Das Lockstedter Lager zwischen
1867 und 1874


Bis zur Neuordnung der Landkreise am 22.09.1867 gehörte Lockstedt zum Amt Rendsburg, das erklärt, warum der Rendsburger Amtmann E.C. von Harbou 1865 als Verwaltungsfachmann für das Lager bei Lockstedt zuständig war.
♦ Anmerkung:
E.C. von Harbou war von 1857 bis 1861 als Landrichter in Itzehoe tätig, wechselte dann nach Rendsburg bis 1865. Von 1866 bis 1889 wieder in Itzehoe, diesmal als Landrat des Kreises Steinburg. E.C. von Harbou starb am 24.12.1901

Das preußische Kriegsministerium hatte das Gebiet der Loher Heide bei Rendsburg 1866 dem Feldartillerieregiment Nr.9 als Schießplatz zugewiesen. Für die Schießvorhaben des IX.Armeekorps war das Areal jedoch zu klein, deshalb wurde in Schleswig-Holstein seit Juli 1870 nach einem geeigneten, größeren Gelände gesucht. In den Fokus war gleich das Heidegebiet bei Lockstedt gekommen und letztlich zum Ausbau bestimmt. Der Platz für das Lager war besonders wegen der verkehrsgünstigen Lage in Betracht gekommen und ausgewählt worden. Ausschlaggebend war u.a. die Nähe zum Bahnhof Itzehoe und Bahnhof Wrist sowie die in der Nähe des geplanten Lagers verlaufenden, für die damalige Zeit leistungsfähigen Landstraßen. Die Kommission, welcher bereits im Juli die vorläufige Untersuchung der örtlichen Verhältnisse übertragen worden war, bestand aus: Oberst Stolz, Inspektionschef der gesamten Fortifikation im Bereich des IX. und X.Armeekorps, Oberstleutnant Darapsky, stellvertretender Kommandeur des Feldartillerieregiments Nr.9, Premierleutnant Rohr vom Ingenieurcorps und Fortifikationssekretär (Festungssekretär) Marquardt. Die Kommission, die sich seit Anfang August mehrfach auf der Lockstedter Heide aufhielt, hatte bereits im August einen Bericht über ihre Erkundungsergebnisse beim Kriegsministerium in Berlin eingereicht.

Mitte September wurde in den nördlichen Provinzen für die geplante Errichtung eines Militärlagers, der Bau von 46 Baracken, 10 Pferdeställen, 4 Küchen, eines Verwaltungsgebäudes und einer Offiziersspeiseanstalt auf dem Gelände bei Lockstedt durch die Militärverwaltung ausgeschrieben.

Analysiert man Berichte der Itzehoer Nachrichten ab 22.10.1870, so offenbart sich der Geschichtsverlauf des Lockstedter Lagers aus einem anderen Blickwinkel als allgemein ungeprüft verbreitet. In einem ersten Artikel wurde berichtet, daß auf der Heide ein stehendes Lager und permanenter Schießplatz für die Artillerie eingerichtet werden sollte, die Schießbahn sei bereits vermessen. In einem weiteren Artikel wurde hervorgehoben, daß man das Gelände als sehr zweckentsprechend befunden habe, die Vorarbeiten für den Schießplatz und in geringem Umfang, Arbeiten am stehenden Lager selbst in Angriff genommen worden seien.
♦ Anmerkung:
Der Artillerieschießplatz "Loher Heide" , nördlich von Rendsburg, wurde am 17.Juni 1867 zum erstenmal vom Feldartillerieregiment Nr.9 zu Schießübungen genutzt. Vorher hatten auf der Heidefläche noch keine Schießen stattgefunden. Ein starkes Arbeitskommando mußte vor Beginn der Schießübungen ein Munitions-, Schanzzeug- und Scheibendepot errichten. Mannschaften und Pferde wurden in den umliegenden Orten einquartiert. Die Truppenverpflegung wurde durch einen Lieferanten herangeschafft. Bis zur Aufgabe des Schießplatzes, auch bedingt durch für militärische Zwecke bahnbrechende Erfindungen Alfred Nobels war dieser den Erfordernissen nicht gerecht geworden. In die engere Wahl kam das in Militärkreisen bekannte Heidegebiet bei dem bis 1867 zum Amt Rendsburg gehörenden Dorf Lockstedt.

Doch der Reihe nach.


1870

Der deutsch-französische Krieg 1870/1871 begann mit der französischen Kriegserklärung an Preußen am 19.Juli 1870. Preußen und seine Verbündeten hatten am 30.August 1870 bereits 37.000 französische Kriegsgefangene zu betreuen. Diese wurden vorwiegend in Süddeutschland und grenznah im Rheinland untergebracht. Die aufgrund der Kapitulation von Napoleon III. am 01.September 1870 bei Sedan gemachten 83.000 Kriegsgefangenen konnten noch im weiteren Einzugsbereich der Grenze konzentriert werden. Am 22.Oktober wurde im hiesigen Bereich erstmals darüber gesprochen, daß Kriegsgefangene auch in Schleswig-Holstein interniert werden sollten. 1000 waren es, die in Rendsburg in den Räumlichkeiten, des als Lagerraum für das Trainbataillon dienenden, ehemaligen Provianthaus untergebracht werden sollten, die Bewachung wurde bis zum 20.Dezember durch das Ersatzbataillon Nr. 85, danach durch das 500 Mann starke 2.Westfälische Landwehrregiment Nr.15 gestellt. Am gleichen Tag wurde an Schleswig die Anfrage gerichtet, wie viele Kriegsgefangene im Schloß Gottorf und in den neben demselben stehenden Reitställen etc. untergebracht werden könnten. Man bezog diese Anfrage auf die Wahrscheinlichkeit der baldigen Übergabe von Metz. Schleswig bestätigte, daß für etwa 1.000 Mann die erforderlichen "Localitäten disponibel" wären, die Bewachung würde durch das Ersatzbataillon Nr.84 gewährleistet. Drei Tage später, am 25.Oktober, informierte Oberst Stolz, Inspektionschef der gesamten Festungen und Befestigungen im Bereiche des IX. und X.Armeekorps, den Landrat von Steinburg, E.C. von Harbou, in einem Brief darüber, daß das Kriegsministerium auf dem Heidegebiet zwischen Lockstedt und Schlotfeld ein stehendes Lager für die Artillerie errichten werde. Einen Tag später antwortete der Landrat dem Oberst Stolz, daß er erfreut Kenntnis genommen hätte und sich über die Entscheidung für dieses Gebiet erfreut zeige. Als am 27.10.1870 der französische Marschall Bazaine bei Metz mit 2 weiteren Marschällen, 6.000 Offizieren und 173.000 Soldaten in Gefangenschaft geriet, wurde jede Möglichkeit zur Unterbringung von Kriegsgefangenen in Betracht gezogen, auch das in Planung befindliche Lager bei Lockstedt.

Anfang November 1870 begannen die Verhandlungen des Militärs mit den Landbesitzern der Gegend. Am 14.11. erklärten sich die in Winseldorf ansässigen Eigentümer mit dem Landverkauf einverstanden. Dem Beispiel Winseldorfs folgten am 17.11. die Dorfschaften Lohbarbek, Ridders, Schlotfeld und Mühlenbarbek. Die kurze Verhandlungsdauer und die Großzügigkeit des Militärs beim Kauf der Geländeteile deutet auf die Schießplatzplanung und die Eilbedürftigkeit des Landkaufs hin. (Der Fiskus zahlte durchschnittlich 21 Taler pro Morgen. Dieser Preis erscheint, da es sich um Heideboden der unfruchtbarsten Art handelte, recht beträchtlich. Die Regierung zahlte in ähnlichen Fällen bei Ankäufen von Heideland zu Forstzwecken meist nur 14 Taler. Die Forderungen der damaligen Grundbesitzer waren erheblich höher als 21 Taler.)


Berichte aus verschiedenen Zeitungen, in welchen die Kriegsgefangenen Thema waren:

06.11.1870
Wiesbaden:
Seit gestern kann unsere Stadt als eine große französische Garnison gelten. Die Gefangenen von Metz, Officiere aller Grade sind in Scharen hier eingezogen. Die bunten Farben der verschiedenartigen Uniformen geben der lebhaften Bewegung auf unseren Straßen und Anlagen ein merkwürdiges Ansehen. Die gefangenen Officiere lassen an ihrer Ausrüstung jedoch kaum erkennen, daß sie einen Feldzug bestanden haben: Alles ist nagelneu; auch die mitgebrachten Diener haben das beste Aussehen, und nur die Pferde verrathen den schlimmen Einfluß von Witterung und Futtermangel.

07.11.1870
Schleswig
Wenn man in der Durchführung des jetzigen großen Kampfes eine Garantie für einen dauerhaften Frieden finden wollte, konnte es wohl nördlich und südlich vom Danewerk, besonders aber in unserer kriegsgewohnten Gegend hier, vorkommen, daß man auf die Prophezeiung der Seher des 19.Jahrhunderts mit dem Bemerken hingewiesen wurde, daß Manches noch leicht eine andere Wendung nehmen könne, daß jedenfalls die "Rothosen" hier noch kommen würden. Nun sind die hier, zur Ehre unserer Seher und zur Beruhigung schwacher Gemüther. Gestern Abend um 7 Uhr sind nämlich ca. 120 gefangene Französische Officiere nebst Burschen hier eingetroffen. Sie begaben sich vom Bahnhof nach Stehn's Gasthof im Friedrichsberg und wurden von dort aus in ihre Logis dirigirt. Heute sah man sie schon lebhaft unsere Straßen frequentiren. In den nächsten Tagen werden, wie bestimmt verlautet, noch gegen 1.000 Mann Gefangene hier eintreffen.

07.11.1870
Hamburg
Über 500 Französische Officiere trafen mit einem Separatzuge heute Vormittag am Berliner Bahnhofe ein. Dieselben gingen ohne Aufenthalt auf der Verbindungsbahn nach der Sternschanze, wo sie sämmtlich ausstiegen und sich zu Fuß nach der neuen Caserne begaben. Ein zweiter Zug brachte die Burschen der Officiere.

07.11.1870
Das "Dresdener Journal" schildert die Mühwaltungen, welche die Überwachung der in Dresden untergebrachten Französischen Gefangenen (im October etwa 4.000) den bezüglichen Behörden verursacht. Wir entnehmen dem Articel Folgendes: "Es gelangten im October Geldsendungen an die Gefangenen von ihren Angehörigen in Frankreich im Betrage von täglich 200-280 Taler zur Verteilung; es wurden daher ungefähr 7.000 Taler an Geld aus Frankreich in einem Monat an die Gefangenen geschickt, unter denen sich sehr wenige Officiere, hingegen sehr viele Turcos befinden. Von den Gefangenen wurden im October 5.722 Briefe abgesendet, während sie 3.943 Briefe erhielten. Es braucht nicht besonders gesagt zu werden, daß alle diese Briefe zuvor von den Militärbehörden gelesen werden, was allein schon eine erhebliche Arbeit ist. In den Briefen der Gefangenen drückt sich insgesamt eine große Sehnsucht nach der Heimath aus; die Briefe aus Frankreich athmen hingegen in jeder Zeile jene unsinnige Verblendung, von welcher wir jetzt Frankreich erfüllt sehen. Es klingt mehr als komisch, wenn sich die Franzosen immer noch nicht als besiegt ansehen. Über den Kaiser fällen die Briefschreiber hier und in Frankreich gleich bittere Urtheile. Ein sehr übles Streiflicht auf den Zustand der Volksbildung in Frankreich wirft es, daß mindestens der zehnte Theil der hiesigen Gefangenen nicht schreiben kann, sondern beim Empfang eines Geldbriefes mit drei Kreuzen quittirt. Selbst viele Unterofficiere sind des Schreibens unkundig. Nicht genug wundern können sich die Franzosen über den strengen Dienst, den sie nach und nach bei den Deutschen beobachten. Von einer Disciplin, wie sie das Kennzeichen der Deutschen Truppen ist, findet man bei ihnen keine Spur."

