere Geschenke gespendet. Der Besitzer des Meierhofes Bücken, Herr Graf zu Rantzau-Breitenburg, am persönlichen Kommen leider verhindert übersandte 30 Mark mit einem huldvollen Schreiben; der Kirchenvorstand der Gemeinde Itzehoe ließ eine schöne Traubibel überreichen. Nachmittags wurde die eigentliche Feier abgehalten. Die Kinder der Schlotfelder Schule begannen mit einem Lobgesang. "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!" so tönte es mit herzbewegender Macht in die Herzen der zahlreich versammelten Freunde. Im Anschluß daran hielt Herr Pastor Schröder aus Itzehoe die Festrede über Psalm 103, der die Einsegnung des Jubelpaares und zum Schluß einige Verse des Gesanges: "Wer nur den lieben Gott läßt walten," folgten. Alsdann begann das Überreichen der Geschenke u.s.w. zunächst seitens der Kinder, die das Krankenbett mit Blumen bedeckten und die Hand mit Gaben füllten, dann seitens der übrigen Anwesenden. Eine stille, aber gemütliche Stunde hielt dann die Festteilnehmer noch in der Wohnung des Jubelpaares beisammen. Das Jubelpaar überglücklich über die ihm gespendeten reichlichen Gaben und hat den Schreiber dieses gebeten, allen Freunden und Bekannten, die seiner so gütig gedacht, in seinem Namen zu danken." Ein Raubüberfall wurde auf den Arbeiter Jensen von zwei Personen an der Rendsburger Chausse beim Hungrigen Wolf verübt. Jensen versetzte dem einen der Beiden einen Schlag mit der Faust, in welcher er einen Haustürschlüssel hatte und ihn so niederstreckte. Während der Erste am Boden lag, bearbeitete er den Anderen mit einem Wurzelstock, den er bei sich hatte. Beiden gelang trotzdem die Flucht, die Täter konnten nicht ermittelt werden. Nach Abschluß der Schießübungen im Lockstedter Lager wurden die Einheiten am 20.August auf dem Bahnhof in Itzehoe mit Extrazügen weiterbefördert: um 05:40 Uhr der Stab der II.Abteilung vom Feldartillerieregiment Nr.26 und 3 Batterien vom 1.Hannoverschen Feldartillerieregiment Nr.10, reitende Abteilung, nach Hannover; um 09:30 Uhr eine Abteilung des 2.Hannoverschen Feldartillerieregiments Nr.26 nach ihrer Garnison Oldenburg, und eine Abteilung des selben Regiments um 13:15 Uhr nach ihrem Garnisonsort Celle. Am 21.August wurde das Lockstedter Lager von der 10.Feldartilleriebrigade geräumt. Die Truppen kehrten mit Bahntransporten über Itzehoe und Wrist in ihre Garnisonen Celle, Hannover und Oldenburg zurück. Am 17. und 18.August war Generalleutnant von Bülow, Generalinspekteur der Artillerie, zur Inspizierung der einzelnen Truppenteile der 10.Brigade im Lager anwesend, gleichzeitig auch Generalleutnant von der Beeke und Generalmajor von Zglinitzki. Die beiden Feldartillerieregimenter und der Brigadestab verbrauchten während des Lageraufenthaltes an Lebensmitteln zirka: 60 Tonnen Brot, 50 Tonnen Fleischwaren, 80 Tonnen Kartoffeln und 40 Tonnen Gemüse und Obst. Vom 23.August bis einschließlich 01.September 1880 führte die 36.Infanteriebrigade im Bereich des Lockstedter Lagers und den angrenzenden Grundstücken ein Manöver durch. Die Ländereien, die zu schonen waren, wurden durch Warnzeichen (Strohwiepen u.s.w.) kenntlich gemacht. Die durch diese Übung entstandenen Entschädigungsansprüche wegen Flurbeschädigung sollten bei den betreffenden Gemeindevorstehern angemeldet werden. Während des Manövers veranstalteten auf dem Übungsplatz anwesende Offiziere ein Wettpreisschießen, das dem Inspektionspreisschießen glich. Die Bedingungen waren die Abgabe von 6 Schuß stehend freihändig auf die in 200 Meter Entfernung aufgestellte 24er Ringscheibe. Jeder Offizier entrichtete ein Startgeld. Der Sieger wurde mit einer kleinen Feier im Kasino geehrt. Das Preisgeld diente als Stiftung der Verschönerung des Kasinos.