17.11.1870
Glogau
Um einen Begriff von der Masse der französischen Kriegsgefangenen zu erhalten, genügt wohl die einfache Mittheilung, daß Glogau allein dieser Tage über 16.000 derselben beherbergen wird und dann gerade soviele unfreiwillige Fremde, wie eigene Bewohner zählt.

17.11.1870
Schleswig
Wie es heißt, soll hier ein Lazareth für transportable Französische Verwundete und Kranke errichtet werden.

20.11.1870
Glückstadt
Da es bei der großen Zahl der Französischen Kriegsgefangenen nachgerade an Platz sie unterzubringen gebrechen muß, erscheint es uns auffällig, daß man noch gar nicht daran gedacht hat, einige Tausend derselben in den großen, leeren Räumen unsers Provianthauses einzulogieren. Wir wollen hierdurch für den Nothfall darauf aufmerksam gemacht haben.

23.11.1870
Leserbrief zur Aufnahme von Kriegsgefangenen
Wenn von hier aus darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die Localitäten des hiesigen Provianthauses für gefangene Franzosen zur Disposition gestellt werden könnten, daraus aber leicht geschlossen werden möchte, daß der Aufenthalt der Gefangenen als eine Segensquelle für unsere Stadt betrachtet werden würde, so wollen wir denn doch gegen solche Voraussetzung höflichst Verwahrung einlegen. Für einzelne Wirthe und wenige Lieferanten mag solche Einquartierung als Segen betrachtet werden, wer aber weiß, daß die Gefangenen auch von einer entsprechenden Anzahl Militär bewacht werden und diese bei den Bürgern freies Quartier und Verpflegung haben, der sieht solche Einquartierung als eine bedeutende Last für die Bürgerschaft an, und daher darf ich hier die Behauptung aussprechen, daß die große Mehrheit hiesiger Einwohner es wünscht von solcher Last befreit zu bleiben. Ihr Herr Correspondent kann übrigens die Überzeugung haben, daß die städtischen Collegien längst an betreffender Stelle darauf aufmerksam gemacht haben würden, wenn der Stadt aus der Aufnahme von Gefangenen ein Vortheil erwachsen würde.


Über das auf der Lockstedter Heide zu errichtende Barackenlager wurde bekannt, daß am 19.November eine Ortsbesichtigung stattgefunden hatte und gleich an Ort und Stelle das Verding der Bauten vergeben wurde, dasselbe war an zwei Bauunternehmer aus Stade für die Summe von 149.000 Talern übertragen worden, dies war die niedrigste Forderung, während die höchste 338.000 Taler betragen haben soll. Zum 01.Mai 1871, so lautete der Vertrag, sollten 61 Gebäude, mit Ziegelsteinen in Fachwerk ausgeführt, fertig gestellt sein, wofür der Auftraggeber eine bedeutende Kaution gefordert hatte und diese von den Unternehmern sofort geleistet wurde. Für den Fall, daß anhaltender Frost die Maurerarbeiten behindern sollte, war eine Holzverkleidung für die Gebäude vorgesehen.

Ende November verlegte der Bauunternehmer Hagenah sein Baubüro in das Hotel du Nord in Itzehoe. Hier hatte er auch die Verhandlungen mit den Itzehoer Zulieferfirmen und den Bauarbeitern, die für ihn arbeiten sollten, geführt. Der Gesamtauftrag für die Dachpappe ging an die Dachpappenfabrik L. Nöhrenberg & Co. in Itzehoe. Im Hafen von Itzehoe wurden die Zurichtplätze für die Zimmerleute eingerichtet. Anfang Dezember transportierten Schiffe Bauholz und Baumaterialien zum Itzehoer Hafen und Eisenbahnzüge das Material bis zum Delftor, wo sie gelagert und bearbeitet wurden. Für die große Zahl der Transportfuhren wurden zusätzlich Fuhrleute aus der Umgegend von Itzehoe angestellt. Bereits am 08.12. rollte der erste Materialtransport von Itzehoe aus in Richtung des geplanten Lagers. Eine letzte Feinerkundung des Barackengeländes führte Oberst Stolz am 11.12. durch und legte fest wo die Baracken aufgestellt werden sollten. Der Aufbau der Baracken für das Lager, das jetzt auch zur Unterbringung von Kriegsgefangenen benötigt wurde, hatte begonnen, noch am gleichen Tag war die erste Baracke fast fertig. Die Fertigstellung Gebäude sollte nun nach Bekanntwerden der Interimsnutzung als Gefangenenlager Mitte Januar abgeschlossen sein. Auf der Baustelle waren acht Maurer- und Zimmermeister und mehrere hundert Arbeiter beschäftigt. Insgesamt sollten bis zu 69 Gebäude von unterschiedlicher Größe errichtet werden. Als Maße für eine Baracke werden 21 bis 50 m Länge und 6 bis 8 m Breite angegeben. Auf einem 1,20 m tiefen Fundament sollten einstöckige Fachwerkgebäude mit Pappdach entstehen. Ungefähr 42 Baracken, 18 Stallgebäude, 2 Lazarettbaracken mit je 50 Lagerstätten, 4 Küchen und 1 Offizierskasino waren am 14.01.1871 aufgebaut und mußten nur noch innen ausgestattet werden, wozu Holzpritschen, Tische, Schemel und dergleichen ständig in großer Anzahl angeliefert wurden. Steinzeug, Porzellan und Glas wurde von der Firma H. Lienau ansässig in Elmshorn geliefert. Jede der Baracken enthielt vier Räume, von denen jeder 25 bis 30 Mann aufnehmen konnte. Die ursprünglich als Stallgebäude geplanten und aufgeführten Gebäude wurden umgewidmet und gleichfalls zur Aufnahme von Gefangenen hergerichtet. Die Baracken wurden nach den noch gültigen "Instructionen über die Lagerung der Truppen im Frieden" vom 20.Dezember 1842 erstellt, wonach jedem Mann eine Grundfläche von 3,5 qm im Gebäude zugestanden wurden. Endabnahme der Gebäude ab dem 16.01.1871.
Das Wachgebäude und die Bereitschaftsbaracke waren an der Nordwestecke der Gravelotte Straße gebaut worden.
♦ Anmerkung:
Weil es in Itzehoe noch keine Eisenbahnbrücke über die Stör gab, endete die Gleisführung der Holsteinischen Eisenbahn am Delftor, wo auch der Bahnhof war.

Kaum war die erste Baracke fertig, hieß es bereits, daß noch vor Ablauf des Jahres eine Anzahl französischer Gefangener in dem im Bau begriffenen Barackenlager untergebracht werden sollten, und zwar nannte man die Zahl von 800 bis 1.000, die teils über Itzehoe, teils über Wrist in das Lager gelangen würden. Es müßten mindestens 8 Baracken, 1 Küche und 1 Lazarettbaracke bis zum 27. Dezember vollständig fertig gestellt sein, was auch, trotz der ungünstigen Witterung, aufgrund der zahlreichen Arbeitskräfte möglich sein würde. Bei nüchterner Betrachtung war es nicht möglich 800 bis 1.000 Menschen in 8 Baracken unterzubringen und durch 1 Küche versorgen zu lassen. Man hätte es nicht geschafft bis zum Jahresende die Inneneinrichtung zu beschaffen. Hier zeigt sich die enorme Hilflosigkeit der Ministerien in der Bewältigung der Unterbringung von Kriegsgefangenen.


1871

Zum Kommandanten des Gefangenenlagers wurde durch A.K.O. Oberst von Dorpowski ernannt, der bis zu seiner Kommandierung ins Lockstedter Lager im Januar 1871, als Kommandant im Friedensstandort Harburg Dienst tat. Eine eingehende Besichtigung des Lagers führte er am 16.Januar 1871 in Verbindung mit der Endabnahme der Gebäude durch. Während der Bauzeit hatten sich bereits einige Wirtschaftslokale um das Gelände etabliert, deren Räumlichkeiten von Bauarbeitern und Besuchern rege genutzt wurden. Die Wege zum und im künftigen Lager waren durch die Transportfuhrwerke stark gefurcht, in den Spuren sammelte sich Wasser, welches zur Verschlammung der Wege beitrug.

Die Königliche Provinzial Intendantur des IX.Armeekorps schrieb die Lieferung von Brennmaterialien und Brennöl aus. Die Ausschreibung erfolgte am 16.Januar, die Lieferung mußte bereits am 25.Februar abgeschlossen sein. Die Ausschreibung umfaßte: 8 Zentner Brennöl, 4.000 Hamburgische Tonnen Würfelkohlen und zirka 400 große Hamburgische Tonnen Förderkohlen aus den besten Gruben Schottlands, Englands, Westfalens oder Oberschlesiens. 110 Klafter (zirka 216 Hamburger Faden a 55 Kubikfuß oder 165 Faden a 72 Kubikfuß) Weichholz oder 60 Klafter Hartholz. Das Holz soll trockenes, gutes Klobenholz sein; in den Offerten ist die Holzart namhaft zu machen. Sollte das harte Holz im Vergleich zur Heizkraft des Weichholzes das billigere sein, wird auf ersteres der Zuschlag erteilt werden.
♦ Anmerkung:
Klafter=Raummaß - 1 Klafter wurde mit zirka 3,339 m³ Schichtholz gerechnet.

Am 21.Januar traf eine erste Kolonne von Kriegsgefangenen, also nur zehn Tage vor Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen, in Stärke von 2.200 Mann im Lager ein. In der gleichen Nacht folgte ein zweiter Transport in ähnlicher Stärke. Aufgrund der guten Vorbereitung ging die Unterbringung der 4.750 bis 5.000 Gefangenen zügig vonstatten. Soldaten des Landwehrregiments Nr.76 "Bataillon Hamburg" in Stärke von 600 Mann, mit Stab und Musikkorps, waren als Bewachungstruppe befohlen. Zu deren Unterstützung war die zu dieser Zeit in Itzehoe stationierte 3.Ersatzbatterie Fußartillerieregiment Nr.9, die am 21.Januar 1871 in die ringsum liegenden Dörfer Winseldorf, Lohbarbek und Schlotfeld verlegten und eine Eskadron vom Dragonerregiment Nr.6 kommandiert worden. Am 09.Februar traf eine weitere Kompanie des Hanseatischen Landwehrregiments Nr.76 "Bataillon Flensburg", wo sie auch aufgestellt worden war, mit Stab und Musikkorps im Barackenlager ein. Durch diese Verstärkung verringerte sich die Wachbelastung der bereits im Lager eingesetzten Kompanien. Berichtet wurde, daß der Wachdienst für die Angehörigen des Dragonerregiments Nr.6 anstrengend war. Die "Korporalschaften", die Tag und Nacht mit kurzen Pausen rund ums Lager Patrouille reiten mußten, waren besonders belastet.
♦ Anmerkung:
Die Kriegsgefangenen waren Soldaten der Regimenter de Ligne: 1, 4, 9, 14, 15, 18, 19, 20, 27, 31, 33, 41, 44, 45, 46, 49, 52, 57, 60, 64, 65, 70, 81, 86, 89, 90, 94, 95 und 98. Der Chasseur-Regimenter Nr.5, 7 und 8. Des 9.Dragoner-Regiments, der Artillerie-Regimenter Nr.4 und 9, 1.Train-Regiment, 2. und 4.Marine-Regiment sowie Garde mobil.

Auf den Pritschen der Kriegsgefangenen lagen bei deren Ankunft Strohsäcke, die von denselben erst noch mit Lagerstroh befüllt werden mußten. Es stellte sich heraus, daß die bevorratete Menge an Stroh nicht ausreichte und so schrieb die Königliche Garnisonsverwaltung im Barackenlager die Lieferung von Lagerstroh aus. Die Vergabe erfolgte am 01.Februar mit der Aufforderung zur sofortigen Lieferung. Daneben wurde "Die Lieferung von Consumptivilien, Materialien etc. für das Lazarett des Barackenlagers" ausgeschrieben. Dieses Los sollte nur an qualifizierte Unternehmer vergeben werden. Dann wurde noch ein Unternehmer gesucht, der die Wäschereinigung pro Stück im Lazarett des Barackenlagers in Verding übernehmen wollte, auch hierzu sollten sich qualifizierte Unternehmer baldigst melden.

Bekanntmachung.

Nach einer Mitteilung der Königlichen Kommandantur des Barackenlagers werden im Fall einer etwaigen Emeute oder eines Ausbruches der Kriegsgefangenen die Artillerie und Kavallerie durch ein angestecktes Fanal alarmiert und die Bewohner der Umgegend durch drei Alarmschüsse aufmerksam gemacht werden, damit auf die Entsprungenen gefahndet werde.

Itzehoe, den 3. Februar 1871
Der Königliche Landrath: E. von Harbou


Bereits eine Woche nach dem Einzug in das Internierungslager wurde den Kriegsgefangenen eine Beschäftigung zugewiesen. Am nördlichen Rand des Lagers sollte nach dem Willen des Lagerleiters ein Park entstehen, dazu mußte die Fläche erst einmal vom Bewuchs befreit werden. Es war ebenfalls notwendig, die obere Sandschicht abzutragen und kulturfähigen Boden aufzufahren. Die Kriegsgefangenen schafften es aber nur das Gestrüpp zu entfernen, die Restarbeiten wurden in den folgenden Jahren durch Arbeitskommandos durchgeführt.

Den Angehörigen der Familien Störmann und Holst aus Winseldorf wurde Ende Januar mitgeteilt, daß ihre Söhne, W.Störmann und H.Holst, während des Frankreich Feldzuges gefallen waren. Gleiche Nachricht erhielten die Familien der Gefallenen Soldaten J.Börnsen und M.Musfeldt in Ridders

Am Vormittag des 05.Februar traf der Regierungspräsident aus Schleswig, Herr Freiherr von Ende, mit dem Landrat Herrn von Harbou im Lockstedter Lager zur Besichtigung desselben ein. Die Eindrücke wurde in einem Bericht öffentlich gemacht.

Nachfolgend der Bericht:

"Das Interesse an der auf der Lockstedter Haide mitten im Winter geschaffene Ansiedelung und der Wunsch, die gefangenen Franzosen in größerer Anzahl zu sehen und zu sprechen, führten mich in diesen Tagen nach dem merkwürdigen Lager bei Lockstedt. Bei einem starren Wintersfrost fast von Anfang an gemauert, ließen auch die Baracken, ehe ich sie gesehen, befürchten, daß es wrackhafte, jetzt im Tauwetter zusammenbrechende Gebäude sein würden. Zu meiner Überraschung fand ich sämtliche Gebäude in guter Verfassung. Es wird zwar nicht fehlen, daß der Unternehmer noch eine Zeit lang mancherlei Reparaturen stehen muß, allein er hat doch erreicht, nicht bloß, daß er rechtzeitig fertig geworden ist, sondern sogar, daß er heute schon die Gebäude fertig übergeben konnte, welche er erst im Mai abzuliefern verpflichtet war. Selbstverständlich ist eine Unmasse von Brennmaterial bei der Erwärmung des Mörtels und bei der Warmhaltung der ganzen Bauten verbraucht worden, und in der Hauptsache hat das Resultat nur dadurch erreicht werden können, daß jeder Bau, der in der Mauerung stand, solange von allen Seiten durch schräg gestellte Bretter zugedeckt wurde.
Leider hatten die Wege nicht vor der Herstellung der Bauten fertig gemacht werden können, und so ist denn durch das Auftauen des Schnees bei einem tief in die Erde reichenden Frost ein fast allgemeiner Wasserspiegel, jedenfalls eine großartige Sumpffläche, an die Stelle der Wege getreten.
Hindert dies schon die weitere Bearbeitung der unfertigen Teile der Gebäude, so ist es doch namentlich hinderlich für den Verkehr der Gefangenen im Freien, außerhalb der selbstverständlich noch immer dumpffeuchten Baracken.
Die armen Gefangenen sind nämlich nur höchst erbärmlich mit Fußzeug versehen, viele von ihnen so kümmerlich, daß sie ihre Baracken nur wenig verlassen können. Eine Anzahl von ihnen hat zwar Holzschuhe, allein so viel ich bei großen öffentlichen Gelegenheiten, bei der Verteilung von Brennmaterial und bei festlicher Tagesmusik, sehen konnte, ist dies doch nur ein Viertel bis höchstens ein Drittel derselben. Die Übrigen leiden herzliche Not in diesem Punkte, und doch wäre es ein Leichtes und wenig kostspielig, aus Nordschleswig oder aus dem benachbarten Dänemark einige Tausend Paar Holzschuhe zu verschreiben. Ein bis Zweitausend Taler hierfür angewandt, würden genügend sein, um den Bedarf an Fußzeug für die ganze Zeit der Gefangenschaft zu befriedigen und Hunderte von jungen Leuten vor ewigem Siechtum zu bewahren. Dies von körperlicher Seite; denn sonst fand ich die Franzosen in guten Verhältnissen wohl untergebracht und sehr zufrieden.
Was dagegen ihr geistiges Wohl anbetrifft, so ist gewiß zu beklagen, daß bei einer Mannschaft von so vielen Tausenden, unter denen doch auch schwere Krankheit herrscht und der Tod seine Ernte hält, kein Geistlicher, weder für die Protestanten, noch für die Katholiken, fungiert.
Es gibt an vielen Stellen in Preußen einen solchen Überschuß von Geistlichen; sollte denn da nicht für die armen Kriegsgefangenen einer übrig sein?
Mir scheint, dieselben bedürfen mehr des Zuspruchs, als der ruhige Bürger im ungestörten Lauf seiner süßen Gewohnheit des Daseins.
Das Einvernehmen zwischen den Preußischen Soldaten und Behörden einerseits und den Gefangenen andererseits scheint ein vortreffliches. Die Gefangenen werden wegen ihres musterhaften Betragens allgemein gelobt. Ich selbst fand in Gesprächen mit ihnen verständige und richtige Würdigung ihrer Lage; sie sind gehorsam, durchaus nicht meuterisch, harmlos und zufrieden, höflich und zuvorkommend und reinlich in einem Maße, wie man bei der mangelhaften Bekleidung und dem störenden Wetter kaum hätte erwarten sollen.
Möchten die Militärbehörden es nicht übel deuten, daß ein unbefangener Beobachter das unbedingte Bedürfnis nach Fußzeug und das wahrscheinlich obwaltende Bedürfnis nach geistlichem Zuspruch hervorgehoben hat, und möchten sie, wenn irgend tunlich, denselben so abhelfen, wie sie als Gefangene in Feindesland sich selbst versorgt zu sehen wünschen müßten."

Das Garnisonskommando in Itzehoe forderte die Gewerbetreibenden der Umgegend auf, die handwerklichen Fähigkeiten der Kriegsgefangenen zu nutzen. Denkbar wären manuelle Tätigkeiten, die innerhalb des Lagers, gegen eine an das Kommando zu zahlende Pauschale oder gegen Stücklohn, durchgeführt werden könnten.

In den so genannten "respektiven" Zeitungen der Umgegend veröffentlichte der Baumeister des Barackenlagers, J.H. Hagenah, am 16.Februar eine Anzeige, in welcher er Personen und Firmen, die noch Forderungen an ihn oder Zimmermeister Hahn oder Tischlermeister Hahn oder Maurermeister Hagelberg hätten, ersucht, sich möglichst bald bei im "Hotel du Nord" in Itzehoe zu melden.

Während der ersten Zeit der Internierung der französischen Kriegsgefangenen durfte das Lager nur vom Wachpersonal und besonders ermächtigten Personen betreten werden. Alle anderen, die Einlaß begehrten, bedurften einer besonderen Erlaubnis, die von der Itzehoer Garnisonsverwaltung nach Prüfung der eingereichten Unterlagen ausgestellt wurde. Nach vierzehn Tagen änderte sich die Einstellung und die Posten ließen jeden "anständig gekleideten Menschen" in das Lager hinein. Von dieser Regelung machte die Bevölkerung ausgiebig Gebrauch, weil Gerüchte aufgekommen waren, daß die Kriegsgefangenen bald wieder das Lager verlassen würden. An Wochenenden wimmelte es auf den Landstraßen von Fußgängern, der Wagenverkehr war so stark, daß bei gutem Wetter am Lagereingang bis zu einhundert Wagen abgestellt waren. Die Besucher waren neugierig zu sehen, wie die Gefangenen "gehalten" und sie sich benehmen würden. Über das Verhalten der Franzosen gab es, von Anfangsschwierigkeiten abgesehen, keinerlei Probleme. Der von den Besuchern angestellte Vergleich zwischen deutschen und französischen Soldaten fiel zu Ungunsten der Franzosen aus. Verglichen wurden Statur, Haltung und Bekleidung was natürlich unter den Umständen nicht zu einem anderen Ergebnis führen konnte. Die Gefangenen gingen in der Mehrzahl keiner Beschäftigung nach und so lungerten die Gefangenen herum. Einige der Gefangenen boten Schnitzereien zum Verkauf an. In der ersten Zeit waren keine gefährlichen Krankheiten im Lager ausgebrochen, dennoch verstarben 65 Franzosen im Lager, die außerhalb desselben beerdigt wurden. Das Garnisonsbauamt Altona hatte, nachdem der erste Kriegsgefangene gestorben war, in aller Eile eine Totenhalle und eine zusätzliche Lazarettbaracke bauen lassen.

Am 19.Februar 1871 verlegte die 3.Ersatzbatterie Fußartillerieregiment Nr.9, die am 21.Januar in den Dorfschaften einquartiert worden war, um die Bewachung der französischen Gefangenen im Lockstedter Lager zu unterstützen, wieder nach Itzehoe zurück, ein Beweis dafür, daß ihre Mission im Lager beendet war.

Bekanntmachung.

Reinigung der Schornsteine und Ofenröhren in den Baracken des Lagers in der Lockstedter Haide soll im Wege der Submission an den Wenigstfordernden vergeben werden, und ist dieserhalb ein Termin auf Freitag, den 10. März, Vormittags 9 Uhr in unserm Geschäftslokale, woselbst auch die Bedingungen zur Einsicht ausliegen, anberaumt worden. Desfallige Reflektanten wollten ihre Offerten mit der Aufschrift: "Offerte zur Schornsteinreinigung" zum gedachten Termine bei uns einzureichen.
Barackenlager in der Lockstedter Haide, den 5.März 1871
Königliche Lagerverwaltung
von Frisch.


Zur Versorgung der Lageradministration, der Soldaten der Lagerbewachung und der Kriegsgefangenen mit Brief- oder Paketpost wurde im März im Gebäude der Lager Verwaltung eine temporäre Poststelle eingerichtet. Die Poststelle wurde über die Postverwaltung Kellinghusen versorgt. Das gesamte Postgut ging täglich um 14:00 Uhr von Kellinghusen zum Lager ab. Um 15:00 Uhr wurde Post aus dem Lager nach Kellinghusen befördert und von dort mit einem Fuhrwerk zum Bahnhof nach Wrist transportiert, wo sie der Bahnpost übergeben wurde. Für rein militärische Belange war eine Telegraphieleitung an das bestehende militärische Telegraphienetz angeschlossen worden. Den Telegraphisten, Soldaten der am 14.06.1871 aufgelösten Feld Telegraphen Abteilung Nr.7 des Pionier Bataillon Nr.10, stand ein gesonderter Raum in der Lager Verwaltung zur Verfügung, wo sie offene und eingestufte Depeschen in Empfang nehmen konnten.

Schornsteinfegermeister J.Schlag aus Itzehoe hat den Zuschlag für die Reinigung der Schornsteine und Ofenrohre erhalten. Um den Auftrag ordnungsgemäß zu bewältigen suchte er zum sofortigen Eintritt einen Schornsteinfegergesellen.

Bekanntmachung.

Bei der demnächst bevorstehenden Auflösung des Lagers in der Lockstedter Haide soll das in Säcken befindliche Lagerstroh, in mehrere Partien geteilt, im Wege der Licitation öffentlich an die Meistbietenden versteigert werden und ist hierzu ein Termin auf Freitag, den 24. März, Morgens 9 Uhr, in unserm Büro anberaumt worden, woselbst auch die Bedingungen zur Einsicht ausliegen.
Barackenlager in der Lockstedter Haide, den 20.März 1871
Königliche Lagerverwaltung.