Am Sonntag, den 15.August verbreitete sich die Nachricht von einem Verbrechen im benachbarten Dorf Silzen wie ein Lauffeuer. In der Nacht vom 14. zum 15.August war in dem Ort ein Raubmord verübt worden. Das Itzehoer Gericht hatte in Verbindung mit dem von ihm eingesetzten Kreisphysikus (Veraltete Bezeichnung für einen im Landkreis bestallten Arzt) Dr. Jessen an Ort und Stelle den angenommenen Tatbestand bestätigt, daß die Dienstmagd bei der Altenteilerin Witwe Gloyer in Silzen in der Nacht erwürgt worden war. Ob die Ermordete den Einbrecher erkannt hatte, oder ob der Täter den Mord verübte, um ungestört nach Diebesgut zu suchen war nicht festzustellen. Gestohlen wurde vor allen Dingen bares Geld. In den Verdacht die Tat begangen zu haben geriet ein Artillerist, der am Tage des Verbrechens in Silzen von Einwohnern gesehen worden war. Die Polizei ging mit den Zeugen ins Lager, dort mußte das Feldartillerieregiment Nr.10 antreten, weil der beobachtete Soldat diese Zahl auf der Schulterklappe hatte, es wurde gefragt wer an dem bewußten Tag in Silzen war. Ein Soldat der I.Abteilung meldete sich, er wurde von den Zeugen identifiziert, sofort in Haft genommen und verhört. Das Zeugnis seines Feldwebels, das dieser beim Untersuchungsrichter am nächsten Tag ablegte, bezeugte aber, daß der Soldat am Abend des Tattages gegen 20:00 Uhr in der Unterkunft war, dies konnte auch durch andere Soldaten bezeugt werden. Ein weiterer Verdächtiger war der in Poyenberg dienende Knecht Johann Bracker. Auch er wurde in Haft genommen, hat aber die Tat selbst nach mehreren Befragungen nicht gestanden, er konnte seine Abwesenheit vom Tatort glaubhaft durch ein Alibi nachweisen, er wurde aus der Haft entlassen. Im September wurde der Knecht Bracker wieder in Haft genommen und dem Altonaer Justizgefängnis überstellt, weil sich nach Meinung der Itzehoer Staatsanwaltschaft der Verdacht gegen ihn erhärtet habe. Im November gestand Bracker dem Altonaer Untersuchungsrichter die Tat und erklärte, daß er erst 150 Mark geraubt und danach die Magd ermordet habe.
Der Itzehoer Jagdclub veröffentlichte in verschiedenen Zeitungen die nachfolgende (bei der Aufzählung der Jagdbezirke von mir gekürzte Fassung) Anzeige: "Der Itzehoer Jagdclub zahlt demjenigen, welcher einen Wilddieb wegen unerlaubten Jagens oder Wilddiebstahl in den unter dem Schutze des Jagdclubs stehenden Jagdbezirken oder den Käufer, respektive Verkäufer in den genannten Bezirken unrechtmäßig erlegten Wildes derart zur Anzeige bringt, daß seine Bestrafung erfolgt, nach erlangter Rechtskraft des Erkenntnisses, bzw. der Strafverfügung, eine Belohnung von 20 bis 50 Mark. Unter dem Schutz des Jagdclubs stehen folgende Jagdbezirke: ...Bücken, Silzen, Schlotfeld,... Der Vorstand Graf Rantzau Breitenburg." |