Die Königliche Provinzial Intendantur des IX.Armeekorps schrieb erneut die Lieferung von Brennmaterialien aus. Die Ausschreibung erfolgte am 24.März, die Lieferung mußte bereits am 25.April abgeschlossen sein. Die Ausschreibung umfaßte: zirka 1.000 große Hamburgische Tonnen Föderkohlen aus den besten Gruben Schottlands, Englands, Westfalens oder Oberschlesiens, zirka 40 Klafter a 108 Kubikfuß (gleich zirka 60 Faden a 72 Kubikfuß) Weichholz oder zirka 27 Klafter (gleich zirka 40 Faden a 72 Kubikfuß) Hartholz. Sollte mehr oder weniger als dieses Quantum gebraucht werden, so hat der Lieferant keinen Anspruch auf Lieferung des vorstehenden Quantums, eventuell auch den Bedarf entsprechend mehr, als hier angegeben, zu liefern. Das Holz soll trockenes, gutes Klobenholz sein; in den Offerten ist die Holzart namhaft zu machen. Sollte das harte Holz im Vergleich zur Heizkraft des Weichholzes das billigere sein, wird auf ersteres der Zuschlag erteilt werden.

Des Kaisers Geburtstag wurde im Barackenlager in angemessener Weise gefeiert. Der Kommandant des Lagers hielt mit den drei zur Bewachung der Gefangenen kommandierten Kompanien eine Parade ab. Das Abholen und Anbringen der Fahne, die Paradeaufstellung der Truppen und der Vorbeimarsch in Zügen, machten nicht nur auf die gefangenen Franzosen einen tiefen Eindruck. Die gewohnte Geschäftigkeit verschwand und in tiefer Stille folgten Zuschauer und Gefangene der Ansprache des Lagerkommandanten, die mit einem begeisterten Hurra auf das Wohl des hochverehrten Kaisers und Kriegsherrn schloß. Das Bild, welches die militärische Feier den fast 5.000 Gefangenen in ihren verschiedenartigen Uniformen als Zuschauer bot, war für sie total ungewohnt. Nach der Parade sah man verschiedene Gruppen von Wachsoldaten im Heidekraut lagern, "welche um ein volles Faß von dem zur Feier des Tages in reichlicher Menge gelieferten Bier und den lustigen Weisen der Militärmusik lauschten. In dem geschmackvoll dekorierten Kasino versammelte sich das Offizierskorps zum frohen Festmahle, das mit einer Beleuchtung des Lagers durch Bengalische Flammen endete".

Am 29.März 1871 waren die Vorbereitungen für den Abtransport der Kriegsgefangenen nicht mehr zu übersehen. Vor Brockdorf waren fünf größere französische Kriegsschiffe eingetroffen, welche die Gefangenen nach Frankreich zurückbringen sollten. Am 30. und 31.März sind gegen 4.000 französische Gefangene aus Schleswig und Rendsburg sofort nach ihrem Eintreffen in Glückstadt eingeschifft worden. Sie wurden von größeren französischen Transportdampfern aufgenommen, welche sich am Ende im Hafen unmittelbar an die Mole gelegt hatten. "Besonders am 30. Morgens bot die Einschiffung, vom herrlichen Wetter begünstigt, einen schönen belebten Anblick dar und hatte viele Zuschauer an den Hafen gelockt, in welchem sich mehrere, den Verkehr mit dem Geschwader vermittelnde französische Dampfjollen hin und her bewegten, während deutscherseits einige bewaffnete Barkassen selbst in Tätigkeit waren. Zur Überwachung der Einschiffung liegt der "Kronprinz" schon seit längerer Zeit im Fahrwasser unter Krautsand, während das Kanonenboot "Blitz" vorgestern unmittelbar vor dem Hafen vor Anker gegangen ist, die militärische Kontrolle derselben zu Lande wird von einigen Kompanien des 36.Landwehr Bataillons, welche zur Verstärkung unserer Garnison eingerückt ist, ausgeführt."

Am 29.März gastierte das Musikkorps des Hamburger Besatzungs Bataillons Nr.76 wieder in Kellinghusen in der Turnhalle. Auch zu diesem Konzert war der Eintritt frei.
♦ Anmerkung:
Sehr viele Kapellmeister des Militärs waren im Besitz eines Gewerbescheines, dadurch konnten sie mit ihrem Musikkorps gegen Entgelt in der Freizeit der Soldaten auftreten. In späteren Jahren waren die angesagten Lokale in Itzehoe das Freudenthal, Lübscher Brunnen, Amönenhöhe und Eichtal. Daneben gastierten die Fußartilleristen vorwiegend bei Paulsen in Heiligenstedten bei Itzehoe.

Am 01.April verließen 1.640 Kriegsgefangene das Lockstedter Lager in zwei Kolonnen. Eine Kolonne in Stärke von 820 Mann marschierte am Vormittag in geschlossener Ordnung zum Itzehoer Bahnhof, von wo sie mit einem Sonderzug nach Glückstadt befördert wurden. Die zweite Kolonne in gleicher Stärke und Formation folgte am Nachmittag mit gleichem Ziel. Die Begleitmannschaften kehrten erst am Nachmittag des 02.April aus Glückstadt zurück, da die Gefangenen wegen des Sturmes erst am 02.April an Bord der Schiffe gebracht werden konnten und bis dahin im Glückstädter Provianthause untergebracht gewesen waren.
Kommentar:
"Die Leute sahen durchgehends entschieden wohlgenährt aus und machten im Ganzen einen weniger bemitleidenswerthen Eindruck, als bei ihrem Eintreffen im Lager; die dortige Koste und das Stilleben scheinen nicht ohne wohlthätigen Einfluß geblieben zu sein. Der Gesundheitszustand soll auch anhaltend ein erfreulich günstiger sein; die Zahl der Gestorbenen beträgt bis jetzt 32, was bei einer auf dem verhältnismäßig kleinen Raum zusammenwohnenden Masse von bis 5.000 Menschen in dem Zeitraum von ungefähr einem Vierteljahr nicht ungünstig genannt werden dürfte."

Erdarbeiter.

Hiesige solide, fleißige Erdarbeiter finden lohnende Beschäftigung im Barackenlager zur Lockstedter Haide. Reflektanten wollen sich bei dem Schachtmeister Hansen in der Lockstedter Haide melden.


Die nächsten Gefangenentransporte fanden am 04.April statt. Wieder waren in Itzehoe auf dem Bahnhof zwei Extrazüge bereitgestellt worden, um insgesamt 1.860 Mann in zwei Wellen nach Glückstadt, zur dortigen Einschiffung, zu bringen. Der größte Einzeltransport mit 1.000 Mann wurde am 05.April durchgeführt und schloß damit die Rückverlegung nach Frankreich eigentlich ab. Im Lager selbst waren noch etwa 280 Kranke Gefangene, von denen 198 am 08.April nach Glückstadt zum Truppentransporter gebracht wurden. Die restlichen 82 schwerkranken Franzosen sollten bis zur festgestellten Transportfähigkeit im Lazarett des Lagers gepflegt werden.

Zeitungsberichte über den Abtransport der Kriegsgefangenen:
"21.04.1871
Vor Brockdorf bis nach Hollernwettern hin liegen seit einiger Zeit jetzt zirka zwanzig große und kleinere französische Schiffe, dreimastige und zweimastige, mit einem und zwei Schornsteinen versehene, welche die Gefangenen, die in kleinen Dampfschiffen von Glückstadt kommen, auf der Elbe an Bord nehmen und nach Frankreich bringen. Wer auf dem Elbdeich geht, das Hannoversche Land auf der einen, das Holsteinische auf der anderen Seite habend, und die französischen Schiffe, zwischen welchen hindurch die auf- und niedergehenden, großen und kleinen Kauffahrteifahrer segeln, in einer Linie liegen sieht, genießt einen imposanten Anblick, hat ein Bild, wert, von Photographen aufgenommen zu werden.

25.04.1871
Das französische Geschwader, welches in einer Stärke von 17 größeren Schiffen vor Brockdorf gelegen hat, ist nunmehr in See gegangen, ohne Gefangene aufgenommen zu haben. Aus welchem Grunde die Auslieferung solcher abgebrochen worden, ist hier nicht bekannt; man weiß nur, daß französischerseits um eine Fortsetzung derselben längere Zeit unterhandelt wurde. In Glückstadt selbst sind schon seit Wochen keine französischen Gefangenen eingeschifft worden; der "Kronprinz" und das Kanonenboot "Blitz" ankern jedoch noch an nämlicher Stelle und haben, wie wir vernehmen, bis jetzt keine Ordre erhalten, die Elbe zu verlassen.

Kaffee Ball

Einem auswärtigen Publicum die ganz ergebene Anzeige, daß bei dem Unterzeichneten am Freitage, den 5.Mai d.J., Kaffee Ball Statt finden wird. Das Ball Local (2 große, geheizte Zelte) ist belegen am Elbdeich, gerade gegenüber der Französischen Flotte, so daß sich zugleich Gelegenheit bietet, diese bequem in Augenschein zu nehmen. Entree 10 Groschen wofür Kaffee und Backwerk.
Hollernwettern, pr. Wewelsfleth
Claus Bielenberg

Aus Altona wurde berichtet, daß in der ersten Woche des Juni wieder bedeutende Transporte französischer Kriegsgefangenen (man nannte die Zahl von 50.000) aus Ostpreußen kommen sollten, um in Glückstadt eingeschifft zu werden. Diese Nachricht wurde mit Erstaunen in Glückstadt aufgenommen, da man bis Dato noch nicht über eine erneute Einschiffungsaktion unterrichtet wurde.

Nach dem Abzug der Kriegsgefangenen wurde unverzüglich mit der Wiederherrichtung des Lagers begonnen. Zitat aus der Zeitung vom 04.April 1871: "In dem Barackenlager beginnt man bereits mit dem Umbau der Gebäude, die, ursprünglich zu Pferdeställen bestimmt, zur Aufnahme von Gefangenen interimistisch hergerichtet waren, zu ihrem ausgesprochenen Zweck, welche Veränderungen möglichst rasch beschafft werden sollen". Die kürzlich überarbeitete Garnisons-Gebäudeordnung ersetzte beim Umbau des Lagers die Vorschrift aus dem Jahre 1842 teilweise und gestand nun dem einzelnen zukünftig hier unterzubringendem Mann eine Grundfläche von 4,5 qm zu.

Während der Anwesenheit der Kriegsgefangenen hatte sich im Gefangenenbereich eine Pockenepedemie ausgebreitet. An der Seuche starben 65 französische Kriegsgefangene und 1 deutscher Krankenwärter. Die Toten wurden an der Gravelotte Straße auf dem Franzosenfriedhof beerdigt.

Das Wachkommando vom Landwehrregiment Nr.76 trat am 10.April 1871, nach beinahe zwei Monaten Wachdienst im Lager, den Rückmarsch in den Friedensstandort Hamburg an. Ein stark reduziertes Kommando des Infanterieregiments Nr.85 hatte sie abgelöst und bewachte jetzt das Lager.


(Die erste mir bekannte Fotografie, die Herrn Vahlendick zuzuordnen ist, stammt aus dem Jahre 1875.)


Ein kleiner schwarzer Hund, wachtelartig, langhaarig, gezeichnet: der linke Vorderfuß weiß, weiße Brust, ist mir am Freitage abhanden gekommen. Der Wiederbringer oder Entdecker des Hundes erhält eine gute Belohnung.
E.Förster, Barackenlager bei Kellinghusen.


Die Planungen des IX.Armeekorps waren zeitlich in Verzug geraten, eine Nutzung des Artillerieschießplatzes schien für das laufende Jahr wenig wahrscheinlich. Erst im Juni waren die Umbauten und Änderungen an den Gebäuden soweit fortgeschritten, daß die Umarbeitung und Erneuerung der hölzernen Bettstellen öffentlich ausgeschrieben werden konnten.

"Am Morgen des 05.August gegen 04:00 Uhr rückte die in Neustrelitz garnisonirende 6. schwere Batterie des Schleswig-Holsteinischen Feldartillerie-Regiments Nr.9 unter Führung des Premier-Lieutenants Köhler aus, um sich bei den in Loher Heide bei Rendsburg abzuhaltenden Schießübungen zu behelligen. Dieselbe nahm den Weg über Mirow, Röbel, Plau, Granzin, Crivitz und Schwerin, vereinigt sich am letztgenannten Orte mit der dortigen Artillerie-Abteilung und trat von dort den Weitermarsch zur Loher Heide an."

In Itzehoe waren 2 Batterien des Schleswig-Holsteinischen Artillerieregiments Nr.9 aus Stade in der Nacht vom 17.August zum 18.August einquartiert. Am 18. wurde der Marsch zur Loher Heide fortgesetzt, dort sollten die jährlichen Schießübungen stattfinden. Das Artillerieregiment war das letzte, das die Loher Heide nutzte, danach wurde der Schießplatz aufgegeben.

Zwei ausgezeichnete Webstühle mit vollem Gerät, Rahmen, Trog und etwas Drellgerät bot Carl Musfeldt aus Ridders zum Kauf an. Daneben würde er gern eine Drechselbank und einen großen, eichenen Koffer mit einem eisernen Beschlag unter der Hand verkaufen.

Die vor zirka vier Wochen in Itzehoe einquartierten 2 Batterien des Schleswig-Holsteinischen Artillerieregiments Nr.9 kehrten nach Beendigung der Schießübungen auf der Loher Heide am 07.September zurück, hatten am Freitag einen Rasttag und marschierten am 09.September weiter nach Glückstadt, von wo aus sie über die Elbe transportiert wurden.

Am Donnerstag, den 26.Oktober wurde das Ende des Schießplatzes Loher Heide besiegelt. An diesem Tage wurde die gesamte Installation in einzelnen Tranchen versteigert. Angeboten wurden: Gebäude, Mauersteine, Kreuzhölzer, Bretter, Fenster, Türen,eiserne Öfen, Knüppelholz und altes Strauchwerk. Bei der Auktion wurde alles, was angeboten wurde, verkauft. Die Maßgabe war, daß sämtliches ersteigertes Gut bis zum 15.November fortgeschafft sein mußte. Dieser Termin wurde eingehalten, es erinnerte außer ein paar Feuerstellungen und Schanzen nichts mehr an den Schießplatz.

Wegen der Instandsetzung der Itzehoer-Kieler Nebenlandstraße im Bereich des Klosters Itzehoe wurde die Wegstrecke auf den Feldmarken Springhoe und Lockstedt für den durchgehenden Fracht- und Lastverkehr für längere Zeit gesperrt. Als Umleitung wurde diesem Verkehr die Chaussee von Itzehoe nach Hohenwestedt, sowie der von Hohenwestedt über Heinkenborstel nach Nortorf führende Nebenweg zur Benutzung anheim gestellt.

Das Lockstedter Lager wäre, das ist ganz sicher, auch gebaut worden wenn der Krieg 1870/1871 nicht stattgefunden hätte. Es ist anzumerken, daß in diesem Krieg nicht nur für die preußische Artillerie eine kleine Revolution stattgefunden hatte, der Krieg 1870/71 war der letzte "Schwarzpulverkrieg".


1872

Zu Beginn des Jahres verkaufte die Forstverwaltung der Herrschaft Breitenburg zirka 200 Raummeter Erlen- und Birkenkloben, dazu eine erhebliche Menge Knüppel, sowie 3.000 Faschinen. Beim Gastwirt Dierks in Neuenkrug fanden sich beinahe 50 Interessenten ein.
♦ Anmerkung:
Die Durchforstung des Bückener Bruchs, südlich von (Alt)Bücken aber nördlich des Lohmühlenteiches, war ein Nebenschauplatz der von der Herrschaft Breitenburg durchgeführten Aufforstung des Ridderser Holzes, heute Holsteiner Wald, in der Zeit von 1871 bis 1879.

Im Februar wurden in der Nähe des Barackenlagers meistbietend verkauft: Balken, Sparren, Schwerter, Latten, eine Quantität Buchen, Fadenholz und zirka 100 Klassen Busch, zu Faschinen tauglich.

Gesellschaft anläßlich Kaisers Geburtstag am 22.März 1872 (Kaiser Wilhelm I.)

Der Kommandierende General des IX.Armeekorps, General von Manstein besuchte am 29.Mai 1872 das Lockstedter Lager zwecks einer eingehenden Besichtigung und Befundung. Seine Inspektion galt der Überprüfung und Feststellung ob das Lager bereits in diesem Jahr zur Aufnahme größerer Artillerieabteilungen, welche die Durchführung von Schießvorhaben planten, geeignet war.

In Bezug auf die obige Anzeige, Vermerk in den Unterlagen des Kreises Steinburg. (SHLA Abt.320 Nr.3920)
"Hans Gloy am Barackenlager bei Bücken, Konzessions Erteilung am 22.Juni 1872.
Hans Gloy hat sein am Barackenlager bei Bücken, Gemeinde Lohbarbek, belegenes Wirtshaus an Georg Schütt verkauft, letzterem ist unterm 20.August d.J. mit Rücksicht darauf, daß die vorgeschriebenen Lokalitäten vorhanden sind, die Erlaubnis zur Betreibung einer Gastwirtschaft erteilt."

Am 26.Juni 1872 begann die Aera der Artillerieschießen auf der 1.600 m langen und 1.000 m breiten, handtuchartigen Schießbahn. Zum Schießen der 9.Artilleriebrigade kamen am 25.Juni das Feldartillerieregiment Nr.9 mit 4 Batterien und das Fußartillerieregiment Nr.2 Die I.Abteilung Fußartillerieregiment Nr.2 kam aus Swinemünde, die II.Abteilung aus Sonderburg. Der Großherzog von Mecklenburg und der Generalquartiermeister von Podbielski erreichten am 17.Juli das Lager um ihre vorher angekündigte Inspektion durchzuführen, sie blieben bis zum 19.Juli. Das große Regimentsmanöver fand am 23.Juli statt, am 27.Juli ein Nachtmanöver und am 30.Juli der Höhepunkt, ein abschließendes Feldmanöver. Planmäßiger Abmarsch der Truppen aus dem Lager am 31.Juli. Während des Aufenthaltes der Feldartillerie war es mehrfach zu kleineren Heidebränden gekommen, die durch die übende Truppe verursacht worden waren. Die Königliche Lager Verwaltung ordnete daraufhin als Vorsichtsmaßnahme an, daß beim Schießen eine von der schießenden Truppe zu stellende Feuerlöschmannschaft auf der Schießbahn in Bereitschaft zu halten sei. Daneben hatten die im Kasernement anwesenden Einheiten pro Einheit eine Brandwache, unter Führung eines Unteroffiziers/Oberjägers, zu stellen. Löschhilfsmittel wie Wassereimer, Haken, Feuerpatschen, Schaufeln, Äxte etc. wurden in der Nähe der Unterkünfte in einem Gerätehalter bereitgehalten. Auslösung des Feueralarms erfolgte durch das Hornsignal eines Feuerhorns und/oder den Ruf "Feuer". Der Offizier vom Kasernement hatte die Löscharbeiten solange zu leiten, bis der für die Feuerbekämpfung verantwortliche Pionier Offizier der Garnisonsverwaltung / Kommandantur an der Brandstelle eingetroffen war.
Bei der Garnisonsverwaltung in Itzehoe häuften sich die Anfragen von Händlern ob sie mit der übenden Truppe direkt Lieferverträge abschließen dürften. Daraufhin veröffentlichte Die Magazinverwaltung nachfolgenden Text: "Um irrigen Ansichten entgegenzutreten, sieht sich die Verwaltung veranlaßt, zu erklären, daß eine direkte Lieferung von Fourage-Artikeln an die in der Zeit vom 25.Juni bis Ende Juli im Barackenlager in der Lockstedter Heide zu konzentrierenden Truppen der gesamten 9.Artilleriebrigade nicht stattfinden kann, Interessenten sich vielmehr einzig und allein an die unterzeichnete Königliche Verwaltung in dieser Angelegenheit zu wenden haben.
Für die Königliche Militair-Magazin-Verwaltung.
Mewes."

Der Divisionspfarrer Fintrup, stationiert in Altona, war von Frankreich ersucht worden, sich bei den deutschen Behörden für die Errichtung von Denkmälern für die in deutscher Gefangenschaft verstorbenen Französischen Krieger einzusetzen. Der Pfarrer nahm bald darauf Kontakt zu den Bildhauern Herrn J.Klein (für Altona), Herrn P.Seifert (für Lockstedter Lager) und H.Zander (für Rendsburg) auf.

Unfallbericht mit öffentlicher Diskussion in den örtlichen Gazetten etc.

Beim recht bescheidenen Kasino waren am 28.Juli 1872 die Soldaten des Feldartillerieregiments Nr.9 angetreten um der Enthüllung des Denkmales für die im Krieg gefallenen 113 Soldaten des Regiments beizuwohnen. Nach einer ergreifenden Rede des Kommandeurs und dem durch die Musik begleiteten Lied "Heil dir dem Siegerkranz" wurde das Denkmal enthüllt. Die Offiziere versammelten sich anschließend im Kasino, die anderen Soldaten marschierten nach Itzehoe zurück, wo sie anschließend von weiteren Dienstverrichtungen befreit waren. Im August berichtete eine Zeitungsnotiz über den Vorgang.

03.August
"Am 28.Juli wurde im Lockstedter Lager das Denkmal enthüllt, welches das Artillerieregiment Nr.9 seinen im Feldzuge von 1870-71 gefallenen Kameraden errichtet hat. Die Zahl dieser beträgt 10 Offiziere, 12 Unteroffiziere und 91 Mann. Das Denkmal ist in Hamburg angefertigt. Die Teilnahme von Zivilpersonen an der Feierlichkeit scheint nicht gewünscht worden zu sein; in Itzehoe wenigstens war von der bevorstehenden Festlichkeit nichts bekannt gegeben worden."


Am gleichen Abend war für die übende Artillerie Truppe ein Nachtmanöver angesetzt. Diese Nachricht hatte sich in der Gegend wie ein Lauffeuer verbreitet und eine wahre Völkerwanderung der Neugierigen ausgelöst. In einer Regionalzeitung wurde der Vorgang folgendermaßen beschrieben: "Groß und Klein, zu Fuß und zu Wagen aller Art, Möbel-, Arbeits- und Blockwagen nicht ausgeschlossen, wanderte man, trotz der großen Hitze, hinaus um - in der Nacht ziemlich unbefriedigt zurückzukommen, denn nicht der geringste Teil der Schaulustigen hatte sich einen ganz anderen Begriff vom Manöver, bestehend im Bombardement einer Schanze, gemacht, wovon bei der weiten Entfernung (noch reichlich eine Stunde hinter dem eigentlichen Lager) nur die Beleuchtung des Terrains durch die Leuchtkugeln und Raketen ein Interesse darbot."

Nachdem die Artillerie-Schießübungen in der Lockstedter Heide Ende Juli ihr Ende erreicht haben, trat die III. Mecklenburgische Fuß-Abteilung des Schleswig-Holsteinischen Feld-Artillerie-Regiments Nr.9 am 01.August den Rückmarsch nach Schwerin an. Am 05.August wurden einige Batterien in Schönberg für einen Tag einquartiert, für den 07.August war die Ankunft in Schwerin angekündigt. Die Strelitzer Batterie blieb dann acht Tage in Schwerin im Quartier, um später gemeinschaftlich mit den Schweriner Batterien zum Manöver auszurücken.

Das vom Steinmetzen P.Seifert in Altona für die beim Lockstedter Lager ruhenden 65 Französischen Kriegsgefangenen angefertigte Grabdenkmal wurde am 12.August dorthin befördert. Es besteht aus einem Sockel von 6 Fuß Höhe und einem Kreuze von 4 Fuß. Alle Sockel tragen folgende, von einem Französischen Komitee, das die Herstellung der Denkmäler in Altona, im Lockstedter Lager und Rendsburg bezahlt hatte, angegebenen drei Inschriften in goldenen Buchstaben:

A la Mémoire des Soldats francais décédés en 1870-71
- R.I.P. Et nunc meliorem patriam appetunt, Hebr. 11,15.-
Erigé par leurs compatriotes

(Deutsch: Dem Andenken der in den Jahren 1870 und 1871 verstorbenen Französischen Soldaten)
("Requiescant In Pace" - Deutsch: Sie ruhen in Frieden. Und nun begehren sie des besseren Vaterlandes)
(Errichtet von ihren Landsleuten)

Ein Bauer aus Lockstedt konnte sich nicht damit abfinden, daß ihm, durch die Festlegung und Abgrenzung der Schießbahn, der Zutritt zu seinen Fluren verwehrt wurde. Am 05.August wurde der Bauer von einer militärischen Streife dabei angetroffen, wie er mit einem Fuhrwerk in das Schießgebiet fahren wollte. Er wurde festgenommen und der Wache im Lager übergeben, diese hielt ihn eine Nacht lang in Gewahrsam und sollte ihn dann, zur Polizeidienststelle in Pinneberg bringen. Was daraus geworden ist, stand später in den "Altonaer Nachrichten" zu lesen:
"Am 06.August erregte der Transport eines einfachen Landbewohners durch drei Soldaten durch Altona großes Aufsehen. Man vermutete allgemein, daß ein gefährlicher Staatsverbrecher abgeführt würde. Schließlich stellte es sich aber heraus, daß der zum Polizeirevier beförderte sich noch nicht daran gewöhnen konnte, daß der Zugang zu den heimatlichen Feldern und Fluren durch das Militär abgesperrt wurde; er hatte den um die Feldmark Lockstedt gezogenen Kordon durchbrochen und war dafür, anstatt nach Pinneberg, wo die vorgesetzte Dienststelle des Lockstedter Polizeireviers war, nach Altona transportiert worden. Nachdem der Landmann gehörig die Leviten gelesen hatte, hat man ihn mit einem Verweis entlassen."

Am 17.August konnte die Ablösung des Lager Bewachungskommandos als abgeschlossen gemeldet werden. Die Artillerie räumte das Lager vollständig und übergab das Lager an das Vorkommando der Infanterie. Aus der Garnison Altona rückte das 1.Thüringische Infanterieregiment Nr.31 am 23.August in Richtung Lockstedter Lager ab, wo es am Montag 25.August eintraf. Aus Kiel und Rendsburg kommend bezogen am gleichen Tag die Bataillone des Schleswig-Holsteinischen Infanterieregiments Nr.85 die Unterkünfte. Beide Regimenter exerzierten hier getrennt bis zum 02.September, danach verlegten sie in die Gegend von Kellinghusen, um ein Brigadeexerzieren durchzuführen. Das den Aufenthalt abschließende, drei Tage dauernde Brigademanöver wurde vom 11. bis 13.September unter der Führung des künftigen Kommandierenden General des IX.Armeekorps General Hermann von Treskow durchgeführt. An dem Manöver nahmen 6 Bataillone, 5 Eskadrons, 3 Batterien und zwei weitere aus Rendsburg hinzugekommene Batterien teil. Die (warmen) Strohsäcke der Vorgänger übernehmen am 02.September die beiden Regimenter der 35.Infanteriebrigade, Nr.84 und Nr.86. Ihr Aufenthalt zusammen mit dem Husarenregiment Nr.16 aus Schleswig dauert bis zum 07.September, darauf folgt ein Brigadeexerzieren im Raum Itzehoe.

Während dieser Zeit sollen sich die Rendsburger Infanteristen folgende Geschichte erzählt haben:
"Die katholischen Soldaten unserer Garnison sind von den Feldwebeln befragt worden, ob sie alt- oder neukatholisch seien. Im ersteren Falle, so sei ihnen angedeutet worden, würden sie fortan nicht mehr zum Militärgottesdienst kommandiert werden. Da soll, so wurde erzählt, eine ganze Kompanie des Infanterieregiments erklärt haben - wir sind alle altkatholisch."

Die Planung für das Manöver der Truppen sah wie folgt aus: am 09.September wird der Angriff aus der Richtung Itzehoe auf Mühlenbarbek exerziert, am 10.September von Aufklärung und Annäherung von Winseldorf aus nach Kellinghusen, am 11.September Manöver von Kellinghusen nach Ridders und am letzten Tag von Looft über Ridders nach Mühlenbarbek.


"Bekanntmachung betreffend die Herbstübungen der Königlichen 18.Division.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 27.Juli diese Jahres wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die größeren Manöver im und um das Gebiet des Lockstedter Lagers stattfinden.
Um so weit tunlich eine Schonung der alsdann noch mit Korn bestellten Äcker, auf deren Bezirk sich die Manöver erstrecken werden, zu ermöglichen, werden die Betreffenden hierdurch aufgefordert, solche Äcker rechtzeitig und deutlich mit Strohwiepen zu bezeichnen, auch an den Manövertagen das Vieh von den Koppeln entfernt zu halten.
Behufs Abschätzung der durch die Truppenübungen etwa bewirkten Flurschädigungen werden die Betreffenden aufgefordert, solche unverzüglich bei mir zur Anzeige zu bringen. Wie für diese eine Entschädigung nach Recht und Billigkeit, und zwar binnen ganz kurzer Frist zu gewärtigen ist, so werden andererseits Diejenigen, von welchen die Anmeldungen versäumt oder verspätet oder von welchen wider Erwarten unbegründete oder übertriebene Ansprüche erhoben werden sollten, die damit leicht verbundenen nachteiligen Folgen sich selbst beizummessen haben.
Itzehoe, den 4.September 1872
Der Königl. Landrat E. von Harbou"

Der Bericht eines Bürgers aus Kellinghusen:
"An das Bild militärischen Lebens, das trotz der Nähe des Lockstedter Barackenlagers während der Zeit von Ende Juni bis Ende Juli uns nur teilweise vorgeführt wurde, hat sich, nachdem die Artillerie das Lager verlassen, rasch ein zweites, wirksameres gereiht. Am 09. September wurden in Kellinghusen wie in seinen Vororten Overndorf und Vorbrügge Teile der zu den Septembermanövern bestimmten Infanterie und Artillerie einquartiert. Tags darauf verließen gegen 7 Uhr morgens die einzelnen in den Ortschaften, wie auch Mühlenbarbek, Rensing, Oeschebüttel und im Lager stationiert gewesenen Truppenabteilungen ihre Quartiere, um das für diesen Tag bestimmte Manöver auszuführen. Gegen 9 Uhr entspann sich an dem 1/3 Meile von Mühlenbarbek, dem Mittelpunkt der Operationen, gelegenen Dorfe Lohbarbek der fingierte Kampf. Die Einunddreißiger, deren Helme für die Entfernung durch kleine grüne Zweige kenntlich gemacht waren, hatten die Aufgabe, die von den Fünfundachtzigern besetzte Ortschaft zu nehmen. Nach hartnäckigem Gefecht, an dem sich auch Artillerie beteiligte, gaben letztere die Position auf und bald entwickelte sich auf der ganzen Linie zwischen Lohbarbek und Mühlenbarbek, unter teilweiser Mitwirkung der Kavallerie, auf ausgedehnterem Terrain der Kampf, der manchen für den Zuschauer interessanten Moment darbot. Die Fünfundachtziger von den Gegnern hart bedrängt, zogen sich auf Mühlenbarbek zurück, in der Absicht, diesen Ort zu halten. Als die Feinde ihre Vorposten bis hart an den Eingang des Dorfes vorgeschoben hatten, wurde der Kampf gegen 11 Uhr indessen plötzlich abgebrochen; ein Teil der Truppen bezog die angewiesenen Quartiere, einen anderen traf die Bestimmung, in Mühlenbarbek an dem daselbst befindlichen Hölzchen zu biwakieren. Am 11. wurden die Manöver in der Gegend von Neumühlen fortgesetzt."

Seit dem 17.September ist das Lager von der übenden Truppe geräumt. In Auftrag gegeben wurden von der Garnisonsverwaltung notwendige Reparaturarbeiten in Baracken und Ställen. In die Bauplanung war der Bau einer Musikmuschel beim Kasino und die Errichtung einer Generalsbaracke eingestellt worden.


Seit Tagen beherrschten heftige Schneestürme das Wetter. Der Höhepunkt war am 20.12.1872 erreicht, als die Straße zum Lockstedter Lager und nach Kellinghusen, aufgrund der mächtigen Schneeverwehungen, für Fuhrwerke nicht mehr passierbar war. Die Situation verbesserte sich erst ab dem 26.12. als sich Frachtfuhrwerke einen Weg ins Lager spurten.

"Da hat die Regierung in der Lockstedter Haide ein Lager errichtet, um dort Schießübungen und dergleichen betreiben zu lassen. Eine Zeitlang wurden dort auch französische Gefangene beherbergt und einem derselben gelang es, einer holsteinischen Jungfrau derart den Kopf zu verrücken, daß sie um Alles in der Welt nicht von ihm lassen wollte. Jetzt sind Beide ein Pärchen und er, der Franzmann, kredenzt den Soldaten im Lager, seinen früheren Gegnern im Felde, den Labetrank. Das Alles, und noch viel mehr, bringt die Liebe zu Stande."


1873

In diesem Jahr sollten die Bürger von Itzehoe und Umgebung häufig die Möglichkeit haben sich an den Militärkonzerten zu erbauen. Ein erster Kunstgenuß wurde dem Publikum vom I./Schleswig-Holsteinischen Infanterieregiment Nr.84 am 26.Januar im Hotel du Nord in Itzehoe angeboten. Unter der Leitung des Kapellmeisters Hugo trat die beliebte Streichmusik des Bataillons auf und bot ein auwahlreiches Programm, das Kunstkenner und Laien verzauberte.

Erklärung:
In den Jahren bis 1876 werden im Bereich des Kreises Steinburg Anzeigen von Gaststätten veröffentlicht, die Bezeichnungen wie: Mädchenbier, Knechtebier oder Johannisbier enthalten.
Mädchenbier: Ein Bier, das nur wenige Bitterstoffe enthält, es wurde mir beschrieben als dunkles Landbier.
Knechtebier: Wird beschrieben als dünnes Bier, wenig gehaltvoll - im Gegensatz dazu das kräftige "Herrenhausbier" einer ehemaligen Husumer Brauerei.
Johannisbier: Ein Bier das zu Johanni gebraut wurde und am 21. Juni aufgebraucht sein mußte.

Nicht immer waren Militärpersonen gern gesehen wie folgende Anzeige bestätigt, die im Februar erschien.


Das seit 1869 mit einer Schankerlaubnis ausgestattete, beliebte Ausflugslokal "Lohmühle" suchte in diesem Jahr zum erstenmal öffentlich nach einer Hilfskraft, die im "Hausstand behülflich" sein sollte.


Ein Einwohner aus Kellinghusen, der im jüngsten Krieg mit Frankreich Unteroffizier und mit einem eisernen Kreuz dekoriert war,hatte sich mit einem Schreiben an den General von Manstein gewandt und sich in dem Schriftstück über die Behandlung der Gemeinen auf dem Übungsplatz beschwert. Aufgrund des Schreibens ist eine Untersuchungskommission eingerichtet worden, die später berichtete, es seien keine Verstöße festzustellen gewesen.


Nach einer Zwischenstation in Altona verweilten sechs Büchsenmacher aus Spandau für drei Tage im Lager, um, nachdem eine Verkleinerung des Geschosses und Veränderungen an der Visiereinrichtung bei den Gewehren der Infanterie vorgenommen worden war, das Ergebnis vorzuführen. Bisher hatte das Zündnadelgewehr eine Reichweite von 1.200 Metern, durch die Veränderungen an der Patrone erhöhte sich die Reichweite auf 1.400 Meter.

Im März lief die Ausschreibung für die Lieferung des Jahresbedarfs des laufenden Jahres an so genannten Viktualien, Erleuchtungs-, Reinigungs- und Schreibmaterialien für das Lazarett.
A) Viktualien:   (Soweit nicht anders angegeben ist die Maßeinheit Pfund.  (Pfd))
     500 Flaschen Bier, 100 Pfd weiße Bohnen, 100 Pfd Butter, 100 Pfd Erbsen, 200 Stück Eier, 60 Pfd Fadennudeln, 80 Pfd      Weizengrieß, 40 Pfd mittlere Graupen, 80 Pfd Buchweizengrütze, 80 Pfd Hafergrütze, 10 Pfd Kaffee, 20 Zentner Kartoffeln, 80      Pfd Linsen, 1.000 Liter Milch, 80 Pfd Reis, 200 Pfd Salz, 200 Pfd Weizenmehl, 3.000 Pfd Brot, 1.000 Pfd Fleisch.
B) Erleuchtungsmaterialien:
     200 Pfd Öl, 30 Pfd Talglichte.
C) Reinigungsmaterialien:
     30 Pfd grüne Seife, 15 Pfd weiße Seife, 20 Pfd Soda, 3 Scheffel Sand, 200 Stück Reiserbesen.
D)Schreibmaterialien:
     2 Ries weißes Schreibpapier, 2 Ries Konzeptpapier, 4 Gros Schreibfedern, 30 Stück Bleistifte, 2 Liter Tinte, 2 Pfd Siegellack.

An welche(n), als Submittent anwesenden Unternehmer, die Ausschreibung ging, ist nicht überliefert worden.

Beim IX.Armeekorps war die Frage des Lagerkommandanten eingegangen, die zum Inhalt hatte, man möge ihm Auskunft erteilen ob es, wie er vernommen hätte, geplant sei, zu den Schießen der Infanterie, Frauen aus den Laboratorien der Garnisonen mitzunehmen, die hier im Lager, im behelfsmäßigen Laboratorium, Patronen anfertigen sollten, oder ob diese Tätigkeit von den Feuerwerkern übernommen werde.

Die Lagerverwaltung bot demjenigen, der den Dieb, welcher auf dem Schießplatz und den zugehörigen Hölzungen junge Bäume absäge oder schneide, um das Holz zur Anfertigung von Hand-(Gehstock) oder Schirmstöcken zu gebrauchen, namhaft mache, den erklecklichen Betrag von 12 Talern.

Das nächste Militärkonzert, ausgeführt vom Musikkorps der reitenden Artillerie aus Neumünster, fand am 27.April im "Lübscher Brunnen" statt. Beginn der Aufführung war 16:30 Uhr und kostete 4 Groschen pro Person. Ab 19:00 Uhr spielt dann das Musikkorps in der gleichen Lokalität zum Tanz auf.

Bei H.Popp in Oesau spielte Anfang Mai die Itzehoer Speeldeel das Stück "Das Schlotfelder Bier". Die Vorführung fand regen Zuspruch, selbst Enthusiasten aus Itzehoe und Kellinghusen verfolgten die Aufführung.

Am 15.Juni hatte das Musikkorps der reitenden Artillerie volles Programm. Am Nachmittag konzertierten sie auf der Amönenhöhe ab 15:30 Uhr, Eintrittspreis 5 Groschen. Am Abend spielte die Blechmusik des gleichen Musikkorps im Hotel du Nord zu einem großen Ball auf.

Die Schießübungen der Artilleriebrigade auf dem Schießplatz bei Lockstedt hatten täglich mit Ausnahme der Sonntage, von morgens 07:00 Uhr bis Nachmittags stattgefunden. Damit nun das Betreten, beziehungsweise die Benutzung der Grundstücke von Seiten der Dorfbewohner während des Schießens nicht stattfinden konnte, wurde das gefährdete Terrain durch eine ausreichende Zahl von Posten abgesperrt, deren Anordnungen jeder sofort Folge zu leisten hatte. Dennoch gingen, in diesem Falle von Lockstedt aus, sonntäglich junge und unerfahrene Leute auf den Schießplatz, um, trotz des Verbots und ungeachtet der Gefahr, Geschosse zu suchen. Bis in die jüngere Zeit wurde folgende Geschichte erzählt: "Auch der Dienstjunge meines Nachbarn hatte vor einigen Tagen ein Geschoß gefunden und dasselbe unserem Schmied zum Ankauf angeboten. Derselbe - sonst ein ruhiger und vernünftiger Mensch - läßt, ohne es zu kaufen, das gefährliche Monstrum unter seinem Amboss auf dem Block liegen. Am anderen Morgen geht er, wie gewöhnlich, um 04:00 Uhr an die Arbeit und schlägt später frisch und froh auf ein auf seinem Amboss liegendes glühendes Eisen. Doch was geschieht? Die Funken des glühenden Eisens fallen auf die Granate, was die sofortige Explosion zur Folge hatte. Die Einwohner der Dorfschaft stellten erschrocken ihre Tätigkeiten ein und gingen in die Werkstatt des Schmiedemeisters und fanden - welche Fügung Gottes! - den Meister samt seinem Gesellen, ungeachtet einiger kleiner Verletzungen unversehrt vor; die mehr als 30 zerbrochenen Fenster aber und weitere Zerstörungen waren Beweise von der großen Kraft dieses explodierenden Geschosses."

Den 22.Juni hatten die Musiker der Artilleristen aus Mölln für ein Konzert im "Lübscher Brunnen" reserviert. Das Konzert begann um 16:30 Uhr und ging nahtlos in die musikalische Aufführung zur Tanzmusik über. Vorsorglich wurde vom Veranstalter darauf hingewiesen, daß bei regnerischem Wetter das Konzert ausfallen würde, aber dafür begänne die Tanzmusik bereits um 15:30 Uhr.

Die Artilleristen hatten das Lager verlassen, dafür war die Infanterie eingezogen und das merkte man gleich an den Ankündigungen für diverse Militärkonzerte. Den Anfang machte das Infanterieregiment Nr.84 am Montag, den 30.Juni im "Eichtal", Beginn der Veranstaltung 16:00 Uhr, Ende 18:30 Uhr, Eintritt 6 Groschen. Danach wechselten sie zum "Freudenthal", wo sie ab 20:00 Uhr ein weiteres Konzert gaben. Auch hier kostete der Eintritt 6 Groschen.

Im Lockstedter Lager sollten in diesem Jahr keine größeren Zusammenziehungen stattfinden, dennoch ließ der Landrat folgende Bekanntmachung veröffentlichen. "Bekanntmachung,
betreffend Schießübungen im Lockstedter Lager. Mit Rücksicht auf die zur Zeit im Lockstedter Lager Statt findenden Schießübungen werden alle Anwohner des Schießplatzes dringend gewarnt, im Falle etwa Geschosse aufgefunden werden sollten, diese nicht aufzuheben oder auch nur zu berühren, vielmehr unter genauer Angabe des Platzes, an welchem solche sich befinden, davon im Lager Anzeige zu machen, damit die Fortschaffung seitens der Militairbehörde veranlaßt werden kann. Da die geringste, nicht sachgemäße Berührung der Geschosse eine sofortige Explosion zur Folge haben kann, mithin mit großer Gefahr für Leben und Gesundheit verbunden ist, wie leider ein in diesen Tagen vorgekommener Unglücksfall zur Genüge bewiesen hat, werden insbesondere auch Eltern und Lehrer aufgefordert, die Kinder vor jeder Berührung der etwa aufgefundenen Geschosse ernstlich zu warnen. Zugleich wird auf die Bestimmung des Strafgesetzbuches § 291 "Wer die bei Übungen der Artillerie verschossenen Munition oder wer Bleikugeln aus den Kugelfängen der Schießstände der Truppen sich widerrechtlich aneignet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu zweihundert Thalern bestraft." hierdurch besonders aufmerksam gemacht.
Itzehoe,den 8.Juli 1873
Der Königl. Landrath: C.von Harbou."

Im Jahre 1873 wurde zum erstenmal der Sedanschlacht, die am 01.September 1870 geschlagen wurde, gedacht. Es war ein feierlicher Tag. Ein Brief, den der Kaiser an das Feldartillerieregiment Nr.9 gerichtet hatte, wurde verlesen. Auf mehreren Plätzen gab es Konzerte. Am Abend waren die Straßen mit bengalischem Licht illuminiert. Im Park des Offizierkasinos wurde zum Abschluß des Tages und der Musikdarbietungen der Große Zapfenstreich gespielt für den extra eine Ehrenkompanie angetreten war.

Ende September war ein Arbeitsmann aus Kellinghusen, welcher hinter den Kugelfängen der Schießbahnen gefundenes, ein nicht krepiertes Geschoß aufgehoben und durch unvorsichtige Behandlung die Sprengung desselben herbeiführte, schwer verletzt worden. Das Landratsamt in Itzehoe machte bei Mitteilung dieses Vorfalles wiederholt in der Zeitung auf die großen Gefahren aufmerksam, welche mit der nicht sachgemäßen Behandlung solcher Geschosse für Leben und Gesundheit verbunden sind, und warnt jedermann, derartige Geschosse zu berühren oder aufzuheben. Sobald ein solches Geschoß aufgefunden werde, sei dies unter genauer Bezeichnung der Fundstelle dem Wachkommando im Barackenlager anzuzeigen, welches die Aufnahme desselben veranlassen wird.

Am Dienstag, den 07.Oktober 1873 besichtigte der mit der Führung des IX.Armeekorps beauftragte Generalleutnant und Generaladjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs Hermann von Treskow mit dem Stab des IX.Armeekorps das Lockstedter Lager mit seinen Einrichtungen. Die Besichtigung wurde mit einem Offiziersabend im Kasino abgeschlossen.

Mit der Einführung der Instruktion über das Scheibenschießen mit dem veränderten (aptierten) Zündnadelgewehr und dem Beginn des gefechtsmäßigen Schießens im Jahre 1873 und der kurz darauf durch die Beschaffung des Infanteriegewehrs M/71 erneuten Erhöhung der Anforderung an die Schützen durch die Bestimmungen über das Scheibenschießen der Infanterie, war die Anlage von Schießbahnen für Schulschießen und Gefechtsschießen mit dem Gewehr notwendig geworden.

Gewehr und Patronen hatten weniger Gewicht, das Kaliber wurde auf 11 mm verringert. Die wesentlichen Vorzüge aber waren, die größere Treffsicherheit, höhere Durchschlagskraft und geringerer Knall. Nicht zu vergessen und sehr vorteilhaft, daß die Metallpatronen die ehemals gebräuchlichen Papierhülsen ersetzten.

Vor Beginn der Belegung des Lagers wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Pappdächern und an den Gebäuden durchgeführt. Bei einigen Baracken mußten die Fächer durch Maurer neu aufgemauert, im Inneren Tische, Bettstelle und Schemel repariert werden.

An der südlichen Grenze des Lagers sind zwei Häuser gebaut worden, die beide eine Gaststätte beherbergen, den Wirten Ernst und Sibbert war die Schanklizenz vom Kreistag erteilt worden. Eine der Gaststätten trug später den Namen "Deutsches Haus".


1874

In den Gaststätten der angrenzenden Ortschaften waren seit dem 06.Januar Wahlplakate angebracht. Hier der Text eines Plakates der Landespartei bei Hansen in Winseldorf:

Einladung.
Freunde der Landespartei, Wähler des 5. Wahlkreises! Das hiesige Local=Wahlkommitee richtet an Euch die freundliche Bitte, Mittwoch, den 7. Januar, Abends 6 ½ Uhr, bis auf den letzten Mann im Hotel "Zur Stadt Hamburg" hierorts zu erscheinen, um die Rede unseres Rechtsfreundes und Reichstagsabgeordneten Dr. Griebel aus Kiel zu vernehmen. Jeder Urteilsfähige wird dadurch die Überzeugung gewinnen, daß die Landespartei die einzige in jeder Hinsicht konsequente Partei in unserem Lande ist, weil sie ihre natürlichen, vernünftigen und historisch begründeten Rechte bewahrt, ohne selbst ungerecht zu werden, weil sie besonders das Recht der freien Selbstbestimmung jedes Einzelnen und jedes Volksstammes achtet und geltend macht und weil sie ein einiges, glückliches und freies Deutsches Reich nur für möglich hält, solange es einiges, durch gesetzliche Freiheit glückliches, seine höchsten Güter wahrendes und ewig ungeteiltes Schleswig-Holstein gibt.

Das Lokal Wahlkommitee zu Kellinghusen

Die Ergebnisse der Reichstagswahl der umliegenden Ortschaften im Wahlkreis 5:
  Ridders Schlotfeld Winseldorf
Dr. Griebel 2 9 27
Dr. Lorenzen 20 20 3
Winter 1 20 21
Wahlberechtigt 40 61 69


Im Januar sollte die Chausseegeld-Hebestelle bei Peißen, an der über den späteren Truppenübungsplatz führenden Rendsburger Chaussee, etwa 1 ½ Meilen von Itzehoe entfernt, öffentlich verpachtet werden. Eine diesbezügliche Bekanntmachung war ergangen, die Unterlagen mit den Bedingungen konnten in Hohenwestedt in der Gaststätte Jargstorff eingesehen werden. Der Termin der Verpachtung war auf den 30.Januar festgesetzt.

Im Büro der Lagerverwaltung wurde Mitte Februar die Jagdnutzung auf dem Schießplatz verpachtet. Den Zuschlag für die Jagdnutzung erteilte der Verwaltungsbeamte Dettmering einer Gruppe von Husaren-Offizieren aus Itzehoe. Zu dieser Zeit waren die Holzfällarbeiten in den Waldungen der Herrschaft Breitenburg im Bereich des Lockstedter Lagers nahezu beendet, jetzt wurden die Käufer per Inserat informiert, welche Holzarten und Holzmengen in welcher Zubereitung zum Verkauf stehen.


In einem öffentlichen Submissionsverfahren (öffentliche Ausschreibung) wollte die Lagerverwaltung 270.000 Pfund Futter- und Lagerstroh für die Pferde der hier ab Juni übenden Artillerie Einheiten beschaffen. Für die Verpflegung der Soldaten waren die Einheiten selbst verantwortlich, lediglich die Küchen mit den respektiven Einrichtungen wurden zur Verfügung gehalten. Daneben mußten an den vorhandenen Gebäuden nicht unerhebliche Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Ausgeschrieben wurden Dachdecker-, Maurer- und Schlosserarbeiten. Diese Arbeiten wurden durchgeführt, während die übende Truppe im Lager weilte.

Das Schleswigsche Fußartilleriebataillon Nr.9 das in Niedersachsen garnisonierte, wurde von Cuxhaven aus mit Dampfschiffen am 06.Juni und in der Nacht zum 07.Juni nach Glückstadt übergesetzt. Von hier aus erreichte das Bataillon nach einem Fußmarsch von 36 Kilometern am Nachmittag des 08.Juni das Lockstedter Lager und richtete sich hier ein.

In Ridders eröffnete Daniel Timmermann im Juni einen Gasthof. Er hatte angekündigt für die Einwohner auch unterhaltende Feste zu veranstalten, wozu ihm der Bürgervorsteher aus Ridders Peter Bredenbeck in der Erwiderungsrede viel Erfolg wünschte.

Generalleutnant Hermann von Treskow inspizierte das Fußartilleriebataillon auf dem Übungsplatz. Er ließ die Führung über einen tragischen Todesfall unterrichten, der sich beim Scheibenschießen in Hamburg zugetragen hatte. Ein Soldat, der als Scheibenzeiger beim Schießen im Eppendorfer Moor eingesetzt war und nicht die nötige Vorsicht beobachtete wurde durch einen Schuß in den Hals getötet. Der Kommandeur des IX.Armeekorps ermahnte die Bataillonsführung, daß sie mehr auf die Einhaltung der Sicherheitsregeln achten müßten. Nach zweistündigem Aufenthalt verließ Generalleutnant Hermann von Treskow das Gelände und begann seine Reise nach Mecklenburg, wo er die 17.Division einer Besichtigung unterziehen wollte.

Die Itzehoer Zeitung warb im Juni bei der Bevölkerung für einen Besuch im Lockstedter Lager. Es wurde darauf hingewiesen, daß das Fußartillerieregiment Nr.2 und das Fußartilleriebataillon Nr.9 zu einem Schießplatzaufenthalt anwesend wären. Der Besuch wurde auch begründet - es wäre besseres Wetter eingetreten und es fänden allabendlich Konzerte durch die Musikkorps statt, wodurch die Annehmlichkeit des Aufenthalts noch erhöht würde. Es empfehle sich, auch bei einer Spazierfahrt einmal den Weg ins Lager zu nehmen. Den Besuchenden böte eine Auswahl guter Speisen und ein guter, kühler Trunk Bier etc. die nötige Erquickung.

Im Artillerielager erwartete man für die Tage des 03. und 04.Juli 1874 den Großherzog von Mecklenburg und den Generalinspekteur der Artillerie von Podbielski. Am 03.Juli, dem Erinnerungstag der Schlacht von Königgrätz, wurde ein großes Feuerwerk abgebrannt. Das für diesen Tag angesetzte Nachtmanöver begann deshalb erst nach dem Feuerwerk. Die Schießbahn, welche früher 1.600 Meter Länge hatte, war vor kurzem auf 2.400 Meter verlängert worden. Die für etwa 30 Festungsgeschütze schanzenartig aufgeworfenen Feuerstellungen verschoben sich bedeutend näher an das Barackenlager. Die Kugelfänge von früher konnten unverändert weiter benutzt werden. Das größte Gerät, mit dem exerziert und geschossen wurde, war eine 15 cm-Kanone (24 Pfünder) und ein 28 cm-Mörser (50 Pfünder). Das Kommando über das derzeit übende Fußartillerie Bataillon hatte der Kommandeur des Pommersches Fußartillerie Regiment Nr.2, Oberstleutnant von Krüger. Im Juli lag nur Festungsartillerie im Lockstedter Lager, jedoch mehr als in den früheren Jahren, nämlich ein Bataillon vom IX.(Schleswig-Holsteinischen) Korps und zwei Bataillone vom II.(Pommerschen) Korps, insgesamt 12 Kompanien. Die Einheiten setzten ihre Übungen bis zum 08.Juli fort. Vom 01. bis 19.Juli waren die Neumünsterschen Teile des Feldartillerieregiment Nr.9 mit den neuen Feldgeschützen C/73 im Lager kaserniert. Für die 1. und 2. reitende Batterie aus Neumünster war es das erste Mal, daß sie mit den neuen Waffen scharf schossen und die Munition C/76 und C/80 ausprobierten.

Das Artillerieregiment Nr.24 verließ Schwerin am 03.Juli zu den Schießübungen im Lockstedter Lager, traf dort am 09. Juli ein und blieb bis zum 30. Juli, um dann den Rückmarsch anzutreten. Die Strelitzer Batterie des Regiments war am 30.Juni in Schwerin in einer Stärke von 4 Offizieren, 101 Mann und 48 Pferden eingerückt und hatte Bürgerquartiere bezogen. Am 01.Juli hatte die Batterie Ruhetag und am 02.Juli ist sie mit den anderen Schweriner Batterien des Regiments im Landmarsch in Richtung Lockstedter Lager ausgerückt. Das Regimentsexerzieren sollte im Anschluß an den Aufenthalt bei Schwerin stattfinden, und dem Exerzieren kleinere Manöver der Brigade in der gleichen Gegend folgen. Gegen Ende August begannen die Divisionsmanöver zwischen Schönberg und Ratzeburg, dann folgte ein Manöver des inzwischen zusammengezogenen ganzen 9.Armeekorps in der Wesloer Heide bei Lübeck.

Die Gesellschaft "Frohsinn" zu Kellinghusen hat in der, Mitte Juli vorgenommenen Satzungsänderung der Gesellschaft, unter dem Paragraphen 10, Buchstabe c. hinzugefügt, daß "Militärpersonen nur zu Festen eingeführt werden können, wenn diese in Zivilkleidern erscheinen.

Die Regimentskapellen, der auf dem Schießplatz anwesenden Feldartillerieregimenter, waren während des Aufenthalts an allen Wochenenden ausgebucht. Jede Einheit hatte in Itzehoe ein Stammlokal, in dem es Konzerte gab oder zum Tanz aufspielte.

Es kam häufig vor, daß sich Schafe einer fremden Herde in die eigene Herde drängten. Bei den Herden im Bereich des Barackenlagers war dies beinahe schon an der Wochenordnung. Dem Schäfer Jürgens, der seine Schafe in unmittelbarer Nähe zum Lager weidete, waren kurz nach Anfang Dezember wieder zwei Schafe zugelaufen, für die sich aber in der Folgezeit niemand interessierte, also gab er eine Annonce auf, daß sich der Eigentümer die Schafe bei ihm, gegen Kostenerstattung, abholen könne. Es hat sich niemand gemeldet und so hatte er zwei Schafe mehr.

Preisübersicht für den Bereich Kellinghusen und Itzehoe für Lebensmittel in den vergangenen Jahren. Die Preise pro 500 Gramm. Preise in Silbergroschen und Pfennig. (1 Silbergroschen hatte 12 Pfennig)
Lebensmittel 1873-1874 1872-1873
Weizen 1 Sgr  4 Pfg 1 Sgr  1 Pfg
Roggen 1 Sgr  3 Pfg 1 Sgr  3 Pfg
Gerste 1 Sgr  1 Pfg 0 Sgr  9 Pfg
Hafer 0 Sgr  9 Pfg 0 Sgr  8 Pfg
Kocherbsen 1 Sgr  2 Pfg 1 Sgr  0 Pfg
Speisebohnen 1 Sgr  6 Pfg 1 Sgr  5 Pfg
Linsen 1 Sgr  8 Pfg 1 Sgr  6 Pfg
Kartoffeln 0 Sgr  4 Pfg 0 Sgr  3 Pfg
Rindfleisch v. d. Keule 6 Sgr  8 Pfg 6 Sgr  8 Pfg
Rindfleisch v. Bauch 6 Sgr  0 Pfg 5 Sgr  11 Pfg
Schweinefleisch 6 Sgr  9 Pfg 6 Sgr  7 Pfg
Hammelfleisch 5 Sgr  10 Pfg 5 Sgr  10 Pfg
Kalbfleisch 5 Sgr  3 Pfg 5 Sgr  2 Pfg
Speck 9 Sgr  2 Pfg 9 Sgr  2 Pfg
Butter 11 Sgr  11 Pfg 12 Sgr  0 Pfg
1 Schock Eier 34 Sgr  0 Pfg 31 Sgr  4 Pfg
Weizenmehl Nr.1 2 Sgr  6 Pfg 2 Sgr  6 Pfg
Roggenmehl Nr.1 1 Sgr  10 Pfg 1 Sgr  10 Pfg
Gerstengraupe 2 Sgr  9 Pfg 2 Sgr  10 Pfg
Gerstengrütze 2 Sgr  5 Pfg 2 Sgr  5 Pfg
Buchweizengrütze 2 Sgr  9 Pfg 2 Sgr  9 Pfg
Hirse 2 Sgr  6 Pfg 2 Sgr  6 Pfg
Javareis 3 Sgr  1 Pfg 3 Sgr  0 Pfg
Javakaffee, mittlerer 15 Sgr  7 Pfg 14 Sgr  6 Pfg
Javakaffee, gebrannt 18 Sgr  11 Pfg 17 Sgr  8 Pfg
Speisesalz 1 Sgr  0 Pfg 1 Sgr  0 Pfg
Schweineschmalz 8 Sgr   9 Pfg 8 Sgr  10 Pfg


Die offizielle Bezeichnung der militärischen Anlage war bis 1896: Artillerie-Schießplatz des 9.Armeecorps bei Lockstedt, danach Truppenübungsplatz Lockstedt, die Schreibweise des "IX.Armee-Korps" änderte sich 1901. Im zivilen und militärischen Sprachgebrauch sowie im Schriftverkehr gab es aber eine Reihe von anderen Namen. Es gab im Sprachgebrauch keine einheitliche Bezeichnung.
Zivile Bezeichnungen:
Barackenlager auf der Lockstedter Haide
Lager auf der Lockstedter Haide
Barackenlager bei Kellinghusen
Lockstedter Barackenlager
Lockstedter Lager
Schießplatz bei Lockstedt
Lockstedterlager
Barackenlager bei Lockstedt
Barackenlager bei Bücken
Militärische Bezeichnungen:
Barackenlager bei Lockstedt
Barackenlager in der Lockstedter Haide
Lockstedter Haide, den...
Lager Lockstedt
Lager bei Lockstedt
Lockstedter Lager
Truppenübungsplatz Lockstedt ab 1896
Häufig in Gebrauch ab 1897: Truppenübungsplatz Lockstedter Lager




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1867 - 1899